Sezession
19. Mai 2013

115. Geburtstag Julius Evola

Gastbeitrag

9783935063562(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Alain de Benoist

Julius Evola ist der berühmteste Vertreter des sogenannten »integralen Traditionalismus « (der nicht mit dem christlichen Traditionalismus oder dem klassischen konterrevolutionären Traditionalismus zu verwechseln ist).

Er stammte aus einer sizilianischen kleinadeligen Familie und durchlebte eine schwierige Kindheit und Jugend, die von der Lektüre Carlo Michelstädters, Giovanni Papinis und Friedrich Nietzsches geprägt war. Er begann ein Ingenieursstudium, das 1917 durch seinen Kriegseinsatz als Unterleutnant der Artillerie unterbrochen wurde. Zu diesem Zeitpunkt setzte eine existentielle Krise ein. Er interessierte sich für die Kunst der Avantgarde, nahm Kontakt zu Tristan Tzara auf und wurde einer der ersten Dadaisten Italiens. Gleichzeitig interessierte er sich für östliche Spiritualität und entwickelte ein vom Tantrismus inspiriertes Konzept des»Ichs«, das er zu einem extremen Individualismus ausweitete.

In den zwanziger Jahren verkehrte Evola in verschiedenen »esoterischen« Zirkeln Roms und gründete schließlich 1927 die kurzlebige »Gruppe von Ur«. Im folgenden Jahr publizierte er das Buch Heidnischer Imperialismus (Imperialismo pagano), in dem er das Christentum scharf angriff und ihm die Größe des antiken Roms entgegensetzte. Er las intensiv das Werk René Guénons und gründete zusammen mit Guido de Giorgio die Zeitschrift La Torre (der Turm), die vom faschistischen Regime ein halbes Jahr lang verboten wurde. Er publizierte verschiedene Arbeiten u. a. über die »hermetische Tradition«, das »Mysterium des Grals«, das »tantrische Yoga« und den »magischen Idealismus«.

Im April 1930 schrieb er in La Torre:

Wir sind weder Faschisten noch Antifaschisten. Der Antifaschismus ist den unbeugsamen Feinden jeglicher plebejischen Politik und nationalistischen Ideologie gleichgültig. … Was den Faschismus angeht, so ist er zu wenig. … Wir wollen einen viel radikaleren, unerschrockeneren Faschismus, einen wahrhaft absoluten Faschismus aus reiner Kraft, jedem Kompromiß unzugänglich.

Nichtsdestotrotz arbeitete er unter Mussolinis Herrschaft für mehrere, nicht unwichtige Zeitungen und Zeitschriften. 1934 erschien Revolte gegen die moderne Welt (Rivolta contro il mondo moderno), das als Evolas Hauptwerk gilt. Dieses umfangreiche Buch entwickelt eine Doktrin, die wie das seitenverkehrte Negativ zur Ideologie des Fortschritts wirkt. Danach ist die gesamte Menschheitsgeschichte eine Geschichte des langsamen Niedergangs und Verfalls, in der die »männlichen« und »solaren « Prinzipien der »hyperboräischen Urtradition« zunehmend in Vergessenheit geraten seien. Diese Geschichtsmetaphysik basiert auf einer zyklischen Vision des geschichtlichen Werdens und auf der traditionellen Lehre von den »vier Zeitaltern «.

Die moderne Welt entspricht dem Kali-Yuga, der »Wolfszeit«, die das Ende eines Zyklus beschließt. Die evolianische Vision der Welt ist zutiefst elitaristisch und stellt ein organisches Modell der Hierarchie in den Mittelpunkt, das von einer Polarität zwischen oben und unten, hochstehend und minderwertig geprägt wird. Evola stellt die Welt der Tradition, wie sie in der Antike geherrscht hat, in scharfer Opposition der modernen Welt gegenüber, die er als eine lange Involution beschreibt, charakterisiert durch den Aufstieg dämonischer und »unter-menschlicher« Kräfte, deren Tiefpunkte in seinen Augen die Demokratie und vor allem der Kommunismus sind.


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