Sezession
27. August 2013

Vorwände und Tatsachen: Gleiwitz, Rugova, Damaskus

Gastbeitrag / 42 Kommentare

Radiostacja Gliwicka IIvon Heino Bosselmann

Ist eigentlich der in sich historisch fragwürdige Fall Gleiwitz auch unvergleichbar? Nicht im Detail, nicht hinsichtlich der unmittelbaren Akteure, aber im Kern, also mit Blick auf die Handhabung von Vorwänden zur Durchsetzung politischen Kalküls?Der "Westen" in Gestalt der USA hat der ihm mißliebigen, im Bürgerkrieg befindlichen Assad-Regierung eine rote Linie gezogen, die diese nicht überschreiten dürfe, den Einsatz von Giftgas. Dieser Einsatz soll jüngst erfolgt sein - in Vororten von Damaskus und während Giftgas-Kontrolleure der UN bereits im Land waren. – Wer das Gas gegen Zivilisten eingesetzt habe, die Regierung oder die Rebellen, darum allerdings soll es bei den jetzt durch die Inspektoren erfolgenden Untersuchungen nicht gehen. Von Belang sei nur, DASS Nervengas nachzuweisen wäre.

Sicher, es liegt längst nicht alles zutage; und vermutlich ist eine eindeutige Klärung nicht im Interesse des "Westens" – schon gar nicht, solange es Entlastungsgründe für die Assad-Regierung gibt. Aber die kritische Öffentlichkeit sollte diesmal aufmerksamer sein, weil sich die Abläufe gleichen. Man erinnere sich der Szenarien vor der Bombardierung „Rest-Jugoslawiens“, an die Vorbereitung der Intervention in den Irak, in mancher Hinsicht auch an die „Befreiung“ Libyens.

Die Legitimierung des Angriffs auf "Rest-Jugoslawien" erfolgte maßgeblich durch Verweis auf das angebliche Massaker von Rugovo im Januar 1999. Der damals vor Ort befindliche OSZE-Beobachter Henning Hensch entlarvte längst, was Verteidigungsminister Rudolf Scharping damals der Presse bot. Es gab kein Rugovo-Massaker. Aber es gab maßgeblich daraufhin die Bombardierung jugoslawischer Städte durch die NATO, einvernehmlich mit einer rot-grünen Bundesregierung und getragen von der Kampf-Argumentation ihres Außenministers Joschka Fischer: "Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz." Die anderen also vergleichen durchaus. Deswegen wurde der Angriff ohne UN-Mandat –  völkerrechtswidrig – als ethisch voll gerechtfertigt dargestellt.

Genau so, wie es der britische Verteidigungsminister William Hague jetzt fordert. Man wisse genug. Es bedürfe längst keiner weiteren Bestätigungen oder Legitimierungen mehr. – Die Peinlichkeit, in Gestalt von Colin Powell den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen belogen zu haben, ist gut erinnerlich. Solche Umstände erspart man sich lieber. Powell selbst hat seine damalige Lügerei längst bedauert und ist politisch offenbar ein gebrochener Mann.


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Kommentare (42)

Wurstblume
27. August 2013 11:35

Wir leben in einer multipolaren Welt, in der jeder für sich das beste herauszuholen versucht. USA, Türkei, England, Saudi-Arabien & Co sollen tun, was sie für richtig halten.

Aber bitte nicht mit unserer Unterstützung. Das friedensbewegte Deutschland hat einen "guten" Krieg entdeckt, in dem Gut und Böse endlich mal klar verteilt sind. Danke, wann hat man das schon mal. Dementsprechend gibt es eine kriegsfreundliche Einheitsfront der pazifistischen friedensnahen Parteien (also alle), die dafür sorgt, dass USA und Türkei ihren Vasallenstaat Syrien bekommen. Die Minderheiten in Syrien tun mir leid, und auch Europa wird noch "was auf die Fresse" bekommen, denn die neuen Vasallen werden nicht lange Vasallen bleiben.

SDMF
27. August 2013 11:38

1. Die Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.
2. "Rugowa" hat nicht stattgefunden.
3. "Damaskus" dürfte stattgefunden haben, nur mit umgekehrten Vorzeichen, sprich von den "Rebellen" ausgehend. Die rote Linie wurde gesetzt, um sich ein Eingreifen vorbehalten zu können.
4. Gleiwitz hat stattgefunden. Es handelte sich um ein Ereignis, dem ähnliche Ereignisse vorangingen. Die Behauptung, es sei wie "Damaskus" selbst gebastelt, entbehrt jeder Grundlage.
Foltergeständnisse indizieren das Gegenteil dessen, was gefordert wurde.

Martin
27. August 2013 12:24

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, an das aus meiner Sicht "legendäre" Heft 1 der Sezession zu erinnern:

http://www.sezession.de/heftseiten/heft-1-april-2003

Alles, was darin zu finden ist, ist auch heute noch aktuell. Meiner Meinung nach Pflichtlektüre für jeden, der bei diesen Themen mitreden oder zumindest mitdenken möchte.

Heino Bosselmann
27. August 2013 12:50

Auch dies kein Beweis für irgend etwas, aber ein Kontext:
Elsässers Blog

Marcus Junge
27. August 2013 12:52

Also eigentlich hatte zumindest hier bei der Sezession erwartet, daß man nicht Gleiwitz auftischt. Es gibt wohl kaum einen anderen Fall, der derartig ungeeignet ist.

Warum? Weil die Aussage Gleiwitz sei eine Fälschung der Nazis gewesen im besten Fall nur eine 505 Wahrscheinlichkeit hat, die Wahrheit zu sein. Sofern nicht gänzlich daneben haue, beruhen alle Aussagen zur Fälschung, auf den Angaben eines Mannes. Ein notorisch Krimineller, der zur SS ging, bei Gleiwitz die Führung vor Ort hatte, 1944 desertiert, bei den Briten in Haft landet, nach einem Jahr dann plötzlich mit Geschichte zur Fälschung herausrückt, passend zum Beginn von Nürnberg. Und seither baut alles auf ihm auf.
Gegen die Fälschung spricht dann "nur": Polnische Artillerie, die deutsche Grenzorte beschießt; 3x Beschuß ziviler Lufthansamaschinen über internationalem Gewässer der Ostsee, durch polnische Flak / Schiffe; hunderte Grenzscharmützel zwischen dt. - pl. Grenzschützern und zig Male wurden fliehende Volksdeutsche von pl. Grenzschützern beschossen, als sie versuchten Polen zu entkommen. Dazu noch die übervollen Flüchtlingslager Ende August 1939 und ein Fall Gleiwitz, der von der NS-Propaganda dann fast nie benutzt wurde, sondern erst nach 45 und nach besagtem "Zeugenbericht", in sein heutiges Format gedrückt wurde.
Am 01.09.1939, da brauchte man Gleiwitz nicht zur Rechtfertigung, es gab mehr als genug andere, unzweifelhaft echte Kriegsgründe.

Und daher wäre es gut, wenn man Gleiwitz besser nicht so bedenkenlos in die Runde wirft. Warum nicht: Lusitania, "Friedliebende Sowjetunion", "Überraschungsangriff" auf Pearl Harbour, Golf von Tonkin, CIA in Afghanistan - ein halbes Jahr vor den Sowjets, Brutkästen in Kuwait, Srebrenica-Massaker, Hufeisenplan, Al-CIAda in Afghanistan, WMD in Irak, Gaddafi "schlachtet" sein Volk ab ... .

Heinrich Brück
27. August 2013 13:01

"Die Lüge im Gewand des moralischen Zieles war immer
die peinlichste."
Nur wenn man verliert.

Heino Bosselmann
27. August 2013 13:02

@Marcus Junge: Ich gebe Ihnen an sich recht. Mir sind diese Positionen bekannt. Namentlich Stefan Scheil hat hierzu etwas dargestellt. Nur existiert eine Sache, existiert ein Ereignis nun mal nicht nur als solche "objektiv", also als klarer Fall, sondern sie führt ihr politisches Leben gerade in den ihr gegenüber erfolgenden Zuweisungen nahezu verselbständigt weiter. Als Mythos. Und gar als Mythos vom Mythos. Gerade im Diskurs. Insofern fühlte ich mich befugt, den Begriff zu verwenden. Vielen Dank für den Einwand!

Weltversteher
27. August 2013 13:20

Ohne daß wir nun diese Gleiwitz-Kerbe noch ausweiten wollen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, werter Herr Bosselmann, um zu bemerken, daß mir an Ihren Abhandlungen häufig die DDR-Prägung auffällt. Daß man als Mensch vom Milieu seiner Zeit und Herkunft geprägt ist, soll damit gar nicht geschmäht werden. Es haben jedoch die DDR-Insassen jede Menge spezielle Geschichte und Weltanschauung aufgedrückt bekommen, die sich sozusagen auch heute noch als rote Farbe im Waschwasser zeigt.
Die Kräutlein, die wir Rechten heute zur Gesundung verwenden, sind zumeist gegen die (weiterhin virulente) BRD-Erziehung erprobt und zur Hand, weshalb die selteneren Fälle einer DDR-Intoxination aufmerksam ihre Selbstmedikation verfolgen sollten.
Sagt Ihnen ein "Mitti"...

herbstlicht
27. August 2013 13:25

Literaturhinweis: No End of a Lesson: Story of Suez .

Nutting war bei Beginn der Suez-Krise britischer Außenminister und trat zurück, weil er die Schweinerei nicht mitmachen wollte.

Wahr-Sager
27. August 2013 13:38

Die Antideutschen heute können sich - noch - auf Gleiwitz und Co. berufen, um ihrem Ansinnen Luft zu machen. Guernica allerdings, immer noch ein Lieblingsbeispiel von Antifanten für die angedichtete Schlechtigkeit der Deutschen, kann nach Aussagen des Brigadegenerals a. D. Dr. Hermann Hagena nicht mehr als Rechtfertigung für Luftkriege gegen deutsche Städte vorgebracht werden, wie man in der Zeitschrift Militär & Geschichte Nr. 69, Juni/Juli 2013, lesen kann.
Danach diente der Angriff auf Guernica ausschließlich militärischen Zielen und war kein Terrorangriff gegen die Zivilbevölkerung. Die Verantwortung für den Angriff lag bei der Führung der spanischen Gegenkräfte, die eine Befreiung ihres Landes von der kommunistischen Herrschaft anstrebten.

S. Pella
27. August 2013 14:03

Ein die Ausführungen Herrn Bosselmanns widerspiegelnder Bericht in der FAZ:
http://www.faz.net/aktuell/politik/militaerische-interventionen-gewaltverbot-und-schutzverantwortung-12547751.html

S. Pella
27. August 2013 14:05

Wer die aktuellen Entwicklungen - relativ neutral - mitverfolgen möchte, sei auf folgende englischsprachige Seite verwiesen:

http://blogs.aljazeera.com/liveblog/topic/syria-153

Bundschuh
27. August 2013 14:50

"Es erscheint mir daher ausgeschlossen, daß ein
verantwortlicher englischer Staatsmann in dieser Lage das
Risiko eines Krieges für England übernimmt. [...]

Die Auslösung des Konfliktes wird durch eine geeignete
Propaganda erfolgen. Die Glaubwürdigkeit ist dabei
gleichgültig, im Sieg liegt das Recht.

Wir müssen unser Herz verschließen und hart machen. Wer über
diese Weltordnung nachgedacht hat, ist sich klar, daß ihr
Sinn im kämpferischen Durchsetzen des Besten liegt. Das
deutsche Volk aber gehört zu den besten Völkern der Erde.
Uns hat die Vorsehung zu Führern dieses Volkes gemacht, wir
haben damit die Aufgabe, dem deutschen Volke, das mit 140
Menschen auf den Quadratkilometer zusammengedrängt ist, den
nötigen Lebensraum zu geben. Größte Härte kann bei
Durchführung einer solchen Aufgabe größte Milde sein."

... diese und weitere Fehleinschätzungen hier: http://www.ns-archiv.de/krieg/1939/22-08-1939-boehm.php

Allgemein konsensfähig dürfte sein, dass der Kriegseintritt durch strategische Leitentscheidungen und nicht durch wahre oder vorgetäuschte Grenzscharmützel (eine im Nachhinein nicht mehr klärbare und daher metaphysische Frage) ausgelöst wurde. Ganz selten löst "sich" ein Krieg durch ein Nadelstichereignis aus. In fast allen Fällen verdichten sich die Umstände bereits vorher, so wie man Material für ein Feuer in der Weise aufschichten kann, dass der nächst beste freundliche oder feindliche Funke es entzündet. Den Funkenflug überschätzt man leicht, da uns eine mechanistische Erklärung oft die liebste ist, sie klammert die Bewertung und Verantwortung aus. Krieg in der Geschichte lässt sich so als großes Unglück begreifen, dass nie vermeiden werden kann, da man nicht verhindern kann, dass einmal jemand aus dem Fenster stürzt oder ein paar Grenzer freidrehen. Weil Menschen aber nicht nur klassisch kausale Tiere, gefangen im Reiz-Reaktions-Schema sind, können sie sich zum Guten oder Bösen selbst entzünden.

Der Kriegseintritt wird im Falle Syriens auch nicht von ein paar Fässern Giftgas abhängen, das kann man nach belieben runter oder hoch spielen.

Th.R.
27. August 2013 15:10

Alle kommen sie dran, einer nach dem anderen. Gestern Afghanistan, Irak und Libyen, heute Syrien. Morgen dann - und das wird der ganz dicke Fisch werden - Iran.

Für Amis und Tommies läßt sich immer ein Grund finden, ein Land, wo es was zu holen gibt oder das gefährlich stark zu werden droht, zu überfallen. Wir Deutschen kennen das ja.

Natürlich ist es vollkommen durchschaubar, dass dieser Giftgasvorfall - ob nun inszeniert oder nicht, sei dahingestellt - der nunmehr allseits bekannte Trigger ist, den die Psy-Ops-Experten der Weltöffentlichkeit als Begründung und Rechtfertigung aufzutischen versuchen, den Iran.. äh Syrien anzugreifen. Und um sich mit solchen suggestiv-technischen Täuschungsmanövern Zustimmung in den Bevölkerungen für einen "gerechten" Angriff zu ergaukeln. Man muß sich nur einmal die Berichterstattung des DLF, des Spiegels und vor allem der jüdischen WELT der letzten beiden Tage vergegenwärtigen, um ganz klar erkennen zu können, dass hier mit planmäßiger psychologisch-operativer Agitation Bewußtsein und Emotionen der Öffentlichkeit zielgerichtet dergestalt werden sollen, auf dass ein Eingriff von Ami & Co. gegen das "böse" Syrien als moralisch gerechtfertigt erscheine, ja alternativlos und notwendig sei.

Nun, Syrien ist eigentlich nicht sonderlich reich. Warum also Syrien? Interessant scheint allein seine geographische Lage zu sein als zukünftiges Aufmarschgebiet gegen den Iran und, noch ferner, als Ölhafen, um das Öl des Irans in die Öltanker von BP, Exxon usf. abzufüllen. Und eben die Aussicht auf kostenloses Öl und eine langfristige Sicherung des Zugriffs auf das selbe dürften es sein, weshalb auch das heruntergekommene England in diesem Spiel mitzumischen versucht, - sie sind halt immer noch ein Volk von Seeräubern, und wenn der größte englische Pensionsfond, BP, sagt, er benötige langfristig weitere Ölfördergebiete unter seiner Kontrolle, um künftige Pensionszahlungen leisten zu können, dann muß eben die englische Armee herangezogen werden, solche Ölgebiete unter englische BP-Herrschaft zu bekommen.

Lachender Dritter dürfte Israel sein. Ich denke, die können es noch gar nicht fassen, dass künftig amerikanisch-angelsächsische Soldaten auf dem Boden des Nahen Ostens, unmittelbar an Israel angrenzend, einen Kampf "zum Schutze Isreals" führen werden. (Denn das wird ganz sicher als weitere Begründung herangezogen und propagandistisch zum zentralen Großdogma (vor allem in Deutschland) aufgeblasen werden, wenn erst einmal amerikanische Truppen in kasernenartigen Stützpunkten auf syrischen Boden dauerhaft stationiert sind.): Sie haben es also endlich geschafft, die Amis dort hin zu locken. Ein Traum wird war. Das Grinsen dürfte den Israelis so schnell nicht aus dem Gesicht gehen. Diese einmalige Gelegenheit, sich das eigene Land auf Kosten einer anderen Nation schützen zu lassen, werden die sich ganz sicher nicht entgehen lassen. Jüdische Lobbyorganisationen in New York werden`s schon irgendwie deichseln.

Bundschuh
27. August 2013 15:50

Israel und Syrien befinden sich im Krieg. Es herrscht lediglich Waffenstilstand. Syrien erkennt Israel nicht an. Welchen Grund hätten die Israelis Syrien "alles Gute" zu wünschen? In Israel dürfte das Vorgehen aber auch nicht strittig sein, da man vom befreiten Irak auch nichts als Ärger hat und sich Westmächte auch nur kurz in Syrien aufhalten dürften.

Einige Kommentare "jüdische Lobbyorganisationen" (welche denn? Nennen Sie Ross und Reiter! ...Wie geht nicht? ach so, aber na klar, ist ja ein Geheimlobby...verstehe) "Traum wird, war...Grinsen der Israelis" bewegen sich allerdings auf dem Niveau stramm antisemitischer Verschwörungstheorien, wie etwa der Schrift die "Weisen von Zion" und nutzen diese offenbar auch als Quellenlage. Mit Kopfschütteln B.

Stevanovic
27. August 2013 15:58

Je mehr ein Land Kants „Ewigem Frieden“ verpflichtet ist, desto humanitärer muss die Begründung eines inhumanen Aktes sein. Während sich Despoten, Diktatoren und Könige einen Krieg aus lauter Kraftstrotzerei leisten können, diese ist ja Teil ihrer Legitimität, ist dieser Weg den Demokraten versperrt. Die gespaltene Zunge des Bleichgesichts ist kein Charakterfehler der Amerikaner, es ist ein Denkfehler im System, eine Lebenslüge, die sie dazu zwingt.

@ Th.R.
Warum interpretieren sie den Krieg als Krieg der Amerikaner? Könnte es nicht der Krieg der Saudis und Katars sein, den diese gerade verlieren? Damit sind die Amis in der Situation, großmäulige Verbündete retten zu müssen. Wen hassen die sunnitischen Golfmonarchien mehr als Israel? Iran-Syrien-Hisbollah, die Schiiten. Mit denen führen sie länger Krieg als den Westen gibt. Sowohl Iran als auch Syrien haben/hatten Atomprogramme, waren auf dem Sprung in die 2.Liga. Die Monarchien haben darauf verzichtet, der Preis der Freundschaft mit den Cowboys. Warum sollten die Amis (außer den Russen ans Bein zu pinkeln, was sie jederzeit gerne tun)Krieg um Öl führen, das sie auf dem Markt viel billiger kaufen können? Wenn wir ihnen enthemmte Gier unterstellen, dann bitte in letzter Konsequenz. Es fällt doch auf, dass nur arabische Regime mit einer sozialistischen Vorgeschichte abgeräumt werden, die meisten ohne jeden strategischen Wert für die Amerikaner, aber Intimfeinde der Monarchen. Gaddafi war ein Traumpartner, Mubarak ein Verbündeter und solange Assad in Syrien ist, bleibt der Golan bei Israel. Weder für die US noch Israel macht dieser Krieg besonders Sinn. Klar, einen Nutzen werden sie daraus ziehen, aber wer würde das nicht? Für die Saudis könnte er mit dem Aufstieg zur unangefochtenen Großmacht in der Region enden. Das waren sie noch nie. Die Umrisse machen in meinem Kaffeesatz mehr Sinn.

Neidhardt
27. August 2013 16:41

Die türkische Polizei ist nicht so schlecht. Mitunter gibt sie wertvolle Hinweise, manchmal will man die hier bloß nicht so gern zur Kenntnis nehmen.
-
http://julius-hensel.com/2013/05/turkei-polizei-verhindert-sarin-attentat-syrischer-rebellen-in-adana/ :
-
30.05.2013 „Sieben Mitglieder der syrischen al-Nusra Miliz-Gruppierung wurden am Mittwoch in Adana verhaftet, nachdem die Polizei bei ihnen Sarin-Gas gefunden hatte, das in einem Bombenattentat Verwendung finden sollte. (…) Dieses sensationelle Vorkommnis sucht man in der englischen und deutschen Presselandschaft bisher vergebens… doch fast alle türkischen Medien berichten derzeit darüber…!“

Depero
27. August 2013 16:45

Ach bitte Bundschuh wenn genau wollen sie hier den verar....?

http://www.amazon.de/Die-Israel-Lobby-amerikanische-Au%C3%9Fenpolitik-beeinflusst/dp/3593383772

Das lesen kann ihnen niemand abnehmen.

Th.Heil
27. August 2013 17:11

Auch die Wahrheit über Srebrenica wurde von unserer Monopolpresse völlig entstellt: http://facebookreporter.org/srebrenica-face-off-genocide-the-west-doesnt-want-you-to-know-about-warning-very-graphic-material/

Erwalf
27. August 2013 17:21

Immer wieder kann über die Geschichte des 2. Weltkriegs gestritten werden, wenn nichts Wichtigeres ansteht. Israel ist wegen der Bedrohung durch die andere Sorte von Semiten auch vor dem Hintergrund der Vergangenheit, aber mehr noch wegen der gegenwärtigen Verletzlichkeit zu verteidigen und zu unterstützen, und es ist wegen seiner schamlosen Besatzungs-, Siedlungs-, Annektionspolitik zu verurteilen und in die Schranken zu weisen. Wie auch immer, hier geht es um Syrien, die Zerstörung des Völkerrechts, das der internationalen Staatengemeinschaft auf dem Papier allein das Recht zum Waffeneinsatz auf Grund eines Sicherheitsmandats erlaubt, um erneute Giftgaslügen, um angelsächsisch-französische Wahnsinnspolitik, die ich nicht verstehe und nicht durchschaue, und letztlich wahrscheinlich wieder um noch mehr Leid von Zivilisten, die zukünftigen Kollateralschäden. Ich schäme mich, zur sogenannten zivilisierten Staatengemeinschaft mich dazurechnen lassen zu müssen.

G. Schäfer
27. August 2013 20:26

Mir ist bekannt, dass viele Kommentatoren immer meinen, dass die MSM wie z.B. „der Spiegel“ bei den machtpolitisch entscheidenden Themen meistnes die Unwahrheit berichten. So scheint die Meinung vorherrschend, dass der Giftgasangriff gar nicht auf das Konto des Regimes geht, sondern von den Rebellen ev. mit Unterstützung eines westlichen Geheimdienstes durchgeführt wurde, um einen geplanten Krieg der USA gegen Syrien zu rechtfertigen, der die „schiitische Achse“ Iran – Syrien – Hisbollah zerschlagen soll, wie oben von Herrn Bosselmann erwähnt.
Könnte nicht dennoch das Assad-Regime hinter den Giftgasangriffen stecken?
Einheiten des Regimes, z.b. die republikanische Garde unter Baschar al Assads Bruder Mahir al Assad, dürften doch eher als die Rebellen über die technischen Möglichkeiten (Raketen, Artillerie) zum Einsatz einer großen Menge von Giftgas (wahrscheinlich Sarin) verfügen, um hunderte Menschen umzubringen.
Der aktuelle Spiegel (ja ich weiß MSM) zitiert „einen nach Jordanien geflohenen Geheimdienstgeneral“: Durch den Gasangriff habe das Regime die Front um Damaskus gehalten, die ausgedünnt sei, weil viele alawitische Kämpfer in ihre Dörfer in Assads Heimatprovinz Latakia zurückgekehrt seien, die von den Rebellen bedroht werde.
Mich würde interessieren, was die Diskutanten zu diesen Einwänden beizutragen haben.
Klar ist, dass die strategische Vernunft gegen einen Giftgaseinsatz von Seiten des Regimes spricht: Es ist für das Regime unsinnig, in sozusagen in Sichtweite der UN -Inspektoren Giftgas einzusetzen, weil das ein militärisches Eingreifen „des Westens“ nach sich ziehen würde. Dies wäre aber im Interesse der Rebellen, was wiederum dafür spräche, dass diese das Giftgas eingesetzt haben, um einen Angriff der USA auf Assads Truppen zu provozieren –eine Ansicht übrigens, die gerade eben von einem Arbabien-Experten im ZDF Brennpunkt vorgebracht worden ist.

SDMF
27. August 2013 20:55

Erwalf, Bundschuh, verteidigen Sie Israel! Weshalb auch immer. Wenn es Ihnen Freude macht? Aber als Imperativ an andere? Sounds neocon to me ...

Heino Bosselmann
27. August 2013 20:56

@G. Schäfer: Vielen Dank für Ihren besonnenen Beitrag sowie die wohltuend differenzierte Meinungsäußerung. Dergleichen ist in weitgehend anonymen Online-Kommentaren sehr ehrenwert und wertvoll. Tatsächlich erscheint mein durchaus emotional beeinflußter Beitrag naturgemäß "tendenziös", stehen mir doch nur übliche Medien und Daten zur Verfügung. Weshalb ich selbst skeptisch bleibe. Wie stets. Nachteil jedes empirischen Verfahrens: Letztendlich ist hier keine letztgültige Wahrheit zu behaupten. – Nur meine ich, Muster zu erkennen, die man beargwöhnen sollte. Offenbar will "der Westen" – mal wieder – den Angriff, den "Schlag", die "Lektion" um jeden Preis. Deswegen steht ihm der Sinn nicht nach Beweisen, und er degradiert die UN-Inspektoren, deren Einsatz er zunächst wünschte, zu Komparsen, auf die es nun nicht mehr ankommt. Eher darauf, daß sie bitte vorzeitig abreisen, damit die Bahn frei ist. Mir drängen sich allzu unangenehm die von mir gemutmaßten Parallelen auf: Das jugoslawische Beispiel und die Powell-Lügen vor der UN. Nein, auch das beweist nichts. M. E. müßte vor militärischen Angriffen genau recherchiert werden. Im übrigen erkenne ich nicht, daß die letzten militärischen Abenteuer über eine "Strafexpedition" hinaus für die Perspektive der betroffenen Länder etwas Entscheidendes verbessert hätten. Der Irak beispielsweise – ein Desaster!

Brunhilde
27. August 2013 21:22

Wem zum Nutzen ist der Giftgaseinsatz in Syrien?

Welchen irgendwie gearteten Nutzen hätte sich denn Assad von diesem Einsatz versprechen sollen?

Für jeden, der die Entwicklung in dem Syrienkonflikt logisch betrachtet, muss doch klar sein, dass für Assad der Einsatz von Giftgas (Achtung! Die rote Linie!) sein definitives Ende in militärischer, politischer und wahrscheinlich auch körperlicher Hinsicht bedeutet (man denke bloß an den gehängten Hussein oder an den gepfählten Gadaffi und an das grausame Schicksal von deren Familien- bzw. Clan-Angehörigen).

Martin
27. August 2013 21:53

Schauen wir uns doch einmal das an, was wir von hier aus wirklich beurteilen können (und dann auch bezahlen müssen):

Den Ölpreis.

Dieser steigt gerade mal wieder und geht in Richtung des bisherigen Jahreshochs (bzw. 52 Wochen-Hochs). Dieses Hoch wird er mit ziemlicher Sicherheit auch noch in den nächsten Tage erreichen und vermutlich übertreffen.

Gut, Ölpreise steigen fast immer in solchen Vorkriegssituationen, soweit normal.

Wer verdient stark an den Ölpreisen?
Länder wie Saudi Arabien und Katar.
Wer finanziert die syrischen Rebellen?
Länder wie Saudi Arabien und Katar, die jetzt mal dafür Kasse machen (wollen?).

Und da schwafeln hier einige im Ernst von den "jüdischen Lobbygruppen" ... die ganzen Musels und Araber untereinander spielen hier zum Tanze auf.

Mops
27. August 2013 22:38

Für Bundschuh:

Israeli intelligence seen as central to US case against Syria

http://www.timesofisrael.com/israeli-intelligence-seen-as-central-to-us-case-against-syria/

Antisemitische Verschwörungstheorie? :-)

nino
27. August 2013 23:51

@Martin Irgend wer födert das Öl in diesen Ländern. Diese Förderfirmen profitieren auch von einem erhöten Ölpreis, oder denken sie, die Saudis und die Scheichs in den Emiraten streichen jeweils die ganze Preissteigerung ein?
Bei den Förderfirmen handelt es sich aber meist um westliche Firmen. Also ist das nicht eine Angelegenheit, welche einfach nur die Musels und Araber interessiert.
Abgesehen davon braucht es nicht zwingend einen Krieg, um ein wenig am Ölpreis zu schrauben. Man kann auch "einfach" die Fördermenge drosseln.

M. Novakovic
28. August 2013 02:09

More info on Western coverup of Muslim crimes against Orthodox Christians, in FR Yugoslavia...

http://facebookreporter.org/when-the-western-media-used-to-tell-the-truth-the-new-york-times-about-kosovo-in-1982/

http://facebookreporter.org/al-qaeda-officer-we-had-impaled-them-alive-along-with-captured-serbs-we-murdered-two-bbc-journalists-%d0%be%d1%84%d0%b8%d1%86%d0%b8%d1%80-%d0%b0%d0%bb%d0%ba%d0%b0%d0%b8%d0%b4%d0%b5-%d0%bd/

M. Novakovic
28. August 2013 02:22

Exclusive: Turkish NGO Recruiting Albanians for War in Syria

http://facebookreporter.org/exclusive-turkish-ngo-recruiting-albanians-for-war-in-syria/

Martin
28. August 2013 07:00

Nino,
natürlich profitieren auch westliche Firmen, insbesondere auch die Rüstungsfirmen, da der Einsatz den USA sicher nicht gerade wenig Geld kosten wird, welches die USA sich dann, wie die letzten Male auch, vermutlich versuchen werden, von offiziell nicht beteiligten Ländern wie Deutschland, zurück zu holen, aber dennoch kann man klar erkennen, dass die genannten Länder in Arabien dort maßgeblich den Ton angeben - man schaue nur auf das kleine Land Katar und was dieses kleine Land bspw. in UK investiert hat, und man wundert sich kaum, warum die chronisch klammen Tommies auf einmal als erstes und am lautesten nach einem "Eingreifen" schreien.

Auch wenn es im Iran die erste islamische Revolution gegeben hat. Das, was wir als Islamismus bezeichnen und die Variante des Islam, die am radikalsten nach einer Weltverbreitung strebt, kommt von den Sunniten und da vor allem von denen wahabitscher Ausprägung (Saudi Arabien). Insofern bleibe ich dabei, dass hier eine innerarabische Auseinandersetzung der Kern der Ursachen ist.

Das Israel (was nicht gleich die "Juden" zu setzen ist) in dieser Gemengelage seinen Vorteil zu ziehen versucht, halte ich für normal, nur kann man hier keinen echten Vorteil für Israel erkennen, denn ob es wirklich so gut für Israel ist, instabile Nachbarländer zu haben, bei denen Islamisten dann am Ende womöglich das Sagen haben werden, muss sich erst noch zeigen.

eulenfurz
28. August 2013 09:13

Marcus Junge hat den Einwand gebracht, mit der Vergleichbarkeit von Gleiwitz und Damaskus. Ohne von der aktuellen Situation abschweifend mit historischer Korinthenkackerei beschäftigt sein zu wollen, erscheint doch die Betrachtung der fehlenden Nutzung des Gleiwitz-Überfalls in der deutschen Kriegspropaganda bedeutsam.

Zwar wurde der Überfall in einigen Zeitungen erwähnt, im Vordergrund standen aber in allen Medien die polnischen Schikanen an den Volksdeutschen, die Überfälle auf Dörfer und Siedlungen, die Morde und Plünderungen. Der angeblich inszenierte Überfall auf den Sender Gleiwitz wurde erst Jahre später von der kommunistischen Siegergeschichtsschreibung hervorgehoben, um von den tatsächlichen und auch nachvollziehbareren Kriegsgründen abzulenken.

Eben diese mangelnde propagandistische Verwurstung des Gleiwitzer Vorfalls als Kriegsgrund machen den Vergleich mit Damaskus hinfällig: Gerade dazu dient der Giftgas-Vorfall ja, das ist seine eigentliche Daseinsberechtigung. Und, Herr Bosselmann, was soll es bringen, einen kommunistischen Mythos, der sowieso schon im Schwinden begriffen ist, mit derartigen Vergleichen zu bekräftigen? Bzw. den von Damaskus, in einen diffusen historischen Kontext gesetzt, zu verkomplizieren?

S. Pella
28. August 2013 10:54

Geopolitisch und -strategisch zielt die Aggression der "Westlichen Wertegemeinschaft" in Gestalt der Vereinigten Staaten und Großbritanniens nicht nur auf die Destablisierung Syriens und hiernach des Irans, sondern noch vielmehr auf die Beunruhigung des "Eurasischen Schachbretts", d.h. auf den anzunehmenden Aufruhr kaukasisch-islamistischer Kräfte in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die schon heute als radikalisierte Milizen in Syrien kämpfen.

Erwalf
28. August 2013 10:59

@SDMS: Sie sollten nicht nur Halbsätze lesen! - Vielleicht war es ja auch das Assad-Regime. Ich weiß es auch nicht hunderprozentig. Dennoch spreche ich von Giftgaslüge, was auch Chemiewaffenlüge genannt werden könnte, solange der amerikanische Außenminister zum Eingriffskrieg bläst, während die UNO-Experten noch prüfen und er meint, die Beweise in den nächsten Tagen dann nachzuliefern. Wahrscheinlich sitzen seine Comic-Zeichner noch daran, die Bildchen von den Chemiewaffenlastern Assads zu zeichnen. Mit solchen Beweisbildchen entblödete sich ja schon einmal ein amerikanischer Außenminister vor dem Sicherheitsrat nicht, einen Angriffskrieg zu rechtfertigen.

Wahr-Sager
28. August 2013 16:02

@Bundschuh:

Lesen Sie mal hier. Nur ein kurzer Auszug daraus:

Ganz nebenbei in Sachen Wohltätigkeitsorganisationen. Vergleichen wir z. B. den WWF oder Greenpeace oder Amnesty International, große Organisationen, die tatsächlich nützliche Ziele im Bereich Umwelt oder Humanität verfolgen. Diese Organisationen werden von Wirtschaft und Regierungen häufig als Plage betrachtet. Sie haben bestimmt nicht den gleichen Zugang zu den höchsten Regierungsebenen wie, sagen wir, B’nai Brith oder die Jewish Claims Conference oder die Anti-Defamation League, (um nur einige der schätzungsweise über 35 bedeutenden internationalen jüdischen Organisationen zu nennen). Auch können WWF, Greenpeace oder Amnesty International nicht hoffen, Millionen Euro aus öffentlichen (deutschen) Geldquellen zu bekommen. Diese wichtigen Organisationen im Dienst der Allgemeinheit müssen sich mit privaten Spenden begnügen.

Da soll noch jemand behaupten, Juden würden über keine Macht verfügen...

Couperinist
28. August 2013 18:46

Heino Bosselmann:
" Die Lüge im Gewand des moralischen Zieles war immer die peinlichste. "

Anders ist heute aber militärische Gewalt wohl nicht mehr zu rechtfertigen. Wenn ich mir die westliche Geschichte ansehe, wurden bis weit in das 17. Jahrhundert Kriege v.a. christlich begründet.

Dann kam eine Spanne, in der der Krieg tatsächlich so etwas wie "der Sport der Könige" war. Ganz ehrlich und unverhohlen wurde um Macht- und Prestigegewinn der europäischen Dynastien gestritten und das auch relativ gesittet. Im Vergleich gab es wenig Plünderungen und Brandschatzungen. Das war die Zeit der Kabinettskriege, geführt von stehenden Söldnerheeren.
Mit der Revolution und v.a. mit Napoleon kam der Volkskrieg, der totale Krieg, Massenmobilisierungen und nationalistisches Feuer. Der Rest ist bekannt. In der gereiften Demokratie muss die Zivilreligion "Menschenrechte" herhalten.

Georg Mogel
28. August 2013 21:33

Wenn er mit seinen Hirngespinsten Schluß macht,
entdeckt der gewöhnliche Mensch nicht die Wahrheit,
sondern die Anziehungskraft der Niedertracht.

Davila

Andrenio
29. August 2013 05:44

http://ef-magazin.de/2013/08/28/4437-syrien-die-schulden-und-der-krieg

http://ef-magazin.de/2013/08/26/4425-wochenrueckblick-gasangriff-in-syrien-und-anderer-wahnsinn

http://ef-magazin.de/2013/06/24/4310-syrien-konflikt-chemie-gegen-gesichtsverlust

http://ef-magazin.de/2012/06/11/3558-syrien-die-luege-von-al-hula

https://www.compact-magazin.com/18-04-berlin-medienluegen-ueber-syrien/

Heino Bosselmann
29. August 2013 12:49

Zwischenstand Donnerstag, 29. August 13, mittags: Die Tonlage der „Koalition der Willigen“ – welch seltsam ungebräuchliches Wort – ändert sich. Sicher, die Vorbereitungen auf einen Angriff gehen weiter, aber die Stellungsnahmen fallen sehr viel verhaltener aus. Offenbar bereitet es doch Sorge, in einen zweiten Irak-Krieg bzw. –Dauerkonflikt hineingezogen zu werden. Klug. Von Obamas Seite heißt es neuerdings: „Wir glauben nicht, daß die Opposition über Chemiewaffen verfügt.“ Glauben, das ist außerhalb religiöser Bekenntnisse nicht viel. Und für Obama ein Dilemma, insofern nach solchen Vorwürfen von einem starken Mann starke Konsequenzen wohl erwartet werden. – Großbritannien, vor kurzem beeindruckend entschlossen, würde notfalls nach wie vor ohne Zustimmung des Weltsicherheitsrats handeln, aber die Regierung Cameron bläst zum Rückzug. Der Premier möchte keine Abstimmungsniederlage hinnehmen. Alexander Douglas von Labour weiß lt. Deutschlandradio, daß doppelt soviel Briten gegen einen Angriff sind als dafür. Er verlangt glaubwürdige militärische Ziele, die Beschränkung der Aktion, kein Hineinziehen – und Rechtmäßigkeit, also doch Beweise. Cameron mußte seinen Vorschlag fürs Parlament umformulieren: Der Einsatz von C-Waffen wird zwar verurteilt; über einen Angriff soll aber jetzt erst nach Rapport der Inspektoren entschieden werden. Von einem Angriff zunächst keine Rede mehr. Die Diplomatie ist wieder gefragt. Sie hatte Außenminister William Hague schon für gescheitert erklärt. – Also müssen wir abwarten. Mein Text wäre so seiner Aktualität nach durch. Vielen Dank.

Stevanovic
29. August 2013 16:39

Amerikanische Außenamtsmitarbeiter begrüßten laut Zeitungsberichten die einseitige Schuldzuweisung an das Regime in Damaskus - mehr habe man von der Liga nicht erwartet. Die seit mehr als einem Jahr gültige Arbeitsteilung innerhalb der Unterstützergruppe der „Freunde Syriens“, wonach Qatar, Saudi-Arabien und die Türkei als treibende Kräfte fungieren, während Amerika und Großbritannien sich eher als zaudernde Interventionisten geben, gilt mithin auch weiterhin: Der Aufrüstung der islamistischen Opposition durch Doha und Riad stimmte der amerikanische Außenminister John Kerry kurz nach seinem Amtsantritt stillschweigend zu; nun liegt es aus Sicht der Golf-Staaten an den westlichen Militärs, die Schwächung der Regimetruppen durch gezielte Schläge voranzutreiben.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/qatar-saudi-arabien-und-syrien-wie-aus-falken-tauben-wurden-12550636.html

Ich fand das jetzt mal erstaunlich offen für die deutsche Presse.

Rabenfeder
30. August 2013 03:04

Neben den vielen genannten, mehr oder weniger plausiblen Motiven für die gegenwärtige Politik „des Westens“ in Bezug auf den nahen und mittleren Osten erscheint mir ein weiteres Motiv vielleicht sogar wesentlich zu sein für alle zu beobachtenden Ereignisse um die Golfkriege und den „arabischen Frühling“:

Der Einbruch in den „Youth Bulge“, das ist die gewissermaßen vorbeugende Initiierung eines ohnehin erwarteten natürlichen Vorgangs, wo Gesellschaften mit hohem Jugendanteil (besonders den vielen jungen Männern, die nach sexueller und materieller Befriedigung streben) zwangsläufig sich und möglicherweise andere in schwere und spannungsgeladene Krisen stürzen werden.

Deutlicher gesagt: Man will weitgehend kontrollierte Bevölkerungsreduktion durch Bürgerkrieg.

Im Irak (und in Syrien, in Ägypten, in Libyen, in Afghanistan etc.) ging es sicher auch um Öl, um Geostrategie, um Teile und herrsche, um offene alte Rechnungen, vielleicht gar um Religion und sicher auch um Spannungsaufbau im Sinne einer dialektischen Politik, die den Gegensatz will um dereinst Neues synthetisch zu schaffen und die den Terror braucht um bis zum Endsi…ziel endlos Krieg führen zu können, aber eigentlich ist das Ziel so viele Menschen wie möglich nachhaltig zu beseitigen.

Problem erkannt: Youth Bulge
Problemlösung: Bürgerkrieg
Ziel: Schließlich Eingemeindung in die EINE bestmöglich kontrollierte Welt.

Diesen rationalen machiavellistischen Ansatz kann man natürlich so nicht offen aussprechen und deshalb bemüht man auf unerträgliche Weise und ganz offen heuchlerisch die Moral.

Im Westen nichts Neues

http://www.brookings.edu/fp/projects/islam/fuller2003.pdf

http://www.amazon.de/S%C3%B6hne-Weltmacht-Terror-Aufstieg-Nationen/dp/3280060087

Götz Kubitschek
30. August 2013 09:51

diskussion geschlossen.
dank an alle. gruß!
kubitschek

gerd
4. September 2013 11:39

Fall Gleiwitz, bin als Ossi erst aktuell auf Probleme zum Gleiwitz aufmerksam.

Auch sehr seltsam, dass in http://zeitungszeugen.de/ausgabe-39/ ausgerechnet der Völkischer Beobachter vom 1. September 1939 fehlt!

Internationale Presse in der Zeit September 1939 zum Fall Gleiwitz fehlanzeige!!!

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