65. Geburtstag Dietrich Murswiek

(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Martin Otto

Der seit 1990 in Freiburg im Breisgau lehrende Professor für Staats- und Verwaltungsrecht sowie Deutsches und Internationales Umweltrecht ist einer der jüngsten Vertreter der Schülergeneration von Ernst Forsthoff.

 Gastbeitrag

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Wie die­ser begreift er es als eine Ver­pflich­tung des Juris­ten in der Indus­trie­ge­sell­schaft, die Umwelt vor Zer­stö­rung zu schüt­zen. Murs­wiek ist Begrün­der und füh­ren­der Ver­tre­ter der wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin Umwelt­recht und einer der pro­fi­lier­tes­ten Ver­tre­ter der wert­kon­ser­va­ti­ven Umwelt­schutz­be­we­gung. Murs­wiek stu­dier­te Rechts­wis­sen­schaf­ten in Hei­del­berg und gehör­te dort zum Schü­ler- und Freun­des­kreis des Staats­recht­lers Ernst Forst­hoff. Bei dem Forst­hoff- Schü­ler Karl Doehring wur­de er 1978 in Hei­del­berg mit der Arbeit Die ver­fas­sung­ge­ben­de Gewalt nach dem Grund­ge­setz pro­mo­viert. Nach dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Refe­ren­da­ri­at und einer Assis­ten­ten­zeit bei Hart­mut Schie­der­mair in Saar­brü­cken wur­de er 1984 an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des mit einer Arbeit über Die staat­li­che Ver­ant­wor­tung für Risi­ken der Tech­nik für Öffent­li­ches Recht habi­li­tiert. Es han­del­te sich um eine der ers­ten Arbei­ten auf dem Gebiet des Umweltrechts.

1986 wur­de Murs­wiek auf einen Lehr­stuhl für Öffent­li­ches Recht und Forst­recht nach Göt­tin­gen beru­fen, 1990 wech­sel­te er als Nach­fol­ger Ernst-Wolf­gang Böcken­för­des auf den Lehr­stuhl für Staats- und Ver­wal­tungs­recht nach Frei­burg, den er bis heu­te beklei­det. Wäh­rend sei­ner Schul­zeit war Murs­wiek Mit­ar­bei­ter der von dem spä­te­ren Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor und Carl-Schmitt- For­scher Hein­rich Mei­er begrün­de­ten kon­ser­va­ti­ven Schü­ler­zeit­schrift Im Brenn­punkt. Wäh­rend sei­nes Stu­di­ums war er Mit­ar­bei­ter beim rechts­ge­rich­te­ten Deut­schen Stu­den­ten-Anzei­ger, zudem Mit­glied des Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Hoch­schul­bun­des. Er pro­tes­tier­te gegen das Tref­fen von Wil­ly Brandt und Wil­li Stoph 1970 in Kas­sel. Seit 1972 gehört Murs­wiek ohne Unter­bre­chung der CDU an. Murs­wiek gehör­te zu den Autoren der Zeit­schrift Cri­ticón sowie der von Gerd-Klaus Kal­ten­brun­ner her­aus­ge­ge­be­nen Her­der­bü­che­rei Initia­ti­ve.

An der von Hein­rich Mei­er gelei­te­ten Münch­ner Carl Fried­rich von Sie­mens- Stif­tung hielt er 1989 einen Vor­trag über das Wie­der­ver­ei­ni­gungs­ge­bot des Grund­ge­set­zes. Wie­der­holt war Murs­wiek in Gerichts­ver­fah­ren als Gut­ach­ter oder Pro­zeß­be­voll­mäch­tig­ter ein­ge­setzt. Seit 1990 ver­trat er die Öko­lo­gisch-Demo­kra­ti­sche Par­tei in meh­re­ren Wahl­rechts­an­ge­le­gen­hei­ten. Immer wie­der von Murs­wiek recht­lich bera­ten und ver­tre­ten wur­de der CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Peter Gau­wei­ler, aber auch die Links­par­tei und die Grü­nen. Dane­ben kom­men­tiert Murs­wiek etwa auch das Grund­ge­setz (Arti­kel 2 und 20 a) in dem Kom­men­tar von Micha­el Sachs, für den »Bon­ner Kom­men­tar« die Prä­am­bel. Auf der Tagung der Staats­rechts­leh­rer­ver­ei­ni­gung 1989 in Han­no­ver war Murs­wiek ein Bericht­erstat­ter zu dem The­ma »Die Bewäl­ti­gung der wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen durch das Verwaltungsrecht«.

Inner­halb der deut­schen Staats­rechts­leh­re ver­tritt Murs­wiek einen ori­gi­nel­len Stand­punkt, zu dem vor 1989 ein unmiß­ver­ständ­li­ches Bekennt­nis zum Wie­der­ver­ei­ni­gungs­ge­bot des Grund­ge­set­zes, nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung Fra­gen der Staats­pfle­ge und staat­li­chen Selbst­dar­stel­lung gehör­ten. Er befür­wor­tet das juris­ti­sche »Recht auf Hei­mat« und kri­ti­siert die Arbeit der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den. Die euro­päi­sche Eini­gung wird von ihm als Euro­pa­recht­ler kei­nes­wegs abge­lehnt, aber kri­tisch beglei­tet, Kla­gen gegen den Ver­trag von Lis­sa­bon oder den Euro-Ret­tungs­fonds wur­den von ihm ver­tre­ten. Als Völ­ker­recht­ler gehört er zu den schar­fen Kri­ti­kern der ame­ri­ka­ni­schen Außen­po­li­tik etwa unter Geor­ge W. Bush. Im Wahl­recht setz­te er sich für die Rech­te der klei­ne­ren Par­tei­en auf ange­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung ihrer Stim­men ein. Eine gro­ße Kon­stan­te in sei­nem Werk ist der Ein­satz für den Umwelt­schutz, etwa als Pro­zeß­bei­stand zahl­rei­cher Natur­schutz­ver­bän­de oder als juris­ti­scher Befür­wor­ter von PKW-Abga­ben in Innen­städ­ten oder »Öko­steu­ern«.

Schrif­ten: Die ver­fas­sung­ge­ben­de Gewalt nach dem Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Ber­lin 1978; Die staat­li­che Ver­ant­wor­tung für die Risi­ken der Tech­nik. Ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­gen und immis­si­ons­schutz­recht­li­che Aus­for­mung, Ber­lin 1985; Das Staats­ziel der Ein­heit Deutsch­lands nach 40 Jah­ren Grund­ge­setz, Mün­chen 1989; Die Ent­las­tung der Innen­städ­te vom Indi­vi­du­al­ver­kehr. Abga­ben und ande­re Geld­leis­tungs­pflich­ten als Mit­tel der Ver­kehrs­len­kung, Baden-Baden 1993; Umwelt­schutz als Staats­zweck. Die öko­lo­gi­schen Legi­ti­mi­täts­grund­la­gen des Staa­tes, Bonn 1995; Das Wie­der­ver­ei­ni­gungs­ge­bot des Grund­ge­set­zes und die Gren­zen der Ver­fas­sungs­än­de­rung. Ein Bei­trag zur Dis­kus­si­on um die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der wie­der­ver­ei­ni­gungs­be­ding­ten Grund­ge­setz­än­de­run­gen, Köln 1999; Die ame­ri­ka­ni­sche Prä­ven­tiv­kriegs­stra­te­gie und das Völ­ker­recht, in: Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift 2003; Ver­fas­sungs­schutz durch Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit. Zur Ent­wick­lung der Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te seit dem JF-Beschluß, in: Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Infor­ma­ti­ons­recht, Jahr­buch 2009.

Lite­ra­tur: Mar­tin Hoch­huth (Hrsg.): Nach­den­ken über Staat und Recht. Kol­lo­qui­um zum 60. Geburts­tag von Diet­rich Murs­wiek, Ber­lin 2010; Flo­ri­an Scri­ba: »Lega­le Revo­lu­ti­on«? Zu den Gren­zen ver­fas­sungs­än­dern­der Rechts­set­zung und der Halt­bar­keit eines umstrit­te­nen Begriffs, Ber­lin 2009; Micha­el Stolleis: Geschich­te des öffent­li­chen Rechts in Deutsch­land, Bd. 4, Mün­chen 2012.

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