25. Todestag Joachim Fernau

(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

Joachim Fernau war bis in die frühen achtziger Jahre hinein einer der erfolgreichsten Autoren auf konservativer Seite...

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

und damit einer der weni­gen, denen es gelang, sich als sol­cher in den Best­sel­ler­lis­ten zu behaupten.

Fernau ent­stamm­te einer preu­ßi­schen Fami­lie mit huge­not­ti­schen Wur­zeln. Prä­gend waren der frü­he Tod des Vaters und die Ver­trei­bung aus der Hei­mat­stadt nach dem Ers­ten Welt­krieg. In Hirsch­berg leg­te Fernau das Abitur ab und ging 1930 nach Ber­lin, um als Volon­tär den Jour­na­lis­ten­be­ruf zu ergrei­fen. Nach 1933 wur­de er ent­las­sen und arbei­te­te als frei­er Jour­na­list, u. a. als Son­der­be­richt­erstat­ter bei den Olym­pi­schen Spie­len. Fernau über­leg­te 1939, sei­ner jüdi­schen Freun­din nach Eng­land zu fol­gen, wur­de aber von der Ein­be­ru­fung über­rascht. Zunächst bei einem Poli­zei-Batail­lon in Posen ein­ge­setzt, erfolg­te 1940 die Kom­man­die­rung zur Waf­fen-SS, die eine eige­ne Kriegs­be­rich­ter-Kom­pa­nie aufstellte.

Unter­bro­chen von eini­gen Frei­stel­lun­gen, berich­te­te Fernau zunächst von der Ost­front und war ab Ende 1943 in Paris bei der Feind­pro­pa­gan­da ein­ge­setzt. Im Rah­men die­ser Tätig­keit ver­faß­te Fernau den Text »Das Geheim­nis der letz­ten Kriegs­pha­se«, das den über­hand­neh­men­den Par­ti­sa­nen in Frank­reich den bevor­ste­hen­den Ein­satz von neu­ar­ti­gen Waf­fen sug­ge­rie­ren soll­te. Die­ser Text, der ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Inten­ti­on auch auf deutsch und im Völ­ki­schen Beob­ach­ter erschien, bot in den sech­zi­ger Jah­ren Fern­aus Geg­nern Muni­ti­on für eine Kampagne.

Bei Kriegs­en­de erfolg­te Fern­aus »Selbst­de­mo­bi­li­sie­rung«; nach der 1949 erfolg­ten Ent­na­zi­fi­zie­rung als »nicht belas­tet« gel­tend, begann Fernau zunächst als Mit­ar­bei­ter bei ver­schie­de­nen Zeit­schrif­ten sein Geld zu ver­die­nen. 1952 erschien sein ers­tes Buch, »Deutsch­land, Deutsch­land über alles …«, das sich nach schwie­ri­gem Anfang bald zu einem »stil­len Best­sel­ler« ent­wi­ckel­te. Dar­in bie­tet er einen »alter­na­ti­ven« Zugang zur deut­schen Geschich­te an, die seit 1945 vor allem mit den Augen der Sie­ger betrach­tet wur­de. Fernau war nicht der ein­zi­ge, der die­se deut­sche Sicht ver­trat, aber er war der erfolg­reichs­te. Das Buch ist bis heu­te lie­fer­bar und dürf­te Mil­lio­nen Lesern die­ses Bild ver­mit­telt haben. Der Erfolg liegt in der sprach­li­chen Gestal­tung begrün­det, die den Leser »an die Hand« nimmt und ihm so, im Sti­le eines Volks­bu­ches, auf Augen­hö­he die deut­sche Geschich­te nahebringt.

Fernau per­fek­tio­nier­te die­sen Stil im Lau­fe der Jah­re und ver­faß­te ähn­lich gela­ger­te Geschichts­bü­cher zum klas­si­schen Grie­chen­land, zum Römi­schen Impe­ri­um, zu den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und zu Preu­ßen. Dabei ver­teil­te er sei­ne Sym­pa­thien offen, nahm Par­tei für die Grie­chen und für Preu­ßen. Bei den Römern sah er eine Blau­pau­se für die Deka­denz sei­ner Gegen­wart, die Ame­ri­ka­ner mach­te er als die Schul­di­gen am geis­ti­gen Nie­der­gang der Welt aus. Dem­entspre­chend wur­den sei­ne Bücher immer pes­si­mis­ti­scher. Deutsch­land blieb aber eines sei­ner Haupt­the­men. Mit Dis­teln für Hagen (1966) ver­such­te er am Bei­spiel der Nibe­lun­gen­sa­ge eine Bestands­auf­nah­me der deut­schen See­le, die er durch den Gedan­ken der Treue geprägt sah; in den Genies der Deut­schen (1953) woll­te er die gro­ßen Per­sön­lich­kei­ten der deut­schen Geis­tes­ge­schich­te als Ideen­trä­ger des Vol­kes wiederbeleben.

Auch in sei­nen bel­le­tris­ti­schen Wer­ken ging Fernau deut­sche The­men an. In Haupt­mann Pax (1954) ist dem Schick­sal und der Lei­dens­fä­hig­keit des deut­schen Sol­da­ten ein Denk­mal gesetzt, in Die jun­gen Män­ner (1960) beschreibt Fernau bei­spiel­haft die Wir­kung der Macht­er­grei­fung von 1933, die für den ein­zel­nen zunächst nicht viel bedeu­ten muß­te und die nicht aus der Zeit gefal­len war, son­dern einen zunächst wenig bemer­kens­wer­ten Vor­gang (eine wei­te­re neue Regie­rung) dar­stell­te. Hier flos­sen, wie auch in den Roman über sei­ne Mut­ter, Ein wun­der­ba­res Leben (1975), vie­le per­sön­li­che Erfah­run­gen mit ein.

Neben dem Schrei­ben wid­me­te sich Fernau der Male­rei und der Kunst­ge­schich­te, u. a. als lei­den­schaft­li­cher Kunst­samm­ler. Er ver­faß­te ein Lexi­kon der Alten Male­rei (1958) und eine kurz­wei­li­ge Stil­kun­de (1969). Doch tritt die­ser Aspekt gegen­über sei­nen geschicht­li­chen Best­sel­lern, zu denen auch sei­ne 1958 erschie­ne­ne Geschich­te der Lie­be, Und sie schä­me­ten sich nicht, gehört, zurück. Letz­te­re pro­vo­zier­te in den fünf­zi­ger Jah­ren durch ihre rela­ti­ve Frei­zü­gig­keit noch Wider­spruch und stand kurz vor der Indi­zie­rung. Einen zwei­ten Skan­dal gab es, als Fern­aus Geg­ner, dar­un­ter vor allem Peter Wapnew­ski, anläß­lich des Erschei­nens sei­nes Nibe­lun­gen-Buches, den Arti­kel von 1944 her­vor­hol­ten und Fernau als Nazi-Autor brand­mar­ken woll­ten. Das war inso­fern erfolg­reich, als daß Fernau aus den Feuil­le­tons der gro­ßen Zei­tun­gen weit­ge­hend ver­schwand; auf den Absatz sei­ner Bücher, die sich wei­ter­hin in den Best­sel­ler­lis­ten fan­den, hat­te es aller­dings kei­nen Einfluß.

Die sub­ku­ta­ne Wir­kung der Bücher Fern­aus kann auf­grund der gro­ßen Ver­brei­tung und leich­ten Les­bar­keit kaum über­schätzt wer­den. Sie gaben einer Grund­hal­tung Bestä­ti­gung, die sich in der neu­en Sicht nach 1945 nicht wie­der­fin­den konn­te. Bis heu­te sind daher ins­be­son­de­re Fern­aus Bücher zu Deutsch­land ein ers­ter Augen­öff­ner, der aller­dings nicht mehr mas­sen­haft wirk­sam wer­den kann, weil die fol­gen­den Genera­tio­nen zuneh­mend weni­ger damit anfan­gen konnten.

Schrif­ten: »Deutsch­land, Deutsch­land über alles …« Von Armi­ni­us bis Ade­nau­er, Olden­burg 1952; Abschied von den Genies. Die Genies der Deut­schen und die Welt von mor­gen, Olden­burg 1953; Bericht von der Furcht­bar­keit und Grö­ße der Män­ner, Olden­burg 1954; Die jun­gen Män­ner, Ber­lin 1960; Rosen für Apoll. Die Geschich­te der Grie­chen, Ber­lin 1961; Dis­teln für Hagen. Bestands­auf­nah­me der deut­schen See­le, Ber­lin 1966; Cäsar läßt grü­ßen. Die Geschich­te der Römer, Mün­chen 1971; Hal­le­lu­ja. Die Geschich­te der USA, Mün­chen 1977; Spre­chen wir über Preu­ßen. Die Geschich­te der armen Leu­te, Mün­chen 1981; Tau­send Tage. Frag­men­te eines Sol­da­ten­le­bens 1939 und 1940, Schnell­ro­da 2009.

Lite­ra­tur: Gus­tav René Hocke: Schrift­stel­ler und Maler Joa­chim Fernau. Sein male­ri­sches Werk, Wies­ba­den 1976; Götz Kubitschek/Erik Leh­nert (Hrsg.): Joa­chim Fernau. Leben und Werk in Tex­ten und Bil­dern, Schnell­ro­da 2009.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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