Geist und Pampe oder Die Dämmwolle des Bösen (Fundstücke 18)

Ich weiß, wir leben angeblich im "Kali-Yuga", im finsteren Verfallszeitalter,...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

in dem man sich über nichts mehr zu wun­dern braucht. Aber es gibt immer wie­der neue Gra­de und Varia­tio­nen an Demenz, die so ver­blüf­fend sind, daß selbst mir dazu nichts mehr einfällt.

Heu­ti­ge Fol­ge: eine Repor­ta­ge aus Deutsch­land­ra­dio Kul­tur (sic), in dem sich mul­ti­ple Bescheu­erthei­ten zu einem der­art exqui­si­ten clus­ter-fuck bal­len, daß mir rich­tig schwind­lig wurde.

Dar­in geht es um eine Frau Ellen Vege­lahn (57) und ihren nament­lich unge­nann­ten Mann, die sich in Lis­sen­dorf an der Eifel (Ein­woh­ner­zahl 1118) einer inter­es­san­ten Beschäf­ti­gung wid­men: näm­lich der seri­el­len Buch­ver­nich­tung im gro­ßen Maß­stab, das heißt “eini­ge hun­dert Ton­nen alter Bücher pro Jahr”.

Wer jetzt einen Reflex­schock ver­spürt und Bil­der von bren­nen­den Bücher­ber­gen und dekla­mie­ren­den Stu­den­ten in Uni­form vor’s inne­re Auge bekommt, sei beru­higt: die Arbeit dient allein öko­lo­gi­schen Zwe­cken, näm­lich der Her­stel­lung von “Öko­wol­le”, die zum Däm­men von Häu­ser­wän­den ver­wen­det wird.

Ganz ver­steckt, am Orts­rand von dem klei­nen Eifel­dörf­chen Lis­sen­dorf, steht eine Holz­la­ger­hal­le. Das schwe­re Roll­tor öff­net sich, nun tau­chen Unmen­gen an Büchern auf – bis unter die Decke sta­peln sich Ber­ge von Lexi­ka, Roma­nen, Rat­ge­bern, Koch- und Kin­der­bü­chern: Rund 300 Ton­nen über­zäh­li­ge Exem­pla­re aus den Buch­ver­la­gen lan­den hier pro Jahr. (…)

Eine Arbeit, die wie am Fließ­band abläuft:

Die drei Arbei­te­rin­nen tra­gen Gum­mi­hand­schu­he, denn sie neh­men hun­der­te von Rat­ge­bern Abitur 2012 ein­zeln in die Hand, holen die DVDs her­aus und bre­chen dann das Buch mit einem kräf­ti­gen Ruck aus­ein­an­der. Der mit Folie über­zo­ge­ne Ein­band muss weg, der Rest lan­det in einem manns­ho­hen Container.

Aus den

zer­fled­der­ten Büchern wird spä­ter Zel­lu­lo­se-Wol­le gemacht. Ein Bau­stoff, der gern zum öko­lo­gi­schen Däm­men von Häu­sern ver­wen­det wird, weil er den Ener­gie­ver­brauch um 24 Pro­zent mindert.

Nach­dem das Buch in der Papier­müh­le zer­häck­selt und anschlie­ßend in Fasern auf­ge­löst wird, sieht das End­ergeb­nis so aus:

Zum Schluss wird mein Buch mit ins­ge­samt 14 Kilo Alt­pa­pier-Mikro­fa­sern in einen Plas­tik­sack gebla­sen und luft­dicht ver­schweißt. Ellen Vege­lahn über­gibt mir – sym­bo­lisch – einen Schuh­kar­ton vol­ler war­mer, flau­schig wei­cher, gräu­li­cher Zel­lu­lo­se­dämm­wol­le. Aus mei­nem Lie­bes­ro­man sind 220 Gramm Dobry-Eco­vil­la-Fasern gewor­den, was über­setzt Öko­wol­le bedeu­tet. Sieht aber eher aus wie der Inhalt eines Staubsaugerbeutels.

Wel­che Buch­ti­tel das sind, die in Rie­sen­auf­la­gen als Laden­hü­ter lie­gen­ge­blie­ben sind, wird auf Anwei­sung der Ver­la­ge aus Image­grün­den geheim­ge­hal­ten. Zwei Hin­wei­se gibt es dennoch:

Hier ist – unter hohen Sicher­heits­auf­la­gen – vor ein paar Jah­ren Die­ter Boh­lens Erst­auf­la­ge von “Hin­ter den Kulis­sen” ver­nich­tet wor­den. Oder 30.000 Exem­pla­re von Oskar Lafon­tai­nes Bio­gra­fie “Mein Herz schlägt links”.

Aber auch höher­wer­ti­ger Lite­ra­tur wird in Lis­sen­dorf die Ehre der Ver­nich­tung erwie­sen. Nicht umsonst trägt der Bei­trag den Titel “Der Geist von Goe­the in der Wand”.

Ellen Vege­lahn, die ihr Haus auch mit Buch­flo­cken gedämmt hat, wür­de sel­ber nie auch nur ein ein­zi­ges Buch weg­wer­fen. Selbst ihre Kin­der­bü­cher hat sie noch. Sie kennt Kun­den, die ihre Häu­ser nur mit Bücher­flo­cken däm­men und mei­nen, den Geist von Goe­the, Coel­ho oder Bir­git Van­der­be­ke in den Wän­den zu spüren.

“Die ers­ten Lie­fe­run­gen, die wir gekriegt haben, da kam ich mir schon vor wie so ein Ver­bre­cher, so ein Buch­ver­nich­ter, bis man sich mit dem Gedan­ken ange­freun­det hat und gesagt hat: Vie­le Leu­te haben jetzt durch uns mehr Lite­ra­tur in der Wand als an der Wand.”

Man könn­te nun mei­nen, das sei wit­zig gemeint, denn ein­leuch­ten­der­wei­se fin­det sich in einem “war­men, flau­schig wei­chen, gräu­li­chen” Papier­zel­lu­lo­se­matsch nur mehr rela­tiv wenig “Lite­ra­tur”, geschwei­ge denn irgend­ei­ne Art von “Geist”, sei es nun von Goe­the oder Dan Brown. In einem zer­schmol­ze­nen Schall­plat­ten­vi­nyl spu­ken ja auch kein Bach, Sina­tra oder Jus­tin Bie­ber mehr.

Oder kann man sich in Lis­sen­dorf auch extra ein paar Kilo Schiller‑, Kant- und Les­sing-Wol­le bestel­len, mit Zer­ti­fi­kat, daß man hier garan­tiert kei­nen zer­schnit­zel­ten Sim­mel oder einen zer­nu­del­ten Kon­sa­lik oder sons­ti­ge Min­der­wa­re unter­ge­ju­belt bekom­men hat? Da kehrt er wie­der, der bil­dungs­bür­ger­li­che Dün­kel: “Ich däm­me mein Haus nur mit Nobel­preis­trä­gern und Wei­ma­rer Klas­sik!” Und gibt es für Ossis Son­der­an­ge­bo­te aus Marx- und Engels-Papp und Rosa-Luxem­burg-Schlamm? Und kos­ten­güns­ti­ge Sets mit Hen­ning Man­kell- und Don­na Leon-Kleis­ter für Krimifreunde?

Doch lei­der lau­ert der Witz auf einer ande­ren Trep­pe. Denn wäh­rend nun Boh­len und Lafon­tai­ne (ver­ständ­li­cher­wei­se) als gut genug befun­den wer­den, um zur Däm­mungs­pam­pe zer­matscht zu wer­den, gibt es ande­re Bücher, bei denen Frau Vege­lahn eine stren­ge Gren­ze zieht. Und nun kommt’s.

“Rech­te Lite­ra­tur haben wir grund­sätz­lich abge­lehnt zu ver­nich­ten, ganz ehr­lich, das wür­de ich auch kei­nem Kun­den zumu­ten: Däm­mung aus rech­ter Lite­ra­tur, das war für uns immer ein Tabu­the­ma. Was wir auch mal abge­lehnt hat­ten, waren Koranvernichtungen.”

OK … das nun aber mal nach der Rei­he. Um zu zei­gen, daß sie im Kampf gegen Rechts mit­ma­chen und nicht in einer Rei­he mit den bösen Buch­ver­bren­nern von ges­tern ste­hen, haben sich die Lis­sen­dor­fer ent­schlos­sen, “rech­te Lite­ra­tur” nicht zu ver­nich­ten? Goe­the darf man beden­ken­los zer­schred­dern, aber den Föh­rer nicht? Und der Koran steht also auf einer Stu­fe mit “rech­ter Lite­ra­tur”? Ist das nicht eine ein biß­chen, hm, isla­mo­pho­be Aus­sa­ge? Haben wir es hier etwa mit Stür­zen­ber­ger-Anhän­gern zu tun? Oder hat­te man Schiß vor einer dro­hen­den Fat­wa, falls die orts­an­säs­si­gen sala­fis­ti­schen Kover­ti­ten spitz­ge­kriegt hät­ten, daß das Wort des Pro­phe­ten zur Wär­me­däm­mung miß­braucht wird? Oder war es gar Ehr­furcht vor dem hei­li­gen Buch? Wie sieht’s dann mit Bibel­ver­nich­tun­gen aus, geht das in Ordnung?

Oder ist es die Angst, daß die graue Pam­pe zum Dschi­had auf­zu­ru­fen beginnt? Daß aus der Mau­er ein Muez­zin­ruf ertönt? Oder noch schlim­mer (und das sieht nach einem drin­gen­den Fall für die Exor­zis­mus­ab­tei­lung von “Netz gegen Nazis” aus):  was ist, wenn der mit Rest­ex­em­pla­ren des Ex-Best­sel­lers “Mein Kampf” gewürz­te Papier­brei den ahnungs­lo­sen Bür­ger mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Strah­lun­gen infil­triert? Kann es ein Mensch mit sei­nem Gewis­sen ver­ein­ba­ren, wenn er erfährt, daß sei­ne Wän­de mit geschichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Fus­seln gedämmt wer­den? Wird er es mora­lisch ver­kraf­ten, sein Wohl­be­ha­gen einem Klitsch aus ehe­ma­li­gen Land­ser-Hef­ten zu verdanken??

Und ist die Gren­ze des Trag­ba­ren erst bei der Deut­schen Stim­me oder der Natio­nal-Zei­tung über­schrit­ten, oder rei­chen schon ein paar ver­wurs­te­te Sta­pel der Wochen­zei­tung für Debat­te, um schlaf­lo­se Näch­te zu erzeu­gen? Kann jemand den psy­chi­schen Streß ertra­gen, in einem Haus woh­nen zu müs­sen, das bis an die Decke mit Flo­cke aus Rest­ex­em­pla­ren des Ver­lags Antai­os abge­dich­tet ist?? Darf man einen Men­schen dem Hor­ror aus­set­zen, leben­dig in Zel­lu­lo­se­mas­sen aus alten Sezes­si­ons-Exem­pla­ren ein­ge­mau­ert zu werden???

Ich sage: das darf man natür­lich nie­man­dem zumu­ten! Dämmt statt­des­sen eure Häu­ser ener­gie­scho­nend mit dem Grund­ge­setz und ver­ar­bei­tet es zu Recy­cling-Toi­let­ten­pa­pier! Stopft eure Matrat­zen mit dem Tage­buch von Anne Frank aus! Pols­tert euch mit Hit­lers rosa Kanin­chen! Tape­ziert die Wän­de mit Elfrie­de Jeli­nek! Macht Papp­ma­ché-Tier­chen aus Gün­ter Grass-Werk­aus­ga­ben und den Memoi­ren von Reich-Rani­cki! Und wenn wir schon dabei sind: Spach­telt Öko-Wol­le aus Richard David Precht in eure Haus­mau­ern! Pflas­tert eure Hams­ter­kä­fi­ge mit “Fif­ty Shades of Grey”! Heizt eure Öfen mit Char­lot­te Roche, bis die Poli­zei kommt! Ihr wer­det euch vor lau­ter real­prä­sen­tem Geist kaum mehr ret­ten kön­nen.  Lieb Vater­land, magst ruhig sein… ich jeden­falls däm­me nur mehr mit Jün­ger und Speng­ler, jetzt erst recht!

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (25)

ene

16. Oktober 2013 17:51

Da kann ich mir noch ganz andere heikle Fälle vorstellen.
Thema: Organspende. - Die Krankenkassen werben ja jetzt dafür; und nun stellen Sie sich mal vor: es könnte ja ein Mensch mit bekannt "rechter" Gesinnung zu Tode kommen, welcher einen Organspende-Ausweis bei sich trägt...
Darf man in einem solchen Fall eine beispielweise Niere (oder gar ein Herz!) einem ahnungslosen Bürger implantieren -? Und wenn der das dann erfährt -? Unabsehbare Folgen -

M.L.: Jede Wette, soweit kommt es noch...

Axel Wahlder

16. Oktober 2013 18:29

Fatwa-Argument ist plausibel, noch plasusibler ist Vermutung, dass Koransverwendung der Staat verboten hat ..

alex

16. Oktober 2013 18:49

Der ganz normale Wahnsinn in "Schland" oder bereits der vorausfuehlende Gehorsam wegen der stets gezueckten Kampf-gegen-Rechts-Knute, ist hier die Frage.
Aber auch nur wenn's denn ueberhaupt noch irgendeinen interessiert - ich nehme mittlerweile diese Rituale irgendwie nur noch emotionlos wahr, wobei mich lediglich - wie Herrn Lichtmesz - die 360 Grad-Volten dieses Veitstanzes gelegentlich ueberraschen: Eben halt solche, wie "rechte" Buecher extra nicht zu schreddern, oder dass das Wiesenthal-Zentrum die fachgerechte Entsorgung von Priebkes Asche in Deutschland fordert, usw. usf.
Vielleicht ist es aber auch nur die gebotene Vorsicht, auf dass sich niemand an solchen Feinstaeuben noch mit einem Hitler infiziert und des morgens dann als Heydrich aufwacht....

Schon länger besorgt

16. Oktober 2013 19:14

Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Tränen habe ich in den Augen. Es ist aber doch mehr das Lachen, weil die Welt so irrsinnig komisch ist, wie man sie sich gar nicht ausdenken könnte. Danke für diesen Beitrag!

Inselbauer

16. Oktober 2013 19:45

Die Vision ist genial, Herr Lichtmesz: Heute Abend, bevor Sie schlafen gehen kommen Stürzenberger und Precht im Gleichschritt aus dem Kleiderschrank und nehmen Rache. Da nützt Ihnen alle Metaphysik nichts.

Martin

16. Oktober 2013 19:49

Dr. Oetker Koch- und Backbücher sind auch nicht mehr recyclingfähig ...

https://www.spiegel.de/wirtschaft/august-oetker-spricht-ueber-die-ns-vergangenheit-seines-vaters-a-928151.html

waldgänger aus Schwaben

16. Oktober 2013 20:45

Also hätte sich ein Satirkier so was ausgedacht, keiner hätte gelacht weil es total übertrieben anmutet.

Zur Entsorgung von zur Dämmung ungeeignter rechter Literatur hätte ich noch einen Vorschlag:

Das ganze rechte Zeugs muss dahin wo es garaniert keiner liest - in Schulbibliotheken.

@Carsten
Ein Bekannter redet von seiner Ex so: "Die Mutter meiner Kinder."

Fünf

16. Oktober 2013 21:37

Man lebt im Irrenhaus. Oder bin ich irre, und alle anderen normal? Dann lese ich sowas...

https://de.friatider.se/2013/10/grunes-licht-fur-weniger-deutsche.html

...und ich stelle mir die Frage nochmal. Immer wieder. Warum nimm ich das wahr, und die anderen nicht? Warum kann ich nicht wieder alles vergessen, und schön mitspielen?

So wird man schnell zum Denker. Das macht einen das Leben nicht leichter. Sondern manchmal zur Qual.

Erwalf

16. Oktober 2013 22:16

Wie heißt der Spruch? - Dort wo man mit Büchern dämmt, sind am Ende alle Dämme gegen den Irrsinn gebrochen und die Menschen dämmern geistlos dahin. - Kampf gegen Rechts heißt nun, alles rechte Schrifttum aufbewahren. Nur linke Bücher sind dämmenswert. Aber auch der Koran ist dämmensunwertes Gedrucktes. - Und ist es Unsinn, so hat es doch Methode.

Gustav Grambauer

16. Oktober 2013 22:35

Guido Knoop hat nicht nur einmal durch das Aussprechen des Namens der Bestie verunreinigtes Ektoplasma zubereitet. Bruno Ganz, Martin Wuttke und Helge Schneider haben das Phantom der Bestie sogar leibhaftig inkorporiert und geben somit ebenfalls dessen Astralsubstanz ab.

Ich schlage vor, täääse Pärrrsonän (oh???! ...) zum Schutz der Öffentlichkeit und zu ihrem eigenen Schutz nach den seuchenrechtlichen Bestimmungen in Quarantäne zu nehmen.

- G. G.

Nils Wegner

16. Oktober 2013 22:57

Es bleibt eigentlich nur festzuhalten, daß man sich auf vielerlei Weisen "warmhalten" kann. Anscheinend haben allmählich alle etwas mit Büchern zu tun.

benito mussorgsky

17. Oktober 2013 00:17

"Das Buch" mag wohl in jeder Hinsicht heilig sein. Die Bücher dagegen sind nur Materie. Kann nichts Anstößiges an derartiger Wiederverwertung finden. Das greift den Geist nicht an.
Manche Pergamenthandschrift diente weiter als Einband und wurde später dann als kostbarer erkannt als das Umhüllte. Unnütz gewordenes Gedruckte wurde vor zweihundert Jahren schon als Pfeffertüte genutzt.
Dumm fragenden Journalisten liefert man sich freilich aus sobald man den Rundfunk andreht.
Viel Bemerkenswerter: Für den neuen Kino-Schmarren aus der Hollywood-Alptraumfabrik "The Bookthief" (deutscher Kinostart am 13. Februar 2014 -sic!) wurden im Februar auf dem Görlitzer Untermarkt unter dem "Sieg Heil" Gebrüll von 300 deutschen und polnischen Statisten Ausgaben von Heinrich von Kleist, Richard Wagner et alera abgefackelt, peinlich genau beachtet beim Ordern der antiquarischen Ware, dass kein historisch verbürgter Brennstoff darunter sich birgt. Die Pointe dazu hebe ich mir noch auf... https://www.thebookthief.com/
----Gedichte gehören auswendig gelernt, nur so lebt das "Geheime Deutschland" Dann mögen die Bücher meinetwegen brennen und dämmen. Wir lesen sie uns aus dem Gedächtnis vor. We know it by heart, wie der Engländer sagt.

Rainer

17. Oktober 2013 06:33

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß Frau Vegelahn von selbst behauptet hat, "rechte Literatur und Korane" als Shreddermaterial abzulehnen, kein normaler Mensch, zumindest solche, unter denen ich lebe, würde auf die Idee kommen, von sich aus solche Propagandafloskeln zu äußern, ohne irgendwie dazu gedrängt oder veranlaßt worden zu sein. Ich bin mir fast sicher, daß ihr eine diesbezügliche Frage von den Reportern gestellt wurde, aber in der Reportage die Fragestellung einfach weggelassen wurde, damit es so aussieht, als wäre sogar diese einfache "Frau aus dem Volk" eine linientreue, ideologisch gefestigte "Kämpferin gegen rechts", die die Abneigung gegen alles, was irgendwie rechts ist verinnerlicht hat und dies bei dieser Gelegenheit auch freimütig äußert. Den Reportern und Journalisten in den ÖR-Medien traue ich inzwischen alles zu, sogar solche Manipulationen.

Wie Herr Lichtmesz es schafft, sich immer wieder solche Sendungen anzuhören, ist mir ein Rätsel, für wäre das eine masochistische Quälerei.

gerdb

17. Oktober 2013 10:19

Ich möchte ja die Pointe nicht verderben, aber geht es nicht darum ,dass die Frau keine geschäftlichen Beziehungen welcher Art auch immer zu bestimmten Verlagen aufnimmt?
Diese Unsitte ist mittlerweile verbreitet. Man muss ja auch nicht beim linken Fleischer ins ND einwickeln lassen.

Ein Fremder aus Elea

17. Oktober 2013 11:16

Geht wohl um's Geld. Die bezahlen ja wahrscheinlich was für den Rohstoff. Würden sie rechte Literatur annehmen, förderten sie damit großzügigere Auflagen bei rechten Verlegern.

Würde das bekannt, wäre es geschäftsschädigend. Und ebenso wäre es geschäftsschädigend, wenn bekannt würde, daß sie Korane verarbeiteten.

Ein Unternehmer scheint immer so irrsinnig zu sein, wie es seine Kunden sind. Der Unterschied ist, daß sich der Irrsinn in den Kunden nicht in einer Person konzentriert.

Daher ja auch das Gebaren von Autoverkäufern und Versicherungsvertretern.

NasserFuchs

17. Oktober 2013 11:32

Aha! - Daher die exorbitanten Preise für grauen "Ökodämmstoff".- Die deutsche Buchpreisbindung ist also schuld...

NasserFuchs

17. Oktober 2013 11:33

Ebenso.
Guter Artikel!

NasserFuchs

17. Oktober 2013 12:51

Eine Anmerkung noch:
Hat die Öki-Jounaille da keinen Zahlendreher drin? Ist der Dämmwert tatsächlich 24%? Oder nicht eher 25, 26... oder gar 42... Oder sind es gar nur 2,4%? Und was ist mit möglichen zukünftigen Bauschäden an den Buden? Wie ich gehört habe, gibt 's noch gar keine Langzeit-Erfahrungen.

Wanderer

17. Oktober 2013 13:01

Danke, Herr Lichtmesz für das herzliche Lachen in der Mittagspause!

Stein

17. Oktober 2013 17:35

Nachdem ich eben nur kurz SPON und Zeit online überflogen habe, um mein tägliches Bedürfnis nach Abscheu zu befriedigen, fand ich diese Anekdote doch eher amüsant. State of Decay eben.

Rainer Gebhardt

17. Oktober 2013 17:49

So, ich habe mir eben mal das Stethoskop von meiner Frau ausgeliehen, höre jetzt die Wände ab und ja ... da ist was ..."Komm in den totgesagten Park..." das muss Stefan George sein...und hier "...dieses Baumes Blatt, der von Osten.." ahhh, der Dichterfürst...aber da wird er schon von Freiligrath gedämmt:"..."Prinz Eugen, der edle Ritter! Hei, das klang wie Ungewitter..." ... und jetzt auf einmal Tuli Kupferberg mit "... teach yourself fucking..." ... das ist ja der reinste Hip Hop...Moment mal, da tropft es aus der Wand...ach so, na klar: Die Feuchtgebiete von Charlotte...Seltsam, das reimt sich alles gar nicht, na ja, egal, Hauptsache es dämmt.

P.S. Eine Geschäftsidee für ganz Schnelle: Dämmstoff aus "Sein und Zeit" und "Götzendämmerung." Der ist natürlich erheblich teurer als der übliche Bestsellerschund.

Rucki

17. Oktober 2013 17:55

Achtung!

Beimischungen von Dämmschnippsel des Buches "Feuchtgebiete" neigen zu extremer Schimmelbildung.

Schnippedilderich

17. Oktober 2013 19:46

Ich dachte mir gleich, daß in den Werken von Grass, Habermas und Co. ein bislang unerkannter materieller Wert steckt, der den immateriellen um Längen überragt. Zeitgeistrecycling bedeutet hier nichts Geringeres als Konservierung des metaphysischen Mehrwerts. Die Linke macht sich erstmals wirklich nützlich.

eulenfurz

18. Oktober 2013 10:35

Prinzipiell ist es eine gute Idee, das Vielzuvielgeschriebene oder die unappetitlich-unästhetischen Ausgaben großartiger Literatur einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Das ist zumindest besser, als das in ermordeten Bäumen gedruckte Gewäsch der Bohlens und Lafontaines auf einer Mülldeponie verfaulen zu lassen.

Die Angst vor Kontaminierung treibt derweil seltsame Blüten. Galt früher einmal, daß nur ein toter Nazi ein guter Nazi sei, so ist auch das spätestens seit dem Ableben Erich Priebkes hinfällig.

Riccardo Pacifici, Chef der Jüdischen Gemeinde Roms, begründet die Verweigerungshaltung, dem Toten eine Ruhestätte zuzuweisen, damit, daß da „nicht ein Mensch, sondern ein Lebewesen“ begraben werden müsse. Derartige Untermenschen dürften nicht den Boden der glücklichen Menschheit verseuchen.

Priebke überlegt bereits, sich in Argentinien bestatten zu lassen. Doch das argentinische Außenministerium erteilte ihm via Twitter umgehend eine Absage. Es sei ein „Affront gegen die Menschenwürde“, Charon, dem Fährmann, eine solch weite Reise zuzumuten.

Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, gab nun den Befehl, Priebke wiederzubeleben. Es könne nicht sein, daß gefangene Faschisten sich die Freiheit herausnähmen, zu sterben, wann sie wollten, ohne vom Gericht dazu eine Erlaubnis erhalten zu haben. Schließlich lautete das Urteil auf „lebenslänglich“, und auch Erich Priebke könne sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen.

Die Wiederbelebung Priebkes hätte zudem den Vorteil, daß man ihn noch einmal vor ein Gericht stellen könnte wegen Störung der Lebendenruhe, die er mit seinem Unwillen hervorruft, sich endlich für eine unwürdige Grabstätte zu entscheiden.

Martin Lichtmesz

18. Oktober 2013 13:03

Badeschluß!

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