Sezession
12. September 2013

Wer kennt Armin Mohlers „Notizen aus dem Interregnum“?

Götz Kubitschek / 16 Kommentare

978-3-944422-39-8Über dem Ärger dieser und letzter Woche (mit dem zwischentag und auf anderen Feldern) ist die Auslieferung der 13. kaplaken-Staffel an mir vorbeigegangen. Wir können seit Dienstag liefern: Stefan Scheils Polen 1939, Norbert Borrmanns Die große Gleichschaltung und Armin Mohlers Notizen aus dem Interregnum. Außerdem ist Manfred Kleine-Hartages Warum ich kein Linker mehr bin wieder lieferbar, mittlerweile in der 4. Auflage.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Alle kaplaken-Abonnenten sollten ihre Staffel morgen, spätestens aber am Samstag im Briefkasten vorfinden. Mich interessiert besonders, ob es Leser gibt, die sich noch an die JF-Kolumne Armin Mohlers erinnern können. Sie erschien unter dem Titel "Notizen aus dem Interregnum" ab Januar 1994 dreizehn Mal, erstmals in der ersten Ausgabe der Wochenzeitung Junge Freiheit (die bis Ende 1993 ja ein Monatsblatt war).

Dieses erste Wochenzeitungsjahr war für die Junge Freiheit insgesamt ein Scheide-Jahr: Neben dem kräftezehrenden redaktionellen Alltag mußte das junge Projekt massive Anfeindungen durchstehen, ständig neu die Finanzierung sichern und - nicht zuletzt - einen internen Machtkampf zwischen einem eher nationalrevolutionären Flügel und einer starken nationalliberalen Gruppe verkraften.

Dieter Stein, damals Mitte zwanzig, setzte sich mit seiner nationalliberalen Ausrichtung durch und bewies eine für sein Alter erstaunliche Kurssicherheit - er hat die Koordinaten seiner Zeitung bis heute nur schrittweise an die Lage angepaßt, nie aber grundsätzlich geändert.

Mohler war im Herbst 1994 jedenfalls das prominenteste und für uns Leser schmerzhafteste Opfer: Seine berühmte 11. Kolumne über Revisionismus und deutsche Souveränität führte zu einer redaktionellen Infragestellung durch Stein und zu einer Replik aus der Feder Salcia Landmanns (im vorliegenden kaplaken-Bändchen dokumentiert). Mohler konnte diese öffentliche Zurechtweisung nicht dulden und stellte seine Kolumne ein.

Ich habe das in meinem Nachwort zu den Notizen aus dem Interregnum ausführlicher beschrieben. Indes liegt der Schwerpunkt des Bändchens nicht auf diesem Bruch, sondern natürlich auf dem für jeden Rechtsintellektuellen fruchtbaren Gehalt aller dreizehn Kolumnen, an die sich - ich bin mir sicher - kaum einer der hier Mitlesenden wird erinnern können. Oder doch? Online sind sie im JF-Archiv nämlich nicht zu haben.

Man kann Mohlers kaplaken hier bestellen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (16)

Reichsvogt
12. September 2013 11:43

Kann mich noch gut erinnern. Habe ein recht ausführliches JF Archiv, weiß aber jetzt nicht ob ich die Artikel aufgehoben habe. Auch der Bruch in der Redaktion ist mir in Erinnerung. Es wurden dann ja auch keine JF Sommerakademien mehr abgehalten. Die Organisation lag zu einem großen Teil bei den eher KR-nahen Redakteuren. Ich würden die Trennlinie eher so ziehen, da doch auch eher der jungkonservativen Richtung zuzuordnenden Köpfe und nicht nur nationalrevolutionäre Köpfe die Redaktion verließen. Freue mich sehr auf die Wiederauflage der Texte! Herzlichen Dank für die Wiederveröffentlichung in der schönen Kaplakenreihe!

tacitus
12. September 2013 12:44

Auch ich kann mich gut an Mohlers "Notizen" erinnern - und ich habe sie natürlich auch archiviert. Den JF-internen Streit, der daraufhin ausbrach, habe ich mit gemischten Gefühlen gesehen. Ich befürchtete eine Aufweichung des Kurses hin zu unionskompatiblen Positionen, kann aber den Kurs von Dieter Stein und sein Handeln nachvollziehen. Trotzdem bleibt es ein Verlust fürs Blatt, daß seitdem Mohler nicht mehr in der JF publiziert hat. Umso besser, daß nun alle seine Kolumnen zusammen in einem "Kaplaken"-Bändchen publiziert werden. Glückwunsch zu diesem Entschluß.

S. Pella
12. September 2013 13:01

Oblgeich ich damals erst 11 Lenze zählte, habe ich von einem Bekannten Ende der 1990er Jahre die ersten Ausgaben der Wochenzeitung JF aus besagten Jahren zur Lektüre erhalten und habe mit besagtem Kumpan noch im vergangenen Jahr über Mohlers Kolumne schwadroniert.

kolkrabe
12. September 2013 14:41

Als ebenso bedauerlich (und fast noch schwerwiegender) hab ich den Bruch der JF mit Hans-Dietrich Sander empfunden. Während auf sezession.de immerhin (mit dem Beitrag aus dem Staatspolitischen Handbuch) seines 85. Geburtstags gedacht wurde, ist die ansonsten sehr gedenktagsfreudige JF schweigend darüber hinweggegangen.

Weltversteher
12. September 2013 15:24

Die JF selbst würde unter ihren heutigen Lesern wohl nur mit Mühe noch welche finden, die aich an Ausgaben aus dem Jahr 1994 erinnern könnten. Dabei ist das doch kaum zwanzig Jahre her. Kenne welche, die sind heute Ende Dreißig. Andere mögen Ende Achtzig sein; dazwischen paßt doch viel Volk...
Aber alle, die ich kenne, und die damals lasen, lesen die JF heute nicht mehr. Trotzdem kein wirtschaftlicher Verlust; für jeden von ihnen mögen zehn Liberalere gekommen sein.

Schnippedilderich
12. September 2013 17:28

In der Erinnerung sind sie mir durchaus geblieben, wegen der recht mutigen
Provokation ihres Titels, der ja unsere demokratischen Heilszustände mit den Wirrnissen einer herrscherlosen Zeit in eins setzt, ganz in der Tradition solcher Zeiten im alten Reich. Herrschaftsfrei ist freilich eine angenehmere Diktion für den mündigen Diskursdemokraten.
Zuletzt kamen mir Mohlers Notitzen in den Sinn, als ich zum erstenmal den Begriff Zwischentag vernahm. Ob ich hier richtig assoziierte, kann nur sein Erfinder beantworten. Die lange Jahre aufbewahrten Texte sind längst ins duale System der Rohstoffaufbereitung zurückgekehrt. Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis und jedem Anfang wohnt ein fauler Zauber inne ...

Wahr-Sager
12. September 2013 17:39

Mich würde mal rein aus Neugier interessieren, wie oft sich K.-H.s (sehr empfehlenswertes) Buch verkauft hat. Gibt es darüber Zahlen?

frage:
welches seiner vielen bücher meinen Sie denn?

albert
12. September 2013 21:40

Ich finde Dieter Steins Lebensleistung beachtenswert.

Nichts desto trotz finde ich die JF nicht mehr so interessant wie früher. Ich habe sie auch seit mittlerweile zwei Jahren nicht mehr im Abo. Außer Thorsten Hinz ist dort nicht mehr soviel, was mich interessiert und was man nirgendwo anders liest. Die meisten Artikel sind so harmlos und bürgerlich-liberal, daß ich mich wundere, wie man einst von einer "Scharnierfunktion" fabulieren konnte.

Dennoch wünsche ich der JF das beste. Aber die Sezession hat mir inzwischen mehr zu bieten.

Von Sander habe ich lang nix mehr gehört... Was macht der denn heutzutage? Von dem würd ich gern mal wieder was lesen...

KW
13. September 2013 11:19

Ich kenne die JF erst seit 10 Jahren, daher kann ich nicht von einem Umbruch sprechen, weil ich ihn nicht erlebt habe. Man darf auch nicht vergessen, daß der "Kampf gegen Rechts" alles Nationale und jedwede Kritik am System mit einschließt. Klar muß Dieter Stein vorsichtig sein, aber was er in letzter Zeit an Kommentatoren in seinem Internet-Blog dazugewonnen hat, ist beachtlich, sowohl vom Stil als auch vom Inhalt, alles gebildete Leute mit derselben Einstellung, daß in dieser BRD alles Eigene und damit Nationale von Politik, Justiz und Medien zurückgedrängt wird.

Nihil
13. September 2013 17:52

Ich werde hier nichts Schlechtes über die JF schreiben, aber ich kann Weltversteher und albert nur beipflichten: man hat sich "auseinandergelebt" - wie es so schön heißt (und zwar schon vor einigen Jahren). Ich sehe diese Entwicklung auch bei IfS/Sezession, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang. Die Nouvelle Droite hatte immer den Vorteil, dass sie sich nicht um Politisches scheren musste bzw. wollte. Und in manchen Aspekten dürfte man in der BRD tatsächlich anders ticken. Aber soviel Differenz wird eine "Familie" aushalten, wobei ich mir da bei manchen nicht sicher bin.

Franz Schmidt
13. September 2013 20:41

Ich habe schon die ersten JF Ausgaben gelesen. Mein Bruch mit der JF kam wegen eines Artikels gegen HD Sander, der unter die Gürtellinie ging.

Heute lese und unterstütze ich die JF wieder.

Sie ist mir allerdings persönlich etliches zu harmlos. Doch dies scheint das Erfolgsrezept zu sein. So wie es aussieht, war der Kurs von Dieter Stein richtig. Leider besser als eine Kaderzeitschrift, die, wie die Staatsbriefe (die beste Zeitschrift, die es je gab!), mangels Abonnenten wieder eingeht und keinerlei Außenwirkung hat.

Letztlich nützt alles nichts. Wenn wir nicht alle an einem Strang ziehen, haben wir bald endgültig ausgespielt.

Reichsvogt
14. September 2013 22:26

@albert:
In der Quartalsschrift "Neue Ordnung" des Stocker Verlages kommentiert Sander in jeder Ausgabe auf etwa 2 DinA4 Seiten das Zeitgeschehen.

Die JF abonniere ich ununterbrochen seit 1993. Auch wenn sich der Kurs etwas geändert hat, dann muß man aber auch sagen, dass die Zeitung zur Wochenzeitung mit breiterem Themenspektrum geworden ist. Eine Form von "Reiner Lehre" zu verbreiten kann nicht Aufgabe einer Wochenzeitung sei. Neben der Sezession halte ich die JF für unverzichtbar. Das Sparen am JF Abo, weil einem der Inhalt nicht "stramm" genug ist, halte ich für kleinkariert und schädlich für unsere Gesinnungsgemeinschaft.

Wahr-Sager
16. September 2013 00:46

Nachtrag zu meinem Kommentar vom 12.09.:

Ich meinte von Manfred K.-H. das Buch "Warum ich kein Linker mehr bin" - wie im Artikel oben angegeben.

antwort:
5000 sinds mittlerweile.

KW
17. September 2013 16:43

Das Sparen am JF Abo, weil einem der Inhalt nicht „stramm“ genug ist, halte ich für kleinkariert und schädlich für unsere Gesinnungsgemeinschaft.

Ich bin in keiner Partei und muß nicht spenden, daher gebe ich mein Geld der JF. Die machen gute Arbeit, langsam, aber stetig.

Konservativer
24. September 2013 18:57

Sehr geehrter Götz Kubitschek

Nachdem ich das neue Buch von Armin Mohler aufmerksam gelesen habe, kann ich nunmehr behaupten, daß jetzt auch ich die "Notizen aus dem Interregnum" kenne. Wieder einmal hat mich Armin Mohler sehr angesprochen. Von ihm kenne ich nunmehr alles, was in Büchern veröffentlicht wurde.

Ihr informatives Nachwort erläutert einfühlsam und mit Fingerspitzengefühl die Gründe für Mohlers Ausstieg aus der Kolumne.

Die Replik aus der Feder Salcia Landmanns nahm ich mit Interesse zur Kenntnis.

Kurzum, es ist bedauerlich, daß Armin Mohler seine Kolumne nicht weiterführen mochte, auch wenn es an seiner Entscheidung nichts auszusetzen gibt, weil sie schlüssig ist.
Armin Mohler war ein ganz Großer, von dem ich gerne mehr gelesen hätte bzw. gerne mehr lesen würde.

Möglicherweise findet sich jemand, der die noch nicht in Buchform vorliegenden Beiträge aus seiner Feder in den verschiedenen Magazinen und Zeitschriften (z.B. die in Criticon erschienenen) veröffentlichen wird.

Meinen Dank für diesen Band aus der Kaplaken Reihe.

Die Kaplaken Reihe ist für mich etwas ganz besonderes, bislang hat mich noch jedes Buch aus dieser Reihe auf eine eigene Art angesprochen und mir viel gegeben.

Bernd Derksen
7. Oktober 2013 16:14

Hab's auf der Rückfahrt gelesen.

Ich halte mich ja für, zumindest auf vielen Gebieten, recht "liberal". Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb?) eine für mich sehr lohnende Lektüre.

Da die Substanz und geistige Unabhängigkeit des Autors mir bemerkenswert zu sein scheint. Man muss seine Sicht nicht immer teilen oder gar lieben, aber respektieren und in gewisser Weise schätzen kann ich ihn nun schon. Und irgendwie machen die Notizen doch Lust auf mehr von ihm.

Also, Herr Kubitschek, von mir ein dickes Lob fürs Wiederherausbringen und das erläuternde Nachwort. Aber gerade auch fürs Werben beim Zwischentag-Vortrag fürs Buch!

Das hat mich überzeugt, mir doch mal ein erstes eigenes Urteil zu Mohler zu bilden und den Band gleich am Verlagsstand zu kaufen. Und so ein Band ist fürs erste "Kosten" doch "appetitlicher" als ein Theorie-Wälzer.

Wirklich eine positive Überraschung. Und wieder mal irgendwie entlarvend, wie viele voreilige Urteile ich doch unbewusst zu übernehmen scheine.

Mmh, als neugieriger Mensch werde ich am nächsten Wochenende auf der Buchmesse in Frankfurt mal Herrn Stein nach seiner heutigen Sicht auf die damalige Entwicklung fragen. (Ohne seinen, laut Kubitschek liberalkonservativen, Kurs wäre ich wohl nicht zum JF-Leser geworden, geschweige denn wäre zu so einer Veranstaltung wie dem Zwischentag gereist.)
____

Für mich hat "Intelligibilität" (S. 23) fünf "i"s. ;-) Aber gut, Mohler ist halt doch ein sehr genauer ...

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