Sezession
5. Mai 2009

Robert Misik läßt die Neue Rechte trommeln

Ellen Kositza

misikfaceErst in der kommenden Woche setzt der österreichische Staatspreisträger Robert Misik seine nun im Heimatland begonnene Lesetour in Deutschland (u.a. Hamburg, Berlin, Weimar) fort. Sein aktuelles, im Aufbau-Verlag erschienenes Buch hingegen kann man jetzt schon lesen. Muß man andererseits aber nicht wirklich - auch wenn es zentral um die Neue Rechte geht.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Die Lektürempfehlungen bleibt aus, denn Misik leidet - überdeutlich, und auch seinen Twitter-Nachrichten zufolge - unter Wörtergrippe. Nein, Misik ist kein Schwein, sondern ein Mensch des Wortes!

Überhaupt - nichts gegen Schweine, die gelten als überaus intelligente Tiere. Misiks Neue-Rechte-Schau ist, naja, semi-intelligent. Zumindest macht ihn das nach seiner Weltsicht überbordende Neue-Rechte-Dings ganz durcheinander. Misik schreibt, daß sich die politische Linke stetig zu Positionen der Mitte bewege, während die Konservativen sich „scharf nach rechts" orientieren. Schön: Mal eine neue Meinung! Er hört „seit Jahren" „neurechte Politiker und Agitatoren trommeln" und warnt vor der „stetig anschwellenden konservativen Publizistik".

Was war noch mal „rechts?" Ah ja, hier: Kai Diekmann, Götz Aly etwa, und die internationalen Finanznetzwerke. Misik mit messerscharfer, originell-kritischer Zunge: „Der Turbokapitalismus fährt gegen die Wand, und die Zeche zahlen die kleinen Leute." Neu-Rechts: Das sind die da oben, die Bestimmer und Geldhaber, die Chef-Ideologen. Die sind für ihn „gaga" oder „zum Schreien komisch", vor allem widersprüchlich. Weil: Wie kann man für die Todesstrafe sein (Diekmann? Aly? Eva Herrmann? Udo di Fabio? Norbert Bolz?) und zugleich gegen Abtreibung? Wie für Familienwerte und gleichzeitig gegen türkische Familienclans?

Oh ja, Misik hat uns voll ertappt. Gottseidank menschelts auch bei Misik: Die ultrakonservative, ausgesprochen islamo- und homophobe US-TV-Größe Ann Coulter findet er „richtig gut", denn die Polemikerin hat „endlos lange Beine", und überhaupt: „Sie ist eine gutaussehende Frau und er (der neurechte Kai Diekmann) ein häßlicher Mann." Feminismus und Antifa a´la Österreich! Felix Austria! -Keine heile Welt, aber wenigstens simple Lösungen!


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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