Sezession
23. Januar 2014

Literaturwegweiser zum Ersten Weltkrieg

Benedikt Kaiser / 12 Kommentare

2014 ist Jubiläws_WKumsjahr des Beginns des Ersten Weltkriegs. Erwartungsgemäß setzte die Publikationsflut bereits im Vorjahr ein. Neben tatsächlichen Entdeckungen und spannend zu lesenden Werken werden auch zahlreiche Bücher gedruckt, deren Inhalt nichts neues bietet. Der Verlag Antaios hat nun einen Bücherschrank mit einer gut sortierten Auswahl an Neuerscheinungen und älteren Titeln aufgebaut.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Christopher Clarks rasch zum Bestseller avancierte Schlafwandler ist mittlerweile einem breiten Publikum bekannt. Seither geht es weiter mit zahlreichen Veröffentlichungen, die sich mit Einzelaspekten oder Gesamtdarstellungen der vielbemühten „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ befassen.

Der Verlag Antaios, der selbst keinen Titel für die 100. Wiederkehr von 1914 vorbereitet hat, bietet seinen Kunden nun im Rahmen seiner „Bücherschränke“, die es bereits zur Frage der „Identität“, dem „Konservativen Kanon“, der „Schönen Literatur“ und ausgewählten „Persönlichkeiten“ (Jünger, Schmitt, Benoist, Schilling) gibt, diesen Literaturwegweiser zum Großen Krieg an.

Zu beziehen sind neben Neuerscheinungen wie Herfried Münklers großer Darstellung des Gesamtkrieges auch eine Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs aus der Feder Ernst Pipers, der eindringlich zeigt, wie sich das Kriegsgeschehen in Debatten, Literatur und Bildmedien widerspiegelte.

In Bälde erscheint zudem im Ares-Verlag Der Erste Weltkrieg im Bild, ein umfassender Text-Bildband im Großformat, herausgegeben von Guntram Schulze-Wegener.  Überhaupt ist das Grazer Verlagshaus, das sich seit Jahren auf Militärhistorie und Europäische Geschichte spezialisiert hat, fleißig ins Jubiläumsjahr gestartet. Aus der Feder Franz Uhle-Wettlers liegt etwa pünktlich die dritte, vollständig überarbeitete Auflage der grundlegenden Ludendorff-Biographie vor.

Der Bücherschrank „Erster Weltkrieg“ enthält also ebenso fundamentale Darstellungen des Kriegsablaufes wie voluminöse Bildbände und belletristische Höhepunkte der Fronterfahrung. Auf der Lektüre-Reise bleiben aber spezielle, bisher vernachlässigte Sonderfälle des Weltkriegsgeschehens nicht außen vor – es gab sogar einen Dschihad „Made in Germany“.

Der Bücherschrank kann über antaios.de aufgesucht werden. Bestellungen über den Netzladen oder via Tel/Fax: 034632-90941.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (12)

derherold
23. Januar 2014 18:20

Auf jeden Fall (!) Niall Ferguson, "Der falsche Krieg".

Da das Buch 2013 in einer Neuauflage im Pantheon-Verlag erschienen ist, kann es also durchaus im Bücherschrank auftauchen.

Revolte
23. Januar 2014 18:44

Wunderbare Sammlung. Die ganze Bandbreite ist vertreten. "Sturm" ist grandios und knüpft nahtlos an die Stahlgewitter an. Die 72 Seiten sind gut in einem Rutsch durchzulesen.
Mal sehen, welcher Kniefall und welche "Mea culpa"-Orgien uns dieses Jahr ins Haus stehen.

rautenklause
23. Januar 2014 22:13

Die angekündigte Neuerscheinung von Jörg Friedrich "14/18 - Der Weg nach Versailles" verspricht nach der Verlagswerbung doch auch recht unvoreingenommen an die Sache zu gehen ...

Benedikt Kaiser
24. Januar 2014 09:01

rautenklause:
Der Buchschrank wird nach solcherlei Neuerscheinungen selbstredend ergänzt. Es lohnt sich also, öfters mal vorbeizuschauen.

Unke
24. Januar 2014 14:31

Aha... da wird der ein- oder andere Titel noch erworben werden.
Wenn ich noch 2 Ergänzungen machen darf:
1. Modris Eksteins, Tanz über Gräben
ein Kanadier (wieder mal ein Nidht-Deutscher), der uns sehr gewogen ist
2. Ein Sammelband mit Quellen zur Gemütslage bei deutscher Intelligentia und Kulturschaffenden. Alles Hunnen und blonde Bestien ;-)

rautenklause
24. Januar 2014 17:52

@ unke

wenn "alte" Bücher auch einbezogen werden, dann auf alle Fälle auch Robert Wohls "Generation of 1914"

Demo Goge
25. Januar 2014 19:01

Ideo-logisch geübten Lesern kann ein Schnelleinstieg in die Thematik mittels der 'Weltgeschichte der Neuzeit' von Otto Westphal empfohlen werden, insbesondere das 3. Kapitel - Der Untergang des Abendlandes - , welches folgendermaßen untergliedert ist:

1.: Die Entwurzelung des Status quo
2.: Romantik und Naturalismus im Kampf um die Seele Frankreichs
3.: Die Begründung der atlantischen Demokratie und der Ursprung des Bolschewismus
4.: Einkreisung Deutschlands. Vertikale gegen horizontale Weltachse
5.: "Sein oder Nichtsein" - Das "Kartenhaus"
6.: Die endgültige Verstrickung

Ein Zitat aus letzterem Abschnitt:

"Der europäische Krieg ist doch letztlich aus der alten Wurzel entsprungen, daß England Rußland nicht an die Meerengen lassen wollte. Die Erinnerung an die Weissagung Napoleons, daß Konstantinopel einmal die Hauptstadt der Welt sein werde, steigt auf."

Toby
25. Januar 2014 21:45

Auch von mir ergänzende Vorschläge:

Sean McMeekin: The Russian Origins of the First World War
Sean McMeekin: July 1914 (deutsch: Juli 1914)
Terence Zuber: The Real German War Plan

Honoré de la Canardière
25. Januar 2014 22:02

Ich lese derzeit "Meine Kriegserinnerungen" vom Eroberer der Zitadelle Lüttich und wahrem Sieger in Tannenberg: Erich Ludendorff; dann wird der Krieg aus dem Blickwinkel der Oberheeresleitung beschrieben.

Vor ein paar Jahren hatte ich mir antiquarisch eine Volksausgabe gekauft; hier fehlen jedoch die Karten und Skizzen, die sehr hilfsreich sind, um die Kämpfe besser zu verstehen; somit habe ich dann die etwas teurere vollständige Urfassung erworben.

Für Liebhaber der Militärgeschichte und deutsche Patrioten: Ein Genuß!

Na klar
25. Januar 2014 23:15

Nichts überrascht mich hier mehr. Leider.
Warum nicht auch "Im Westen nichts Neues"? Zu defätistisch? Zu sehr Mainstream? Wer den staatspolitischen und ideologischen Perspektivwechsel bei anderen einfordert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. :-)

antwort kubitschek:

wenn alle von "im westen nichts neues" reden, reden wir eben von anderem. und: in der neuen sezession habe ich auf zwei seiten das gedicht "grodek" von trakl besprochen. ist das perspektivwechsel genug?

hubschrauberpilot
27. Januar 2014 11:49

Na klar: Remarques Buch ist Edelkitsch & Schmonzes. Wenn schon Perspektivwechsel, dann richtig - lesen Sie mal besser Ludwig Renns 'Der Krieg' oder den besten Roman zum WK I, Edlef Köppens 'Heeresbericht'. Für die Nachwirkungen auch empfehlenswert Döblins 'Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende' und, ganz anders, Roger Vercels 'Capitaine Conan'.

GFC
27. Januar 2014 18:37

Ich empfehle auch das Buch von Modris Eksteins (ich nehme an Tanz über Graben heisst die deutsche Übersetzung seines The Rites of Spring). Ein sehr interessantes Blick in die europäische Kulturentwicklung vor dem Krieg, inwiefern diese Entwicklung den Wille, einen so rücksichtlosen und zerstörischen Krieg zu führen, beeinflusste, und dann wie die Kriegserreignissen die Kultur bestimmte und radikal veränderte.

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