Sezession
11. November 2013

Mit den „Sieben“ gen nordost

Nils Wegner / 26 Kommentare

nordostIn den letzten Tagen und Wochen hat sich gezeigt, daß es Leser gibt, die sich von den beiden bislang erschienenen Bänden der edition nordost provoziert fühlen. Dabei trifft offenbar besonders die deutschsprachige Erstauflage von Jean Raspails Sieben Reiter verließen die Stadt den ein oder anderen wunden Punkt. Zeugnisse dieser Verwirrung finden sich nicht allein in Kommentarspalten dieses Netz-Tagebuchs, sondern ebenso bei amazon-Kundenrezensionen und in der Blauen Narzisse.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Es gilt zu zeigen, warum eben genau diese Bücher aufgelegt werden mußten und nichts „Offensichtliches, Greifbares“ – wie von einem, dessen Bekannte ohne „Hilfestellung“ mit dem Werk „nicht viel anfangen“ konnten, erbeten.

Der eminenteste Vorwurf an die edition nordost betrifft die oberflächliche thematische Ausrichtung.

Jedoch hat es mich etwas irritiert, daß zwei von vier angekündigten Titeln nun wieder den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben [...]. Daß mit den »Sieben Reitern« auch ein dritter Titel seine Charaktere im Wesentlichen über ihre militärischen Dienstgrade definiert, macht den Gesamteindruck der Reihe nicht gerade besser,

heißt es dazu in einem Kommetar bei Sezession im Netz. Benjamin Jahn Zschocke schrieb im Blaue Narzisse-Blog:

Irgendwann [...] begann ich zu ahnen, warum ich keinen Zugang finde: Der Krieg fällt nicht in meinen Erfahrungshorizont. [...] Die Fragen des Alltags – die konservatives Handeln, Gestalten, Fühlen und Denken aus sich heraus mehr als alles andere bestimmen – bleiben unbeantwortet.

Man muß kein Literaturwissenschaftler sein, um zu wissen, daß derartiges Mauern gegenüber einem Werk allein aufgrund der zugrundeliegenden Zeit und/oder des Themas die Aufnahmefähigkeit gegenüber den sublimen Inhalten verdirbt, noch ehe man über den Buchumschlag hinaus ist. Noch viel schwerer wiegt die verblüffend geringe Bereitschaft, das Gelesene weiterführend zu interpretieren – auch und gerade im Hinblick auf die von Zschocke aufgeworfenen „Fragen des Alltags“.

Denn eine „Kriegsschnurre“ ist eben nicht nur eine ebensolche, und „Bildungsromane“ sind Müll, waren es schon immer. Das Vorurteil, zu Ende gedacht, läuft darauf hinaus, der „durchschnittliche Szene-Leser“ (Zschocke) lese etwa einen Fernau aufgrund seiner Dienstzeit in der Waffen-SS. An vergangener Glorie müsse und wolle man sich berauschen, derart aufgeladen die Panzerschlacht von Kursk am Tresen doch noch gewinnen, deshalb lese man nur bekanntes, und die Kunst bliebe dabei auf der Strecke. Nun ist diese Elegie eines ästhetischen Fundamentalismus ebenso fehl am Platze, wie das Nachsinnen über die literarische Abbildung postmoderner Lebenswirklichkeit – wieso sollte man denn die menschliche Agonie, durch die man sich des Tages unweigerlich quält, in Momenten der Ruhe auch noch schriftlich verewigt suchen?


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (26)

Benjamin Jahn Zschocke
11. November 2013 10:08

Till Röcke hat heute "Hauptmann Pax" ausführlich bei uns besprochen: https://www.blauenarzisse.de/index.php/rezension/item/4240-stosstrupp-solitaer

Martin Lichtmesz
11. November 2013 12:40

Wer die "Sieben Reiter" nicht auf Anhieb begreift, dem helfen auch noch so lange Erklärungen nichts. Ich habe ihm auch nichts zu sagen.

Das mit dem "Erfahrungshorizont" ist nun geradezu wunderlich, um noch ein sehr mildes Wort zu benutzen. Wer hat denn überhaupt jemals Romane gelesen, weil er darin ausgerechnet seinen eigenen schnöden "Erfahrungshorizont" wiederfinden wollte? Wenn das mein Kriterium ist, dann kann ich genauso gut die "Odysee", "Rot und Schwarz", "Krieg und Frieden", "Die Brüder Karamasow" und die "Buddenbrooks" in die Tonne zu treten, weil sie angeblich "Fragen des Alltags unbeantwortet lassen". Für sowas gibt es auch die NEON oder wo auch immer man sich und seinen "Alltag" gerade wiederfinden will.

Und, bitte, pardon, aber wer es fertigbringt, in einer Belletristik-Rezension ohne zu erröten Sätze abzusondern wie:

Wem nützt es aktuell?

... der soll keine Bücher mehr schreiben, rezensieren noch überhaupt lesen.

S. Pella
11. November 2013 14:06

Chapeau, Nils!
Eine fulminante Besprechung: Fléche oder Parade-Riposte?

Ich verstehe die kritische Aufnahme der Edition nordost ebenfalls nicht, sind doch gerade mit den ersten beiden Bänden belletristische Werke höchster Güte verlegt worden, deren französischer Urheber mit "Das Heerlager der Heiligen" im Jahr 1973 die kommende Landnahme Europas en détail prophezeite und damit - in meinen Augen - zu den Jahrhundertautoren des 20. Jahrhunderts zählen muß. Gewiß, erst die Nachwelt wird ihm als "Regenpfeifer" den Respekt zollen, der ihm gebührte, sofern die unsrige Welt (das Abendland) dann noch existent sein sollte. Und Fernaus weit verbreitete Schriften sind kulturgeschichtlich und -philosophisch eine Offenbarung, womit er sich in den deutschen Nationalkanon zu lesender Bücher verewigt hat.

Die Edition nordost bietet somit edlen Federn ein Feld, weniger bekannte Titel und Themata aus deren Oeuvre vorzustellen, deren Stoßrichtung als Leitfaden für Standhaftigkeit und Treue in dunklen Zeiten wie diesen aufzieht.

Inselbauer
11. November 2013 14:07

Die Rezension in der Blauen Narzisse ist natürlich handwerklich eine Katastrophe, aber man versucht jetzt wenigstens ein wenig Sparring. Diese neue Reihe ist ein guter Anfang, ich finde es schön, dass das Publikum auch ein wenig Kritik und Selbstreflexion ausbilden will. Irgendwie erinnert mich das an die Zeit, als in der Schule die besonders coolen Sonic-Youth- und Death-June-Fans direkt vom Herrn Lehrer auf den Kram angesprochen und zur Rationalisierung gezwungen wurden. Es war peinlich bis zum existenziellen Zusammenbruch, was da "abgesondert" wurde. Aber es war auch etwas Schönes und kein Grund, den Jüngling tot zu schlagen (, Herr Lichtmesz!).

Hartwig
11. November 2013 14:20

Wenn ich das Buch "Sieben Reiter verließen die Stadt" lesen werde, erwarte ich zuerst gute Literatur und im besten Sinne gute Unterhaltung, vielleicht sogar spannende Abenteuer. Wegner hat ja nun den Schluss schon vorweg genommen, was den Spannungsbogen vorm Überschießen bewahren wird ... aber bei einem guten Buch sollte das wohl nicht entscheidend sein. Und wenn es kein gutes Buch sein sollte, dann kann es von mir aus so weit "rechts" sein wie nur möglich, dann werde ich mich durchquälen und ärgern. Ich erwarte jedenfalls nicht eine Anleitung, wie ich mich inmitten zeitgeistverseuchter Artgenossen und deren zugewanderter Klientel behaupten soll, sondern wie bei guter Literatur oder auch guten Gesprächen üblich, die eine oder andere Idee, Satz, Gedanken oder Bild, was haften bleibt und bei entsprechender Gelegenheit zum Anker oder Kompass wird.

Nils Wegner
11. November 2013 15:07

Hartwig, Sie irren sich sehr, wenn Sie meinen, ich hätte den Schluß des Buchs oben ausgeplaudert. Sowas gehört sich nicht.

Gonzague de Reynold
11. November 2013 15:45

Ich muss mich der Meinung von Martin Lichtmesz uneingeschränkt anschliessen: "Wer die „Sieben Reiter“ nicht auf Anhieb begreift, dem helfen auch noch so lange Erklärungen nichts.". Punkt. Schluss. Ende. Entweder lässt diese Art von Schilderung in einem eine Saite anklingen - oder eben auch nicht. Ich zumindest habe mich auf jeden Fall schon nach wenigen Seiten den sieben Reitern zugehörig gefühlt, war irgendwie als achter, unsichtbarer Mann dabei ... .

Der gleiche Effekt lässt sich ja auch auf anderen Gebieten beobachten. Eine Comicfigur wie Corto Maltese zum Beispiel könnte da als Nagelprobe herhalten. Bei einem „Bruder im Geiste“ stellt sich unweigerlich ein vertrautes Gefühl ein, da ist eine Wesensverwandtschaft, welche fast schon körperlich spürbar ist - wohingegen für einen "Uneingeweihten" wohl alles ein Buch mit sieben Siegeln bleiben muss …

Urs Zürcher
11. November 2013 16:31

Ich habe beide Bücher bereits gelesen und ich finde Sie eine Wucht. Beide Autoren haben einen Stil, der meilenweit von der Mainstreamschreiberei aktueller Zeiten entfernt liegt. Sie bringen einen zum Nachdenken, insbesondere auch weil die Bücher kein spezifisches Happy End aufweisen. Auch die optische Gestaltung der beiden Bücher ist hervorragend gelungen und erfreuen das Auge des Lesers. Ich bin gespannt auf die beiden nächsten Ausgaben.

Als Anregung: Sicher ein Wagnis, aber ich wäre dabei: Die 3-bändige Comic-Edition der Sieben Reiter als Übersetzung ins Deutsche. Zudem müssten sich doch im Fundus von Jean Raspail neben dem „Heerlager“ und „Sire“ weitere Werke finden, die es wert wären ins Deutsche übersetzt zu werden. Ich hoffe auf mehr!

Der Markgraf
11. November 2013 20:14

@ Lieber Martin Lichtmesz,

Ja! Ja! Ja!

Wer die „Sieben Reiter“ nicht auf Anhieb begreift, dem helfen auch noch so lange Erklärungen nichts. Ich habe ihm auch nichts zu sagen.

Und tatsächlich kommt es bei dem Roman bereits auf den makellos sauber geschlagenen "Anhieb" an, - Hoch bitte! Los! -, auf den ersten Absatz des Buches, der übrigens mehrmals in der Folge wörtlich wiederholt wird. Wer diesen literarischen Hieb nicht als absolut aktuell und zeitbezogen begreift, was soll man dem noch sagen?

Ich muss gestehen, ich war beim Lesen leider keiner von den sieben Reitern, ich war der zurückbleibende "Markgraf"; aber der hat seine Rolle ja auch nicht so schlecht ausgefüllt.

Franz Schmidt
11. November 2013 20:21

Hier ist ein hervorragendes Interview mit Jean Raspail:

https://www.counter-currents.com/2013/11/our-civilization-is-disappearing-interview-with-jean-raspail/#more-43292

Ich habe beide Bücher mit Gewinn gelesen und werde weitere Exemplare zu Weihnachten gezielt verschenken.

Es ist gar nicht dramatisch, wenn es ein paar kritische Stimmen gibt.

Man sollte sich hier vor Arroganz hüten!

Es handelt sich hier ja nicht um Feinde. Dieser mitunter nicht gerade höfliche Tonfall z.B. von Herrn Lichtmesz erscheint mir überzogen.

Vielleicht wäre es sinnvoller, jenen Kritikern zusätzliche Bücher anzubieten, die ihren Vorlieben besser entsprechen.

Gut, daß hier die Bücher, u.a. von Nils Wegner, so besprochen werden. Das ist bestimmt hilfreich.

Noch wichtiger erscheint mir, daß solche Rezensionen auch bei amazon.de erscheinen. Da sieht es noch sehr dürftig aus.

Ich hoffe dort auf eine Rezension von Herrn Lichtmesz und Herrn Wegner, die ich beide schätze (auch wenn Herr Lichtmesz mich für einen Deppen hält).

Raskolnikow
11. November 2013 21:34

"Schweigt stille, plaudert nicht
Und höret, was itzund geschicht: ..."

(Picander)

Man möchte platzen,

wenn das Wanstreißen kaum mehr aufhören will. Immerhin befinden sich unter meinen gewölbten Folien zwei Ganskeulen und ein etliches an Rotkraut einzüglich ungezählter Kartoffeln. Die Westenknöpfe sprängen wohl ab, hätte ich sie nicht wohlvorhersehend nach der Einfuhr der ersten Keule eröffnet ... Die Martinsgans ist doch das Schönste nach dem quälenden Laternenumzug an diesem alten Heiligenfeste ...

Lieber Literaturexperte,

"Und wer Ich sagt, der muss auch stehenbleiben, verharren, sich eingraben oder einnisten können, der muss seinem Innern Folge leisten, das Ding als Ich."

Das ist nicht nur widerlich kitschig, es ist auch völlig unmöglich. Ich erspare uns hier nähere Erwägungen zum Ich und unseren Zugriff auf das Selbige! Ist das wirklich ernst gemeint? Oder beeindruckt der Verfasser dieser schlimmen Zeilen etwa kleine Mädchen in irgendeinem Kulturzirkel mit solcher Hausmannskost?

Fürchtet der Rezensent nicht die Strafen, welche jene zu erwarten haben, die sich erfrechen, mit der Tür ins Haus zu fallen? Sein Ansinnen (wie Zschocke will er "Antworten", auf dem fast-food-Tablett serviert) zur Unzeit verrät das Unbeholfene seines Gemütes. Schütze er sich und fliehe er, meiner Treu, fliehe er die harten Brocken, die zu kauen nicht jedem vergönnt ist!

Wer die Landser-Hefte und SS-Divisions-Bildbände nicht mag (Mein vollstes Verständnis!), sollte dann wenigstens Literatur von eben diesen Kriegstabellarien zu unterscheiden wissen! Meister Lichtmesz blies ja schon in das Horn, aber etwa 300 der mehr als 800 Seiten in Tolstois "Krieg und Frieden" sind Gefechtsschilderungen garniert mit teilweise seitenlangen operativ-taktischen Reflexionen (Genial: Über die Meldeketten und Führungsmittel!) ... Die "Sieben Reiter" sind vielleicht keine Besuchows oder Bolkonskys, aber in diesem sehr ordentlichen (und psychologisch bemerkenswert scharfsinnigen) Buch eine Kriegsgeschichte zu sehen, ist einfach unverzeihlich.

Ich bot schon vor geraumer Zeit an, den geneigten literarisch interessierten Zeitgenossen in meine Zucht zu nehmen, damit es ihm (oder ihr) irgendwann gelingen mag, den richtigen Werken die richtigen Weisheiten abzulauschen.

Sowas wie in diesen Rezensionen darf nicht passieren, ich schäme mich sehr für das konservative/rechte/reaktionäre/dissidente "Literaturexpertentum".

Wie auch immer, ich erneuere mein Anerbieten, der Rohrstock ist hier auf Gut Raskolnikow stets griffbereit, und es gibt Bücher, meine Teuersten, von deren Vorhandsein Ihr bis itzo nicht zu träumen wagtet.

Und meine milchig-weiße Zugehfrau lässt viele Phantasien wahr werden, wenn Ihr verschwiegen seid und der Oberärztin nichts verratet.

Nur Mut,

R.

Abronsius
11. November 2013 21:55

Die "Sieben Reiter" sind ein verblüffendes Werk, und es bedarf nun wirklich keiner Rechtfertigung, dieses in der Edition Antaios zu verlegen. Wer G. K. je begegnet ist, weiß, daß dieses Buch nur dort erscheinen darf und muß.

Das Thema "Casa Pound" war einfach ein Fund, der auf einer Akademie des IfS vor ein Paar Jahren präsentiert wurde, und auch dieses Buch weckt vorab jedes Interesse, weil es offenbar drängende Fragen anhand eines - mir - bisher unbekannten Sujets behandelt; ich bin sehr gespannt.

Und wer jetzt - 68 Jahre nach Kriegsende - immer noch Weltkriegsromane lesen will - na, jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Die militärische Struktur legt die Personen zwar von vornherein auf ein bestimmtes, abgedroschenes Beziehungsgefüge fest, in dessen Überwindung die einzige Möglichkeit einer Entwicklung besteht.

Aber es mag sein, daß in der rechten Szene viele Männer unterwegs sind, die sich darin wiederfinden, die wahrscheinlich gar nichts anderes in sich aufnehmen oder rezensieren könnten. Vielleicht auch gerade Ungediente. Ist ja gut, wenn sie dann an Fernau herangeführt werden.

Ein Fremder aus Elea
11. November 2013 22:20

„Wir müssen an eine Kraft appellieren, die einen sozialen, traditionellen Charakter besitzt, und die daher nicht zufällig und desintegrierend ist. Es gibt nur eine Kraft mit diesem Charakter: Es ist die bewaffnete Macht.“

Das ist allerdings ein doppelter Irrtum.

Erstens wird bewaffnete Macht abgestoßen werden, wie man schon an G.W.Bush gesehen hat, und so nur die Auflösung durch Paranoia und Mißtrauen beschleunigen, und zweitens gibt es durchaus eine andere Kraft, welche genau dies zu leisten vermag: nämlich die Ruhe.

Die Lösung der Probleme des Lebens hat nichts Zufälliges und Desintegrierendes. Es bedarf halt nur eines gewissen Mindestmaßes an Besinnung, um derartige Lösungen als solche zu erkennen und sich in ihrer Mitte wohl zu fühlen.

Man könnte einwenden, daß sich alles auch anders lösen ließe. Sei's drum, wenn man erst einmal versteht, daß die Tradition sich um diese Frage dreht, ist die Gefahr bereits gebannt. Das Bessere ist nicht wirklich der Feind des Guten, es löst es ab, ja, aber dieser Übergang gestaltet sich nur dann als Katastrophe, wenn die Übergehenden gehetzt werden - und dann ist es eh stets nur das vermeintlich Bessere.

Mauretanier
11. November 2013 23:04

@Raskolnikow

Ihr Beitrag hier versöhnt mich mit dem selbigen zu einem anderen Thread.

@Allgemeinheit

Kann mir nun jemand das ende der Reiter erklären? War nun alles ein Traum oder was? Oder ist nach der Brücke die moderne Zivilisation? Ich halte mich nicht für dumm, aber diese Stelle ist mir entgangen.

Loki
12. November 2013 00:15

@Mauretanier

Kann mir nun jemand das ende der Reiter erklären? War nun alles ein Traum oder was? Oder ist nach der Brücke die moderne Zivilisation? Ich halte mich nicht für dumm, aber diese Stelle ist mir entgangen.

Das wäre doch für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben, ein "spoiler", oder? Aber so schwer verständlich finde ich das Ende nun auch nicht. Einige Leser haben ja schon auf den wiederkehrenden Leitsatz verwiesen, und daß hier jemanden gibt, der ihn immer wieder von Neuem ansetzend schreibt und die Reiter immer wieder von Neuem ausschwärmen läßt. Die Unterredung zwischen dem Markgraf und Silvius zu Beginn der Handlung hält auch einige Schlüssel bereit. Außerdem hält der Autor hier offensichtlich bewußt einiges in der Schwebe und im Geheimnis; ich finde Ihre Frage ehrlich gesagt etwas phantasielos.

Rumpelstilzchen
12. November 2013 00:15

Aus der Edition Südwest

„Denn wenn im Kampf die Mutigsten verzagen,
Wenn Frankreichs letztes Schicksal nun sich naht,
Dann wirst du meine Oriflamme tragen
Und, wie die rasche Schnitterin die Saat,
Den stolzen Überwinder niederschlagen;
Umwälzen wirst du seines Glückes Rad,
Errettung bringen Frankreichs Heldensöhnen,
Und Rheims befrein und deinen König krönen!“

Schönen Gruß von der Jungfrau von Orleans, ihr schwachen Krieger !

Abronsius
12. November 2013 01:22

SPOIL-ALARM!

Lieber Mauretanier,

ich finde, die Sieben Reiter lassen, wie es sich für eine exzellente Erzählung gehört, vielschichtige Deutungen zu; einige meiner Gedanken sind diese:

Die ganze Handlung vor der Brücke ist etwas, das im Leser schlummert, dessen er sich kaum erinnert, und das er mit Hilfe des Autors erst freilegen muß. Inwieweit ihm dies überhaupt gelingt ist von der individuellen Vorprägung abhängig; daraus erklärt sich auch, daß einige Freunde von Lesern so gar nichts mit dem Buch anfangen können. Wer schon völlig abgenabel ist, wird das Buch nicht verstehen.

Das Furchtbare besteht darin, daß dies erst ganz am Ende deutlich wird, nachdem der Leser seine ganze Empathie verfeuert hat und eigentlich nur noch wissen will, in welcher Form sie ihr Ende ereilt.

Der Roman ist demnach hinsichtlich der äußeren Abläufe retrospektiv, die Welt, aus der sie aufbrechen, ist ja auch von vorgestern.

Die der internationalen Brücke innewohnende Wandlungskraft ist allerdings sicherlich eine gleichzeitige, keine Zeitreise. Sie reißt auch jetzt und heute manchen fort, der noch das Gute träumt. Insofern steht der Roman in der antiamerikanischen Tradition.

Es ist zwar ein Schock, aber kein jähes Erwachen, denn das metaphorische Potential der "internationalem Brücke", die ja am Anfang schon genannt wird, kann einem Leser, der auch mal was anderes aufgeschnappt hat, als Kriegsgeschichten, nicht entgehen.

Christologisch zu interpretieren ist das Motiv, daß die Braut des Erlösers fort ist - ein Grauen sondergleichen, Gottesschande. Dieses Motiv enttarnt die "westliche Welt" als nicht nur schwach und nachgiebig, sondern impotent und satanisch; Christus wird nicht gekreuzigt, sondern ignoriert, sodaß er sich selbst vergißt und einfach zur Arbeit geht.

Jedenfalls kann die Schlußsequenz noch wirkliches Grauen erregen. Das ist fulminant, was für ein Werk! Es hätte das Zeug zum Schlüsselwerk einer Bewegung. Wenn es heute noch für Bewegungen reichen würde; sieben Reiter verließen die Stadt ...

anmerkung kubitschek:
meinen dank, abronsius!

Martin
12. November 2013 07:32

... zwei Ganskeulen und ein etliches an Rotkraut einzüglich ungezählter Kartoffeln.

Krumbeern zur Gans! Das gibt es aber auch nur in tristen, gottlosen preußischen Gegenden, welche die Veredelung der Knollenfrucht zum Kloß oder wie man in diesen Breiten dann wohl eher sagt, Knödel, nicht hin bekommen.

Geschmacklos! Stilbruch!

Gruß
M.H.

Stil-Blüte
12. November 2013 15:30

Beim Lesen von '7 Reiter' gedacht: Das ist kein Roman, das ist Comic-Vorlage! Nun lese ich, daß es bereits 3 Komik-Bände gibt. Obwohl ich kein Freund von Comic bin, allenfalls Bilderbogen-/bilderbuchleser, finde ich, daß das zu dem holzschnitt-/schablonenartigen Geschehen passen könnte. Auch als Drehbuch-Vorlage; so viel brauchte man gar nicht verändern.

Als kühne Vorlage zum Nachdenken, geschweige denn zum Handeln verschreckt mich das Buch. Das Lob kann ich mir durch maskuline Science-Fiction-/Phantasy-Kenner und -Liebhaber erklären.

@ Martin
Richtig mehlige 'Abern', auf deutsch Salzkartoffeln, die verstehen, die köstliche Soße aufzusaugen, nicht zu verachten die Kombination von einfach und reich.

Reichsvogt
12. November 2013 18:47

Ein Zitat aus den " Sieben Reitern" habe ich mir herausgeschrieben und die Leitidee dieses gelungenen Buches ist darin prägnant zusammengefaßt: "Oft ist die Haltung das Rückrad der Seele."

Reichsvogt
12. November 2013 18:49

Im Übrigen: Danke für die großartig begonnene Buchreihe. Ich bin weiter dabei!

Ein Fremder aus Elea
12. November 2013 22:05

Reichsvogt,

de Haltung ist immer die Verkörperung des Gebots der Seele, primär, sekundär ist sie auch stets der Grad der Verkalkung der Adern, durch welche die Seele in den Körper strömt. Deshalb sind Kinder ehrfürchtig von Natur aus, andernfalls könnte sich der primäre Zweck nicht entfalten.

In der Angelegenheit bedarf es keiner die Allgemeinheit einschränkender Floskeln.

Reichsvogt
13. November 2013 15:35

@Ein Fremder aus Elea
Bitte um Erläuterung dieser mir völlig unverständlichen Sätze. Danke.

Sugus
13. November 2013 23:43

@ Reichsvogt
Rechtschreibung ist das Rückgrat der Literatur.

FFlecken
14. November 2013 00:47

Nur ein kurzer Punkt zur sehr gelungenen Rezension: Glaube das große Werk ist zu komplex für zu ausufernde Spekulationen im Online-Format. Der Roman wird ja von einer metaphysischen Grundspannung geprägt- denen die beiden, wie auch immer auszulegenden Figuren, gen Ende in einer anderen Welt als Andersartige noch ausgesetzt sind.
Es gibt Anzeichen, neben der Anerkenntnis des sicher unbestreitbar düsteren Endes, daß das Geschehen auch zyklisch zu interpretieren ist. Womöglich hat sich ein Kreis geschlossen und der Übergang zwischen Ende des Alten und Anfang des Neuen lässt die Zeitebenen als nachrangig erscheinen. Man sollte auch nicht den von Tankred und der Tschetschenin gezeugten Sohn vergessen, dessen spätere blutige Rache erwähnt wird - obwohl sie, so Raspail, in diesem Bericht eigentlich nicht vorkommen müsste (Zugehörigkeit zum neuen Zyklus?) Oder auch das Kind welches die ehrbare Hure in der Heimat vom kraftstrotzenden Jungaristokraten Venier erwartet...

Reichsvogt
14. November 2013 13:34

@FFlecken
Schöne Anregung. Danke!

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