18. September 2013

Syrisch-russische Rochade

Gastbeitrag / 24 Kommentare

4976391976_954dbf3af4_nvon Heino Bosselmann

Diese Runde ging an Rußland. Putins kraftvoller Gestus, seine Rückverständigung mit autoritären Mächten im eigenen eurasischen Hinterland sowie Sergej Lawrows ruhiges, aber unnachgiebiges Verhandlungsgeschick haben Amerikas Angriffspläne zunächst gebremst, abgesehen davon, daß sich die amerikanische Politik selbst nicht einig ist.

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Die sogenannte syrische Opposition, all die im Bürgerkrieg kämpfenden Assad-Gegener, vorzugsweise sunnitisch-islamistischen "Interbrigaden", sind enttäuscht. Sie hatten sich harten Feuerschutz zur Durchsetzung ihrer unterschiedlichen Ziele gewünscht, um nach dem Sturz Assads sehr vermutlich gegeneinander loszuschlagen. In einem afghanischen oder irakischen Szenarium.

Daß es so mindestens vorerst nicht weitergehen wird, sondern daß es "nur" den Sechspunkteplan gibt, liegt an der selbst verursachten Fallenstellung innerhalb einer typisch amerikanischen Legende. Was gegenüber Jugoslawien und dem Irak noch funktionierte, das läuft jetzt nicht: Humanitäre Gründe vorschützend, hatte sich die kränkelnde Weltmacht auf die Giftgasattacke kapriziert, deren Urheberschaft bislang nicht klar nachgewiesen ist. Als Vorwand für eine didaktisch verstandene Strafaktion – völkerrechtlich übrigens eindeutig verwehrt – hätte das Amerikanern und Franzosen ausgereicht.

Diesbezüglich gibt es nun aber ein angestrengt ausgehandeltes "Agreement", in dem zwar jede Seite das Ergebnis ihrer hohen diplomatischen Kompetenz sehen möchte, das aber sowohl die Amerikaner und deren Vasallen als auch all die Freischärler so nicht gewollt haben können. Ging es doch letztendlich lange nicht allein um das Beseitigen syrischer Massenvernichtungsmittel, sondern aus geostrategischen Erwägungen um den Sturz des "Regimes". Folgerichtig beklagt die "Opposition" diese Engführung in der Thematik und wünscht nach wie vor ein robustes Eingreifen, mindestens weitere Waffenlieferungen und die Errichtung einer Flugverbotszone, um so aus der Bredouille zu kommen.

Die Wahrnehmung der Aufständischen: Der Westen redet nur noch über Giftgas, wir aber vom Kampf gegen Assad! Was interessiert uns jetzt noch das Gezerre um Sarin-Granaten, die der "Schlächter" nun sowieso nicht mehr einsetzen wird. (Wenn er es denn je tat.)
Übertragen auf eine dramatische Schachpartie: Es wurden im Mittelspiel nach langem Überlegen zwei, drei Leichtfiguren ausgetauscht, während Assad nebenher sogar rochierte.

Ansonsten handelt es sich – wie oft und wie im Alltag – um ein Sprachproblem. Man gibt vor, aus guten Gründen nur eines zu wollen, keinesfalls schon eine totale Lösung, die man sich zwar eindringlich wünscht, die man aber verschweigt, um nicht als Aggressor gegenüber einem immerhin souveränen Staat zu gelten. – Durch den flexibleren Verhandler, in diesem Fall Rußland, wird der Wunsch erfüllt. Entgegenkommend! Und die andere Seite – die USA, Frankreich, die vom Parlament eingebundene Regierung Englands, die syrischen Freischärler – bleiben frustriert zurück, weil sie weiter noch als vor Tagen von ihrem eigentlichen Ziel entfernt sind. Spiegelfechterei.

Was wird folgen? Weitere Schuldzuweisungen, überhaupt Zuschreibungen, Gefeilsche, Wortgefechte, Provokationen international, Bürgerkrieg national. Es gäbe eine Lösung, die aber nur in der Klärung der Machtfrage läge: Was Assad hilft, würde einen Staat unterstützen, der mindestens hobbesianisch funktionierte und jene schützte, die im Falle des Zusammenbruchs den Massakern der sunnitischen Radikalen, der vermeintlichen "Freiheitshelden", ausgeliefert wären. Selbst die USA werden das durchdacht haben, müssen es aber verwerfen, weil es – mit Blick auf den Iran und die Hisbollah – nicht in ihrem Interesse ist.

(Bildnachweis: https://www.flickr.com/photos/schachmuseum/)


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Kommentare (24)

Inselbauer
18. September 2013 09:39

Ich kann das alles nur noch als einen monströsen Atavismus sehen, als Wiederkunft uralter Schreckgespenster, die plötzlich die einzige noch greifbare Realität sind. Die deutschmigrantischen Salafistenlauser, die sich jetzt ans Kopfabschneiden machen, werden nicht mehr verschwinden. Auf der anderen Seite tauchen Leute mit Plastik-Ritterrüstungen auf wie Breivik, der ja auch nicht besser ist. Gegen diese Elementarmächte sind diktatorische oder sozialdemokratische Bremsen halt auch bloß eine Illusion von Schutz.
Gestern hat sich in meiner Heimat ein Mann vor einem Marienaltar verbrannt, im privaten Atombunker, nachdem er einige Polizisten getötet hat. Es war ein Wilderer, der die Gewohnheit hatte, die Häupter seiner Beute auf Stangen am Straßenrand zu spießen. Das war das Signal zum Aufstand im Bauernkrieg, in der gleichen Gegend, fast genau 500 Jahre zuvor.
Herr Bosselmann hat schon recht, wenn er die Entwicklung in Syrien rein machtpolitisch analysiert; das ist immer noch besser, als hilflos der Rückkunft des Elementaren zuzusehen, die sich langsam aber sicher vollzieht.

Meyer
18. September 2013 11:06

Die deutsche politische Krankheit (aus angeborener deutscher Naivität?) nicht "vom Feinde aus zu judizieren", schlägt sich auch in diesem Beitrag nieder.
Die Menge an metapolitischer, kultureller und philosophischer Literatur, von denen ich meine, daß Autor und die MAcher der Sezession sie gelesen und auch verstanden haben, scheint in einem reziproken Verhältnis zu derjenigen Literatur zu stehen, die Realpolitisches und Allgemeinstrategisches zum Inhalt hat. Eine Ausnahme hiervon dürfte vor allem in Herrn Klein-Hartlage zu sehen sein.

Wer glaubt denn, man könne eine "deutsche Renaissance", eine "konservative Revolution" oder ggf. einen "Vierten Weg" anstoßen, ohne zu Wissen wer dessen Gegner sind und über welche MIttel sie verfügen und welche Ziele sie verfolgen? Welche Strategien gegen diese Zerstörer dessen, wofür die Sezession ganz im Allgemeinen steht, können überhaupt nur wirksam sein?

Dieser Analyse der inneren Verhältnisse der Machteliten Rußlands, der USA und Chinas, deren Antriebskräfte und den Wirkmechanismen , den wirtschaftlichen und den außenpolitischen und militärischen Zusammenhängen ist man auf der Rechten in den USA deutlich nähergekommen und auf der "neuen Linken" in Deutschland um die Zeitschrift "Compact" und Herrn Elsässer.

Geehrter Herr Bosselmann, auch hier sollte es nicht um Prinzipien gehen oder um objektives Betrachtungen. Wer will auf welchem Wege seine Machtposition stärken, wessen Machtpositionen sollen geschwächt werden? Ist das zu profan?
Und auf schön fremdländisch: "What are our stakes in it?" Our? Der Deutschen? Der Rechten? Wer ist das eigentlich?

Ja, mir sind die Hohenzollern lieber als die Welfen, diese sind mir lieber als die Staufer, diese überragen die Habsburger um Längen! Ist das naiv? Ja! Und nochmals ja! Es ist lächerlich naiv!
Denn hat irgendeine dieser Familien jemals etwas anderes betrieben als kalte egoistische Hauspolitik wie die Habsburger? Nein. Nur klüger oder weniger klug als jene. Es ist die Klugheit, in denen sie sich unterscheiden und die mich zu den einen oder anderen aufschauen läßt. Also die Vorbildhaftigkeit. Aber nicht in bezug auf Deutschland, Preußen oder das Hl.Röm.Reich., sondern auf die Klugheit, mit der sie ihre jeweilige Hauspolitik betreiben.

Also welche Interessenlage verbindet Sie, mich, uns?, mit Syrien. DAS ist die Frage, anhand derer man die Sachlage zu analysieren hat. Nicht objektiv im luftleeren Raum. Die gutachterliche Frage gibt den naturgemäßen Unsicherheiten in der Analyse einen Drall, die Tendenz zur Annahme eine worst case, den es beim objektiven Betrachten nicht gibt. Und jedes Einzelinteresse steht in bedeutsamer oder unbedeutsamer Relation zu den Interessen anderer Gruppen.

Das alles bleibt ein Geistesgefecht gegen Windmühlen, weil es blutleer, sprich interessenleer ist. Sind wir deutschen tatsächlich solche Hansguckindielüfte, daß es nur zu einem einzigen Bismarck gereicht hat. (Nun auch andere, wie Tirpitz, haben klar gesehen, hatten aber nicht den starken Charakter eines Bismarck um sich durchzusetzen.) - Ich befürchte: ja.

Karl Eduard
18. September 2013 11:50

Im Irak hat es doch auch so begonnen. Immer mit kleinen Schritten und kleinen Forderungen, in der Hoffnung, irgendwann mit deren Erfüllung den Westen zufrieden zustellen. Der ist aber nimmersatt. Und da Putin alles ist, nur nicht doof, weiß der das auch.

Heinrich Brück
18. September 2013 12:43

Israel ist ein kleines Land, zu klein um langfristig überleben zu
können. Dieses Land muß wachsen, die Frage lautet nur: Wie?
Einmarschieren, Land annektieren? Geht nicht, zu groß die
internationalen Widerstände.
Die Demographie spielt immer eine Rolle, auch der demographische
Druck der verschiedenen Gruppen, von innen wie von außen.
Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen; Notwehr kann nicht
geächtet werden.
Also muß das nahöstliche Schachbrett verändert werden,
zugunsten Israels.
Ob der Plan meiner Unterstellung (Spekulation) aufgeht, eine
andere Frage, aber wenn Schwachköpfe an die Macht kommen
häufen sich die Fehler beträchtlich.
Eine Regierung hat die Pflicht ihr Volk zu schützen, auch die
israelische.

ene
18. September 2013 14:43

@ Meyer

Zu ihrem Beitrag fällt mir ein Wort einer französischen Dozentin aus meiner Studienzeit ein:
"In Deutschland geht es immer um Glaubenskriege".

Dies schien ihr typisch für die deutsche Wirklichkeitserfahrung.
Ich denke oft daran.

Hartwig
18. September 2013 15:20

@ Meyer

Ein neuer Bismarck? Was könnte der jetzt machen? Dem Westen mit einer Neigung zu Russland drohen, um Zugeständnisse zu erlangen? Z.B. dem Zugeständnis, eigene Kernwaffen zu besitzen?
In unserer Mittellage sich nicht zerreiben zu lassen, das ist eine Staatskunst, die momentan nicht in Sicht ist.

Und was den jetzt umjubelten Putin betrifft: Er versucht lediglich die Flammen einzudämmen, die der Westen mit dem "arabischen Frühling" entfacht hat. Es ist ein Abwehrkampf aus der Defensive heraus.
Die einzige dem Westen gegenüberstehende Macht in der Offensive sind die Chinesen, aber auch nur, weil sie bislang nicht nennenswert die Anstrengung aufbringen müssen, erobertes Terrain verteidigen zu müssen, sondern immer noch aus einer Art Ausgangslage heraus expandieren.

Und über all dem steht sowieso die Frage, inwieweit diese Gegnerschaften vielleicht nur vorgetäuschte sind und die nationale (deutsche) Interessenpolitik schon im Ansatz plattgemacht werden würde, in trauter Eintracht.

Meyer
18. September 2013 16:16

@ ene: Nächste Befürchtung: Diese Betrachtungsart der Welt als Glauben macht uns Deutsche zu guten Kriegern, zu guten Produzenten, zu guten Wissenschaftlern, sogar zu guten Taktikern. Es zählt die Sache an sich, nicht der egoistische Grund.
Aber wir zählen zu den unfähigsten Strategen dieser Welt. Die abgezocktesten Typen dieser Welt, die man nicht hinters Licht führen kann, weil sie das von vorne herein so einkalkulieren, nein: weil sie selbst vom Wesen so sind, wären noch nicht einmal in der Lage, ein Kettcar zu produzieren, gewiß keinen Audi RS4. Denn sie schätzen die Sache an sich nicht.

Aber die beste Kriegskunst. Die besten Produkte nützten wenig, wenn sie hirnrissig verwendet werden.

Die Amerikaner produzieren nur Dreck und den auch noch ineffizient. Aber der Reichtum dieser Welt wird in New York akkumuliert. Mit ein paar Fallenstellertricks und jede Menge Flugzeugträgern.
Die Deutschen bauen Produkte, welche die Welt benötigt, aber fallen im Durchschnittseinkommen unter den EU-Durchschnitt. Und wundern sich? - Während dessen lassen die Abgezockten die Korken knallen und Hans-Gerd versteht nicht weshalb der Wurm drin ist. Aber drin "isser", der Wurm. Das weiß Hans-Gerd genauso wie Jörg-Simon.

Der Wurm sitzt im Gehirn annähernd eines jeden. Es handelt sich um diese Naivität gepaart mit dem objektiven Geist gepaart mit einer alles durchziehenden glaubenskriegerischen Art. Und wir wundern uns? Die Welt wundert sich über uns. Und bestellt nochmal 'ne Runde Kaviar nach. Die Deutschen zahlen!

Meyer
18. September 2013 17:27

@ Hartwig: Es ging mir um die Art des Verstehens, um den methodischen Zugang zur Sache.

Es beginnt mit der Definition der eigenen Bezugsgruppe. Dann mit der Bestimmung der eigenen Interessen. Dann folgt die Aufklärung über alle diejenigen Subjekte und deren Interessen, die mit den eigenen in einem entscheidenden Bezug stehen. Rußland? USA? China? Syrien? "BRD"? Sind das überhaupt Subjekte? Handelt es sich bei Staaten nicht vielmehr um reine Mittel, mit denen Interessengruppen ihre Interessen durchsetzen? Schon immer?
WEN INTERESSIERT SYRIEN?

Und um Mißverständnisse zu vermeiden, ein Hinweis: Mit "Interessengruppe" meine ich sicher nicht etwa eine "Vereinigung der amerikanischer Rüstungsindustrie", oder "Industrielle". Die Staufer sind ausgestorben, die Hohenzollern irrelevant. Aber es gibt moderne Dynastien mit einer Machtfülle, die kein Monarch jemals besaß.

Diejenigen, die von ihren Anlagen her strategisches Grundverständnis besitzen oder es mühsam erworben haben, finden sie nicht in der Politik, sondern in den Analyseabteilungen, Vorständen oder Aufsichtsräten großer Unternehmen. Politik. Das sind doch überwiegend lachhafte Witzfiguren. Putin und ganz China mal ausgenommen. Haben Sie den Eindruck, ein Obama oder ein Hollande besäße ein Eigeninteresse an seinen Entscheidungen? Gaben Sie den Eindruck es gäbe kein Eigeninteresse an den Entscheidungen eines Obama?

Was ist eigentlich Ihr Eigeninteresse?

Cicero
18. September 2013 17:39

@ Meyer

So isses, Sie haben das deutsche Wesen mal locker auf den Punkt gebracht.

Ein weiteres Beispiel:
Neulich am Wahlkampfstand der AfD. Homosexuelles Pärchen Mitte Dreissig kommt vorbei: "Seid Ihr Rechtsradikale?", fragt einer. Ich lache, ui, ui, ui...
"Doch, doch", sagt er ganz aufgeregt, hier in Eurem Flyer steht es ja: Keine ungeordnete Einwanderung in unsere Sozialsysteme, sondern Einwanderung nach Qualifikation." Ich staune: "Und was soll daran rechtsradikal sein?"
Er: "Deutschland ist ein so reiches Land. Wir beuten die ganze Dritte Welt aus. Und jetzt kommen diese armen traumatisierten Menschen zu uns und Ihr wollt sie zurückweisen. Das ist rechtsradikal! Wir sollten so viele wie möglich bei uns aufnehmen." Tritt ab mit ein paar Verwünschungen. Ich bleibe staunend zurück.

Dieses und viele weitere Erlebnisse und Beobachtungen, die ich zuvor schon gemacht habe, ließen mich zu der Überzeugung kommen, dass reine Darlegung der Fakten und Versuche, die Menschen vorwiegend intellektuell überzeugen zu wollen, zum Scheitern verurteilt sind. Wenn wir eine breite Wirkung erzielen wollen, müssen wir den Menschen vor allem etwas geben, woran sie glauben können und wodurch sie sich gut fühlen.

Strategische Analyse der (internationalen) Realpolitik ist einfach nicht das Feld der Sezession. Hervorragende Analysen - besser noch als bei Jürgen Elsässers Compact (der im Laufe der Zeit ja eine erstaunliche Wandlung durchgemacht hat) - finden sie bei den Linken Pepe Escobar (Asia Times (englisch), www.larsschall.com) und Thierry Messan (https://www.voltairenet.org), letzteres vorwiegend auf französisch und englisch.

Stevanovic
18. September 2013 18:32

Es ist sehr schwierig, über solche Konflikte zu sprechen und dabei nicht als Zaungast zu erscheinen, der lediglich Haltungsnoten verteilt. Jede Interpretation des Geschehens klingt an sich schlüssig, lediglich abhängig von den Informationsquellen, die man bevorzugt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, je mehr man glaubt, einen solchen Konflikt zu verstehen, sich doch als Unwissender zeigt. Wir wissen nicht, was wirklich geschieht, wir bleiben hier nur Zaungäste.

Der Krieg hat einen Grad an Verrohung erreicht, dass ich nicht weiß, mit welcher Seite ich sympathisieren soll. In dem Stadium sind Motive egal. Deswegen hätte ich mich über eine amerikanische Intervention gefreut, weil das, was wir jetzt sehen, in niemandes Interesse liegt. Ich führe das hier nicht aus, stelle einfach nur die Behauptung auf, dass es keine Rolle mehr spielt, wer warum und was angefangen hat. Der Krieg ist zum Selbstläufer geworden, der von innen weder zu gewinnen noch zu verlieren ist. Weder der einen noch der anderen Seite ist Sieg oder Niederlage zu wünschen.
Wer könnte den Krieg von außen beenden? Letztlich nur die USA. Und nur in Kooperation mit Russland und China. Der Iran wäre wünschenswert, hängt aber von Letztgenannten genug ab, um sich einem Ergebnis zu beugen. Soll eine Seite nicht gewinnen, muss Syrien geteilt werden. Syrien würde als Spieler im Great Game ausscheiden; das würde den Menschen aber Ruhe in einer Nische des Weltgeschehens geben. Nach über 100.000 Toten und Millionen Vertriebenen fällt es mit schwer, mir etwas anderes zu wünschen. Giftgas ist als Grund anhand der Zahlen lächerlich. Zumal nach zwei Jahren Bürgerkrieg schwer von Befehlsketten gesprochen werden kann. Entweder man will diesen Krieg beenden oder nicht. Leider hat Obama entschieden, erst noch weiter auf Zeit zu spielen. Leider machen die Russen kein Angebot über den Endstatus. Darüber sollten die kriegsmüden Amerikaner mit den legalistischen Russen sprechen. Alles andere ist Heuchelei, in Kalter-Krieg-Manier. Beiderseitig. Zwei alte müde Skorpione in einem Glas.

Die Israelis haben Al-Qaida vor der Tür, die Amerikaner haben keinen Frühling gebracht, Golfmonarchen haben sich überhoben, Iran als Großmacht nur in Quengel-Position, Russland kann Verbündete nicht schützen, China will nur Ruhe, Assad kann über ganz Syrien nicht mehr herrschen, die Rebellen sollen es gar nicht. Wer sieht hier Gewinner, ohne in die übelste „Ich sehe was, was du nicht siehst“-Kiste zu greifen?
Deswegen schätze ich den Beitrag von Herrn Bosselmann sehr. Er vergibt als Zaungast Haltungsnoten, die vollkommen ohne doppelten Boden und Weihe in gnostischen Zirkeln auskommen. Ich bin für ein amerikanisches Eingreifen, würde aber den Amerikanern die gleichen Haltungsnoten geben. Wer glaubt, dass Twitter-Studenten gegen eine profesionelle Armee antreten können, schnüffelt Kleber. Der beste Moment geht an Putin: Kerry lügt. Alles richtig, nur in dem Stadium egal.

Obama hat sich für ein Gezerre mit Russland entschieden, deren Ende wir alle kennen: keine Einigung. Entweder Obama schlägt jetzt zu oder er redet mit den Russen über eine reale Lösung. Da er beides nicht tut, zeigt er nur eins: erbärmliche Führungsschwäche.

Couperinist
18. September 2013 19:12

Eben, weil wir Deutsche Glaubenskrieger sind und vom Protestantismus bis zum Marxismus (und dieser anderen Ideologie) die neuzeitlichen Welterklärungsmodelle weitgehend von hier stammen, können wir das Syrien-Tohowabohu wahrscheinlich am allerwenigsten einordnen. Die zynische Politik liegt uns nicht so wie den Angelsachsen mit ihrer Krämerseele und jahrhundertealten Imperialgeschichte. Wir suchen nach der richtigen Seite in diesem Konflikts, nach den Guten.

Tatsache ist aber, daß dort anscheinend alle Parteien Halsabschneider sind. Die Dynamik dahinter ist wohl am ehesten der youth bulge. Zu Verhandlungen wird es realistischerweise wohl erst dann kommen, wenn sich die dritten und vierten Söhne soweit "neutralisiert" haben, bis es wieder genügend Positionen gibt, die den Griff zur Waffe zur subsidiären Option werden lassen. Und die ausländischen Salafisten tot, wieder abgezogen sind.

Hartwig
18. September 2013 20:11

@ Meyer

"Was ist eigentlich Ihr Eigeninteresse?"

Was wollen sie jetzt lesen?
Im Kontext, kurz: In einem stolzen Land leben zu können. Mit den Meinen Deutsch zu sein, unter Deutschen. Zitat, von wem auch immer: "Heimat ist dort, wo ich mich nicht erklären muss." Trifft es ganz gut. Das habe ich nur in Deutschland, und auch da nicht überall.

Verzeihung an Herrn Bosselmann. Das ist jetzt fernst von Ihrem Thema ....

Meyer
18. September 2013 20:23

Bismarck: "Der ganze Balkan ist nicht einen Tropfen Blutes eines deutschen Grenadiers wert." - Der Sieg über Dänemark, Frankreich und Habsburg sogar das Blut Zehntausender. Das ist die kühle Art des Rechnens.

Eine gegensätzliche Art besitzt, wessen innigster Wunsch es ist, daß den Syrern ein Frieden gegeben würde, in einer Nische des Weltgeschehens. Ich würde liebend gerne mal eine neurologische MRT-Untersuchung der gerade durchbluteten Hirnareale sehen wollen, um meine Vermutung bestätigt zu erhalten, daß bei dem einen eher der links-frontale Bereich besser durchblutet ist, beim anderen eher die rechte, das Mitleidszentrum oder Gerechtigkeitszentrum.
Nicht im Besitz eines Fernsehgerätes ist somit mein Mitleidszentrum nicht sonderlich leicht zu erregen. Allerdíngs besitze ich doch noch soviel Restempathie in Kombination mit Restverstand, daß ich niemanden die Verbombung durch Bürgerkriegsbeendigungs-Marschflugkörpern wünschen kann.

Aber natürlich habe auch ich eine Sympathie zu vergeben. Ich hoffe, daß derjenige größtmöglichen Schaden erleidet, der deutschen substantiellen Interessen am wirkungsvollsten gegenüber steht. Das scheint in einem ersten Anlauf gelungen.

Daß eine Handvoll Taliban noch die stärkste Weltmacht aller Zeiten aus ihrem Land wird vertreiben können, läßt diese Welt spannnend bleiben. Und damit lebenswert!

Guten Abend!

Stevanovic
19. September 2013 11:15

100.000 tote Syrer bringen in Seattle nicht mal einen Doppel-Cheeseburger zum Wackeln. Genauso wie 100.000 tote Afghanen im Grunde egal sind. Die USA wurden nicht vertrieben, sie haben schlicht die Lust verloren. Genauso die Legende einer russischen Niederlage – die wurden nicht geschlagen, die waren schlicht pleite, aber nicht wegen Afghanistan. Ebenso wurden die Franzosen in Algerien nicht besiegt und die Amis haben auch nicht Vietnam verloren – überlegene Großmächte verlieren die Lust, aber keine Kriege.

Als ein paar arabische Guerilleros den größten Militärhaushalt, den größten Geheimdienst und die größte Feuerkraft, die dieser Planet je gesehen hat, vorführten – nicht mal da war das ein Schlag gegen die USA.

Als Walmart seine Einkaufstrategie änderte und das Bruttosozialprodukt Südeuropas in China auszugeben begann und damit die US-Konsumgüterindustrie vernichtete – das war ein Schlag gegen die USA. Als die Schwellenländer lernten, was lean production und just in time bedeutet, als die Ausgaben für staatliche Schulen in den USA gekürzt wurden und immer mehr des knappen Nachwuchses die Schulen als funktionale Analphabeten verließen, als der Rohstoff Baumwolle aus den USA, das Produkt Jeans aber aus Bangladesch kommt– das war ein Schläge gegen die USA.

Die Syrer, die jetzt sterben, sterben einen sinnlosen Tod. Das mag etwas Balsam für die Seele von gedemütigten Wohlstandsvasallen sein, wünschen kann ich es den Menschen dort nicht und Freude kommt erst recht nicht auf.

Meyer
19. September 2013 11:48

Ein verlorenes Syrien hätte aber Putin und den Iran zum Wackeln gebracht. Und die "Neocons", oder sprechen wir es deutlicher aus, die Zionisten, haben erstmals seit Jahrzehnten die Grenzen ihres Einflusses erfahren. Und 100.000 Tote bringen auch meine Erbsensuppe nicht zum wackeln - ohne daß mich das freuen würde.

Gehen Sie von folgendem aus: Wenn Sie dasselbe fordern, wie ein Daniel Cohn-Bendit, irren Sie sich entweder darin oder im Besuch dieser Ecke des Internets. Hier vermute ich als Minimalkonsens, daß man ein selbstbestimmtes, souveränes Deutschland anstrebt. (Sonst wäre ich hier falsch!)

Herrn Bosselmann werfe ich den deutschen objektiven Geist vor. Ihnen sogar noch naives Gutmenschentum dazu, wenn Sie das ehrlich meinen.
Wenn diejenigen, die seit über hundert Jahren erklärte Gegner eines deutschen souveränen Volkes sind, eine Niederlage erleiden, also ihre Ziele nicht erreichen, also einen Machtgewinn nicht erlangen, vielleicht sogar einen Verlust, dann ist das für diejenigen gut, die einen souveränen deutschen Staat wünschen. Ich werte das sogar als Indiz für ihre schwindende Macht, mit der USA zu Verfahren, wie es ihnen beliebt, wie sie es die letzten hundert Jahre geschafft haben.

Sie wünschen kein souveränes Deutschland oder irren sich. In Ihrem Wertesystem stehen Menschenleben höher, als den Gegnern Deutschlands Schaden zuzufügen. Das ist zwar nett, wenn es denn wahr ist, aber ziemlich weltfremd. Jeder Krieg ist die Negation ihres Denkens. Kriege werden in Psyche gewonnen oder verloren.
Das beste ist: Ihre Wünsche und Hoffnungen sind völlig inhaltsleer, weil Sie nicht den kleinsten Einfluß besitzen. Das bin ich auch, freue mich aber über den empfinlichen Nasenstüber, den die Dauergegner Deutschlands erhalten haben.

Allerdings vermute ich bei niemanden, der zufälllig die Position eines Cohn-Bendit teilt, daß er seine Motivation aufdeckt.

Die angesprochenen Rückzüge sind leicht zu erklären. Die Kampfkraft der Amerikaner in Vietnam entsprach etwa einem Hundertstel eines Deutschen zwischen '39 und Ende '44. Alle angesprochenen Kriege sind beendet worden, weil sie a) nicht zu gewinnen waren und b) das Halten der Machtposition wirtschaftlich oder innenpolitisch nicht mehr tragbar wurde. So enden die meisten Kriege. Das ist das erklärte Ziel des asymetrischen Vorgehens, bspw. auch der "Partisanen" im WK2.
Sie rekurieren, offensichtlich ohne größere Kenntnisse auf diesem Gebiet, alleine auf den Krieg als Vernichtungskrieg. Die Mehrheit aller Kriege waren aber Zermürbungskriege, die nicht auf die Vernichtung der objektive Kriegsführungsfähigkeiten des Gegeners abzielen, sondern auf seine Willensbildung.

Stevanovic
19. September 2013 12:55

Ihnen sogar noch naives Gutmenschentum dazu, wenn Sie das ehrlich meinen.

Meine ich ehrlich, muss ich mit leben.

Anderes Beispiel, vielleicht griffiger:

https://de.wikipedia.org/wiki/Attacke_der_Leichten_Brigade

Der Franzose hatte Recht:
„Das ist großartig, aber Krieg ist das nicht, es ist Wahnsinn.“

Die einen wollen tapfer sein, die anderen wollen Kriege gewinnen. Krieg kostet Menschenleben, schon klar – aber erst, wenn sie Menschenleben achten, beginnen Krieger zu denken und damit Kriege zu gewinnen.

Ein Kommandeur, der seine Soldaten und Zivilisten sinnlos verheizt, gehört an die Wand. Mut ist kein Ersatz für Inteligenz.

In Ihrem Wertesystem stehen Menschenleben höher, als den Gegnern Deutschlands Schaden zuzufügen.

Das mag sein, darum geht es hier aber nicht. Wo der Schaden für die Gegner Deutschlands liegen soll, sehe ich hier nicht – das ist der Punkt.

PS: Die Partisanen waren mutig, aber leider an keiner Front kriegsentscheidend. Aber das ist schon wieder eine andere Baustelle.

Meyer
19. September 2013 15:54

Da Sie es ehrlich meinen, werden Sie mich auch nicht verstehen.

(Nur noch soviel am Rande: Ein "Partisan", der sich hinter oder unter ansonsten unbeteiligten Zivilisten versteckt, gehört an die Wand. - Und zwar gestellt von den Zivilisten. Wenn die Zivilisten das Verstecken dulden, haben sie jeglichen moralischen Anspruch auf Rücksicht verloren. Sie machen sich durch Duldung zur Partei, wie einst Norwegen.)

Ich lasse es dabei bewenden. Ich habe nicht geglaubt, mit einer Handvoll Zeilen den deutschen Charakter zu ändern. Das ist sowenig möglich, wie die Änderung der Zugehörigkeit zur eigenen Haplogruppe.
Sehen Sie, ich empfinde heute noch klammheimliche Freude, wenn ich über das britische militärische Unvermögen bei möglichst hohem britischen Schaden lese.

Karl
19. September 2013 22:03

@ Stevanovic

Feinste Rabulistik auf Ostküsten-Niveau! Wird man dafür gut bezahlt? Oder ist es eher ein inneres Bedürfnis, ins eigene Nest zu machen? Gar guten Gewissens ins fremde Nest?

Partisanen als mutig zu bezeichnen, das spricht wohl eher für fremdes Nest, da es deutsche Partisanen nicht gegeben hat. Und das eingefügte "leider
nicht kriegsentscheidend" sagt eigentlich alles.

Da Sie es also mit feigen und gesetzlosen Heckenschützen und Mördern halten, verstehe ich auch Ihre Haltung zu Syrien. Das gleiche Pack dort!

Und dem muss man doch helfen! Dabei wissen Sie doch ganz genau, wer das dort alles angezettelt hat. Immer das gleiche Spiel. Nur klappt es diesmal nicht gleich auf Anhieb.

Irgendwer sabotiert die kleinmützigen USA-Lenker. Und das ist gut so!

Stevanovic
20. September 2013 10:43

Diese Freude möchte ich Ihnen auch nicht nehmen. Das Gefühl der Schadenfreude aus revanchistischen Motiven ist nichts Schlechtes. Eine Fußball EM ist Völkerball, darum liebe ich sie. Etwas Raum, um das Innere nach außen zu kehren. Heißblütig. Auch ich beobachte das Great Game als Zaungast und habe meine Sympathien. Nur, was keinen Sinn macht, macht keinen Sinn.

Wenn die Zivilisten das Verstecken dulden, haben sie jeglichen moralischen Anspruch auf Rücksicht verloren.

Das mag vom Grundsatz richtig sein. Was aber, wenn sie genau deswegen Partisanen produzieren? Ich komme aus einer Partisanenfamilie, kenne mich mit der Motivation mit dem Gewehr in den Wald zu gehen und alles aufs Spiel zu setzen, ganz gut aus. Ich bin mit den Geschichten aufgewachsen. Im Grunde hat Patriotismus nur einige Partisan hervorgebracht. Schneidige, rucksichtlose Wehrmachtsoffiziere aber unzählige. Sie handelten von mir aus mit Recht, aber handeln sie auch weise? Wie sollte Führung aussehen? Rechthaberisch oder weise? Führung erfordert Grundsätze die wehtun. Selbstkontrolle. Sich zurücknehmen, auch wenn das Gefühl des heiligen Zorns und die Gewissheit des Rechts einem die Brust zerreißt. Manchmal Mitleid, selbst wenn man Mitleid nicht empfindet. Manchmal Rücksichtlosigkeit, selbst bei größtem Mitleid. Beides ist kein Selbstzweck. Vor allem steht Weisheit. Dummheit ist nicht zu verzeihen, selbst wenn sie legalistisch Recht hat. Das verstehe ich als den Kern des 20. Juli. Sie nicht?

Meyer
20. September 2013 14:13

Um zu illustrieren, was ich unter subjektiver Herangehensweise verstehe, führe ich doch noch das folgende Beispiel an.

Stalin ist mit Deutschland einen Pakt eingegangen, hat zuvor viele verräterische Elemente aus den Ministerien und der Armee entfernt, hat gleichzeitig die Armee mit amerikanischer Hilfe auf ein massenweise hohes Rüstungsniveau gebracht und gen Westen gegen seinen Paktpartner offensiv ausgerichtet. Hat sich von Amerika weiter industrialisieren lassen um danach sich halb Europa unter den Nagel zu reißen. Glückwunsch. So geht das! - Aus Sicht Stalins natürlich.

Aus unserer Sicht? Da fangen dann alle möglichen Leute an, Stalin für dies und jenes zu kritisieren. Mord, Vergewaltigung, Vertreibung. Wen interessiert das eigentlich? Außer den Ermordeten und Vergewaltigten natürlich. Aber wem können diese denn Vorwürfe machen? Stalin? Lächerlich. Der hat folgerichtig gehandelt. Ihrem jeweiligen Staat, weil er sie nicht geschützt hat? Quatsch. Wie hätte er es anstellen sollen? Nein. Sich selbst haben sie Vorwürfe zu machen. Sie haben aus ihrer Position heraus nicht folgerichtig, sondern falsch gedacht und gehandelt. Wahrscheinlich haben sie überhaupt nicht aus ihrer Position heraus gedacht, sondern objektiv. Und dann überrollt einen halt die russische Armee ganz plötzlich und unerwartet.

Natürlich habe ich Mitleid. Aber Mitleid nützt niemanden etwas. Wer nicht selbst denkt, für den denken andere, wer selbst nicht gestaltet, für den gestalten andere.

Stevanovic
20. September 2013 15:37

Sie nehmen eine Position ein, die ich so eher von nihilistischen Anarchisten kenne. Führung bedeutet für mich Verantwortung gegenüber den zu Führenden. Ob als Staat, Armee, Besatzer oder Lehrer. Ansonsten ist es Despotismus, und ja: Nicht anderes war Stalinismus. Despotie im sozialistischen Gewand. Ein Staat, dem ich als Bürger nicht vertrauen kann, ist eine Horde.

Deswegen habe ich das Recht, dass mein Staat für mich da ist und durch mich lebt:
„Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.“

Klingt doch nicht schlecht. Schließt auch Opfer nicht aus. Das schließt aber für mich Hasardeure als legitime Führer aus (allgemein gesprochen). Deswegen ist nicht jeder, der gegen meinen Feind anstürmt ein Held oder auf meiner Seite. Ob also in Syrien jemand meine Sympathie bekommt, hängt auch von seiner Haltung ab, nicht nur von seinem Lager. Wenn Assad seine Position nicht überall halten kann, sollte er sie räumen, statt sinnlos Anvertraute zu verheizen. Und wenn die US den Krieg beenden können und damit Alawiten und Christen sicherer werden, dann macht das mehr Sinn, als sie unter Assads Fahne zu opfern. Das sehen die Russen dort nicht anders.

Natürlich habe ich Mitleid. Aber Mitleid nützt niemanden etwas.

Da haben Sie Recht. Wir parlieren ja nur etwas. Das unterhält uns beide, bewegt die Welt aber kein Stück.

Stevanovic
20. September 2013 15:40

@Karl


Oder ist es eher ein inneres Bedürfnis, ins eigene Nest zu machen? Gar guten Gewissens ins fremde Nest?

Was wahr ist, muss wahr bleiben. Und dafür mache ich es Ihnen in jedes Nest.

Meyer
20. September 2013 16:44

Als den Kern des 20. Juli sehe ich? Vollidioten. Ich empfinde für keine der Personen aus dem Kreis Sympathie, sondern sie ekeln mich in ihrer Selbstgerechtigkeit einerseits und Weinerlichkeit anderseits geradezu an; deren Gedanken entsprechen in etwa denen der Sozialdemokraten 1917: "Das System ist erpressbar, nutzen wir es aus." Letztendlich: Keine Helden, keine Vorbilder. Strafrechtlich und moralisch betrachtet: Mörder. Politisch betrachtet: Entweder Vollidioten oder Verräter. Ich vermute wie immer: Eine Mischung aus beidem. Wo kamen noch gleich die Zünder her?

Im Übrigen teile ich Ihre Einschätzung einer im egoistischen Sinne erfolgreichen Führung und Ihre Bezeichnung dafür: Weisheit. Weisheit ist nichts anderes als eine langfristige Erfolgsorientierung unter Berücksichtung der Naturen der verschiedensten Menschen als Hauptleitlinie.
Aber ein Verzicht auf eigene existenzielle Interessen um (vermeintlich) allgemeines (vermeintliches) Wohl zu kreieren ist nicht weise, sondern die letzte Zündstufe der Dekadenz. (Bis heute bewerte ich die Berliner Konferenz so. Sollte diese Bewertung zureffen: Der einzige, aber folgenschwere Fehler in Bismarcks Außenpolitik.)
Wenn Sie also unter Weisheit verstünden, daß unter verschiedenen Parteien Frieden zu stiften sei, anstatt Gegensätze zu fördern, so kann ich nur den Kopf schütteln.
Großbritannien ist Jahrhunderte mit dem exakten Gegenteil erfolgreich gewesen. Mit Aufgabe dieser Prinzipien haben sie ihr Weltreich vor der Zeit verloren.

Die City of London hat sich den größer gewordenen Geschwistern an der Ostküste untergeordnet. Von Außen sieht es so aus, als ob das VK ein Bundesland der Amerikaner geworden wäre. Amerikas Kriegsmacht und der mittelbare Einfluß, der aus dieser Kriegsmacht entspringt, läßt alle anderen westeuropäischen Staaten freiwillig gehorchen. Nicht zuletzt wegen den jeweiligen fünften Kolonnen, die sich in jedem Land finden lassen.

Assad erscheint mir als der Gegner meiner Gegner. Der Rest erschließt daraus von selbst. Ich hoffe nicht an sich, daß der Krieg lange andauert, sondern, daß die richtige Partei möglichst große Gewinne verzeichnet.
Im Übrigen gehe ich davon aus, daß die existenziellen Gegner Deutschlands nur noch um ihre Existenz kämpfen und im Rückwärtsgang befindlich sind. Wären die Menschen so intelligent, die Auswirkungen des Zinseszinses zu begreifen, und dabei so tatkräftig, sich das nicht gefallen zu lassen, würden wir in einer anderen Welt leben. Tatsächlich leben wir in einer Welt voll dämlicher und ängstlicher Hühner.

Und diese Konstante menschlichen Seins auszublenden, scheint nicht sonderlich weise.

Heino Bosselmann
21. September 2013 09:32

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