Prophetisches bei Ernst von Lasaulx

von Michael Rieger

Ernst von Lasaulx (1805 bis 1861) gehört nicht eben zu den Autoren, die einem ständig unterkommen.

 Gastbeitrag

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Nur zwei Sei­ten und zwei kur­ze Erwäh­nun­gen fin­den sich zu „Speng­lers Vor­gän­ger“ in Oth­mar Spanns Geschichts­phi­lo­so­phie von 1932. Doch die­se kur­zen Pas­sa­gen haben es in sich – sie regen an zur genaue­ren Lek­tü­re, erschei­nen sie doch heu­te als gera­de­zu prophetisch.

In sei­nem 1856 ver­öf­fent­lich­ten Neu­en Ver­such einer alten auf die Wahr­heit der That­sa­chen gegrün­de­ten Phi­lo­so­phie der Geschich­te ent­wirft Las­aulx ein Modell des Ver­falls von Völ­kern. Im Rück­gang der Zeu­gungs­kraft (dem nisus for­ma­ti­vus, dem Bil­dungs- und Repro­duk­ti­ons­trieb) wird der Ver­fall sicht­bar: „Es sto­cken die Säf­te, die Zeu­gungs­kraft beginnt zu erlö­schen, das Leben sinkt, und sei­ne For­men zer­fal­len, sicht­bar von außen nach innen, weil unsicht­bar im Innern die Trieb­kraft auf­ge­hört hat.“

Neh­men wir es ganz wört­lich: Es ist kein Geheim­nis, dass die Frucht­bar­keits­ra­te in Deutsch­land seit etwa 1965 gesun­ken ist. 1965 lag sie noch bei 2,5 Kin­dern pro Frau, seit etwa 40 Jah­ren liegt sie jetzt rela­tiv sta­bil bei 1,3 Kin­dern pro Frau. Sie hat sich also nahe­zu hal­biert. Mögen auch in ande­ren Län­dern „die Säf­te sto­cken“, Deutsch­land ist mit 8,2 Gebur­ten auf 1000 Ein­woh­ner das Schluss­licht in der Euro­päi­schen Union.

Las­aulx führt aus, dass der Ver­fall den Ver­lust der „sprach­bil­den­den Kraft“ ein­schließt. Spra­che sei „nicht bloss das Organ des Den­kens“, son­dern „sie ist mit dem Den­ken selbst zusam­men­ge­wach­sen, die Voll­endung des Den­kens“. Ver­löscht die sprach­bil­den­de Kraft, ist es ums Den­ken schlecht bestellt. So banal es klingt – die bestän­dig und wir­kungs­los kri­ti­sier­ten Angli­zis­men bele­gen den aktu­el­len Rück­gang der sprach­bil­den­den Kraft. Anstatt eine eige­ne Spra­che zu bil­den, zu „er-zeu­gen“ und even­tu­ell sogar zu pfle­gen, wer­den Wor­te aus einer ande­ren Spra­che über­nom­men. Das ist weit­aus beque­mer, man muss sich kei­ne eige­nen Gedan­ken mehr machen, Krea­ti­vi­tät wird nicht abge­for­dert, son­dern abgetötet.

So sind wir Eye­cat­chern, Sales Mana­gern, Faci­li­ty Mana­gern, Mob­bing und Gamern bis zum Erbre­chen aus­ge­setzt. Was im All­tag bereits eine Kata­stro­phe ist, wird nicht bes­ser, wenn wir nach der „poe­ti­schen Kraft im Leben der Küns­te“ fra­gen. Wie es um die poe­ti­sche Dimen­si­on der Spra­che bestellt ist, kann nicht so ein­fach beant­wor­tet wer­den, wie der uns medi­al über­flu­ten­de sprach­li­che Ver­fall nur noch zu dia­gnos­ti­zie­ren bleibt. Den­noch: ein spe­zi­fi­sches Kenn­zei­chen der Lite­ra­tur seit den 1960er Jah­ren ist in der Öff­nung für das Pro­fa­ne zu sehen. Zeit­wei­se wur­de das eigent­lich Poe­ti­sche ersetzt durch bloß repro­duk­ti­ven Doku­men­ta­ris­mus. Es gibt sie noch die Sprach­ar­tis­ten, aber unbe­streit­bar hat sich das platt Par­tei­po­li­ti­sche, Ple­be­ji­sche und Pri­mi­ti­ve mit und in der Fol­ge von Gün­ter Grass, Hubert Fich­te und Rai­nald Goe­tz sein lite­ra­ri­sches Ter­rain erobert (Aus dem Tage­buch einer Schne­cke, Die Palet­te, Irre).

Las­aulx Vor­stel­lung des Völ­ker­ver­falls bezieht natür­lich auch den Ver­lust „der reli­giö­sen Glau­bens­kraft“ mit ein. Der Rück­gang der tra­di­tio­nel­len Bekennt­nis­se lässt sich leicht an einer Stadt wie Ham­burg able­sen. Wer Ham­burg noch als „typisch pro­tes­tan­tisch“ abge­spei­chert hat, hängt Erin­ne­run­gen an. Waren gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts bei­na­he 95% der Ham­bur­ger Pro­tes­tan­ten, so sind es heu­te noch nur noch etwa 28%. Nimmt man nun die 10% Katho­li­ken hin­zu, dann lau­tet das Ergeb­nis: 60% aller in Ham­burg leben­den Men­schen beken­nen sich nicht zum Chris­ten­tum. Das sieht im Bun­des­durch­schnitt anders aus. Im Moment beken­nen sich noch 60% der Bevöl­ke­rung zur römisch-katho­li­schen oder zur evan­ge­li­schen Kir­che. Die Ent­wick­lungs­ten­denz ist jedoch ein­deu­tig vorgezeichnet.

Wo die Zeu­gungs­kraft abnimmt, die Spra­che sorg­los auf den Hund gekom­men ist, der Lite­ra­tur­be­griff längst für Wer­be­tex­te und Klo­s­prü­che geöff­net wur­de, die Reli­gi­on all­ge­mein im Schwin­den begrif­fen ist – wie steht es da um die „poli­ti­sche Lebens­en­er­gie“? Sie steht Ange­la Mer­kel so sehr ins Gesicht geschrie­ben wie den Her­ren Gabri­el oder Stein­brück. Dazu sehr pas­send Ernst von Las­aulx: „Wie das Krän­keln Hin­wel­ken Ver­dor­ren der Blät­ter und Äste eines Bau­mes ein Zei­chen ist, dass die Wur­zel krank sei: so müs­sen auch bei sin­ken­den und zer­fal­len­den Völ­kern die äus­se­ren Erschei­nun­gen als die Fol­gen einer inne­ren Erschlaf­fung betrach­tet werden.“

Ange­sichts die­ser poli­ti­schen Klas­se mag man gar nicht fra­gen nach dem Stand der „natio­na­len Sitt­lich­keit“, dem „Pro­duct der reli­giö­sen und der poli­ti­schen Idea­le“. Wer woll­te heu­te über­haupt noch spre­chen von etwas so Reak­tio­nä­rem wie Sitt­lich­keit oder den Roman­ti­zis­men poli­ti­scher Idea­le? Und was könn­te dar­un­ter zu ver­ste­hen sein? Mei­nungs­frei­heit? Fra­gen wir Nor­bert Geis. Oder ein plu­ra­les Euro­pa der Regio­nen? Dafür sorgt unbe­irr­bar Mar­tin Schulz. Und wo wer­den die­se Idea­le wahr­ge­macht? In Kirch­w­ey­he? Womit wir wie­der bei der Sitt­lich­keit wären.

Was Las­aulx an den oben aus­ge­führ­ten Punk­ten fest­ge­macht hat, setzt sich fort „bis der gan­ze Orga­nis­mus, nur auf die Befrie­di­gung der mate­ri­el­len Bedürf­nis­se redu­cirt, see­len­los auseinanderfällt“.

Las­aulx Neu­en Ver­such einer alten auf die Wahr­heit der That­sa­chen gegrün­de­ten Phi­lo­so­phie der Geschich­te kann man zum Selbst­stu­di­um erwerben.

 

 

 Gastbeitrag

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Kommentare (7)

Heinrich Brück

5. Juni 2013 23:14

Gehen die Rechten alle als Jungfrau in die Ehe? Wenn Sie von
Sittlichkeit sprechen, müßte es so sein.
Wer bremst denn das deutsche Volk in seiner Zeugungskraft,
denn die Natur kann ja wohl kaum überlistet werden?
Die Wurzeln des Baumes sind nicht krank, nur auf die Blüten
wird ständig geschossen. Aus den Staatswissenschaften wurden
die Politikwissenschaften, das Denken wurde kolonisiert. Aus dem
lateinischen Deutsch wurde das amerikanische Deutsch,
Übersetzungen und Synchronisationen transportieren eine
Kulturlüge nach der anderen; eine Sensation eigentlich,
nach den vergangenen hundert Jahren, daß dieses Volk überhaupt
noch vorhanden ist.
Die historischen Verlierer befinden sich an der Spitze des Landes,
von ihnen geht die Vorbildfunktion aus. Die Priesterschaft müßte am
lautesten aufbegehren, aber ihre Wahrheiten lassen es nicht zu.
Und zur Sprache, als Hitler die Frakturschrift abschaffen ließ,
nachzulesen im Bormann-Dekret, 1941, wurde mehr zerstört als
die meisten Deutschen wahrhaben können.
Das deutsche Volk ist immer noch da, seinen Feinden zum Trotz,
und daran wird sich nichts ändern.

Carl Sand

6. Juni 2013 02:02

Die Senkung der Geburtenrate ist (neben den hier durchaus interessanten und mitursächlichen eher metapolitischen Überlegungen) ganz einfach in zwei Hauptüberlegungen zu erklären:

1. Scheidungsrisko

Das Scheidungsrisiko liegt heute bei 50-60%.

Und die Folgen sind im wahrscheinlichen Falle fatal: Mann zahlt für Kinder, von denen mann nicht weiß, ob sie von einem selbst sind, die mann nicht sehen darf, weil, ja weil; die in einem Haus wohnen, daß mann verlassen musste, weil eine Frau, nun ja... irgentwie sich selbst finden wollte.

Mann müsste offengestanden mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn mann sich darauf einließe.

Natürlich haben wir alle (und gerade die auf Teilhabe an der "Ordnung" geradezu versessenen "Konservativen" den "Glauben des Schützengrabens", gerade mich werde es natürlich nicht erwischen.

Aber ach, die Mathematik: Das Risiko des fatalen Ausgangs liegt beim russisch Roulette 16,7 Prozent.

Man vergleiche.

2. Abtreibung als Willkürrecht

Die Abtreibung ist nicht nur legalisiert, sondern eine vollkommen akzeptierte willkürliche Entscheidung.

Ein Kind ist in der heutigen Anschauung mit einer ästetisch unansehnlichen Wucherung, wie einer Warze vergleichbar, die aus reiner Willkür der Frau und zwar nur der Frau medzinisch kurz "weggemacht" wird.

3. Eine Frage der Willkür.

Fassen wir zusammen: Der frühere Lebenszweck, Famile zu gründen ist zu einer reinen Willküroption geworden. Alles Obengenannte: Fragen der reinen Willkür. Es ist in einer Willkürgesellschaft schlicht unmöglich, die Anderen in ihrer Freiheit, die näher betrachtet nur Willkür ist, beschränken zu wollen.

4. Widerspruch ist gesellschaftlich unmöglich.

Wer Widerspruch führt macht sich schlicht gesellschaftlich unmöglich. Nicht einmal, daß man nur ein böser Faschist wäre oder zumindest peinlich spießig und altbacken. Nein, schlimmer: Man nervt.

Martin

6. Juni 2013 09:27

Gerade eben kommt über den Ticker, dass das BverfG die "Homo-Ehe" steuerlich "gleichgestellt" sehen will ...

gerdb

6. Juni 2013 09:36

@H. Brück

Die Natur wird eigentlich permanent überlistet.
Ohne moderne Medizin würden die meisten der heutigen Plattfussindianer garnicht existieren.
Ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen die Natur war die Einführung der Wunschkindpille, denn der Sexualtrieb soll naturgemäss zu mehr als nur Wunschkindern verleiten. Nicht zufällig folgte darauf die sexuelle Revolution und die Säfte fliessen mehr als je zuvor mit Hilfe der pornographischen Industrie.
K. Lorenz brachts sogar einmal Das HIV VIrus als Retaliation der Natur in das Gespräch!.
Aber auch das ist mittlerweile eine chronische Krankheit geworden.

Ein Fremder aus Elea

6. Juni 2013 09:53

Ich halte die These des Todes von innen her für falsch.

Beispiel Sprache. Jedes Kind erfindet ständig neue Wörter für das es Umgebende. Das Potential ist da, aber es gibt Gründe, warum es verkümmert, und diese Gründe sind äußere Gründe.

Was die Anzahl der Kinder angeht, nun, im Krieg werden viele Kinder geboren, der Schwund muß ja ersetzt werden, und auch wer sich selbst verkauft zeugt viele Kinder, weil er annimmt, daß seine Kinder es auch tun werden und er also nicht für sie sorgen muß. Daher der Kinderreichtum der Armen.

Nun ist es so, daß jede Gesellschaft klein, das heißt arm, anfängt. Hat sie's zu was gebracht, überlegt sie sich halt, wie es zu erhalten wären, und also nimmt der Kinderreichtum ab. Und zugleich überlegen sich andere, ob sie diese Gesellschaft nicht auf die eine oder andere Weise ausnutzen könnten, was schließlich stets erfolgreich ist, vorausgesetzt, daß die Gesellschaft ihre Umgebung nach ihren Wünschen gestalten kann.

Die Menschen bleiben die ganze Zeit gleich, also ihre Substanz bleibt gleich, lediglich durch ihre Lebenserfahrungen sind sie gegebenenfalls vorbelastet.

Waldgänger

9. Juni 2013 12:07

@ Carl Sand

Ihr Hinweis auf den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg des Feminismus und dem baldigen Geburtenrückgang ist ebenso richtig wie wichtig.

@ Ein Fremder aus Elea

Ihr Gedanke zielt auf den alt-bekannten Dekadenzbegriff, wonach aus Wohlstand, Sattheit und sinnloser kultureller "Verfeinerung" alsbald der Erschlaffung und Niedergang folgt.

Obwohl der Gedanke schon sehr alt ist und zuerst den Niedergang Roms und später z.B. auch den Niedergang einzelner mittelalterlicher islamischer Dynastien und deren Niederlage gegen noch nicht dekadent gewordener Beduinen beschrieb, halte ich ihn für zeitlos aktuell.

Vieles, was im Artikel erwähnt wird - Geburtenrückgang, Verfall der Sittlichkeit, Konsumismus und Verfall der "politischen Lebensenergie" - taucht dort schon auf.

Vermutlich wird der Dekadenzbegriff auch bei Lasaulx häufiger verwendet. Fast wundere ich mich, dass er im Artikel von Herrn Rieger fehlt.

Die Sache wird allerdings dadurch etwas komplizierter, dass es bei uns und auch im Westen überhaupt sehr wohl machtvoll agierende Eliten gibt ... !
Man denke nur an das dieser Tage beginnende Bilderberg-Treffen!

Bezogen auf die Interessen dieser Strippenzieher und Herrschenden gibt es ja gar keinen Niedergang solange die eigene Macht erhalten bleibt.
Der Niedergang einzelner Völker ist für sie vollkommen sekundär solange das System als solches erhalten bleibt und von flexiblen, verdummten, schwachen und materiell gierigen Konsumenten und Beschäftigten bevölkert wird.

Auch das Römische Reich brach keineswegs gleich zusammen nachdem ihm von Zeitgenossen und Historikern Dekadenz zugeschrieben wurde.
Es hielt sich autoritärer Macht- und Zwangsstaat (Dominat) mit ebenso "bunter" wie passiv-angepasster Bevölkerung (Kolonen) und antiker Multikulturalität noch für Jahrhunderte!

schattenkoenig

10. Juni 2013 21:37

Nicht nur, daß die These vom Tod der Gesellschaft, der auf inneren Verfall zurückzuführen wäre, falsch ist. Derartige Thesen hört man allenthalben und sie machen mich zornig, weil sie Konsequenz einer gewollten Blindheit sind. Nämlich dafür, daß es Agenten der Dekadenz, des Nihilismus, der maximalen Nutzung und der Überfremdung sind, die sich weltweit vernetzt haben und diesen Verfall gleichzeitig und weltweit über alle weißen Völker dieses Planeten bringen. Genausogut könnte man einer Gruppe von Leuten, die alle absichtlich mit dem HIV angesteckt worden sind und unter einer massiven Immunschwäche leiden, zum Vorwurf machen, daß sie an ansonsten doch harmlosen Schnupfen- und Windpockenerregern sterben. Oder jemandem, dem eine letale Dosis Strychnin in den Cocktail gemixt wurde, eine Mit- oder gar die Hauptschuld am eigenen Verrecken zuzusprechen.

Sie sprachen über den mangelnden Lebenswillen, die mangelhafte Geburtenzahl. Ich habe mit jungen Leuten gesprochen, die liebend gern eine Familie gründen wollen würden, aber sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln müssen und sich trotz ganztägiger Arbeit kaum selbst über Wasser halten können. Der Staat scheint keinerlei Interesse mehr an deutschen Familiengründungen zu haben, sonst würde er dieser Problematik abhelfen. Aber nicht nur das; er schafft auch systematisch alle gesetzlichen und finanziellen Vorteile ab, die die nachkommengenerierende Ehe noch vor rein vergnügungsorientierten Homopaarungen besserstellt. Und wenn man erst drei oder vier Kinder hat, merkt man, daß dies ein sicherer Weg in materielle Armut ist, und das ist mittlerweile schon seit 30 Jahren so und wurde von der deutschfeindlichen rotgrünen Koalition nochmals drastisch verschlimmert. Bezeichnend ist, daß die heutige Regierung die weichenstellenden Entscheidungen der 1998-2005 regierenden Volksfeinde nicht nur nicht rückgängig zu machen gedenkt, sondern systematisch einen draufsetzt.

Sie sprachen über den Sprachverfall. Auch der ist nicht hausgemacht vom deutschen Volk, sondern induziert von einer hochideologisierten Hierarchie (Stichwort Universität Leipzig), einer verantwortungs- und vaterlandslosen Konzernelite und einer Werbebranche, die jeden Respekt vor der menschlichen Psyche vermissen läßt. Und deren von aus dem Nichts geschaffenen Geld angetriebene kriminelle Energie keine natürlichen Grenzen noch Schamgrenzen kennt. Die werden nicht ruhen in ihrer Wühlmaustätigkeit innerhalb der Sprache, nicht einmal dann, wenn man nicht nur auf der Straße, sondern auch in Universitäts-Hörsälen nur noch Pidgin, Kauderwelsch und Schwachsinn hört - begleitet von immer dreister auftretenden Migrantensprachen. Wer auf der Einhaltung von Regeln besteht, weil er der Auffassung ist, daß dies etwas mit Respekt vor Lesern und Zuhörern zu tun habe, wird bestenfalls ausgelacht, im Regelfall als Erzreaktionär und Quasifaschist gebrandmarkt, was den umgehenden Ausschluß von sozialer Teilhabe zur Folge hat. Der Preis für die Artikulation konservativer Lebensauffassungen wird systematisch in solche Höhen getrieben, daß man nicht nur finanziell unabhängig sein muß, um sich dies leisten zu können, sondern außerdem auch noch sozial schmerzfrei sein sollte.

Es macht schon keinerlei Freude mehr, Deutscher zu sein in einem Deutschland, an dem nur noch wenig mehr als der Name deutsch ist. Geschätzte zwanzig Mal am Tag wird uns die Systempropaganda um die Ohren gehauen, daß die Zeit des deutschen Deutschlands vorbei ist, daß massive Einwanderung aus den Armuts- und Elendsgürteln dieses Planeten zwingend und unvermeidlich ist, daß es keinerlei Privilegien für Einheimische mehr geben darf, daß Zuwanderer und Neudeutsche in jedem Bereich, einschließlich Gerichten, Polizei- und Militärdienst bevorzugt werden müssen. Und wenn man dazu dann noch die Begleitmusik "Selber schuld, warum habt ihr nicht mehr Kinder, warum verwirklicht ihr eure Volksseele denn nicht?" zu hören bekommt, macht das zornig. Vor allem, wenn diese hämischen Töne aus einem Lager kommen, das man stets für einen Fürsprecher unserer eigenen Interessen gehalten hat und das sonst für eine faktentreue Betrachtung des politischen Geschehens bekannt ist. Was soll sowas?

Es gibt - allen Spenglers, Marx' und Lasaulx' zum Trotz - keine geschichtsdeterministischen Prozesse, die gesetzmäßig zum Absterben von Völkern führen. Was es hingegen gibt, sind Agenten des Verfalls, die sich in den Völkern einnisten, die jegliche Maßnahme unterstützen, die sich gegen die gesunde Entwicklung ihrer Umgebung instrumentalisieren lassen, die überall ihre "Institute für Sexualforschung", ihre Frankfurter Schulen, ihre Pornoindustrie und ihre Investmentbanken gründen und alle politischen Richtungen von ihrem Wohlwollen abhängig machen. Nicht nur Linke, auch ein großer Teil der Rechten sind erstaunlich blind für diese Tatsache, und das trotz des erprobtermaßen scharfsichtigen und urteilssicheren rechten politischen Verstandes. Was weiter zuder Frage führt, worauf denn ausgerechnet diese Blindheit zurückzuführen ist und ob sie eventuell doch gewollt ist.

Wenn Oswald Spengler den Verfall der abendländischen Völker vorhersagt, dann beschreibt er keinen naturgesetzhaften Vorgang, sondern kommentiert in wissenschaftlicher Sprache die operativen Maßnahmen, die von ebendiesen Agenten des Nihilismus ins Werk gesetzt werden - ohne allerdings diese und ihr Werk selbst mitzubeleuchten. Das wäre so ähnlich, als wenn der Bruder von Dieter Zetsche eine rückläufige Personalentwicklung bei Daimler-Benz prognostizieren würde. Ich würde sagen: Mit der entsprechenden Macht und dem entsprechenden Zerstörungswillen im Hintergrund ist es relativ leicht, ein Untergangsprophet zu sein.

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