“Rechtsextremismusforschung” einst und jetzt

von Manfred Kleine-Hartlage

Im Jahr 1981 veröffentlichte das SINUS-Institut eine im Auftrag der Bundesregierung erstellte Studie...

 Gastbeitrag

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zur Ver­brei­tung rechts­ex­tre­mer Ein­stel­lun­gen in der BRD, die damals gro­ßes Auf­se­hen erreg­te, weil sie zu dem Schluß kam, 13 Pro­zent aller Wäh­ler in der Bun­des­re­pu­blik ver­füg­ten über ein geschlos­se­nes rechts­ex­tre­mes Welt­bild (Mar­tin Greif­fen­ha­gen/­SI­NUS-Insti­tut: 5 Mil­lio­nen Deut­sche: “Wir soll­ten wie­der einen Füh­rer haben …”. Rein­bek 1981).
Obwohl die pro­ble­ma­ti­schen Sei­ten die­ser Art von For­schung auch damals schon deut­lich her­vor­tra­ten, wirkt sie auf den Leser, der das Buch im Jahr 2013 wie­der in die Hand nimmt, wie ein Mus­ter an reflek­tie­ren­der, dif­fe­ren­zie­ren­der und objek­ti­ver Wis­sen­schaft, ver­gli­chen mit heu­ti­gen Ela­bo­ra­ten der “Rechts­ex­tre­mis­mus­for­schung”. Wer den Absturz ermes­sen will, den die deut­schen Sozi­al­wis­sen­schaf­ten in den letz­ten gut drei­ßig Jah­ren erfah­ren haben, dem sei das Büch­lein zur nost­al­gi­schen Lek­tü­re empfohlen.

Heu­ti­ge “Rechts­ex­tre­mis­mus­for­scher” legen ihre Stu­di­en bekannt­lich sys­te­ma­tisch so an, daß bereits der­je­ni­ge als “rechts­ex­trem” oder gar “men­schen­feind­lich”, zumin­dest aber als ver­däch­tig gilt, der sich nicht für Mas­sen­ein­wan­de­rung erwär­men kann und sich mit den Zie­len des poli­ti­schen Estab­lish­ments und den Inter­es­sen von Min­der­hei­ten aller Art nicht vor­be­halt­los iden­ti­fi­zie­ren will.

Sol­che “For­schung”, in deren trü­bem Licht der Rechts­ex­tre­mis­mus schon des­halb immer bedroh­li­che­re Dimen­sio­nen anneh­men muss, weil die Defi­ni­ti­on ste­tig und will­kür­lich aus­ge­wei­tet wird – mitt­ler­wei­le steht bereits die poli­ti­sche Mit­te unter Extre­mis­mus­ver­dacht – zielt erkenn­bar dar­auf ab, im faden­schei­ni­gen Gewan­de von “Wis­sen­schaft­lich­keit” jeg­li­cher nicht­lin­ken Ideo­lo­gie ein pejo­ra­ti­ves Eti­kett auf­zu­kle­ben. Sie ver­rät damit ein Wis­sen­schafts­ver­ständ­nis, das sich nicht von dem der Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten der DDR unter­schei­det, die ganz offi­zi­ell einen poli­ti­schen Kampf­auf­trag hat­ten, sich sei­ner Erfül­lung bei jeder Gele­gen­heit rühm­ten und in ihrer kleb­ri­gen Ser­vi­li­tät gegen­über der Obrig­keit erst von heu­ti­gen bun­des­deut­schen Rechts­ex­tre­mis­mus­for­schern über­trof­fen wor­den sind.

Die Stär­ke der dama­li­gen Stu­die war ihr empi­ri­scher Ansatz: Statt vor­ab eine rein ideo­lo­gisch dedu­zier­te Meß­lat­te zu defi­nie­ren, der zu ent­spre­chen hat, wer als unver­däch­tig gel­ten will, erho­ben die For­scher zunächst die Ein­stel­lun­gen von Men­schen, die unzwei­fel­haft tat­säch­lich der extre­men Rech­ten ange­hör­ten, ver­gli­chen die­se Ein­stel­lun­gen mit denen einer zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Kon­troll­grup­pe, fil­ter­ten dar­aus Ein­stel­lun­gen, die als Syn­drom, d.h. in ihrer Gesamt­heit Rechts­ex­tre­mis­ten trenn­scharf vom Rest der Gesell­schaft unter­schie­den, und began­nen erst dann, also nach­dem sie ihre Ska­la empi­risch vali­diert hat­ten, die Ver­brei­tung die­ses Syn­droms in der Gesamt­be­völ­ke­rung zu messen.

Jede Metho­de hat ihre Schwä­chen, auch die­se: Poli­ti­sche Ideo­lo­gien sind immer zugleich eine spe­zi­fi­sche Art, Wirk­lich­keit zu beschrei­ben. For­schun­gen, wie die beschrie­be­nen fas­sen ideo­lo­gi­sche Ein­stel­lun­gen impli­zit als Eigen­schaf­ten der Per­so­nen auf, die die­se Ein­stel­lun­gen haben, nicht aber als Spie­gel und Resul­tat gesell­schaft­li­cher Rea­li­tä­ten. Gera­de in der Extre­mis­mus­for­schung wäre zu fra­gen, wel­che gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen bestimm­te For­men ihrer ideo­lo­gi­schen Rezep­ti­on plau­si­bel wir­ken las­sen, d.h. in wel­chem Ver­hält­nis die Ideo­lo­gie zur Wirk­lich­keit steht.

Den Bezug zur gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät stell­te auch die SINUS-Stu­die nur in beschränk­tem Umfang her, indem zum Bei­spiel Sta­tu­sängs­te, Arbeits­lo­sig­keit und ähn­li­che sozio-öko­no­mi­sche Fak­to­ren als denk­ba­re Erklä­rungs­va­ria­blen für die Ent­ste­hung von Rechts­ex­tre­mis­mus auf­ge­führt wur­den. Die Stu­die wies, mit ande­ren Wor­ten, einen deut­li­chen Hang zu mar­xis­tisch inspi­rier­ten Erklä­rungs­mus­tern auf. Außer­dem grif­fen die Autoren, obwohl sie ihre Distanz zur “Faschis­mus­for­schung” in der Tra­di­ti­on der Frank­fur­ter Schu­le beton­ten, gele­gent­lich auf deren psy­cho­ana­ly­ti­sche Erklä­rungs­mus­ter zurück, ohne deren Trag­fä­hig­keit hin­rei­chend zu prü­fen, und spick­ten ihre Aus­füh­run­gen mit mora­li­schen Wer­tun­gen, die in einem sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Text nichts zu suchen haben.

Was die Stu­die den­noch aus heu­ti­ger Sicht so wohl­tu­end les­bar macht, ist die Tat­sa­che, daß sie offen­kun­dig nicht dar­auf abziel­te, mög­lichst alle nicht­lin­ken Posi­tio­nen in die Nähe zum Rechts­ex­tre­mis­mus zu rücken. Selbst dort, wo die Autoren “Mei­nungs­brü­cken” zwi­schen der extre­men Rech­ten und der brei­ten Bevöl­ke­rung erkannt zu haben glaub­ten und eine “Auto­ri­tä­re Ein­stel­lungs-Ska­la” kon­stru­ier­ten, taten sie es, um mög­li­che Agi­ta­ti­ons­the­men der extre­men Rech­ten zu iden­ti­fi­zie­ren, nicht um die ent­spre­chen­den Ein­stel­lun­gen zu dif­fa­mie­ren. Und sie arti­ku­lier­ten gera­de an die­ser Stel­le selbst­kri­ti­sche metho­di­sche Skru­pel, die ihren heu­ti­gen Kol­le­gen kaum noch in den Sinn kämen:

Die beson­de­re Funk­ti­on die­ser Ska­la … berei­tet metho­di­sche Pro­ble­me, die nach Auf­fas­sung des Insti­tuts noch nicht end­gül­tig gelöst sind. Die Ska­la ist daher als wis­sen­schaft­li­cher Ver­such zu betrach­ten. (S.75, FN 1)

Und wer könn­te sich in einer heu­ti­gen Stu­die ein Vor­wort wie das von Mar­tin Greif­fen­ha­gen vor­stel­len, in dem es unter ande­rem heißt:

Die Sinus-For­scher waren sich der Grat­wan­de­rung bewußt, auf die sie sich mit die­ser Auf­stel­lung einer vom Rechts­ex­tre­mis­mus nicht unab­hän­gi­gen Ein­stel­lungs­ska­la ein­lie­ßen. (…) Wei­te­re Unter­su­chun­gen wer­den die Gren­ze zwi­schen Kon­ser­va­tis­mus und den man­cher­lei Vor­fel­dern des Rechts­ex­tre­mis­mus in ihrem Ver­lauf genau­er fest­le­gen und auf die­se Wei­se den Respekt vor kon­ser­va­ti­ven Wer­ten sichern, die in unse­rer Kul­tur zum poli­ti­schen Spek­trum und also auch zum Kampf um sei­ne Balan­cie­rung selbst­ver­ständ­lich dazu­ge­hö­ren. (S. 10 f.)

Allein die Idee, das poli­ti­sche Spek­trum müs­se “balan­ciert” sein, wür­de dem Ver­fas­ser heu­te den Vor­wurf man­geln­der Wach­sam­keit im Kampf gegen Rechts eintragen.

Beson­ders inter­es­sant sind die Befun­de der dama­li­gen Stu­die gera­de im Hin­blick auf heu­ti­ge Ver­su­che, die Bur­schen­schaf­ten zu ver­teu­feln. Bur­schen­schaf­ten waren eines von meh­re­ren Milieus, die auf ihre even­tu­el­le Nähe zum Rechts­ex­tre­mis­mus unter­sucht wur­den. Mit ein­deu­ti­gem Ergebnis:

Die Mehr­heit der Bur­schen­schaft­ler erwei­sen sich in mehr­fa­cher Hin­sicht als “kon­ser­va­ti­ve Kon­trast­grup­pe” [zum Rechts­ex­tre­mis­mus, M. K.-H.]. Im Wer­te­be­reich zei­gen sich durch Über­be­to­nung von Begrif­fen wie “Volk und Vater­land” [Hier schlägt sich die Ideo­lo­gie der Autoren nie­der, die wohl kaum hät­ten defi­nie­ren kön­nen, was der Unter­schied zwi­schen “Beto­nung” und Über­be­to­nung” ist, M.K.-H.] Affi­ni­tä­ten zum Rechts­ex­tre­mis­mus, im Nor­men­be­reich unter­schei­den sie sich jedoch deutlich.

Sie akzep­tie­ren die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und iden­ti­fi­zie­ren sich mit ihrer frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung. Auch ihre Sym­pa­thie gilt durch­weg Orga­ni­sa­tio­nen, die zwei­fels­frei die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung unter­stüt­zen, wäh­rend ihre Abnei­gung links- wie rechts­ex­tre­me Orga­ni­sa­tio­nen glei­cher­ma­ßen trifft.

(…)

Gleich­zei­tig sind Rechts­ex­tre­me und Kon­ser­va­ti­ve aber auch durch schar­fe Gegen­sät­ze im Wer­te­be­reich gekenn­zeich­net. In schrof­fem Kon­trast zu Rechts­ex­tre­men betrach­ten Kon­ser­va­ti­ve Men­schen­rech­te, Gewis­sens­frei­heit, Rechts­staat usw. als “Errun­gen­schaf­ten der gro­ßen west­li­chen Revo­lu­tio­nen”, die es zu bewah­ren gilt. Ras­sis­mus ist der kon­ser­va­ti­ven Vor­stel­lungs­welt eben­falls fremd.

Erge­ben sich somit nur begrenz­te Über­ein­stim­mun­gen zwi­schen Rechts­ex­tre­men und Kon­ser­va­ti­ven im Wer­te­be­reich, so besteht eine völ­li­ge Dis­kre­panz in der Beur­tei­lung demo­kra­ti­scher Nor­men. Wäh­rend die Rechts­ex­tre­men sowohl die im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Wer­te als auch die ent­spre­chen­den Nor­men für die Aus­tra­gung von Kon­flik­ten ableh­nen, bedeu­tet für die Kon­ser­va­ti­ven die Akzep­tanz der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung auf dem nor­ma­ti­ven Sek­tor kei­ner­lei Schwie­rig­keit, ja zum Teil wird dies sogar als das urei­gens­te Feld der Kon­ser­va­ti­ven betrach­tet. (ebd., S. 35 f.)

An die­sem Sach­ver­halt hat sich in den ver­gan­ge­nen drei­ßig Jah­ren nichts geän­dert. Geän­dert hat sich aber die Ein­stel­lung des poli­ti­schen, media­len und wis­sen­schaft­li­chen Estab­lish­ments den Bur­schen­schaf­ten gegen­über, die sich immer häu­fi­ger als Extre­mis­ten dif­fa­miert sehen.

Es wird zu wenig beach­tet, was die­se Art von Dif­fa­mie­rung über die Dif­fa­mie­rer aus­sagt. Wer einen Ande­ren einen Extre­mis­ten nennt, sagt damit näm­lich impli­zit etwas über sei­ne eige­ne Posi­ti­on: Er sagt, dass sei­ne eige­nen poli­ti­schen Ord­nungs­vor­stel­lun­gen denen des soge­nann­ten oder auch “Extre­mis­ten” dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt sind. Wer also eine Grup­pe, die unzwei­fel­haft loy­al zur ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rechts­ord­nung steht, “extre­mis­tisch” nennt, sagt damit zugleich, dass er selbst nicht auf dem Boden die­ser Rechts­ord­nung steht und ihre Besei­ti­gung für wün­schens­wert hält. Er weist sich selbst als Ver­fas­sungs­feind aus; in der For­mu­lie­rung der Sinus-Stu­die: als jemand, der “sowohl die im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Wer­te als auch die ent­spre­chen­den Nor­men für die Aus­tra­gung von Kon­flik­ten” ablehnt.

Und zwar ins­be­son­de­re, so dür­fen wir aus leid­vol­ler Erfah­rung ver­mu­ten, die Mei­nungs­frei­heit des Anders­den­ken­den und das Ver­bot von Gewalt in der poli­ti­schen Auseinandersetzung.

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Kommentare (16)

Julius

3. Juni 2013 10:06

Die linke Sicht auf die Rechte(n) ist voller Widersprüche. Wie Günter Maschke pointiert formuliert hat: Der Gegner ist häßlich, dumm, widerlegt, lächerlich, aber gleichzeitig ungemein gefährlich. Da man ihn nicht versteht ist er "irrational".

Ein Grund für den hier aufgezeigten Wandel der Einstellung gegenüber Konservativen (Burschenschaften) usw. dürfte im psychoanalytischen (freudomarxistischen) Ansatz liegen: Der Beobachter erkennt und weiß besser, was der Beobachtete denkt und will, als dieser selbst. Wenn also ein Liberalkonservativer (zB Burschenschafter) erklärt, er sei der FdGO verbunden, so ist dies für den Linken entweder eine taktische Lüge oder zumindest eine Fehleinschätzung.

Die linke Revolte und ihr Freudianismus und Marxismus war - vor allem am Beginn - auch der mehr oder weniger getarnte Angriff einer sich als neue Elite verstehenden Generation von Intellektuellen (zB Frankfurter Schule) gegen eine alte. (An Vilfredo Paretos Kreislaufs der Eliten und an Gaetano Mosca sei erinnert.)

Heute haben die 68er den Marsch durch die Institutionen erfolgreich abgeschlossen, da muß sich ihr geistiges Gefolge sich nicht mehr besonders anstrengen. Bekanntlich haben die linken Denker, von Marx angefangen, für den real existierenden Proletarier wenig mehr als Verachtung übrig gehabt. Wenn der Unterschichtler dann noch dazu politisch unpassende Ansichten vertritt, wird schnell in gehässiger Art über vermeintliche oder tatsächliche sozioökonomische Unzulänglichkeiten wie "Dumpfheit" und "Verlierertum" am „Stammtisch“ hergezogen, die doch eigentlich Qualifikationen als Liebesobjekte der Linken darstellen sollten.

Daß Meinungsfreiheit natürlich nur für Linke gilt (weil "Faschismus" bekanntlich keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist) und Gewalt gegen "Faschisten" hochmoralische Zivilcourage ist, wissen wir ja schon lange. Solche Studien dienen dazu, möglichst autoritativ festzulegen, wer und was "faschistisch" ist.

Interessant wäre mal eine Studie über die "Verbreitung rechtsextremer Einstellungen" bei MenschInnen mit Migrationshintergrund. Kommt natürlich nicht, weil sogar die Linken wissen, was dabei herauskäme.

John Haase

3. Juni 2013 11:03

Einen ähnliches Gefühl des geistigen Verfalles beschleicht mich immer, wenn ich das Spiegel-Interview mit Ernst Jünger anfang der Achtziger lese.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14347117.html

Die Fragesteller sind dem Jünger gegenüber keinesfalls positiv eingestellt und nehmen ihn ganz schön in die Mangel (natürlich erfolglos).
Man merkt aber, daß sie sich ernsthaft mit den Schriften Jüngers beschäftigt haben, sie sind in der Lage dazu Fragen zu stellen, auf die Jünger interessante Antworten geben kann.

Ein solches Interview wäre im heutigen Spiegel völlig undenkbar. Erstens würde man so jemanden wie Jünger heute gar nicht mehr auf diese Weise zu Wort kommen lassen und zweitens kann man sich nur schwer vorstellen, daß der typische Journalist von heute überhaupt in der Lage wäre so ein Interview zu führen.

Die herrschende Elite in Deutschland, diese Melange aus Journalisten, Politikern, Professoren, Lehrern usw, hat geistig abgewirtschaftet. Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre ist der Bankrott offensichtlich, was wir heute sehen ist nur noch Konkursverschleppung. Man sieht das auch daran, wie mit Kritikern von innerhalb umgegangen wird: eigentlich müßte man froh über jemanden wie Sarrazin sein, sind sie doch so etwas wie die letzte Chance des Systems sich aus sich selbst heraus zu erneuern. Stattdessen schlägt man ihn öffentlich ans Kreuz und diffamiert ihn als rechts. Lächerlich.

Nur in diesem Zusammenhang sind armseelige Gestalten wie die zeitgenössischen Rechtsextremismus-Experten überhaupt denkbar. Schon das Wort spottet jeder Beschreibung.

Luise Werner

3. Juni 2013 11:23

"Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" kontere ich mit
"Eine Meinung als Verbrechen zu bezeichnen ist Faschismus".

[Vielen Dank, das merke ich mir für passende Gelegenheiten. M.K.-H.]

Irrlicht

3. Juni 2013 11:31

Nach welcher Methode wurden in der SINUS-Studie diejenigen Personen ausgewählt, die "unzweifelhaft tatsächlich der extremen Rechten" angehörten? [Sie gehörten Organisationen wie der NPD oder der Wiking-Jugend an. Im Falle eines Irrtums, das heißt wenn diese Organisationen nicht rechtsextrem (gewesen) wären, wäre die Konsequenz, dass es so etwas wie "Rechtsextremismus" überhaupt nicht gibt. M.K.-H.] Ohne eine vorgängige und wegen der Vagheit des Begriffs ideologisch präformierten Definition von "rechtsextrem" wird auch diese Studie nicht ausgekommen sein. Hier beißt sich die Schlange in den Schwanz. Und wie läßt sich "wissenschaftlich" aus dem Vergleich der Überzeugungen der Gruppe der "Rechtsextremen" mit einer zufällig (eine Zufallsstichprobe im Sinne der math. Statistik?) gewählten Kontrollgruppe ein System von Überzeugungen gewinnen, das in seiner Gesamtheit trennscharf "Rechtsextreme" von Normalos unterscheidet? Objektiv erscheint das kaum möglich. Methodisch besser als heutige Studien scheint auch die damalige SINUS-Studie nicht gewesen zu sein, eher schlechter, weil sie die zugrunde gelegte Definition von "rechtsextrem" nicht offenlegt.

Martin

3. Juni 2013 12:09

Damals (1981) waren konservative und auch rechte Positionen ja auch durchaus noch in breiten Kreisen gesellschaftsfähig. Wenn man sich nur einmal an die CSU von damals erinnert, dann hat die heutige Partei damit nur noch recht wenig zu tun (selbiges dürfte für die CDU auch gelten).

Die damaligen Studienersteller konnten an diesen Fakten daher auch nicht vorbei schreiben oder bei ihren Maßstäben darüber hinweg bügeln, sonst hätte es deutlichen Ärger gegeben.

Ein schöner Satz aus der oben zitierten Studie ist dieser:

In schroffem Kontrast zu Rechtsextremen betrachten Konservative Menschenrechte, Gewissensfreiheit, Rechtsstaat usw. als „Errungenschaften der großen westlichen Revolutionen“, die es zu bewahren gilt. Rassismus ist der konservativen Vorstellungswelt ebenfalls fremd.

Mit der mehr oder weniger Eliminierung des rechten und konservativen Denkens aus der gesellschaftlichen Diskussion gingen aber leider auch auf rechter/konservativer Seite die oben zitierten Ansichten teilweise zurück - auf den linken Druck erfolgte zum großen Teil eine "Anpassung" und eine gewisse Form der Radikalisierung des verbliebenen Restes, insbesondere bei den neu sich dafür interessierenden bzw. so fühlenden Jüngeren, die diese "alte Zeit" nicht kennen und auch nicht kennen können.

Nordländer

3. Juni 2013 13:53

"Heutige „Rechtsextremismusforscher“ legen ihre Studien bekanntlich systematisch so an, daß bereits derjenige als „rechtsextrem“ oder gar „menschenfeindlich“, zumindest aber als verdächtig gilt, der sich nicht für Masseneinwanderung erwärmen kann ..."

Da hat jemand also nicht alle über sieben Millarden Menschen ganz dolli lieb.
Z.B. die Menschen aus der CSU oder die Menschen, die Bänker sind oder all jene Menschen, die hier zu viele außereuropäische Menschen in unsere Länder gelassen haben.

M.E. ist das Potential, Menschen gegenüber feindlich gesinnt sein zu können, ein gutes Zeichen, daß der Betroffene noch am Leben ist und einen gesunden Selbsterhaltungstrieb besitzt.

@ Luise Werner

„Eine Meinung als Verbrechen zu bezeichnen ist Faschismus“.

Und was ist Faschismus?

Mal ketzerisch und ein wenig zugespitzt gefragt: Heißt (Rechts-)Knservativsein nicht vor allem, immer brav zu apportieren, wenn die Feinde unseres Europas - die Globalisten und deren nützliche Idioten, die Linken - einen semantischen Dreckklumpen geworfen haben?

Um diesen dann auf die Rechtsextremisten zu werfen?

Gibt es überhaupt viele echte Antirassisten, aus wirklich allerinnerster Überzeugung, die es gruselig fänden, wenn Ihre Kinder und Enkelkinder wieder so langweilig hellhäutig würden oder gar noch blondhaarig, wie man selber leider schon ist, wenn man in den Spiegel schaut?

Nihil

3. Juni 2013 15:20

@Luise Werner: Und ich dachte immer - Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Versprechen.

Der BRD-Gott FDGO ist tot. Und die Linke hat ihn getötet. Jetzt wird weiterhin die linksliberalistische Willkür regieren, bis jemand eine neue Ordnung etabliert. Bis dahin ist keine Milde, aber auch wirklich gar keine von den Etablierten zu erwarten. Ein echtes Zurück zur konsensualistischen FDGO (jenseits von geduldigem Papier) ist in Anbetracht der Gesamtlage nicht mehr möglich, dazu wurde zu viel zerstört. Bitte dies auch den "Bürgerlichen" auszurichten.

eulenfurz

3. Juni 2013 16:43

...ein Wissenschaftsverständnis, das sich nicht von dem der Gesellschaftswissenschaften der DDR unterscheidet, die ganz offiziell einen politischen Kampfauftrag hatten...

Soviel Verschwörung muß man hier noch nicht einmal wittern. Es geht der Rechtsextremismus-Alarmindustrie zunächst um handfeste monetäre Gründe: Je größer die Angst der Masse bzw. der potentiellen Geldgeber vor einem aufgeblasenen Nazi-Gespinst, desto sicherer die Alimentierung hunderter Posten und Pöstchen aus Steuergeldern.

Und so ist es auch naheliegend, daß bspw. Rechtsextremismus-Experten wie Toralf Staud plötzlich zu Klima-Experten mutieren, wenn das Geschäft mit der Angst dort gerade einträglicher erscheint.

Gustav Grambauer

3. Juni 2013 16:49

Sehr geehrter Herr Haase,

"Die herrschende Elite in Deutschland, diese Melange aus Journalisten, Politikern, Professoren, Lehrern usw, hat geistig abgewirtschaftet."

... und nach dem Abwirtschaften werden Myriaden von rechtsintellektuellen Lichtgestalten aus ihren physischen und virtuellen Gefängniszellen befreit und bringen Deutschland in drei Monaten wieder in Form.

Falls Sie so träumen sollten, und es klingt so, träumen Sie weiter ...

Jedes Volk bekommt die herrschende Elite, die es verdient; sie ist sein Spiegel.

"Woran liegt die desolate Lage der intellektuellen Rechten in Deutschland?

Maschke: Die Rechte ist ein rein mikroskopisches Phänomen, man muß sich sogar fragen, ob es überhaupt noch eine Rechte gibt. Ich glaube, Ernst Jünger hat einmal gesagt, daß es seit der Affäre Dreyfus keine Rechte mehr gibt. Auch die Rechte glaubt heute an die Volkssouveränität und sie ist sogar vulgär-rousseauistisch: das Volk ist gut. Bei ihr ist aber nicht der Kapitalismus schuld, sondern die Vergangenheitsbewältigungsindustrie oder die Alliierten oder das korrupte Fernsehen. Doch muß man wohl zugeben, daß das deutsche Volk seelisch und intellektuell völlig verkrüppelt und heruntergekommen ist; es ist um keinen Deut in einem besseren Zustand als die politische Klasse. Das wagt die Rechte auch nicht zu sagen. Viele Dinge, die als rechts gelten, sind es keineswegs – man denke nur an die seltsame Liebe vieler Rechter zu unserem Grundgesetz, an die Fata Morgana eines rechten Verfassungspatriotismus! Die Rechte bei uns spricht gerne über Metapolitik, landet aber nur in einer sehr kurzatmigen Bildungshuberei. Man begnügt sich mit einer Collage des rechten und konservativen Bildungsgutes der Vergangenheit – aber zu Discountpreisen. Drei Seiten hierüber, zwei Seiten darüber, da ist eine wirkliche rechte Häppchenkultur entstanden. Man sieht nicht den Sinn ambitiöser, strenger theoretischer Arbeit, man will rasch zu Potte kommen und wird es nicht, weil keine Ausmessung der Krise, der wahrhaft furchtbaren seelischen und spirituellen Situation des modernen Menschen geleistet wird, die alles Politische übersteigt."

Ein altes Interview, das ich neulich aufgestöbert habe, insgesamt äußerst lesenswert.

https://www.jungefreiheit.de/Archiv.611.0.html?jf-archiv.de/archiv/45aa5.htm

Mit freundlichen Grüßen

- G. G.

PB

3. Juni 2013 17:01

Solange Michael Klonovsky noch für den FOCUS arbeiten darf, besteht weiterhin Hoffnung für die Meinungs- und Pressefreiheit.

https://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/archaisches_machotum_ehrpusselig_dummstolz_arbeitsunwillig_bildungsverachte

Gustav Grambauer

3. Juni 2013 17:09

Post Scriptum ad Herrn Haase

... und mir komme bitte niemand mit dem Ganztagsschulen-Sozi Sarrazin, dessen Erfolg bei Bertelsmann nur damit zu erklären ist, daß die "Elite" den Kalergi-Plan ("Integration") aufgrund der sich als undekadentierbar erwiesenen Ehrbegriffe der Moslems als gescheitert ansieht und deshalb ziemlich genau in der Zeit in Richtung Huntington zu arbeiten begonnen hat.

- G. G.

D. Kadent

3. Juni 2013 19:42

Ich gebe eulenfurz Recht. Diese "Rechtsextremismusexperten" sind MINT-ferne Soziologie-Studenten, die nichts anderes gelernt haben, als heiße Luft zu emissieren. Das ist eine riesige Industrie, die wollen alle ernährt werden. Ich kenne genug von den Typen. Die werden in ihren Studien niemals feststellen, dass echter Rechtsextremismus marginal ist, weil sie sonst schlicht überflüssig wären. Je weniger echte Rechtsextremisten es gibt, desto mehr muss der Begriff eben ausgedehnt werden, sonst verdienen sie keine Brötchen mehr.

Interessant ist, dass in solchen Studien der Rechtsextremismus türkischer "Grauer Wölfe" nie vorkommt.

Nihil

3. Juni 2013 20:52

Die Betroffenheitsindustrie ist sicherlich auch monetär induziert, aber eben nicht nur. Da gibt es durchaus eine Überzeugungstäterschaft in Tateinheit mit gewöhnlicher Korruption. Sonst bräuchten wir ja gar keine Metapolitik, sondern bloß die Geldquellen dichtmachen. Etwas dass sich sogar mit Parteipolitik lösen ließe. Leider ist es nicht so einfach. Aber die "Überzeugung" der Meisten (wie immer!) korreliert sicherlich mehr oder minder mit der Einkunftshöhe. Wenn dann aber noch das Wertesystem zu Ungunsten derartiger Tätigkeiten verschoben wird, bleibt so gut wie keiner mehr übrig (insbesondere bei den ach so konformistischen Deutschen). Was und wer dann noch übrig bleibt, das kann man an der politischen Rechten sehen. Hier arbeiten nur noch jene die soziale Ächtung ertragen und Geld auf selbstbestimmte Weise verdienen können.

Maschke hat recht. Und genau hier müsste man gnadenlos gegen jede P.C. von "rechts" angehen - die es leider genau so gibt. So unschöne Tatsachen anzusprechen, da laufen die meisten Konservativen ja schon davon - stört irgendwie das ideal zusammengezimmerte Weltbild.

Zadok Allen

3. Juni 2013 21:04

Aus tiefster Überzeugung lehne ich die Links-Rechts-Gesäßgeographie ob ihrer himmelschreienden Obsoletheit ab, bin mir freilich der Tatsache bewußt, daß sie zu vielen interessierten Seiten zum Köcheln der eigenen Süppchen dient, als daß mit ihrer Überwindung in absehbarer Zeit zu rechnen wäre.

Ich halte es jedoch für ein fatales Symptom, daß die europäischen Völker angesichts völlig veränderter sozialer und geostrategischer Realitäten nach wie vor mit einer politischen Begrifflichkeit operieren, die vielleicht zuletzt vor 150 Jahren noch einigermaßen trennscharf die Wirklichkeit abzubilden vermochte.

Darin bekundet sich nichts anderes als die schlimme Realität, daß die Völker Europas in den vergangenen einhundert Jahren von Subjekten zu Objekten der Weltgeschichte geworden sind. Wer keine realen Möglichkeiten hat, noch Einfluß auf die politische Wirklichkeit zu nehmen, benötigt eben auch keine sachorientierte politische Fachsprache mehr.

Eine besondere Delikatesse stellt allerdings, worauf Nordländer richtig hinwies, der zeitgeistige Verzweiflungsbegriff der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" dar. Als ob es nicht ein Wesensmerkmal des Menschen wäre, soziokulturell definierten Gruppen der eigenen Spezies gegenüber feindlich (und freundlich) eingestellt sein zu können, im Gegensatz zum Tierreich, welches allenfalls in Rudelstrukturen Rudimente vergleichbarer sozialer Ordnungen aufzuweisen hat.

"Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit": Ein Begriff, der sich in sich selbst verschlingt, denn kaum gebraucht man ihn als "Vorwurf" an eine bestimmte Gruppe (die pöhsen Nazies), so wird er sogleich auch als "Vorwurf" dem "Kläger" gegenüber wirksam. Es würde mich zudem einmal interessieren, was die Wortführer des "Vorwurfs" eigentlich mit den "gruppenbezogen Menschenfeindlichen" zu tun gedächten.

Ich gehe wohl nicht ganz falsch in der Annahme, denjenigen, die den "Vorwurf" erheben, den Wunsch zu unterstellen, den so Inkriminierten die Gattungszugehörigkeit abzusprechen. (Vielleicht kommen diese ja noch zum Zuge, wenn demnächst den Primaten "Menschenrechte" zuerkannt werden.)

John Haase

4. Juni 2013 00:28

@ Grambauer
1. Niemand hat behauptet besagte Eliten hätten politisch abgewirtschaftet, geistig ja, politisch noch nicht.
2. Eben weil Sarrazin ein Sozi ist (wie er natürlich selbst weiß) hätten ihm die "Eliten" um den Hals fallen müssen. Da sie aber völlig bescheuert sind, haben sie ihn stattdessen exorziert,
3. Eine rechte Bewegung wird zwangsläufig scheitern, sei sie nun intellektuell oder nicht. Die Zersplitterung des Volkes in Fokusgruppen wie Christen, Arbeiter, Beamte, junge Großstadtfrauen, Bauern etc. wird ja nicht deswegen betrieben weil alle diese Milieus so besonders gegensächliche Interessen hätten sondern weil es den noch immer herrschenden Eliten hilft, die recht willkürlich definierten Gruppen gegeneinander auszuspielen und sich dann als deren Vertreter zu präsentieren. Diese Eliten segeln dabei aus guten Gründen nicht unter dem Begriff "links" auch wenn historisch einiges dafür spricht sie so zu nennen. Eine Gegenbewegung muß versuchen, das gesamte Volk einzubinden und es nicht von vornherein aufzuspalten. Die Rechte kann dies nicht, weder die klassische noch die moderne.

Götz Kubitschek

4. Juni 2013 10:28

so, jetzt ist wieder gut!
dank und gruß, gk.

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