Sezession
26. August 2013

Geduld! – Lage und Möglichkeiten der intellektuellen Rechten

Gastbeitrag / 15 Kommentare

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von Karlheinz Weißmann

Im Zusammenhang mit der Klärung der Frage, ob die AfD ein für uns nicht nur interessantes, sondern sogar wichtiges Projekt sein könnte, bat Sezession Karlheinz Weißmann um einen grundlegenden Beitrag über die politische Rolle der metapolitisch ausgerichteten intellektuellen Rechten. Dieser Beitrag erschien in der 55. Sezession. Wir bringen ihn nun im Netz-Tagebuch, weil er die Debatte unterfüttert, die Kleine-Hartlage, Kubitschek und Lichtmesz angestoßen haben.

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Es gibt verschiedene Gründe, einer weltanschaulichen Minderheit zuzugehören: Erbteil, Phlegma, Geltungsbedürfnis, Überzeugung. Tatsächlich erben manche Menschen Glauben oder Ideologie wie man ein Haus, ein Aktienpaket, ein Klavier oder eine alte Puppe erbt. Das hat damit zu tun, daß sie in einer Umwelt großgeworden sind, in der entsprechende Auffassungen vorherrschen. Sie haben sie angenommen, meistens schon als Kind, und früh als selbstverständlich zu betrachten gelernt. Ihre Überzeugungen sind Gewohnheiten.

Ein entsprechend geprägtes Milieu zu verlassen, ist schwierig, schon wegen des Trägheitsmoments, und erst recht, wenn man auf Grund von Schichtzugehörigkeit oder sektenartigem Einschluß mit Sanktionen für den Fall der Abtrünnigkeit zu rechnen hat. Es wird deshalb an der Mitgliedschaft festgehalten, trotz der unangenehmen Folgen, die das nach sich zieht, etwa der Feindseligkeit der Mehrheit. Minderheiten suchen den dadurch entstehenden Druck aufzufangen, indem sie Paral­lelkarrieren anbieten und (seltener) materielle oder (häufiger) immaterielle Prämien ausloben: das Spektrum solcher Kompensationen reicht vom Auserwähltheitsglauben aller über die Posten weniger bis zur Spitzenfunktion des einzelnen als »Meister«.

Derartige Möglichkeiten erklären bis zu einem gewissen Grad die Anziehungskraft von Minderheiten auf gescheiterte Existenzen, die in der Welt nicht Fuß fassen konnten, die tatsächlichen Ursachen ihres Versagens aber nicht wahrhaben wollen. Zur sozialen Realität von Klein- und Kleinstgruppen gehört außerdem der Mißbrauch herausgehobener Stellungen, deren Inhaber nur das zynische Kalkül treibt und die das Fehlen von Korrektiven nutzen. Es gibt aber selbstverständlich auch das echte Sendungsbewußtsein, das einhergeht mit jenem Einsatz und jener Opferbereitschaft, die die Anhänger begeistern und sie dazu bringen, trotz aller Widrigkeiten an der eigenen Überzeugung festzuhalten.

Eine Führer-Gefolgschaft-Struktur ist an vielen historischen Minoritäten nachzuweisen, aber nicht unabdingbar. Weltanschauliche Minderheiten existieren auch akephal, vor allem dann, wenn es sich um Denkfamilien handelt, also Gruppierungen, die in erster Linie eine Menge gemeinsamer Ideologeme und Konzepte zusammenhält. Bei der intellektuellen Rechten handelt es sich um so eine »kopflose« Minderheit. Aber das ist keineswegs ihre natürliche Verfassung. Der Status als Minderheit erklärt sich vielmehr aus einem Prozeß des Abstiegs, der mit der Niederlage von 1945 begann, die eben auch als Niederlage der Gesamtrechten im Kampf gegen die Gesamtlinke verstanden wurde. Sie schien aufgehalten durch die besonderen Bedingungen des Ost-West-Konflikts, setzte bei der Entspannung zwischen den Supermächten wieder ein und endete schließlich im Siegeszug der großen Emanzipation.

Eine rechte Strukturmehrheit war damit durch eine linke Strukturmehrheit ersetzt, was erklärt, warum sich in der rechten Minderheit nur noch diejenigen finden, die durch Erbteil, Phlegma, Geltungsbedürfnis oder Überzeugung hierher geraten sind. Denn alle Erwartungen eines »Rechtsrucks«, einer »Tendenzwende«, einer »Kulturrevolution von rechts«, eines »Rückrufs in die Geschichte«, einer »Gegenreformation« haben sich als vergeblich erwiesen, während die Substanz immer weiter schwand und mit ihr die Einflußmöglichkeiten, Karrierechancen oder wenigstens komfortablen Nischenexistenzen, die in einer Übergangsphase möglich waren.

Das hat die Zahl der »geborenen« Rechten wie der Phlegmatiker und Geltungsbedürftigen stark reduziert, und für die Intransigenten die Wahlmöglichkeiten drastisch eingeschränkt; es bleiben:

1. Resignation, sprich Aufgabe der bisher verfochtenen Meinung, Anpassung an die der Mehrheit,

2. Dekoration, das heißt Entwicklung eines wahlweise esoterischen oder ästhetischen Modells, das es erlaubt, im Verborgenen oder privatim die bisherigen Auffassungen festzuhalten, ohne daß deren Geltung noch nach außen vertreten würde,

3. Akzeleration, also Beschleunigung der Prozesse in dem Sinn, daß die bisher eingenommene Stellung verschärft und nach radikaleren Lösungswegen gesucht wird,

4. Konzeption, das heißt Aufrechterhaltung der Grundpositionen und deren Fortentwicklung bei dauernder Kritik und Korrektur der getroffenen Vorannahmen in der Erwartung, künftig doch zum Zug zu kommen.

Scheidet man die Varianten 1 und 2 aus, die im Grunde nur individuelle, keine politischen Lösungen bieten, bleiben die Möglichkeiten 3 und 4. Was die Radikalisierung angeht, schimmert bei ihren Protagonisten immer die Auffassung durch, daß die Probleme, die bestehen, nicht als vermeidbare Defekte zu betrachten sind, sondern als Konstruktionsfehler, wahlweise der Massengesellschaft, des Amerikanismus, des Parlamentarismus, der Demokratie. Um die zu beseitigen, müsse das »System« beseitigt werden. Einigkeit darüber, was an seine Stelle treten solle, besteht allerdings nicht, das Spektrum reicht vom Anarchokapitalismus bis zum Staatssozialismus, von der naturgebundenen Volksgemeinschaft bis zu irgend etwas Preußischem.

Nun ist solche Undeutlichkeit bei Alternativentwürfen eher Norm als Ausnahme und prinzipiell kein Einwand gegen sie. Etwas mehr Klarheit muß man aber erwarten bei Beantwortung der Frage, wie ans Ziel gekommen werden soll. Soweit erkennbar, versprechen sich die Befürworter der Akzeleration wenig von der Mitarbeit in einer bestehenden oder Gründung einer neuen Partei, aber auch die Schaffung irgendwelcher »Bünde« oder geheimer »Logen« scheint kaum Anhänger zu haben. Dagegen geistert immer wieder die Idee einer »Bewegung« durch die Köpfe, vor allem einer »Jugendbewegung«. Ist damit nicht gemeint, daß man die Fehlschläge von »Jungenstaat« oder »rotgrauer Aktion« nachspielen möchte, bliebe nur die Bedeutung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in historischen Revolutionen als Bezugspunkt.

Tatsächlich kann man sowohl die Jakobiner wie auch die Bolschewiki und auch die Faschisten oder die Träger der Arabellion als Jugendbewegungen beschreiben, aber es steht auch außer Frage, daß ihre Erfolge sich nicht aus diesem Charakteristikum erklärten. Schon die natürliche Unreife der Trägergruppen spricht dagegen, vor allem aber, daß Bewegungen als solche überhaupt keine Chance auf dauerhafte Wirkung haben. Sie können ein erster Aggregatzustand einer politischen Organisation sein, aber sie müssen in etwas anderes – gemeinhin eine Partei – übergehen. Wenn eine Partei versucht, ihren Bewegungscharakter auch nach der Institutionalisierung aufrechtzuerhalten, bedingt das zwangsläufig ihr Scheitern, oder es kommt zu politischem Mummenschanz. Der Erfolg der Grünen im Gegensatz zu allen möglichen Gruppierungen links der SPD hing ganz wesentlich mit deren Bereitschaft zusammen, den notwendigen Schritt zu machen und sich von allen zu trennen, die Reinheit und Zauber der Anfänge nicht losließen.

Um das Gemeinte noch an einem weiteren Beispiel zu illustrieren: Wer die Entwicklung der Identitären in Frankreich schon etwas länger beobachtet hat, registrierte das Irrlichternde dieser Bewegung, die Abhängigkeit von einzelnen Initiatoren, die ideologische Unklarheit, das Schwanken zwischen Zellen- oder Parteibildung, Kampf um die kulturelle Hegemonie oder Anlehnung an den Front National. Die Aufmerksamkeit, die man Ende vergangenen Jahres nach der Besetzung des Moscheeneubaus in Poitiers fand, erklärt sich denn auch nicht aus dem eigenen Potential der Identitären, sondern aus der Tatsache, daß der Vorfall von Marine Le Pen in einem Fernsehinterview erwähnt wurde. Erst dieses Zusammenwirken von Faktoren – Aktion, Hinweis durch eine Prominente, in einem bedeutenden Medium – zeigte Wirkung.

Allerdings hat auch das keine Initialzündung ausgelöst, was damit zusammenhängt, daß die für einen Durchbruch nötige Disziplin gerade den Bewegungsorientierten regelmäßig fehlt. Hinzugefügt sei noch, daß der FN nach einem kurzen Liebäugeln mit dem Thema »Identität« die Sache wieder fallengelassen hat: zu kopflastig, nichts für die breite Anhängerschaft und die militants, die die Arbeit an der Basis machen, zu uneindeutig, letztlich zu unpolitisch, das heißt zu unklar in bezug auf die Frage »Wer wen?« (Lenin dixit).

Eine Symbolpolitik, die sich, wie die der Identitären, an den Aktionsformen der Achtundsechziger orientiert, hat nur dann einen politischen Gehalt, wenn sie ein geeignetes Publikum – also eines, das mindestens interessiert, besser noch wohlwollend ist – findet. Wenn nicht, dann bleibt eine solche Strategie kontraproduktiv und bindet sinnlos Kräfte. Denn selbst wenn es auf diesem Weg gelingen sollte, den Kreis der Unbedingten zu erweitern, auf die »Mitte« kann man keinen Einfluß ausüben, und auf diesen Einfluß kommt es an. Das zu akzeptieren fällt dem Befürworter der Akzeleration natürlich schwer, weil er von der Notwendigkeit der Tat mit großem »T« überzeugt ist, weil er den Schmerz über die Dekadenz unerträglich findet und seine Verachtung der Unbewegten einen Grad erreicht hat, der ihn deren Haltung moralisch verwerflich erscheinen läßt. Umgekehrt traut er der Einsatzbereitschaft und der Willensanstrengung seiner Minderheit fast alles zu.

Vor allem dieser Voluntarismus ist dem Konzepter suspekt. Er vermutet dahinter den gleichen utopischen Wunsch, der auch den Gegner beherrscht, nämlich, »daß das Leben keine Bedingungen haben sollte« (Gehlen dixit). Für diese Bedingungen interessiert sich die vierte Gruppe am stärksten, was auch eine Temperamentsfrage sein mag, aber nicht nur. Es sind zuerst einmal in der Sache selbst liegende Ursachen, die es nahelegen, die Arbeit an den Grundlagen fortzusetzen. Dazu gehört vor allem die theoretische Schwäche der intellektuellen Rechten. Gemeint ist nicht, daß man es hier mit Dummköpfen zu tun hat, aber eben mit einer unliebsamen Konsequenz jener »nominalistischen« (Mohler dixit) Lagerung des konservativen Denkens, das lieber das Konkrete-Einzelne angeht als das Große-Ganze.

Faktisch hat es seit den 1960er Jahren keine umfassende Anstrengung von dieser Seite gegeben, so etwas wie einen ideologischen Gesamtentwurf zu schaffen, und selbst wenn man von den Problemen absieht, die es aufwirft, daß Generation für Generation durch die Begrifflichkeit des Gegners in ihren Vorstellungen bestimmt wird und die Faktenkenntnisse in einem dramatischen Tempo schwinden, bleibt es doch dabei, daß das Hauptproblem an diesem Punkt liegt: Wir haben keine »Politik«, kein Manual, auf das man jeden hinweisen, das man dem Interessierten in die Hand drücken kann und das den Schwankenden überzeugen würde.

Immerhin haben wir eine Zeitung, die als aktuelles Nachrichtenorgan unverzichtbar ist und die Geschehnisse aus unserer Sicht kommentiert, und ein Institut, das aus eigener Kraft mehr zustande gebracht hat, als sämtliche Stiftungen, Vorfeldorganisationen und Gesprächszirkel im Umfeld der bürgerlichen Parteien. Aber das sind nur erste Schritte, mühsam genug, dauernd gefährdet, nicht zuletzt durch die Mühsal und den Mangel an eindrücklichen Erfolgen. Es ist verständlich, daß das den einen oder anderen irre werden läßt an dem eingeschlagenen Weg und er nach Abkürzungen sucht, aber Metapolitik – denn darum handelt es sich für die vierte Fraktion – ist nur so und nicht anders zu treiben.

In Abwandlung einer berühmten Formel Max Webers kann man sagen »Metapolitik ist das langsame, geduldige Bohren dicker Bretter«. Selbstverständlich ist das nicht jedermanns Sache, begeistert das nur wenige, möchten die anderen »etwas machen«, wollen es »spannend«, »prickelnd« oder »sexy«, aber die Erfahrung, die große konservative Lehrerin, zeigt doch, daß nur die Verfügung über eine hinreichend gesicherte Faktenbasis und Klarheit der Kernbegriffe etwas bewirken kann. Etwas bewirken kann, nicht muß, das heißt: eine solche Arbeit setzt die Auffassung voraus, daß das, was da getan wird, in jedem Fall getan werden sollte, weil es das Richtige zur Kenntnis bringt und zu verbreiten sucht.

Selbstverständlich wird diese Tätigkeit nicht als Selbstzweck betrachtet, es bleibt das Ziel, mit den eigenen Überzeugungen auf die der anderen zu wirken. Der Linken ist das mehrfach gelungen – 1789 genauso wie 1968 –, aber nicht wegen der Macht ihrer Verschwörungen oder der Güte ihrer Einfälle, sondern weil die Lage günstig war. »Erkenne die Lage« (Schmitt dixit) ist die erste Forderung, die erfüllen muß, wer Einfluß gewinnen will. Und die Lage, die deutsche Lage, spricht jedenfalls dagegen, daß irgendeine schweigende Mehrheit nur auf die Einrede oder Ermutigung der rechten Minderheit wartet, um endlich zu sagen, was sie immer sagen wollte.

Die Stellung einer Partei wie der »Alternative für Deutschland« ist insofern symptomatisch. Dieser Versuch, den gesunden Menschenverstand zu organisieren, setzt auf die Mobilisierung der oben erwähnten Mitte, was angesichts der bestehenden Kräfteverhältnisse die einzig denkbare Option für ein anderes politisches Handeln ist. Was passiert, sobald diese Mobilisierung gelingt, steht auf einem ganz anderen Blatt, hängt wesentlich davon ab, ob sich die Entwicklung zuspitzt oder nicht. Sollte eine Zuspitzung erfolgen, wird das zwangsläufig zu einer Polarisierung führen und das heißt notwendig dazu, daß der Blick auch wieder auf die Rechte fällt und die Frage gestellt werden wird, ob sie etwas anzubieten hat, jenseits von Nostalgie, apokalyptischer Sehnsucht, Wünschbarkeiten und Parolen.

Der Konservative als »Mann der Krise« (Molnar dixit) kann dann Gehör finden, aber den Prozeß, der bis zu diesem Punkt führt, kann er nicht selbst einleiten und nur bedingt vorantreiben, denn es handelt sich um das Ergebnis des Handelns und Unterlassens der Mächtigen, mithin seiner politischen und ideologischen Gegner. Deshalb wird man sich in Geduld fassen müssen. – Daß Geduld eine konservative Tugend ist, liegt auf der Hand, aber man unterschätze nicht ihr Umsturzpotential.


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Kommentare (15)

Ein Fremder aus Elea
26. August 2013 16:26

Ich sehe nur die Gefahr, daß die Wahrnehmung der Probleme so spät einsetzen wird, daß die Sachzwänge das weitere Handeln vollständig bestimmen werden.

Deshalb würde ich dafür plädieren, Problembewußtsein zu fördern. Es ist ja nicht so, daß die Menschen nicht tausend unrealistische Wunschvorstellungen mit sich herumtragen würden, und bei jeder einzelnen kann man deutlich machen, daß es so nicht gehen wird. Da gibt es also viel zu tun.

Hmm... privat würde ich jedem empfehlen, auf Autarkie hinzuarbeiten, nur für den Fall, daß es mit der Gesellschaft nichts mehr wird. In Mecklenburg-Vorpommern sollte das gehen. "Juncker" ist übrigens nur in Deutschland ein Schimpfwort, ansonsten von Holland bis Finnland nicht. Deutschland sieht darin nur das Andere, obwohl es das Andere schon seit 100 Jahren nicht mehr gibt. Das ist eine ziemlich schwere psychische Störung, und ich sehe auch nicht recht, wie es bergauf gehen könnte, so lange es verpönt ist, glücklich und stolz auf seinem Besitz zu sitzen und von der Erde Früchten zu leben.

Freilich, das löst gesellschaftlich gar nichts, aber wer weiß, ob gesellschaftlich überhaupt noch etwas gelöst werden wird.

Franz Schmidt
26. August 2013 18:11

Alleine der wachsende Anti-Terror gegen die AfD wird viele unbedarfte AfD-Mitglieder zum Umdenken zwingen. Hinzu kommt die unfaire Medienberichterstattung und die Blockbildung gegen die AfD.

Was glauben Sie, wie es wirkt, daß die Zahl der Verletzten ständig zunimmt. Was ist, wenn es den ersten Toten gibt?

Da wird der eine oder andere zwangsläufig aufwachen, wenn er merkt, daß er keine Chance hat, dem Stempel des "Rechtsradikalen" zu entgehen.

Der derzeitige AfD-Wahlkampf ist die beste Schulung für jene, die die Realität bisher aus dem Fernsehsessel wahrgenommen haben.

Peter Hoffmann
26. August 2013 18:40

Ich bin wohl zu ungebildet, dieses "dixit" zu verstehen - zumindest die auffallende Häufung stößt mir aber stilistisch übel auf.

antwort kubitschek:
dixit heißt "er hat gesagt", "Mohler dixit" also "hat Mohler gesagt", oder besser: "wie Mohler (treffend) gesagt hat". stil: ansichtssache.

Schnippedilderich
26. August 2013 18:53

Geduldige Rechtsintellektuelle? Handelt es sich hierbei um konservative Revolutionäre, die von der Wirklichkeit in den Käfig des Stoizismus verbannt worden sind, fragte sich Herr Zett. Desinvoltura träfe die Sache wohl eher, warf der Abiturient in der vordersten Reihe ein. Er jedenfalls,Z., wolle künftig jeglicher Metpolitik entraten und sich ganz dem Studium transneptunischer Objekte hingeben. Lüftete seinen Hut zum Gruße und legte seine Stirn in Falten.
(Sehr frei nach HME)

Irrlicht
26. August 2013 19:48

Vorgängig vor praktischen Fragen halte ich die Analyse, die, wie auch in einigen Formulierungen im Artikel von Weißmann ersichtlich, in Übernahme der zentralen These der Nouvelle Droite, politische Geschichte als epischen Kampf Links gegen Rechts ausdeutet und den 68ern die für den heutigen Zustand der Gesellschaft verantwortliche zentrale kulturrevolutionäre Rolle zuschreibt, für ein Grundproblem der Sezessionisten. In der Adaption dieser These auf Deutschland werden Machtverhältnissse seit 1945, belegbare Einflussnahmen u.ä. ausgeblendet, die Adenauer-Zeit in ein sanftes Licht gehüllt, und als Vehikel sozialpsychologische Erklärungsmuster, z.B. der "Nachkriegswohlstand" als Erklärung für die Genese der 68er, oder die fast sprichwörtliche "Feigheit der Konservativen", herangezogen.

Die praktische Auswirkung der Theorie ist die fast schematische Ausdeutung von konkreten politischen Ereignissen: Grundsätzlich sind es "Linke", die wegen ihrer Diskurshoheit, roher Gewalt o.ä. auf "bürgerliche" oder "konservative" Kreise einwirken und politische Entscheidungen bewirken. Selbst in Fällen, in denen die Initiative unstrittig von CDU-nahen Kreisen ausgeht, wie im Fall der Kündigungen von Einrichtungen, wird händeringend eine "linke" Kraft gesucht, der die initiale Verantwortung zugeschrieben werden kann. Der wegen der Fehleinschatzung der gesellschaftlichen Lage im Artikel beklagte wirkungslos verpuffende Aktionismus ist eine weitere Auswirkung. Eine Chance für Positionen außerhalb des Mainstreams wird es, und damit hat Weißmann recht, erst dann geben, wenn sich die gesellschaftliche Lage aufgrund von Fehlern oder gravierenden Fehleinschatzungen der Machthaber krisenhaft zuspitzt.

Martin Lichtmesz
26. August 2013 19:56

"meyn geduld hat ursach."

Georg Mogel
26. August 2013 22:38

CAPTATIO BENEVOLENTIAE
(Das Haschen nach Wohlwollen)

nach Cicero
* 106
+ 43 v. Chr.

VIVERE MILITARE EST
(Leben bedeutet kämpfen)

Seneca d.J.
* um 4 v. Chr.
+ 65 n. Chr.

Scheinlösungen anstelle tragischer Kollisionen ist das Programm der Heuchelei.

eddy edmund
27. August 2013 00:15

Erstaunlich...folge ich dem Artikel kommen mir Zweifel ob es ueberhaupt um "Rechts oder Links" geht.Zumindest duerfte aus "rechter Sicht" links nicht unbedingt das Contraer sein.Real geht es eher um die Frage "wieviel Staat vertraegt die Freiheit" &
folgend welche Staatsform ist mit dem Freiheitsgedanken konvertibel.Die "linke"
missionarische Staatsform heutiger Zeit hat mit staatlichen Ursprungsformen wenig bis gar nichts zu tuen.Es aehnelt mehr einer pseudoreligioesen Sekte die ihre Dogmatik in den Vordergrund stellt.Der missionarische Anteil linker Politik hat derart grotesk hohen Stellenwert eingenommen das Volksvertretung absurd klingt.Der vermeintlich rechte Gegenentwurf waere am ehsten Faschismus - sofern man heutige linke als Contraer sieht.
De facto ist es voellig sinnlos (weil aussichtslos) innerhalb des "Sektensystemes" eine Aenderung zu erwarten.Der Feind des Konserativen,Rechten,wie immer man es nennt ist keine Partei der BRD sondern das BRD System insgesamt.Das reeducativ installierte Parteien diktatorische System das sich sozialistisch fremdgesteuert laengst verselbststaendigt hat.

Schatow
27. August 2013 07:52

Eine Frage zum Verständnis: aus welchem Zusammenhang stammt bei Schmitt die Sentenz "Erkenne die Lage"? Ich kenne sie nur aus dem Glasbläser-Kapitel des Ptolomäers von Gottfried Benn aus dem Jahr 1949. Ich bin mit dem Werk von Carl Schmitt nicht so vertraut, als dass ich unterstellen würde, dass hier eine Verwechslung vorliegt. Jedoch würde mich interessieren, für den Fall, dass das Zitat auch Schmitt zuzuordnen ist, ob da der eine den anderen zitiert.

antwort kubitschek:
lesen Sie hier. https://www.sezession.de/28250/erkenne-die-lage.html. indes: dieses zitat - "erkenne die lage" - ist ja zunächst banal, selbst als aufforderung, ist grundlage jeder auch nur halbwegs geghlückten militär-, bwl- oder politikausbildung.

Kämmerer
27. August 2013 09:18

Der Konservative als »Mann der Krise« (Molnar dixit) kann dann Gehör finden, aber den Prozeß, der bis zu diesem Punkt führt, kann er nicht selbst einleiten und nur bedingt vorantreiben, denn es handelt sich um das Ergebnis des Handelns und Unterlassens der Mächtigen, mithin seiner politischen und ideologischen Gegner. 

Sollte diesem Satz der historische Status der Gültigkeit zukommen, wäre die Macht des rationalen Geistes machtlos geworden. Der langsame Niedergang der Macht der Mächtigen wäre dann aber auch die notwendige Folge. In einer dann machtlosen Welt (ohne Denker & ohne Lenker) wäre dann aber auch die Hoffnung auf Reformationen eine äußerst schwache.

Demgegenüber plädiere ich für mehr Mut.

Albert
27. August 2013 09:30

Ich erinnere mich genau an den Tag, an dem ich zum erstenmal beim IfS war: ein Vortrag von KHWeißmann über die Krise im Jahr 2007. Er schloss damals den Vortrag mit den Worten: "Unsere Zeit kommt."

Nun ist es 2013, und die nun von KHW geforderte "Geduld" weicht bei mir langsam der Resignation...

eddy edmund
28. August 2013 01:08

Konserative Intellektuelle,Rechtsintellektuelle?!Man stolpert haeufig ueber diese Begrifflichkeiten...und wundert sich ueber die diversen Interpretationen-erkennt aber recht schnell warum gestern,,heute,morgen und ganz sicher auch uebermorgen "Unsere Zeit bald kommen wird"."Bald" wird immer in gut 20 Jahren sein...die 20 Jahre von 1998 sind natuerlich 2013 immer noch 20 Jahre und ganz sicher werden die 20 Jahre von heute 2019 nicht ein Jahr kuerzer sein.Warum?! Weil die wichtigste Konsiquenz verweigert wird...die Frage die vor "Rechts oder links" kommen muesste einfach nicht diskutiert/beantwortet wird.Die Frage der Staatsform, der Organisationsform mit der -nicht unter der- ein Volk leben will.Ist die "Parteiendemokroetie" wirklich das Mass aller Dinge ? Ist eine zentralistisch missionarische Staatsform wirklich das Ideal des freien muendigen Buergers?!
Ist die Diskrepanz zwischen BRD Systemordnung und natuerlicher ethnisch gewachsener Ordnung im Sinne des freien Buergers wirklich hinnehmbar? Ist ein Wahlsystem mit Vorauswahl und folgender Entmuendigung fuer Zeitraum X ohne direkte Handlungsverantwortung seitens der sich selbst Bevollmaechtigten wirklich hinnehmbar? Ist es legitim das die vom Volk derzeit alternativlos, de facto zwangsweise mit Vollmacht versehenen Personen Politiker auf Missionierungstrip anstatt Vertreter des Volkes sind ? Wie relevant ist ein "Rechts,links" Diskurs 2013 wenn alle voelkisch wichtigen Entscheidungen der letzten Dekaden mit 70-100% Politiker Zustimmung trotz 70-90%iger Volksablehnung getroffen wurden.Allein der Fakt das dieses moeglich ist sollte erst einmal die Systemfrage in den Vordergrund stellen.Wozu braucht ein Volk ein "Wahlrecht"- ich pfeif drauf...ein Bevollmaechtigungsrecht waere mir im Sinne der Freiheit lieber.Vertreter meiner Wahl die gleich einem frei gewaehlten Advokat meine Interessen vertreten...der frei ausgesuchte Advokat erhaelt ueblicherweise eine Vertretungsvollmacht- ohne Zeitlimit,solange ich als Auftraggeber das Gefuehl habe das meine Interessen vertreten weerden.Dieser Advokat erhaelt Geld,sprich Aufwandsentschaedigung allein fuer die Wahrung der Interessen des Auftraggebers der ihn schlussendlich bezahlt...
wenn ihm das Anliegen des Vollmachtgebers missfaellt besteht natuerlich das Recht vom Auftrag zurueckzutreten...es besteht jedoch keinesfalls das Recht gegen die Wuensche des Auftraggebers zu agieren...
Euro,EU,Migration,Kriegsteilnahme,Asyl etc....alle BRD Systementscheidungen erfolgten vollkommen contraer zum Volkswillen....nicht Rechts oder links hatte Relevanz...das System BRD selbst stand als Mission im Mittelpunkt.Schon laengst steht Systemwille ueber dem Volkswillen...mehr noch: das System BRD masst sich an den Volkswillen steuern zu wollen...hier sind keine Advokate des Volkes sondern Advokate des Systems am Werk,zum Wohle des Systems BRD hat schon laengst zum Wohl des Deutschen Volkes ersetzt...
Insofern-aus dieser Sicht ist die Frage "Rechts oder links" voellig irrelevant...prior im
Mittelpunkt muss erst einmal der "Freie (moeglichst) mit der Faehigkeit zur Selbstbestimmung gesegnete Deutsche Buerger stehen"...allein seiñ Wille muss das Mass aller Dinge sein..."Politiker" sind nicht mehr als Handwerker im Sinne der Umsetzung des Volkswillen.Missionierung ist Aufgabe "des Papst"- nicht des Advokat,
gleich Volksvertreters...
Vielleicht sollte in Tendenz mehr in diese Richtung gedacht werden...letztendlich unterscheidet "rechts/konserativ"& "links/kommunistisch,sozialistisch" in erster Linie der Grad der Faehigkeit mit Freiheit fuer sich selbst umzugehen.Salopp;der Konserative braucht vom Medizinalen maximal ein Rezept & ein Ratschlag, der Kommunist benoetigt dagegen das Vollprogramm,die Einweisung...
In diesem Sinne,Deutschland vom BRD System befreien...

selder
28. August 2013 09:56

Die Analyse scheint mir schlüssig, fraglich jedoch ist, ob die Tugend der Geduld zu diesem Zeitpunkt die gute Wahl ist. Das Warten auf Oppurtunitäten ist zwingend, jedoch das verschlafen von selbigen möglich. Mit der Neuerfindung des Buchdrucks stehen wir vor wesentlichen Neuerungen. Und der Verlust der Freiheit, wohlgemerkt nicht der selbstgewählte Verlust sondern der erzwungende (siehe Staatsverschuldung, NSA, Gender etc.), ist ein gemeinsamer Nenner der uns mit den verschiedensten Gruppen verbindet.

Es wird Zeit zu agieren, nicht zu reagieren.

Gruss

Hesperiolus
28. August 2013 09:56

Die Kommenden?
Heute findet sich in der FAZ ein Artikel über den Zuwandererzuwachs des Jahres 2012. Wer ihn oberflächlich liest, merkt womöglich nicht, welche absolute Zahl hinter den Salden, den Prozentangaben und "Zuwächsen" steht: 1 081 000 Zuzüge im Jahr 2012, deutsche Rückwanderer und Spätaussiedler abgerechnet sind das 966 000 ausländische Einwanderer.
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Wanderungen/Aktuell.html
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bevoelkerung/lrbev07.html
Geduld?

Realist
29. August 2013 09:21

Sich in Geduld zu üben, während die Gegenseite munter Fakten schafft ist wohl nur möglich, wenn man auf dem Standpunkt steht "es muß noch viel schlimmer werden, bevor es endlich besser werden kann".

Meines Erachtens ist dies ein Tanz auf dem Vulkan. Wenn ein Volk ethnisch, kulturell und zivilisatorisch erst einmal so ausgedünnt und verwahrlost ist, daß die konservative Idee aus dem soziokulturellen Genpool eines Volkes verschwindet, ist es zu spät. Dann ist der Konservativismus tot und begraben.

Ich persönlich bin der Meinung, daß dieser Punkt der Umkehr bereits überschritten ist. Ich kann nicht erkennen, daß sich die Entwicklung hin zu einem multiethnischen, sozialistisch-zentralistischem Zwangssystem irgendwie abschwächt.

Wenn von rechts nochmal was kommt, dann wird es eine Revolution sein, getragen von einer neuen Generation, die sich gegen dieses System auflehnt. Und sie wird rechte Positionen völlig neu definieren, weil sie keinen Anknüpfungspunkt mehr zu den alten hat.

Dies mag in 30, 40 oder 50 Jahren der Fall sein. Auf jeden Fall wird die heutige Generation der intellektuellen Rechten damit nichts mehr zu tun haben.

Auf irgendeinen Zug muß man schon aufspringen, sonst sitzt man noch um Mitternacht auf dem Bahnhof, wenn die Lichter ausgehen.

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