Sezession
24. Oktober 2013

Gewissensfragen (Fundstücke 19)

Martin Lichtmesz / 32 Kommentare

IswasdocVor ein paar Wochen wurde mir in einer kleinen, eher liberal ausgerichteten Runde folgende Geschichte erzählt: ein wegen seines Berufes vielgereister, im Ausland lebender deutscher Geschäftsmann berichtete von einer Bekannten aus Belgien, die schlagartig und ohne Anhörung des Verurteilten jeden Kontakt mit ihrem Vater abgebrochen hatte, als sie erfuhr, daß er den Vlaams Belang gewählt hatte.  

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Also eine der vielen kleineren, national ausgerichteten Parteien Europas, die als "rechtspopulistisch" oder schlimmeres verschrien werden. Das Familienverhältnis kann auch sonst nicht besonders gut gewesen sein, denn eines Tages ließ sich die Dame erklären, was für Gründe ihr alter Vater hatte. Er war inzwischen in seinem Wohnblock fast der einzige verbliebene Flame, der nicht einmal mehr imstande war, eine Zeitung in seiner Landessprache zu kaufen. Er war zum Fremden in seiner eigenen Heimat geworden.

Als die Tochter das erfuhr, wurde sie nachdenklich, und ihre Haltung milderte sich, sie begann langsam, das Verhalten ihres Vaters zu verstehen. Warum hatte sie ihn denn nicht gleich gefragt? Warum hatte sie so reflexartig reagiert? Der Geschäftsmann fuhr fort, weitere Beispiele aus England zu erzählen, wo sich das Gesicht ganzer Stadtteile durch Zuwanderung rapide geändert hätte. Diejenigen, die das ausbaden müssen, sind oft alte Leute und sozial Schwächere.

Einige in der Runde wurden langsam ein wenig nervös. Ich legte noch eines drauf: diese Entwicklungen betreffen ja nicht nur die Alten, sondern vor allem auch die Kinder und Jugendlichen. In Großstädten würde es zunehmend schwieriger, seine Kinder noch auf eine vernünftige Schule zu schicken, in der sie sich nicht als Minderheiten wiederfinden würden. Die Anteile von ausländischen Kindern mit schlechten Deutschkenntnissen seien stetig am Wachsen, was einen negativen Effekt auf die Qualität der Bildung und Erziehung hat. Gleichzeitig würden all die bürgerlichen Gutmenschen, die etwa Grün-Rot wählen, ihre Kinder nicht gerade nach Neukölln oder Kreuzberg schicken, sondern, wenn es das Geld erlaubt, vorzugsweise auf Privatschulen.

Auch hier stimmte mein Gesprächspartner lebhaft zu. Eine schwangere Frau aus den gutsituierten Vororten Wiens, die bisher eher schweigend zugehört hatte, sprang nun plötzlich schlagartig auf und bat ihren Mann, nach Hause zu fahren: "Gemma???" Als Grund gab sie an, müde geworden zu sein, aber ich hatte eher den Eindruck, daß sich in ihr ein erhebliches Unbehagen breitgemacht hatte. Zuvor hatte sie noch geseufzt, "Na, wenigstens ist das nur in Wien so, bei uns in XY ist das Gottseidank anders." "Wart's nur ab", sagte ich, "wenn das so weiter geht, dauert es nicht mehr lange."

Letzte Woche erzählte mir ein junger Aktivist der Wiener "Identitären", daß er ein junges Mädchen aus einem grünen Bezirksverband kennengelernt hatte. Die fiel aus allen Wolken, als er sagte, er könne eine Mitgliedschaft bei den Grünen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Die Grünen sind doch die Gutesten der Guten und die Moralischten der Moralischen??? Und was sei mit Cohn-Bendit und der ganzen Pädophilen-Story? Da geriet sie sofort in die Defensive - eine ungewohnte Situation. Nun hat der "identitäre" Aktivist den Grünen noch ganz andere Dinge vorzuwerfen, die er für unethisch und schädlich hält. Trotzdem hat er sich mit dem Mädchen gut unterhalten.

Warum erzähle ich diese Geschichten? Weil mir eben ein Leser einen skurrilen Link zum Kummerkasten eines Dr. Dr. Rainer bei der Süddeutschen Zeitung zugespielt hat, an den folgendes Problem herangetragen wurde:

»Meine beste Freundin ist mit einem Mann liiert, der sehr aktiv in einer rechtsextremen Partei ist. Sie toleriert seine politische Arbeit, distanziert sich aber von den radikalen Ansichten. Ist eine solche Differenzierung überhaupt möglich, oder muss man nicht jegliche Form von Billigung dieser rechtsradikalen Gesinnung ausdrücklich ablehnen?« Susanne E., Hannover

Das Antwort des Dr.-Sommer-Teams:

Abgesehen davon, dass man sich oft nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt, sollten politische Einstellungen meines Erachtens das Miteinander nicht dominieren. Wie hoch der Spitzensteuersatz sein soll, welche Schulform die beste ist oder wie das Gesundheitssystem zu organisieren, sind am Ende technische Fragen, unterschiedliche Einstellungen und Ideen, wie das Zusammenleben am besten gestaltet werden kann. Sie sind zweitrangig gegenüber dem Menschen, dem Menschlichen.

So weit, so schön und gut, aber das kann selbstverständlich nicht für "Rechte" oder "Rechtsextreme" und sonstige Un-, Unter- und Außermenschen gelten - da muß der anständige Mensch eine Grenze ziehen!

Mit einer Grenze: Eine politische oder religiöse Einstellung, die Menschen ihren Zielen unterordnet, Grundideen wie gleiche Rechte, Freiheit oder gleiche Würde des Menschen negiert, die bereit ist, Menschen zum Mittel zu machen, geht so sehr an den Kern des Menschlichen, dass sie sich von der Person mit dieser Einstellung nicht trennen lässt. Das sehe ich beim Rechtsextremismus verwirklicht, weshalb ich die Differenzierung Ihrer Freundin nicht nachvollziehen kann.

Das alte Lied, frei nach Sarastro aus der Zauberflöte: "Wen solche Lehren nicht erfreu'n, verdient es nicht ein Mensch zu sein." Oder war es doch das "Lied der Partei"?

Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (32)

petra
24. Oktober 2013 10:09

Also das Sexualverkehrverbot wird wenigstens von den Fußtruppen des Herrn Dr. Dr. bereits vielfach gefordert:

https://www.google.de/search?q=kein+sex+mit+nazis&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=QdVoUoH4M4nE0QXssoCwCg&ved=0CAcQ_AUoAQ&biw=1076&bih=1010

Inselbauer
24. Oktober 2013 10:49

Es ist wohl offenbar ein erotisches Spiel: Grüne Frau und rechter Mann; bei der Jugend kommt der Dr. Sommer dazu. Der ist aber ein Bad Scientist, wenn er die aufkeimenden Triebe der Jugend mit solchen Horror-Geschichten anpatzt.
Dieses Sittenbild deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Als ich mich selbst vor Jahren noch für einen Marxisten hielt, rief mich plötzlich die Exfreundin eines damals guten Freundes an, dieser habe sie verlassen. Die mir fremde Frau brach aber plötzlich in Tränen aus und begann zu brüllen: Du Cowboy, du Ernst-Jünger-Leser, du Faschist, Feschak, Falco und Schwuler Rechter hast mir meinen lieben Mann verdorben. Ich war baff. Dann aber beschloss ich, ein Rechter zu werden.

NoTarget
24. Oktober 2013 11:01

Der Dr. Dr. Hornochse echauffiert sich über "Menschen, die ... Grundideen wie gleiche Rechte ... negieren" und spricht noch im gleichen Absatz dem unbekannten Rechten implizit das Recht auf eine Freundin ab.

Tiber
24. Oktober 2013 11:11

meine atrophierende Amygdala ist das also, die mir Qualen bereitet, wenn ich zu viel linkes Neusprech am Tag lese

ich sorge mich um Sie, der sein Gehirn jeden Tag so hohen Dosen aussetzt, mit weiß Gott welchen Wirkungen, um uns paar Hanseln zu belustigen

M.L.: Bin schon ausreichend abgebrüht... a man's gotta do what a man's gotta do.

Rumpelstilzchen
24. Oktober 2013 11:29

http://no-nazi.net/gute-ideen-gegen-nazis/kein-sex-mit-nazis

Da in der rechten Szene Männerüberschuss herrscht, bzw. Frauenmangel,
ist das Problem eigentlich einfach zu lösen.

Ein Fremder aus Elea
24. Oktober 2013 12:08

Na, ich kann es nur begrüßen, wenn jemand in Erwägung zieht, daß Vorlieben für politische Ordnungen angeboren sein könnten. Er wird daraus ja im Normalfall nicht den Schluß ziehen, daß es gälte, eugenische Maßnahmen zu ergreifen, sondern lediglich, daß es diese Vorlieben zu berücksichtigen gilt.

Übrigens entsteht meiner Meinung nach jede Idee politischen Zusammenlebens in einer Paarbeziehung. Ich suche vielleicht mal den Link heraus...

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2012/09/das-paarungen-kapitel-im-jetzigen-licht.html

Eine politische oder religiöse Einstellung, die Menschen ihren Zielen unterordnet, Grundideen wie gleiche Rechte, Freiheit oder gleiche Würde des Menschen negiert, die bereit ist, Menschen zum Mittel zu machen, geht so sehr an den Kern des Menschlichen, dass sie sich von der Person mit dieser Einstellung nicht trennen lässt.

Und wenn's große Worte in unberufenem Munde sind, es bleiben große Worte. Ich geh's auch noch mal durch.

Eine Religion kann sich immer darauf hinausreden, daß sie nicht Menschen ihren Zielen unterordnet, sondern daß jede Forderung an die Menschen noch deren Heil dient. Dieser Punkt ist also unwirksam, es geht ja um das Menschliche, und damit um das Selbstbild des religiösen Menschen.

Eine politische Einstellung, sofern sie nicht religiös begründet ist, orientiert sich an einem immanenten Ziel, und hier wird also behauptet, daß das einzige immanente Ziel, welches nicht unmenschlich ist, darin besteht, den Menschen gleiche Rechte, Freiheit und gleiche Würde zu geben.

Fangen wir von hinten an. Würde bedeutet, ansprechbar zu sein, von allen Seiten, zu allen Themen. Sie bedeutet, keine vorgefaßten Meinungen über den Zweck des Gesprächs zu haben, die Freiheit zu besitzen, sich in jede Richtung, welche einem beliebt, wenden zu können.

Ich schrieb davon hier:

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2012/03/wurde.html

Allgemeine Würde ist ein begrüßenswertes, aber auch ein etwas unrealistisches Ziel. Fest steht jedenfalls, daß es den bisherigen deutschen Regierungen noch nie darum ging, sie herbeizuführen. Natürlicherweise ist es so, daß jemand um so weniger Würde besitzt, um so mehr Arbeit er ohne für ihn hinreichend guten Grund verrichtet.

Immigration von Schwarzafrika nach Europa ist in jedem einzelnen Fall Würdevernichtung.

Würde ist also der Abglanz der Freiheit, und Freiheit zeigt sich in der Offenheit des Gesprächs. Begrüßenswerte Ziele, aber gleiche Grade lassen sich schwer garantieren, sie scheitern schon an der unterschiedlichen intellektuellen Klarheit der Menschen unter denselben Umständen. Jeder Mensch wird unter bestimmten Umständen klar, aber schwerlich lassen sich für jeden Menschen just die Umstände schaffen, welche er braucht, und tendentiell läßt sich in dieser Angelegenheit desto mehr erreichen, je weniger man gleiche Rechte für alle Menschen anerkennt.

Es besteht also auch noch ein innerer Widerspruch zwischen gleichen Rechten und gleicher Würde.

Gleiche Rechte sind übrigens nur insofern ein moralisches Ziel, als sie als eine Notwendigkeit zur sozialen Zusammenarbeit akzeptiert werden, mithin aus der Überzeugung, daß Subordination die Menschen böse macht, oder insofern die rechtliche Höherstellung als blasphemisch betrachtet wird, was ohne den Glauben an einen Schöpfergott unmöglich ist.

Eine sich säkulär verstehende Ideologie müßte also zur ersten Ansicht neigen, aber wenn sie das täte, also der Ansicht wäre, daß Subordination die Menschen antisozial macht, so müßte sie konsequenterweise auch akzeptieren, daß es beträchtliche Würde- und Freiheitsunterschiede geben wird, denn wenn die Menschen sich ihre Rechte rausnehmen, welche sie sich nunmal auch rausnehmen müssen, um nicht gezielt destruktiv zu wirken, dann werden sie sich gegenseitig messen und ihre Freiheit und ihre Würde gegenseitig verletzen.

Umgekehrt, wenn die Freiheit und Würde unterstrichen wird, wächst der Teufel in den Herzen der Menschen.

Und das ist ja auch konkret so, Stichwort Quoten und Affirmative Action.

Es ist übel dies zu predigen. Eine Moral sollte nicht zwei Ideale predigen, welche sich gegenseitig ausschließen. Wendet der eine Gläubige sich hierhin, gerät er in Feindschaft zum anderen Gläubigen, welcher sich dorthin wendet.

Eine solche Moral zielt auf die Abschaffung von Moral als solcher, zielt darauf, die Menschen zu lehren, daß Moral Zwietracht und nicht Frieden bringt.

Gut, es gibt da auch dieses Wort Jesu, aber die Feindschaft, von der er spricht, besteht nicht zwischen seinen Jüngern unter einander, sondern zwischen ihnen und der Welt.

"He will not be mocked. You can't serve two masters at the same time."

Peinlicher Auftritt von Dianne Reidy. Sah selbst nach "mocking" aus. Ändert aber nichts.

NasserFuchs
24. Oktober 2013 12:58

Wie sagte einmal der berühmte Maler Max Liebermann zu seiner politischen Epoche?: Er könne nicht soviel essen, wie er kotzen möchte...

KW
24. Oktober 2013 13:35

Danke. Ich habe für heute für die Bürgerversammlung wieder einige Argumente gefunden. Thema heute: 50 Neger sollen im Nachbardorf untergebracht werden. 415 Einwohner sind betroffen und wir als Nachbardorf irgendwie auch. Und dann denkt Brüssel über eine Verschärfung des Waffenrechts nach. Die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Syrien wird das nicht anfechten. Die halten sich auch hier nicht an Gesetze.
Was auch gut beschrieben ist, ist der deutsche Dummbatz, der auf die Betreuungsindustrie zurückgreifen muß, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Verwahrlost sind Land und Leute, dumm gehalten.

Carsten
24. Oktober 2013 13:39

Gene sind eine Erfindung von irgendwelchen bösen Tomatenkonzernen. In Wirklichkeit gibt es die gar nicht! Darum sind ja auch alle Menschen gleich. Ist doch klar, oder?

Joseph von Sternberg
24. Oktober 2013 13:43

Wer ist Dr. Dr. Rainer?

Die genetische Wende ist schon intressant...

Noch intressanter ist wie diese Leute die ganzen kulturellen Bestände bzw. die Ideologeme mit denen sie unsere Zivilisation sturmreif geschossen haben jetzt alle wieder in den Schubladen des Müllhaufens der Geschichte wieder verschwinden lassen und dort verstecken...

Wer denkt inzwischen bei Big Brother noch an etwas anderes als an die Container Show?

Ich selbst musste mich dabei ertappen wie ich bei den Querelen um die Priebke Bestattung gar nicht mehr an die Antigone gedacht habe - bis diese mir von den Kommentatoren wieder in den Sinn gebracht wurde...

Das hat denselben Grund warum niemand bei Eva Herman an Katharina Blum gedacht hat - oder warum Deutschlehrer die letzten sind, die bei den Moslempressuregroups an Biedermann und die Brandstifter denken...

Armand
24. Oktober 2013 14:19

Das größte Problem im persönlichen Umgang mit den selbsternannten Menschheitserrettern ist der Umstand, dass man mit ihnen nicht diskutieren kann. Man müsste mal empirisch nachrechnen, wann in einer laufenden Diskussion die ersten Totschlagargumente der verblendetet Heilslehrer bemüht werden, um dem Gegenüber die Möglichkeit der logischen Auseinandersetzung einer eigenen Argumentation zu entziehen. Ist eine Diskussion mit diesem juste milieu möglich, ohne dass dieses spätestens nach zehn Minuten die eigens hoch gepriesene Diskursfähigkeit an die Wand fährt und seinem Gegenüber mit der Nazikeule auf einen Schlag alle Personen- und Bürgerrechte abspricht? Irgendwer brüllt "Hexe" und die Diskussion wird zur Inquisition. Mit Logik hat man bei diesen Leuten keine Chance. Wer die Realität derartig verweigert, verweigert sich auch den nachvollziehbarsten Zusammenhängen. Aus diesem Grund sind Diskussionen in diesem Milieu maximal der eigenen Belustigung zuträglich. Ansonsten kann ich jedem raten, die Diskussion im voraus zu verweigern. Aber im Kabarett sitzen sie dann wieder alle, freuen sich und klatschen in die schwitzigen Hände, weil man es den "anderen" mal wieder so richtig gegeben hat und ohnehin im selbstherrlichen Recht bleibt.

Bavarikus
24. Oktober 2013 14:35

Super Artikel!!!

Leute wie Sie, Herr Lichtmesz, nähren die Hoffnung, dass in Europa noch nicht alles verloren ist.

Wenn es nicht diese Inseln der Aufrichtigkeit und Vernunft, in diesem Ozean der Falschheit, Dummheit und Unvernunft gäbe, dann könnte man schon verzweifeln.

Weiter so!!!

sixty
24. Oktober 2013 15:50

Es gab durchaus auch mal Zeiten, da galt eher alles "linke" als "böse" ... beispielsweise in den 50ern (speziell in den USA, siehe McCarthy, aber auch in der Adenauer-BRD), in den frühen 60ern oder auch, weniger lange her, in den frühen 90ern nach der welthistorischen Niederlage des Sozialismus.
Wobei es - insbesondere in den letzten Jahrzehnten, vor allem nach dem ideologischen Siegeszug der Grünen- sicherlich auch immer eine Definitionsfrage ist, was man als "links" bezeichnet ... die heutigen Verrenkungen der Political Correctness sind das, gemessen an den Maßstäben früherer Jahrzehnte, -wohl eher nicht :-)@

Martin Lichtmesz
24. Oktober 2013 15:59

Auf Alternative Right dazu Passendes über Herbert Marcuse und die "repressive Toleranz".

Here Marcuse is clearly stating that he is not simply advocating “intolerance” of non-leftist opinion in the sense of offering criticism, rebuttal, counterargument, or even shaming, shunning, or ostracism. What he is calling for is the full fledged state repression of non-leftist opinion or expression. Nor is this repression to be limited to right-wing movements with an explicitly authoritarian agenda that aims to subvert the liberal society.

Und hier noch etwas über die "Dobermans of Political Correctness":

Indeed, the real point of the “anti-fascists” is to make sure no one is talking about important issues. The antifa position seems to be "if we can't generate resistance to the System, no one can!" You can't intelligently discuss issues such as environmentalism, class divisions, or what a real community actually entails without talking about the realities of diversity and the costs of mass immigration. But of course, the very things that are most important to discuss are the same things we are not allowed to mention without drastic reprisals.

Wahr-Sager
24. Oktober 2013 16:47

Mal wieder ein exzellenter Artikel von Martin Lichtmesz! Wer Dr. Sommer in Reinkultur erleben möchte, der begebe sich mal auf das "Netz gegen Nazis". Dort lernen wir dann u. a., dass "Usrael" ein "antisemitischer" Code ist, "alliierte Kriegsverbrechen", "Kollektivschuld" und "Schuldkult" "rechtsextreme Phrasen" sind und angewandte Wörter wie "Gemüsekuchen", "Weltnetz" und "Verweis" als "Wortneuschöpfungen" zum Vokabular der ultra-pöhsen "Rechtsextremisten" gehören...

Gustav Grambauer
24. Oktober 2013 18:47

Der Bibel-Gürtel ist vor allem ein Keuschheitsgürtel. Sex ist dort DAS Reizthema, ein harter Kern hat dort auf einer tieferen Ebene dessen Ambivalenz für Gedeih oder Verderb eines Gemeinwesens begriffen.

In diesem Sinne unsererseits (und dies sage ich zugleich in Abgrenzung z.B. zur Kurtagic-Strömung): KEIN SEX MIT PROGRESSIVEN!!!

Meine sexuellen Ansprüche haben sich in der Hinsicht auch völlig gewandelt: ich könnte mich gar nicht mehr mit einer Frau näher einlassen, die die Moderne oder Postmoderne verströmt, erst recht mit keiner Exotin.

Bleiben wir uns treu.

Nehmen wir diese Kampagnen, so schäbig sie auch sind, als kleine Erinnerung daran.

Enden wir nicht so wie ein Otto Schily. Dieser hat lt. Aussage seines Kommilitonen Uwe Wesel dem RCDS ideologisch viel näher als der APO gestanden - aber die Weiber dort hatten ihm zu wenig Sex-Appeal und ließen sich nicht per Rotionsprinzip im Bett durchnehmen; und das war es, was er - zum Entsetzen Wesels - eigentlich vorrangig gesucht hatte.

- G. G.

ene
24. Oktober 2013 19:03

Diejenigen, die das ausbaden müssen, sind oft alte Leute und sozial Schwächere.

Stimmt. Wer es sich leisten kann, wohnt in gewissen Gegenden nicht (mehr). Selbst wenn es dort attraktive Altbauwohnungen geben sollte. Dies ist jedenfalls meine Beobachtung.

Die Frage übrigens, wie sich "Konservative" usw. dieser obengenannten Bevölkerungsgruppe (nennen wir sie die "Betroffenen") gegenüber grundsätzlich stellen, finde ich bedeutsam.

Ich erinnere mich an einige von Herrn Bosselmann initierte Debatten, wo diese Thematik gesteift wurde, und mir allerdings ein beträchtlicher Mangel an Empathie bei einigen auffiel.

Wie steht es mit der Solidarität in Deutschland?

Orwell
24. Oktober 2013 19:58

Leider wird der Kommentarbereich immer recht schnell geschlossen, und deswegen kann ich jetzt erst - dankbarerweise- einen Artikel verlinken, der sich aus dem letzten Lichtmesz und dem ersten betreffenden Kommentar ergab. Er passt aber auch hier trefflich. Viel Vergnügen.

http://www.central-organ.de/2013/10/18/organspende-gegen-rechts/

:)

Martin
24. Oktober 2013 22:37

Mit einer Grenze: Eine politische oder religiöse Einstellung, die Menschen ihren Zielen unterordnet, Grundideen wie gleiche Rechte, Freiheit oder gleiche Würde des Menschen negiert, die bereit ist, Menschen zum Mittel zu machen, geht so sehr an den Kern des Menschlichen, dass sie sich von der Person mit dieser Einstellung nicht trennen lässt.

Cool - würde mich interessieren, ob der Kummerkasten-Heini genau dasselbe schreiben würde, wenn eine wegen einer Freundin fragen würde, die mit einem Moslem liiert ist ...

Es bleibt prosaisch festzuhalten:

Die deutschen sind die ewigen Nazis - mal brauchen sie die Juden und mal machen sie es mit sich selbst. Da soll man mal schlau draus werden ...

neocromagnon
25. Oktober 2013 00:03

Sozialgenetik trifft man bei den Linken häufiger, die merken das nur selbst nie. Bärbel Höhn war z.B. maßgeblich an der Einführung der Rasseliste für Hunde in NRW beteiligt, nach der bestimmte Hunderassen ein genetisch bedingt aggressiveres Verhalten haben und desswegen verboten, bzw. deren Besitzer bestraft werden müssen. Wir Menschen sind aber derart eng verwandt mit den Hunden, daß dies, wenn es stimmen würde, auch auf uns zutreffen müsste und das würde natürlich bedeuten, daß auch andere Verhaltensweisen und selbstverständlich auch Intelligenz erblich wären. Bei den Hunden schließt man nach Bärbel Höhns Gesetz vom Äusseren auf die Rasse und dadurch auf die genetisch bedingten Verhaltensweisen. Das müsste dann, folgte man dieser Argumentation, auch für den Menschen gelten.

Luise Werner
25. Oktober 2013 07:06

Ich kann mir zwar vorstellen, dass dieser Leserbrief an "Dr.Sommer" echt ist, aber so etwas machen die Zeitungen doch gern auch mal selbst.
Das Thema Sex und Weltanschauung ist ein ziemlich weites Feld. Mein Mann und ich sind jedenfalls oft so weit auseinander, ... will da nicht näher darauf eingehen; nur soviel, dass wir den Rat des Herrn Doktor in den Wind schreiben. Was soll man auch machen, wenn man sich weltanschaulich auseinander entwickelt? Und zwar nur dort. Dabei kann ich immer nur sagen, dass ich mich eigentlich gar nicht entwickelt habe. Ich sehe die Dinge immer noch so, wie vor 25 Jahren. Damals galt ich als moderat links, heute gelte ich damit als rechts.

Noch etwas anderes: Vielleicht läuft das Ding ja auch anders herum. Wenn man sich die ganzen Frontfrauen bei den Grünen anschaut. Wie würde ein Mann sagen: schlecht gef., ich würde sagen, die müssen einfach mal in den Arm genommen werden.

Urwinkel
25. Oktober 2013 08:40

@ ene,

"Wie steht es mit der Solidarität in Deutschland?"

Ich antworte ganz allgemeingültig darauf: Die Leute, Menschen, Mitmenschen sind derart verblödet und verblendet, daß sie an sich selbst verzweifeln. Der Feinnervige bemerkt das und selektiert seinen Umgangskreis. Es gibt Menschen, mit denen man nichts zu schaffen haben will. Das kann sich auch in fehlender Empathie äußern, die dann als solche wahrgenommen wird. Das halte ich für tragisch, aber nicht asozial. Es stärkt im Idealfall die echten und haltbaren Bindungen.

Inselbauer
25. Oktober 2013 10:39

Das fortschrittliche Establishment ist durchsetzt von einer eugenischen Ideologie, die mit großer Brutalität durchgesetzt wird. Man suche einen so genannten Pränataldiagnostiker in einem Nobelviertel auf. Als ich das gesehen hatte, die 35-jährigen wohlhabenden Grünwählerinnen im Warteraum, war mir endgültig klar, warum man unbedingt einen rechten Teufel braucht, auf den man den eigenen Selektionsfanatismus projizieren kann. So genannte kritische Merkmale, die vom Diagnostiker live aus dem Bauch auf einem riesigen, heimkinoartigen Flachbildschirm "dargestellt" werden, führen dazu, dass die humanistische ältlich-reiche Mutti von einer freundlichen Assistentin umarmt und in weitere Gespräche zur Entscheidungsfindung eingeplant wird. Genau das hatte Hitler gewollt, und er musste einsehen, dass die vorsintflutliche Technik seine Aktion T4 zum Scheitern verurteilte. Er hat es eingesehen und die preussischen Juristen und katholischen Funktionäre, die ihm offen entgegen getreten sind, nicht aufhängen lassen.

Kint
25. Oktober 2013 11:12

Besten Dank, Herr Lichtmesz. Das war gut.
Auch für die weiteren Verweise, sozusagen die Methodenlehre des Kainsmals, der Ausgrenzung und Repression, ebenso an Wahr-Sager.

Den Hinweis auf biologische Hirnfunktionen hab ich (so) nicht verstanden. Leider stößt man auf dem Gebiet immer nur mal auf Bruchstücke. Werde mal sammeln und würde mich freuen, wenn jmd. einen Überblick geben könnte.

Noch mehr Unsinn, aber davon ist ja bedauerlicherweise die Rede:
http://koptisch.wordpress.com/2010/11/19/deutsche-frauen-die-nicht-mit-arabern-schlafen-sind-rassistisch-sagt-die-taz/
Alle sind gleich, manche sind gleicher.
So sind sie eben. Ganz, wie´s passt. Die moderne Lehre der Schizophrenie, der Kommunismus unserer Tage. Politisch korrekt.

eulenfurz
25. Oktober 2013 12:52

Frauen hatten ab Ende der Zwanziger Jahre eher rechts gewählt (wenn man die NSDAP dort einstufen will, die sowohl linke, als auch rechte Fragmente hatte) und bis in die 60er Jahre eher Adenauer. Frauen unterwerfen sich bei ihrem Wahlverhalten tendentiell nicht einer Ideologie, nicht Utopien oder Manifesten, sondern dem zur jeweiligen Zeit herrschenden gesellschaftlichen Konsens dessen, was als "gut und richtig" angesehen wird. Und dieser Konsens kann auch von einer Propaganda inszeniert sein, als lebensfremde Halluzination bestehen.

Die vielen Mädchen aus grünen Bezirksverbänden würden sich gern für ihre vielen, zukünftigen Kinder einsetzen, ihnen eine schöne Heimat bieten, sich an kleinen und natürlichen Dingen erfreuen, aber eigentlich doch nicht Päderasten, orientalischen Dummbrot-Machos und Kopftottreter-Importeuren folgen. Natürlich gibt es das Abziehbild des häßlichen Fernsehfaschos auch in Echt, aber dieses Fossil ist - zum Leidwesen aller seiner roten Nutznießer - doch schon fast ausgestorben, so daß Propaganda und Realität immer weiter auseinanderklaffen. Einem Dr. Dr. Reiner ist daher kein Vorwurf zu machen, wenn er - selbst Opfer der Propaganda - dieses widerliche Abziehbild im Kopf hat, wenn er andere warnt.

Die moralische Kompromittierung der grünroten Ideologie und das Zurückführen/Übernehmen jener grünen Elemente, die dort überhaupt nichts zu suchen haben, sondern zu den Bewahrern (Konservativen) gehören, ist eine zwangsläufige Maßnahme, will man den angeblichen „Frauenmangel“ unter „Konservativen“ beheben (dabei sind, wie o.a., Frauen von Natur aus eher konservativ). Einen "Frauenmangel", den die eigene Erfahrung nicht bestätigt, aber vielleicht tritt er auch nur in Kreisen der konservativen Intelligenzia auf, die sich mit Kopfgeburten selbstbefriedigt.

Artevelde
25. Oktober 2013 15:14

Die belgische Nationalisten haben einer panische Angst vor dem flämische Wähler.
Die haben es allzu bunt getrieben durch massiv zu wählen für Parteien die Belgiens Ende fordern (45%). Kommt noch dazu dass die flämische Nationalisten am 28.09.2013 die Firme P&M (das Königspaar Philip und Matilde) in Antwerpen, der Stadt von Bürgemeister Bart De Wever (flämisch Nationalist), ausgebuht haben.
Belgien ist zunehmend in der Flaute. Drum will es keine Wahlen mehr, aber Auslosung: ein effektiver Weg um Belgien zu retten.
(Sehe das Buch von David van Reybrouck: Gegen Wahlen)

Meyer
25. Oktober 2013 15:32

Ein Frauenmangel unter Konservativen gibt es bestimmt nicht. Das Gegenteil ist nach der Feld-Empirie der Fall. Allerdings gibt es wenig konservative Frauen.
Bei Linken scheint es mir genau anders herum zu sein. Es gibt viele linke Frauen aber unter Linken ein Frauenmangel. Offenkundig.

So ist es gut und gesund. Wenn sich zuviele Frauen unter Konservativen tummelten, wäre es ein Indiz für wachsweiche, sprich weibliche, Positionen. Die können aus der Natur heraus schon nicht konservativ sein.

Revolte
25. Oktober 2013 20:23

Ja, das ist die ewige Gretchenfrage der linksliberalen "Bunt statt Braun"-Fetischisten: wie viel Menschenrecht darf man einem Nazi (und jeden, den man als solchen klassifiziert) zugestehen?

Zum Frauenmangel: Der Frauenmangel der Konservativen ist in der Tat augenfällig. Bei der Sezession etwa gibt es unter allen Autoren mit Ellen Kositza gerade mal eine Frau. Bei der JF ebenso - nur eine Frau. Sind Frauen tatsächlich zu barmherzig, mit einem Zuviel an Sanftmut und sozialem Gewissen ausgestattet, um unter den konservativen Raubeinen bestehen zu können? ;-)

Und zur Gleichheit kann ich Ernst Jünger aus Der Waldgang zitieren: "Die Menschen sind Brüder, aber sie sind nicht gleich."

Axel Wahlder
25. Oktober 2013 21:03

Das ist bei weitem nicht erstes Mal, wo die"Berechtigten" die NS-Kanone ausrollen. 130. Paragraph des StgB ist auch vom Dritten Reich geerbt. Frei nach Ecclesiast: Mensch aendert sich nicht.

Kint
25. Oktober 2013 21:13

Werter Meyer, manchmal verstehe ich Sie mit Freude.
Diesmal mit Verspätung.
Liegt´s an meinem Bier oder Ihrem Ausdruck? Sei´s drum, kommt auf´s gleiche raus. :-)

GFC
25. Oktober 2013 21:21

Ich kann mir zwar vorstellen, dass dieser Leserbrief an „Dr.Sommer“ echt ist, aber so etwas machen die Zeitungen doch gern auch mal selbst.

Es handelt sich hier nicht um Fundstücke sondern um erfundene Stücke - "Lieber Herr Doktor Doktor von der S.Z. - ist es möglich einen rechten jemanden auch nur ein bisschen zu lieben oder geht das gar nicht?" das ganze Szenario ist lächerlich, selbst bei so vielen bescheuerten Linken heute, so was gibt's nicht. Die Süddeutsche hat diesen Leserbrief selbst geschrieben, als dumme politische Mahnung gemeint, d.h. also liebe Leser, Falls Sie's vergessen, keine Rechte nimmer, liebe Grüsse - die Redaktion.

Martin Lichtmesz
27. Oktober 2013 19:13

Badeschluß.

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