Das war’s. Diesmal mit: dem neuen Schwarzer-Museum, Robbie Williams vs. Freiwild und negativen Stolpersteinen

8. 12. 2013 - Reste der Zeit harren der Lektüre, sie liegen in der Sauna und sind schon knittrig.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

In der vor­wö­chi­gen Aus­ga­be hat­ten sie einen  Grund­satz­ar­ti­kel von Ali­ce Schwar­zer zur Pro­sti­tu­ti­ons­de­bat­te abge­druckt. Und jetzt, in der aktu­el­len Aus­ga­be, das: Das turm­ho­he Ali­ce-Schwar­zer-Muse­um in Köln wur­de ein­ge­weiht. Mit Blas­ka­pel­le und ordent­lich Pro­mi­nenz, „Kai Diek­mann mit schi­ckem Drei­ta­ge­bart“, May­b­ritt Ill­ner, San­dra Maisch­ber­ger, „bei­de in lila“.

Die Schwar­zer sag­te laut Zeit in der Eröff­nungs­re­de, ihr eige­ner „Bei­trag zur Zivi­li­sie­rung Deutsch­lands“ sei „aus der Geschich­te der Mensch­heit nicht mehr weg­zu­den­ken.“ Auf einem Neon­licht­band läuft der Spruch „mein Bauch gehört mir“, über­setzt in alle Welt­spra­chen. „An den Wän­den fin­det der Besu­cher Fotos kirch­li­cher Wür­den­trä­ger mit empö­rend frau­en­ver­ach­ten­den Zita­ten.“ Jes­sesSezes­si­on im Netz! Ich muß noch ein paar Zei­len wei­ter­le­sen um´s zu kapie­ren: eine Sati­re. Dif­fi­ci­le est saturam non scri­be­re (Juve­nal).

9. 12. 2013 – Auf Deutsch­land­ra­dio „Kul­tur“ stellt Mar­tin Bött­cher die deut­schen Charts vor. Von Platz 10 run­ter wer­den die nach media con­trol der­zeit best­ver­kauf­ten Alben prä­sen­tiert und ange­spielt. Zu den Gepflo­gen­hei­ten die­ser Rubrik gehört es, einen Titel der erst­pla­zier­ten CD in Gän­ze zu Gehör zu brin­gen. Lei­der ist aus­ge­rech­net die­ser Sen­dungs­mit­schnitt nicht online greifbar.

Was sag­te Bött­cher noch mal über Frei­wild, die erneut Platz eins stell­ten? „Musik von Unter­men­schen für Unter­men­schen?“ Nein, er sprach wohl von schlech­ter Musik für schlech­te Men­schen, von „völ­ki­schem Gegrö­le“, und die Mode­ra­to­rin sekun­dier­te mit reso­lu­ter Stim­me „… und des­halb wird das hier auch nicht gespielt. “ Statt­des­sen durf­te die Nr. 2 , Rob­bie Wil­liams, sin­gen, und zwar:

I wan­na be a man, mancub/ And stroll right into town/And be just like the other men/Oh, oobee doo/I wan­na be like you

Okay, das ist nun wirk­lich gute Kunst für gute Men­schen. Und doch, der Trotz siegt: Bestel­le gleich das neue Album als „Premium“-Variante im Frei­wild-Shop. Ken­ne jeman­den, der sich drü­ber freu­en wird.

10.12. 2013 – „Seht uns an: Noch nie gin­gen in Afgha­ni­stan so vie­le Schu­le, noch nie waren Frau­en öffent­lich so aktiv. Die­se Schü­le­rin­nen pro­tes­tie­ren in Herat gegen Kor­rup­ti­on“. So lau­tet die Bild­un­ter­schrift unter einem gro­ßen Pho­to, mit dem die Süd­deut­sche Zei­tung einen Arti­kel über eine Gou­ver­neu­rin in Afgha­ni­stan illustriert.

Gut, wir fol­gen dem Auf­ruf und sehen die Schü­le­rin­nen an. So wie sie dasit­zen, könn­ten es die Stu­fen der Frank­fur­ter Kon­sta­bler­wa­che sein, auf denen sie hocken. Drei von vier tra­gen rie­si­ge Son­nen­bril­len mit bun­ten Plas­tik­ge­stel­len, zwei modern-ver­schlis­se­ne Blue­jeans, zwei fut­tern aus einer Plas­tik­tü­te Chips. Eine hält ein rosa­wei­ßes Han­dy in ihrem Schoß, eine ande­re hat pink­kral­li­ge Fin­ger­nä­gel. Das Chips­tü­ten­mäd­chen guckt frech, die ande­ren drei Gesich­ter strah­len tei­gi­ge Auf­müp­fig­keit aus. Immer­hin, sie sind dezi­diert gegen Kor­rup­ti­on. Das ist mal ein Anfang.

11.12.2013 – „Aber wir müs­sen…!“ „Quatsch. Dann mußt D u halt nicht.“ „Aber – ist doch eine Haus­auf­ga­be! Wenn einer sagt, er kann´s nicht, kriegt er ne schlech­te Note.“ „Dann wäre die in die­sem Fall Art Ehren-Fünf. Eti­am si omnes…“ „… ego non, klar. Aber ich kann´s eh schon auswendig.“

Es geht um die Aus­wen­dig­lern­haus­auf­ga­be des Weih­nachts­songs, der natür­lich nicht an die coo­le Bar­ba­rei des Weih­nachts­songs  her­an­reicht. Trotz­dem ein dümm­li­ches Stück. Ent­täu­schend des­halb, weil die Musik­leh­re­rin – Grund­schu­le – eigent­lich äußerst pri­ma ist. Ihr ver­dan­ken wir, daß in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zahl­rei­che Stü­cke von Mar­ga­re­te und Wolf­gang Jehn Ein­zug in unse­ren fami­liä­ren Lie­der­schatz gehal­ten haben. Aber jetzt das!, zu unschö­ner Melodie:

„Die Zeit rennt uns davon, dabei ist viel zu tun, ich hab noch immer kei­ne Geschen­ke. Der Weih­nachts­stress, der nervt, so geht das jedes Jahr. Es ist so weit, es ist Weihnachtszeit.“

Bah.

12.12. 2013 – Wie­der Haus­auf­ga­ben, dies­mal die jun­ge Gym­na­si­as­tin. Sie sol­len einen Brief ver­fas­sen: ein von den Wid­rig­kei­ten geplag­ter Sach­se (in des­sen Rol­le sie schlüpft) an den Fran­ken­kö­nig Karl.

Unkt die älte­re Schwes­ter: „Wie­so eigent­lich ´Brief‘? Wie­so nicht gleich ´ne email?“

Die Töch­ter grin­sen und zäh­len die Empö­rungs- und Bitt­brie­fe auf, die sie in ihren Geschichts­stun­den schon ver­fas­sen muß­ten. Zuletzt einen an Napo­le­on, davor einen, den ein Chi­ne­se an Wil­helm II. ver­faßt haben könn­te. („Habt ihr wirk­lich ´Boxerauf­stand´gelernt?! Soll man heu­te nicht mehr sagen, das ist lin­gua impe­ria­lis­ti!“, schul­meis­tert die Größ­te die Zweit­größ­te.) An den grau­sams­ten deut­schen Dik­ta­tor, heißt es auf Nach­fra­ge, muß­ten bis­lang kei­ne Brie­fe geschrie­ben wer­den. Hätt´der sol­che Ein­ga­ben nicht beson­ders nötig gehabt? Ver­mut­lich wür­de ein sol­ches Vor­ha­ben bereits an der Anre­de schei­tern. „Lie­ber Herr Hit­ler“? „Sehr geehr­ter -“?  So weit kommt´s noch!

13.12. 2013 – So hiel­ten es bes­ser­ge­stell­te Fami­li­en in ver­gan­ge­nen Zei­ten: Im Win­ter wur­de der Land­sitz geschlos­sen und die Stadt­woh­nung über­ge­sie­delt. Ein mon­dä­ner Wunsch! Immer­hin kann gele­gent­lich dem teil­be­heiz­ten Rit­ter­gut ent­flo­hen wer­den. Heu­te Kul­tur­tag in Frank­furt: erst im Jüdi­schen Muse­um die Schau „1938. Kunst, Künst­ler, Poli­tik“, her­nach die Thé­o­do­re-Géri­cault-Schau in der Schirn.

Im Jüdi­schen Muse­um am frap­pie­rends­ten die­ser Ein­druck: Die ein­an­der gegen­über­ge­stell­ten Kunst­kri­ti­ke­rin­nen Lui­se Straus-Ernst (in Ausch­witz ermor­det) und Bet­ti­na Feis­tel-Roh­me­der, einst als „Kämp­fe­rin gegen Juden und ver­ju­de­te Künst­ler“ beju­belt, glei­chen sich im Por­trait wie Zwil­lin­ge. Die Schau ist päd­ago­gisch extrem zurück­hal­tend, und man staunt, daß der Fall Gur­litt nicht hin­ein­ak­tua­li­siert wurde.

Das Prin­zip „Stol­per­stein“ wur­de hier umge­kehrt: Man läuft über die Räu­me hin­weg auf einem Fli­cken­tep­pich, in den man hier und da unver­se­hens zen­ti­me­ter­tief ver­sinkt. Die Muse­ums­da­me macht bei­zei­ten dar­auf auf­merk­sam. Strau­cheln ist erwünscht, fal­len wäre unschön.

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (9)

Carsten

13. Dezember 2013 23:11

Frei.Wild ist auf Platz 1 und wird trotzdem nicht gespielt? Großartig! Dasselbe passierte 1977 den Sex Pistols mit "God save the Queen". Konservativ ist heute der wahre Punkrock!

Druide

14. Dezember 2013 11:07

Haha. Ein riesiger Phallus zu Ehren Alice Schwarzers begleitet von ihrem eigenen Minnesang auf ihre heroische Schöpferkraft... Das ist schon der Gipfel der Satire. Hätte sich das jemand zuvor prosaisch ausgedacht, wäre das als völlig überzeichneter Mumpitz abgelehnt worden. Aber so ist das Leben.

Ein Fremder aus Elea

14. Dezember 2013 16:28

Ach, es ist schon schlimm, außer

"Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür."

ist mir kein Weihnachtsgedicht im Kopf geblieben und als ich heute meiner Frau vorschlug, daß unser Kleiner das im Kindergarten sagen könnte, weil wir zwischenzeitlich das Gedicht verloren hatten, welches er eigentlich lernen sollte, meinte sie, sie wüsse nicht, ob man im Kindergarten Christus sagen dürfe.

Hmm...

Angst vor dem kommunistischen Untergrundnetzwerk oder was...

Nun ja. lernt er vielleicht trotzdem, Oma und Opa würden sich freuen.

Aber was den Advent angeht, den dritten habe ich jetzt wohlverdient frei, dafür habe ich den Sabbat jetzt gerade massivst gebrochen und an die 10 Stunden geschrieben.

Aber das mußte sein, ich kann's immer noch kaum fassen.

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2013/12/eine-erklarung-des-i-chings.html

Buchstäblich eine Erklärung der gesamten Geschichte der Menschheit.

Michael Schlenger

14. Dezember 2013 20:32

Sehr geehrte Frau Kositza,

in Sachen "Freiwild" werden Sie schon recht haben - so etwas muss natürlich von den mutigen Resistance-Kämpfern im Staatsfunk zensiert werden.

Aber Sie wollten uns dieses "Gegröle" (ohne weiteres Attribut) jetzt sicher nicht als große Gegenwartskunst verkaufen, gelle? Die Figuren können ja wirklich gar nichts - außer willkommene Klischees vom rechten Deppen bedienen.

Wenn ich mir das sonstige intellektuelle Niveau der Sezession betrachte, fallen solche Bemerkungen und Hinweise in musischer Hinsicht leider unangenehm auf, zumindest für jemanden, der mit bewahrenswerter deutscher Musiktradition etwas anderes verbindet.

Kurioserweise muss ich mir englische Detektivserien auf DVD ansehen (Inspector Morse), um in den Massenmedien noch auf überzeugend dargestellte Anhänger von Schubert und Wagner zu treffen. Kann es sein, dass der mutmaßlich schweigenden Mehrheit hierzulande nicht mehr bewusst ist, über welches ungeheure Erbe (keineswegs nur im Schlechten) sie diesbezüglich verfügt? Das könnte vielleicht auch an der mittlerweile qualitätsbefreiten Musikkultur im deutschsprachigen Raum liegen, an der linke wie rechte Kräfte kurioserweise gemeinsam tüchtig teilhaben.

Ansonsten gilt Ihnen durchaus meine Sympathie, nicht weil ich mit allem einverstanden bin, was Sie und Ihre Mitstreiter hier äußern, sondern weil schon Ihr Mut Anerkennung verdient, nicht den billigen Weg des zivilen Gehorsams zu gehen...

Viele Grüße
Michael Schlenger

Kositza:Lieber Herr Schlenger, nicht "mit allem einverstanden" zu sein, das versteht sich doch von selbst...!
Ich gestehe, Freiwild bisher nur von ferne, also durch zwei geschlossene Türen, zu kennen. Anläßlich meines kleinen Kommentars hab ich mir aber sämtliche Texte des neuen Albums durchgelesen, was ja keine große Anstrengung/Konzentration erforderte und muß sagen: große Gegenwartskunst, lyrisch betrachtet: nein, aber keineswegs flacher als der Rest des Popgenres.

Stil-Blüte

15. Dezember 2013 12:03

@ Michael Schlenger.

Mir ging es genauso, als ich erstmalig frei.wildhörte.

'frei.wild' u.a. ähnliche Bands: Totaler Stimmverlust. Kein Zutrauen zur eigenen Stimme und Stimmung. Woher soll das auch kommen? Seit Jahrzehnten wird im schulischen Musikunterricht nicht mehr richtig gesungen. Vor allem die Jungs finden sich dabei lächerlich.

Da kann der Text auch noch so rebellisch sein, dieses Fratzenschneiden und hemmungloses 'Gröhlen' ist für mich der Ausverkauf einer großen musikalischen und lyrischen Tradition - einfach nur noch häßlich. Ähnelt es nicht dem Fan-Gröhlen beim Fußball? Dabei sollte ich mich wenigstens ein bißchen darüber freuen, daß auf Deutsch getextet wird. Schon das kann ja heute Protest sein. Aber was hilft es, wenn der Text trotzdem schwer verständlich ist, weil das Artikulieren schwerfällt oder als 'uncool' angesehen wird.

Die Texte sollen 'völkisch' sein? Blödsinn! Solche Eingriffe wie diese von Herrn Böttcher kennen wir ja nun zur Genüge; sie reichen inzwischen bis in den letzten Schlupfwinkel. Wenn ich die jungen Männer von frei.wild in ihrer Präsentation richtig verstanden habe, wollen sie pausieren. Folge solcher Angriffe? Wenn ja, kann ich nur sagen: Schaut auf Heino! Einfach seiner Liebe treubleiben. Sofern man seine Sache liebt, ist man auch unantastbar.

Auch auf die Gefahr hin, als hoffnungslos altmodisch zu gelten, gestehe ich (mir zu), wofür ich mich früher vor Freunden geschämt habe, Schnulzen aus alten Zeiten auf youtube Freddy, Abba, Heino, vor allem die wunderbaren amore-Italiener zu hören. Und lese die rührenden Kommentare der Enkel: 'Oh, das ist schön, das hat meine Oma immer gehört und mitgesungen.' Oder - ' 'Mein Papa ist tot, das war sein Lieblingsschlager, mir kommen die Tränen!'

Haben Konservative gegenüber Kitsch, Schnulzen, Schlagern eine Scheu? Gegenüber himmelschreienden Dissonanzen, schrillen Tönen ('Oh Freunde, nicht diese Töne!') ein verständnisvolles Ohr?

Luise Werner

16. Dezember 2013 10:05

Da empfehle ich Ihnen, liebe Stil-Blüte das letze Album der Gruppe Faun. Die kamen ursprünglich aus der schwarzen Szene, singen jetzt schlagerartige Musik, begleitet auf alten Instrumenten, die Stimmen sind klar, und die Texte sind konservativ bis ins Mark.

Nordlaender

16. Dezember 2013 21:42

@ Stilblüte

Auch Sprachschutz steht unter Natzieh-Verdacht. Sei's drum, der echte Konservative schreibt immer noch "grölen".

Ansonsten kann ich mich anschließen, es gibt eine wahre Inflation des Gegröles. Kürzlich erlitt ich einen Titel der neuen Spiegelscheibe von Heinz Rudolf Kunze. Der Mann will wohl etwas mitteilen, hat aber nicht den Ansatz einer Stimme.
Ein sehr erfolgreicher Nichtsänger verstarb kürzlich: Lou Reed. Dann dieser Schauspieler ("Das Boot"), der früher immer so nervös seine Stirnlocke beim (Nicht-)Singen zurückgeworfen hat, dieses Nichtsingen damit kompensiert, daß er auch nicht tanzen kann.
Man erleide unsere ganzen "musizierenden" Kulturschaffenden gegen Rechts, diesen Sozialarbeiter Niedecken ("BAP"), den Schlapphut aus dem Hamburger Atlantik-Hotel, die Toten Hosen, was früher die Ausnahme war (denn es gibt auch alte Schlager von z.B. Heinz Ehrhardt, Heinz Rühmann oder sogar von Charlie Dörfel), ist wohl mittlerweile zur Regel geworden, Genöle und Gegröle.

Stil-Blüte

17. Dezember 2013 15:36

@ Nordländer
Dank für den Hineis auf das überflüssige 'Dehnungs-H'. Vielleicht liebe ich es als Eigenart und -sinn unserer Muttersprache allzu sehr. Angehörige, vor allem aus osteurop. Ländern, unterschätzen den langen Vokal im Deutschen und sprechen ihn, z. B. 'Polen' und 'Pollen' gleichermaßen kurz aus.

Gegen Sprech-Gesang ist nichts zu sagen, zur Blüte brachten es Brecht/Weill, Zarah Leander, Marlene Dietrich. Abe auch schon in Opern und Oratorien (Chronist im Weihnachtsoratorium) ist diese artifizielle Gesangform präsent.

@ Luise Werner
Danke, liebe Luise Werner, dem Tip wird sogleich nachgegangen, laß ich mich doch gerne freudig überrauschen (schöner Verschreiber, den laß ich aber stehen!). Wir alle brauchen das ja.

(Ich las, Heino, dem ich so gerne mein Ohr leihe, soll mit frei.wild auftreten. (Er hatte es schon mit 'rRammstein' getan). Sollte das Totenkopf-Symbol, das er auf derm T-Shirt und auf dem Fingering trägt, zu seiner Muse werden?)

Martin Böttcher

10. März 2014 19:18

Hi Ellen,
Du behauptest da leider etwas, was nicht stimmt und was ich auch noch nach mehreren Monaten richtigstellen möchte: nach meiner Top-Ten-Kolumne im Deutschlandradio Kultur kommt nie zwangsläufig ein ausgespielter Son von der Nummer Eins. Das ist sogar die Ausnahme, weil sich auf den vordersten Plätzen meist unspielbares Zeug findet. Aber passt natürlich hervorragend rein in die immergleiche Geschichte von Zensur und Benachteiligung.
Mit Zensur hat das aber gar nichts zu tun: meinetwegen können Frei.Wild ihre Lieder bis zum Sankt-Nimmerleinstag singen. Aber sie werden dadurch nicht besser.
Hier übrigens noch mal die freundlichen Worte, die ich für Frei.Wild fand:
"Völkische, nationale Soße mit Schlüsselwörtern für den rechten Rand. Das unbeholfene Geschrammel und Gegröle macht es nicht besser. Furchtbare Musik für furchtbare Menschen." Das mit den "furchtbaren Menschen" würde ich heute so nicht mehr sagen, dafür gibt es zu viele Frei.Wild-Fans, die deren politische Überzeugung nicht teilen, sondern sich eher von diesem "ach was sind wir benachteiligt" angesprochen fühlen und deshalb eben nicht furchtbar sind. Aber "furchtbare Musik" trifft es meiner Ansicht nach immer noch recht gut :-) Das hat nichts mit Kulturdünkel oder "Staatsfunk" (sehr witzig :-) zu tun. Aber Frei.wild sind doch nur Onkelz für Arme.

Kositza: Zu letzterem: Hm, diese Einschätzung könnte ich eventuell teilen. Aber es ist nicht so, daß die Onkelz je gespielt wurden im Staatsfunk, oder? Aber klar, das hat nicht mit "Zensur" zu tun, sondern mit dem exquisiten Geschmack der Musikredaktion!

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