08. November 2013

Leserfragen - öffentliche Antworten

von Götz Kubitschek / 26 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Man bekommt ja allerlei Post, wenn man Bücher verlegt und eine Zeitschrift verantwortet. Manches verschwindet im Irrenordner, manches wird beantwortet, manches sammelt sich auf der linken, vorderen Schreibtischecke zu einer Art Schichtkuchen an, weil die Zeit fehlt, auf jeden An- oder Einwurf zu reagieren. Neue Methode: öffentlich antworten, ohne Adressatennennung natürlich. Wer liest, wird seine Frage wiedererkennen, etwa die nach dem Grundprinzip einer Sezession oder dem Dilemma der Schuldzuweisung:

Abkehr 1 - Schon seit langem lebe ich nicht mehr wirklich unter den Menschen, meinen Zeitgenossen, wie ich betonen möchte, da ich weder an die Besserung der Gattung noch an die Unmittelbarkeit des Glücks glaube und mich die Expansion der Gattung Mensch seit langem erschreckt. Ich fordere nichts von meiner Zeit. Ich erwarte nichts von irgend jemandem. Mir reicht es, die innere Distanz zu halten, in der ich mich vor dem Menschen selber verschanze – in jener Form von Unantastbarkeit oder in einer minimalen Ethik, die die Stärke von Stein hat.

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Abkehr 2 - Dies muß unzweideutig ausgesprochen werden: Es gibt nichts, das ich mit einer derartigen Stetigkeit hasse wie die zeitgenössische Gesellschaft. Dieser Haß erfordert meine volle Aufrichtigkeit, meine Kräfte, meine Leidenschaft für die Wahrheit. Dieser Gesellschaft zu schaden, ist mittlerweile mein einziges Anliegen.

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Anspruch 1 - Man darf sich nicht davon täuschen lassen, daß es die von Baudelaire so bezeichnete „Tyrannei des menschlichen Antlitzes“ ist, die ich am allermeisten hasse, und daß sie für mich bisweilen die Gestalt des Einwanderers annimmt; ebendiese Tyrannei übt schon seit langem das Antlitz des europäischen Menschen an sich aus, der seiner selbst so müde geworden ist, daß er sich zum Sklaven seiner eigenen Willenlosigkeit macht: seiner Weichlichkeit, seiner Mittelmäßigkeit, seines kleinbürgerlichen Grolls, seines mangelnden Schicksals, des Fatalismus, mit dem er dem Einwanderer begegnet, dem er seine Belanglosigkeit anvertraut (oder dem er sie vorwirft, was auf das gleiche hinausläuft).

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Anspruch 2 - Ich hasse die Menschen in ausreichendem Maße, um an dem rechten Maß festzuhalten, das mir dieser Haß verschafft; und ich schätze einige von ihnen leidenschaftlich genug, um diesen Haß zu rechtfertigen. Und wenn ich von hassen spreche, dann handelt es sich dabei vor allem um einen Hebel, der verhindert, daß ich in Verachtung oder Ressentiment versinke: die Reinheit des Hasses, mittels deren man die gesunde Distanz einzunehmen und die Einsamkeit zu erreichen vermag, in der der Abscheu, den die zeitgenössische Welt in mir erregt, sich in Kraft verwandelt.

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Zerfall der Lage 1 - Nicht der außereuropäische Einwanderer ist es, der die europäische Kultur zerstört; sondern das Zusammentreffen von kultureller Erschöpfung und Marktwirtschaft. Dennoch ist offensichtlich, daß die massive Zuwanderung durch Menschen, die der griechisch-jüdisch-christlichen Kultur vollkommen fernstehen, wenn sie ihr nicht gar mit Feindseligkeit begegnen, nicht ohne die Zerstörung dieser Kultur abgehen kann. Genauer gesagt hat das Kulturwesen die Kultur getötet, indem sie sich selbst verleugnete.

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Doppelte Front 1 - Nationen? Nein, Herden, die mit unterschiedlichen Brandmalen versehen und unter dem doppelten Hirtenstab des Rechts und des Markts in Richtung der amerikanischen Horizontalität getrieben werden.

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Doppelte Front 2 - Ich will einfach nur den Alptraum benennen, zu dem die Masseneinwanderung geworden ist, für die Einwanderer genauso wie für die Einheimischen, selbst wenn diese selber von früheren Einwandern abstammen. Einwanderung, wie auch immer man sie klassifizieren mag (ob politisch, ökonomisch oder klimatisch motiviert, ob legal oder illegal), ist nichts als ein Menschenhandel, bei dem mafiöse Interessen sich mit jenen des internationalen Kapitalismus treffen.

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Zerfall der Lage 2 - Der Einwanderer, der sich in Europa niederläßt, muß in seiner Weigerung, sich zu assimilieren, zwangsläufig zum Sub-Amerikaner werden, ein minderwertiger Zustand, in dem sich ihm der Einheimische in mimetischer Verwirrung anschließt. Die Sub-Amerikanisierung Europas ist womöglich nichts anderes als seine Verdrittweltlichung

+

Auflösung aller Dinge - Die Unfähigkeit des kleinen westlichen Individuums, auf die Befriedigung jedes noch so kleinen Verlangens zu warten, ist ein Zeichen der gesellschaftlichen Infantilisierung – die ihrerseits ein totalitäres Attribut ist: die kindliche (aber auch teratologische) Verantwortungslosigkeit als erste Stufe einer Ethik der Zerlumpung.

 

 

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (26)

Meyer
08. November 2013 13:43
"Die Unfähigkeit des kleinen westlichen Individuums, auf die Befriedigung jedes noch so kleinen Verlangens zu warten, ist ... Zerlumpung."

Die Unfähigkeit, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen ist bereits die Zerlumpung. Die Unfähigkeit Verantwortung für andere zu übernehmen, Kennzeichnet die Kinder: UNerwachsen, infantil.

Mein Unterlassen, mein Nichtentscheiden, mein Nichtwissen! Die Konsequenzen trage immer ich selbst. Beziehe ich in bei der Wissenserlangung, Entscheidung und beim Handeln andere in die Konsequenzen mit ein, übernehme ich Verantwortung.

Wieviele Menschen können das? Wieviele Menschen könnten es, sind aber unter den zerlumpenden Umständen dazu außer Stande? Viele sind es nicht, viele waren es nie.

Möchte man seiner nächsten Generation tiefe Erkenntnisse und Befähigungen übergeben (tradieren), die auch noch den Nachkommen ihrer Nachkommen zu einem souveränen Leben befähigen, stellt man sich zwingendermaßen außerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Ein Wechsel von Isolation und Erlernen des Umgangs mit den Kontaminierten ohne sich selbst zu vergiften.
Gutmensch
08. November 2013 15:10
Donnerwetter!

Macht euch hart und erhaltet euch selbst für bessere Zeiten! (Vergil, Aeneis, Schiffbruch und Landung in Kathargo).

Gruß,

der Gutmensch.
Gustav Grambauer
08. November 2013 15:29
Urgesunde Haltung zum Leben. Nur in einer Hinsicht setze ich einen anderen Akzent.

"Und wenn ich von hassen spreche, dann handelt es sich dabei vor allem um einen Hebel, der verhindert, daß ich in Verachtung oder Ressentiment versinke"

Die Schule der Temperaturerhöhung, ich weiß schon. Aber nach meiner Erfahrung bindet Haß zu sehr an das Haßobjekt, und dies würde ich für mich als ein "Versinken" ansehen. Haß ist Nektar für Myriaden von Dämonen, die einen bisweilen tragen und bisweilen verschlingen. Ein Spiel mit psychischer Energie, wem`s gefällt ...

Allerdings: niemand außer drei, vier engsten Freunden, meiner Frau und meiner Verwandten ersten und zweiten Grades kennt die unerbittliche Wucht der Distinktion, die ich in mir trage bzw. die wir in uns tragen, die wir als diskrete Ratgeberin und Begleiterin im Alltag schätzen, und die uns (nicht) dahin führt, wo wir (nicht) hinwollen.

- G G.
Andreas Vonderach
08. November 2013 16:49
Wenn man in solch einer Stimmung ist, ist es besser von öffentlichen Gefühlsäußerungen abzusehen. Deine Frustration ist nachvollziehbar, Götz, aber ein solches Haß-Bekenntnis nützt niemandem.

Meiner Meinung nach gehört es zu einem konservativen, realistischen Menschenbild auch, an die Menschen keine unrealistischen Erwartungen zu haben.

Im übrigen findet sich in der Menge, wenn man mit einzelnen mal ins Gespräch kommt, mehr gesunder Menschenverstand, als es den Anschein hat.
Schopi
08. November 2013 18:46
zu Abkehr 1

Gegenfrage: Mein Vater ist 1940 mit 17 Jahren in den Krieg gezogen.
Mein Großvater war ungefragter Kriegsteilnehmer 1914-18.
Die "Unzulänglichkeiten" des Menschseins sind im Vergleich und vor allem individuell betrachtet durchaus noch steigerungsfähig.
Zwischenrufer
08. November 2013 19:00
In seiner grüblerischen, mir scheint: verbitterten Erdenschwere ist Kubitschek, den ich leider nicht persönlich kenne, tief in den Morast der heimischen Scholle gesackt. Chtonisch eben.
Auch Frau Kositza kenne ich nicht, aber ihre Kritik an Zeitgeist und -erscheinungen hat etwas, nun ja, Fröhliches, Herzerfrischendes, Liebenswürdiges, Weltzugewandteres. Mütter eben.
Für meinen "Geschmack" ist etwas viel von Haß die Rede. Wie wäre es mal mit ein wenig mehr (Selbst-)Ironie, die aber nicht gleich, wie bei Lichtmesz zumeist, ins ätzend Zynische kippt? Nun gut, Humor und Ironie kann man nicht herbeizaubern. Hat man oder hat man nicht. Ich vermisse fröhliche Haudegen wie Mohler, den ich leider auch nicht kennenlernen durfte. Vielleicht liege ich falsch.
Gibt es da Tendenzen zum Eskapismus?
Wohlwollender Gruß! (Ich habe 'ne Menge Sympathie, Zeit und Geld in die Edition Antaios investiert - und habe mir dennoch die Distanz zur steten Untergangsprophetie bewahrt. Habe ich also nicht, aber auch gar nichts verstanden?)
Revolte
08. November 2013 20:11
Verzeihen Sie es mir, Herr Kubitschek, aber während des Lesens fühlte ich mich mehrfach an Spenglers "Ich beneide jeden, der lebt" erinnert.
Ich bin mir nicht ganz schlüssig, ob ich diesen Text unter kämpferisch-renitent und bewusst wider die Massen oder unter nihilistisch-defätistisch abspeichern soll. Tönt einerseits sehr trotzig, andererseits auch etwas betrüblich. Das mag allerdings auch daran liegen, dass die Realität schlichtweg mit jedem Tag betrüblicher wird.
Fenris
08. November 2013 23:02
Lieber Götz Kubitschek!

Stünden wir in der Schlacht von Stirling würde ich Ihnen zurufen: "Hold!". Wir befinden uns bei 01:23, vielleicht 01:29 aber eben noch nicht bei 01:52.

Unsere Zeit kommt!

http://www.youtube.com/watch?v=rdlL65LD6I4
Waldgänger
08. November 2013 23:28
Schade, las gerade das die Antworten sind NICHT von GK sind. Aussage und Stil einfach groß, auf den Punkt gebracht, besonders Abkehr 2.
Rumpelstilzchen
08. November 2013 23:53
Diese Texte sind Ausdruck einer schweren Depression.
Nicht der Sinn ist erschöpft, sondern das Selbst ( Alain Ehrensberg).
Heinrich Brück
09. November 2013 01:14
Ich staune auch jeden Tag, an dem ich sehe wie Analphabeten gegen
Akademiker gewinnen, und ich frage mich, was haben die Akademiker
in diesen Universitäten gelernt.
Das alte Deutsch in der alten Schrift, ein anderer Kulturplanet, geerdet
in der Nation, in Treu und Glauben die Ewigkeit als Fundament; und
das neue Deutsch in der neuen Schrift, versunken in einer Agonie
der Relativierungen, der Schönfärbereien, der Feigheit, der Lügen,
der Langeweile, des Unwissens, des kampflosen Aufgebens,
des Verschweigens, des Gutmenschentums, ein totes Deutsch.
Und wo bleibt der Anspruch das Unmögliche schaffen zu wollen?
Die Abkehr ist auf Sand gebaut und hat nichts zu melden, außer
der Isolation und den einsamen Tod.
Haß schadet nur dem Hassenden, der Gehaßte bekommt durch
die Isolation des Hassenden nichts mit.
Die Kraft liegt in der Sprache unserer Vorfahren, sie kannten die Liebe
und den Tod, und sie faselten nichts von verlorenen Posten, sie
kämpften und sie starben, aber sie lebten. Sie wußten nichts vom
Sozialstaat, eine Art moderner Ablaßhandel, womit die Reichen ihren
Sünden ein gutes Gewissen kaufen können, und sie blieben stark. In
ihrem Europa gab es keine Todessehnsucht, denn sie brachten ihren
Selbstbehauptungswillen waffenstarrend zur Geltung. Ihr
Seelenzustand war die Natur, der Glaube an einen starken Gott und
eine unüberwindbare Kultur leiteten ihr Streben, und sie vergaßen
niemals wo sie herkamen. Es war nicht möglich sie zu brechen, man
mußte sie schon töten. Und sogar im Tod gewannen sie.
Wer als Europäer der Gesellschaft schaden will, schadet seinen
Nachkommen, er macht die Arbeit seiner Feinde, dann kann er gleich
Selbstmord begehen - er ist unwichtig, es interessiert niemanden.
Die Angst der Intellektuellen vorzupreschen und sich in Widersprüche
zu verfangen ist liederlich und kraftlos, sie ist weder der Inspiration
noch der Gesundung dienlich, und deshalb schätze ich den Haß
des Ausgestoßenen, auch wenn ich ihn mir nicht zu eigen
machen kann.
Wer hat denn die Hierarchie durcheinandergebracht? Seit Homer gab
es eine einfache Hierarchie: zuerst kam die Kultur, dann die Politik,
und danach die Wirtschaft. Als Wirtschaft und Kultur die Plätze
tauschten übernahmen andere die Macht, das Volk wurde
ausgeschaltet, es darf keine Gemeinschaft mehr bilden. Es herrschen
die Dollarwesen und ihre Eurozöglinge.
Mit den USA wird die Schöpfung abrechnen. Sie sind gewiß ein Problem,
aber kein unlösbares. Dieses Land ist manipulierbar und die Menschen
sind käuflich, gesteuert durch eine Elite die gegen die Geschichte
arbeitet, und von diesem Vorbild sollte Europa Abstand nehmen. Die
Zeit spielt gegen den Dollar, denn der Dollar lebt vom Blut anderer
Völker, aber diese Völker wachsen, sie werden stärker, mit der Stärke
wächst das Wehrpotenzial; die Möglichkeiten Opfer bringen zu können,
Opfer die mühelos ausgeglichen werden können.
Die Deutschen sollten ihr Land freihalten, oder zumindest ihren Geist,
Gegengifte gibt es genug, man muß sie nur finden, eine neue
Wehrertüchtigung anstreben, und abwarten.
Rumpelstilzchen
09. November 2013 09:24
@ Gutmensch

Macht euch hart und erhaltet euch selbst für bessere Zeiten! (Vergil, Aeneis, Schiffbruch und Landung in Kathargo).
Rumpelstilzchen
09. November 2013 09:27
Ergänzung an Gutmensch


Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind brechen, die allzu spitz sind stechen....


Aus: Wolf Biermann "Ermutigung"

Einfach mal wieder vor sich hinträllern.
Inselbauer
09. November 2013 10:07
Der Akzent auf den Hass schafft eine schöne Abgrenzung zur "konservativen" Haltung, das ist ein flotter Nationalbolschewismus, den ich sehr sympathisch finde.
Toni München
09. November 2013 13:40
"Starker Tobak!

- O je! Was soll man dazu sagen? Wie lange noch werden wir ihn haben?",

dachte ich gestern, am späten Freitagabend, nach der Lektüre von Kubitscheks obigen Blogg-Eintrag etwas beklommen, ging ins Wohnzimmer setzte die Kopfhörer auf, legte den dritten Aufzug von Tristan und Isolde in den CD-Player und schlief noch vor Isoldens grandioser, unüberbietbarer Schlussarie im Sessel ein, wo sie über den dahinscheidenden Tristan gebeugt singt: "Mild und leise wie er lächelt, wie das Auge hold er öffnet - seht ihr's Freunde? Seht ihr's nicht? ..."

Ein Götz Kubitschek kann damit nicht gemeint sein.

Jetzt, Samstagmittag, nachdem ich vorhin mit der Post "Sieben Reiter verließen die Stadt" erhalten und schon die ersten Seiten gelesen habe, eine große Erleichterung beim Blick auf die online-Seite der sezession: "Gut! - Auch wenn nichts gut ist. Er hat uns, seine geneigten Leser, ein bisschen veräppelt. Das darf er, der Witz war gut."

Zum Schluss ein Lesetipp: Sieben Reiter verließen die Stadt. In der Abenddämmerung zogen sie durch das nicht mehr bewachte Westtor der untergehenden Sonne entgegen. Erhobenen Hauptes, ohne sich zu verbergen … denn sie flohen nicht, sie verrieten nichts, hofften schon gar nicht und erlaubten sich nicht, zu träumen … gerüstet für das, was sie erwartete …“
benitomussorgski
09. November 2013 14:45
vorherige kursorische lektüre gerade völlig zufällig: der aufsatz von günther maschke über donoso cortés (endzeit, zeitenende) von 1989: darin: "die von donoso vorhergesagten despotien aber scheiterten immer wieder, weil auch sie ihr fundament mit dem orgullo, dem stolz wider gott, erbauten, nicht wegen des angeblichen freiheitswillens der völker, dieser beliebten kategorie der gemeinschaftskunde."

...auch wenn es unzugehörig erscheint, in diesem zusammenhang etwas überquer gedacht, trifft es für mich auf den kernpunkt der von g. k. geschilderten stimmung und disposition. und selbst "nutzloses dienen" (montherlant) kann noch ausdruck von hochmut sein. irdische tatkraft muss sich mit heiliger resignation verbinden. ohne eingebung keine verausgabung. das mag so unverständlich sein, wie es unabdingbar ist.

im übrigen 1 - bin ich überzeugt, rein intuitiv, dass gerade in schnellroda genau in diesem sinn gewirkt wird. unbewusstheit schützt auch.

im übrigen 2 - "Das Unsagbare ist zu verschweigen - eine Klippe an der schon viele gescheitert sind." Ernst Jünger

weitermachen
Urwinkel
09. November 2013 15:18
Damit haben Sie das Rumpestizchen ordentlich vorgeführt. Sie sind ein Zyniker vor dem Herrn. Wie wärs mal mit einem Pilzgang, oder wachsen die nicht in Sachen-Anhalt? Frische Luft tut jedem gut. Manchen gönnt man sie sich nicht. Dort muß man abwägen. Wer zuviel davon schnappt, kippt in die Allgemgefährlichkeit. Keine Perlen vor die Säue werfen. Ich habe mit jungen Drogensüchtigen zu tun, die aus leichtsinngsten Anlässen abhängig wurden. Das ist schon frustrierend. Mit lustigem Drogen-und Rausch hat das nichts mehr zu tun.
Martin
09. November 2013 16:13
Diese Texte sind Ausdruck einer schweren Depression.


So sehe ich das auch - und ich wäre schwer verwundert gewesen, wenn sie ausgerechnet noch von einem mehrfachen Vater abgestammt hätten. Hat sich aber ja zwischenzeitlich aufgeklärt ...
Rainer Gebhardt
09. November 2013 19:58
Jetzt geht in Schnellroda womöglich das Licht aus, fürchtete ich nach der ersten Lektüre. Dann glaubte ich das Gespenst von Joseph de Maistre durchs Rittergut wandeln zu sehen. Und nun wissen wir, wer gesprochen hat. Sehr gut. Max Scheler würde sagen, der Mann gehört zu den "Unausgetrunkenen". Genehmigen wir uns also Millet.

@ Rumpelstilzchen: Volle Zustimmung zum Biermannvers! Wer durchhalten will, braucht einen bösen Geist und ein heiteres Herz. Sonst blasen wir irgendwann nur noch Trübsinn.
Nihil
09. November 2013 20:17
Andreas Vonderach: Meiner Meinung nach gehört es zu einem konservativen, realistischen Menschenbild auch, an die Menschen keine unrealistischen Erwartungen zu haben.

Danke, kann man nur unterschreiben.
karlmartell
09. November 2013 23:35
Eine Nation kann ihre Narren überleben – und sogar ihre ehrgeizigsten Bürger. Aber sie kann nicht den Verrat von innen überleben. Ein Feind vor den Toren ist weniger gefährlich, denn er ist bekannt und trägt seine Fahnen für jedermann sichtbar.
Aber der Verräter bewegt sich frei innerhalb der Stadtmauern, sein hinterhältiges Flüstern raschelt durch alle Gassen und wird selbst in den Hallen der Regierung vernommen. Denn der Verräter tritt nicht als solcher in Escheinung: Er spricht in vertrauter Sprache, er hat ein vertrautes Gesicht, er benutzt vertraute Argumente, und er appelliert an die Gemeinheit, die tief verborgenen in den Herzen aller Menschen ruht.
Er arbeitet darauf hin, dass die Seele einer Nation verfault. Er treibt sein Unwesen des Nächtens – heimlich und anonym – bis die Säulen der Nation untergraben sind. Er infiziert den politischen Körper der Nation dergestalt, bis dieser seine Abwehrkräfte verloren hat. Fürchtet nicht so sehr den Mörder. Fürchtet den Verräter. Er ist die wahre Pest!”

- Marcus Tullius Cicero
* 3. Januar 106 v. Chr. † 7. Dezember 43 v. Chr
Rumpelstilzchen
10. November 2013 11:07
Ich bin doch erschrocken über die Texte von Millet und die Zustimmung einiger Foristen und sehe immer mal wieder die Sezession der Sezession.
Und trotzdem wird es hochinteressant, wenn diese Spannung ausgehalten und diskutiert wird. Statt sich angewidert abzuwenden. Was ich manchmal möchte.
Hier ein großes Kompliment an die Macher der Sezession. Ich liebe gefährliche Gratwanderungen. Auch und gerade ohne Führer.
Habe nochmals das Gespräch mit Richard Millet "Was Breivik uns sagen wollte" in der Faz vom 19.9.12 gelesen.
Man kann den Verfall der Kultur Europas beklagen, man kann so daran leiden, dass man sich eine Kugel in den Kopf jagt. Man kann sich in eine Klause zurückziehen, durch den Wald laufen, saufen. Das alles kann man.
Aber was nicht geht, ist, vom Bösen fas-ziniert zu sein.
( Faszination =Fesselung)
Zwar hält auch Millet Breiviks Tat für eine monströse Reaktion, aber eine "Fesselung " bleibt. Das macht Angst.
Der Hass der Antifa auf das Eigene läßt sich spiegeln als Hass auf das Nicht-Eigene. Das macht Angst.
Baudelaire leidet an der "Tyrannei des menschlichen Antlitzes". Das ist nicht die Gestalt des Einwanders oder die des mittelmäßigen europäischen Menschen. Dieses Antlitz sehen wir, wenn wir in den Spiegel schauen. Breivik sehen zu müssen, empfand ich auch als Tyrannei.
Und so warte ich sehnsüchtig auf das Buch von Lichtmesz:
"Kann nur ein Gott uns retten" ?
Gutmensch
10. November 2013 12:21
Oh,

vielen Dank liebes Rumpelstilzchen! Aber ich sehe so gar keine Veranlassung, in Biermanns Sinne an meiner Zeit zu verhärten oder gar zu verspitzen.

Ich halte es viel lieber mit Vergil!

Fröhlichen Sonntag,

der Gutmensch.
Nils Wegner
10. November 2013 17:02
Ein netter Verweis auf Cicero, gerade im Kontext der Catilinarischen Verschwörung: Machtbesessene Cliquen, die sich mit kriminellen Straßenbanden gemeinmachen, um ihre verderblichen Interessen durchzusetzen - Nachtigall, ick hör' Dir trapsen...
Zwischenrufer
10. November 2013 21:25
Nachtrag

Es ist völlig wurscht, ob die Zeilen von G.K. stammen oder nicht. Er hat sie sich zitierend ja offensichtlich anverwandelt. Und das zählt. Oder sollte es doch Selbstironie sein? Nein, daran kann ich nach all den Jahren nicht glauben.

Übrigens fände ich die Diskussionen "erfrischender", verzichteten die Schreiber auf allzu ausführliches Zitieren von diesem und jenem. Das wirkt so, als wäre man noch immer in der Pubertät und benötigte stets und ständig ein effektheischendes Geländer. Ja, wir alle lesen (hoffentlich) viel und kreuz und quer. Aber wir sind hier ja nicht im Proseminar.
Wer spricht denn nun eigentlich?
Götz Kubitschek
10. November 2013 21:55
dank an alle, vor allem für die gelassene hinnahme dieses scherzes und die zergrübelten stunden vor der auflösung.
gruß! gk

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