Sezession
7. Oktober 2013

Lampedusa und das Palais Lobkowitz

Gastbeitrag / 32 Kommentare

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Hätte es zwischen meinen Landsleuten aus dem ehemaligen "Beitrittsgebiet" und dem goldenen Discounter-Westen ein breites und gefährliches Gewässer gegeben, das keine Grenztruppen abgeriegelt hätten … –

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Nein, nein, keine Angst, das Wort Grenztruppen bleibt hier diesmal ohne Belang, selbst mit Blick auf die Zäune, welche bei El Paso oder in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla mittlerweile errichtet sind. Die DDR-Sperranlagen wiesen nach innen. Ein entscheidender Unterschied, der das Ende der anderen Republik beinahe hinreichend erklärt. Mal grenzt Wohlstand den Mangel ab, mal geschieht es, ideologisch erhitzt, umgekehrt. Und der Kalten Krieg mit der Gravitation seiner ehemaligen Zentralgestirne wird heute kaum mehr in Analysen der deutsch-deutschen Frage einbezogen, da gelten soll: Auf der einen Seite die Demokraten, auf der anderen die politisch Defekten. – Von Bedeutung sind hier einzig die Bilder, wie ganze Familien in ihren schicksten Stonewashed-Jeansklamotten 1989 die Westbotschaften stürmten, vermeintlich auf der Suche nach der „Freiheit“. Mit Mann und Maus, Kind und Kegel über allerlei fremde Zäune hinweg. Flüchtlinge sehen – notgedrungen – doch immer irgendwie würdelos aus.

Ich denke an den 30. September 1989, an Genscher auf dem Balkon des Prager Palais Lobkowitz, der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Er erschien in einer Scheinwerfergloriole und galt denen da unten als Erlöser: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise (Gejohle und Jubel) in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“ – War das wirklich ein ganz, ganz anderes Ereignis?

Bei allem, was in diese Erinnerungen hineinpoetisiert wird, meinetwegen mit gerechtfertigter Romantik und nachvollziehbarer Wehmut von Schicksalsbetroffenen, sehe ich, reduzierend und pietätlos verkürzt, kaum einen entscheidenden Unterschied im Vorgang. Sicher, es ging um Deutsche, und der dann einsetzende letzte Akt im Untergang der DDR bescherte im Καιρός die deutsche Einheit als Ergebnis des Endes des Kalten Krieges, ebenso wie die Spaltung Ereignis seines Beginns war. Nicht mehr und nicht weniger. Man darf das neben aller Festtagsrhetorik mit Gewinn sachlich anschauen. – In banausiger Abwandlung eines Kant-Titels: Anthropologie – mal ausschließlich in pragmatischer Hinsicht.

Wichtiger: Die Poetiken gleichen sich. So, wie damals die vermeintlich am westlichen Freiheitsbegriff geläuterten DDR-Bürger angeblich auf einer Pilgerreise Richtung Demokratie aufgebrochen wären, befinden sich, wird suggeriert, die Afrikaner in guter Absicht unterwegs und nehmen, gelenkt von kriminellen Schleusern, Risiken auf sich, die Europa bitte schleunigst reduzieren sollte: Please open this gate and tear down this wall! – ?

Gerade angesichts des Leides der armen Menschen und der Ertrinkenden: Mich stört die wohlfeile Argumentation "Europas" und der ganzen alten "ersten Welt". Mich stört der theatralische Ruf der satten Politiker: Schande! – Wollen Propagandisten dieses Ansinnens ernstgenommen werden, so bleibt ihnen nur eine Konsequenz: Sie müßten sichere Fährverbindungen einrichten, auf denen jeder Afrikaner, der möchte, trockenen Fußes nach Europa gelangt. Vollmundige Wünsche sollten dabei um naheliegende Konsequenzen wissen: Es bedürfte für jene Wunscherfüller eines europäischen Genschers am afrikanischen Strand, der die Arme ausbreitet und offeriert: Bitte tretet alle ein! Hier sind Eure neuen Pässe, das Ticket und selbstverständlich das Begrüßungsgeld, damit ihr gemäß unserer Wachstumsvorstellungen zügig zu konsumieren beginnt. – Man überlege, welcher Kampf, ja Krieg damit begänne! Er hat ja längst angefangen …

Wer die Öffnung für das Elend Afrikas so einfach, so märchenhaft nicht für realisierbar hält, wie es die Linken und das alternative Neubürgertum fordern, der muß angestrengt über die Geschichte des postkolonialen schwarzen Kontinents und über die freie kapitalistische Weltordnung nachdenken. Vielleicht gar darüber, mit welch mindestens ambivalenten Ergebnissen die "Befreiung der Völker Afrikas von der kolonialen Herrschaft" endete. Wenigstens wäre zu fragen, welchen Anteil die im Norden den geheiligten Wohlstand sichernden Industrien – global arbeitsteilig – am afrikanischen Elend haben und was der Markt, der angeblich alles regelt, dort anrichtet, u. a. mit Blick auf regionale Landwirtschaft. Die Politik, die jetzt klagt, schuf jahrzehntelang mit an den Voraussetzungen für die humanitäre Katastrophe.

Die immer wieder beschworene Würde des Menschen – wo findet man sie, wenn sie nicht als Ware zu klassifizieren ist? Schopenhauer 1840 dazu: "Mir scheint der Begriff der Würde auf ein am Willen so sündliches, am Geist so beschränktes, am Körper so verletzbares und hinfälliges Wesen, wie der Mensch ist, nur ironisch anwendbar zu sein. (…) Bei jedem Menschen, mit dem man in Berührung kommt, unternehme man nicht eine objektive Abschätzung desselben nach Wert und Würde, ziehe also nicht die Schlechtigkeit seines Willens, noch die Beschränktheit seines Verstandes und die Verkehrtheit seiner Begriffe in Betrachtung, da ersteres leicht Haß, letzteres Verachtung gegen ihn erwecken könnte: sondern man fasse allein seine Leiden, seine Not, seine Angst, seine Schmerzen ins Auge: – da wird man sich stets mit ihm verwandt fühlen …"

Hilft das sachlich weiter? Gar nicht. Weder politisch noch moralisch. Schopenhauer hat recht, auf seine Weise, so wie der Papst auf eine andere. Gerettet ist damit noch keiner. – Und was sucht der Afrikaner? Parlamentarismus, Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit? Nein, er ist bereit, seine Arbeitskraft globalisiert zu verkaufen, um dann einkaufen zu gehen und gesichert zu leben. Er wünscht das, was der besitzstandswahrende Europäer auch will. Und daraus rührt ein Interessenkonflikt, der wirtschaftlich zu beschreiben wäre oder sozial, ganz zu schweigen vom kulturellen Crash, kaum aber mit den Herleitungen neuzeitlicher europäischer Rechts- und Staatsphilosophie und der daraus generierten Politrhetorik.

Bildnachweis: nordborder network


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Kommentare (32)

gerdb
7. Oktober 2013 15:08

Sehr gute Analogie Herr Bosselmann!
Und auch die Rekolonialisierung ging ja gut über die Bühne.

https://www.welt.de/kultur/article118718883/Warum-die-Weissen-nach-Afrika-zurueckkommen-sollen.html

Heino Bosselmann
7. Oktober 2013 15:17

@gerdb: Bin nicht ganz sicher. Was mich stört, für andere aber kein Problem ist bzw. in der Natur der Sache liegt: Eine doppelmoralische Politrhetorik. Selbstverständlich ist der Tod im Mittelmeer katastrophal tragisch. Nur ist m. E. außer medizinischer Menschenrettung bzw. Rettung aus Seenot keine Konsequenz möglich. Und das Dilemma bleibt bestehen. Der Vergleich zum Palais Lobkowitz mag zynisch anmuten, nur unterstelle ich: Ohne daß sich Menschen in gleicher Not befanden, trieb die Bürger des künftigen Beitrittsgebietes Ähnliches an. Freilich waren, wie bemerkt, damals die Sperranlagen der DDR nach innen und nicht nach außen gerichtet, was einen erheblichen Unterschied macht und das Ende der anderen Republik '89 beinahe hinreichend erklärt.

Pit
7. Oktober 2013 15:23

Kishon erkannte mal mit Verblüffen und Schrecken, auf welche Weise wirklich Amtssprache entsteht: er kam durch Zufall darauf, daß sie erzeugt wird, wenn es verboten ist, die Wörter "ja", "nein", "schwarz" und "weiß" zu sagen.

Der hier vorliegende Text wurde nach einem ähnlichen Muster erzeugt, denn auch er muß einem bestimmten seltsamen Gebot folgen
-> Rätselfrage: welches ist das Wort, welches in diesem Text verboten ist, sodaß er so merkwürdig verquast wirkt, so als ob er nie zu Potte käme? Welches ist das Wort, das auszusprechen so sehr verboten ist?

(aber wir können uns vielleicht trösten mit einem bestimmten Konzept, welches in der Physik "Defektelektron" heißt: das manifeste FEHLEN einer bestimmten Sache ist letztlich gleichbedeutend mit ihrem Vorhandensein: denn die Fehlstelle hat genau die gleichen Konturen und Eigenschaften wie die Sache selbst... und somit ist die Sache eigentlich doch vorhanden).

Eleonore
7. Oktober 2013 16:10

Was der Afrikaner will, bestimmt wohl die Sicht des Interpretierenden, und die basiert auf dem selber verinnerlichten. Mal lechzt der Afrikaner nach Demokratie, mal will er nur in Ruhe konsumieren, dann wieder ist er ein echtes Arbeitstier, dem in der Heimat der Berufsstolz genommen wurde...Der Afrikaner, möglicherweise ein Missionar eines besseren, weil weniger konsumorienterten, Lebenswandels? - Daß er als Strafe für die Vergehen unserer Ahnen reist, macht ja jedes seiner vermeintlichen Motive akzeptabel.

Zwischen dem Besitzer einer Sache und dem, der ihm den Besitz stehlen will, besteht immer ein Interessenkonflikt, dazu braucht man keine Staatsphilosophie, es sei denn, man wolle den eigenen Staat verschenken und suche dafür eine Grundlage. Dazu ist Politrhetorik auch da: dieses Grundsätzliche zu verschleiern.

Der Vergleich zwischen den Flüchtlingen aus einem geteilten Deutschland, das dennoch in seiner Gesamtheit "den Deutschen" (quasi per Erbrecht) gehörte (worin der Grund bestand, daß die BRD jeden DDR-Flüchtling aufnahm, wie Sie sehr wohl wissen) und der Invasion der afrikanischen Armutsflüchtlinge völlig anderer Mentalität (Identität?) ist grotesk und mit dem Nebensatz "ganz zu schweigen vom kulturellen Crash" nicht abgetan.

Wenn ich natürlich davon ausgehe, daß "der Afrikaner" ja eigentlich, irgendwie, so tickt wie ein Mitteleuropäer, und ich ferner der Globalisierung eine gewisse Rechtmäßigkeit - Rechtseigenschaft? - zubillige, lande ich irgendwann bei "no border, no nation, no deportation", und werde mich hinterher wundern, wenn der Afrikaner einfach nicht kapieren will, daß er sich meiner Vorstellung von "Menschenwürde" fügen soll.

Laßt diese Leute doch endlich in ihren Ländern in Ruhe, auf daß sie eine Chance bekommen, ihre Gesellschaften so zu ordnen, wie sie das möchten. Vielleicht tun sie das ja auch schon längst - nur wir sind zu borniert und blöd, das zu kapieren.

Martin
7. Oktober 2013 16:23

Der Vergleich hinkt nicht nur, er ist meiner Meinung nach auch unstatthaft. Zudem schwingt mehr oder weniger, vermutlich vom Autor nicht gewollt, das alte SED- Vorurteil gegenüber DDR- Ausreisewilligen mit, dass diese nur an ihren Bauch und ans Materielle dächten und sich vor den "Aufgaben" im "eigenen Land" drücken wollten. Das ist nicht sehr schön, um es einmal wohlwollend auszudrücken.

Nein, die DDR ist nicht an ihre materiellem Mangel (der ja bekanntermaßen gar nicht so schlimm war) untergangenen sondern an ihrer Regelungs- und Bevormundungswut und ihrer immanenten Spießigkeit. Die DDR- Bürger sind zudem zum überwiegenden Teil ins eigene Land "geflohen" und nicht nach irgendwo in der Welt und sicher nicht mit der Erwartung, erst einmal eine längere Zeit es sich mit sozialen Leistungen bequem zu machen. Die DDR- Einwohner, die vor 1989 die DDR verlassen haben, hatten im "Westen" einen sehr guten Ruf als fleißige, anständige und ordentliche Arbeiter, dass wird heute nur zu gerne vergessen. Die meisten davon haben es ja auch, wie man es heute so schön ausdrückt, "geschafft", sich hier recht schnell etwas aufzubauen.

Die Afrikaner dagegen treibt die nackte Not bzw. Perspektivlosigkeit (Schlagwort: youth bulge) und selbst in einem Lager zu landen, schreckt nicht mehr ab, da es dort zumindest genug zu essen gibt und man, wenn man seine Zeit abgesessen hat, evtl. sog. den Status eines wie auch immer geduldeten mit weitergehenden Sozialleistungen bekommen kann.

Was dagegen zu tun ist, ist eine schwierige Frage. Mit fällt dazu auch nichts wirklich überzeugendes ein. Entweder, man schiebt konsequent postwendend ab, um so jeglichen Anreiz im Keim zu ersticken oder, und dass wurde im Artikel richtig gesehen, man macht die Türe geregelt ganz weit auf - dies sollte dann aber auch für andere Kontinente weltweit gelten.

agricola
7. Oktober 2013 17:06

Das, was uns (Europäer) durch die Massenflut der Elenden aus der Dritten Welt noch bevorsteht, hat Jean Raspail in seinem genialen Roman " Das Heerlager der Heiligen" beschrieben. Uns bleibt keine andere Wahl als Egoismus, um das europäische Boot vor dem Untergang zu retten! Die Zeichen stehen auf Sturm, denn Europa ist bereits überfremdet und besitzt kaum noch geistige Abwehrkräfte! Wenn die letzten Dämme brechen - und sie werden brechen, wenn die liberale Geisteskrankheit die Gehirne der Weißen weiter vernebelt - ist der Kontinent endgültig verloren!

Hartwig
7. Oktober 2013 18:15

Herr Bosselmann, Sie wissen, dass es der DDR gelang, ihre relativ langgestreckte Ostseeküste so zu überwachen, dass es nur seltenst jemanden gelang, mit einem winzigem Schlauchboot oder manchmal gar nur mit einer Luftmatraze zu entwischen. Der Aufwand war sicher beträchtlich, aber scheinbar dennoch leicht zu stemmen und durchaus praktikabel. Was der DDR in der Ostsee gelang, sollte der EU im Mittelmeer nicht so schwer fallen. Denn zu einer massiven und abschreckenden Abwehr des Flüchtlingsstroms fällt mir beim besten Willen keine Alternative ein; auch dann nicht, wenn ich meine grundsätzliche Ablehnung von Masseneinwanderung für einen Moment vergesse. Die Abschreckung muss so groß sein, dass ein solches Unglück wie jüngst genau anders herum medial ausgeschlachtet werden müsste. Wer das anders sieht, hat scheinbar keine Ahnung von der Dimension Afrikas und seiner Probleme.

Axel Wahlder
7. Oktober 2013 18:39

Ich schlage vor, quer ueber die Gibraltarstrasse eine Bruecke zu errichten und die Beduerftigen via Eisenbahn nach Berlin zu befoerdern. Ich meine es ernst. Und die Finanzierung des Projektes muss die EU uebernehmen. Nachdem Berlin von ueber 51% Leuten mit diesem Hintergrund besiedelt ist, wird der Bundesmichel so unnaiv wie die DDR-Buerger von einst.

ene
7. Oktober 2013 19:16

"... vermeintlich auf der Suche nach der "Freiheit"

Eien Lektüreempfehlung hierzu:
Vera Lengsfeld, Mein Weg zur Freiheit.

Wer mal nach Berlin kommt und Zeit hat, dem empfehle ich sehr auch einen Besuch im Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Ich habe dort einmal eine Führung mit Frau Lengsfeld mitgemacht, die mir unvergeßlich geblieben ist.

--- vermeintlich?---

Heino Bosselmann
7. Oktober 2013 19:29

@ene: Meines Wissens war die couragierte Frau Lengsfeld ab Anfang der Achtziger im bürgerrechtlichen Widerstand tätig, wurde aus der SED ausgeschlossen und beteiligten sich an Widerstandsgruppen in Ost-Berlin. Sie geriet in den Stasi-Knast und wurde durch Ihren Anwalt, Herrn Schnur, einen IM des MfS, zur Einwilligung in die Abschiebung überredet. Das heißt, sie befand sich nun gerade nicht auf der Flucht aus der DDR, sondern riskierte eine Menge innerhalb des Landes für Veränderung. Das soll sie nicht über Flüchtlinge stellen, was Frau Lengsfeld sicher nie so behaupten würde, ist aber eine andere Geschichte als die Causa Lobkowitz.

Andreas R.
7. Oktober 2013 22:40

Einerseits ist es verständlich, wenn Menschen ihrem tatsächlichen oder vermeintlichem Elend entfliehen wollen. Wenn die afrikanischen Flüchtlinge ihren Problemen entfliehen wollen, dann wird das nicht funktionieren, weil sie nicht begreifen, daß sie selber das Problem sind. Oder, um es genauer zu formulieren, ihre Einstellung zum Leben. Solange sie ihre Lebenseinstellung, ihre Agressionen, ihren primitiven Aberglauben und ihre Triebhaftigkeit nicht unter Kontrolle bringen, werden sie von den Problemen, denen sie zu entfliehen versuchen, früher oder später eingeholt werden. Dort, wo sie sich niederlassen, wird es sehr bald genau so aussehen wie dort, wo sie hergekommen sind. Wenn sie ihrer Armut entfliehen wollen, müssen sie endlich lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu leben.

Wer schon einmal in Afrika war, weiß, das es dort noch eine andere Seite gibt. Auch in Afrika gibt es moderne, leistungsbereite und westlich eingestellte Menschen, die etwas aus ihrem Leben machen. Von diesen modernen, leistungsbereiten und aufgeschlossenen Afrikanern gibt es jedoch leider noch zu wenig, und unsere Medien berichten auch lieber über die negativen Seiten, weil sich damit besser Schlagzeilen machen lassen. Unsere Medien sollten ihren Fokus auch mal auf diejenigen Afrikaner richten, die etwas leisten, anstatt nur auf diejenigen, die immer nur von anderen haben wollen.
https://www.youtube.com/watch?v=826tpNNrCF0

Dar
7. Oktober 2013 23:29

Die Afrikaner haben kein Problem mit zuviel Kapitalismus, sondern mit zuviel politischer Einmischung von außen, zu wenig Rechtsstaat, zuviel Herrschern, die freie Marktkräfte behindern usw.

Wo diese Probleme herkommen und wer daran Schuld ist: Spannende Frage (übrigens ohne einfach romantisierende Antworten à la: Wenn die Weißen nicht gekommen wären, wären die edlen Wilden dort heute alle glücklich) - aber irrelevant in dieser Hinsicht.

Da, wo "Kapitalismus" Afrika zusetzt, sind immer zuerst irgendwelche korrupten Diktatoren zu finden, die die Hand aufgehalten haben - und "Entwicklungshelfer", die mit ihren Geschenken an Volk und Fürsten die lokalen Märkte und Unternehmer kaputt machen, bevor diese überhaupt das kleinste bißchen Wohlstand selber erwirtschaften konnten.

Afrika helfen wollen: Auf jeden Fall. Den sogenannten Kapitalismus dabei als Hauptursache ausmachen: Scheitern vorprogrammiert.

Nordlaender
8. Oktober 2013 08:45

@ Axel Wahlder

"Ich schlage vor, quer ueber die Gibraltarstrasse eine Bruecke zu errichten und die Beduerftigen via Eisenbahn nach Berlin zu befoerdern."

Oh weh, all die Türken und Araber werden sich ihre Stadt Berlin sicherlich nicht kampflos nehmen lassen.

Der Forist "agricola" kam mir zuvor, wollte zunächst nur den kurzen Kommentar: "---> Das Heerlager der Heiligen" absenden.

Wenn ein Organismus (ob eine Einzelperson oder ein ganzes Volk) nicht mehr zuerst sich selber spürt, seine Anstrengungen darauf ausrichtet, seine Eigeninteressen zu verfolgen, sein eigenes Leben zu führen, das eigene Überleben zu sichern, dann ist eh alles zu spät.

Vitalität und eine religiöse Verehrung der gesamten Menschheit zugleich - das sind unvereinbare Gegensätze.

eulenfurz
8. Oktober 2013 11:59

Es ist ein gemeinsames Schicksal: Fettgefressene Europäer stopfen afrikanisches Plantagenobst oder billigen Dosenthunfisch in ihre Wänster und drücken zu Weihnachten Spenden an „Brot für die Welt“ ab, damit „weiße Götter“ hungrigen Negern Medikamente, abgetragene Jeans-Uniformen und Coca Cola verabreichen können.

Die entwurzelten Schwarzafrikaner, dank Fischereiflotten vor ihren Küsten und dank exportorientierter Plantagenwirtschaft ihrer Ernährungsgrundlagen bar, würden alles dafür geben, in das Reich ihrer Sehnsucht zu gelangen. Arbeitslose Fischer schleppen also landlose Bauern über das Mittelmeer nach Europa.

Sollte man die „Boat People“ vor den Küsten zusammenschießen, um ein abschreckendes Fanal zu setzen? Oder sollte man die Einwandernden gerecht auf die Europäer verteilen? Wer also Bananen im Supermarkt kauft, muß auch gleich einen Neger mitnehmen, den er bei sich zu Hause verköstigt. Wer eine Thunfischdose erwirbt, erhält einen Sarg mit einem toten Boat-People kostenlos dazu.

[und weiteres]

Heinrich Brück
8. Oktober 2013 13:29

Ostdeutschland hat seit der 'Wiedervereinigung' Millionen seiner
Bürger verloren, war also der klare Verlierer der westlichen
Übernahme; deshalb habe ich auch noch nie einen Tag der Einheit
gefeiert, denn mir fehlt die dazugehörende Souveränität eines
freien Volkes.
Der Marsch Afrikas Richtung Europa ist eine Kriegserklärung.
Ein Krieg muß dann ausgefochten werden, wenn er vor der Tür
steht. Wird er auf die lange Bahn geschoben, wird es ein größerer
Krieg, was Bismarck immer wußte. Aber heutzutage hat es ja jeder
so mit dem Frieden, ein hinlänglich sichtbarer oder erkennbarer
Beweis der Bürger für ihre entartete Wohlstandsliebe im
Gefängnis BRD, was mit wahrer Freiheit nicht mehr viel zu tun hat.
Freiheit und Gottlosigkeit scheinen nicht zusammenzugehen,
jedenfalls nicht in meiner Welt.
Viele Rechte haben sich von den Linken einlullen lassen, mit dem
schlichten Vorwurf der Kriegspartei durch die gesamte Geschichte,
und jetzt wollen sie auch den ewigen Frieden, nur halt traditionell
und konservativ.
Im Hinblick auf Schwarzafrika gibt es einen Unterschied, und zwar
nicht nur den der Mentalität, sondern auch den der Hautfarbe und
des Intelligenzquotienten.
Die niederträchtige Heuchelei der Wohlstandsbürger, in jeder
deutschen Stadt, in einem bestimmten Viertel oder in mehreren,
ist alles ein bißchen teuerer damit die Ärmeren dort nicht hinziehen
können, und ganz sicher werden in diese Gegenden keine
Asylantenheime gebaut. Aber der Kreis wird enger.
Die deutsche Politik hat bestimmt nicht die Voraussetzungen für
den afrikanischen Intelligenzquotienten geschaffen, sie hat aber
die Voraussetzungen für den Niedergang des deutschen
Intelligenzquotienten geschaffen, der wohl kompatibel mit dem
afrikanischen werden soll. Die deutsche Kolonialzeit war zu kurz,
leider, gleichzeitig besser und positiver als die der anderen
europäischen Nationen.
Was die wahren Rechten von den lauen Rechten scheidet, ist
der Blick auf Krieg und Frieden. Der wahre Rechte kennt den Krieg
als Kontinuum, kein Streß, lediglich Normalität.
Wollen die Deutschen ein weißes Volk bleiben?

Gold Eagle
8. Oktober 2013 14:23

Der Vergleich mit der DDR ist vollkommen absurd. Es ist ein offensichtlicher Unterschied, ob ich jemanden nicht in mein Haus hineinlasse, oder ob ich jemanden nicht aus meinem Haus herauslasse. In dem einen Fall ist das legitime Verteidigung meines Eigentums, im anderen Fall ist das Freiheitsberaubung. Jeder hat das Recht in jedes Land zu gehen, soweit die Bürger dieses Landes damit einverstanden sind. Wenn sie das nicht sind, habe ich kein Recht dazu. Die Bürger der DDR hatten das Recht dazu in den Westen zu gehen, das war ihnen sogar durch das Grundgesetz garantiert.

Hartwig
8. Oktober 2013 14:55

Eulenfurz, ich habe weiter gelesen. Nett, der Vorschlag, quasi die Kontinente zu tauschen; die Afrikaner alle nach Europa zu lassen, um dann die europäischen Völker im leeren Raum Afrikas anzusiedeln. Würde mich wirklich interessieren, was dann passierte. Hat das wechselhafte, anpassungsfordernde Klima Europas die weissen Europäer zu den Herrschern gemacht, die sie seit 1000 Jahren und mehr sind? Trägt heisses und eher eintöniges Klima zum Erlahmen und Dämmern bei. Oder gibt es andere Gründe? Habe z.B. mal gelesen, dass die Entwicklungschancen in den sich längs der Längengrade streckenden Kontinenten (Afrika, Amerika) geringer waren, als in den sich längs der Breitengrade streckenden Kontinenten Europa und Asien. Grund sei die wesentlich größere Ausbreitungsmöglichkeit inklusive Reibungsmöglichkeit mit Artgenossen innerhalb (s)einer Klimazone. Oder ist die Überlegenheit jüngeren Datums und hat kulturelle und religiöse Gründe?

Zadok Allen
8. Oktober 2013 15:25

Herrn Bosselmanns Vergleich ist in der Tat grotesk, und zwar nicht nur aus den von den Vorkommentatoren bereits genannten Gründen, sondern weil er den schieren Dimensionen des Geschehens überhaupt nicht gerecht wird.

Zunächst einmal die demographische Seite: Afrika ist bevölkerungstechnisch gesehen eine schwarze Bombe, deren Explosion wir in Echtzeit miterleben, ohne es - angesichts der über einige Jahrzehnte sich erstreckenden Zeitskala - recht wahrzunehmen.

Hier in Europa gehen, man kann es nicht oft genug betonen, in demographischer Hinsicht die Lichter aus. Seit über 40 Jahren ist in allen (!) europäischen Völkern jede neue Generation um ca. 1/3 kleiner als die vorhergehende. Schreibt man diesen Trend fort - und es gibt nicht den Hauch eines Anzeichens, daß er sich ändern wird -, so führt das innerhalb des überschaubaren Zeitraums von 200 Jahren (von denen, wie gesagt, 40 bereits vergangen sind) zu einer Reduktion der entsprechenden Populationen auf weniger als 10% (!!) ihrer Ausgangsstärke.

Und es ist beachtlich, was die jungen schwarzen Männer wagen, um die nicht vorhandene "Festung Europa" zu stürmen: Not und möglicher Tod schrecken sie überhaupt nicht ab, als säße ihnen der Weltgeist höchstpersönlich im Nacken. Was wir erleben, ist eine neue Völkerwanderung.

Man sollte auch beachten, daß es in der überwältigenden Mehrheit eben kräftige, gesunde und durchaus wohlgenährte junge Männer sind, die aus dem Herzen der Finsternis strömen. Oft genug lassen sie ihre eigenen kleinen Kinder und Familienangehörigen im Elend zurück.

Die Vernunft geböte es, das Mittelmeer für jeden nichtgenehmigten Verkehr in Süd-Nord-Richtung komplett zu sperren. Aufgegriffene "Flüchtlings"-Boote müßten von den europäischen Marinekräften sofort ans Gegenufer zurückgebracht und vor Ort gründlich zerstört werden, und zwar so lange, bis die Schleuserbanden mangels Fahrzeugen dazu übergehen müssen, Schwimmringe auszugeben.

karlmartell
8. Oktober 2013 16:13

@ eulenfurz

Ihre "fettgefressene Europäer"-Theorie greift leider zu kurz.

Der euromediterrane Prozess basiert auf der EU-initiierten Barcelona-Erklärung von 1995, in der zwischen der EU und 10 nordafrikanischen und nahöstlichen Ländern 1. eine politische und Sicherheitspartnerschaft 2. eine Wirtschafts- und Finanzpartnerschaft und 3. eine kulturelle, soziale und humanitäre Partnerschaft gegründet wurden. Im Jahr 2008 wurde dieses Gebilde zur Mittelmeer-Union mit allen EU-Ländern und allen Mittelmeer-Anrainerstaaten mit Ausnahme von Libyen – dafür aber mit Jordanien.
https://xrl.us/berazf

Tragic accident outside Lampedusa: Statement by European Commissioner for Home Affairs, Cecilia Malmström
https://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-13-849_en.htm?locale=en

Sie bezieht sich auf den Freizügigkeits-Pakt mit Marokko mit schnellen Visaerleichterungen als den besseren Weg zur Steuerung der Zuwanderung. Natürlich unterstützen UN-Beamte die EU-Kommission und behaupten, dass viel mehr Flüchtlinge untergehen werden, wenn die EU für die afrikanischen/asiatischen Sintflut ihre Grenzen schließt.
Es sieht immer mehr nach freier Einwanderung für alle Afrikaner aus, denn natürlich sind die Zuwanderer ohne Schuld – im Gegenteil, wir seien die Schuldigen für ihren Tod.......

.....und das hat wenig mit Bananen und Thunfisch für Europäer zu tun.

Vielleicht schauen Sie sich die EU-Dokumente einmal genauer an.

Demokrat
8. Oktober 2013 17:54

Selbst wenn die kühnsten Träume der EU Einwanderungslobby in Erfüllung gehen sollten, dann wäre der Bevölkerungswachstum in Afrika dadurch nicht kompensiert.

Es ist unmöglich, hier ausgewogen zu urteilen.

Wenn die inoffiziellen Zahlen (Dunkelziffern) zu den gezahlten Schlepper- und Schleuser-"Gebühren" stimmen, so kann ich "fetter" weißer Europäer sagen: Ich wäre nicht ertrunken, denn mein Bankkonto hat nicht die nötige Deckung, um die Fahrt ins Glück bezahlen zu können.

Die spannende Frage, die sich mir dabei stellt: Wo sind die Armen Afrikas? Und wer kommt hier her? Menschen im besten Lebensalter? Und zu Hause bleiben die Armen, die Alten und die Frau mit 5-6 Kindern? Ich weiß es nicht!

In den bunten Heften der Welthungerhilfe ist darüber auch nichts nachzulesen.

Heino Bosselmann
8. Oktober 2013 18:23

Leise Zwischenbemerkung. Erwartungsgemäß versteht alles nur: Afrika! Und spielt Szenarien durch. Teilweise recht theoretisch und, nun ja, extrem. Zugestanden, mein Vergleich ist bewußt provokant. Nur ging es mir prioritär um die Darstellung eines Sachverhalts. Ein Flüchtling ist, ob afrikanisch oder europäisch, – ein Flüchtling. Er legitimiert seine Flucht selbst. Faszinierend finde ich, daß EU-Politiker etwas bedauern, wofür es m. E. keine Lösung gibt, weil es sich um ein echtes Dilemma handelt. Oder man veränderte die Weltordnung, was der arme Flüchtling wohl wünschen mag, der Wohlständler aber wohl nicht. Die Deutschen des „Beitrittsgebiets“ suchten m. E. prinzipiell auch nichts anderes als „bessere Verhältnisse“. Daß sie dabei im Automatismus einen Paß erwarten durften und den deutschen Sprachraum nicht verließen, ändert wenig an dem Sachverhalt, daß es Flüchtlinge mit Flüchtlingsmotiven waren, sich selbst legitimierende Aufbrecher – mit dem dafür typischen Gestus. Auch sie standen in einem gewissen Dilemma, ebenso wie die damals (noch) parallel existierenden deutschen Staaten. (Eine Wiedervereinigung war noch nicht in Sichtweite.) Dieses Dilemma wurde nicht auf evolutionäre, sondern auf revolutionäre Weise gelöst. – Ist eine solche prinzipielle Lösung denn vorm jetzigen Hintergrund (EU-Afrika) ebenso zu erwarten? Ich meine, sie dürfte schwerfallen.

Franz Schmidt
8. Oktober 2013 18:25

Wer den Selbstmord der Europäer begreifen will, sollte das folgende Buch lesen.

Barbara Oakley u.a.: "Pathological Altruism" (Oxford University Press)

Karl
8. Oktober 2013 19:47

@ agricola

Wenn es doch nur langsam eine Mehrheit verstehen würde!

Vielen Dank für Ihren Kommentar!

Hartwig
8. Oktober 2013 21:06

Es war mir übrigens vergönnt, gestern noch die 10 Schlussminuten der Fernsehsendung "Hart aber fair" zu schauen(sic). Thema: Lampedusa. Nun denn, ich habe gerade eine Mail an die Redaktion geschickt, in der ich mich beschwerte, dass dort, immer wenn es angezeigt erscheint, der gegen den Strich bürstende "rechte" Part vom wackeren Journalisten Roger Köppel von der schweizer Weltwoche vertreten wird. Ich habe darauf verwiesen, dass es auch eine Reihe deutscher Journalisten, Publizisten und Politiker gibt, die diese Position füllen könnten. Namen habe ich keine genannt, aber das IfS oder die JF hätte gewiss auch Personal, welches den, trotz allem äußerst gemäßigten schweizer Kollegen, vertreten könnte.

Julius
9. Oktober 2013 09:35

Sehr verehrter Herr Bosselmann!
Stets lese ich Ihre Artikel mit Interesse und Gewinn, auch wenn ich nicht immer derselben Meinung bin.
Diesmal bin ich aber doch etwas ratlos: Auch nach mehrmaligem Durchlesen weiß ich nicht, worauf Sie eigentlich hinauswollen. Ist es wirklich Ihr Ernst, die Massenimmigration aus Afrika mit der (Teil-)Wiedervereinigung der Deutschen zu vergleichen? Kommt als nächstes ein Artikel, wonach Feminismus und "Gender-Mainstreaming" eigentlich nichts anderes seien als eine Neuauflage der guten alten Männerbundidee?

Keine Frage: das Leid der Armen, der Hungernden und Ertrinkenden ist eine Tragödie. Ob es unsere Aufgabe ist, die Tragödie zu beenden und ob diese Aufgabe überhaupt lösbar ist, ist die Frage. Kapitalismuskritik und Marxistisch-Leninistische Imperialismustheorien geben – aus den verschiedensten Gründen – nicht die richtigen Antworten auf diese Frage. Die Gefahr, daß Europa beim Versuch, das Leiden der Welt zu lindern selbst zum tragischen Helden wird ist übergroß.

Eleonore
9. Oktober 2013 12:07

"Ein Flüchtling ist, ob afrikanisch oder europäisch, – ein Flüchtling. Er legitimiert seine Flucht selbst. (...) Die Deutschen des „Beitrittsgebiets“ suchten m. E. prinzipiell auch nichts anderes als „bessere Verhältnisse“. "

Hätten die Flüchtlinge des Beitrittsgebiets denn auch mit gleicher Begeisterung den Weg nach Argentinien - oder Afrika - genommen? Wieso waren sie, wenn doch das alles irgendwie dasselbe sein sollte, nicht genauso ein Thema für Japan, die USA oder von mir aus Australien?

Die Verallgemeinerungen "Afrikaner" und "Europäer" zeigen doch auf, daß hier schon auf einer anderen (oder erweiterten) Ebene argumentiert wird, und so werden im Artikel eben Äpfel mit Bananen verglichen.

Europa in seiner jetzigen Form ist bereits ein identitätsauflösendes Gebilde, nur so kann ich mir (mit einer gewissen Bitterkeit) erklären, daß es nicht mehr möglich zu sein scheint, da zu differenzieren. Daß nicht zwischen diesen oder jenen ""Afrikanern" unterschieden wird, ist für meinen Standpunkt hingegen unerheblich.

Ich verstehe wohl die Aussage des Artikels nicht. Natürlich sind irgendwie alle Flüchtlinge gleich - in ihrer Flüchtlingseigenschaft. Ich bestehe auch aus denselben organischen Stoffen wie der Hund, und ob ich aus Eisen einen Pflug schmiede oder ein Schwert, es bleibt Eisen. Am Ende wird auch alles wieder Erde, Asche und Staub - aber das wollten Sie sicher nicht verdeutlichen? Wie etliche Kommentatoren hier sehe auch ich einen Kriegszustand, ich vermute, die aufwallenden Emotionen kommen von dem Gefühl, einem solle hier der Gegner mal wieder als Bruder verkauft werden.

ene
9. Oktober 2013 14:07

@ Julius

Das ging mir haargenau so mit dem "mehrmaligen Durchlesen".
Manches war mir kaum verständlich. Etwa die behauptete Würdelosigkeit jener Botschaftsflüchtlinge. (Das hängt sicher damit zusammen, daß ich in meiner frühen Jugend nur wenige Kilometer von der DDR-Grenze entfernt lebte. Auf westlicher Seite. Da hörte man nachts schon mal Schüsse und Hundegebell und sah Leuchtkugeln. Ganz zu schweigen von den Geschichten von Personen, die von dort abgehauen waren und die ich später (und vor 89) kennenlernte.)

Darf ich es einfach mit einem alten deutschen Wort sagen? Ich glaube, Herr Bosselmann hadert. Aber womit und mit wem?

Nichts für ungut!

karlmartell
9. Oktober 2013 17:08

@ Admin
wenn Sie löschen, wäre eine Kurzinfo über das Warum sinnvoll.
Bin mir keines Verstosses bewusst.

antwort kubitschek:
Sie haben urheberrechte verletzt, daher die löschung nach anderthalb tagen. ich erhielt vom urheber eine aufforderung.

Stevanovic
9. Oktober 2013 18:07

Mit dem, was ich sage, beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf nicht auf Herrn Bosselmann, sondern auf meine eigene Familie:

Nehmen wir mal an, jemand ist im Osten aufgewachsen, kennt auch nur den Osten, die großen tektonischen Zusammenhänge nur von der Ahnung her. Vielleicht war er nicht gerade glücklich, sah seine Umgebung aber auch nicht als Hölle auf Erden und nahm den ganzen Blödsinn von Volk, Vaterland, Pflicht und Ehre ernst, hatte im Weltzusammenhang ein falsches, aber reales Selbstbewusstsein, das sich zwischendurch auch noch richtig gut anfühlte. Dann fiel eine Grenze und seine Mitbürger, von denen er dachte, dass sie die gleichen Gefühle gegenüber dem gemeinsamen Schicksal teilen würden, wenn nicht erfüllt, so doch verbunden, machen sich auf und suchen ihr Glück in einer neuen Weltordnung, ihre Schicksalsgemeinschaft, tja, wie nennt man das? – im Stich lassend? Ja, mit so einer Enttäuschung kann man hadern und zwar richtig lange, auch ohne den Anspruch, historisch im Recht zu sein.

Natürlich ist der Vergleich schräg, dennoch: Was würden Sie empfinden, wenn Barosso die Grenze aufmacht und das bisschen Gefühl von Schicksalsgemeinschaft, das Sie noch haben, als Blödsinn dargestellt wird, weil das Interesse der Flüchtlinge an Wohlstand in Freiheit höher bewertet wird als ihre Anhänglichkeit zu dieser Schicksalsgemeinschaft. Wenn Ihnen gesagt wird, dass ihre Schicksalsgemeinschaft ausgelaugt ist und es so nicht mehr weitergeht? Stichwort: Demographie. Das ist nur in guten Momenten ein zartbitteres Gefühl. Ja, da habe ich an die vielen gedacht, die 89 mit gleichen Gefühl erlebten. Keine Kommunistenschweine, sondern gute Menschen, die an ihr Land glaubten, sei es auch nur, weil sie nichts anderes kannten. Eine Medaille, auch eine redlich verdiente, hat immer zwei Seiten.

Als ich Lampedusa und den 3. Oktober zusammen erlebte, hatte ich dieses Déjà-vu. Viele in meiner Familie hadern noch heute mit '89, ich als Antikommunist nicht wirklich (im Gegenteil). Ich musste aber dennoch schlucken: Auf welcher Seite des Weltuntergangs werde ich diesmal stehen?

Schon länger besorgt
9. Oktober 2013 18:42

An anderer Stelle habe ich gelesen, daß man die Begriffe Flüchtling und Migrant nicht durcheinanderbringen darf. Wer sich aus wirtschaftlichen Gründen in die Fremde begibt, genießt offenbar nicht den Schutz der Genfer Konvention.
Man hat (als Migrant) das Recht, irgendwohin auszuwandern, aber man hat kein Recht, irgendwo einzuwandern. Nur das betreffende Land bestimmt darüber, wer einwandern darf.
Darüber hinaus verstehe ich den Vergleich mit der DDR nicht. Von Deutschland nach Deutschland?

Heino Bosselmann
9. Oktober 2013 19:08

@Stevanovic: Danke. Selbst wenn es Unverständnis von Lesern erzeugen wird: Die Bittstellerei meiner damaligen Landsleute in den West-Botschaften fand ich tatsächlich emotional unangenehm, wenngleich oder weil die DDR-Politik selbst dafür verantwortlich war. Auf dem Rasen anderer Leute zu kampieren, um ins Haus vorgelassen zu werden, tut mir leid, das hat einen Geschmack. Mag daran liegen, daß ich ein DDR-Hineingeborener war und die Erfahrung zweier deutscher Staaten gemacht hatte. Die versammelte Häme der Westmedien damals konnte ich wiederum rational verstehen.

Heino Bosselmann
10. Oktober 2013 08:45

Ich denke, der streitbare Text ist ausdiskutiert, bedanke mich und widme mich Neuem. Auf bald.

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