Sezession
23. September 2013

Weiter bei Mutti

Gastbeitrag / 63 Kommentare

Merkel1von Heino Bosselmann

Demokratie ist Herrschaft des satten Mittelmaßes. Darin liegt ihre Stärke, solange sie Versorgung garantiert. Insofern kann sie gleichfalls als Politik gewordener Utilitarismus der Konsumenten und Besitzstandswahrer gelten. Konservativ – im Wortsinn – ist das durchaus, aber große Ideen hat solch ein Prinzip nicht nötig. Krisenmanagement und Sicherstellungen reichen aus.

Angela Merkel hat offenbar recht. Deutschland geht es gut, es steht bombastisch da. Zieht man die ca. 25 Prozent Nichtwähler und die Salonprotestler der Linken ab, sind die Menschen zufrieden. Positiv angeschaut kann man das als Anzeichen von Stabilität mitten in all den Krisen deuten, kritisch dafür, daß Deutschland die politische Krähwinkel-Nation bleibt, die es in der Mitte Europas – abgesehen von wenigen, dafür aber extrem radikalen Phasen - immer wahr. Mindestens die CDU-Gartenzwerge bekommen morgens den Hintern hoch und gehen gleich den Rentnern von der Linken zur Wahl.

Dem Spitzenkandidaten der SPD eignete durchaus eine markante Persönlichkeit, geschärft um ein paar Atavismen und ausgezeichnet durch rhetorische Fähigkeiten. Man konnte ihm die Botschaft der letzten Wochen abnehmen. Kein Leisegeiger, kein Täuscher, nicht nur Rampensau. Vielleicht war er gar der einzig kantige Typ in diesem Wahlkampf, aber gerade das, Typik!, gefällt den Leuten nicht. Mag sogar sein, den Leuten ist einer, der Sätze bilden kann, immer verdächtig. Gysi bildet ja auch Sätze, nur seit Jahren dieselben, so daß sich seine Dauer-Pointen, seine akkumulierten Zahlenbeispiele und sein "Ja, wo leben wir denn?!" verbrauchten. – Wendestimmung? Die letzte relative Kehre vollzog Gerhard Schröder mit seiner Agenda-Politik, der Deutschland tatsächlich die wirtschaftliche Fitneß im Vergleich zu anderen verdankt. Dafür wurde er abgewählt.

Angela Merkel – das Phänomen! Sie erscheint in Rede und Aktion so angenehm nullig und ist von so farblosen Effendis umgeben, daß ihre Partei in all der faden PH-Neutralität offenbar zum Projektionsraum aller möglichen Vorstellungen von Sicherheit, Wohlstand und Perspektive taugt. Deshalb ist wieder so erfrischt die Rede von der "Volkspartei". Eigentlich störte diese CDU der ominöse und dauerhektische Koalitionspartner nur, weil er arrogante Klientelpolitik betrieb, die an liberale Traditionen in Deutschland kaum anknüpfen konnte.

Problematischer noch: Die Führungstruppe der FDP besteht mit Rösler, Döring, Homburger u. a. mittlerweile aus so skurrilen Typen, daß die Wähler ihnen einfach nichts mehr abnehmen. Dabei verfügt Rainer Brüderle ohne Zweifel über Kompetenz, reiht sich aber in diese Karikaturenreihe ein; und Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die vielleicht letzte klassisch Liberale, ist schlau genug, sich aus dem Kabarett ihrer Parteiführung herauszuhalten und auf ihr Fach zu beschränken. Selbst der einst so vital-dreiste Westerwelle wurde längst zum zahmen Vorruheständler und darf endlich aus seinem ungeliebten Amt scheiden. Häme hat die FDP dennoch nicht verdient. Mit ihr fehlt der Republik ein politisches Segment, daß die AfD nicht zu füllen vermag. – Jetzt kommt Lindner, der geduldig genug war und den richtigen Zeitpunkt schon erspürt haben wird.

Auch bei den Grünen hängt die relative Niederlage vor allem am Personal. Was immer man von der Programmatik dieser Partei hält: Es müßte damit im Bereich des sich alternativ verstehenden Neubürgertums und  bei den Bio-Jüngern mehr zu mobilisieren sein. Aber insbesondere die Intellektuellen finden Roth, Trittin, Özdemir in deren Auftritten unangenehm bis peinlich. Nur: Wer will deren Job? Gerade die Grünen entwickelten eine so weltverbesserische Kindergeburtstags- bzw. Kirchentagsmentalität, die nachdenkliche Menschen abstößt; und sie folgen einem Menschenbild, das außerhalb der Gesamtschule der Siebziger nun mal mit der Wirklichkeit kollidiert.

Über die Linke braucht man nicht nachdenken. Sie erkennt soziale Exklusionsprozesse richtig. Wo sie aber an der Macht war und ist, kann sie diesen nicht entgegenwirken, weil sie – ganz unmarxistisch – ihren Frieden mit dem System gemacht hat und auch nur noch einkaufen möchte.

Und die AfD? An der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern ist kein Achtungserfolg, sondern eine echte Niederlage. Die euphorisierten Akademiker und Währungsrechner träumten sich vorher auf zehn Prozent. Weil sie den Wähler nicht kennen und weil der eben nicht akademisch reagiert, sondern unter Muttis Fittiche will. Über den eigenen Haushalt hinaus rechnet der Kleinbürger nun mal nicht. Er möchte seine Kredite bedienen können. Das bekommt er noch hin. Fertig.

Auch über eine politische Rechte braucht man nicht nachdenken. Diese Rechte gibt es meßbar nicht.

Was bleibt? Jetzt, da wir auf die nächste Große Koalition warten, könnte immerhin tatsächlich Wendestimmung einsetzen. Denn wo wäre noch Opposition möglich? Nicht in der fleischigen Mitte, sondern nur noch von außen, aus den subversiven Nischen, aus der Kultur, aus dem radikalen Intellektualismus. Alle anderen sind nämlich versorgt. Und unter sich warm untergebracht.

(Bildnachweis: Abode of Chaos)


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Kommentare (63)

Karl Eduard
23. September 2013 10:20

Leider hat der Autor außer acht gelassen, daß Deutschland dauersediert ist. Also unter Drogen steht.

Martin
23. September 2013 10:23

Für die CDU/CSU kann dieser Sieg noch zum Pyrrhussieg werden, angesichts der engen Verhältnisse im BT und der rot-grünen Mehrheit im BR.

Für die AfD vermute ich, dass sie nun das Auffangboot für FDP-ler und Piraten werden wird (gegen die man sich ja nicht abgrenzt) und damit sich personell und inhaltlich verändern wird.

All jene, die in der AfD einen Hoffnungsträger für konservative und rechte Anschauungen gesehen haben und gedacht haben, Hauptsache über 5% und dann werden auch die konservativ-rechten Themen mit nach oben gebracht werden, dürften nun sehr ernüchtert sein. Dafür sehe ich jetzt keine Zukunft mehr.

Silver Surfer
23. September 2013 10:49

Oh je, die Ewig-Lamentierer sind wieder am Werk: Die AfD ist nicht dies und nicht das und überhaupt müsste man und hätte man ...

Ja, das einzige, was man gestern hätte müssen, wäre gewesen, seinen verdammten A ... aus dem Bürosessel zu bekommen und die AfD zu wählen. Dann wäre die erste dezidiert nicht-linke Kraft im Parlament, diese sedierte Republik in Wallung gebracht und man müsste nicht philosophieren über hätte-hätte-Fahrradkette.

Insofern: Glückwunsch, Herr Lichtmesz zu weiteren vier Jahren Stillstand, im besten Fall.

Jan
23. September 2013 10:53

Wir können parteineutrales, flächendeckendes und Zehntausende Euro teures Guerilla-Marketing betreiben, um den Kleinbürgern die Wahrheit brutal vor den Latz zu knallen.

Und auch mir ist klar geworden: Ich kenne die Bürger noch zu wenig. Ich dachte wirklich, viele CDU-Wähler seien extrem unzufrieden. Ich dachte, 60 % der deutschen seien mittlerweile gegen den Euro. Das scheint allerdings nicht zu reichen.

Ich dachte, ich dachte, ich dachte – und habe doch nichts gewusst.

Wir müssen uns selbst und was wir tun, hinterfragen.

Biobrother
23. September 2013 10:58

Dann wird die SPD ja nun vermutlich als "treuer Eckart" staatstragend in die Bresche springen und sich die nächste große Koalition anbahnen, schwarz-grün halte ich eher für unwahrscheinlich, zumal Koalitionen mit Frau Merkel (Spiegel O-Ton: "die schwarze Witwe") ja erwiesenermaßen ungesund bis tödlich für jeden Koalitionspartner sind. Das Euro-Thema wird sich im Laufe der nächsten vier Jahre vermutlich irgendwie erledigen und 2017 keine große Rolle mehr spielen, dass die AfD zur Dauereinrichtung wird, ist also eher unwahrscheinlich. Schade für die liberalen Wähler, die - wenn die FDP sich nicht mehr erholen sollte - politisch heimatlos werden.

Rainer
23. September 2013 10:59

Die AFD hat nur mit Hilfe rechter Protestwähler überhaupt fast 5% erreichen können, sonst wären sie wohl nur bei 3-4% gelandet, darauf deuten die äußerst mageren Ergebnisse im 0,2%-Bereich für die Republikaner und Pro-Deutschland hin. Eigentlich hätte die AFD diese Stimmen gar nicht verdient, weil sie keinerlei Konzessionen an diese Wählergruppe gemacht haben. Der Effekt davon ist auch, das diese Kleinparteien sich davon wahrscheinlich nicht mehr erholen werden und die Aussicht auf eine echte rechtsdemokratische oder nationale Opposition auf lange Zeit vorbei ist.

Was aus der AFD werden wird? Wahrscheinlich eine Art politisch korrekter freier Wähler oder FDP 2.0, also etwas, was Deutschland absolut nicht braucht. Warum eine Person wie Merkel trotz ihrer Politik noch solche Stimmengewinne verbuchen kann, liegt außerhalb meines Verständnisses. Kein wirklich guter Tag für diejenigen, die sich eine Veränderung der Parteienlandschaft erhofft hatten.

Freidank
23. September 2013 11:03

Ich frage mich: Woher diese fast schon krampfhafte Anstrengung, das rechte Potential der AfD zu ignorieren?

Die AfD ist im Moment noch in alle Richtungen entwicklungsoffen.

In einer Rundmail heute früh hat Lucke zwar davon gesprochen, wir müßten alle Gruppen in der Partei integrieren und es dürfe nicht zu Flügelkämpfen kommen.

Aber das zeigt uns doch nur: Die Flügelkämpfe sind schon ausgebrochen!

Weshalb soll es ausgemacht sein, daß die Rechten dabei unterliegen werden?

Lucke schickt sich an, zu einer zweiten Merkel zu werden. Die AfD will er in eine zweite CDU mit etwas weniger Sozialpolitik und etwas mehr Euro-Kritik transformieren.

Aber wer sagt denn, daß ihm das gelingt? Die AfD wird entweder zu einer konservativ-kritischen Kraft oder sie wird gar nicht sein.

Nichts zu verlieren haben und schon verloren haben, das ist ein Unterschied, Herr Bosselmann!

Vulture
23. September 2013 11:10

Stimmvieh wegtreten! Zurueck an die Arbeit!

Silver Surfer
23. September 2013 11:21

Das Stimmvieh ist nur deshalb Stimmvieh, weil es sich wie Stimmvieh verhält.

Marcus Junge
23. September 2013 11:26

Silver Surfer

Angenommen die AfD wäre mit 5,0% + X dabei, was wäre da in Wallung gekommen? NICHTS! Schauen Sie sich an, wie sehr Meck-Pom, Sachsen-Anhalt oder Sachsen in Wallung sind/waren, wenn die NPD da im Landtag war/ist und was dann alles "anders" war/ist/sein wird. Außer mehr "Kampf gegen das Recht", tut/tat sich da exakt NULL. Und ausgerechnet eine AfD soll dann den Buntentag aufmischen? Gegen die Einheitsfront von Schwarz - Rot - Grün - (Blutrot), die als SED 2.0 in solchen Fällen agieren. Da glaub ich eher an Weihnachten zu Ostern, gefeiert am 31. Februar.

Hartwig
23. September 2013 11:32

Wenngleich ich die AfD gern im Parlament gesehen hätte, ist dieses Ergebnis vielleicht nicht das Schlechteste für diese Partei. Wenn man die politischen Ziele einer anderen Euro- und Europapolitik und einer anderen Einwanderungspolitik will, dann wird man in der Spitze der AfD merken müssen, dass man sich nicht gegen eben jene abgrenzen darf, die genau auch diese Ziele haben (wenn auch gewiss in einem deutlich schärferen Maß). Wenn man das nicht merkt, dann braucht's diese Partei nicht.

Hohenstaufer
23. September 2013 11:48

An Marcus Junge:

Die wiederholten Erfolge der NPD bei Landtagswahlen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben bundespolitisch zugegebenermaßen wenig Impulse gebracht, doch hat die Partei in den Bundesländern Strukturen aufbauen können, d.h. Räumlichkeiten, Personal, Rückhalt in den ländlichen Regionen usw. Dies zeigen auch die Ergebnisse der Bundestagswahlen in Mitteldeutschland, wo die NPD trotz einer starken AfD (durchschnittlich 6 Prozent in den neuen Ländern) ein Stammwählerpotential von 3-4 Prozent aufweisen kann, das bei Landtagswahlen (2014) durchaus für erneute Siege dienen kann.

dixit
23. September 2013 11:53

Dass die „Alternative“ mit fast fünf Prozent der Wählerstimmen zur Bundestagswahl einen Achtungserfolg verbuchen kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Die „Alternative“ erwies sich objektiv, wie von einigen kritischen Stimmen schon angemerkt, als die Spalter des bürgerlichen Lagers. Ein unbestimmtes Programm, in der Analyse als wirtschaftsliberal und den Interessen der angloamerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik dienend, ließ viele drängende, heutige Fragen offen. Aber was stört das Rentiers, Beamte und Mittelständler, wenn sie um ihre Ersparnisse bangen?
Was sind jedoch die Folgen? – Die Unionsparteien verpassten knapp die absolute Mehrheit im Bundestag, die FDP scheiterte erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf- Prozent- Klausel. Dadurch sind die Christdemokraten gezwungen, sich einen Koalitionspartner zu suchen. Praktisch ist dieser mit der SPD zu finden. Man kennt und schätzt sich aus Erfahrung. Aber diese Zusammenarbeit war immer mit Stagnation in der politischen Entwicklung bis hin zur Investitionspolitik verbunden. Ins Positive gewendet, bietet sich die Möglichkeit zum Aufbau einer (vorerst) außerparlamentarischen Opposition. Ich bezweifle, dass die „Alternative“ diese Aufgaben bewältigen kann. Ihre Vorzeigerevoluzzer sind wie ihre Klientel zu alt, rückwärts gewandt und wahrscheinlich auch nicht willens, um die Zukunft zu kämpfen. Die AfD bestätigte in ihrem Wahlkampf die Ängste des älteren und pensionierten Mittelstandes. Diese halten nicht vier Jahre zur Stange, sondern werden sich nach dem (vor-) letzten Aufbäumen in ihre Refugien zurückziehen. Was wäre wenn, das lässt sich gut auf den Landsitzen in schöner deutscher Landschaft, der Toskana oder auf Mallorca bei einem Glas Rotwein im vertrauen Kreis gut bis ins Letzte diskutieren. Aber das ändert nichts! Vor allem nicht für die, welche mit ihrer Arbeit bei sinkenden Löhnen und Gehältern (Kaufkraftverlust, Teuerungen, Tendenz der Inflation) den Lebensunterhalt sichern müssen.
Änderungen des politischen Systems müssen grundsätzlicher Natur sein. Dann ist es möglich, dass Deutschland das wird, was sich die Europäische Union wünscht: Eine Führungsmacht!

gerdb
23. September 2013 12:00

Man sollte der Frau Merkel einen gewissen Respekt nicht versagen.
Sie weiss die Menschen in Deutschland hinter sich und sie wird auch im geeinten Europa Akzente zu setzen wissen, auch wenn das den einen oder anderen etwas kosten wird.
Aber das sollte es uns, beim Blick auf unsere Geschichte, wert sein.

Fabian Niklas
23. September 2013 12:15

Zum Vergleich: Es gibt nur eine Partei, die nach 1949 erstmalig bei einer Bundestagswahl antrat und sofort in den Bundestag einzog, die Heimatvertriebenen-Partei GB/BHE (1953 mit 5,9%). Alle anderen, die die Sperrklausel gemeistert oder zumindest mal gefühlt an ihr gekratzt haben, waren beim ersten Antritt wesentlich schwächer (NPD: 2,0% -> 4,3%; Grüne 1,5% -> 5,6%; Piraten 2,0 -> 2,2%). Da ist 4,7% eine Niederlage und kein Achtungserfolg? Über 2 Millionen Wählerstimmen bedeuten im übrigen gut 1,7 Millionen Euro Parteienfinanzierung jährlich. Der Betrag kann allerdings nur in der Höhe abgerufen werden, wenn eigene Einnahmen aus Mitgliedbeiträgen und Spenden generiert werden. Aber bei 14.000 Mitgliedern (bei 120 Euro Jahresbeitrag) und der Fundraisingaktion, die 430.000 Euro generiert hat, dürfte das realistisch sein. Um dergleichen mal ins Verhältnis zu setzen: Wie lange könnte man mit einem mittleren Millionenbetrag eigentlich Strukturen wie das Zentrum für Jugend, Identität und Kultur betreiben? Ja, ja, über Moneten zu reden ist unfein, wenn es um die politische Sache geht - geschenkt - es schadet zumindest nicht (und es mindert den Nutzen bei CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken - und wenn ich mir deren Häme ansehe, die sich freuen, daß andere mehr verloren haben als sie, dann ist Geld, das nicht diese Visagen ausgeben können, sondern jemand anderes, gar keine schlechte Sache).

Und außerdem, die nächsten Wahlen sind in einem knappen dreiviertel Jahr: EU-Parlament und diverse kommunale Räte. Da ist die Sperrklausel 3% bzw. teilweise nicht mehr vorhanden. Hinzu kommt: Bis dahin ist irgendeine Koalition (vermutlich Union-SPD) im Amt und wahrscheinlich auch gezwungen, diverse auf nach die Wahl verschobene Härten umzusetzen: Realistische Chancen auf erste Mandate der Eurokritiker im EU-Parlament, wie passend. Dann folgen in einem Jahr im Herbst Sachsen, Thüringen und Brandenburg mit Landtagswahlen. Dort hat die AfD gestern jeweils über 6% erreicht! Wenn sie dort nicht zuviel verliert, hat sie also realistische Optionen.

Herr Kubitschek prognostizierte, ein Erfolg bei der Wahl hätte "jede Kritik oder rechte Kurskorrektur unmöglich" gemacht und "den Spitzenkadern umfassend recht" gegeben. Da stimme ich ihm weitgehend zu. Im Mißerfolg sah er "die Chance zur Kritik" und gleichzeitig aber auch "vermutlich das Ende des ganzen Projekts". Das gestrige Ergebnis ist in dieser Hinsicht weder Fleisch noch Fisch. Es ist kein solcher Erfolg, dass der Kurs und das Spitzenpersonal danach komplett festgezurrt und sakrosankt wären, wenn ich es mir ansehe: Da ist noch Bewegung drin. Wenn es im Herbst nächsten Jahres parteienmäßig in den Parlamenten so aussieht wie jetzt, dann erst kann man das Projekt als tot ansehen.

Zadok Allen
23. September 2013 12:22

Einige Feststellungen:

1. Fehler der AfD im Wahlkampf, Dummheit des Wahlvolks, Teigigkeit der BRD-Verhältnisse schließen logisch (!) Wahlfälschungen nicht aus.

2. Wahlfälschung beginnt beim Herausgeben nach unten manipulierter Umfrageergebnisse durch die einschlägigen Institute in den Wochen vor der Wahl. Auch sonst ist nichts ausgeschlossen.

3. Die 4,7-4,9% sind schon aufgrund ihrer numerischen Beschaffenheit verdächtig.

4. Ein Einzug der AfD in den BT hätte nichts Substantielles bewirkt; nicht einmal mit dem Entstehen einer Gegenöffentlichkeit wäre zu rechnen gewesen.

5. Die autochthone BRD-Bevölkerung ist in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht mehr in der Lage, ihre eigenen Lebensinteressen auch nur wahrzunehmen, geschweige denn in ein Handeln, und sei es auch nur ein Kreuzesetzen, zu überführen. (Früher hieß es immer: "Wenn es den Leuten erst ans Portemonnaie geht...")

6. Der massenmediale Apparat triumphiert total.

7. Merkel und ihre CDU erscheinen den Machthabern offenbar als die gegenwärtig geeignetsten Instrumente, um ihre Interessen in bezug auf das deutsche Restpotential in Europa sowie die EU durchzusetzen.

8. Wahlen in der BRD als dem wichtigsten europäischen Klientelstaat des angelsächsischen Imperiums sind offenbar zu wichtig, um sie dem Wähler zu überlassen.

Abronsius
23. September 2013 12:22

Der "radikale Intellektualismus" soll zur politischen Wende führen, weil er "nicht versorgt" sei? Also bitte!

Die allermeisten Intellektuellen setzen ihre geisitgen Fähigkeiten zu recht und erfolgreich ein, um sich ein wirtschaftliches Auskommen zu sichern.

Dann gibt es noch einige Ausnahmecharaktere, die etwas Besonderes auf die Beine stellen.

Wie aber deren Hofstaat an "Radikalintellektuellen", die arm und hungrig außerhalb der Gesellschaft stehen und gleichzeitig davon träumen, sie hätten das Mandat des deutschen Volkes, eine politische Wende herbeiführen sollten, ist - Gott sei Dank - nicht ersichtlich. Es würde mich auch grausen, denn gerade die Monate vor dieser Wahl haben gezeigt, daß hier etliche unterwegs sind, die überhaupt nicht gestalten, sondern nur lakonische Blogs schreiben können - über was auch immer. Bei guter Politik würden sie über schlechte Fleischkonserven schreiben, und daß Räucherwurst besser wäre.

So liest man oben auch kein Wort darüber, daß etwa 95 Prozent der Wähler gegen die EU-Rettungspolitik und den Souveränitätsverlust keine Einwände geltend gemacht haben - das ist eine gigantische Zustimmung!

Was soll man denn als Politiker aus einem solchen Wahlergebnis schließen?

Insbesondere die von Kleine-Hartlage einmal aufgeworfene Frage, ob eigentlich der Widerstandsfall nach Art. 20 IV GG gegeben sei, ist jedenfalls von der Tagesordnung.

Prosper
23. September 2013 12:39

Der hingeschmissene Kommentar von Silver Surfer spricht mir aus der Seele - langsam gehen mir hier einige der ewig beckmesserischen Artikel und Kommentierungen mit ihrer durchscheinenden Arroganz gegenüber dem dummdösigen Normalbürger ziemlich auf den Senkel. Könnte man nicht hin und wieder einfach mal still sein? Auch hier wurde die AfD vorauseilend kaputt geschrieben, wurde noch im allerletzten Moment kräftig mitgewirkt daran, daß zumindest ein kleines Hoffnungsflämmchen für endlich mal wieder wenigstens ein paar höherwertige Redebeiträge im nächsten Parlament vorzeitig ausgepustet werden mußte. Ob das Projekt überhaupt über die nächsten Jahre hält, ist schon fraglich genug, daß der Laden nun umgehend unterwandert und auf völlig harmlose Stromlinie gebracht wird, steht zu befürchten - Zeit genug ist ja da, die wesentlichen Köpfe sind eh schon ziemlich alt, und wahrscheinlich guckt sowieso wieder kein Schwein. Und hier weiter wie gehabt: Alle doof außer wir, und wir warten weiter mit klammheimlicher Vorfreude darauf, daß der ganze Laden endlich mit Donnergetöse gegen die Wand kracht, damit wir, die wir bekanntermaßen über die furchterregenste manpower im Lande verfügen, dann die Scherben endlich nach unserem Gusto zusammenkleben können? Himmel noch mal!

rautenklause
23. September 2013 13:00

Das Lamentieren, Wundenlecken und „hätte-hätte-Fahrradkette“ ist zwar schön, aber nicht zielführend. Wichtig ist vielmehr vor allem eine Sache, die vor all den anderen Punkten abgearbeitet werden MUSS und um die man sich nicht drücken darf – Silver Surfer hat dankeswerterweise das Stichwort geliefert und wir müssen nun an die Umsetzung gehen, denn

Insofern: Glückwunsch, Herr Lichtmesz zu weiteren vier Jahren Stillstand, im besten Fall.

Also: teeren und federn, lynchen, vierteilen oder was sonst beliebt – aber der Schuft, der uns das eingebrockt hat und der die alleinige Schuld trägt, MUSS dafür büßen! Was hätten wir nicht alles erreichen können ohne ihn, welch herrliche Zukunft wäre Deutschland beschieden gewesen. Aber ER hat alles zunichte gemacht mit seinem dreiseitigen Artikel. Perfide! Bewährungsbataillon wäre noch zu schade für den!

Völlig erschöpft vor sardonischem Gelächter ob derlei Lagebewußtsein schlag ich zum Warmmachen jetzt erst mal Frau und Kind und tret’ die Katze …

Heino Bosselmann
23. September 2013 13:07

PS: Weil es heute morgen schnell ging, sei ein Nachsatz gestattet. Mich persönlich verblüfften am allermeisten die hohen Steigerungen der Union. (Ja, ich kenne die Stimmenautobahn und ihre Richtungen im Woher/Wohin.) Nur: A) Wenn man die EU bzw. „Euroland“ so, wie sie beschaffen sind, nicht will, dann wäre die AfD die richtige Wahl. – B) Wenn man EU/Euro, so, wie sie sind, aber weiter will, dann erscheint mir Steinbrück redlicher, weil er von der Schuldenunion spricht und klar ansagt: Wenn wir die EU so wünschen – wie bisher –, werden wir vieles in einen Topf werfen müssen, zugunsten des Südens. Und dennoch wird die Partei gewählt, die dies kaschiert und illusionär an die Austeritäts- und „Stabilitätsunion“ mit Südeuropa glauben möchte.

Martin Lichtmesz
23. September 2013 13:26

Insofern: Glückwunsch, Herr Lichtmesz zu weiteren vier Jahren Stillstand, im besten Fall.

Ja, klar, ich war's und habe im Alleingang die Rettung Deutschlands mit ein paar defaitistischen Hetzartikeln verhindert, und jetzt reibe ich mir kichernd die Hände, daß mein Kalkül aufgegangen ist. So denken zumindest ein paar Analphabeten, die hartnäckig überlesen haben, daß ich durchaus gehofft und gewünscht habe, daß die AfD in den Bundestag einzieht. Meine messianische Heilserwartung und Parteibesoffenheit war nur etwas weniger stark ausgeprägt, aber ich lebe ja auch "im Elfenbeinturm", lerne dort Alt-Aramäisch und weiß auch sonst von nichts. Glückwünsche lieber an die "bürgerliche Mitte" richten, die einigen Kommentatoren der letzten Wochen zufolge angeblich aus ihrer Lethargie erwacht ist und auf das Establishment nur mit "kalter Verachtung" blickt, während besagte bürgerlich-mittigen Kälber in Wirklichkeit mal wieder mit überwältigender Mehrheit ihre altbewährte Schlächterpartei gewählt haben.

Heinrich Brück
23. September 2013 13:40

Die Sprache der Demokraten, man muß sie beherrschen. Denn
schließlich muß man seinen Sklaven Anweisungen geben können,
aber nicht lakonisch, denn sie müssen ja in ihrer Bildungsbeflissenheit
Wertschätzung und Schmeichelei erfahren, sonst folgen sie nicht.
Ihr Demokraten, ihr habt keine Vorstellungen, was in den Urinstinkten
mancher Leute vorgeht, und wieviel ihr ihnen wert seid.

Martin
23. September 2013 14:08

Es ist geradezu lächerlich, Vorwürfe, auch wenn sie ironisch gemeint sein sollten, gegen M.L. oder M.K-H. zu erheben. Die SEZESSION und diese Webseite haben zwar eine gewisse Verbreitung, aber sicherlich nicht einmal den Hauch einer wahlentscheidenden Bedeutung, zumal die überwiegenden Leser sicher auch trotz der - völlig zu Recht! - erschienenen Beiträge ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben werden.

Die AfD muß - und das habe ich oben schon geschrieben - aufpassen, daß sie nicht von frustrierten FDP- und Piratenanhängern ausgehebelt wird.

Insgesamt sind 4,7% ein sehr gutes Ergebnis dieser Partei, und bald kommt es ja wieder zu Wahlen, bei denen man dann jetzt deutschlandweit bekannt ist; und da wird die geplagte AfDler-Seele schon ihr Erfolgserlebnis finden.

Nur wird es bis dahin sicher auch weiterhin keine Islamkritik bei der AfD geben, und auch sonst wird man alles tun, um nur ja keinen bösen Rechten in den eigenen Reihen auftauchen zu lassen ...

Inselbauer
23. September 2013 14:15

Was sollen die Deutschen anderes machen, als Mutti zu wählen? Sollen es statt dessen die Pädovegetarier sein oder eine von allen guten Geistern verlassene SPD? Einen frisch geduschten Philipp, der vom Bundestag abgeholt werden will, soll man wählen? Es war eine Erpressung am Wähler, sonst gar nichts. Das ist gar keine bürgerliche Demokratie mehr, denn solche Gestalten treten dort auf, wo ein System überhaupt nichts mehr zu bieten hat und es vor dem Kollaps steht. Vergleicht einmal Willy Stoph oder die letzten ungarischen Bolschewiken mit diesen Leuten: Unter Hammer und Sichel haben sie sich kaum so offen blamiert!
Mutti ist das letzte Aufgebot, das ist für mich völlig klar. Wenn man einmal aus Verzweiflung Mutti gewählt hat, gibt es kein Zurück mehr in die bürgerliche Demokratie.
Woher ihr alle eure Informationen nehmt, dass es Deutschland so gut geht! Ich selbst verdiene zwar gut, das Finanzamt setzt mir aber brutal das Messer an, und der Wettbewerb wird immer härter. Wenn das mit der Gemütlichkeit bei Mutti so weitergeht, flüchte ich mich zu Papa Putin.

Olaf
23. September 2013 14:21

Die Deutschen wählen den Teufel, den sie kennen, und folgen ihm in den Untergang. Deutsche sind keine Italiener, die auch mal die Schnauze voll haben und einen Clown an die Spitze wählen. Der Gollum wird Draghi um Rat fragen, dann rollt es bergab.

agricola
23. September 2013 14:28

Nicht immer sind die kleinen Lichtblicke für die Zukunft ohne Bedeutung!

Die "AFD" wurde vor wenigen Monaten begründet als sog. "eurokritische Partei", die von vielen Intellektuellen begleitet wird und als Eliten-Projekt gelten kann!! Von Anfang an war klar, daß das System hier in seiner Kernpolitik - Auflösung Deutschlands im Europa der Märkte und Banken - besonders herausgefordert wurde. Die AFD wurde totgeschwiegen, verleumdet, diffamiert, hat aber trotzdem dem Sturm standgehalten und ein respektables Ergebnis erzielt, das ausbaufähig ist in den Jahren der Entscheidung bis 2017. Die Eurokrise (besser Bankenkrise, Systemkrise) ist z.Z. noch von akademischer Natur, da der kleine Mann die Folgen erst in den nächsten Jahren am eignen Leibe erfahren dürfte (verschärfte Inflation, Steuererhöhungen, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau etc.) Das System sitzt in der Eurofalle, und die AFD kann ernten, wenn sie klug beraten bleibt und einen Kurs deutlich rechts von der CDU und etwas links von der NPD steuert, so dass möglichst viele aus dem noch existenten Rechtsspektrum angezogen werden können und die kritisch-konservativen Bürger, denen ihre Häuser und Renten lieb sind! Ferner keine Ausgrenzungshysterie und dadurch unnötige Querelen wie einst bei den Rep, deren Ende so programmiert wurde. (Ich war dabei!) Der Bruch mit dem System (zur Zeit beginnt ein kleiner Umdenkprozeß im Besitzbürgertum) und dann die Bereitschaft, verstärkt Rechtsparteien zu wählen, erfolgt erst dann, wenn der Wohlstand (Kitt der Gesellschaft, HDS) offensichtlich ruiniert ist (Kaputte Straßen reichen noch nicht!), dann wird der Bauch entscheiden, wie immer, aber es wird ein langer , schwieriger Prozeß!

Mops
23. September 2013 14:46

Auffallend ist, daß die NPD ihr letztes Ergebnis beinahe halten konnte. Das wiederum zeigt, daß es der AfD nicht gelungen ist, rechte Protestwähler an sich zu binden. Mit etwas weniger weichgespültem Kurs, weniger Abgrenzerei und Systemanbiederei hätte es womöglich für den BT-Einzug gereicht.

Demokrat
23. September 2013 14:48

Selten sind bei Bundestagswahlen wohl so viele abgegebenen Stimmen für Parteien nicht im Bundestag vertreten, nämlich knapp 16% (FDP (4,8%), AfD (4,7%), Piraten (2,2%), Andere(4,1%), darunter die NPD mit 1,3%. Rechnet man die Nichtwähler hinzu, so sind weit über 40 Prozent der Wahlbevölkerung im Parlament nicht vertreten.

sledem
23. September 2013 15:00

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

zweifellos wird der letzte Artikel über das Ausladen von Islamkritikern nicht unbeachtet geblieben sein. Viele andere Blogs, siehe "eigentümlich frei", haben dies zurecht ebenso kritisiert. Es war eine Wahlkampfentscheidung, und man hatte sich gegen "Rechts" entschieden. Gut, daß die Rechnung gekommen ist. Ich jedenfalls habe deshalb nicht die AfD gewählt, obwohl ich diese Partei eindeutig gerne im BT gesehen hätte. Das Signal wollte ich aber nicht unterstützen. Ich denke, damit bin ich nicht alleine. Erst jetzt gibt es die Möglichkeit, den Weg der Anbiederung zu verlassen, und anstelle dieser wieder den der Aufklärung ( z.B. die JungeFreiheit ist demokratisch/ Religionskritik ist nicht rassistisch) weiter zu verfolgen.

Sekt oder Selters, das ist hier die Frage.

sledem
23. September 2013 15:12

Nachtrag:

Wenn man sich einmal die Wahlkreise einzeln ansieht, erkennt man deutlich das Manko des AfD-Wahlkampfes. Nicht alle Regionen wurden abgedeckt. Dies werden auch die Leute im Konrad-Adenauer-Haus sehen - ebenso, daß Ihre Gegenkampagne funktioniert hat. Ob sie dies ein zweites Mal tut - fraglich.

Jede Veränderung braucht seine Zeit, man schaue einmal über den Teich. Jetzt sollten sich gerade Leute, wie sie in der Sezession zu finden sind, sich dort einbringen. ...

Fazit : Konservative Ausrichtung möglich (aber nur, wenn man mitmacht), und Ausgangslage ideal, (da der Wahlkampf eigentlich nur in den Ballungszentren stattgefunden hat).

Th.R.
23. September 2013 18:19

Die Vertrauensseligkeit und Treuherzigkeit, mit der die Deutschen solche Wahlergebnisse hinnehmen, verraten das Schaf, das in ihnen steckt.

Mißtrauisch sind die Deutschen immer noch nicht geworden hinsichtlich der Wahldurchführung, insbesondere der Stimmenauszählung, Berechnungs-, Aggregations- und Übermittlungsmethoden, aber auch gegenüber dem Personal nicht, das solche Wahlen am Wahltag ablauforganisatorisch durchführt.

Wahlfälschungen in der BRD im großen Stil? Nein, das kann sich der Deutsche einfach nicht vorstellen. Eine derartige Verkommenheit und Bösartigkeit des Systems - jenseits seiner Vorstellungskraft.

Zum x-ten duzend Mal 4,9 Prozent für eine nichtetablierte neue Kraft, und der Deutsche merkt es immer noch nicht, vertröstet sich auf ein Weiteres aufs nächste Mal.

Was soll man noch sagen, mir fällt es zunehmend schwer, positiv über dieses vertrottelte Idiotenvolk zu reden.

Unke
23. September 2013 19:06

Stimmt, das Wahlergebnis der AfD ist eine glatte Niederlage Desaster und ein Blankoscheck für ein "weiter so".
Der Krux an demokratischen Wahlen ist: jeder darf daran teilnehmen. Da werden 2 Millionen AfD- Wähler nicht nur majorisiert, die werden (5%-Klausel) nicht einmal zur Kenntnis genommen! Und diese Schönrednerei ("Achtungserfolg" etc.): zu vergessen. Das Wahlergebnis bestätigt mich einmal mehr in meiner antidemokratischen Haltung.
Man stelle sich vor die AfD hätte 80.000 Stimmen mehr bekommen und hätte rechnerisch mit der CDU eine Koalition bilden können. Es hätte die CDU zerrissen.
Aber so: Effekt von Null, alles für die Katz.
.
@Th. R., 18:19
Ich war gestern bei der Auszählung als Beobachter dabei und habe das bis 20:30 Uhr (Mitteilung des Ergebnisses an das Wahlleiterbüro) mitverfolgt.
Bei der Auszählung selbst kann man eigentlich nicht wirklich herumtricksen (Vorsicht jedoch: 10-30% der Stimmen werden per Briefwahl abgegeben, und die werden in eigenen Zentren ausgezählt!).
Die Stimmenaggregation kenne ich nicht; allerdings ist es ablauftechnisch wohl so eingerichtet, dass die Arbeitsschritte nachvollziehbar und plausibilisierbar aufgezeichnet werden, so dass ich hier wenig Spielraum für Manipulationen sehe.

Was ich interessant finde ist, dass spätestens ab 19:00 ziemlich verlässliche Hochrechnungen vorliegen... währden die meisten (wenn nicht alle) Wahlkreise noch auszählen! Werden die aus Exit Polls gewinnen?
.
Wer auch immer CDU wählt: ich verstehe das Motiv nicht. Offenbar sind Wahlentscheidungen stark stimmungs- und gefühlgestuert.
Das erklärt auch den aggressiven Journalismus: es geht nicht um Fakten, sondern darum, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen ("#Aufschrei!"). Ohne Springers Kampagne ("Eurohasser") hätte es die AfD wohl geschafft.

Franz Schmidt
23. September 2013 19:23

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.

Es ist gut, daß hier bei der Sezession auch harte Kritik geübt wird. Das ist die Aufgabe einer außerparlamentarischen, parteiunabhängigen Publizistik. Sie setzen die richtigen Maßstäbe.

Sie, Herr ML haben mit Ihrer Mitteilung bezüglich Kuhlmann dafür gesorgt, daß ich eine von beiden Stimmen an eine weiter rechts stehende Partei vergeben habe. Sie haben mir fast den Spaß an der AfD verdorben und der war bisher ohnehin nur minimal. Trotzdem danke dafür!

Aber ich bin bewußt AfD-Mitglied und fordere immer wieder dazu auf, endlich einzutreten und diese Partei zu übernehmen.

Das gilt vor allem jetzt für Islam-Kritiker und Überfremdungsgegner.

Steffen
23. September 2013 20:12

#Franzi

Die AFD braucht vielleicht so manches, aber bestimmt keine Islamkritiker und Überfremdungsgegner - deren Denke ist meist kürzer als ihr Gedächtnis. Aber eben genau jene brauchen wir, die ihre metapolitischen Ansichten und ihr strategisches politisches Werkzeug aus der Geschichte schlussfolgern. Die AFD als reine Partei hat natürlich ein gewisses populistisches Spektrum tangiert und viele Wechselwähler angezogen, aber der Überraschungseffekt ist nun weg - deshalb braucht es nun sowohl die üblichen politischen, als auch die vorpolitischen Strukturen. Dazu nötig ist selbstredend auch eine eigene Kultur mit grundsätzlich oppositionellen Charakter.

Hartwig
23. September 2013 20:28

@ Franz Schmidt

" ... daß ich eine von beiden Stimmen an eine weiter rechts stehende Partei vergeben habe. ..."

Keine Sorge! Das habe ich wieder ausgeglichen! Meine Frau, sonst entweder Nichtwähler oder auch schon mal grün (sick), äußerte jüngst, sie wisse diesmal nicht, ob und wen sie wählen will. Darauf wies ich sie hin, dass es das Wahlrecht für Frauen noch gar nicht soo lange gibt, und auch nach dessen Einführung die Frauen dann fast immer das wählten, was ihre Männer zu wählen pflegten. Und: Sie hat es getan. ;-)

Toni München
23. September 2013 20:42

"Am 14. Oktober 1990, erzielen DIE REPUBLIKANER bei den bayerischen Landtagswahlen überraschende 4,9 %. Vielen Beobachtern gibt hierbei die plötzliche Schrumpfung - von 5,4 % um 23.00 Uhr am Wahlabend auf 4,9 % am nächsten Morgen - zu denken!"

Ungelogen, Freunde! Am gestrigen Wahlsonntag gegen 16 Uhr, noch vor Schließung der Wahllokale, hat mich ganz plötzlich ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube getroffen, etwa so, wie wenn man außer Haus geht, die Tür ins Schloss fällt und man den Haustürschlüssel in der Wohnung hat liegen lassen. Es war der unangenehme, ganz deutliche Gedanke: Die AfD muss mindestens 7 oder 8% der Stimmen bekommen, sonst wird sie bei 4,9% hängenbleiben.

Ich stehe der AfD durchaus sezessionskritisch gegenüber, habe sie aber mit der Zweitstimme gewählt; als ehemaliger, damaliger REP.

Marvin Lederer
23. September 2013 22:02

Ich halte zwar nicht so viel von der AfD, habe sie aber trotzdem gewählt und werde das bei den nächsten Wahlen wieder tun. Obwohl ich dem Projekt AfD also eher kühl gegenüberstehe, war ich doch sehr enttäuscht über das denkbar knappe Scheitern. Dennoch wird die AfD wohl noch ihre Chance bekommen. Ihr Hauptanliegen bleibt aktuell, und damit wird sie ihre Gegner weiterhin unter Druck setzen können. Die anderen Parteien (außer der Linken) haben sich in ihrer alternativlosen Politik einen glaubwürdigen Kurswechsel gründlich verbaut, woran die FDP vielleicht sogar zugrundegehen wird.

4,7% sind auch nicht so schwach, daß die diesmaligen Wähler jetzt gleich aufgeben werden. Mehr als Protestwähler sind beim nächstenmal allemal drin, und bei der Europawahl im Mai 2014 reichen schon drei Prozent.

Insofern: Niederlage ja, aber eine auf der die AfDler aufbauen können.

Unke
23. September 2013 22:36

Martin

Die AfD muß – und das habe ich oben schon geschrieben – aufpassen, daß sie nicht von frustrierten FDP- und Piratenanhängern ausgehebelt wird.

Oh Mann, manche tragen, scheint's, ihren Kopf unter dem Arm. Erinnert mich auch an jene, die behaupteten, die AfD würde von den Medien gepusht und üüüberhaupt nicht diffamiert...

Frustrierte FDP- oder Piratenanhänger sind ja deswegen frustriert, weil ihre Parteien Teil des Kartells, d.h. der Blockparteien (geworden) sind. Hier von Unterwanderung zeugt von getrübtem Urteilsvermögen.

Die Intrigantin, die diesen Islamkritiker (ist das eigentlich ein Beruf?) ausladen hat lassen ist übrigens Dagmar Metzger und eine alte Sozin. Mann ist auch in der Politik. DAS sind die Figuren (Frau + ü50 + Politikveteran), die eine Partei killen können. Siehe auch Anke Domscheit-Berg!

@Hr. Bosselmann
Interessant finde ich das gute Abschneiden der AfD in Mitteldeutschland. Und nicht nur das, die Stimmen kamen offenbar hauptsächlich von der SED "Linken"! Das hat heute in der Glotze sowohl der sächsische AfD Landesvorsitzende als auch ein SED-Apparatschik gesagt.

Isabel
23. September 2013 22:49

Was die Diskussion um die 4,9% angeht: wer sich die Mühe gemacht hat, sich die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen anzuschauen, wird feststellen, daß in vielen Kreisen auch DEUTLICH weniger erreicht wurde, so um die 3,5%. Das betrifft insbesondere die bevölkerungsreichen Bundesländer Bayern, NRW und Niedersachsen. Daß es damit halt nicht reicht für den Bundestag, sollte einleuchten, das hat die Kapazitäten einer neuen Partei einfach überstiegen. Hinzukommt ein ganz wichtiger Faktor: persönliche Bekanntschaft zu Parteimitgliedern. Alle etablierten Parteien können diesen Faktor nützen, jeder kennt irgendwen, der bei CDU, SPD, Grünen, FDP oder der Linken ist. Das ist bei neuen Parteien nicht so.
Persönliche Bekanntschaft führt aber zu Vertrauen, Vertrauen zu Vertrautheit, und Vertrautheit zu einer Wahlstimme.

Das Erstaunliche ist viel eher, daß diese neue Partei flächendeckend über 3% kam, auch in den für sie schwächeren Bundesländern. Der Überraschungseffekt ist jetzt freilich weg, da muß jetzt irgendwas nachkommen, was dazu beiträgt, diese neue Partei besser einschätzen zu können. Und das ist dann doch immer noch ein wenig spannend.

Im übrigen halte ich die Vorstellung für albern, ein Artikel auf diesem Blog hätten den Bundestageinzug der AfD vereitelt. Wer so etwas annimmt, hat vielmehr jegliche Fähigkeiten zur Einschätzung von Realitätsdimensionen verloren (oder nie besessen).

Andreas Walter
24. September 2013 00:18

Nichts für ungut, aber ich halte die AfD mittlerweile auch nur noch für eine nationalistische FDP. Dieses Gefühl, anders kann ich es nicht beschreiben, kam bei mir das erste Mal im Sommer auf – und wurde mir soeben auf deren Internetpräsenz bestätigt. Die meisten Wähler der AfD sind nämlich ehemalige der FDP. Erstaunlich ist aber auch, wie viele vormals Linke-Wähler die AfD als Alternative gesehen haben, in meinen Augen nationale Sozialisten, denen die NPD zu Nazi, zu militant, zu retro ist. So gesehen war diese Partei gar nicht die Alternative, für die ich sie Anfangs auch gehalten habe: In dem Punkt habt ihr von der Sezession schon richtig gelegen.

In einem Punkt liegt ihr aber meiner Meinung nach alle falsch: Um wieder auch mehr Kinder und intakte Familien auf deutschen Boden willkommen zu heißen, bedarf es nicht eines falsch verstandenen, mittelalterlichen Christentums, sondern lediglich echter Lebensfreude, die durch eine echte Alternative für Deutschland eine lebenswerte Zukunft in diesem Land sicher, berechenbar, stabil und planbar macht. Und darum bleibt, war und ist der Nationalsozialismus schon immer der ärgste Feind des utopischen Marxismus gewesen, wie auch des die Individuen vereinzelnden und isolierenden Kapitalismus, aber eben auch einiger Weltreligionen. All diese Ideologien sind nämlich global ausgerichtet, insofern imperialistisch, und verlieren damit den Blick für die regionale Identität und Eigenart der Menschen. Ein verteidigungs- und nicht angriffsfähiger Nationalsozialismus ist daher schon immer der einzige dritte Weg gewesen, war in seiner ursprünglich angedachten Form schon immer die einzige Alternative, die langfristig bestehen kann. Weil Menschen und Ethnien unterschiedlich sind, und stabile Strukturen Zeit und Freiwilligkeit brauchen, um zu wachsen, und das ist auch gut so. Und vielleicht ist Frau Dr. Merkel deshalb so erfolgreich, weil sie so ausgeglichen ist, daß sie schon wieder langweilig erscheint. Denn viele der Probleme mit denen Deutschland zu kämpfen hat sind ja nicht hausgemacht, sondern sind Folgen einer sich verändernden Welt, da jeder Mensch auf der Welt seinen Anspruch auf eine lebenswerte Zukunft verwirklichen möchte.

Eckard Eckstein
24. September 2013 06:32

Mal etwas Geschichtsphilosophie, wenn's erlaubt ist:

Auch im sterbenden Weströmischen Reich - ein für den Kenner höchst angebrachtes Vergleichszenario -, gab es einst eine kleine "konservativ-patriotische" Fraktion, quasi eine Art "Alternative für Rom", welche die Zeitläufe zwar laut beklagte, die tieferen Zusammenhänge und Notwendigkeiten aber nicht erkannte und bis auf sehr wenige Ausnahmen lediglich die Schmälerung der Lebensgewohnheiten der reichen Ober- und Bildungsschicht und den Verlust "der guten alten Sitten" meinte.

Einen nennenswerten Einfluß auf den Lauf der Dinge hatte sie daher nicht mehr.

Während die großen reformatorischen Imperatorgestalten Diocletian, Constantin, Valentinian und Theodosius, welche wenigstens den Untergang des Westens noch für ca. hundert Jahre aufhielten - und letztenendes sogar das Überleben des Ostreiches für fast tausend Jahre vorbereiteten -, ganz andere Ansätze verfolgten.

Die im wesentlichen durch energische Diktatur, zuweilen sogar durch Brutalität gekennzeichnet waren. Aber ebenso durch kreative Offenheit und kluge Steuerung nunmal nicht mehr zu verhindernder Entwicklungen, - z.B. das Christentum oder (vorübergehende) Allianzen mit sich emanzipierenden und zu militärischen Großverbänden zusammenschließenden Germanenstämmen betreffend.

Wobei sich eine gewisse Analogie zur heutigen Ausbreitung des Islam und orientalischer Masseneinwanderung nach Westeuropa (nicht im Osten) nahezu aufdrängt.

Letztenendes gehörte damals neben der Teilung des Reiches in Ost und West auch das Ablenken destruktiver Entwicklungen und Vorgänge, konkret auch eindringender Goten, Hunnen und Langobarden auf das marode Westreich zum Konzept.

Dieses wurde anscheinend als ohnehin nicht mehr zu halten betrachtet, und sein Untergang im Sinne einer "Gesundschrumpfung" des Imperiums im Osten fast noch gefördert. Wenngleich man später, wiedererstarkt, sogar Teile davon für relativ lange Zeit zurückerobern und u.a. die Vandalen in Africa und Goten in Italien vernichten konnte.

Geht womöglich Westeuropa einem ähnlichen Schicksal entgegen - und überlebt wieder der Osten, mit Moskau als Zentrum?

Fazit und Sinn des historischen Beispiels:

Nicht irgendwelche Parteien innerhalb der bis dahin existierenden halbdemokratischen konstitutionellen Monarchie (Principat, Senat) - deren Zeit schlicht vorbei und die nicht mehr zu bewahren war -, retteten damals des Imperium, sondern große historische Gestalten taten es, sozusagen mit harter Hand (Dominat) das alte System beseitigend und eine neue Zeit einläutend.

Und ich fürchte, ohne ähnliche Gestalten und Maßnahmen - wenn sie denn kämen -, wird auch das heutige Westeuropa nicht zu retten sein.

Gewissermaßen das ewige Gesetz des Kampfes ums Dasein, im kleinen wie im großen.

Den das Satte, Kränkliche und Schwächliche, mag es sonst auch noch so "moralisch gut", "freiheitlich", "tolerant", "aufgeklärt", "hochzivilisiert" usw. sein, stets verliert. Und das Archaische, Starke, Gesunde, mag es auch weniger "gut" sein gewinnt!

Ich weiß, etwas ähnliches hat schonmal einer gesagt und geschrieben, aber dafür kann ich nichts, und was soll's auch, wenn es nunmal die böse Wahrheit ist und er in diesem Punkt jedenfalls grundsätzlich recht hatte?

Constantin et al. - selber nur schlichte militärische Haudegen ohne große Philsophie, aber mit gesundem Menschenverstand und großer Tatkraft ausgestattet -, setzten damals der bedrohlichen Stärke und Gesundheit der andrängenden Germanen und der dekadenten Schwäche der Römer ihre eigene Härte, militärisches Können und politische Kreativität entgegen. Und das funktionierte!

Das best Erreichbare dürfte höchstens ein Kompromiß zwischen beiden Prinzipien - demokratischer Toleranz und quasi-diktatorischer Durchsetzungsfähigkeit aus Vernunftsgründen -, sein. Wladimir Putin z.B. geht diesen Weg i.S. seiner "gelenkten Demokratie", und mir scheint, durchaus segensreich für sein Land. Möglicherweise unter seinen Nachfolgern einst sogar für ganz Osteuropa.

Heino Bosselmann
24. September 2013 07:32

@Unke: Daß viele AfD-Wähler von der Linken herüberwanderten, las ich heute morgen eindrucksvoll statistisch belegt in der Presse. Ja, ist nachvollziehbar.

Hartwig
24. September 2013 09:25

Die an Tagen alten Links-Wähler in Mitteldeutschland sind gesellschaftspolitisch stockkonservativ. Homo-Ehe, Genderpolitik, Einwanderung von Fremden - das sind Dinge, mit denen sie nichts anzufangen wissen bzw. gegen die sie stehen. Der Internationalismus der linken Führung (und überhaupt der ganzen linken Tradition) ist in den DDR-Links-Rentnern nicht verwurzelt. Im Grunde sind es National-Sozialisten.

eulenfurz
24. September 2013 09:48

Angela Merkel ist 1,65 m groß, Peer Steinbrück 1,86 m. Die Deutschen haben also das kleinere Übel gewählt.

Andreas Lange
24. September 2013 09:48

Ich gewinne anhand der Kommentare und Diskussionen im Netz gerade den Eindruck, auch die konservativen Intellektuellen haben keine Ahnung, wie "der Bürger" eigentlich tickt.

Anhand einer Dame aus meinem näheren Umfeld, die seit 1969 die CDU wählt und in vieler Hinsicht typisch ist, versuche ich gerade an einer Analyse des Merkel'schen Erfolges. Ich hoffe deshalb inständig, daß diese Kommentarspalte heute noch "offen" bleibt, wobei Herr Bosselmann ohnehin nicht für schnelle Schließungen bekannt ist. Danke im Voraus! ;-)

Heino Bosselmann
24. September 2013 09:59

@Andreas Lange: Vielen Dank. Aber mal ohne Soziologie angeschaut, handelt es sich doch wirklich um ein Phänomen, daß die CDU so abräumte. (Den Abfluß der FDP mal dahingestellt.) Ich kenne vermutlich ein paar ähnliche Leute wie diese von Ihnen beschriebene Dame. Die erzählen mir über den Staketenzaun hinweg freimütig: Merkel bringt uns durch die Krise. Merkel hält den Zaster zusammen, den die anderen nach Südeuropa transferieren wollen. Merkel hat es doch bisher alles gut geschaukelt. Ist doch überhaupt ein Wunder, dieser Projektsraum Merkel. Wäre sie von anderem Typus, so könnte man vermutlich gar nicht soviel Farbe hineinsehen. Einer wie ich hat offenbar gar kein Bild von den Motiven des Wählers. Und das meine ich nicht zynisch. Die sog. einfachen Leute hier haben zu ihr ein Zutrauen, wie man das eher in einer Monarchie vermutet. Man meint ihnen schon vorm Wahllokal anzusehen: Klar, Merkel-Wähler.

Olaf
24. September 2013 10:15

@Unke
Danke für die Info, diese Metzger Sozi-Intrigantin hat also der AfD geschadet, die kenn ich auch noch, aus der Ypsilanti-Affäre.
Die Mitteldeutschen Linke-Wähler sind keine Stalinisten wie Gysi oder Wagenknecht, sondern Protestwähler gegen die Deindustrialisierung der Ex-DDR durch Kohl, die sich immer noch auswirkt. Dass sie ausgerechnet die SED wählen ist tragisch, aber das kann sich ja jetzt ändern.

Inselbauer
24. September 2013 10:39

Elsässer hat in seiner unnachahmlichen bolschewistischen Geschichtshandhabung Merkel mit Maria Theresia verglichen. Ich komme aus einem Land, wo man heute noch viele Mädchen Marie Therese (sic) nennt, durchaus in bewusstem Bezug zu dieser Kaiserin. Diese Frau hat auch alle echten strukturellen Probleme hinausgeschoben, weil es ihr einfach zu blöd war, in substanzielle Auseinandersetzungen zu treten. Ihr Mythos war aber eine Parallelwelt in den Köpfen der Leute: Gleichzeitig stand bei ihrem Tod die Revolution ins Haus, und der Nachfolger musste die wildesten Verrenkungen ausführen, damit das System erhalten werden konnte.
Merkel IST doch die deutsche Verblendung, mitten im Wahnsinn für sich selbst den Anspruch zu erheben, nüchtern zu denken und zu handeln. Ihre Gesten, ihre Programmatik haben nichts mehr mit der Realität der Menschen zu tun, die in der anderen Hirnhälfte schon die Negation des Systems tragen.

Martin
24. September 2013 10:41

@Unke: Wenn es den "frustrierten" FDP-lern und Piraten um Inhalte ginge, wegen denen sie frustriert wären, könnte man es glauben ...

Aber: Ich meine nicht FDP- oder Piraten- Wähler (die werden zum großen Teil sicher nicht Mitglieder der AfD werden), sondern Parteisocken, die ihre Hoffnungen auf Ämter & Pfründe begraben müssen und die jetzt eben aufs nächste Pferd umsatteln ... Von solchen kann man sich als Konservativer und/oder Rechter nichts erwarten.

Politik als Beruf von Max Weber sollte Standardlektüre werden ...

Als "Protestpartei" bzw. als Ausdruck eines Protestes kann die AfD aber dennoch im Moment taugen ...

Abschließend muss ich aber schon sagen, dass mir Herr Lucke in einem Punkt sympathisch ist:

Im Gegensatz zu vielen seiner Anhänger, die sich in Internetforen etc. kundtun, ist er bislang jeder Versuchung einer Bildung von Dolchstoßlegenden, Verschwörungen, Wahlfälschungshypothesen etc. nicht aufgesessen. Ein fairer Verlierer - Respekt!

Flash
24. September 2013 11:37

Zur Hauptfragestellung des Artikels: Wie kann es zu solch einem CDU-Zulauf kommen, wer wählt diese Partei und damit Angela Merkel?

Ich glaube, es ist völlig richtig, was weiter oben schon angemerkt wurde: Wir haben überhaupt keine Ahnung, wie der durchschnittliche Bürger tickt. Nichts könnte falscher sein, als bei der Einschätzung von uns (als Sezession-Leser) auszugehen.

Punkt eins, und alle anderen überragend: Der durchschnittliche Bürger HAT KEINE ZEIT und hat KEINE LUST, sich im Internet zu informieren!

Massen von Leuten haben so wenig politisches Interesse, daß sie sich mit den beiläufig aufgeschnappten Phrasen der Massenmeiden völlig zufrieden geben. Diese Massen sind politisch UND ökonomisch ungebildet.

Punkt zwei: Der durchscnittliche Bürger gewichtet seine eigene, private materiell-ökonomische Sicherstellung am allerhöchstens. Politischer Idealismus in irgendeine Richtung ist ihm fremd. Zitat. "...er will seine Kredite bedienen können, und basta."

Merkel vermittelt diese Sicherheit mit stets steigendem Erfolg. Sie scheint die Krise "einigermaßen erfolgreich managen zu können." Das glauben selbst eine Menge Kleinunternehmer, denn momentan läuft ja das Geschäft. Und wenn es läuft, dann haben die schon mal wieder kein Fünkchen Zeit, um sich genauer zu informieren, WODURCH Angela den Laden noch am Laufen hält. Ist ihnen auch wurscht!

Punkt drei: Da der durchschnittliche Bürger weder politisch noch ökonomisch auch nur annähernd gut informiert ist, wählt er "nach Gefühl". Wer ist am sympathischsten? Mutti ist es - je länger, je mehr. Besonders im Vergleich zu Großkotzen wie Steinbrück, Trittin, Gysi etc pp.

Die einschlägigen Kommentatoren in diesem Blog, die man ja an den allermeisten anderen Anlaufstellen des Spektrums wiederfindet (Man kennt sich!), die leben schlicht in einer Filterblase. Aus dieser heraus ist die Wahrnehmung der Realität stark erschwert.

PS: Ach so, noch ein Punkt ist zu ergänzen: eine besondere Motivation für CDU-Wähler lag diesmal natürlich in der Angst vor einem Wahlsieg der linken Volksfront. Abscheu vor dem grünen Programm, das trieb selbst vorherige Nichtwähler der CDU in die Arme.

Hohenstaufer
24. September 2013 12:39

Empfehlenswerter Kommentar eines prominenten AfDlers: https://alexanderdilger.wordpress.com/2013/09/23/analyse-des-afd-ergebnisses/comment-page-1/

Eine Detail-Auswertung der Ergebnisse der einzelnen Bundesländer (s. https://bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_13/ergebnisse/landesergebnisse/) ergibt durchaus zu beachtende Aspekte:

Die Freien Wähler, die im vergangenen Jahr mit der Wahlalternative 2013 (aus der die AfD hervorging) noch ein Wahlbündnis anstrebten und dies ob der Selbstherrlichkeit des Bundesvorsitzenden Aiwangers verwarfen, haben allein in Bayern 2,7% geholt, was 179.758 Stimmen entspricht. Bereits rund 133.000 Stimmen hätten der AfD schon zum Einzug in den Bundestag gereicht.

Andreas Walter
24. September 2013 14:09

Hier mal ein Eindruck der weltwirtschaftlichen Veränderungen, von denen ich in meinem Kommentar weiter oben gesprochen habe, und auf die wir politisch nur bedingt Einfluss haben, egal wer uns regiert, denn Krieg ist heutzutage halt keine Option mehr, zumindest nicht mit Kernwaffen:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/reichtumsbericht-geldvermoegen-legen-laut-global-wealth-report-zu-a-924175.html

Wir müssen also entweder das weltweite Produktions- und Lohnkostendumping mitmachen, also billige Rohstoffe, billige Energie, versaute Umwelt, niedrige Löhne, niedrige Sozialstandards, oder müssten stattdessen revolutionäre technische Lösungen und wiederverwertende Stoffkreislaufsysteme entwickeln, die uns eine viel stärkere Abkopplung und Unabhängigkeit vom weltwirtschaftlichen Geschehen ermöglichen würden, vor allem bei dem Thema Energie, denn mit genügend Energie lässt sich im Grunde kerntechnisch sogar Blei in Gold verwandeln. Das alles aber geht wiederum nur, wenn man als Nation auch zu 100% zweitschlagfähig und verteidigungsfähig ist, da niemand in frieden Leben kann, wenn's der liebe Nachbar nicht will.

Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang ist deshalb, ob Mangel tatsächlich ein technisches und organisatorisches Problem, oder absichtlich so gewollt ist, um bestimmte Abhängigkeits- und damit Machtstrukturen zu erhalten.

Unke
24. September 2013 16:59

@Hohenstaufer
Daran musste ich beim Studium des vorl. amtl. Endergebnisses auch denken.
Herrgottnochmal!

Thor
24. September 2013 18:55

Über 70% der Wahlberechtigten in Deutschland haben nicht Frau Merkel gewählt.
ca. 6.672.200 ! Stimmen von Bundesbürgern sind ungültig, weil sie Parteien gewählt haben, welche an der 5% Hürde gescheitert sind.

waldgänger aus Schwaben
24. September 2013 22:37

Ich hoffte ja auf ein zweistelliges Ergebnis für die AfD. Habe wohl die Trägheit des Wählers unterschätzt. Hätte man aber ahnen können. In Griechenland erhielten die Alt-Parteien trotz heftigster Krise immer noch eine Mehrheit.

Aber der Blick möge nach vorne gehen.
Was allen Kommentatorn und Herr Bosselmann übersehen:

Die Eurokrise kommt erst richtig in Fahrt.

Der große Erfolg der AfD ist das Ausscheiden der FDP bei gleichzeitigem Verfehlen der absoluten Mehrheit für die CDU. Mutti muss sich jetzt einen neuen Partner suchen zum Verheizen in der Euro-Krise in der nächsten Legislaturperiode. Merkel wird SPD/Grüne als diejenigen hinstellen die Steuererhöhungen durchsetzten um die PIGS-Schulden zu tilgen. Die CDU hätte es ja ohne hinbekommen, aber leider halt der Koalitionspartner.....

SPD/Grüne dämmert es jetzt, dass sie nur verlieren können, schlüpfen sie zu Mutti ins Bett. Scheint ja keiner von denen so recht Lust zu haben, den Weg der FDP zu gehen.

Vielleicht, hoffentlich, kommt Rot-Rot-Grün und dann bald Neuwahlen.

agricola
25. September 2013 10:14

Taktisch Wählen ist angesagt: Was Linke können, können wir auch! Das Eliten-Projekt der Besitzstandsbürger "AfD" ist eine liberal-konservative Sammlung, die entstand, weil der dogmatische Euro-Kurs der BRD-Blockparteien offensichtlich ein Vabanque-Spiel mit der Zukunft unseres Landes ist! Die dahindämmernden Rechtsparteien am Leben zu halten mit wahltaktischen Manövern ist richtig, da die harte Opposition nur dort angesiedelt ist. Je mehr Parteien aus diesen Spektrum überleben (und auch Staatsknete erhalten!), desto mehr wird das System mit deren Abwehr beschäftigt. Für eine rechte Sammelbewegung ist es noch zu früh, dafür sind die Mägen der Masse zu voll! Aber die Zeit wird kommen!

ene
25. September 2013 11:51

@ agricola

"Eliten-Projekt"?
Lesen sie in der FAZ den Artikel über die Verteilung Wählerschaft: Die AfD wurde zum großen Teil von Arbeitern gewählt! Hier in Berlin kann man folgende, sehr interessante Beobachtung machen: die Wähler der AfD befinden sich zu etwa gleichen Anteilen in Zehlendorf (bürgerlich, Südwesten) wie in Hellersdorf (Ostteil, Linken-Hochburg).
Was auffällt, wenn man sich die deutschlandweite Verteilung ansieht: sehr wenig war los in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Niederbayern...landwirtschaftliche Regionen, die - was die Information betrifft - einfach "abgehängt" waren.

S. Pella
25. September 2013 16:33

Es seien drei Punkte genannt, die die entscheidenden Prozentpunkte verhinderten:

1. Wahlantritt der Freien Wähler;
2. Mangel an Personal und Mitteln für einen deutschlandweiten Flächenwahlkampf in den ländlichen Regionen (s. Kommentar "ene");
3. Weigerung westdeutscher Landesverbände, die Plakate zur Einwanderung in die Sozialsysteme zur Verfügung zu stellen, da in den Bundesländern in Mitteldeutschland sowie einzelnen Kreisen in Westdeutschland mit derlei Plakaten durchweg um die 6 Prozent geholt wurden.

sixty
25. September 2013 17:24

Daß die meisten älteren Wähler der Linkspartei in Ostdeutschland mit den "politisch-korrekten" Verrenkungen der Parteiführung wenig anfangen können, ist ja nicht neu. Wenn jetzt viele die AfD gewählt haben, zeigt das doch nur ihren Frust. Deswegen werden sie aber noch lange nicht zu "National-Sozialisten" oder gar zu Wählern der rechtsradikalen NPD, und sie können auch sowieso nicht als "rechts" oder "rechtskonservativ" bezeichnet werden, auch wenn das hier wohl (im Sinne des Mottos dieser Seite) gern so gesehen würde. Sie sind eher "linksnational" und sozialistisch im klassisch-traditionalistischen Sinne.

Franz Schmidt
25. September 2013 19:24

@ ene

Agricola spricht nicht von den Wählern. Bei den Mitgliedern trifft es in gewisser Weise zu. Bei der Führung auf jeden Fall!

rundertischdgf
26. September 2013 23:47

@ ene

Sie haben recht, wenn Sie Niederbayern erwähnen. Bei uns gibt es als Besonderheit das noch starke Auftreten der Freien Wähler, die genauso wie die CSU ohne politische Inhalte gewählt werden. Das ist unser kleiner Bericht aus der Wirklichkeit.

https://rundertischdgf.wordpress.com/2013/09/23/fdp-gescheitert-afd-noch-knapper-unter-5/

Was uns aber erschreckt, daß Teile der AfD darüber nachdenken, sich auch eine AfÖ zu geben. In Österreich ist für solch eine Partei kein Platz mehr neben der FPÖ. Wäre die bei uns, dann wäre dagegen die AfD überflüssig. Als Spalter wird die AfD nicht gebraucht.

Sandmann
27. September 2013 00:18

1. Die AfD hatte einfach Angst vor der eigenen Courage oder auch Angst, ihrer Würde als "Bürgerliche" durch populistische Wahlkampfslogans zu verlieren.

2.
Aus dem FAZ-Artikel:
"Dass die AfD Überschneidungen mit der Linkspartei hat, betonen ihre Vertreter nicht nur gerne, um ihr Stimmen abspenstig zu machen, sondern auch, weil es als Argument gegen den Vorwurf dienen kann, rechtspopulistisch zu sein. "

Wieso ist die NPD noch nicht auf das Argument gekommen? Mir tut es immer weh, wenn ich intellektuelles Potential in einer rechten Partei vermute, was ich nicht nur gern sehe, weil die Kombination von rechts und intellektuell für politische Gegner kaum handhabbar ist, sondern auch weil ich einfach Gefallen an stringenter Intellektualität habe, aber dann solch Dünnbrettbohrerargumente benutzt werden, die vielleicht auf dem ersten Blick bei Manchen verfangen, aber dann nur zum Kopfschütteln animieren und auch noch leicht angegriffen werden kann (NPD).

Heino Bosselmann
27. September 2013 09:09

Die Lage ist mittlerweile komplexer als am Montag. Insofern denke ich, wir sind durch, und schließe die Diskussion. Vielen Dank!

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