Sezession
21. Januar 2014

Gesucht: Eine sittliche Kritik des Egalitarismus – Teil 1

Nils Wegner

Alex Kurtagic, traditionaler Kulturkämpfer und luzider Redner, hielt den folgenden Vortrag beim Kongreß der Traditional Britain Group am 19. Oktober 2013. Bei diesem in London ansässigen Zusammenschluß handelt es sich um eine Interessengruppe, die nach eigenem Credo eine Frontstellung „against the current political and cultural consensus“ einnehmen will.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Vor diesem Hintergrund und angesichts Kurtagics eigener britischer Herkunft liegt der Fokus seiner Ausführungen naturgemäß auf den Entwicklungen in England; die daraus entwickelten Schlußfolgerungen sind jedoch landesunabhängig bedenkenswert.

Der Sprachgebrauch des Orators Kurtagic ist von einem sehr elaborierten, bisweilen klassizistischen Zugriff auf die englische Sprache geprägt. Auch sind gewisse sprachliche Figuren, etwa die Unterscheidung zwischen „racism“ im Sinne biologistischer Ablehnung des Fremden und „racialism“ im Sinne eines am Volk orientierten Bewußtseins der eigenen Abstammungsgemeinschaft, für den deutschen Leser schwer nachvollziehbar – nicht zuletzt aufgrund der Un-Denkbarkeit eines vergleichbaren Diskurses hierzulande. Aus diesen Gründen wurde an vereinzelten, besonders kniffligen Stellen zugunsten einer besseren Verständlichkeit nicht wortgetreu, sondern sinngemäß übersetzt. Der Text wurde mir nach dem Kongreß vom Verfasser freundlicherweise zur Übersetzung überlassen; für den Interessierten stehen ferner ein englisches Transkript sowie ein Mitschnitt des Vortrags zur Verfügung.

Ich muß zugeben, daß von allen Herangehensweisen an die Fragen unserer Zeit die von den Organisatoren dieser Konferenz ausgewählte wohl die trockenste und staubigste ist, die mir jemals eingefallen wäre. Ich dachte mir: Entweder haben die Organisatoren wirklich eine Vorliebe für katakombenhafte Verkopftheit und halten sich tatsächlich an meine persönliche Regel, daß Männer jenseits der Vierzig neun Zehntel ihrer Zeit ernst – und hoffentlich wütend – sein sollten; oder aber die Organisatoren nötigen uns auf eine elegante, wenig medienfreundliche Weise, über etwas anderes zu reden.

Denn meiner Meinung nach bedeutet das Reden über den Nationalstaat und seine mögliche Zukunft im Hier und Heute, über das Schicksal zu sprechen – über die Fähigkeit, dieses Schicksal zu bestimmen, und jene, sein Herr zu bleiben. Nicht nur als Erben einer bestimmten Überlieferung; nicht nur als Inselbewohner oder als besondere Ausdrucksformen des Europäertums; sondern auch als Europäer insgesamt, ebenso wie als einzelne Familien und selbst als Individuen, denn sein Schicksal zu meistern beginnt damit, sein eigenes Sein und Werden zu beherrschen. Die Herrschaft darüber, was wir sind und was wir zu werden wünschen.

Der Sinn des Nationalstaats war, als eiserner Schild der Souveränität eines speziellen, in einem geographischen Raum lebenden Volks zu dienen. Elementar für die Ziele des Nationalstaats waren (1) die Ausbildung einer nationalen Identität im Gegensatz zu einer stammes- oder regionenbezogenen; (2) die Ausbildung einer Nationalsprache im Gegensatz zu einem Babylon von Mundarten und Dialekten (Wußten Sie, daß zur Zeit der französischen Revolution von acht Franzosen nur ein einziger flüssig Französisch sprach?); (3) die Ausbildung einer Anleitung für die Massen, die ihnen die Nationalgeschichte vermittelte – oft mit einer halbmythologischen Grundstimmung; und (4) Massenmedien, um ein Nationalbewußtsein aufrechtzuerhalten. All dies neigte dazu, die innere Homogenität zu maximieren und die Unterschiedlichkeit zum Außenliegenden zu betonen – was die Essenz des Nationalismus ist.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

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