Ein Teil der sogenannten demographischen Katastrophe

stand gestern an der Supermarktkasse hinter mir, als ich mit meinem hausgemachten Teil der demographischen Hoffnung einkaufen war.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Hatt´ mein Wagen voll­ge­la­den, voll mit jun­gem Human­ka­pi­tal zum einen, mit dem Wochen­ein­kauf zum ande­ren. Der hin­ter mir stand, war kein Teil­ha­ber der Genera­ti­on Bes­tA­ger.

Kein sol­ven­ter Sil­ver­Sur­fer mit Golf-Ambi­tio­nen und Zweit­woh­nung in Gran Cana­ria. Sol­cher­lei gibt’s in unse­rem Land­strich gar nicht. Der da hin­ter mir stand war etwa 70jährig, das soge­nann­te bio­lo­gi­sche Alter ver­mut­lich weit dar­über. Er stank (nach Kip­pen) und stän­ker­te. „Jun­ge Frau, jetzt bis­te aber unver­schämt. Soll das etwa alles aufs Fließ­band? Mache mal halb­lang und laß mich vor. Du hast alle Zeit der Welt. Ich nicht mehr.”

Das hät­te lau­nig-wit­zig klin­gen kön­nen, tats aber nicht. Der Alte riß grob mei­nen Ein­kaufs­wa­gen nach hin­ten, um sei­nen eige­nen mit zwölf Dosen Hun­de­fut­ter und zwei Pul­len Schnaps vor­zu­schie­ben. Naja, All­tags-Pipa­po. So was über­lebt man schon. Nur die Kin­der als Co-Geschä­dig­te haben jetzt ein klei­nes Trau­ma weg:„Gell, der Mann war böse?” – The­ma bis in den spä­ten Abend. Kubit­schek sagt, ich sol­le lie­ber nichts über bocki­ge Alte schrei­ben, weil mein Bes­tA­ger-Arti­kel in der Sezes­si­on sei­ner­zeit zur größ­ten Abo-Kün­di­gungs­wel­le geführt hatte.

Wie so oft paßt die aktu­el­le Lek­tü­re zum gera­de Erleb­ten: Kon­rad Adam (Der kur­ze Traum vom ewi­gen Leben) ist gera­de mit Tei­len der Genera­ti­on 60plus (also sei­ner eige­nen) hart ins Gericht gegangen:

Die gra­vie­rends­te Fol­ge der Über­al­te­rung läßt sich in Zah­len gar nicht aus­drü­cken; sie ist nicht meß­bar, allen­falls erspür­bar. Sie ver­rät sich in der Ein­trü­bung des öffent­li­chen Bewußt­seins, in einer Ver­düs­te­rung und Ver­ödung des Daseins, im Umsich­grei­fen von Fata­lis­mus und Hoff­nungs­lo­sig­keit und jener End­zeit­stim­mung, der die Mar­qui­se von Pom­pa­dour Aus­druck ver­lieh, als sie nach der Nie­der­la­ge der fran­zö­si­schen Trup­pen in der Schlacht von Roß­bach aus­rief: Nach uns die Sintflut!”

„Nach uns”, (also die Sint­flut), war in die­sem Fall an der Kas­se ich, samt Brut. Inter­es­san­tes Gefühl. Komisch außer­dem: Roß­bach ist 15 km Luft­li­nie von jenem Super­markt entfernt…

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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