Sezession
11. Juni 2013

Ostelbien

Gastbeitrag

IMG_0646von Heino Bosselmann

Jeden Morgen absolviere ich einen Lauf. Für jene, die das Wort nur noch mit dem DAX in Verbindung bringen: Ich jogge. Das erste Stück durch das Dorf, in dem ich lebe. Zur Zeit der Wirtschaftskrise wurde es als pleite gegangenes Gut von 1929 bis 1932 aufgesiedelt.

Seither besteht es aus weit auseinanderliegenden Höfen - Teil des respektablen Siedlungsprogramms der Weimarer Republik, das vom Dritten Reich fortgesetzt wurde. Hier fanden sich Bauern aus dem gesamten Reichsgebiet ein, die eine neue Heimat aufbauen wollten.

Es gelang ihnen – über den Krieg hinweg als freie Bauern bis zur dramatischen, bisweilen tragischen Vergenossenschaftlichung im „sozialistischen Frühling“, aber selbst innerhalb der LPG. Die Söhne und Töchter der ersten Siedlergeneration arrangierten sich – oder gingen in den Westen. Das Dorf jedenfalls lebte. In den Neunzigern Jahren aber schlief es ein. Da die Bewohner ihr Erspartes investierten, sind die Häuser intakt. Viel mehr ist morgens nicht wahrzunehmen.


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