10. Dezember 2013

Sezessionistische Weihnachtsempfehlungen (II) – Salon

Ellen Kositza / 6 Kommentare

salonBenedikt Kaiser - Alex Kurtagic: Warum Konservative immer verlieren (Schnellroda 2013, leider seit heute vergriffen!). Ein Bändchen, über das nicht nur im Bekanntenkreis viel diskutiert wurde, weil es das Fehlen konservativen Erfolges auch und vor allem an den Unzulänglichkeiten des eigenen Milieus analysiert. Daneben ein leidenschaftliches Plädoyer für eine "virile Gegenkultur", gepaart mit klugen Überlegungen zur Rolle von Emotionen im metapolitischen Feld.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ellen Kositza - Peter Kurzeck: Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit (Box mit 4 Audio-CDs, 290 Minuten und Booklet, 34.80 €) Kurzeck, 1943 im Sudetenland geboren, von dort vertrieben, wuchs in Staufenberg bei Gießen auf. Anläßlich seines Todes vor zwei Wochen holten wir dieses verzaubernde Hörbuch abermals hervor. Was für ein Erzähler!  Hellwach registriert er die Maßnahmen der Re-Education.  Eine meiner Lieblingsstellen ist aber die, wo Kurzeck die Ankunft der mobilen Leihbücherei schildert. Aus fahrtechnischen Gründen muß der Bücherbus vor seinem Halt eine enge Schleife drehen. Dem kleinen Peter ist klar, der Kringel wird aus reiner, übermütiger Freude gefahren: Hier kommt das Vergnügen!

Felix Menzel - Thea Dorn/Richard Wagner: Die deutsche Seele. Wenn es ein Buch gibt, das bestens für Sezessionisten für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr geeignet ist, dann dies. Was ist typisch deutsch: Vom Abendbrot, dem Bierdurst bis hin zur Wurst. Zwischendurch aber auch immer wieder sehr politisch-philosophische Beiträge: "German Angst", Kulturnation und Zerrissenheit. (560 Seiten, 26.99 €)

Nils Wegner - Ralf Küttelwesch (Hrsg.): Der konservative Rausch. Abenteuer Alkohol und andere Geschichten (305 Seiten, 24.80 €). Natürlich ist es, gerade für uns Jüngere, immer eine Gefahr, daß das Potential letztlich in Bierdunst aufgeht. Viele schaffen die Gratwanderung nicht; die Zeugnisse anderer, früherer, die politischen Aktivismus und ungebrochenen Willen mit den schier unvermeidlichen Zechereien zu verbinden wußten, finden sich in dieser Anthologie liebevoll versammelt. Zum Jahresausklang kommt man selbst nur schwerlich um den einen oder anderen Umtrunk im lieberschlossenen Freundesbund herum. Umso passender ist es da, anderntags mit leichtem Schwindel Anekdoten von Jünger und anderen zu lesen – Flaschenwürfe und Weimarer Vandalismus inklusive.

Götz Kubitschek - Zweifellos aus meinem Verlag die ins Deutsche übertragenen Essays von Richard Millet, Verlorene Posten (246 Seiten, gebunden, 22 €). Elitäre, intellektuelle Verteidigung des Abendlandes nach zwei Seiten - gegen die Eindringlinge von außen und die dekadente Masse im Innern. Ist soeben erschienen, eines der wichtigsten und anspruchvollsten Antaios-Bücher.

Erik Lehnert - Von Wilhelm Busch sollte man eine Gesamtausgabe besitzen, möglichst eine historisch-kritische (weil in vielen Volksausgaben weniger populäre Stücke fehlen). Antiquarisch gibt es diese günstig, es muß also nicht die zweite Auflage für 249 € (nur die Bildergeschichten!) sein. Busch ist ein unerschöpflicher Quell der Lebensweisheit, des Wortwitzes und des feinen Humors.

Martin Lichtmesz - Botho Strauß: Lichter des Toren: Der Idiot und seine Zeit. Eher ein stilles Nachspiel zum Posaunenstoß des Anschwellenden Bocksgesangs als eine Fortsetzung, womöglich bereits eine Art Schwanengesang. Vielleicht aber auch nur ein trügerischer Rückzug in geheime Waffenkammern. Denn immer noch spricht hier, unter einer neuen Maske, "der Rechte in der Richte", die Nachhut der Geschichte - oder deren Avantgarde? "Idiot: der Unverbundene, der anderen Unbegreifliches spricht. Privatperson. Gemeinschaftsstümper. Idios: beiseite, abseits befindlich; den einzelnen betreffend, dem einzelnen zugehörig. Idioteía: Privatleben, Torheit." (176 Seiten, 20 €).

Raskolnikow - Maurice Pinguet: Freitod in Japan. Auf den ersten Blick ein Sachbuch, entpuppt sich Pinguets Werk schnell als echte Literatur. Das Thema Freitod wird distanziert, teilweise gar mit einer Prise Witz behandelt, ohne jedoch respektlos zu werden. Die Bewunderung für einen bemerkenswerten Ehrencodex und die Kultur des japanischen Rittertums merkt man dem Autor an. Für Freunde asketischer Männlichkeit ist dieses stilistisch makellose Buch ein fremdartiges aber faszinierendes Vergnügen! Alle anderen werden abgestoßen sein. 379 S.
(Bestellung der meisten Empfehlungen ist möglich per Epost: vertrieb@antaios.de, telefonisch unter 034632-90941 bei Frau Drese oder über die Netzseite des Verlages Antaios.)

Kommentare (6)

niekisch
10. Dezember 2013 21:18

Eine Idee für Weihnachten: Christopher Clark, Die Schlafwandler, Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, DVA.

Dann seid Ihr für die Diskussionen um den I. WK 2014 -100 Jahre Kriegsausbruch - gerüstet und könnt denjenigen erwidern, die immer noch von Allein- oder Hauptverantwortung Deutschlands faseln.

Revolte
10. Dezember 2013 23:22

Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich ("À rebours")

Ein absoluter Hochgenuss. Ein Abgesang auf die Dekadenz - und zugleich eine Ode an sie. Und diese Wortgewalt, dieses mannigfarben explodierende Bouquet an Sprache.
Geradezu manisch, wie Huysmans Parfüm, Blumen oder Wein beschreibt und überhaupt allen Luxus, unter dem sich der Protagonist begräbt.
Sehr lesenswert.

Rumpelstilzchen
11. Dezember 2013 09:17

Mein Favorit ist hier ganz klar Wilhelm Busch. Dieser Fürsprecher des weiblichen Rausches, ein Frauenversteher, wie es ihn nur einmal gab.
Wie liebe ich die FROMME HELENE:

"Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör !"

Irritiert bin ich über den latent depressiven Unterton der Weihnachtsempfehlungen: Vom ewigen Verlust der Konservativen, auf verlorenem Posten stehend, über den konservativen Rausch gar bis zum Freitod in Japan und dann noch ganz tief nach unten ( Hysmans).
Das erschaudert die DEUTSCHE SEELE.
Und so rufe ich :

"Wenn ich doch glauben könnte!"
Diesen Buchtitel über Theodor Storm und die Religion lege ich Euch ans Herz.

http://buchverlag.boyens-medien.de/verlagsprogramm/literatur/einzelansicht/buch/wenn-ich-doch-glauben-koennte/bereich/literatur.html

Und auch Storms Weihnachtsgeschichten kosten im Hamburger Lesehefte Verlag nur 2 Euro.
Adventliche Grüße

Gutmensch
11. Dezember 2013 18:12

Ja, Wilhelm Busch ist schon toll: "Denken ist oft schwer indess // schreiben geht auch ohne es." Ich muss derzeit mehr vorlesen als für mich alleine lesen und lese daher noch einen anderen Wilhelm, nämlich Wilhelm Hauff, unter anderem das Gespensterschiff (was mich wiederum an die Bauern"krieger" denken ließ, weshalb das Thema nicht völlig OT ist, sondern in den Salon gehört). Zaubersprüche und Koranverse stehen mir leider nicht zur Verfügung, um sie zum erlösenden Sterben an Land zu bringen.

Gruß vom Gutmenschen.

Patricius
11. Dezember 2013 19:30

Zu Menzels Empfehlung:
Ich kann die zum Teil überschwänglichen Bewertungen - auch auf SiN - des Werks von Wagner und Dorn nicht recht nachvollziehen.
Nicht, dass es schlecht wäre, doch hätte ich mir damals vor der Lektüre etwas mehr versprochen.
Auch ohne kleinlich zu sein, fällt es beispielsweise schwer, von Dorns NS-Bezügen und Vorbehalten nicht doch irgendwann etwas angenervt zu sein.
Selbst der "Bruder Baum" kommt dort nur mit einem blauen bzw. braunen Auge davon. Mei o mei...
Aber das nur am Rande.

Wie wäre es mit einer Sammlung Raskalnikowscher Ergüssen zur Gesamtsituation und überhaupt als Weihnachtsempfehlung für nächstes Jahr. Erste Fühlung zum Verlag ist ja anscheinend aufgenommen.

Richard
12. Dezember 2013 17:51

Meine Empfehlung:
Kevin MacDonald: Die Kultur der Kritik.

Die Übersetzung ist just erschienen.

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