50. Todestag C. S. Lewis

(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Johannes Ludwig

C. S. Lewis ist hauptsächlich als Autor von Fantasy-Kinderbüchern populär geworden und in letzter Zeit durch die Verfilmung seiner Narnia-Reihe wieder in Erinnerung gebracht worden.

 Gastbeitrag

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Weni­ger bekannt ist dage­gen sei­ne Bedeu­tung als phi­lo­so­phi­scher und theo­lo­gi­scher Gegen­auf­klä­rer und sei­ne Zuge­hö­rig­keit zu jenen christ­li­chen kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tio­nä­ren Groß­bri­tan­ni­ens, die in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts den Kampf gegen die intel­lek­tu­el­le Herr­schaft der Lin­ken führ­ten. Lewis ver­tei­dig­te die Aus­sa­gen der christ­li­chen Tra­di­ti­on gegen ihre ver­brei­te­te Infra­ge­stel­lung durch einen sich auf­klä­re­risch gebär­den­den Posi­ti­vis­mus und erlang­te schon zu Leb­zei­ten Bekannt­heit als Popu­la­ri­sa­tor christ­li­cher Apologetik.

C. S. Lewis war kein gebo­re­ner, son­dern ein »gelern­ter« Kon­ser­va­ti­ver. 1898 in Bel­fast als Sohn eines Anwalts gebo­ren, wur­de er nach dem Mili­tär­dienst im Ers­ten Welt­krieg und dem Stu­di­um Dozent für Phi­lo­so­phie und eng­li­sche Spra­che in Oxford und 1954 schließ­lich Pro­fes­sor für Eng­lisch des Mit­tel­al­ters und der Renais­sance in Cam­bridge. In sei­ner Stu­den­ten- und frü­hen Dozen­ten­zeit gehör­te er zum schon damals die aka­de­mi­sche Welt beherr­schen­den links­in­tel­lek­tu­el­len Milieu, bis ihn eige­nes Nach­den­ken, Lek­tü­re sowie der Ein­fluß von Freun­den wie J. R. R. Tol­ki­en eines Bes­se­ren belehr­ten. Sein »Denk-Weg zu Chris­tus« (Nor­bert Fei­nen­de­gen) führ­te ihn dabei von einem ratio­na­lis­ti­schen Posi­ti­vis­mus über den eng­li­schen Idea­lis­mus bis zu einer Ver­tei­di­gung der the­is­ti­schen Tra­di­ti­on des Christentums.

Der Kampf für die Ver­nünf­tig­keit des Chris­ten­tums war für C. S. Lewis das Haupt­mo­tiv sei­ner publi­zis­ti­schen Tätig­keit, von dem auch sei­ne gro­ßen lite­ra­ri­schen Wer­ke wie die Pere­lan­dra-Tri­lo­gie (1938–45), die Dienst­an­wei­sung an einen Unter­teu­fel (1942) und die Chro­ni­ken von Nar­nia (1950–56) geprägt sind.

In prak­ti­schen poli­ti­schen Fra­gen hielt er sich meis­tens zurück, mel­de­te sich aber hin und wie­der in klei­ne­ren Auf­sät­zen zu Wort. Dar­in stritt er in ers­ter Linie gegen den Ega­li­ta­ris­mus in ethi­schen, intel­lek­tu­el­len oder ästhe­ti­schen Fra­gen und gestand auch im Poli­ti­schen der Gleich­heit höchs­tens die Funk­ti­on einer Sicher­heits­vor­keh­rung zu, da kein Mensch so gut und ver­trau­ens­wür­dig sei, daß man ihm die abso­lu­te poli­ti­sche Macht in die Hän­de geben dür­fe. Von ent­schei­den­der Bedeu­tung war für ihn außer­dem, daß das Prin­zip der Aus­le­se zwar zu Grau­sam­kei­ten füh­re, aber gleich­zei­tig auch erst das Gute, Wah­re und Schö­ne, dazu Demut, Beschei­den­heit, Groß­zü­gig­keit und Bewun­de­rung ermög­li­che. Lewis beton­te damit die Not­wen­dig­keit einer Eli­te, deren Zuge­hö­rig­keit aber weni­ger mit dem Genuß von Pri­vi­le­gi­en ver­bun­den sei als viel­mehr mit einer beson­de­ren Aske­se­an­for­de­rung, die dem Aus­er­wähl­ten grö­ße­re Ent­beh­rung und grö­ße­re Demut abver­lan­ge als dem Durchschnitt.

Typisch für Lewis’ nüch­tern- argu­men­tie­ren­den Stil ist der Vor­trag gegen den Pazi­fis­mus, den er 1940 vor der Paci­fist Socie­ty in Oxford hielt. Wich­ti­ger ist aber die Grund­sätz­lich­keit, mit der Lewis den Kampf gegen die inkon­se­quen­ten Halb­hei­ten der Moder­ne in der Wahr­heits­fra­ge und ihre fata­len Fol­gen führ­te. Die­ser Kampf rich­te­te sich nicht nur gegen einen nai­ven Posi­ti­vis­mus, son­dern auch gegen den sub­ti­le­ren intel­lek­tu­el­len Schwach­sinn, der sich mit dem lin­gu­is­tic turn bereits abzeich­ne­te und dem wir auch heu­te noch in Gestalt des Kon­struk­ti­vis­mus aus­ge­setzt sind. Dage­gen ver­trat Lewis einen essen­tia­lis­ti­schen Stand­punkt, der die Sub­stanz der Din­ge und ihre objek­ti­ve Rea­li­tät ver­tei­dig­te und der allein einer kon­ser­va­ti­ven Welt­an­schau­ung ange­mes­sen ist, die sich nicht in einem heroi­schen Nihi­lis­mus selbst ver­zeh­ren will.

Schrif­ten: Über den Schmerz [1940], Köln 1954; Dienst­an­wei­sung an einen Unter­teu­fel [1942], Frei­burg i. Br. 1958; Die Abschaf­fung des Men­schen [1943], Ein­sie­deln 1979; Die gro­ße Schei­dung [1945], Köln/Olten 1955; Wun­der [1947], Köln/Olten 1952; Die Chro­ni­ken von Nar­nia [1950–56], Frei­burg i. Br. 1956–58; Chris­ten­tum schlecht­hin [1952], Köln/Olten 1956; Über­rascht von Freu­de [1955], Wup­per­tal 1968.

Lite­ra­tur: Nor­bert Fei­nen­de­gen: Denk-Weg zu Chris­tus. C. S. Lewis als kri­ti­scher Den­ker der Moder­ne, Regens­burg 2008; Gis­bert Kranz: C. S. Lewis. Stu­di­en zu Leben und Werk, Bonn 1974; Robert MacSwain/Michael Ward: The Cam­bridge Com­pa­n­ion to C. S. Lewis, Cam­bridge 2010.

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