Sezession
11. Januar 2014

Das war’s. Diesmal mit: tanzenden Nutten, starken und schwachen Frauen und Glückwünschen zu Sexualpräferenzen

Ellen Kositza / 46 Kommentare

7.1. 2014

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Gibt's eigentlich Studien über das Autoaufkleberverhalten? In meiner Kindheit waren Autoaufkleber extrem verbreitet. „Alt aber bezahlt“ prangte auf den Prolo-Karossen (auch unser Bäckerwagen trug diesen Aufkleber, und ich dachte immer, es hätte mit dem ausgelieferten Brot zu tun: daß es vom Vortag wäre, dafür aber billig), außerdem diese beiden Indianersprüche (Erde nur von den Kindern geliehen und „daß man Geld nicht essen kann“).

Beliebt waren auch Aufkleber mit Korsika- und Sylt-Silhouetten und Freizeitpark-Sticker. Ich schätze grob aus der Erinnerung, daß in der Achtzigern jedes zweite Auto irgendwie beklebt war. Ausgerechnet im facebook-Zeitalter ist man extrem dezent mit transportablen Botschaften. Falls mich meine Wahrnehmung nicht trügt, ist heute allerdings eine Ost-West-Kluft auszumachen. Über den Daumen gepeilt fährt in Westdeutschland jedes hundertste Auto eine Botschaft spazieren, im Osten der Republik mögen es an die 5% sein.

„Todesstrafe für Kinderschänder“ ist hier einigermaßen verbreitet als Heckscheibenbekenntnis. In der sächsischen Provinz neulich, knallgelb, ebenfalls heckscheibenbreit: „Tanzt ihr Nutten der König hat Laune“. Vielleicht die hervorragende Liedzeile aus einem hochintelligenten Song? Gestern gesehen, in feiner Fraktur, Frau am Steuer: „The Life is painful“. Ob´s dem Lobpreis einer Musikkapelle dient oder - als melancholisches Weh  - von einem erfahrungsgesättigtem Leben künden will?

Vor der Sporthalle steht immer ein Auto, dessen Heck in blutroten Buchstaben verkündet: „I“ - großes Herz - „Bono Vox“, und das farbige Konterfei des geliebten Sängers ist als überlebensgroßes Bild in die Botschaft eingelassen. (Ich hab bislang erfolglos nach dem Fahrer geschaut. Fahrerin?) Ein weiterer Wagen, der mir laufend über den Weg fährt, verkündet mit drei Ausrufezeichen „Sport frei“, es müssen wahre Verzückungsspitzen sein, gigantische Temperaturerhöhungen, kurz: ein großer Enthusiasmus, der den Autoinhaber so botschaftsfreudig macht.

Heute ein schwarzer Kleinbus, beschriftet mit einer tragischen Nachricht am Seitenfenster: „Jenny. 1.3. 2008-12. 9. 2013. Du hast uns so viel gegeben.“ Auf der Heckscheibe, ich sah es erst später, ein schönes Pferdeportrait. Die Leute hier haben einfach mehr Gefühl. „Ich bremse auch für Tiere“ war früher allerdings auch im Westen weit verbreitet.

8.1. 2014

Wie man's macht, macht man's falsch:

Der Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der FH Dortmund wird demnächst einen Studiengang "Armut und Flüchtlingsmigration" anbieten. In einem zur Hälfte aus praktischer Sozialarbeit bestehendem Studium sollen die Studenten "migrationpädagogische Kompetenzen" gewinnen. Es soll der Aufbau "kultursensibler Beratungs- und Unterstützungsangebote" fokussiert werden. Das wird allgemein gutgeheißen. Viele Flüchtlinge und Arme kämen nicht gut mit dem deutschen Behördenwirrwarr klar.

Und doch gibt's auch Schimpfe: Die Süddeutsche beklagt, daß per Logo – anscheinend ist es bei Erscheinen der Meldung bereits entfernt – ein „rumänisches Klischee“ aktiviert worden sei: Ein wandernder Bauer mit Esel. So geht's schon mal nicht! Und im Ernst: logisch wird aus armen und beflüchteten Ländern auch mit Sidecut, Smartphone und Klapprechner eingewandert. Kuck! Kuck! Ia!

9.1. 2014

Wie man's macht, macht man's falsch II:

Kakadu, der Kinderfunk im Deutschlandradio, präsentiert eine achtteilige Sendereihe: „Was haben Angela Merkel, Kleopatra, Anna Frank und Hildegard von Bingen gemeinsam? Sie sind starke Frauen aus Geschichte und Gegenwart“ Die zuständige Reporterin „erzählt…, was die Menschheit ihnen verdankt.“

Das ist im Ansatz natürlich liebgemeint: mal über Frauen zu reden. Ich stelle mir eine achteilige Serie vor: „Was haben Alexander der Große, Guido Westerwelle und Henry Maske gemeinsam? Sie sind starke Männer.“ Es geht noch besser. Im Ankündigungstext heißt es weiter:

„Während Kleopatra versuchte, sich gegen die Weltmacht Rom zu behaupten, ist Anne Frank durch ihr Tagebuch zu einer Symbolfigur für alle Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik geworden.“ Wirklich: während?

10.1. 2014

Ist das wahr, Harald Martenstein? Daß eine Hausfrau aus einer US-amerikanischen Kleinstadt jeden Monat zigzehntausend Dollar mit einer Bigfoot-Reihe verdient, in deren Folgen affenähnliche Waldwesen junge Frauen entführen mit dem Ziel, Affenkinder zu zeugen? Daß es nach dem 70 Millionen-Erfolg der Unterwerfungssaga Shades of Grey nun ein Genre gibt, daß von Fachleuten unter den Begriff „kryptozoologische Erotika“ gefaßt wird?

Daß in den jüngsten Folgen Buchserie jener Hausfrau nun auch „Wikinger und Werwölfe mit unerfülltem Kinderwunsch“ unterwegs sind? „Je partnerschaftlicher und sensibler die echten Männer werden, desto größer wird der Buchmarkt für das Tier im Mann“, schlußfolgern Sie in ihrer Kolumne im Zeit-Magazin. Ob's einen adäquaten Sexfantasy-Markt für Männer gibt? Wie ginge der? Steinzeitlich?

11.1. 2014

Der Fall des Hitzlspergers: Also schwul. Alle kreischen: Super! Respekt! („Brave and right decision. Respect“, twitterte der bekanntlich zwischen den Sprachen stehende Lukas Podolski) So toll! „Bin stolz auf dich!“ (Arne Friedrich), Bundesverdienstkreuz: her!, um im gleichen Atemzug zu ätzen: Wieso gibt es eigentlich so 'nen Rummel? Ist doch extrem normal, was soll die Aufregung?

Als Ballsportfremde ist mir Hitzlsperger, der „Linksfuß gegen Rechts“ (Die Welt), nur als Blogger der Antifa-Plattform „Störungsmelder“ bekannt, als Träger des Julius-Hirsch-Ehrenpreises für Zivilcourage gegen Rassismus und Rechtsextremismus „im Fußball“. Also, wo ist das Problem jetzt? Das Problem, sagt Klaus Theweleit im dradio, sei nicht die „Kurve“, sondern die grundlegenden „Kommando-und Hierarchiestrukturen“ im Fußball: Die Person und Funktion des Schiedsrichters sei „das undemokratischste, was wir in der Gesellschaft überhaupt haben.“

Ach so, der schwarze Mann als Buhmensch. Apropos Mensch: Der Sprecher der Kanzlerin vermeldete ebenfalls Glückwünsche zum sexuellen Bekenntnis. Man lebe in Deutschland weitgehend in Respekt voreinander, unabhängig davon, „ob der Mitmensch Männer oder Frauen liebt“. Die Bild tutet per Titelschlagzeile ins gleiche Rohr: „Respekt! Hitzlsperger bekennt: Ich liebe Männer!“ Die Menschheit lieben, das klänge in meinen Ohren noch artig. Aber dieser geschlechtsdiskriminierende Plural?


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (46)

Grau
11. Januar 2014 10:45

@ topic Ganz süß der Arne Friedrich: "Wenn ich homosexuell wäre, würde ich es jetzt sagen"
Das erinnert arg an den sonst zum Thema 3.Reich gepflegten Auftritt bestimmter Nachgeborener "Ich hätte ganz sicher ..."
Vielleicht könnte der Herr F. ja ersatzweise tatsächlich irgendwas bekennen, um die ersehnte Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen? Irgendwas wird doch wohl der nötigen Enthüllung wert sein.
hic Rhodos, hic salta

Biobrother
11. Januar 2014 12:06

Die konservative Seite kann diesen kleinen Teilerfolg der Gegenseite offenbar nur schwer verkraften und zeigt sich - passend zum Thema - unsportlich, daher wohl auch die merkwürdige Idee der ach so libertären eifrei, gleich eine ganze Textserie dazu zu bringen. Dabei muss man doch auch gönnen können ...

Dass dieser Hype auch höchst seltsame Züge trägt, lässt sich allerdings nicht bestreiten, zeigt aber auch, wie weit man hier noch von gleichgültiger Gelassenheit entfernt ist, ebenso natürlich auch das Kulturkampfpotential besagter Thematik. Dass man in den prüden USA jetzt sogar schon mit zoophilen Medienerzeugnissen Furore machen kann, war mir allerdings ganz neu. Anderseits sollte das wohl suggerieren, dass es mit der verderbten Menschheit unaufhörlich bergab geht, wenn der Konservatismus nicht baldmöglichst zu Hilfe eilt, man fühlt sich fast an FJS selig erinnert ("... dann kommt [mit der CSU] aus den bayerischen Bergen die Rettung").

Scherz beiseite, einen m.E. guten und recht ausgewogenen Kommentar zum Thema gibt es auf der kölsch-katholischen Seite "domradio.de".

https://www.domradio.de/themen/ethik-und-moral/2014-01-10/zur-resonanz-auf-thomas-hitzlspergers-austritt-aus-der

Carsten
11. Januar 2014 12:15

"Die Person und Funktion des Schiedsrichters sei „das undemokratischste, was wir in der Gesellschaft überhaupt haben.“"

Ach deshalb werden Schiedsrichter so oft von Südländern zusammengeschlagen - das sind alles Kämpfer für die Demokratie.

Aufmerksamer Beobachter
11. Januar 2014 12:39

Hitzli hatte doch überhaupt kein Interesse, seine Neigungen vor dem Karriereende kund zu tun. Jetzt kann sich der Vollprofi, welcher augenscheinlich keinen Beruf gelernt hat, geschweigedenn ein Studium abgeschlossen hat, mit ziemlicher Sicherheit in alsbald auf ihn herniederprasselnden Werbeverträgen suhlen und wohlig dabei grunzen...

Rainer Gebhardt
11. Januar 2014 13:11

Zur Soziologie der Pickerldemokratie

Vor 20 Jahren plakatierten die Leute fröhlich, frei und unbedarft ihre ungefragte Meinung, auch wenn sie absolut pi war. Erinnere mich an Sachen wie: "Ich bremse NUR für Tiere!" Oder: "Mein Auto fährt auch ohne Wald!"

Aufschlußreich war dieser in die "dromologische Diskurspraxis" Einblick gewährende Text, der mit sechs Worten auf den Punkt brachte, wie der Gesellschaftsvertrag funktioniert: "Mein Anwalt ist besser als Deiner!"

Aufkleber auf einem Porsche: "Eure Armut kotzt mich an!" Das war zu der Zeit, als man mit einem 120.000 Mark Schlitten noch ganz entspannt sogar durchs Gallusviertel kreuzen konnte. Heute liefe derart erfrischende Arroganz unter Diskriminierung.

Die Zeiten haben sich geändert. Letztes Jahr versetze ein Autoaufkleber Brüssels Beamte in Aufregung: Zu sehen war ein an seiner Krawatte erhängter Anzugträger mit der Botschaft: "Eurokraten • benutzt eure Krawatten!" Kommission und Beamte waren entsetzt und schalteten die Staatsanwalschaft ein.

Th.R.
11. Januar 2014 13:24

"Ein weiterer Wagen, der mir laufend über den Weg fährt, verkündet mit drei Ausrufezeichen „Sport frei“, es müssen wahre Verzückungsspitzen sein, gigantische Temperaturerhöhungen, kurz: ein großer Enthusiasmus, der den Autoinhaber so botschaftsfreudig macht."

"Sport frei" ist ein Slogan, mit dem der Träger seine Sympathien bzw. Zugehörigkeit zur Hooligan-Szene signalisiert. Nach meinen Beobachtungen wird das meist von Möchtegern-Hools getragen. Die wirklich harten Jungs haben solcherlei Kokettierungen mit Losungen aus dem Milieu gar nicht nötig. Und überhaupt, denke ich, rühren derartige Attitüden hiesiger Nachwendekinder vom überlieferten Mythos der "Goldenen 90er und 80er" her, als die Hooliganszene im Osten stark und mächtig war.

"Kakadu, der Kinderfunk im Deutschlandradio, präsentiert eine achtteilige Sendereihe: „Was haben Angela Merkel, Kleopatra, Anna Frank und Hildegard von Bingen gemeinsam? Sie sind starke Frauen aus Geschichte und Gegenwart“ Die zuständige Reporterin „erzählt…, was die Menschheit ihnen verdankt.“

Also das ist wirklich ekelhaft, dass man Kindern solche Typen als Vorbild vorsetzt! A.M., die uns immerzu an Fremde verrät und verkauft, eine starke Frau? HaHaHa!

Mich erinnern die Zustände in diesem Irrenhaus mehr und mehr an die Zeiten mitte-ende der 80er, wo DDR-Lehrerfeldwebel und Lehrerunteroffizierinnen uns Zweit- und Drittklässler zum "Tag der Arbeit", am 1. Mai, zum Mitmarschieren auf die Straßen zwangen. Mit selbstgemachten Schildern und Plakaten versehen, mußten wir damals im Gleichschritt und auf Kommando durch die Straßen der Stadt marschieren. Dem DDR-Großkasernenstaat gegenüber Zustimmung signalisierend und Sympathie heuchelnd.

Die Plakate damals zeigten die Fressen von Honneker, Marx und anderen roten Bandenhäuptlingen, womit wir kleinen Kinder, wie mit dem ganzen Aufzug überhaupt, natürlich nichts anzufangen wußten. Schließlich war der Spuk dann einige Jahre später vorbei.

Heute nun beschleicht mich ein Gefühl, dass demnächst wieder Kinder im Gleichschritt durch die Straßen der BRD ziehen werden, angeführt und kommandiert von BRD-Lehrerfeldwebeln und rot-grünen Lehrerinnenunteroffizieren. Und auf den Plakaten werden Doggenvisagen mit herunterhängenden Mundwinkeln miesepetrig herunterglupschen..

Schopi
11. Januar 2014 13:48

Hier in NRW sieht man recht häufig diese stilisierte Fischgestalt an meist mausgrauen Mittelklassewagen. Mir ist nie ganz klar, ob das nun ein Bekenntnis zum christlichen Glauben oder zum kollektiven Spießertum ist. Wahrscheinlich zu Beidem.

Waldgänger aus Schwaben
11. Januar 2014 14:12

Also ich habe, als Zwangsoptimist, wie mich mal jemand nannte, mit Freude registiert wie weit die Propaganda der Nomenklatura von der Lebenswirklichkeit der zu Manipulierenden schon entfernt ist. Die sexuellen Präferenzen eines abgehalfterten Nationalspielers, der auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten ist, interessiert doch wirklich kaum einen. Trotzdem dieser whats-his-name in allen Schlagzeilen.

Einen "Teilerfolg der Gegenseite" sehe ich da wirklich keinen.

Meier, Hans
11. Januar 2014 14:23

Je grotesker die Propaganda wird, desto besser.

Nordlaender
11. Januar 2014 14:50

@ Biobrother

"Die konservative Seite kann diesen kleinen Teilerfolg der Gegenseite offenbar nur schwer verkraften ..."

Ganz zu schweigen von gewissen Forums-Rechten, muß ich selbstkritisch einräumen.
Da muß wohl noch so manches Vielfaltsköfferchen an unsere Grundschulen getragen werden, bis wirklich allen Bürgern einleuchtet, daß jede bunte Form der Selbstwirklichung die gleiche Gültigkeit besitzt.
(Wie schreibt man das eigentlich nach dieser Rechtschreibreform?
Alle Formen sind "gleich gültig" oder zusammen, "gleichgültig"?)

Ammo Recla - ein Diversity Trainer von der Organisation QUEERFORMAT, gefördert vom Berliner Senat für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit den Arbeitsschwerpunkten
Menschenrechtsbildung, Sexualpädagogik, Gender Theorie, Queer Theory & Queer Politics (u.a.) - "hat ganz schön schwer zu tragen an Berlins Vielfalt."
Anno Recla: "Wir haben natürlich auch Kinder, die weiß sind."
Na denn, das ist doch fein!

https://www.youtube.com/watch?v=IEk8GTXEgMw

Rumpelstilzchen
11. Januar 2014 14:59

Ja, für den Studiengang in Deutschland zur Migration wird es höchste Zeit. In Rumänien und Bulgarien haben viele junge Leute das Studium inzwischen abgebrochen.
https://www.der-postillon.com/2014/01/nach-csu-kampagne-tausende-junge.html#more
Und es sind noch ganz andere Studiengänge denkbar.

Andreas R.
11. Januar 2014 15:08

@Autoaufkleber
Auf der Stoßstange(!) eines BMW gesehen: "Ich bin so schlecht im Bett - das MUSST du erleben!"
Kein Aufkleber, aber ein an eine Wand gemalter Spruch der mir ebenfalls in Erinnerung geblieben ist: "Krieg ist Menstruationsneid - Männer wollen auch mal bluten!"

Die Schwulenpropaganda der Medien geht mir auch auf den Senkel und überschreitet mittlerweile jegliches Maß an Erträglichkeit. Bei den meisten Menschen bewirkt sie genau das Gegenteil von dem was sie eigentlich bewirken möchte. Das Verhältnis zu den Schwulen hat sich dadurch rapide verschlechtert anstatt verbessert. Es bestand zu keinem Zeitpunkt an den ich mich erinnern kann, eine Notwendigkeit für diese Art der Propaganda. "Schwulenfeindlichkeit" wurde herbeiphantasiert um diesen Unsinn zu rechtfertigen, langsam aber sicher erzeugt diese ständige Schwulenpropaganda tatsächlich das, was sie zu bekämpfen vorgibt. Wer es vorher nie war, wird durch diese nervtötende Propaganda langsam aber sicher tatsächlich zum Schwulenfeind.

Rumpelstilzchen
11. Januar 2014 16:00

Wer das Thema "Schwulenouting" ernsthaft angeht, hat in der öffentlichen Diskussion eigentlich schon verloren. So wie gerade der AFD-Chef, der Hitzelspergers Coming out kritisiert ( weltonline 11.1.14).
Paßt unter die Rubrik " Warum Konservative immer verlieren".
Z. B. weil sie zuwenig Humor haben und Abstruses ernst nehmen.
Entlarvt wird die gutmenschliche Scheinheiligkeit der Toleranz-Apostel besser durch beissenden Spott.
Etwa Akif Pirinccis sensationelles Outing " Ich bekenne, ich bin Hetero" oder aber Hitzelspergers zweite Coming out:
https://ef-magazin.de/2014/01/11/4830-clozer-magazin-hitzelsberger-vor-zweitem-coming-out
Da kann man noch einiges draufsetzen.
Der pompööse Bischof Tebatzi darf nach seinem sensationellen Coming Out endlich wieder nach Lomburg zurückkehren.

Ohne Führerschein
11. Januar 2014 16:03

Bzgl. 7.1.2014:
Bzgl. Sylt-Aufklebern muss ich widersprechen - diese erfreuen sich nach wie vor einer gewissen Beliebheit. Meiner Beobachtung nach sind sie hauptsächlich auf Auto der gehobenen Mittelklasse zu finden. Vom Fahrzeug auf die Halter schliessend, tippe ich auf status- und konsumorientierte Menschen, die damit ausdrücken wollen es zumindest einmal bis nach Sylt geschafft zu haben.

Zusammen mit den Autoaufklebern ist auch das Motto-Shirt fast gänzlich verschwunden. Mein an eine GEZ-Kampagne angelehntes "Dafür zahl' ich nicht"-Shirt erfreut sich allerdings seit Jahren grosser Beliebtheit, die von schelmischem Grinsen bis zu zustimmenden Kommentaren ("cooles Shirt") reicht.

Mir scheint dass die Tendenz Farbe zu bekennen erheblich abgenommen hat, was wohl der gesellschaftlichen Lethargie geschuldet ist. Die eigene Meinung wird dem Gewinnstreben untergeordnet, daher erscheint es opportun sich bedeckt zu halten und ggf. nur das Resultat (schickes Auto & Sylt-Aufkleber) zu präsentieren. Die Nachricht dahinter scheint mir zu lauten "Seht her, mein angepasstes, farbloses Bütteltum hat sich ausgezahlt".

Eine weitere Stilblüte aus den 80'ern: Bei Duplo & Hanuta gab es seinerzeit Aufkleber mit zumeist dummen Sprüchen, einer war "Jung, dynamisch - und erfolglos" und zeigte die Karikatur einer Person, die man heute mit dem gierigen Bänker assoziieren würde. Vor 30 Jahren hat man über sowas noch gelacht.

Wie wäre es vor diesem Hintergrund mit ein paar "Etiam si omnes, ego non"-Aufklebern und -Shirts? Ich weiss, ich weiss... der Konservative ist nicht die klassische Zielgruppe dafür, passt auch schlecht zum Lodenmantel - dafür aber umso besser zu einer "Leader-Jacke"; wie steht es eigentlich mit den versprochenen Fotos vom Offenbacher Türkenmarkt, Frau Kositza?

Bzgl. 9.1.2014:
Dokus und Berichte über mächtige Frauen sind derzeit schwer in Mode, seit Ursula v.d.L. zur Kriegsministerin mit mütterlich-menschlichem Antlitz aufgestiegen ist, kann man man sie gar als inflationär bezeichnen.

Auffallend bei diesen Ereugnissen ist, dass die Darstellung der Damen stark verzerrt ist. Schlau und mächtig werden sie dargestellt - was durchaus stimmen mag - aber grausam, blutrünstig oder gar machtbessesen dürfen sie nicht sein. Weibliche Herrscher sind wohl einfach die besseren, weil "weicheren" Herrscher.

Bzgl. 11.1.2014:
Man muss nicht mit allem everstanden sein, aber ef hat das Thema gut aufbereitet, insbesondere der Artikel bzgl. Männlichkeit bringt es auf den Punkt (siehe auch "Männerbund" von Hr. Weissmann) . Ähnlich wie bei den mächtigen Frauen wird auch bei Homosexuellen die "dunkle Seite" ausgeblendet, dominaten "Bärchen" in Lederkluft oder "Mannsweiber" sind medial prkatisch nicht existent. Das war in den jungen Jahren der Bewegung einmal anders, vergl. z.B. Village people.

Unter dem Strich sind die so gehypten Gruppen auch nur Opfer der Instumentalisierung des Privaten für ideologische Zwecke. Wohl deshalb haben sich "Ich bin schwul und das ist gut so!"-Aufkleber nicht durchgesetzt, der "Sylt-Aufkleberismus" hat ihnen schlicht keine Chance gelassen.

Ernst Röhm
11. Januar 2014 16:13

Ich hatte schon immer den leisen Verdacht, dass nicht der erhöhte CO-2-Ausstoß an der zunehmenden ErdERWÄRMung schuld ist. - Und dieser Hitzelsberger, die derzeit hochgejubelte Gallionsfigur der warmen Brüder aus Deutschland, war doch schon immer eine linke Kanaille. Es passt alles ins Bild der Zeit.

Wahr-Sager
11. Januar 2014 19:15

Man stelle sich vor, ein Rechter outet sich als Schwuler (jaja, gibt es tatsächlich): Würde ihm dann auch annähernd so zugejubelt wie jenem Hitzlsperger?

Was für ein Zufall, dass dieser Ex-Fußballer als Blogger der Antifa-Plattform „Störungsmelder“ und Träger des "Julius-Hirsch-Ehrenpreises für Zivilcourage gegen Rassismus und Rechtsextremismus" bekannt ist! Man könnte da doch glatt meinen, dass interessierte Stellen hier ihre Finger im Spiel hatten und Hitzlsperger das ideale Vorzeige-Objekt war, um deren ideologischen Interessen anschaulich vermarkten zu können.

Martin
11. Januar 2014 22:38

Als täglicher Berufspendler in eine eher im ländlichen liegenden, größeren Universitätsstadt (Westen), stelle ich zu Beginn des Wintersemesters auf den Einfallstraßen immer noch eine relativ große Anzahl von Autos mit den notorischen "Abi 20xy" Aufschriften fest. Dies ändert sich dann recht schnell, da die jungen Leute den ländlichen Stolz aufs Abi schnell ablegen, da die Kohle für die von den fürsorglichen Eltern angeschaffte Karre schnell für die super teure, aber für den sozialen Erfolg im Studium viel wichtigere, coole Bude nebst MTB gebraucht wird - bis dann im Herbst wieder so nette, neue Autochen mit Abi- Aufschriften zu sehen sind ... (und wie sie dann alle so schön strebsam in der Bib sitzen - muss da selber immer mal wieder hin und kann mich nur über die heutigen Studenten wundern ...)

Ich halte das Thema Homophobie übrigens auch nur für ein mediales Ablenkungsfeuer, ähnlich wie die Sexismus-Debatte am Anfang des letzten Jahres - richtig interessiert das doch ernsthaft keinen, ob jetzt einer/eine so oder so oder gar nicht etc. ist. Das gab´s schon immer und wird´s immer geben - alte konservative Einsicht eben (wie sagte meine Oma, Jahrgang 1900, immer: "Der Herrgott hat einen großen Tiergarten") ...

Nordlaender
11. Januar 2014 23:36

@ Wahr-Sager

Die meisten Rechten sind doch eh von der anderen Fakultät. Das wissen wir doch alle spätestens seit Michael Kühnen.

Ich trete als ein anständiger weltoffener Demokrat ja ständig für die Ehe unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger ein, die dem eigenen Geschlechte zugeneigt sind, doch habe ich die allerernstesten Bedenken, daß über die Homo-Ehe rechtsextremistische Kameradschaften finanziert werden könnten.

Da die allermeisten Kämpfer gegen Rechts schließlich normal sind, müßten die dann Steuergelder aufbringen für die Feinde unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Also sollte eine solche Form der Eheschließung von einer gründlichen Überprüfung abhängig gemacht werden, ob denn auch eine antirassistische und antifaschistische demokratische Einstellung wirklich vorliegt.

Nordlaender
11. Januar 2014 23:41

@ Andreas R.

"Auf der Stoßstange(!) eines BMW gesehen: „Ich bin so schlecht im Bett – das MUSST du erleben!“

Aufkleber an einem schmucken neuen Porsche:
"Hauptschulabschluß 2002"

Unter all diesem BERTELSMANN, OECD- und Merkel-Bombardement, "Bildung, Bildung, Bildung" -
nee, was habe ich mich gefreut. Hätte dem guten Mann glatt einen Satz Reifen spendieren können vor lauter Dankbarkeit.

karlmartell
12. Januar 2014 00:07

Kleopatra und Anne Frank waren demnach Zeitgenossen.
Cool ! ;-)

Ernst Röhm (II)
12. Januar 2014 00:10

@ Rumpelstilzchen, - ich muss widersprechen:

Ich meine nicht, dass der AFD-Chef "eigentlich schon verloren hat", weil er bei der hochgepuschten schwulen Jubelarie nicht mitmacht, sondern sachlich konservativ Contra gibt. Im Gegenteil, er zeigt (großen) Mut. Ich bin positiv überrascht.

Aber vielleicht hast du ja doch recht, wenn schließlich in der Nacht der langen Messer mit Luckes heteroischer Männlichkeit kurzer Prozess gemacht wird. Ich habe bisher nicht den Eindruck, dass die aggressive, mediale Schwulenlobby auch nur einen Funken Humor oder so etwas wie Toleranz hätte.

Man hat den Eindruck: Alle sollen und müssen schwul werden, zumindest bi-sexuell. Darum wollen sie ja jetzt auch schon bei den Kleinkindern und in der Schule mit der entsprechenden Reeducation ganz systematisch anfangen. - Ich finde das nicht komisch. Was da auf uns bzw. auf die Kinder zukommt! Ich glaube, ich wandere nach Rußland aus - und komme dann mit der Roten Armee als Befreier zurück.

karlmartell
12. Januar 2014 00:14

Echte Syltfans haben "NF" als Schild am Auto. Steht aber nicht für Neufundland.

GFC
12. Januar 2014 06:37

@Andreas R -

Es bestand zu keinem Zeitpunkt an den ich mich erinnern kann, eine Notwendigkeit für diese Art der Propaganda.

Man darf nie ausser Acht lassen, dass bei Schwulen oft Geistesstörungenn vorliegen; z.B. Narzissmus ist unter Schwulen weit verbreitet. Es genügt den Schwulen nicht, wenn sie toleriert und in Frieden gelassen werden, man muss sie vollständig akzeptieren und zujubeln. Und zwar alle Zeit und immer wieder. Sie sind getrieben und so lange man ihnen Raum in den Medien gibt, können sie nichts anders. Es wird noch schlimmer kommen, die Schwulenpropaganda wird zunehmen, bis amerikanische Verhältnisse erreicht werden - hier sind die Medien so durchdrungen von Schwulen und Schwulenpropaganda, man könnte glauben, jeder dritte Mensch Schwul sei.

Endlich wird sich der Kreis schliessen und irgendwann werden wir's wieder wissen, wie unsere Großeltern es bereits wussten, dass Schwulen nicht normal sind und die Tolerierung und Normalisierung der Homosexualität schädlich sind, für die Gesellschaft, aber selbst für die Schwulen.

neocromagnon
12. Januar 2014 07:58

Wie sieht es eigentlich mit dem Respekt den Menschen gegenüber aus, die eine Abneigung gegen sich küssende (und weiteres) Männer haben? Die können doch genausowenig dafür. Oder ist das krankhaft und muß behandelt werden?

Nordlaender
12. Januar 2014 10:12

@ neocromagnon

Die Homophobie ist genauso eine ernsthafte seelische Störung wie z.B. Agoraphobie (Platzangst), Sozialphobie (bis zur Unfähigkeit, überhaupt unter Menschen gehen zu können), Transphobie oder Islamophobie/Xenophobie.

Behandlungsansätze gibt es verschiedene. In leichteren Fällen kann der stationäre Aufenthalt mitunter vermieden werden. Mitunter hilfreich ist die Kombination medikamentöser Unterstützung, begleitet von einer Gesprächstherapie, durchgeführt von einem Mediziner mit nervenärztlicher Zusatzausbildung, bei günstigen Fällen können Ängste zumindestens soweit abgebaut werden, daß eine Arbeitsfähigkeit des Patienten wiederhergestellt werden kann.

Rumpelstilzchen
12. Januar 2014 10:45

@Ernst Röhm ( II)

Lucke hat insofern verloren, als er nur reagiert, wo er agieren sollte.
Das Eintreten für Werte wie Familie, Tradition, Religion, Heimat wird von irgendwelchen Outings nicht tangiert !
Ein Tritt in den Fettnapf und schon wieder ist man im Rechtfertigungsmodus und in Phantomkämpfen. ( siehe entsprechende Leserkommentare: der Mann ist doch rechts usw.)

"Kampf gegen Rechts war und ist nichts anderes als eine mit viel Geld errichtete Gebetsmühle, aus der die inständige Bitte erschallt, das alte Böse möge doch Gestalt annehmen und damit auch die Umrisse einer eigenen, moralisch überlegenen Position aus dem politischen Nirgendwo hervortreten lassen. Erklärte Gegner der Linken wiederum sehen sich dazu aufgerufen, gegen ein Phantom zu kämpfen und die Rolle des verfemten Teils zu übernehmen."

aus Frank Böckelmann: Jargon der Weltoffenheit
Wann finden die, die für Familie, Tradition, Religion, Heimat usw. eintreten, ihre eigene Sprache wieder ???
Da sah ich unlängst den Autoaufkleber: Ich bremse auch für Rechte.
Und als ich neulich zu dicht auffuhr, stand ganz klein auf der Stoßstange:
Ich bremse auch für Schwule.

Biobrother
12. Januar 2014 11:18

@ neocromagnon

Bei Phobien greift man in der Regel zur sog. Konfrontationstherapie, d.h. man setzt den Delinquenten so lange hochdosiert dem Objekt seiner Furcht aus, bis er darüber abstumpft und die Furcht ablegt. Arachnophobiker müssen z.B. riesige Vogelspinnen streicheln, etc. Falls Sie den nächsten CSD in Köln besuchen wollen: Die Stadt freut sich über jede Art von Touristen, selbst solche aus der (geistigen) Steinzeit. ;-)

@ Nordlaender

>> Aufkleber an einem schmucken neuen Porsche:
„Hauptschulabschluß 2002″ <<

Dieses wundervolle Understatement war der Lacher des Morgens. Danke dafür!

Um auch noch was Lustiges beizusteuern:

https://pbs.twimg.com/media/BdjVh8ICMAAafio.jpg:large

Gustav Grambauer
12. Januar 2014 13:31

@Nordlaender

"Die Homophobie ist genauso eine ernsthafte seelische Störung wie z. B. ..."

Meinen Sie "Homophobie" oder haben sich vertippt und meinten "Homosexualität"?!

Ich erlaube mir diese Frage, da Sie andererseits weiter oben Heterosexualität als "normal" bezeichnet haben.

Entweder dies macht einen feinen aber vielsagenden Bruch in Ihrer Gedankenwelt kenntlich, oder Sie halten Ihren Ironie-Modus nicht ganz durch.

Jedenfalls verbitte ich mir, daß mich jemand als "homophob" pathologisiert, was gleich auf mehreren Ebenen eine Frechheit ist. In der Sache gibt es wohlüberlegte Gründe für die Ablehnung von Homosexualisierungskampagnen.

- G. G.

Carsten
12. Januar 2014 13:36

"Krieg ist Menstruationsneid"

Haahaha, großartig!!

Waldgänger aus Schwaben
12. Januar 2014 14:27

@Nordlaender
In der ehemaligen Sowjetunion und in China wurden interessante arbeitstherapeutische Ansätze entwickelt und an Millionen von Patienten erprobt. Therapien, die auch heute noch in Ländern wie Nordkorea zu Einsatz kommen.

Leider sind diese stets stationär durch zu führenden Therapien mit einer erhöhten Mortalität der Patienten verbunden. Das sollte uns jedoch nicht daran hindern, auf diesen threapeutischen Erfahrungsschatz zurück zugreifen, wenn es um die gesellschaftliche immens wichtige Aufgabe geht Homophobie, Xenophobie, Antifeminismus und Diskriminierung zu bekämpfen.

Belsøe
12. Januar 2014 14:53

Er möchte ein normales Leben führen, wollte ein klares Bekenntnis abgeben und nicht irgendwann von einem Fotografen überrascht werden.

Zitat J. Löw

Ich will nicht zur Ikone einer Schwulen-Bewegung im Sport werden. Ich nehme diese Rolle nicht an
...
Vielleicht hat diese Diskussion dazu beigetragen, dass die Spieler merken, dass es diese homophobe Stimmung weder in den Kabinen noch in den Stadien gibt.

Zitat Hitzlsperger

Wie man sieht, wird dem Herrn hier wohl so manches Wort in den Mund gelegt.

Auch sollte man nicht vergessen, dass es eine zu 95% heterosexuelle Gesellschaft ist, die diese Medienöffentlichkeit hervorbringt. Irgendwen scheint es dann ja doch zu interessieren, und wenn es nur ist um diese "ich habe nichts gegen X, ABER..." Sätze zum fünfzigsten Mal loszuwerden. Oder sich bewusst kernig anti-Homo zu geben, oder diesen Schwachsinn von Geisteskrankheiten abzusondern, oder aber auch sich betont hyperliberal zu geben. Alle scheinen irgendein Eigeninteresse zu schieben.

Die nicht medialen, nicht theoretischen, nicht in der Masse auftretenden Homosexuellen die mir persönlich bekannt sind, wollen eigentlich bloss normal im privaten oder beruflichen Bereich über ihr Leben sprechen ohne sich um Personalpronomen und Vornamen herumwinden zu müssen. Tut mir sehr leid dass ich hier weder von unerwünschten Annäherungsversuchen, unangenehmen Persönlichkeitsstörungen oder sonstigen Schrillheiten berichten kann. Ist ja nur die Realität, und keine CSD-Liveübertragung.

Richtig ist sicher, das es nur relativ wenig -phobie, aber umso mehr -aversion geben dürfte. Wer da wem zu weichen hat ist keine leichte Frage. Ich muss allerdings sagen, dass der Ton der (auch in diesem Faden) teilweise angeschlagen wird, mir so klingt als wenn der Äussernde zumindest für Dritte Verständnis zeigen würde, wenn diese mal zünftig ein paar Kandidaten klatschen gehen. Was ja auch nach wie vor nicht selten vorkommt, und für viele auch nach wie vor überwiegend die Schuld des Geklatschten ist - was muss er auch provozieren.

Ich glaube also nicht so ganz daran, dass "die" sich doch einfach in ihr Privatleben verkrümeln sollen weil es gar kein Problem gibt. Auch nicht an das Medienbombardement und diejenigen die sich ihm zur Verfügung stellen.

Allenthalben wird sich´s leicht gemacht.

Gutmensch
12. Januar 2014 15:50

Sehr geehrter Nordlaender,

Ihre klugen und zweifellos zutreffenden Ausführungen zum Krankheitswert der Homophobie bereiten mir einiges Unbehagen hinsichtlich der praktischen Konsequenzen.

Es wäre verdienstvoll, Sie überließen ein für alle Mal den Soziologen das Feld (auch wenn der Geländeverlust zweifelsohne schmerzt) - aber die können den Homophoben ja wenigstens nicht mit dem PsychKG kommen, gelle?

Gruß

vom Gutmenschen

Wahr-Sager
12. Januar 2014 17:43

@Nordlaender:

Ich mag Ihre Ironie! Die ist so geschickt gemacht, dass man zuweilen meinen könnte, Sie meinten es ernst...

rjaeck
12. Januar 2014 18:02

Wie sieht es eigentlich mit dem Respekt den Menschen gegenüber aus, die eine Abneigung gegen sich küssende (und weiteres) Männer haben? Die können doch genausowenig dafür. Oder ist das krankhaft und muß behandelt werden?

Gute Frage. Gehöre nämlich zu denen. Bekenne überdies, nicht homosexuell zu sein.

Bekomme ich jetzt auch 'ne Schlagzeile für meinen "Mut"?

Im Ernst:
Ist nicht allein das Wort "Homophobie", also Angst vor Homosexuellen eine Art Orwell'schen Neusprechs? Wer soll denn Angst davor haben? Abneigung ja, aber Angst? --> Ach ja, Phobien sind als krankhafte psychische Zustände irgendwie heilbar. "Krieg ist Frieden", Abneigung ist Krankheit...

Hartwig
12. Januar 2014 18:13

Autoaufkleber, letzens gesehen: "Mitglied einer auf sich gestellten Gruppe", dazu ein stilisiertes Edelweiss. Habe danach erfolglos im Netz gesucht, fand aber den "Führer einer auf sich gestellten Gruppe". Ist ein Titel bei der Bundeswehr, den man nach Bestand eines Survival/Nahkampf-Kurses führen darf - so wie ich dies verstanden habe.
Ich gehe also davon aus, dass der Schöpfer des Aufklebers den Anstand hatte, nicht als Absolvent des entsprechenden Kurses aufzuschneiden, aber sich wenigstens als Mitglied einer allein gelassenen Gruppe sieht. VW-Golf, Bautzener Kennzeichen. Gibt es weitere Mitglieder??

Fredy
12. Januar 2014 18:34

Im Prinzip wird sich hier auch über jeden, der etwas anders ist, lustig gemacht. Jüngst der Rollkoffer-Nutzer, heute der Autoaufkleber-Fahrer. Ja, ich weiß, etwas Witz steckt durchaus dahinter. Aber zuviel hier, die es ernst nehmen.

Nun denn: Weitermachen.

Ihr seid nicht besser, ihr fühlt nur so.

Wo ist heute wahre Freiheit? Freigeistigkeit?

Über Tipps stets dankbar. Habe die Ehre ...

Karl eduard
12. Januar 2014 18:37

Auch ich habe bereits mehrere Heckscheibenaufschriften zur Kenntnis nehmen müssen, die darlegten, daß das Auto zu irgend jemandes Erinnerung fährt. Was machen die nur, wenn die Karre verschrottet werden muß und denken die überhaupt so weit? Verbleicht dann der Verblichene ein weiteres Mal, nur dieses Mal unter der Schrottpresse?

Klar, daß Anne Frank während der NS - Diktatur durch ihr Tagebuch vielen Verfolgten Mut gab. Will das etwa jemand bestreiten? Und was macht das schon, daß das erst nach 45 auf den Marlt geworfen wurde? Gefühlt hat sie es aber. Ich wette, der Thälmann war nur so standhaft, treu und kühn, weil ihm heimlich jemand Annes tagebuch in die Zelle geschmuggelt hat.

Ellen Kositza
12. Januar 2014 22:22

Lieber Fredy, lieber Karl Eduard,

apropos „sich lustig machen“, „sich besser fühlen“, „bestreiten“: Bestritten wird hier schon mal gar nichts. Nicht mal, daß Rollkoffer total & wahnsinnig praktisch sind. Ist ja so! Keine Widerrede! Ein Narr, der sich besser fühlte, weil er diesem & jenem Komfort entgegenlebte!
Betrachten Sie es also als alberne, große Narretei, diese meine Anmerkungen aus steinzeitlicher Perspektive. „Sich besser fühlen“ träfe auch nur dann, wenn man aus privilegierter Position schriebe, oder? Und, was das „sich lustig machen“ angeht: Beachten Sie auch hier bitte stets die Position dessen, der witzelt. Für mich gilt: Sollte ich mich über eine ausgewiesene Minderheitenmeinung lustig gemacht haben, will ich es lieber nicht getan haben.

Hartwig
12. Januar 2014 22:52

Der Hitzelsberger, mein Gott, was für ein Streber.
Aber im Ernst. Die intellektuelle Rechte sollte das Thema Homosexualität einfach liegen lassen und das Maul halten. Da ist nichts zu holen. Klar, ein paar nette Witze. Die öffentliche Thematisierung ist ja auch wirklich zum Schreien und ein dankbares Feld für Kommentierungen. Aber sonst? Die Schwulen vergrault man unnötig. Nicht den Hitzelsberger und sonstige Aktivisten. Aber den "normalen" (!!) Schwulen um die Ecke. Wirklich, ich kenne einige. Und alle sind biedere und konservative Typen. Manchmal ein bisschen "hach". Aber das wars auch schon. Und was die im Schlafzimmer machen, will ich nicht sehen. Und Knutschen im öffentlichen Raum will ich auch nicht sehen, auch von Heterosexuellen nicht. Ich bin nicht blind und sehe, wie dieses Thema von den "Dekonstrukteuren" benutzt wird. Und doch gibt es andere Baustellen, die lohnender sind. Einwanderung ist das Kardinalsthema. Die Schwulen, die ich kenne, sind hier echte Verbündete. Und es sind Deutsche, Europäer, und manchmal sogar Christen. Wer offen homosexuell lebt, muss in Deutschland zwar kaum etwas befürchten, aber dennoch gehört einiges an Rückgrat dazu; mehr als ich bei vielen lauen Schwätzern festzustellen vermag. Über Lesben kann ich kaum was schreiben. Kenne nur eine einzige. Aber auch die ist auf unserer Seite. Und wir tun nahezu alles, wenn auch über Umwege und ohne Intention, sie den Grünen in die Arme zu treiben.
Habe mit meiner Frau gerade die zweite Flasche Wein geleert und bin in geschwätziger Stimmung. Aber ich hätt's wohl auch so geschrieben, wenn ich beim Wasser geblieben wäre.

neocromagnon
13. Januar 2014 03:55

@Biobrother
Könnte man dann sagen, daß der Darkroom als Ausdruck von Fortschritt und Moderne zu gelten hat und diesem sogar eine therapeutische Funktion bei der Behandlung emotionaler Rückständigkeit zukommen könnte? Wer glaubt, daß der CSD hier helfen könnte, der glaubt auch an die Homöopathie.

neocromagnon
13. Januar 2014 04:01

@rjaeck

Ist nicht allein das Wort „Homophobie“, also Angst vor Homosexuellen eine Art Orwell’schen Neusprechs?

Es ist nicht erlaubt solche Fragen zu stellen, das ist Teil des Konzeptes. Sie sind vorgemerkt. Wiederholung könnte Disziplinierungsmaßnahmen erforderlich machen.

neocromagnon
13. Januar 2014 04:23

@Hartwig
Komischerweise hat niemand ein Problem damit, jemandem Heimatliebe oder Herkunftstolz vorzuwerfen. Man darf ja wohl noch seine Meinung sagen. Wobei es hier auch darauf ankommt, auf welche Abstammung Bezug genommen wird. Es gibt gute und schlechte und hier ist Pauschalisierung und Gruppenbezug auch durchaus erwünscht.
Um es zusammenzufassen, es kommt nicht darauf an was man sagt, sondern wer es sagt.

Stil-Blüte
13. Januar 2014 05:22

Leseempfehlung: Marina Zwetajewa ' Mein weiblicher Bruder. Brief an die Amazone'. Existentielle Tiefe. Wir plätschern hier nur in seichten Gewässern und ersaufen in Ironie und Spottlust.

Weiß jemand, bis wann die WHO Homosexualität diagnostisch als Krankheit definiert hat? War es bis 1972 oder bis 1973? Sollte sich die Wissenschaft wirklich so lange noch geirrt haben? Der Wechsel ging lautlos, will sagen, kleinlaut vonstatten. Seltsam, daß der Vorgang von den Betroffenen nicht als Sieg gefeiert wurde.

Nordlaender
13. Januar 2014 17:12

@ Waldgänger aus Schwaben

"... wenn es um die gesellschaftliche immens wichtige Aufgabe geht Homophobie, Xenophobie, Antifeminismus und Diskriminierung zu bekämpfen."

Nun, auf letzteres, die Unterscheidung (lat. "discriminare"), können wir wohl noch nicht gänzlich verzichten, gilt es doch, die Erkrankten von den Gesunden zu trennen.

Es ist richtig, daß die Bolschewisten damals in der UdSSR bereits sehr fortschrittliche Behandlungsansätze entwickelt haben.

Aber auch hier und heute gibt es bemerkenswerte Maßnahmen einer "tolerance"-Therapie mit der Zielsetzung, den Phobiker auf dem Weg zu unterstützen, wieder in einer demokratischen Gesellschaft leben zu können, die Junge Freiheit berichtete davon in ihrer Ausgabe vom 19.1.2013:

"AMSTERDAM. Die niederländische Hauptstadt will Bürger, die sich Ausländern oder Homosexuellen gegenüber feindlich verhalten, in Wohnbaracken oder Container zwangsumsiedeln. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Amsterdam, Eberhard van der Laan, setzte den Plan gemeinsam mit Liberalen, Grünen und Linken durch. Die Betroffenen dürfen dann für ein halbes Jahr nicht mehr ihre Wohnung betreten. Dabei ist unerheblich, ob diese gemietet oder gekauft wurde, berichtet die WELT."

https://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article112822562/Amsterdam-siedelt-Schwulenhasser-aus.html

neocromagnon
13. Januar 2014 22:03

@Stil-Blüte
Ich bin da jetzt richtig neugierig geworden. Ist Homosexualität nun angeboren, erworben, krankhaft oder normal? Da ich dem medialen Hauptstrom eigentlich nichts mehr glaube, steht für mich nun auch das zur Debatte. Nach einem Welt-Artikel von 2003, gibt es Hinweise auf eine Umkonditionierbarkeit. Es geht um zwei Gläubige, von denen einer seine Homosexualität komplett ablegen konnte während einem anderen das nicht gelungen ist. Bissher war mir nicht bekannt, daß so etwas überhaupt möglich ist.

Ellen Kositza
13. Januar 2014 23:17

Danke, und gut!

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