Sezession
5. Juni 2013

Prophetisches bei Ernst von Lasaulx

Gastbeitrag / 7 Kommentare

lasaulxvon Michael Rieger

Ernst von Lasaulx (1805 bis 1861) gehört nicht eben zu den Autoren, die einem ständig unterkommen. Nur zwei Seiten und zwei kurze Erwähnungen finden sich zu „Spenglers Vorgänger“ in Othmar Spanns Geschichtsphilosophie von 1932. Doch diese kurzen Passagen haben es in sich – sie regen an zur genaueren Lektüre, erscheinen sie doch heute als geradezu prophetisch.

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In seinem 1856 veröffentlichten Neuen Versuch einer alten auf die Wahrheit der Thatsachen gegründeten Philosophie der Geschichte entwirft Lasaulx ein Modell des Verfalls von Völkern. Im Rückgang der Zeugungskraft (dem nisus formativus, dem Bildungs- und Reproduktionstrieb) wird der Verfall sichtbar: „Es stocken die Säfte, die Zeugungskraft beginnt zu erlöschen, das Leben sinkt, und seine Formen zerfallen, sichtbar von außen nach innen, weil unsichtbar im Innern die Triebkraft aufgehört hat.“

Nehmen wir es ganz wörtlich: Es ist kein Geheimnis, dass die Fruchtbarkeitsrate in Deutschland seit etwa 1965 gesunken ist. 1965 lag sie noch bei 2,5 Kindern pro Frau, seit etwa 40 Jahren liegt sie jetzt relativ stabil bei 1,3 Kindern pro Frau. Sie hat sich also nahezu halbiert. Mögen auch in anderen Ländern „die Säfte stocken“, Deutschland ist mit 8,2 Geburten auf 1000 Einwohner das Schlusslicht in der Europäischen Union.

Lasaulx führt aus, dass der Verfall den Verlust der „sprachbildenden Kraft“ einschließt. Sprache sei „nicht bloss das Organ des Denkens“, sondern „sie ist mit dem Denken selbst zusammengewachsen, die Vollendung des Denkens“. Verlöscht die sprachbildende Kraft, ist es ums Denken schlecht bestellt. So banal es klingt – die beständig und wirkungslos kritisierten Anglizismen belegen den aktuellen Rückgang der sprachbildenden Kraft. Anstatt eine eigene Sprache zu bilden, zu „er-zeugen“ und eventuell sogar zu pflegen, werden Worte aus einer anderen Sprache übernommen. Das ist weitaus bequemer, man muss sich keine eigenen Gedanken mehr machen, Kreativität wird nicht abgefordert, sondern abgetötet.

So sind wir Eyecatchern, Sales Managern, Facility Managern, Mobbing und Gamern bis zum Erbrechen ausgesetzt. Was im Alltag bereits eine Katastrophe ist, wird nicht besser, wenn wir nach der „poetischen Kraft im Leben der Künste“ fragen. Wie es um die poetische Dimension der Sprache bestellt ist, kann nicht so einfach beantwortet werden, wie der uns medial überflutende sprachliche Verfall nur noch zu diagnostizieren bleibt. Dennoch: ein spezifisches Kennzeichen der Literatur seit den 1960er Jahren ist in der Öffnung für das Profane zu sehen. Zeitweise wurde das eigentlich Poetische ersetzt durch bloß reproduktiven Dokumentarismus. Es gibt sie noch die Sprachartisten, aber unbestreitbar hat sich das platt Parteipolitische, Plebejische und Primitive mit und in der Folge von Günter Grass, Hubert Fichte und Rainald Goetz sein literarisches Terrain erobert (Aus dem Tagebuch einer Schnecke, Die Palette, Irre).

Lasaulx Vorstellung des Völkerverfalls bezieht natürlich auch den Verlust „der religiösen Glaubenskraft“ mit ein. Der Rückgang der traditionellen Bekenntnisse lässt sich leicht an einer Stadt wie Hamburg ablesen. Wer Hamburg noch als „typisch protestantisch“ abgespeichert hat, hängt Erinnerungen an. Waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts beinahe 95% der Hamburger Protestanten, so sind es heute noch nur noch etwa 28%. Nimmt man nun die 10% Katholiken hinzu, dann lautet das Ergebnis: 60% aller in Hamburg lebenden Menschen bekennen sich nicht zum Christentum. Das sieht im Bundesdurchschnitt anders aus. Im Moment bekennen sich noch 60% der Bevölkerung zur römisch-katholischen oder zur evangelischen Kirche. Die Entwicklungstendenz ist jedoch eindeutig vorgezeichnet.

Wo die Zeugungskraft abnimmt, die Sprache sorglos auf den Hund gekommen ist, der Literaturbegriff längst für Werbetexte und Klosprüche geöffnet wurde, die Religion allgemein im Schwinden begriffen ist – wie steht es da um die „politische Lebensenergie“? Sie steht Angela Merkel so sehr ins Gesicht geschrieben wie den Herren Gabriel oder Steinbrück. Dazu sehr passend Ernst von Lasaulx: „Wie das Kränkeln Hinwelken Verdorren der Blätter und Äste eines Baumes ein Zeichen ist, dass die Wurzel krank sei: so müssen auch bei sinkenden und zerfallenden Völkern die äusseren Erscheinungen als die Folgen einer inneren Erschlaffung betrachtet werden.“

Angesichts dieser politischen Klasse mag man gar nicht fragen nach dem Stand der „nationalen Sittlichkeit“, dem „Product der religiösen und der politischen Ideale“. Wer wollte heute überhaupt noch sprechen von etwas so Reaktionärem wie Sittlichkeit oder den Romantizismen politischer Ideale? Und was könnte darunter zu verstehen sein? Meinungsfreiheit? Fragen wir Norbert Geis. Oder ein plurales Europa der Regionen? Dafür sorgt unbeirrbar Martin Schulz. Und wo werden diese Ideale wahrgemacht? In Kirchweyhe? Womit wir wieder bei der Sittlichkeit wären.

Was Lasaulx an den oben ausgeführten Punkten festgemacht hat, setzt sich fort „bis der ganze Organismus, nur auf die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse reducirt, seelenlos auseinanderfällt“.

Lasaulx Neuen Versuch einer alten auf die Wahrheit der Thatsachen gegründeten Philosophie der Geschichte kann man hier zum Selbststudium erwerben.

 

 


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Kommentare (7)

Heinrich Brück
5. Juni 2013 23:14

Gehen die Rechten alle als Jungfrau in die Ehe? Wenn Sie von
Sittlichkeit sprechen, müßte es so sein.
Wer bremst denn das deutsche Volk in seiner Zeugungskraft,
denn die Natur kann ja wohl kaum überlistet werden?
Die Wurzeln des Baumes sind nicht krank, nur auf die Blüten
wird ständig geschossen. Aus den Staatswissenschaften wurden
die Politikwissenschaften, das Denken wurde kolonisiert. Aus dem
lateinischen Deutsch wurde das amerikanische Deutsch,
Übersetzungen und Synchronisationen transportieren eine
Kulturlüge nach der anderen; eine Sensation eigentlich,
nach den vergangenen hundert Jahren, daß dieses Volk überhaupt
noch vorhanden ist.
Die historischen Verlierer befinden sich an der Spitze des Landes,
von ihnen geht die Vorbildfunktion aus. Die Priesterschaft müßte am
lautesten aufbegehren, aber ihre Wahrheiten lassen es nicht zu.
Und zur Sprache, als Hitler die Frakturschrift abschaffen ließ,
nachzulesen im Bormann-Dekret, 1941, wurde mehr zerstört als
die meisten Deutschen wahrhaben können.
Das deutsche Volk ist immer noch da, seinen Feinden zum Trotz,
und daran wird sich nichts ändern.

Carl Sand
6. Juni 2013 02:02

Die Senkung der Geburtenrate ist (neben den hier durchaus interessanten und mitursächlichen eher metapolitischen Überlegungen) ganz einfach in zwei Hauptüberlegungen zu erklären:

1. Scheidungsrisko

Das Scheidungsrisiko liegt heute bei 50-60%.

Und die Folgen sind im wahrscheinlichen Falle fatal: Mann zahlt für Kinder, von denen mann nicht weiß, ob sie von einem selbst sind, die mann nicht sehen darf, weil, ja weil; die in einem Haus wohnen, daß mann verlassen musste, weil eine Frau, nun ja... irgentwie sich selbst finden wollte.

Mann müsste offengestanden mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn mann sich darauf einließe.

Natürlich haben wir alle (und gerade die auf Teilhabe an der "Ordnung" geradezu versessenen "Konservativen" den "Glauben des Schützengrabens", gerade mich werde es natürlich nicht erwischen.

Aber ach, die Mathematik: Das Risiko des fatalen Ausgangs liegt beim russisch Roulette 16,7 Prozent.

Man vergleiche.

2. Abtreibung als Willkürrecht

Die Abtreibung ist nicht nur legalisiert, sondern eine vollkommen akzeptierte willkürliche Entscheidung.

Ein Kind ist in der heutigen Anschauung mit einer ästetisch unansehnlichen Wucherung, wie einer Warze vergleichbar, die aus reiner Willkür der Frau und zwar nur der Frau medzinisch kurz "weggemacht" wird.

3. Eine Frage der Willkür.

Fassen wir zusammen: Der frühere Lebenszweck, Famile zu gründen ist zu einer reinen Willküroption geworden. Alles Obengenannte: Fragen der reinen Willkür. Es ist in einer Willkürgesellschaft schlicht unmöglich, die Anderen in ihrer Freiheit, die näher betrachtet nur Willkür ist, beschränken zu wollen.

4. Widerspruch ist gesellschaftlich unmöglich.

Wer Widerspruch führt macht sich schlicht gesellschaftlich unmöglich. Nicht einmal, daß man nur ein böser Faschist wäre oder zumindest peinlich spießig und altbacken. Nein, schlimmer: Man nervt.

Martin
6. Juni 2013 09:27

Gerade eben kommt über den Ticker, dass das BverfG die "Homo-Ehe" steuerlich "gleichgestellt" sehen will ...

gerdb
6. Juni 2013 09:36

@H. Brück

Die Natur wird eigentlich permanent überlistet.
Ohne moderne Medizin würden die meisten der heutigen Plattfussindianer garnicht existieren.
Ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen die Natur war die Einführung der Wunschkindpille, denn der Sexualtrieb soll naturgemäss zu mehr als nur Wunschkindern verleiten. Nicht zufällig folgte darauf die sexuelle Revolution und die Säfte fliessen mehr als je zuvor mit Hilfe der pornographischen Industrie.
K. Lorenz brachts sogar einmal Das HIV VIrus als Retaliation der Natur in das Gespräch!.
Aber auch das ist mittlerweile eine chronische Krankheit geworden.

Ein Fremder aus Elea
6. Juni 2013 09:53

Ich halte die These des Todes von innen her für falsch.

Beispiel Sprache. Jedes Kind erfindet ständig neue Wörter für das es Umgebende. Das Potential ist da, aber es gibt Gründe, warum es verkümmert, und diese Gründe sind äußere Gründe.

Was die Anzahl der Kinder angeht, nun, im Krieg werden viele Kinder geboren, der Schwund muß ja ersetzt werden, und auch wer sich selbst verkauft zeugt viele Kinder, weil er annimmt, daß seine Kinder es auch tun werden und er also nicht für sie sorgen muß. Daher der Kinderreichtum der Armen.

Nun ist es so, daß jede Gesellschaft klein, das heißt arm, anfängt. Hat sie's zu was gebracht, überlegt sie sich halt, wie es zu erhalten wären, und also nimmt der Kinderreichtum ab. Und zugleich überlegen sich andere, ob sie diese Gesellschaft nicht auf die eine oder andere Weise ausnutzen könnten, was schließlich stets erfolgreich ist, vorausgesetzt, daß die Gesellschaft ihre Umgebung nach ihren Wünschen gestalten kann.

Die Menschen bleiben die ganze Zeit gleich, also ihre Substanz bleibt gleich, lediglich durch ihre Lebenserfahrungen sind sie gegebenenfalls vorbelastet.

Waldgänger
9. Juni 2013 12:07

@ Carl Sand

Ihr Hinweis auf den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg des Feminismus und dem baldigen Geburtenrückgang ist ebenso richtig wie wichtig.

@ Ein Fremder aus Elea

Ihr Gedanke zielt auf den alt-bekannten Dekadenzbegriff, wonach aus Wohlstand, Sattheit und sinnloser kultureller "Verfeinerung" alsbald der Erschlaffung und Niedergang folgt.

Obwohl der Gedanke schon sehr alt ist und zuerst den Niedergang Roms und später z.B. auch den Niedergang einzelner mittelalterlicher islamischer Dynastien und deren Niederlage gegen noch nicht dekadent gewordener Beduinen beschrieb, halte ich ihn für zeitlos aktuell.

Vieles, was im Artikel erwähnt wird - Geburtenrückgang, Verfall der Sittlichkeit, Konsumismus und Verfall der "politischen Lebensenergie" - taucht dort schon auf.

Vermutlich wird der Dekadenzbegriff auch bei Lasaulx häufiger verwendet. Fast wundere ich mich, dass er im Artikel von Herrn Rieger fehlt.

Die Sache wird allerdings dadurch etwas komplizierter, dass es bei uns und auch im Westen überhaupt sehr wohl machtvoll agierende Eliten gibt ... !
Man denke nur an das dieser Tage beginnende Bilderberg-Treffen!

Bezogen auf die Interessen dieser Strippenzieher und Herrschenden gibt es ja gar keinen Niedergang solange die eigene Macht erhalten bleibt.
Der Niedergang einzelner Völker ist für sie vollkommen sekundär solange das System als solches erhalten bleibt und von flexiblen, verdummten, schwachen und materiell gierigen Konsumenten und Beschäftigten bevölkert wird.

Auch das Römische Reich brach keineswegs gleich zusammen nachdem ihm von Zeitgenossen und Historikern Dekadenz zugeschrieben wurde.
Es hielt sich autoritärer Macht- und Zwangsstaat (Dominat) mit ebenso "bunter" wie passiv-angepasster Bevölkerung (Kolonen) und antiker Multikulturalität noch für Jahrhunderte!

schattenkoenig
10. Juni 2013 21:37

Nicht nur, daß die These vom Tod der Gesellschaft, der auf inneren Verfall zurückzuführen wäre, falsch ist. Derartige Thesen hört man allenthalben und sie machen mich zornig, weil sie Konsequenz einer gewollten Blindheit sind. Nämlich dafür, daß es Agenten der Dekadenz, des Nihilismus, der maximalen Nutzung und der Überfremdung sind, die sich weltweit vernetzt haben und diesen Verfall gleichzeitig und weltweit über alle weißen Völker dieses Planeten bringen. Genausogut könnte man einer Gruppe von Leuten, die alle absichtlich mit dem HIV angesteckt worden sind und unter einer massiven Immunschwäche leiden, zum Vorwurf machen, daß sie an ansonsten doch harmlosen Schnupfen- und Windpockenerregern sterben. Oder jemandem, dem eine letale Dosis Strychnin in den Cocktail gemixt wurde, eine Mit- oder gar die Hauptschuld am eigenen Verrecken zuzusprechen.

Sie sprachen über den mangelnden Lebenswillen, die mangelhafte Geburtenzahl. Ich habe mit jungen Leuten gesprochen, die liebend gern eine Familie gründen wollen würden, aber sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln müssen und sich trotz ganztägiger Arbeit kaum selbst über Wasser halten können. Der Staat scheint keinerlei Interesse mehr an deutschen Familiengründungen zu haben, sonst würde er dieser Problematik abhelfen. Aber nicht nur das; er schafft auch systematisch alle gesetzlichen und finanziellen Vorteile ab, die die nachkommengenerierende Ehe noch vor rein vergnügungsorientierten Homopaarungen besserstellt. Und wenn man erst drei oder vier Kinder hat, merkt man, daß dies ein sicherer Weg in materielle Armut ist, und das ist mittlerweile schon seit 30 Jahren so und wurde von der deutschfeindlichen rotgrünen Koalition nochmals drastisch verschlimmert. Bezeichnend ist, daß die heutige Regierung die weichenstellenden Entscheidungen der 1998-2005 regierenden Volksfeinde nicht nur nicht rückgängig zu machen gedenkt, sondern systematisch einen draufsetzt.

Sie sprachen über den Sprachverfall. Auch der ist nicht hausgemacht vom deutschen Volk, sondern induziert von einer hochideologisierten Hierarchie (Stichwort Universität Leipzig), einer verantwortungs- und vaterlandslosen Konzernelite und einer Werbebranche, die jeden Respekt vor der menschlichen Psyche vermissen läßt. Und deren von aus dem Nichts geschaffenen Geld angetriebene kriminelle Energie keine natürlichen Grenzen noch Schamgrenzen kennt. Die werden nicht ruhen in ihrer Wühlmaustätigkeit innerhalb der Sprache, nicht einmal dann, wenn man nicht nur auf der Straße, sondern auch in Universitäts-Hörsälen nur noch Pidgin, Kauderwelsch und Schwachsinn hört - begleitet von immer dreister auftretenden Migrantensprachen. Wer auf der Einhaltung von Regeln besteht, weil er der Auffassung ist, daß dies etwas mit Respekt vor Lesern und Zuhörern zu tun habe, wird bestenfalls ausgelacht, im Regelfall als Erzreaktionär und Quasifaschist gebrandmarkt, was den umgehenden Ausschluß von sozialer Teilhabe zur Folge hat. Der Preis für die Artikulation konservativer Lebensauffassungen wird systematisch in solche Höhen getrieben, daß man nicht nur finanziell unabhängig sein muß, um sich dies leisten zu können, sondern außerdem auch noch sozial schmerzfrei sein sollte.

Es macht schon keinerlei Freude mehr, Deutscher zu sein in einem Deutschland, an dem nur noch wenig mehr als der Name deutsch ist. Geschätzte zwanzig Mal am Tag wird uns die Systempropaganda um die Ohren gehauen, daß die Zeit des deutschen Deutschlands vorbei ist, daß massive Einwanderung aus den Armuts- und Elendsgürteln dieses Planeten zwingend und unvermeidlich ist, daß es keinerlei Privilegien für Einheimische mehr geben darf, daß Zuwanderer und Neudeutsche in jedem Bereich, einschließlich Gerichten, Polizei- und Militärdienst bevorzugt werden müssen. Und wenn man dazu dann noch die Begleitmusik "Selber schuld, warum habt ihr nicht mehr Kinder, warum verwirklicht ihr eure Volksseele denn nicht?" zu hören bekommt, macht das zornig. Vor allem, wenn diese hämischen Töne aus einem Lager kommen, das man stets für einen Fürsprecher unserer eigenen Interessen gehalten hat und das sonst für eine faktentreue Betrachtung des politischen Geschehens bekannt ist. Was soll sowas?

Es gibt - allen Spenglers, Marx' und Lasaulx' zum Trotz - keine geschichtsdeterministischen Prozesse, die gesetzmäßig zum Absterben von Völkern führen. Was es hingegen gibt, sind Agenten des Verfalls, die sich in den Völkern einnisten, die jegliche Maßnahme unterstützen, die sich gegen die gesunde Entwicklung ihrer Umgebung instrumentalisieren lassen, die überall ihre "Institute für Sexualforschung", ihre Frankfurter Schulen, ihre Pornoindustrie und ihre Investmentbanken gründen und alle politischen Richtungen von ihrem Wohlwollen abhängig machen. Nicht nur Linke, auch ein großer Teil der Rechten sind erstaunlich blind für diese Tatsache, und das trotz des erprobtermaßen scharfsichtigen und urteilssicheren rechten politischen Verstandes. Was weiter zuder Frage führt, worauf denn ausgerechnet diese Blindheit zurückzuführen ist und ob sie eventuell doch gewollt ist.

Wenn Oswald Spengler den Verfall der abendländischen Völker vorhersagt, dann beschreibt er keinen naturgesetzhaften Vorgang, sondern kommentiert in wissenschaftlicher Sprache die operativen Maßnahmen, die von ebendiesen Agenten des Nihilismus ins Werk gesetzt werden - ohne allerdings diese und ihr Werk selbst mitzubeleuchten. Das wäre so ähnlich, als wenn der Bruder von Dieter Zetsche eine rückläufige Personalentwicklung bei Daimler-Benz prognostizieren würde. Ich würde sagen: Mit der entsprechenden Macht und dem entsprechenden Zerstörungswillen im Hintergrund ist es relativ leicht, ein Untergangsprophet zu sein.

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