Sezession
29. April 2009

Nimm und lies: Nachklapp zu Pro-Reli

Martin Lichtmesz

hildegardWas das Ergebnis der Pro-Reli-Abstimmung betrifft, so stimme ich 100% Ronald Gläsers Kommentar in der online-JF zu, und das wird wohl jeder tun, der noch alle Tassen im Schrank hat. Ionescos Rhinozerosse lassen mal wieder grüßen. Nun aber ein paar Worte zum Thema "Religionsunterricht", wobei meine persönliche Erfahrung auf meine Schulzeit in Österreich Anfang der Neunziger Jahre zurückgeht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Wie man sich nun genau so einen "Ethik"-Unterricht vorzustellen hat, weiß ich nicht, Tatsache allerdings ist, daß sich der Religionsunterricht in der Praxis inzwischen ohnehin längst im Vermitteln von "ethischen" und sozialen Werten erschöpft, und die Lehrer sind wohl in der Überzahl linke bzw. linksliberale, gutmenschliche, politisch korrekte und allgemein recht arglose Gesellen, mentalitätsmäßig irgendwo zwischen Mutter Teresa, John Lennon und einem südamerikanischen Befreiungstheologen angesiedelt.

Zumindest in meiner Schulzeit hat diese schluffige Zivildiener- und Grünwählerfraktion deutlich dominiert, und deren Unterrichtspraxis war dahingehend, daß man den Reli-Unterricht reinen Gewissens vor dem Herrn schwänzte oder totalverweigerte, ich erinnere mich etwa an die Ankündigung eines Lehrers zu Jahresbeginn:  "Es gibt drei Noten: eine verdiente, geschenkte und nachgeschmissene Eins."

Ich bin mir todsicher, daß im nun zwangsaufoktroyierten "Ethik-Unterricht" vorzüglich "linke" Werte als "ethisch" gepriesen werden, was zu einer allgemeinen kulturhegemonialen Strategie gehört, rechte Werte als "unethisch" zu brandmarken. Wer etwa gegen Masseneinwanderung ist, hat nicht nur unrecht, er ist auch noch böse, und "Rechtssein" wird synonym mit einem vagen ethischen Defekt und Schwefelgeruch.

dreyerNun ist aber Religion an sich alles andere als das bloße Vermitteln von ethischen Banalitäten und Anleitungen zum Bravsein. Als Jugendlicher war ich fasziniert von Religion, aber es war die mystische, tiefenpsychologische, irrationale und ästhetische Komponente, die mich heftig anzog, das "Heilige" und "Sakrale". Der Religionswissenschaftler Rudolf Otto faßte dies unter dem Begriff des "Numinosen" zusammen, dessen Komponenten er als das "Schauervolle" (tremendum), "Übermächtige" (majestas), "Ganz Andere" (mysteriosum) beschrieb.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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