Sezession
19. August 2013

Kellershohns Comeback oder Staatspolitisches aus dem Sommerloch

Martin Lichtmesz / 12 Kommentare

DissDissenAus dem Strandgut dieses Sommerloches wurde mir ein Stück zugespielt, das schon am 20. Juli in der Jungen Welt erschienen ist. In einem ausführlichen Interview kommt der altgediente "Neue Rechte"-Spezi Helmut Kellershohn zu Wort, seines Zeichens Vorstandsmitglied des sogenannten "Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS)", einem schwer bedeutenden "Linksextremistensüppchenkochclub mit mindestens drei festangestellten Köchen" (Klonovsky dixit).

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Einer der Chefköche, der 1949 geborene Kellershohn, versucht gerade ein Art Comeback mit der Neuauflage eines alten Schlagers aus den Neunziger Jahren, dem "Junge-Freiheit-Bashing"  (wie man heute wohl sagen würde) oder vielleicht noch passender "Junge-Freiheit-Dissen" (Thomas Paulwitz wird mir hoffentlich vergeben), getarnt als "wissenschaftliche" Zerlegung auf ultralinker Ideologiebasis, gewöhnlich in enger Zusammenarbeit mit notorischen Neigungs- und Berufsantifanten. Das typische Ergebnis solch nüchterner, streng akademischer Bemühungen las sich dann etwa so.

Kellershohn und Konsorten haben aus dieser Nummer eine ganze Karriere aufgebaut, die sie immerhin soweit gebracht hat, daß ihre Erzeugnisse als zitierfähig gelten und von der "Bundeszentrale für politische Bildung" ans unwissende Volk verteilt werden. Da nun die Zahl der Opfer relativ begrenzt ist, muß die Junge Freiheit immer wieder von Neuem als Prügelknabe herhalten und als Indikator, wie entsetzlich die linksliberale Kulturhegemonie der besten aller Republiken gefährdet ist.

Kellershohn hat sich nun seit einiger Zeit auf den Begriff "Jungkonservative" eingeschossen, wo früher "neue Rechte" und ähnliches stand. Das klingt ja zunächst ganz hübsch, viel anheimelnder als etwa "Rechtsextremisten", wie "junge Konservative" eben, und da hätte wohl auch die Redaktion der JF kaum etwas dagegen einzuwenden. Wie der Untertitel von Kellershohns neuer Publikation "Die 'Deutsche Stimme' der 'Jungen Freiheit'" nicht gerade überraschend zeigt, zählt er aber auch die "Jungkonservativen" zur Spezies der "extremen Rechten", eine Bezeichnung, die übrigens nicht mit den "Rechtsextremen" zu verwechseln, sondern im Steigerungssinne wie etwa "extrem laut" oder "extrem billig" zu verstehen ist.

Das heißt also, wenn es mir so dünkt, könnte ich im Rahmen der freien Meinungsäußerung einen beliebigen Antifa-Kettenhund als "extrem links" bezeichnen, ohne daß damit gesagt ist, er sei "linksextrem" im Sinne des Verfassungsschutzes oder der gerade gängigen politologischen Mode. Ansonsten kann es passieren, daß der entsprechend titulierte Kettenhund beleidigt reagiert und einen gar verklagt. Und das ist inzwischen der übliche semantische Trick, mit dem auf der extremst Linken operiert wird. Extrem geil etwa dieses, mal rasch von mir ergooglehoopfte Beispiel:

Rechtsextrem? extrem rechts? Weiterhin keine Distanzierungsgelüste in der FPÖ. Oder: Die kontinuierlichen Naheverhältnisse der extremen Rechten mit Rechtsextremen...

Sachlich gibt es an dem Kellershohn-Interview relativ wenig zu beanstanden, abgesehen von den üblichen Verbiegungen und Mogeleien, für die wir die einschlägigen "Experten" so lieben. Besonders erheiternd ist etwa folgende Formulierung über die Lage der JF im Jahre 1994:

Man hatte getestet, wie weit man gehen konnte. Damals gab es einen sehr starken öffentlichen Gegenwind. Auf die Druckerei der Zeitung etwa wurde ein Brandanschlag verübt. Sie hatte kaum eine Chance, in der bürgerlichen Öffentlichkeit akzeptiert zu werden. Daher trennte man sich vom radikalen Flügel.

... womit die Herren Andreas Molau und Armin Mohler gemeint sind. Abgesehen davon, daß diese Darstellung chronologisch nicht stimmt (die bösen Buben gingen laut Wikipedia im August 1994, der Anschlag fand im Dezember statt), ist es überaus aufschlußreich, daß Kellershohn einen politisch motivierten Brandanschlag auf die Druckerei einer mißliebigen Zeitung als "starken öffentlichen Gegenwind" klassifiziert, mit dem die "bürgerliche Öffentlichkeit" ihrem Abscheu Ausdruck verliehen hätte. Die Tat ging übrigens auf das Konto einer „Revolutionären Lesbenfrauengruppe", was ganz klar auf einen extrem bürgerlichen Hintergrund schließen läßt.

Nun kommt auch Kellershohn nicht an der Tatsache vorbei, daß die JF heute offensichtlich auf ein vorrangig bürgerlich-konservatives Publikum ausgerichtet ist. Das macht die fortgesetzte Dämonisierung natürlich ein bißchen witzlos und anstrengend. Aber für solche Fälle gibt es ja das DISS, das zuverlässig die Haare in der Suppe findet. Die Wende, so Kellershohn, sei 2005 gekommen, als die JF endlich aus den Verfassungsschutzberichten gestrichen wurde, und nun endgültig für bürgerliche Beiträger offenstand:

Dafür hat die Junge Freiheit die extrem rechte Ideologie nur noch dosiert und häppchenweise wiedergegeben. Grundsatzartikel zur Kulturrevolution von rechts, zur Metapolitik und ähnlichem fand man kaum noch in ihr. Große Debatten darüber, was es heißt, rechts zu sein, wurden nicht mehr geführt. Seit einiger Zeit ist allerdings wieder eine ideologische Radikalisierung zu bemerken. Das hat mit zwei Dingen zu tun: Zum einen mit der Frage der Zuwanderung, zum anderen mit der Frage des Euro und der EU. Auf einmal tauchen vermehrt militante Stichworte auf wie »geistiger Bürgerkrieg«, »Vorbürgerkrieg«, »Umvolkung«, »deutsche Opfer, fremde Täter«.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (12)

Inselbauer
19. August 2013 14:48

Die linke Text-Mafia hat es durch Fördergelder und kriminelle Energie in den letzten Jahren geschafft, Netzwerke der Zita-Fähigkeit aufzubauen, die sich der ärgste Verschwörungstheoretiker nicht ausdenken könnte. Schwedische Anwälte organisieren staatliche Fördergelder Schweden und Deutschland, in Deutschland werden (auch bei rechten Ghostwritern, wie ich versichern kann) Texte bestellt, ins Schwedische übersetzt, schwedische Lesben erhalten leistungsloses Einkommen und akademische Halbtagsstellen, publizieren den Kram und man spart sich dann natürlich das Geld für die Übersetzung und hat war zu zitieren, das genau in den Plan zur Akquise der nächsten deutschen und schwedischen Fördergelder passt (...)

M.L.: ?????????

Da geht es zu wie bei den Schwammerln im Hochsommer. Im Grunde wird damit aber gar keine Außenwirkung mehr erzeugt, der Betrieb schwimmt doch längst im eigenen Saft. Die Leute in diesen Netzwerken wissen ganz genau, was sie tun, und die meisten, die noch den Rest von einem Herzen haben, saufen sich das alles schön.
Nach meiner Auffassung kann man sich darauf verlassen, dass der Kram irgendwann still und leise oder mit einem leisen Knall von dem Behörden gestrichen wird. Satiren wie diese, lieber Herr Lichtmesz, sind schon fast liebenswerte Berichte aus einer sterbenden Welt, wie die Geschichte von der Milchzahnsammlung des Kaisers.

Inselbauer
19. August 2013 14:49

Zita-Fähigkeit ist eine Freudsche Verscheibung

Brunhilde
19. August 2013 19:04

Lichtmesz ist natürlich immer hervorragend. Aber ich würde hier empfehlen:

Einfach gleich in Zeile drei seines Debattenbeitrags auf den verlinkten Hinweis zum Originalartikel der „Jungen Welt“ vom 20. Juli drücken – und lesen.

– Sehr interessant, was da als „Strandgut dieses Sommerloches“ präsentiert wird: Ich finde die dortigen Interviewbeiträge von dem linken Helmut Kellershohn äußerst aufschlussreich, grundschürfend, gut erzählt und vielfach völlig zutreffend.

Kellershohn zerlegt uns („Jungkonservative“?) historisch und aktuell und durchschaut und benennt uns. Angeblich greifen wir vermehrt auf „die rechten Antworten der zwanziger Jahre“ zurück. Was höchste Gefahr bedeutet. - Bin ich selber aber nunmehr "jungkonservativ"? Da müsste ich erst mal länger drüber nachdenken. Immerhin kannte ich noch politische Alt-Akteure wie Franz Schönhuber persönlich.

Wirklich traurig aber ist, nicht nur mit Blick auf den Duisburger „Arbeitskreis Rechts“ und im Besonderen auf Kellershohn - der ja keineswegs schwachsinnig ist -, dass so viele heutige Deutsche ihr persönliches und berufliches Heil darin sehen, als gnadenlose Vollstrecker von Hitlers letztem Willen, das, was von Deutschland übrig geblieben ist, auch noch systematisch abschaffen und ausradieren zu wollen. Warum nur? Sind jetzt d i e „normal“ im Kopf und gesund im Charakter? Oder muss ich an mir selber zweifeln, weil ich da nicht mitmache?

M.L.: Na, ich fand den Kellershohn-Beitrag für seine Verhältnisse recht sachlich, fühle mich aber weder "durchschaut" noch "benannt" oder geschweige denn "zerlegt", und finde diese ganze "Jungkonservativen"-Obsession eher skurril. Es ehrt Sie, daß Sie Kellershohn Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen und so überaus positive Worte dafür finden. Das rührt mich immer wieder, wie stark diese Neigung auf dem "rechten Ufer", so Sie sich dazu zählen wollen, ausgeprägt ist- im schroffen Gegensatz nämlich zur anderen Seite. Was den letzten Punkt betrifft, so können Sie es getrost als ein Zeichen von Gesundheit verbuchen, daß Sie keinen Bock darauf haben, den Nero-Befehl und Führerwillen noch mitzuvollstrecken...

Moritz Haberland
19. August 2013 20:43

Zitat: "... schon fast liebenswerte Berichte aus einer sterbenden Welt, wie die Geschichte von der Milchzahnsammlung des Kaisers." (Inselbauer)

Sie müssen diese gute Idee und diese treffliche Einnahmequelle mangels Masse sterben lassen, kein "Glatzen-Bomber-Stiefel" mehr weit und breit (außer bei Presse, Funk und Fernsehen), sie spüren, daß ihr letzter Coup (das NSU-Gespenst) ein Rohrkrepierer ist und sich das auch herausstellen wird, denn bislang ist in gut 30 Verhandlungstagen nur ein "unerlaubter Waffenbesitz" durch Selbstbezichtigung nachgewiesen.

Darum sind sie jetzt wieder etwas moderater und kommen wieder auf die JF zurück, auf die Burschenschaften und selbst der arme Lucke muß herhalten.

Lehnen wir uns zurück und sehen wir ihnen entweder bei ihrem Artensterben oder bei ihrer Metamorphose zu, denn die Schlachtfelder der nahen Zukunft heißen nicht mehr "Baseballschläger".

Th.R.
19. August 2013 21:54

Typen wie der Duisburger Kellershohn, die das selbstangerichtete Chaos direkt vor der eigenen Haustür haben, sind es, die jetzt offenbar von Schuldgefühlen heimgesucht werden. Es muß für seinesgleichen eine harte Erfahrung sein, nunmehr, wo die Auflösung und der Zusammenbruch allgegenwärtig sind, zu erkennen, dass man an diesem psychologischen Vernichtungswerk gegen das eigene Volk mitgetan hat und im Innern ein Gefühl von Schuld langsam und brennend zu wühlen beginnt.

Einerlei, - es ist ohnehin alles zu spät. Das deutsche Volk ist Geschichte. Wir sind als Volk gescheitert.

Und wir sind als Volk gescheitert, weil wir mit Kellersohn und Konsorten nicht fertig geworden sind. Es ist der von Kellersohn & Co. geenterte Besatzersstaat, der uns fertig gemacht hat.

M.L.: Meine Güte... so wichtig ist er nun wieder auch nicht. Und nicht so depressiv, bitte!

Inselbauer
19. August 2013 23:04

Lieber Herr Lichtmesz, die Schweden-Connection ist schaurige Realität; und kein Staatsanwalt würde das glauben. Da darf man schon ein wenig depressiv werden.

M.L.: Erklären Sie das nochmal bitte, ich kapier nicht, was für einen Vorgang Sie hier beschreiben...

Heute beim Schwimmkurs der kleinen Tochter habe ich einen ehemaligen Redenschreiber eines so genannten konservativen Politikers, der mittlerweile in Rente ist, kennen gelernt. Er muss jetzt für grüne Weiber schaffen, und seine Tränensäcke sprechen eine deutliche Sprache.
Das System ist so faul, dass der größte Trottel es jederzeit satirisch hochgehen lassen kann. Darum ist es auch so tragisch, intelligente Leute wie Sie an einem solchen Schweinkram herumspötteln zu sehen.
In tiefer Depression erwarte ich rational überzeugt den Kollaps dieses lachhaften Systems.
Danach werden sie halt gezwungen sein, ganz offen die Kampfhunde auf uns loszulassen.

Hesperiolus
20. August 2013 12:49

"Rechts"-Sein muss gesellschaftlich re-legitimiert werden. Warum keine ganzseitige Anzeigen-Kampagne in der FAZ oder, wenn die es nicht annehmen sollte, wenigstens in der JF unter dem Motto "Gesicht zeigen": Fotoporträt ganzseitig, dazu drei Zeilen Ich bin kein Nazi. Ich bin Demokrat. Und ich bin rechts. Voran unverdächtige Köpfe der alten BR wie Scholl-Latour, Werner Münch usw., Mosebach und Botho Strauss sowieso, bis hin zu regionalen und lokalen Köpfen mit tadelloser Biographie.

Brunhilde
20. August 2013 14:04

@ Lieber Herr Lichtmesz,

ohne jede Ironie: Ich finde es überaus anerkennenswert, wie Sie mit Tapferkeit und hervorragendem (geistigem) Geschick gegen die aggressiv intoleranten Deutschlandabschaffer den (verlorenen?) Posten halten. Meinen moralischen Beistand haben Sie. Wir brauchen solche unbeugsamen Helden.

Vielleicht hatte ich mich oben missverständlich ausgedrückt. Aber mein Lob des „Junge Welt“-Artikels bzw. -Interviews des linken Duisburger Kellershohn zielt einzig und allein auf die Sachebene(!) seiner dortigen historischen und aktuellen Mitteilungen.

In dem Sinne, dass ich den Artikel gerne jedem von uns (Rechten), gerade den jüngeren, als Lektüre empfehlen möchte, um, wenn auch beleuchtet und bewertet von der gegnerischen Seite, die Entwicklung der heutigen „rechten Szene“ im Wesentlichen seit etwa 1983 (Gründung der Republikaner) inhaltlich und mit (bekannten und vielleicht unbekannten) Personennamen etikettiert nachvollziehen zu können. Wo und wann kann man so etwas über uns sonst schon lesen? Allerdings lese ich, außer der Tageszeitung Münchner Merkur, sonst auch keine linken Publikationen mehr. Ich fand das „Junge Welt“-Interview jedenfalls interessant und bemüht um sachliche Richtigkeit.

Aber natürlich stößt mich grundsätzlich dieser linke Typ Kellershohn moralisch absolut ab! – Das sind diese widerlichen Typen nicht nur an den Schaltstellen der öffentlichen Meinung, die die bedingungslose und entsetzliche Kapitulation ihres eigenen Volkes und ihre persönliche vollständige Unterwerfung mit aller lizensierten Macht der Sieger auch noch zu einem (moralischen) Sieg umdeuten, und allergisch intolerant gegen jede abweichende Meinung sind.

Rumpelstilzchen
20. August 2013 15:06

Die Hunde bellen. Die Karawane zieht weiter.

Aber, die grüne Karawane kommt gerade ins Stocken.

"Die Grünen befinden sich inmitten ihrer moralischen und programmatischen Kernschmelze"
schreibt Christian Füller in seinem Artikel "Befreites Menschenmaterial", der von der TAZ Redaktion zensiert wurde.

Hier hätte Spezi Kellershohn, genug Schnüffelarbeit zu leisten mit seinem Verein der Sozialforschung.
Den im Keller der Grünen liegen massenhaft Leichen. Welch ein Hohn !

Manuel M.
20. August 2013 23:15

Ein hervorragender Beitrag wie (fast) immer Herr Lichtmesz. Mit einem gewissen Grad an Anpassung hätten Sie es im hiesigen Medienbetrieb sicher weit bringen können (ich jedoch würde meine Seele auch nicht verkaufen).

KW
21. August 2013 11:36

Vielen Dank, Herr Lichtmez, habe einen schönen Vormittag gehabt, weil ich hier und da schmunzeln mußte, laut gelacht habe ich überdas Zitat von Michael Klonovski über seinen Rußlandeindruck und habe meinem russischen Mann das vorgelesen. Er mag Putin auch nicht sonderlich, aber so verrückt wie unsere Oberen, ob in Justiz, Politik oder Medien ist egal, so bekloppt im Kopf wie die ist er nicht.
Seit 1990 ist dieses Land im Sinkflug begriffen, weil an den Schaltstellen der Macht Landesverräter sitzen. Das System wankt bereits, weil es überall gleichermaßen zu solchen Zustandsbeschreibungen kommt. Und man soll sich auch nicht scheuen, auf die Schizophrenie der Agenda hinzuweisen, selbst nur bei Kommentaren zu entsprechenden Artikeln, es lesen mehr Menschen mit als wir uns vorstellen können.

Martin Lichtmesz
21. August 2013 12:20

Es ist schon alles gesagt worden, nur nicht von jedem. Dank an alle Teilnehmer.

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