Sezession
14. Mai 2013

Was guckst du? – Über Frau Zschäpe

Gastbeitrag / 25 Kommentare

22690878,19430669,highRes,maxh,480,maxw,480,14854C000402CF73von Heino Bosselmann

Ich kenne Frau Zschäpe nicht. Selbstverständlich nicht. Sie ist mir ein Rätsel.

Verschiedenen Prozeßbeobachtern offenbar gar nicht: Die Nazi-Braut. Betont kühl. In Hitler-Pose. (Was ist damit gemeint?) Show. Eiskalt. Arrogant. Höhnisch. Gewinner-Lächeln. Das Haar frisiert, gar geföhnt. Dezent geschminkt. Schwarzer Blazer, weiße Bluse. Was sind das für Zeichen? Ambivalenz von Schuld und Trauer?

Frechheit! Anstatt in Handschellen und Ketten vorgeführt zu werden, wie es sich nach Auffassung mancher Presse gehört. Kein Schauprozeß, aber eine Prozeß zum Schauen. Voyeurismus. Die Dramolette um die Verteilung der Plätze im Gerichtssaal ließ ahnen: Mehr als ums Recht geht es der Öffentlichkeit ums Zusehen. – Die zoomenden Objektive lösen alle Distanz auf. Dreist glotzende Linsen. Eine Bewegung der Mundwinkel, und die Auslöser der Kameras rasten auf Dauerfeuer ein. Sie suchen das Böse in weiblicher Gestalt abzubilden, unheimlich, gerade weil dieses Gesichts nichts Horrendes hat, im Gegenteil.

Was erwartet man von dieser allseits unbekannten Frau, von deren mutmaßlichen Verbrechen bisher nichts Genaues erwiesen ist? Was wiederum die Projektionsfläche hergibt für wabernde Ahnungen und vor allem: Haß. Der immer der schlechteste Richter ist, wie die Dinge auch liegen. Die Hex' sollen brennen, brennen soll die Hex'! Die Medien haben nicht erst beim Gladbeck-Drama ihre Unschuld verloren. Sie schaffen sich eigene Realitäten, selbst vor Gericht.

Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es nicht nur als Gebot gegenüber Gott, sondern in einem Tagebuch-Essay von Max Frisch ebenso mit Blick auf den anderen Menschen.

Vielleicht doch eher fettiges Haar? Jogginghose? Ein Aufzug, der dem Bild vom vermeintlich pathologisch-perversen Nazi näherkommen mag? Niederknien vor den Angehörigen der Opfer? Oder gälte gerade das als die schlimmste Provokation?

Frau Semiya Simsik, deren Vater umgebracht wurde, fand den ersten Tag vor Gericht „einfach sehr juristisch“. Bei allem Respekt vor dem schlimmsten Leid: Was sonst wäre günstigstenfalls dort zu erwarten?

Es ist gemordet worden, während hochdotierte, sich elitär wähnende Exekutivorgane versagten. Der Alptraum endete mit einem Doppelsuizid und einem brennenden Zwickauer Haus. Die widerlichen Taten gehören aufgedeckt, die Schuldigen bestraft. Das ist darüber sicher zu sagen, viel mehr noch nicht.

"Du Glücklicher, geboren und gehegt
Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
Leg hin die Waagschal – nimmer dir erlaubt!
Laß ruhn den Stein – er trifft dein eignes Haupt!"

(Annette von Droste-Hülshoff, aus dem Prolog zu "Die Judenbuche")


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Kommentare (25)

Waldgänger
14. Mai 2013 18:12

Lieber Herr Bosselmann,
Sie haben das ganz einfach gut geschrieben.
Zu debattieren gibt es daher eigentlich nichts.
Es ist so, wie Sie es geschrieben haben.

Vielleicht nur so viel:
Die Einen wollen einen Schauprozess, die anderen wollen einen Show-Prozess und eher die Minderheit einen ganz normalen Gerichtsprozess.

Heino Bosselmann
14. Mai 2013 18:18

@Waldgänger: Danke. Vielleicht vorab wichtig zu wissen: Ich bezog mich in diesem etwas älteren Text nur auf den ersten Prozeßtag; den gerade angelaufenen zweiten hatte ich noch nicht auf dem Schirm.

Petrus Urinus Minor
14. Mai 2013 19:14

Sehr geehrter Herr Bosselmann

Es wäre besser, von einem "mutmaßlichen" ober besser "offiziösen" Doppelsuizid zu sprechen. So sollen laut Aussagen aus dem Untersuchungsausschuss zwei ausgeworfene Hülsen gefunden worden sein bei Verwendung einer Repetierflinte. Es verwundert doch sehr, wie ein Toter eine Waffe repetieren kann, nachdem er sich erschossen hat.

Wahr-Sager
14. Mai 2013 19:17

Wenn es gegen "Nazis" geht, ist die Niveautiefe des heutigen Mobs unbegrenzt. Da lacht das Publikum im Zusammenhang mit dem "NSU"-Prozess, wenn Oliver Welke von der ideologisch geführten "Heute Show" (in der "Nazis" unvermeidlicher Bestandteil sind) Beate Zschäpe als "arbeitslose Glatzenmatratze" verunglimpft, während die Vorverurteilte im Hintergrund mit der Inschrift "Der Teufel trägt KIK" zu sehen ist.
Eine derart widerliche und menschenverachtende "Comedy" ist wohl nur in der BRD möglich, in der sich der Hass gegen bestimmte Gruppen, denen man alles anhängen kann, offenbar freien Lauf lassen darf.

Ein Fremder aus Elea
14. Mai 2013 22:40

Hmm... überall Terror... zuletzt hat der böse Assad in der Türkei bomben lassen...

ceterum censeo
14. Mai 2013 22:59

Danke für den Artikel und auch für die Kommentare bis dahin!
Und an Herrn Wahr-Sager: Selten hat mich ein sogenannter Promi so entäuscht, wie Welke! Seinerzeit noch zusammen mit dem meist hervorragend bitterbösen Kalkofe, wenngleich nicht halb so gut, so doch hoffnungsvoll. Heute ein Madenhacker auf dem verwesenden Leib des Zwangsgebührenmolochs. Da ihm Kalki zu folgen scheint, warte ich auf den Tag, an dem Dietmar Wischmeyer seine Seele verkauft. Das würde ich dann wirklich bedauern!

PS: Man stelle sich vor, so ein Agitpropclown erfände ähnlich lustige Bezeichnungen für die türkischen Angeklagten im "Körperverletzungsprozeß" an Jonny K. !
Wie wär´s z.B. mit "Hartzer Solariumsroller" oder "tollwütiges Dönertier"?

Realist
14. Mai 2013 23:18

Für die überwiegende Mehrheit der Journalisten hege ich die größte Verachtung. Kein anderer Berufsstand prostituiert sich derartig, mißbraucht die eigene Bestimmung und tritt die Verpflichtung zur Wahrheit, welche die ihm anvertraute Freiheit mit sich bringt, dermaßen mit Füßen.

Die freie Presse könnte tatsächlich ein Leuchtfeuer der Freiheit, "Sturmgeschütz der Demokratie" sein. Was macht sie daraus? Bedient mehrheitlich niederste Instinkte, verleumdet, skandalisiert, macht Stimmung, verkauft Schlagzeilen. Pfui!

Ich bemerkte vor etlichen Jahren einem penetranten Schreiberling gegenüber einmal: "Du kommst mir vor wie eine Schmeißfliege. Immer unangenehm laut brummend auf dem größten Haufen Scheiße sitzend. Schämst Du Dich nicht für Dein armseliges Dasein?" Tat er natürlich nicht. Völlige Schamfreiheit ist, so wurde mir zu jener Zeit klar, ist der hervorstechendste Charakterzug dieser Spezies.

Seit damals hat sich diese Einsicht mehr als bewahrheitet. Der ganze NSU-Rummel ist nur ein weiters Kapitel in einer unendlichen Reihe von Schamlosigkeiten seitens der Presse.

Marcus Junge
15. Mai 2013 08:18

"Der Alptraum endete mit einem Doppelsuizid und einem brennenden Zwickauer Haus."

Er endete 2007 in Kassel. Da wurde der VS-Mann "Klein Adolf" ermittelt (mal wieder, da er bei vielen anderen Tatorten in der Nähe nachweisbar war), der zum Tatzeitpunkt am Tatort (im Internetcafe, als Nutzer) war und sich dann nicht bei der Polizei meldete und nach seiner Ermittlung und Verhaftung, ganz schnell aus deren Händen geholt wurde, damit er auch ja keine Dummheiten ausplaudert.

Julius
15. Mai 2013 10:03

Wenn es um "Nazis" und "Deutsche Täter" geht, sind alle Regeln des Anstandes und der zugegebenermaßen ohnehin kaum noch erkennbaren Restbestände journalistischen Ethos außer Kraft. Es würde mich aber nicht überraschen, wenn die Öffentlichkeit - wenigstens teilweise - bald das Interesse verliert, ähnlich wie im Prozess gegen Verena Becker im Vorjahr. In der heutigen print-Ausgabe der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" heißt es: "Nur sechs von 86 Nebenklägern waren im Gerichtssaal, nicht einmal alle türkischen Medien waren noch vor Ort, die sich doch so bitter beklagt hatten, dass sie zunächst keine Presseplätze bekommen hatten." (In bundesdeutschen Medien konnte ich das nicht finden.) Bestimmte Kreise werden allerdings größtes Interesse haben, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten: Wie Martin Lichtmesz jüngst hier - wieder einmal den Kern treffend - geschrieben hat: "Wer das Land, seine Eliten und seine Meinungsmacher kennt, weiß, daß für diese nichts attraktiver ist als eine frische, funkelnagelneue „deutsche Schuld“, eine Art Holocaust-Update im Miniaturformat. "
Zum NSU-Phänomen und zur Rolle der Geheimdienste sind mir übrigens jüngst zwei gut recherchierte und sehr detailreiche Bücher in die Hände gefallen, die man bei einer Beschäftigung mit der Angelegenheit nicht übergehen sollte, nämlich Wisnewski u.a., Das RAF-Phantom [siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Das_RAF-Phantom ] (teilweise spekulativ, aber vor allem Teil 2 hier einschlägig) und Peter Horvath, Die inszenierte Revolte. (Letzteres wirklich empfehlenswert und derzeit sehr preiswert bei den üblichen Internethändlern.) Dieser Hintergrund dürfte auch die Erklärung sein, warum Zschäpe so hartnäckig schweigt. Das ist ihre einzige Chance zu überleben.
evola@gmx.net

eulenfurz
15. Mai 2013 10:12

Richtig, Marcus Junge, der "Albtraum" der Dönermörderei endete 2007, die NSU-Schow begann erst vier Jahre später. Solch ein verspäteter Terrorismus dürfte einmalig in der Weltgeschichte sein.

Zum Glück sind die beiden "Haupttäter" tot, ein Gerichtsprozeß für sie ist nicht mehr notwendig, sie sind schuldig gesprochen. Jetzt geht es nur noch darum, dem Glamour-Sternchen des deutschen Showprozeßbusiness nachzuweisen, daß es mit den Morden nichts zu tun hat und sich jahrelang mit Norderney, den Biobauern Zwickau oder dem Tropical Island beschäftigt hat - das nämlich wäre "Pflege einer gutbürgerlichen Fassade", und das ist laut Anklageschrift strafbar.

Hier solle niemand denken, er könnte nicht auch im Fall des Falles Bauernopfer bzw. "Terrorist" werden und sich eines Morgens verwundert die Augen darüber reiben, was ihm auf einer Anklagebank so alles vorgeworfen wird.

Petrus Urinus Minor
15. Mai 2013 10:47

@Marcus Junge

Es ist zum Verzweifeln! Da liegt die berühmte offizielle "smoking gun" direkt vor Augen, in Luxemburg gibt es bahnbrechende Aussagen zu Gladio-Verstrickungen die geeignet wären, die ganze verdammte Republik zu erschüttern und NICHTS passiert. Selbst wenn man halbwegs konservative und eigentlich kritische Menschen anspricht - NICHTS als blindes Glotzen und weiterso.

Dabei liegen offenkundige Zweifel und tatsachen auf dem Tisch. In den Mainstreammedien selbst. In den Ausschussberichten. Keine "obskuren" Internetquellen.

Eine Nachricht ist erst dann eine Nachricht, wenn darüber berichtet wird, daß sie eine Nachricht ist. Ein Skandal ist erst dann ein Skandal, wenn darüber berichtet wird, daß er ein Skandal ist.

Ich will hier keine 9/11 lunatic fringe Diskussion anstoßen, aber ich glaube, ich weiß, was passiert ist (SATIRE)!

9.11.2001
Langley, CIA Hauptquartier
1528Zulu

D.o.O.: Sir, Sir, operation "Mikado" ist gelaufen wie geplant. Turm 1 ist ordnungsgemäß kollabiert!

D.CIA.: Sehr schön. Ich hatte befürchtet, die Trottel fliegen daneben.

D.D.CIA.: Jaja, war ein hartes Stück Arbeit, denen zu erklären, was der Unterschied zwischen einem Teppich und einer Boeing ist.

D.CIA.: (in patriotischer Geste) Schlimme Sache das. America is under attack! Jetzt müssen wirk mit ganzer Kraft herausfinden, wer die Schweine waren, die uns das angetan haben!

D.o.O.:CIA.: Ähm Sir...

D.CIA.: Und wir werden Furcht und Schrecken gegen diese Achse des Bösen herabregnen lassen.

D.D.CIA.: Ganz vortrefflich! Achse! Brilliant!

D.o.O.: Äh Sir, wir... äh, wissen wer das getan hat. Wir haben diese Kamelschänder schließlich finanziert!

D.CIA.: (bestimmt) Ja, Achse! Das sind ja auch quasi Nazis!

D.D.CIA.: Nazis! Islam ist Hitler! Ganz klar. Muss man wissen!

D.o.O.: Ähm, Sir, und wir haben sie auch ausgebildet! Der Osama, mit dem Sie letzten Monat Golf spielen waren...

D.CIA.: Jaja! Freundlicher Mann. Hat einen guten Drive. Muss dringernd an meinem Handicap arbeiten.

D.D.CIA.: Pappelapapp! Natürlich wissen wir, wer das war. Aber wir werden sie finden! Das schwöre ich - beim Barte meiner Großmutter!

D.o.O.: Ähm, Sir... Wenn wir das wissen - Wie erfärt es dann der Bürger? Sie wiisen schon - To serve and protect...

D.CIA.: Verdammt! Wie sagens wir nur dem Bürger?

D.D.CIA.: Ähm, also da... ja.... hm...

D.o.O.: (lavierend) Also, der Teil fehlte im Plan, wie ich in Konferenzsitzung A27/D-Op-OPSEC/Assistant Comitee on irrelevant things and stuff /ACOITS schon am Sitzungstag 17 um 13hundert27 Zulu time bemerkte.

Alle.: Schweigen. Ähm. Äh....

D.CIA.: Brainstorming! Brainstorming und Powerpoint, mein Sohn! Das hat Amerika groß gemacht!

DeputyViceAssistant John Doe.: Sir! Sir! Ich hab es!

D.CIA.: Schießen Sie los, Sohn!

DeputyViceAssistant John Doe.: Also! Ich schlage vor, ein zufällig spazierender CIA Mitarbeiter geht am Ground Zero vorbei. Und dann macht es rrrummsss! Und da flattert ihm doch glatt...

D.o.O.: Äh....

DeputyViceAssistant John Doe.: In der Mittagspause, Sir! Und da flattert ihm doch glatt der Pass von islamic wing operative 6 vulgo Muhammet Atta direkt vor die Füße.

D.o.O.: Äh....

DeputyViceAssistant John Doe.: Leicht angekokelt, Sir!

D.o.O.: Äh...

D.CIA.: Brilliant! Befördern Sie diesem Mann, Deputy Director!

D.o.O.: Ähm, Sir, finden Sie wirklich, daß DAS plausibel ist?

D.CIA.: (jubelnd) Das ist einfach brilliant! Schließlich schreiben wir das in den OFFIZIELLEN UNTERSUCHUNGSBERICHT (TM)! Da kann es gar keine Zweifel geben! Logisch! Kausal! Brilliant!

D.D.CIA.: Und wer was anderes behauptet ist ein Nazi!

D.CIA.: Und ein Nazi!

D.o.O. Sehr schön, Sir! Aber finden Sie wirklich, daß das so ganz doll vollkommen plausibel klingt?

D.CIA.: (im Brustton der Überzeugung) Klappe, Operations! Die schlucken alles.

-

4.11.2012
Langley, CIA Hauptquartier
1435Zulu

D.D.CIA.: (aufgeregt) Sir! Wir haben eine Anfrage aus Germany, Sir!

D.CIA.: Ah, Deputy, sehr schön! Schauen Sie sich meinen neuen Golfschläger an!

D.D.CIA.: Sehr schön, Sir! Sir, die germans haben ein Problem...

D.CIA.: Ach Probleme, immer nur Probleme... Das macht mich ja ganz depressiv...

D.D.CIA.: Mein Beileid, Sir! Sir, die germans haben zwei tote Killer. Und eine tote Polizistin. Und tote Türken. Und einen toten Griechen. Und tote right wing operatives. Und eine tote Waffe. Und eine tote Wohnung. Und möglicherweise Drogen. Und wahrscheinlich Schutzgeld.

D.CIA.: Schutzgeld? Auf den Stuhl! Gott wird die seinen erkennen! In God we trust! Lesen sie die Bibel, Deputy?

D.D.CIA.: Selbstverständlich, Sir! Sir, da hängen auch die Gladio-Leute mit drinnen.

D.CIA.: (träumend) Achja, Gladio, das waren noch Zeiten...

D.D.CIA.: Und da könnte unsere Handelsrute H aus Afghanistan betroffen sein.

D.o.O.: Die germans brauchen dringend eine plausible Erklärung! Sir, Ihre Freundin Ändschöla ist auf Leitung Drei. Und auf Leitung vier Agent "Gollum".

D.CIA (erwachend) Was? was? Handelsroute H? Meine Gladio-Kumpels des Jahrgangs 79? Stellt das Team wieder zusammen!

-

Vorhang.

Sara Tempel
15. Mai 2013 11:54

In leichter Abwandlung:
"Der Alptraum begann mit einem schlecht inszenierten Doppelsuizid und einem brennenden Zwickauer Haus, bei dem durch ein Wunder dringend benötigte Beweise nicht verbrannten.“
Die durchgängig schlechte Arbeit des VS-Manns Temme, „Klein Adolf“, hat den Behörden viele Probleme bereitet!

Inselbauer
15. Mai 2013 13:07

Für mich ist dieser NSU-Wahnsinn einfach nur noch ein Symptom für die endgültig vollkommene Unzuständigkeit des aufgeklärten Individuums in der Politik. Wo ein Ereignis ohne Verlust an Glaubwürdigkeit simuliert werden kann, ist das Ereignis selbst ohne jede Bedeutung. Kein Mensch weiß, was sich wirklich abgespielt hat, es gibt überhaupt keine Möglichkeit, rational auf dieser Teufelskram zu reagieren. Auch mit "Anstand" oder "Instinkt" kommt man nicht weiter. Es ist eine Niederlage für den Verstand, in einer Welt, die sich wie im Mittelalter auf mehr oder weniger attraktive und zugkräftige "Wunder" hin auflöst.

Wahr-Sager
15. Mai 2013 17:34

@ceterum censeo:

Man soll ja nicht immer vom Äußeren ausgehen, aber im Fall Welkes denke ich immer an pummelige Schüler, denen man etwas anvertraut in der Hoffnung, dass sie es für sich behalten, aber dann publik machen, um sich bei anderen beliebter machen zu wollen.

Welke ist eine typische BRD-Mediennutte - aalglatt, ohne irgendein Gewissen. Ein typischer Karrierist, der für seine Selbstbestätigung den grölenden Mob braucht und als BRD-Funktionär einen wertvollen Mitläufer, äh, ein wertvolles Mitglied darstellt.
Ich bin mir sicher, unter Honecker hätte dieser Typ auch wertvolle Dienste geleistet...

Ein Fremder aus Elea
15. Mai 2013 17:38

Inselbauer,

ich verstehe Sie durchaus, aber Anschläge politisch auszuschlachten ist dann doch etwas zu profan, um gleich ein neues Mittelalter aufziehen zu sehen.

Sicher, die aufgeklärte Moderne versagt da in jeder Hinsicht, wahrscheinlich schon bei der Motivation des ganzen Theaters, nämlich einen Ausgleich zum vermeintlichen und/oder realen Moslemterror zu schaffen.

Man hält nicht viel vom Volk, man füttert es mit Lügen, damit es tut, was man von ihm will. Ich denke, diese Denkweise können wir den Verantwortlichen getrost unterstellen.

Nun ja, das ist der realexistierende Faschismus. Reichstagsbrand, Gleiwitz, Münchner Abkommen, schwer die Musik zu überhören, die gespielt wird.

Es wird noch etwas dauern, bis wir dann auch endlich wieder im Mittelalter sind. Und das wäre gar nicht mal das Schlechteste.

Wahr-Sager
15. Mai 2013 17:43

@Realist:

Für die überwiegende Mehrheit der Journalisten hege ich die größte Verachtung.

Dafür habe ich ein anschauliches Beispiel: Als die ARD im Februar d. J. eine Reportage über Leiharbeiter bei Amazon ausstrahlte, sollen bei diesem Vertrieb skandalöse Missstände aufgedeckt worden sein.
Der Einfachheit halber zitiere ich von einer IT-Seite (die Quelle ist aber eh egal, da der Wortlaut auf anderen Seiten identisch sein dürfte):

Wie die Branchenseite 'Meedia' berichtet, hat sich das Job-Touristikunternehmen CoCo vor Gericht gegen die von der ARD erhobenen Vorwürfe gewehrt und eine einstweilige Verfügung erwirkt. Genauer gesagt geht es um den Hessischen Rundfunk, der für den Bericht mit dem Titel "Ausgeliefert" verantwortlich war. Die ARD darf den Film in der derzeitigen Form nicht mehr im Rahmen der Mediathek zeigen.

Die Macher der Reportage, die angebliche Missstände bei Leiharbeitern des Online-Versandhausriesen angeprangert hat, hatten behauptet, dass das angemietete Personal in "heruntergekommen" Quartieren untergebracht gewesen sei und Vorwürfe hinsichtlich des Speiseraumes im Keller der von CoCo gemanagten Unterkünfte bzw. eines Restaurants erhoben.

Dort, gezeigt wurde das in einer angeblichen E-Mail, würden Menschen "abgefüttert wie die Schweine", hieß es. Eine Behauptung, der CoCo von Anfang an widersprochen hat und nun vor Gericht zunächst Recht bekam. Der besagte Speiseraum existiere gar nicht, so das Unternehmen: "Das ist schlicht eine Erfindung der ARD-Journalisten, gegen die wir auch juristisch vorgehen."

Der HR hat bereits vor der Gerichtsentscheidung bestätigt und eingestanden, dass der strittige Screenshot der E-Mail "fingiert" gewesen sei. Zudem musste der Hessische Rundfunk über seine Rechtsabteilung zugeben, dass auch eine im Film porträtierte polnische Leiharbeiterin namens Agnieszka Lewandowska "niemals als Leiharbeiterin bei Amazon beschäftigt war."

Nach der Reportage Mitte Februar hatte Amazon dem Touristikunternehmen CoCo gekündigt, wie sich nun herausstellt, offenbar zu Unrecht. Der HR kann gegen die Entscheidung des Landgerichts Hamburg Rechtsmittel einlegen.

...

Wahr-Sager
15. Mai 2013 17:56

Ergänzend zu meinem Beitrag eben über den Schweinejournalismus der ARD dieser Link.

Auch wenn das jetzt etwas mehr Text ist, hoffe ich auf eine Veröffentlichung, um aufzuzeigen, wofür wir Rundfunkgebühren zahlen. Hier also (stellvertretend) zwei Kommentare der oben genannten Seite:

die ARD sollte sich mal fragen

von Sven Köster

ob es das ist was man für die seit neuestem "Beitrag" genannte Zwangsabgabe bekommen möchte. Schlechter Journalismus im Sensationsstil, überbezahlte Reporter die sich auf Kosten der Beitragszahler profilieren und ins Gespräch bringen wollen. Liebe Damen und Herren der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: Wenn das die Auffassung von objektiver und unabhängiger Berichterstattung ist, dann brauchen wir euch nicht mehr und es wird auch nicht mehr lange dauern bis der mündige Bürger euch das spüren lässt. Gleiche Qualität, Objektivität und Unabhängigkeit bekommt man bei den Privaten umsonst.

Solche und solche

von Karin Wegner

Es ist wie in jeder Branche, es gibt auch unter Journalisten eine Reihe von schwarzen Schafen.Vor einigen Jahren wurde ich Opfer eines solchen Schmierfinks. Ich habe - damals im Umgang mit Journalisten unerfahren - mich bei dem Interview offen und ehrlich über das Für und Gegen einer neuen Diagnose-Methode geäußert. Als die Sendung ausgestrahlt wurde, wurde ausschließlich das Gegen dieser Methode hervorgehoben - die wissenschaftlichen Studien des Für wurden komplett unter den Tisch fallen gelassen. Die Folge: Ein starker Rückgang der Diagnosemethode, 16 Labormitarbeiter mussten entlassen werden. Heute, 8 Jahre später, wird diese Methode von nahezu allen Laboren angeboten... Das Fazit auf Amazon übertragen: Wenn man einen Hund prügeln will, findet man einen Stock.

In politischer Hinsicht kann man davon ausgehen, dass es noch weitaus schlimmer ist...

ene
15. Mai 2013 21:47

"Unzuständigkeit des aufgeklärten Individuums" - wie soll auch jemand auf dergleichen noch reagieren - ich las im Stern (in einem Wartezimmer, das gibt es wirklich). Es ging um die NSU, und von Tausenden von sichergestellten Fundstücken war die Rede.
Dazu dann folgende Abbildungen:
rosafarbene Plüschpantoffeln der Marke "Hello Kitty" (eine ganze Seite füllend!).
Eine Handtasche mit Leopardenmuster (die hätte Beate Z. bei sich gehabt, als sie sich der Polizei stellte), ferner ein Deo-Spray (welches sich in der Tasche befunden habe).
Grotesk!

Rumpelstilzchen
16. Mai 2013 09:16

@ Inselbauer

Das aufgeklärte Individuum ist nicht vollkommen unzuständig, sondern, gerade weil es aufgeklärt ist, im höchsten Maße zuständig.
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" , heisst es bei Kant.
Auch das Mittelalter verlieh der Klugheit einen hohen Rang. Die klassisch christliche Lehre von den vier Kardinaltugendn ( z.B. Bei Thomas von Aquin) nennt die Klugheit die Gebärerin und den Grund für die übrigen Tugenden, der Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung.
Nur wer klug ist, kann gerecht, tapfer und massvoll sein.
Der Satz vom Vorrang der Klugheit besagt, dass das Sein früher ist als das Wahre und das Wahre früher als das Gute.
Mal ganz unkonventionell auf diesen Prozess angewandt:
Man kann immer wieder nur fragen, was gewesen ist ( etwa, warum Andreas Temme an verschiedenen Tatorten gesichtet wurde und andere Ungereimtheiten) . Daraus ist alles andere abzuleiten und nicht umgekehrt.
Die gute Gesinnung ( Höchststrafe für böse Nazibraut) ist nicht der Massstab.
Im übrigen rege ich an, mal die klassisch-abendländische Tugendethik als Gegenpol zur linken Gesinnungsethik zu entdecken und zu beleben.
Hier liegen Schätze verborgen. es liesse sich das Moralmonopol der Linken damit knacken.
( z. B. Die Bücher von Josef Pieper über die Kardinaltugenden)

Inselbauer
16. Mai 2013 13:25

Ich bin der Ansicht, dass solche massiven Angriffe auf den gesunden Menschenverstand (man muss das gar nicht geistesgeschichtlich verbrämen) sehr wohl eine Zeitwende markieren können, die über die normale "Volksverarschung" hinausgeht. Wenn es sich tatsächlich als möglich erweist, bleibende Mythen als bloße Synthesen aus irgendwelchen technisch aufgemotzten Propagandalügen, die dann den Institutionen zum Fraß vorgworfen werden, zu entwickeln, nützt euch die ganze Rückbesinnung auf diverse Tugenden und eine christliche Vorstufe der Ratio gar nichts mehr. Wenn solche Ereignisse wie der 11. September oder NSU zumindest zu einem hohen Grad "gemacht" waren, und die Herrschenden kommen damit durch, ist das Mittelalter zurück und wird sich nicht wieder so schnell verabschieden.

Rumpelstilzchen
19. Mai 2013 11:11

Massive Angriffe auf den gesunden Menschenverstand (Geschichtsmythen) gab es ( siehe " konstantinische Schenkung") und gibt es zu allen Zeiten.
Welchen Geschichtsmythen sitzen z. B. überwiegend analphabetische muslimische Völker auf ? Schlechte Mohammedfilmchen wiegeln den Volkszorn auf. Propagandalügen überall. Im Kommunismus, im Nationalsozialismus usw.
Es wird auch nie anders sein.
Trotzdem denke ich, dass es Annäherungen an die "Wahrheit" geben kann, dass man sich im kleinen Kreis darüber verständigen kann. Sonst würde man ja auch nicht die "Sezession" lesen, wenn man nicht denken würde, sich der "Wahrheit" im Sinne einer Vergewisserung anzunähern.
Da scheint etwas auf. Im Rückblick kommt so einiges ans Licht.
Man kann es zeitgemäße Unzeitgemäßheiten nennen. Das gab es auch immer, Leute, die ihrer Zeit voraus waren. Untergrund, Samisdat, Sezession, Inselbau, Waldgang.
Also nicht so pessimistisch ! Der gesunde Menschenverstand kommt zu gegebener Zeit.

Demo Goge
20. Mai 2013 16:32

"Der Alptraum endete mit einem Doppelsuizid"

Nach offizieller Version ist Boehnhardt von Mundlos erschossen worden, was mindestens ein Totschlag ist, woraus sich nach Adam Riese zwingend ergibt, daß maximal ein 'Einfachsuizid' im Falle Mundlos vorliegen kann, denn eine Einwilligung in die eigene Tötung ist rechtlich nicht möglich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Einwilligung

Demo Goge
20. Mai 2013 16:43

Und ob ein 'Alptraum' mit dem Tode der Uwes endete, weiß ich nicht, ein propagandistischer Albtraum jedenfalls begann zu diesem Zeitpunkt.

Petrus Urinus Minor
20. Mai 2013 18:31

@ Demo Goge

Das wäre dann eine Tötung auf Verlangen i.S. §216 StGB http://de.wikipedia.org/wiki/Tötung_auf_Verlangen (wenn wir schon unbedingt Wiki bemühen wollen), aber das ganze Geschehen als solches bleibt ja mehr als fraglich.

Berend Rangstorff
21. Mai 2013 15:52

Um noch einmal auf den letzten Absatz im Artikel des geschätzten Heino Bosselmann zu kommen:

Es ist gemordet worden, während hochdotierte, sich elitär wähnende Exekutivorgane versagten. Der Alptraum endete mit einem Doppelsuizid und einem brennenden Zwickauer Haus. Die widerlichen Taten gehören aufgedeckt, die Schuldigen bestraft. Das ist darüber sicher zu sagen, viel mehr noch nicht.

Daraus werde ich nicht schlau.
B. glaubt offenbar an die Geschichte vom Doppelsuizid. Warum fordert er dann die Aufklärung der Fälle und Bestrafung der Schuldigen? Meint er, M.&B. seien gar nicht die Schuldigen? Andere? Warum dann aber überhaupt Doppelsuizid? Oder meint er postume "Bestrafung"?

Abgesehen von dem 4 Jahre nach dem letzten Mord plötzlich inszenierten großen Verwirrspiel, aus dem schnell eine in allen Kanälen propagierte glatte "NSU"-"Nazigeschichte" präpariert wurde, passierte einiges, über das B. ein paar Worte hätte sagen können.
Schon wenige Wochen nach dem angeblichen Doppelsuizid, bevor irgendetwas wirklich geklärt war, wurden höchste Organe des Staates tätig und zelebrierten in öffentlichen Trauerfeiern die "Nazimorde" aus "rassistischen" Motiven. Ganz großes Schämen! Unter Mißachtung der früheren professionellen Ermittlungen wegen der Morde an den so genannten Kleinunternehmern, die in einem Sumpf von Mafia, Geheimdienst- und Regierungskriminalitäten steckengeblieben waren, entschuldigte man sich bei den Angehörigen der Ermordeten, zahlte ihnen hohe Geldsummen, tat allerlei Buße, benannte öffentliche Orte nach den Namen der Erschossenen, errichtete ein (oder schon mehrere?) Mahnmal(e).

Kann unter diesen Vorgaben erwartet werden, dass bei dem Prozess in München die Taten aufgeklärt werden? Sie sind's ja schon. Dem Vernehmen nach soll es ja auch nur noch um die Schuld Zschäpes (und der Mitangeklagten) gehen. Und die "vierte Gewalt" im Staate spielt bei all dem eifrig mit (Ausnahme: die Zeitschrift compact, die eine informative Sondernummer herausbrachte).

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