Sezession
22. November 2013

50. Todestag C. S. Lewis

Gastbeitrag

Staatspolitische Handbuch 3 - Vordenker(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Johannes Ludwig

C. S. Lewis ist hauptsächlich als Autor von Fantasy-Kinderbüchern populär geworden und in letzter Zeit durch die Verfilmung seiner Narnia-Reihe wieder in Erinnerung gebracht worden.

Weniger bekannt ist dagegen seine Bedeutung als philosophischer und theologischer Gegenaufklärer und seine Zugehörigkeit zu jenen christlichen konservativen Revolutionären Großbritanniens, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Kampf gegen die intellektuelle Herrschaft der Linken führten. Lewis verteidigte die Aussagen der christlichen Tradition gegen ihre verbreitete Infragestellung durch einen sich aufklärerisch gebärdenden Positivismus und erlangte schon zu Lebzeiten Bekanntheit als Popularisator christlicher Apologetik.

C. S. Lewis war kein geborener, sondern ein »gelernter« Konservativer. 1898 in Belfast als Sohn eines Anwalts geboren, wurde er nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg und dem Studium Dozent für Philosophie und englische Sprache in Oxford und 1954 schließlich Professor für Englisch des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge. In seiner Studenten- und frühen Dozentenzeit gehörte er zum schon damals die akademische Welt beherrschenden linksintellektuellen Milieu, bis ihn eigenes Nachdenken, Lektüre sowie der Einfluß von Freunden wie J. R. R. Tolkien eines Besseren belehrten. Sein »Denk-Weg zu Christus« (Norbert Feinendegen) führte ihn dabei von einem rationalistischen Positivismus über den englischen Idealismus bis zu einer Verteidigung der theistischen Tradition des Christentums.

Der Kampf für die Vernünftigkeit des Christentums war für C. S. Lewis das Hauptmotiv seiner publizistischen Tätigkeit, von dem auch seine großen literarischen Werke wie die Perelandra-Trilogie (1938–45), die Dienstanweisung an einen Unterteufel (1942) und die Chroniken von Narnia (1950–56) geprägt sind.

In praktischen politischen Fragen hielt er sich meistens zurück, meldete sich aber hin und wieder in kleineren Aufsätzen zu Wort. Darin stritt er in erster Linie gegen den Egalitarismus in ethischen, intellektuellen oder ästhetischen Fragen und gestand auch im Politischen der Gleichheit höchstens die Funktion einer Sicherheitsvorkehrung zu, da kein Mensch so gut und vertrauenswürdig sei, daß man ihm die absolute politische Macht in die Hände geben dürfe. Von entscheidender Bedeutung war für ihn außerdem, daß das Prinzip der Auslese zwar zu Grausamkeiten führe, aber gleichzeitig auch erst das Gute, Wahre und Schöne, dazu Demut, Bescheidenheit, Großzügigkeit und Bewunderung ermögliche. Lewis betonte damit die Notwendigkeit einer Elite, deren Zugehörigkeit aber weniger mit dem Genuß von Privilegien verbunden sei als vielmehr mit einer besonderen Askeseanforderung, die dem Auserwählten größere Entbehrung und größere Demut abverlange als dem Durchschnitt.

Typisch für Lewis’ nüchtern- argumentierenden Stil ist der Vortrag gegen den Pazifismus, den er 1940 vor der Pacifist Society in Oxford hielt. Wichtiger ist aber die Grundsätzlichkeit, mit der Lewis den Kampf gegen die inkonsequenten Halbheiten der Moderne in der Wahrheitsfrage und ihre fatalen Folgen führte. Dieser Kampf richtete sich nicht nur gegen einen naiven Positivismus, sondern auch gegen den subtileren intellektuellen Schwachsinn, der sich mit dem linguistic turn bereits abzeichnete und dem wir auch heute noch in Gestalt des Konstruktivismus ausgesetzt sind. Dagegen vertrat Lewis einen essentialistischen Standpunkt, der die Substanz der Dinge und ihre objektive Realität verteidigte und der allein einer konservativen Weltanschauung angemessen ist, die sich nicht in einem heroischen Nihilismus selbst verzehren will.

Schriften: Über den Schmerz [1940], Köln 1954; Dienstanweisung an einen Unterteufel [1942], Freiburg i. Br. 1958; Die Abschaffung des Menschen [1943], Einsiedeln 1979; Die große Scheidung [1945], Köln/Olten 1955; Wunder [1947], Köln/Olten 1952; Die Chroniken von Narnia [1950–56], Freiburg i. Br. 1956–58; Christentum schlechthin [1952], Köln/Olten 1956; Überrascht von Freude [1955], Wuppertal 1968.

Literatur: Norbert Feinendegen: Denk-Weg zu Christus. C. S. Lewis als kritischer Denker der Moderne, Regensburg 2008; Gisbert Kranz: C. S. Lewis. Studien zu Leben und Werk, Bonn 1974; Robert MacSwain/Michael Ward: The Cambridge Companion to C. S. Lewis, Cambridge 2010.


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