27. Januar 2017

Hans-Dietrich Sander ist tot

von Martin Lichtmesz / 18 Kommentare

Hans-Dietrich Sander, Schüler Brechts, Herausgeber der Zeitschrift Staatsbriefe und unermüdlicher Publizist für die deutsche »Reichsrenaissance«, ist in der Nacht vom 24. zum 25. Januar 2017 verstorben. Aus diesem Anlaß folgt nun die Würdigung Sanders aus dem Staatspolitischen Handbuch, Bd. 3, die Martin Lichtmesz verfaßte.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

»Konsequent, hochmütig und rücksichtslos « sei der Tonfall, den der »nationale Dissident« Hans-Dietrich Sander in seinen Schriften anstimme, voller Verachtung für die »feigen fetten Fritzen der Wohlstandsgesellschaft «, was ihn »Gott sei Dank in einen unversöhnlichen Gegensatz zur großen Mehrheit der Bürger der Bundesrepublik Deutschland« bringe. Dennoch müsse verhütet werden, daß »diese stilisierte Einsamkeit, diese ›Kleistsche Radikalität‹ wieder Anhänger findet«.

Denn: »Schon ein paar Tausend wären zu viel für die zivile, parlamentarische Bundesrepublik.« So furcht- wie respektvoll urteilte 1989 der Sozialdemokrat Peter Glotz über den Mann, den Armin Mohler »den unbequemsten Vertreter der Neuen Rechten« nannte und der sich selbst stets jeder Kategorisierung dieser Art entzog. Sander wuchs in einem kleinen mecklenburgischen Dorf auf und besuchte ab 1939 das Gymnasium in Parchim. In Kiel erlebte er als junger Marinehelfer den Krieg in Form von massiven Luftangriffen. Er betonte später, daß diese Erfahrung keinen Platz für »Schuldgefühle« ließ und er den gegen Deutschland erhobenen Anschuldigungen von Anfang an skeptisch gegenüberstand. Er sah sich schon früh als »Reichsdeutscher, der in der Stunde Null nur angeritzt wurde«.

Ab 1949 studierte er Theaterwissenschaften und Germanistik in West-Berlin. Herbert Ihering vermittelte ihm eine Hospitanz bei den Proben des Berliner Ensembles. Die Faszination durch Bertolt Brecht infizierte Sander mit dem Kommunismus. Er brach mit dem politischen und wirtschaftlichen System Westdeutschlands und zog 1952 nach Ost-Berlin, wo er als Dramaturg und Theaterkritiker tätig war. Sein kommunistisches Engagement erlosch am 17. Juni 1953, und im Dezember 1957 ging er wieder zurück in den Westen, dem er allerdings weiterhin kritisch gegenüberstand. 1958 bis 1962 arbeitete Sander unter der Schirmherrschaft Hans Zehrers als Redakteur für die Welt. Seine Arbeit dieser Jahre konzentrierte sich auf das Feuilleton und war nur indirekt politisch geprägt.

1963/64 ging er für ein Forschungsprojekt über revolutionstheoretische Schriften nach Zürich. Im Rahmen dieses Projekts nahm er Kontakt zu bedeutenden Sozialisten, Kommunisten und Ex-Kommunisten wie Boris Souvarine, Giangiacomo Feltrinelli oder Oskar Lange auf. 1965 holte Hans Zehrer Sander zur Welt zurück. Zehrer starb 1966, Ende 1967 wurde Sander entlassen. Die raschen Siege der Studentenrevolte entlarvten in seinen Augen die Brüchigkeit des politischen Systems. Zwischen»liberaler Restauration wie ihrer linken Unterwanderung« führte der Weg zu dezidiert nationalen Positionen, die sich im Laufe der Jahre radikal zuspitzen sollten. 1969 promovierte Sander bei Hans-Joachim Schoeps mit der dogmengeschichtlichen Studie Marxistische Ideologie und allgemeine Kunsttheorie.

Eine Fußnote der 1970 in Buchform erschienenen Dissertation reproduzierte erstmalig den inzwischen berühmten Brief Walter Benjamins an Carl Schmitt, den Theodor W. Adorno in seiner Benjamin-Edition unterschlagen hatte. Mit Schmitt pflegte Sander seit 1967 einen intensiven Briefwechsel, der bis 1981 anhielt. Sanders Geschichte der Schönen Literatur in der DDR (1972), zum Teil aus der Warte eines Augenzeugen geschrieben, löste eine heftige Kampagne aus, in deren Folge der Verlag das Buch aus dem Vertrieb zog. Sander verlor nun zunehmend an publizistischem Spielraum. Asyl fand er in Caspar von Schrenck-Notzings Criticón und in William S. Schlamms Zeitbühne.

1975/76 war er kurzzeitig Lehrbeauftragter an der TU Hannover und auf Einladung Jacob Taubes 1978/79 Gastdozent an der Freien Universität Berlin. Der nationale Imperativ (1980), sein erstes dezidiert politisches Buch, versammelte »Ideengänge und Werkstücke zur Wiederherstellung Deutschlands« und stellte dabei gar »propädeutische Überlegungen zum Vierten Reich« an. 1983–86 übernahm er die Chefredaktion der Deutschen Monatshefte.

Die Auflösung aller Dinge (1988), eine meisterhafte polemische Studie »zur geschichtlichen Lage des Judentums in den Metamorphosen der Moderne «, überschritt als erstes Buch nach 1945 den »Rubikon« (Habermas) einer kritischen Neusichtung der »deutsch-jüdischen Frage« »unter dem Gesichtspunkt der politischen Eschatologie«. Den Hintergrund bildete der Begriff der »Entortung« als zentrales Kennzeichen der Auflösungsprozesse der Moderne. Von Bedeutung sind auch die darin enthaltenen »Thesen zum Dritten Reich«.

Pünktlich zur Wende verwirklichte Sander 1990 das langgehegte Projekt einer eigenen Zeitschrift, der Staatsbriefe, die er als »Freistatt für das offene Wort« im Dienste der »Renaissance des nationalen Denkens« konzipierte. Als Emblem diente der Grundriß des Castel del Monte, entsprechend dem kühnen Programm einer Wiederbelebung einer ghibellinischen Reichsidee, an der Sander mit provozierender Unbeirrtheit festhielt. Zu den Mitarbeitern der ersten Stunde zählten u. a. Armin Mohler, Günter Zehm, Hans-Joachim Arndt, Günter Maschke, Robert Hepp, Salcia Landmann, Reinhold Oberlercher und Wolfgang Strauss.

Die Hoffnungen, mit den Staatsbriefen ein wirkungsvolles Pendant zu Hans Zehrers Tat und ein weltanschaulich weitgespanntes Forum auf nationaler Basis zu lancieren, zerstreuten sich allerdings ebenso schnell wie die Erdrutschstimmung der Wendezeit. Die hochkarätige Mitarbeiterschaft dünnte sich bereits nach dem ersten Jahrgang merklich aus; im Jahre 2000 wurde die Zeitschrift schließlich eingestellt. Viermal im Jahr schreibt der streitbare Autor noch für die österreichische Zeitschrift Neue Ordnung, sein Hauptaugenmerk gilt dabei weiterhin der laufenden Selbstzersetzung des liberalen Systems.


Lieferbare Literatur

Hans-Dietrich Sander: Der ghibellinische Kuß, 208 S., geb., 22 €, Band 1/10 der Gesamtausgabe – hier bestellen

Hans-Dietrich Sander: Politik und Polis, 271 S., geb., 26 €, Band 2/10 der Gesamtausgabe – hier bestellen

(Herausgegeben von Heiko Luge sind diese beiden Titel die ersten Bände der Gesamtausgabe, deren einzelne zehn Werke von 2016 bis 2019 ediert werden. Alle Titel sind nach Erscheinen über antaios.de zu beziehen.)

Außerdem lieferbar ist folgende Festschrift für Sander, die von Schülern, Zeitgenossen und Weggefährten verfaßt wurde:

Heiko Luge (Hrsg.): Grenzgänge. Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander, 354 Seiten, geb., 29,90 € – hier bestellen

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (18)

Der_Jürgen
27. Januar 2017 12:51

Ein wahrhaft Grosser ist von uns gegangen. Wir verneigen uns vor ihm. Martin Lichtmesz gebührt Dank für diese hervorragende Würdigung.

Gustav Grambauer
27. Januar 2017 13:08

Habe die Bücher dieses Seelenverwandten verschlungen. Zur Abrundung sei gesagt, daß er zuletzt seine publizistische Heimat bei Lammla gefunden hatte (die Interessierten können ja trotzdem bei Antaios bestellen ...), von dorther nehme ich auch ein Zitat aus dem Klappentext seines Hauptwerks, das sein Axiom, von dem aus er in unerreichte Tiefen gedrungen ist, recht gut umreißt:

"Der politische Liberalismus war in den 20er Jahren weltweit gescheitert. Seine Restauration nach 1945 in den westlichen Besatzungszonen konnte nur gelingen, wenn man sich dem Scheitern nicht stellte. So hieß es, die Weimarer Republik sei nicht zugrunde gegangen, weil sie die wachsenden politischen Probleme nicht lösen konnte, sondern weil sie zugrunde kritisiert worden war. Und das durfte sich nicht wiederholen. Daß das nur einen Aufschub des Endes bewirken konnte, wollte man sich nicht eingestehen."

Dieses "Ende" läßt sich jetzt nicht mehr aufschieben; ich weiß nicht, wie wach Sander in den letzten Monaten war, um das Platzen der entsprechenden massenpsychologisch aufgepumpten Blase noch miterleben zu dürfen.

Es hat mich damals nur gefreut, daß der inzwischen auch hier  

http://sezession.de/55689

hoch gefeierte Prototyp des Technokratengeistes und Spin-Doktor der neolibaralen Trimmung der SPD Glotz Sanders kleistisch-ambivalenten Adel nicht ertragen hat und vor dessen geistiger Potenz als Gefahr für die sozialliberale Maschinerie gewarnt hat.

Ein gebürtiger Hesse
27. Januar 2017 13:12

Ach, das ist traurig. Sander war einer der Unermüdlichen und Großen. Seinen Platz wird auf lange Zeit kein zweiter einnehmen können, schon weil dafür ähnlich viel gelebte Widerstandszeit durchmessen werden müßte. Denken wir an ihn, auch in unseren Gebeten.

Johannes Konstantin Poensgen
27. Januar 2017 13:33

Zum letzten Mal hatte ich diesen Eindruck, als ich die Nachricht vom Tode Peter Scholl-Latours las. Es ist eine ganz eigenartige Leere, wenn man vom Tod eines Mannes erfährt, den man nie persönlich gekannt hat, aber immer einmal treffen wollte.

Desprecio
27. Januar 2017 14:33

Die Kritik und die darin zum Ausdruck kommende Hochachtung von Peter Glotz an Hans-Dietrich Sander  veranlasste mich vor einigen Jahren, etwas von bzw. ueber Sander zu lesen. Es war der Gesprächsband IM BANNE DER REICHSRENAISSENCE von Sebastian Maas. In diesem Baendchen, in einer seiner Antworten, fiel Sander ein Aphorismus (wohl der Nachkriegszeit) ein, der lautete: >Die Vergangenheitsbewältigung ist ein Schwedentrunk. Die Deutschen sind davon so vollgepumpt, dass sie Jauche spritzen, wenn man sie nur antippt.<

Leo Johnen
27. Januar 2017 14:43

Er war einer der bedeutendsten nationalen Denker der Nachkriegszeit. Er war literarisch belesen wie kaum ein anderer und verfügte über eine Formulierungsgabe, die seinesgleichen sucht. Der Begriff des „Nationalen Imperativ“ wird mit ihm verbunden bleiben, wenngleich auch anderes zu nennen wäre. In Sachen Unbeugsamkeit und Unbeirrtheit – in Verbindung mit einem guten Schuss „Anti-Distanzeritis“ – fällt mir kein Publizist ein, der es mit diesem mecklenburgischen Dickschädel aufnehmen konnte. So kompliziert er als Mensch auch sein konnte. Er hat vor allem in den 80er und 90er Jahre viele junge Menschen stark geprägt. Dafür und vor allem für sein Werk und sein Vorbild in Sachen Haltung gebührt ihm Dank.

Rheinpreuße
27. Januar 2017 14:44

Angesichts seiner Fähigkeiten wäre es für ihn sowohl in der DDR als auch im Westen einfach gewesen, auf Dauer zu den Edelfedern des jeweiligen Systems zu gehören. Aber den einfachen Weg hat er nie gewählt, denn ihn zeichnete neben (bzw. vor) seiner intellektuellen Brillanz vor allem eines aus: er war ein sehr mutiger Mann, der die Ungnade der Systeme wählte, wo Anpassung keine Ehre brachte.

"Der nationale Imperativ" war zusammen mit Maschkes "Die Verschwörung der Flakhelfer" der Text, der mich (aus sozialdemokratischem Elternhaus stammend) zu einem bewussten "Rechten" gemacht hat.

Letzte Woche noch "Politik und Polis" gelesen und war fasziniert, wie treffend viele seiner früheren Ausführungen auch und gerade für die jetzige Situation sind. Kann das Buch nur jedem empfehlen, insbesondere die Aufsätze "Kleiner Traktat über die Demokratie" und "Die absolute Republik", welch letztere den Parteienstaat überwinden müsse, wie die absolute Monarchie den Ständestaat überwunden habe, wenn das Gemeinwesen gedeihen soll.

Die zehn "Thesen zum Nationalsozialismus" aus der "Auflösung aller Dinge" sind gleichfalls sehr empfehlenswert. Sollte man jedem in die Hand drücken, der mit simplen Ansichten zum diesem Thema daher kommt.

 

Zadok Allen
27. Januar 2017 18:06

Er ruhe in Frieden. Sander wir zweifelsohne einer der größten deutschen Publizisten überhaupt und einer der bedeutendsten Denker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich bin zwar nur anderthalb Jahre in den Genuß der Lektüre der "Staatsbriefe" gekommen, gleichwohl hat mich diese Zeitschrift geistig tiefer geprägt als jedes andere Periodikum.

Erst Udo Ulfkotte, jetzt Hans-Dietrich Sander. Woher nur rührt das flaue Gefühl, daß dies nicht der letzte Verlust an intellektuellen Führungsfiguren "unsere" Lagers im laufenden Jahr gewesen sein wird...

M.L.: Die Arbeit von Ulfkotte in Ehren, aber eine "intellektuelle Führungsfigur" war er wahrlich nicht, schon gar nicht auf dem Niveau von Sander.

Martin Lichtmesz
27. Januar 2017 18:20

Thorsten Hinz zum 80. Geburtstag von Sander (2008)

W. Wagner
27. Januar 2017 18:48

Die "Staatsbriefe" waren eine ständige Herausforderung, mal wollte man ein Heft in die Ecke knallen und abbestellen, mal wollte man die Texte geradezu küssen, auswendig lernen. Unerreicht. Und der Mensch Sander war ebenso, er hat es wohl niemandem leicht gemacht, aber auch damit hat er geprägt, selbstständige, auch von ihm selbst unabhängige selbstdenkende Geister erzogen. Es ist gut, dass die Texte Sanders jetzt in so schöner Form neu herausgegeben werden für die nächste Generation.

Wir Schüler werden sein Werk auf die uns jeweils eigene Art weitertragen - von Dank und Aufträgen erfüllt.

Solution
27. Januar 2017 19:20

Mit Dr. Sander hat mich viel verbunden. Ich kannte ihn persönlich als einen wertvollen Menschen, der sich nicht zu schade war, mir als jungem Studenten in den Deutschen Monatsheften persönlich mit viel Mühe und Aufwand das Schreiben beizubringen. Nicht zuletzt seine legendären "Staatsbriefe" haben ihm einen Ehrenplatz unter den rechten Intellektuellen eingebracht.

Seine politischen Ansichten waren auch unter seinen Anhängern oftmals kontrovers diskutiert worden, einige gingen auf Distanz. Die JF hat ihn schon früh verleumdet. Mir hat er den Blick für das Reich geweitet, wenngleich es angesichts der Realität zu einer dauerhaft schwärenden Wunde geführt hat. Es wird wohl kaum jemanden geben, den ich in so guter Erinnerung behalten werde.

Andrenio
27. Januar 2017 20:32

Wie wäre es mit einem Nachdruck der "Staatsbriefe"? Ähnliches hätte man sich früher schon für Criticon gewünscht.

ML Danke für den Nachruf, auch für den erstklassigen Beitrag von T. Hinz.

H. M. Richter
27. Januar 2017 22:50

Die Nachricht, Rudolf Große, Jahrgang '23,  treuer Hüter der meißnischen Sprachlandschaft, Bewahrer deutscher Sprache, sei von uns gegangen, erreichte mich am Morgen. Wenige Stunden später gab SIN die von Sander bekannt. Es bleiben Trauer, Dankbarkeit, Auftrag.

Rohmer
29. Januar 2017 14:32

Erst im letzten Sommer habe ich damit angefangen, mir seine Gedankenwelt zu erschließen. Zunächst mit dem Gesprächsband von Herrn Maaß und dann mit dem "Nationalen Imperativ". Faszinierende Lektüre und ein starker Beweis für die Pluralität des rechtsintellektuellen Spektrums - sowohl denkerisch als auch auf personaler Ebene. Er hatte auf mich eine ähnliche Wirkung wie Bernard Willms oder Armin Mohler, man hatte vorher sowas einfach noch nicht gelesen oder auch nur für möglich gehalten, das irgendjemand heute sowas noch schreiben könnte. Möge Herr Dr. Sander in Frieden ruhen.

Ich kann mich nur anschließen, Sammelbände der nachgedruckten "Staatsbriefe" wären wünschenswert sofern möglich. Auch der Briefwechsel mit Schmitt wäre von höchstem Interesse! 

Ferdinand
31. Januar 2017 07:30

Seine Gedanken waren nicht für diese Welt!

Aber sie haben mich am Leben gehalten!

 

Danke!

Konservativer
31. Januar 2017 12:13

Der Tod von Hans-Dietrich Sander macht mich traurig

https://www.youtube.com/watch?v=9uydjwEWsto

Wie Der_Jürgen schrieb, ist ein Großer von uns gegangen.

Auf meinem Weg von links nach rechts vermittelte mir Hans-Dietrich Sander das gute Gefühl, auf den Schultern eines Riesen sitzen zu dürfen.

Ich stieß zunächst auf seinen Namen, daraufhin erwarb ich sein Buch "Der nationale Imperativ" (2. erweiterte Auflage), das leider nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Anschließend recherchierte ich im Netz und entdeckte dort lediglich einige wenige Artikel aus seiner Feder.

Später erwarb ich den gerade herausgegeben Gesprächsband "Im Banne der Reichsrenaissance. Gespräch mit Sebastian Maaß", die Neuausgabe von "Die Auflösung aller Dinge" und "Grenzgänge. Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander".

 

Dankenswerterweise hat man sich im Arnshaugk Verlag (bereits vor seinem Tod)  entschlossen, ein 10 Bände umfassendes Werk herauszubringen, wovon die ersten beiden Bände bereits erschienen sind.

http://www.arnshaugk.de/index.php?autor=Sander,%20Hans-Dietrich%20(Hg.)

 

Für die Leser der Sezession mag der Beitrag von Uwe Lammla von Interesse sein:

http://lammla.de/register.php?prosa=fuerstenwalde

 

pandahugger
01. Februar 2017 19:39

Mit H.D. Sander ist einer der letzten Vertreter deutscher Hochkultur dahin-

gegangen, "ein Deutscher, der noch deutsch sein wollte", und  dies -horribile

dictu- auch öffentlich bekundete. Ein Mann, der keine geistigen Kompromisse

einging und dafür einen sehr hohen Preis bezahlt hat. Ich bin glücklich H.D.

Sander und seine Gattin zu Anfang der 80er Jahre persönlich kennengelernt

und später das Abenteuer seiner "Staatsbriefe" hautnah erlebt zu haben.

Die Zeilen, die er dort und an mancher abgelegenen Stelle niederlegte, waren

Fanale und Balsam für wunde Herzen in der Wüste der geistigen Dürftigkeit

der Federal Republic of Germany. Hans Dietrich Sander, ruhe in Frieden

und möge Dir die Erde leicht sein.

Leo Johnen
06. Februar 2017 16:22

„Denken feindet. Feinde denken. Können Feinde denken?“ – Dieses Notat Carl Schmitts aus dem ‚Glossarium‘ ging mir beim Lesen desjenigen Nachrufs auf Sander durch den Kopf, den „tha“ in der Jungen Freiheit  vom 03.02.2017 (Nr. 6, Seite 16) unter der Rubrik „Kultur“ verfasste. Mit kurzen Sätzen referiert er dort knapp die wichtigsten Wegstationen des Lebens, ohne inhaltlich überhaupt etwas über die Ideen und Gedankenwelt dieses Denkers vorzubringen. Da war vor Jahren noch ganz anderes über den nationalen Dissidenten Sander in der JF zu lesen. Namentlich die zu seinem 80. Geburtstag erschienene Festgabe ‚Liber amicorum‘ wurde in der JF mit einer ausgesprochen lesenswerten Rezension gewürdigt. Dieser Freigeist scheint sich allerdings in zeitlicher Hinsicht für diese Zeitung redaktionell überholt zu haben. Bemerkenswert in negativer Weise finde ich es aber gleichwohl, dass man in einem Nachruf wie diesen zugleich das Prinzip „de mortuis nil nisi bene“ gleich mit über Bord geworfen zu haben scheint. So kulminiert der Nachruf in seinem letzten Satz in der Angabe, dass Sander zuletzt - von einer in bestimmter Weise interessierten Seite – vorgeworfen wurde, als Aktivist (?) für eine konkret zu meidende,  „intellektuelle“ Strömung gestanden hätte. Das ist sicherlich das Letzte, mit dem ein Denker wie Sander ins Grab hinein verabschiedet werden sollte. Geradezu wohltuend hebt sich davon auch der Spruch ab, den sich Sander offenbar selbst als Wort für seine letzte Reise  aussuchte: Non omnis moriar!

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