Sezession
3. Februar 2014

Am deutschen Wesen …

Gastbeitrag / 42 Kommentare

von Heino Bosselmann

Daß die politisch-mediale Öffentlichkeit bei jedem Bundespräsidenten auf eine Ruck-Rede wartet, spricht für Erlösungswünsche. Von Roman Herzogs mahnendem Adlon-Auftritt 1997 bis zum Beginn von Gerhard Schröders umstrittener Agenda-Politik vergingen damals sechs Jahre. – Nachdem wir durch die jüngste Regierungserklärung der Bundeskanzlerin wissen, wie gut, wie gänzlich hervorragend es Deutschland geht, kommt nun in aufgerüsteter Verantwortungsrhetorik die Rede auf die Außenpolitik.Und zwar eben deswegen, weil es so gut um uns steht, um die freiheitlich-demokratische Grundordnung ja sowieso, aber, wie wir hören, ebenso sozial: der Mensch im Mittelpunkt, die neuen Arbeitsplätze, die famose Energiewende, das Wirtschaftswachstum, die Flut der Steuereinnahmen. Armut, Kinderarmut insbesondere, ideelle Stagnation, Bildungsmisere – keine Rede mehr davon. Der Titel von Robert Rossmanns Leitartikel in der SZ dazu: Mehr Langeweile wagen! Mag die neue Offensive Richtung neu verdienter Weltgeltung dazu ein Korrelat bilden?

In der Geschichte sind es vorzugsweise die zurückgelehnten Schreibtischhelden, also jene, denen mental so etwas wie der Wehrgedanke eher fernliegt, die gern mal von Stärke reden. Man denke an Scharping und Fischer, die gegen Jugoslawien einen mit sehr fragwürdigen Vorwänden legitimierten NATO-Krieg ohne UN-Mandat führten.

Nachdem sich Anfang letzter Woche schon die gegenwärtig allen alles versprechende Verteidigungsministerin für mehr Engagement in Krisengebieten eingesetzt hatte, legte der Social-Demokrat Steinmeier nach und wünschte, daß wir uns – nicht nur mittels einer erneut angestrebte Aufnahme in den Weltsicherheitsrat – endlich mehr in die Weltpolitik einmischen sollten, anstatt die nur zu kommentieren. Weil wir doch längst – nach langen Jahrzehnten der Bewährung – nachweislich zu den Guten gehören, dürften wir das durchaus. Und Amerika, so der Außenminister, kann ja nicht überall sein. „So richtig eine Politik militärischer Zurückhaltung ist, so darf sie nicht mißverstanden werden als ein Prinzip des Heraushaltens.“

Jetzt stimmt der Ex-Pastor, Ex-Bürgerbewegte und Ex-Stasijäger, der jetzige Bundespräsident und Neu-Atlantiker Joachim Gauck, auf der Münchner Sicherheitskonferenz in dieses Credo ein: Deutschland darf nicht wegsehen, es habe Verantwortung, die es in der NATO und in der Weltpolitik wahrnehmen sollte – gegenüber Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen, Terroristen und Cyber-Kriminellen. Deutschland hätte von der Sicherheit in der NATO profitiert, sei unter deren Schirm zur wirtschaftlichen Großmacht aufgestiegen und könne doch jetzt endlich etwas zurückgeben. Würde sich Deutschland auf diese Weise bewähren und revanchieren, wäre das gar einem neuen Nationalbewußtsein zuträglich, selbstverständlich nicht diesem schlimmen alten und sehr bösen Nationalismus mit seinem Schnätteretäng, Gott bewahre, sondern einem ganz neuen Wissen um Stärke und Verantwortung.

Für diesen Ruck braucht es einen markigen Autoritätsbeweis, der freilich nicht mehr lauten darf: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Obwohl dieser Satz zu der argumentativen Herleitung des so erfolgreich wesensverwandelten Neu-Deutschland rein semantisch ja ausgezeichnet passen würde. Denn genau das ist doch gemeint. Aber nein, jetzt heißt das bei Gauck mit Blick aufs geläuterte Vaterland: „Das ist ein gutes Deutschland, das beste, was wir je hatten.“ – Aha. Das beste, was wir je hatten! Was für ein Glück doch, daß die Hegelsche Geschichtsphilosophie letztlich doch noch recht behalten durfte und der Weltgeist, die „Vernunft in der Geschichte“, nicht seinen Endsieg, aber doch „Endzweck“ erreicht hat, jedenfalls bei uns, in diesem gründlich umerzogenen Deutschland.

Wir leben im besten Deutschland, das wir je hatten, also in der besten aller möglichen Welten. – Darf man das wirklich so sagen? So generalisierend? Endlich das beste Deutschland seit Heinrichs Krönung 919 in Fritzlar? Was für ein stolzer Ausspruch, den unser Freiheitsheld und Freiheitsfreund Gauck da frohgemut und wie stets sehr beglückt wirkend formulierte.

Es braucht also eigentlich gar keinen Ruck mehr. Wir sind, heißt es, endlich schon dort, wo wir immer hinwollten, auf einem sonnigen Plateau des großen Friedens, wo – im Vergleich zur schlimmen Geschichte – alles vorbildlich bestellt und eingerichtet ist. Von dort aus können wir jetzt die anderen bessern helfen. Was für eine problematische, vermutlich gefährliche Selbstgerechtigkeit.


 Gastbeitrag

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Kommentare (42)

Sirius
3. Februar 2014 20:33

Man kann dieses Gauckler-Getöse von neuer Verantwortung und globalem Eingreifen für Deutschland nicht mehr hören. Wenn Deutschland klug ist, dann sollte es sich wie eine große Schweiz verhalten und nicht mehr die Kanonen auspacken, was zweimal großes Unglück über uns gebracht hat.

Am intelligentesten wäre ein NATO- und UNO - Austritt mit strikter militärischer Neutralität. Dazu gehört dann auch, dass die US-Amis ihre deutschen Okkupations-Garnisonen ( atomar bewaffnet ) in Süddeutschland schließen , mitsamt ihrem riesigen Tross an CIA, - und NSA -Agenten. Jegliches militärische Eingeifen im Ausland kostet nur junge deutsche Menschenleben, die bei uns knapp sind, mit einem Rattenschwanz finanzieller Lasten.

Zwei große Kriege sollten uns gelehrt haben: Vermeide den Krieg, wo es nur geht. In jedem dieser Groß-Kriege hat unser Land durch Selbstüberschätzung riesige Menschen - und Gebietsverluste erlitten. Seltsamerweise vergessen diese Dinge die heutigen Politiker sehr schnell , im Unterschied zum gepflegten Schuldkult. Eine mittelgroße, schlagkräftige, best ausgerüstete Armee zur Selbstverteidigung und eine ausreichend große, gut bewaffnete und trainierte Bundespolizei genügen .

Deutschland sei endlich klug und wähle den Frieden - Keine militärischen Abenteuer mehr im Ausland !!

Realist
3. Februar 2014 20:44

Ja, ist mir in den letzten Tagen auch unangenehm aufgefallen. Die gleiche häßliche, intolerante Fratze, die das System im Inneren gegen Andersdenkende schon lange zeigt, richtet den Blick nun auch nach außen.

Zum Glück sind wir diesmal durch den Besitz der alleinigen moralischen Wahrheit quasi zu allem legitimiert.

Reimers
3. Februar 2014 21:34

Ach was, das paßt sehr gut. Es gibt in diesem, unserem schönen Land so viele junge Männer mit zuviel Energie. Die jungen wilden Muselmannen schicken wir zusammen mit ihren noch einzustellenden geistlichen Betreuung zu sämtlichen Krisenherden Afrikas, dem Nahen Osten und Asiens, um dort was immer auch an Heil zu bringen. Es lebe die Freiheit!

Marcus Junge
3. Februar 2014 21:38

Wenn Gau oder Erika loslegen, dann schaltet jeder ab, sofern es sich nicht um Parteischranzen oder Idioten handelt. Außerdem sinkt meine Meinung von der Knallcharge, und zwar mit jedem Auftritt den er hinlegt und das bei der niedrigen Schwelle, mit der er anfing.
Mit dem politischen Supergau und dem Krippenleyden, da wird die Buntewehr nun also den Genderendsieg in Afrika erringen, alternativlos. Gleichzeitig wird die Truppe weiter abgerüstet, personell verringert, das letzte Großgerät verschrottet, Quoten für Schwule, Quere, Frauen, Ausländer, Islamis, Feldmuftis und Kinderschänder eingeführt.

Karneval ist ein Scheiß gegen die Realpolitik vom System.

Ein Fremder aus Elea
3. Februar 2014 22:24

Wir sind, heißt es, endlich schon dort, wo wir immer hinwollten, auf einem sonnigen Plateau des großen Friedens, wo – im Vergleich zur schlimmen Geschichte – alles vorbildlich bestellt und eingerichtet ist. Von dort aus können wir jetzt die anderen bessern helfen. Was für eine problematische, vermutlich gefährliche Selbstgerechtigkeit.

Gauck redet, wie im 18. Jahrhundert geredet wurde, von Leibniz bis zu Napoléon. Es hat irgendwo auch was Komisches.

Nordlaender
3. Februar 2014 23:16

"Neu-Atlantiker Joachim Gauck"

Der BUNTE Präsident Gauck ist wie die BUNTE Kanzlerin Merkel ein Mitglied der von Eric M. Warburg begründeten Atlantik-Brücke. Vorstand: Max Warburg (Leiter der Investment- & Privatbank M.M.Warburg & CO), Friedrich Merz, Alexander Graf Lambsdorff, Kai Diekmann, Philipp Mißfelder und andere.

Mitglieder sind der ehemalige BUNTE Kanzler Helmut Schmidt, der ehemalige BUNTE Präsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige BUNTE Außenminister Westerwelle, der ehemalige BUNTE Innenminister Hans-Peter Friedrich (Christlich-Soziale Union), Sigmar Gabriel, Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen), Philipp Mißfelder (Christlich-Demokratische Union), Alexander Dibelius (Goldman Sachs, "Berater" der BUNTEN Kanzlerin Merkel), Claus Kleber (Nachrichten des Zweiten "Deutschen" Fernsehens) und viele andere.

Jungführer ("young leaders"): Matthias Döpfner (Aufsichtsrat TIME WARNER, AJC, Springer-Verlag), Kai Diekmann (Chefredakteur BILD), Christian Wulff (ehemaliger BUNTER Präsident), KochMinusMehrin, Cem Özdemir (Die Grünen), der Schöne Theo (im Volksmund auch "Gel-Theo", Christlich-Soziale Union), Edelgard Bulmahn und viele andere.

Frühere Mitglieder: Kurt Georg Kiesinger (ehemaliger BUNTER Kanzler), Max Horckheimer (Frankfurter Schule), Axel Springer, Joseph Ackermann ("Deutsche" Bank), Josef Joffe (Herausgeber DIE ZEIT, Leo Baeck-Institut, Ben-Gurion-Universität), Claudia Roth (Die Grünen) und viele andere.

Näheres auf "wikipedia".

Olaf
4. Februar 2014 01:39

Dies ist vor allem das kleinste Deutschland, das wir je hatten. Vom polnischen Stettin bis zum belgischen Eupen ist es nicht besonders weit. Und dieser Zwergstaat mit seiner Zwergenarmee soll jetzt die Welt retten? Dann soll der Schuld- und Schamaugust Gauck mal seine Flugzeugträger entsenden.

Axel Wahlder
4. Februar 2014 03:48

Schade, dass Daniel Siefert diese schoene neue Welt nicht mehr geniessen kann.

Waldgänger
4. Februar 2014 08:26

Bosselmanns Text beschreibt die Lage schon sehr gut.

Weil Gauck sich nicht zu sagen traut, dass wir als nicht ganz souveräner und immer noch Besatzungstruppen ertragender Vasallenstatt von den Mächtigen - zufälligerweise den westlichen Siegern von 1945 - gedrängt werden, uns nützlicher zu machen ...

... weil er das nicht sagt, verkleidet er die Sache in dieses unsäglich alberne "Am so überaus guten Deutschland soll die Welt genesen".
Wohl in der Erwartung, dass unsere hypermoralischen Linksliberalen so am besten zu ködern sind. Und das sind sie ja auch!

Unsere Linksliberalen gleichen den Revolutionären von 1848, die später Kaiser Wilhelm zujubelten und Kolonialpolitik forderten.


@ sirius
So sehr ich Ihre Warnung vor Kriegsabenteuern verstehe und richtig finde, so riskant und geradezu unmöglich ist es für einen Vasallen wie Deutschland - auf dessen Boden die Investoren aller Herren Länder ihre Geschäfte machen - einfach so aus NATO und UNO auszutreten.
Wie stellen Sie sich das vor?
Und was glauben Sie, würde der CIA dann in den Schubladen haben... ?

Hartwig
4. Februar 2014 10:13

Deutschland ist nicht souverän und nicht wehrhaft, verhält sich politisch willfährig und steht unter dem Protektorat der USA. Deshalb beteiligt es sich auch an Kriegen, die nicht die Seinen sind und nicht unmittelbar in seinem Interesse sind. Es MUSS sich beteiligen!
Die Alternative ist der Kampf um Souveränität. Dies würde neben der politischen Anstrengung auch eine Aufrüstung zu abschreckender Wehrhaftigkeit bedeuten, vermutlich einschließlich A-Waffen.
Das Schweizer Modell gilt nicht für Deutschland. Eine "Schweiz" braucht es pro Kontinent höchstens einmal. Ein wirtschaftliches Schwergewicht wie Deutschland kann nicht "schweizerisch neutral" UND "schweizerisch wehrlos" sein. Die Feinde dessen wären die Alten. Deshalb gilt wohl nur, beim Geo-Monopoly von NATO und Konsorten mitzumachen, oder mit aller Kraft, gegen alle Widerstände, mit Risiko und Verzichtsbereitschaft die eigene Souveränität anzustreben. Der Wille zu Letzerem ist weit und breit nicht mal zu ahnen; die Bequemlichkeit zu Ersterem mit Händen zu greifen.
Und so beschwört Gauck den Ausbau der Bündnistreue mit seiner üblichen schwülstigen und eitlen Rhetorik, wissend, dass wir in unserem jetzigen Zustand gar keine andere Wahl haben.

Und so werde ich auch künftig von jedem orientalischen Muselmann nicht ohne Berechtigung zu hören bekommen, dass nicht sie die Landnehmer sind, sondern wir mit unseren Waffen und Soldaten deren Heimatländer besetzen.

Waldgänger
4. Februar 2014 10:55

@ Hartwig

Sie haben die Problematik noch genauer und besser skizziert als ich.
Allerdings habe ich etwas Mühe mit Ihrer Entweder-oder-Sicht.

Deshalb gilt wohl nur, beim Geo-Monopoly von NATO und Konsorten mitzumachen, oder mit aller Kraft, gegen alle Widerstände, mit Risiko und Verzichtsbereitschaft die eigene Souveränität anzustreben.

Ich denke, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, sondern dass auch Grautöne möglich wären (Konjunktiv).

Anders ausgedrückt:
Auch ein in die NATO eingebundenes Deutschland ist (theoretisch) zu Grautönen fähig und könnte in der Gradwanderung zwischen Mitmachen und Zurückhaltung Spielräume gewinen.

Kanzler Schröder hat das 2003 demonstriert und auch Kohl war - trotz seines Maastricht-Fehlers - außenpolitisch selbstbewusster als Merkel oder gar Gauck. Ja selbst Brandt und Schmidt agierten in den 1970ern eigenständiger als die heutige "deutsche" Regierung.

Gutmensch
4. Februar 2014 11:42

"problematische, vermutlich gefährliche Selbstgerechtigkeit"

Naja, bei einem Protestanten auf Selbstgerechtigkeit zu tippen, ist ja immer irgendwie naheliegend. Man muss nur aufpassen, dass einem darüber der Balken im eigenen Auge nicht entgeht. Zusammengefasst möchte uns der Bundespräsident wohl sagen: "Haltet doch bitte mal für exakt fünf Minuten Eure Backen und Füße stille und lasst uns hier einfach machen. Bitte, bitte ..." Gegen den ungeniert ausgesprochenen Wunsch, für ihn den Weihnachtsmann zu spielen, sprechen natürlich zahlreiche Argumente! Andererseits glaube - oder meinetwegen hoffe - ich wirklich nicht, dass Gauck deshalb der Bundespräsident ist, weil er etwa in Kauf nähme, besonders großen Flurschaden (in Deutschland und in seinem Amt) zu hinterlassen. Christian Wulf war da m. E. schon eine ganz andere Hausnummer; vor allem, was die Selbstgerechtigkeit betrifft!

Gruß,

G.

Landser
4. Februar 2014 12:49

Die BRD wird (zumindest offiziell) von einer marxistisch sozialisierten Pfaffentochter regiert und von einem marxistisch sozialisierten Pfaffen repräsentiert. Was darf/kann man da schon erwarten!?

Carsten
4. Februar 2014 13:20

»Die BRD wird (zumindest offiziell) von einer marxistisch sozialisierten Pfaffentochter regiert und von einem marxistisch sozialisierten Pfaffen repräsentiert. Was darf/kann man da schon erwarten!?«

Und von evangelischen dazu!

Schopi
4. Februar 2014 14:30

@ Landser

Denken Sie wirklich daran, daß diese Einzelpersonen in Gestalt von "marxistisch sozialisierten Pfaffen/Pfaffentochter" die entscheidungsbefugten Einzelpersonen sind, welche das Schiff Deutschland auf Kurs halten?

Wobei besagte Personen nie und nimmer "links" sind oder waren. Sie wären nie dort, wo sie jetzt sind, wenn sie wirklich Linke wären. Diese ganze Einteilung links/rechts ist mittlerweile überflüssig geworden - auch aus aktuellem Anlass: A. Schwarzer wird ja auch oft als "Linke" bezeichnet, daß war sie nie, sie ist Duzfreundin der "Pfarrerstochter".

Rechte findet man heute z.B. hier im blog und nicht bei der CDU, Linke nicht in der PDS/Linke, sondern vereinzelt noch in der DKP oder beim Rotfuchs. Da "dürfen" sie sich austoben und als Legitimationsobjekte von "Demokratie" diese stützen, so lange es nur eine überschaubare Menge bleibt.

Hartwig
4. Februar 2014 15:36

@ Waldgänger

Klar gibt es immer Grautöne. Ich hatte ursprünglich auch sinngemäß geschrieben, dass man das Beste aus der misslichen Situation machen müsse; habe es dann wieder entfernt, weil es mir um den Grundsatz geht und nicht um die Details im Einzelfall.
Aber bei allem, was an stellvertretenden Kleinkriegen unterhalb der Großkonfrontation USA, Russland, China zu erwarten ist, werden wir eher zu mehr als zu weniger "verpflichtet" werden.

Andrenio
4. Februar 2014 15:43

Verzeihung, aber seit länger Zeit habe ich keinen aussichtsreichen Vorschlag für den Rückgewinnung der deutschen Souveränität vernommen.
Vergangenen Sommer fuhr ich zu einem Familienfest in die USA, vollgestopft mit Vorbehalten. Was fand ich vor und beeindruckte mich zutiefst? Nein, nicht die bei uns unvorstellbare Kundenfreundlichkeit bei allen Dienstleistungen, es war die unglaubliche Freundlichkeit, Wohlerzogenheit und Höflichkeit, die einen sich auf einem anderen Planeten wähnen ließ.
Jetzt kommt aber das Entscheidende: Patriotismus bis ins Knochenmark, Solidarität mit dem Nächsten usw.
Ich fragte mich, warum mir das früher nicht so stark ins Auge fiel..
Es muss wohl der Verfall bei uns sein, der für Unterschiede sensibler macht.
Ist es deshalb so falsch, mit dem Gedanken zu liebäugeln, den USA als neuer Bundesstaat beizutreten? Eines wäre garantiert: Wir müssten nicht mehr als Schwanz wackeln, wenn es dem Hund beliebt. Die USA bekämen eine vorübergehende europäische Infusion, und mich stört die sich langfristig trotzdem durchsetzende Dominanz der Hispanos und Chinesen weniger als die jener Elemente, die uns zu dominieren drohen. An den Mächten, die uns schon jetzt bestimmen, würde sich ja gar nichts ändern. Wer sagt, dass nicht ein Deutschstämmiger das Zeug zum Präsidenten hätte? Wir sind ja schon lange auf dem Weg: Man braucht sich doch den Verfall unseres Bildungssystems und des Wehrwesens nur anschauen. Wir Deutschen lieben die Amerikanismen sowieso schon mehr als unsere eigene Sprache.
Also, was spricht wirklich dagegen?

Karl Eduard
4. Februar 2014 16:20

@Andrenio

Wenn schon, dann sollten wir Israel beitreten und zuvor gemeinschaftlich den jüdischen Glauben annehmen. Wir hätten auf einen Schlag keinen Grund mehr zur Selbstkasteiung. :)

Stil-Blüte
4. Februar 2014 16:53

@Andrenio

'Wir Deutschen lieben die Amerikanismen sowieso schon mehr als unsere eigene Sprache'

Falsch: Daß 'wir Deutschen', das 'lieben' und das 'sowieso' sowieso. Daß sich etwas einschleicht, ist noch lange kein Liebesbeweis, müßte ja jeder Dieb, jede Motte, jeder Giftpilz geliebt werden.

Deutschstämmige in den USA? Ich habe keine Literatur parat, aber darüber gelesen, daß Deutchstämmige spätestens seit dem 1. Weltkrieg (Vorschrift, den deutschen Namen zu anglifizieren!) in Führungspositionen ausgedient haben. Bei Jüdisch-deutsch-Stämmigen (Kissinger) gilt die Ausnahme von der Regel.

Gauck: Als Leiter der Gauckbehörde hat er ein Insiderwissen, wovon die Geheimdienste nicht träumten und profitierten. Die Folge: Herr Gauck kann sich nicht den kleinsten Fehler leisten. Vielleicht war kein Staatsmann in Deutschland nach '45 unfreier als er.

Mich würde interessieren, wieviel Steuervorteile Gaucks Frau dadurch hat, dadurch, daß er sich von ihr nicht scheiden läßt. Menschlich? Gut. Staatsmännisch???

Nordlaender
4. Februar 2014 17:19

@ Andreno

"... und mich stört die sich langfristig trotzdem durchsetzende Dominanz der Hispanos und Chinesen weniger als die jener Elemente, die uns zu dominieren drohen."

Kann hier strategisch nicht ganz folgen. Der Standort "Deutschland" (warum heißt er eigentlich noch so?) liegt hier in Europa. Während den früher weißen VSA vor allem durch Flutung mit Latinos ganz systematisch der Garaus beschert wird, hat man uns hier vor allem die Orientalen auf den Hals gejagt. Dürfen wir die dann etwa wieder nach Hause komplimentieren, wenn wir vollwertiger Bundesstaat der VSA sind?

Welchen größeren denkbaren Feind könnte die Finanzelite an der Wallstreet denn noch haben als weiße Völker, die sich einig sind, unter denen es einen gewissen Zusammenhalt gibt?
Und warum sollten Weiße in Kalifornien oder im Bundesstaat Neu York oder sonstwo mehr Macht besitzen (oder weniger), mehr Einfluß auf ihre Zukunft als wir Deutschen, deren Territorium von dem BUNTEN Regime, EU und Vereinten Nationen okkupiert ist?

Das Bildungssystem wird doch überall systematisch zerschlagen, ob nun in den VSA oder bei uns von OECD, BERTELSMANN und Co.
Alleine schon diese Rassensondergesetze ("affirmative action") in den VSA: Studienplätze werden nach Rassenzugehörigkeit vergeben.

Es gibt gar nicht einmal wenige Deutsche, die das vulgäre peep-and-pop-Globalesisch - nicht zu verwechseln mit der Sprache Englisch - überhaupt nicht zu schätzen wissen.
M.E. bestünde die beste Lösung darin, daß Sie in die VSA zögen, wenn es Ihnen dort besser gefällt.

Vorteil der VSA allerdings: Die größere Fläche, denn wenn die Spannungen zwischen Asiaten, Latinos, Schwarzen, Juden, Orientalen und Weißen immer weiter zunehmen, sind auf der anderen Seite des Großen Teiches mehr Rückzugsflächen vorhanden.

Stevanovic
4. Februar 2014 18:07

@Waldgänger

Wohl in der Erwartung, dass unsere hypermoralischen Linksliberalen so am besten zu ködern sind. Und das sind sie ja auch!

Ja, aber nicht nur die. Die berufsrechten Abwehrreflexe funktionieren auch eher instinktiv als durchdacht.

Deutschland bewegt sich seit seinem NATO Beitritt in den von Ihnen richtig beschriebenen Grautönen. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr (ausgenommen die mit 4 Ausbildern, 2 Sanitätern und 25 TÜV-Beauftragten) sind Ergebnis deutscher Außenpolitik. Bis auf Afghanistan, das man als gesamtwestliche „mission civilisatrice“ verstehen kann, ist die Resonanz doch sehr ernüchternd. Libyen (ohne D), Syrien (ohne D&UK), Irak (ohne F&D) – im Ernst! Sollte Europa ein militärischer Vasall der USA sein, dann ist es die müdeste und ungehorsamste Truppe an auxiliaries, seit Varus nach seiner Vorhut fragte. Deutschland und Europa praktizieren Grautöne. Deutschland ist genau in den Kriegen, die es braucht, und trägt Verantwortung für sich. Das Vasallentum zeigt sich ganz bestimmt nicht in der Außenpolitik (es sei denn, man setzt Souveränität mit einem Polenfeldzug gleich). Der Balkan-Einsatz ist auf deutschem Mist gewachsen, womit wir, Afghanistan ausgenommen, schon am Ende der Einsatzliste angekommen sind.

Nehmen wir mal an, es ist das beste Deutschland aller Zeiten, seit Heinrichs Krönung 919 in Fritzlar, und wir haben höchstens noch Verbesserungsspielraum im Fahrplan der Bundesbahn. Deutsches Wesen = 10 von 10 möglichen Punkten. Das sagt etwas über die Verfasstheit Deutschlands aus. Das sagt gar nix aus, was eine mission civilisatrice eigentlich sein soll. Können Völker am bezaubernden Wesen Deutschlands (oder des Westens) überhaupt genesen? Das ist eine These, die erst mal unbewiesen im Raum steht und von der viele Menschen nicht oder, nach Irak und Afghanistan, nicht mehr überzeugt sind. Linke, Liberale, Konservative, Rechte – in allen Lagern, politischen Himmels- und konfessionellen Geschmacksrichtungen. Das bügelt er mit dem Begriff Verantwortung in Kombination mit gutem Deutschland und zielt damit auf unser nationales/moralisches Emotionszentrum. Ja, wir sind endlich reif (oder gut)! Als ob wir Jugendliche vor der Führerscheinübergabe wären. Wenn Deutschland erwachsen sein soll, sollte man auch wie mit Erwachsenen reden. Wo sollen wir für was Verantwortung übernehmen? Gut, als Präsident ist man nicht für die Tagespolitik zuständig, nur grenzen Abstraktionen sehr schnell am unverbindlichen Geblubber. Umso erstaunlicher, daß er sich an der Staatsräson für Israels Sicherheit gestoßen hat. Als ob das jemand außerhalb Deutschland nicht als Geblubber aufgefasst hätte. Hat er eine Idee, so soll er sich äußern: Afrika, mit oder ohne Kampftruppen? Mit nation building oder nur entwaffnen? Viele, viele Fragen, die sich nicht mit väterlichem Appell an die Verantwortung beantworten lassen. Nur eines ist keine Frage: Seit über 10 Jahren ist die Bundeswehr im Ausland, ohne Besetzung Warschaus; Deutschland ist die Nummer 3 der Waffenexporteure und damit längst international vertreten. Das einzige, worüber wir nicht reden müssen, ist, ob Deutschland für irgendwas reif ist.

Also: Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Mission civilisatrice. Gerne! Und jetzt? Was passiert jetzt, was nicht ohnehin passiert? Was lassen wir, was wir ohnehin nicht tun? Verantwortung übernehmen kann auch bedeuten, als Präsident Klartext zu reden. Vor allem bedeutet es (Achtung: Kalauer auf 1914!), niemandem Blankochecks auszustellen. DAS ist nämlich unreif.

Das ist keine linksliberale Kampfrede, da ist das Rauschen eines alten Haartrockners. Es ist das manifestierte Elend des aktuellen Linksliberalismus.

Meyer
4. Februar 2014 18:43

@ Andrenio: Der Anstand, Ehrloser.

Meyer
4. Februar 2014 18:47

@ Adrenio: Und die Tatsache, daß wir stolz darauf sein dürfen, daß unsere Väter für unsere Freiheit, also die Abwesenheit von Fremdbstimmung, gekämpft haben, die der durchschnittliche Amerikaner nie besaß. Das Schicksal weißer Ameriknaer wird von Nichtweißen in New York bestimmt.

Freiwillige Übergabe? Unserer Seele? NIEMALS! Besatzungszustand und Interregnum kann man überdauern.

Amerika ist bemitleidenswert.

Inselbauer
4. Februar 2014 19:38

Als Linker hatte ich einen furchtbaren Bammel vor so genannten Zentralsteuerungshypothesen, weil sie den Prämissen des historischen Materialismus zu widersprechen scheinen. Eliten sind immer fortschrittlich oder verkommen; in beiden Fällen dienen sie dem Fortgang der Geschichte.
Gauck ist ein total verkommener Mensch, er ist das Ergebnis einer Erstickung bürgerlichen Freiheitsdenkens, mit einem durch die Diktatur zerstörten Charakter, bis ins elementar Menschliche, ja bis ins Sexuelle hinein. Er nimmt an einem Elitenprozess teil, der im Selbstverständnis einer zentralgesteuerten Verschwörung funktioniert: Man bildet sich ein, irgend eine atlantische Agenda zu verfolgen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Mein Problem ist, dass diese Agenda selbst weder verkommen noch fortschrittlich ist, sondern der Versuch, aus der Geschichte herauszutreten, den Mechanismus der Reproduktion des Gemeinwesens zu zerstören und durch Technologie zu ersetzen.
Was ist das? Ich kann es weder von rechts noch von links erklären, weil es gegen die Geschichte gerichtet ist. Ehrlich gesagt kann ich darauf nur mit einem rechtsradikalen Affekt antworten, diese Leute erscheinen mir böse, ja geradezu als Teufel.
Überforderung ist das wohl. Gauck ist zu viel für mich.

karlmartell
4. Februar 2014 19:45

Unsere transatlantischen "Freunde" brauchen einen Deppen, die BRD ist dieser Depp. Wenn es schief geht. Und das nicht zum erstenmal.
Bitte das mal zur Kenntnis zu nehmen:
Die Vereinigten Staaten, die ersten globalen Finanziers des Terrorismus
https://www.voltairenet.org/article182009.htm

Stil-Blüte
4. Februar 2014 21:48

Noch einmal: Mich interessiert bei unserem verehrten Bundespräsidenten schon seine Allimentierung durch den Steuerzahler. Seine Frau hat wohl dadurch, daß sie mit Gauck verheiratet ist, eine vorteilhafte Steuerklasse, so daß Herr Gauck keinen Unterhalt zahlen muß. Oder sehe ich das falsch? Doch wie steht es mit seiner Lebenspartnerin? Wovon lebt sie? Die wohnt doch nun im Schloß, ißt von goldenen Tellerchen mit goldenen Löffelchen, reist in golderner Kutsche. Wer bezahlt denn das? Diese ganzen hinterfurzigen Steuerhinterzieher machen einen ganz konfus.

Rumpelstilzchen
5. Februar 2014 08:23

Gauck ist der schlechteste Bundespräsident, den Deutschland je hatte. Eine große Ent-täuschung.
Hieß es einst: Vorwärts zu den lichten Höhen des Sozialismus ( lichte Höhe 3,50 m), heißt es heute: Das beste Deutschland, das wir je hatten ( von nun an ging's bergab).
Deutschland verreckt am evangelischen Pfarrhaus.
@Axel Wahlder
Nicht nur Daniel Siefert , Jonny K. , und so viele andere haben nichts mehr von diesem besten Deutschland, auch Chris Gueffroy hatte nichts mehr davon.
Das Pfaffengesülze ist so unerträglich.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article124524507/Tod-im-Kugelhagel-kurz-vor-Mitternacht.html

Heino Bosselmann
5. Februar 2014 09:20

Dem evangelischen Pfarrhaus verdankt sich namentlich in Deutschland kulturgeschichtlich und politisch eine Menge, meine ich. Insofern bin ich schon irritiert, daß es hier mit Lebhaftigkeit gegen die "Pfaffen" vom Leder gezogen wird. Ich habe überdies großen Respekt vor der besonderen Biographie und Lebensleistung Joachim Gaucks in der DDR. Sein Vater, ein ausgezeichneter Marine-Kapitän, wurde von den Sowjets 1951 verhaftet, war dann verschollen und durchlitt bis 1955 den GuLag! Der Sohn ging auch vor diesem Hintergrund einen geraden Weg! Wer wollte ihm vorwerfen, daß er nicht in der ersten Reihe der Bürgerbewegung stand? Dort standen sehr, sehr wenige, viel weniger noch als jene, die sich das heute erinnernd suggerieren. – Aber es darf absolut als couragiert gelten, überhaupt Theologie studiert zu haben und Pfarrer geworden zu sein. Die evangelische Kirche in der DDR und die Pfarrhäuser waren subversive Orte und oft der einzige Schirm für jene, die außerhalb der vereinnahmenden Ideologie eigene Wege zu gehen versuchten. – Ich wende mich hier bei aller Polemik nicht gegen den Pfarrer Gauck, sondern kennzeichne einen Satz als fragwürdig, den man so generalisiert nicht von Amts wegen formulieren müßte. Und ja, ich bedauere schon einen gewissen Mangel an Bescheidenheit und Maß; aber wer wollte das mit Blick auf eine solche Karriere verlangen. Mag gar sein, dem Stadtpfarrer kam gar mehr Größe und Charakter zu als dem Präsidenten, aber dies sind subjektive Wahrnehmungen gegenüber einer öffentlichen Person, die mir vielleicht nicht anstehen mögen.

Karl Eduard
5. Februar 2014 09:49

Sehr geehrter Herr Bosselmann,

habe ich das richtig verstanden, daß Söhne die Leidenswege ihrer Väter erben? Die evangelische Kirche in der DDR war so staatstragend wie jede andere Einrichtung.

Heino Bosselmann
5. Februar 2014 10:03

@Karl Eduard: Ich will mich nicht auf Zeitzeugenschaft und meine Herkunft aus der DDR berufen. Bedenken Sie ferner, daß wir – gerade erinnernd – immer subjektiv widerspiegeln. Ich habe daher viel mehr Schwierigkeiten mit so apodiktischen und generalisierenden Sätzen im Indikativ. Die meisten Kommentatoren sind sich ihres Wissens und ihrer Auffassungen da sicherer. – Obwohl ich weder Christ bin noch je zur DDR-Bürgerbewegung zählte, gab es nach meiner Erfahrung viele couragierte Pastoren und Pfarrhäuser, die Freigeistern ein Refugium boten. Schon der Entschluß, Pfarrer werden zu wollen, kann innerhalb der DDR als sehr mutig gelten! Wenngleich insbesondere die Führung der evangelische Kirche im Interesse des inneren Friedens mit der SED-Herrschaft auszukommen versuchte und obwohl auch die Kirche freilich von der Stasi ausgespäht war, kann ich überhaupt nicht erkennen, daß diese Kirche "staatstragend" gewesen sein soll. Wer sich dort engagierte, hatte damals meinen ganzen Respekt. Ich hatte als Abiturient mit der Jungen Gemeinde zu tun und von daher Einblick, freilich ohne religiöses Bekenntnis. – Zum zweiten Aspekt: Ja, ich meine tatsächlich, daß die Söhne die Leidenswege der Väter und Mütter erben, ebenso wie deren Erfolge und Glück. Für mich kann ich das so voll in Anspruch nehmen. Mit der Bitte um Verständnis, daß weder dies noch das von uns jetzt hier Verhandelte oben Thema war. Für Ihren Impuls bedanke ich mich sehr.

Rumpelstilzchen
5. Februar 2014 10:09

Lieber Herr Bosselmann,
Es tut mir leid, wenn ich Ihnen zu nahe getreten bin. Aber vielleicht rührt meine Ent-täuschung über Herrn Gauck daher, dass ich einst große Stücke auf ihn hielt, ja ein richtiger Fan von ihm war. Umso mehr bin ich mehr als irritiert über so viele unsägliche Äußerungen von ihm und habe natürlich überlegt, wie das kommt. Das Buch von den evangelischen Pfarrhäusern kenne ich vom Titel. Da gibt es sicher Großes. Aber Fakt ist auch, dass es überdurchschnittlich oft doch auch unheilvolle Vermischungen von Politik und Religion gab. Ein oft zu hoher moralischer Anspruch scheitert an den Wirklichkeiten. Dass Pfarrhäuser in der DDR subversive Orte waren , weiß ich nur zu genau aus eigenem Erleben. (Allerdings kannte ich nur katholische Pfarrer.) Und ich verdenke niemandem, nicht in der ersten Reihe gestanden zu haben.
Ich verstehe allerdings oft nicht die Entwicklung von Menschen, deren Eltern selbst Opfer waren.
Die Pfaffenkritik mögen Sie mir verzeihen. Ist allerdings auch ein Stück deutsches Kulturgut. Und ich habe sehr viele Pfarrer kennengelernt.
Trotzdem gehe ich in mich. mea culpa.
Viele Grüße

Luise Werner
5. Februar 2014 11:16

Werter Herr Bosselmann,
ich teile Ihre Einschätzung bzgl. Menschen in der DDR, die den unbequemen Weg gegangen sind. Theologie zu studieren war zwar kein subversiver Akt, aber er wies schon frühzeitig in Richtung eines holperigen Lebensweges. Für all diejenigen, die nicht dabei waren: Es gab für die übergroße Mehrheit immer die Wahl, ein völlig normales unkompliziertes und unbehelligtes Leben zu leben. Eine Verbiegung hier und einmal Maul halten da; Dampf ablassen im Internet gabs auch nicht. Aber das wars! Es gehörte nicht viel dazu, in Ruhe gelassen zu werden.
Alle die das nicht taten oder nicht konnten, gebührt Respekt. Auch deshalb, weil es heute fast genau so ist. Die Fahne in den Wind, sobald eine kleine nachteilige Konsequenz sichtbar wird. Da soll sich jeder selbst fragen.
Was Gauck betrifft, so kann ich ihn nicht im geringsten in Schutz nehmen. Seine verschwurbelten Plattitüden sind mir unerträglich. Seine Sätze sind nicht "fragwürdig", sondern inhaltlich totale "politische Mitte". Ein Mann wie Gauck müsste aber wissen, dass dort, wo es eine Mitte und ein Links gibt, auch ein Rechts existieren muss. Nur das einmal auszusprechen, machte ihn bei vielen doch zum Hoffnungsträger. Aber dazu fehlt Gauck der Mumm. Wer weiss, wer ihn in der Hand hat. Aber falls er jemals Oppositionsgeist in der DDR hatte, jetzt hat er ihn nicht.

Gutmensch
5. Februar 2014 12:02

Aua, aua, liebes Rumpelstilzchen. Sie dürfen wirklich nicht alles glauben, was in der Zeitung steht (ich lese das schon gar nicht mehr). Der große DDR-Widerständler kam aus dem Jugendklub in Baumschulenweg, hatte dem Vernehmen nach wohl ordentlich gebechert (ich war bei dieser Gelegenheit nicht anwesend) und anschließend erst die Richtung als auch - einmal vor die Entscheidung stehend - die Erfolgsaussichten dramatisch falsch beurteilt. Natürlich darf man dafür keinen erschießen. Aber diese Tragödie hinterher noch dauerhaft politisch auszuschlachten (hier gibt es sogar eine Straße, die man nach ihm benannt hat) lässt jeden Stil vermissen.

Karl Eduard
5. Februar 2014 12:36

Ich will mich auch nicht auf meine Herkunft aus der DDR berufen. Und Theologiestudenten hatten es sicher schwerer. Was ich auch feststellen durfte, im Gespräch mit einem. Aber hat der Entschluß Pfarrer zu werden, nicht auch etwas mit Glauben zu tun und ist unser Gott nicht eine feste Burg, ein gute Wehr und Waffen?

Haben die eigentlich erst bei der Berufswahl gemerkt daß das Staatswesen Diktatur des Proletariats hieß? Ich glaube nicht.

GFC
5. Februar 2014 12:55

Vor einigen Monaten durfte ich einen Vortrag mithören, die von unseren BW-Verbindungsoffizieren gegeben wurde (ich arbeite für einen befreundeten Staat). Die haben den Vortrag mit einer Diskussion über Deutschlands katastrophale demografische Lage begonnen, und wie die Bundeswehr dementsprechend reorganisiert wird. Also im Kern: Deutschlands demografische Entwicklung schließt eine Armee aus, die der Landesverteidigung taugt, daher muß die Bundeswehr sich zu einer kleineren aber feinen Eingreiftruppe entwickeln, die America's shitty little wars of empire weltweit und jeder Zeit mitmachen kann. Ich konnte meinen Ohren kaum trauen.

karlmartell
5. Februar 2014 12:58

Da wir Deutsche weder willens noch in der Lage sind, an den politischen Verhältnissen etwas zu ändern, bleibt nichts anderes als Polemik zur Diskreditierung derer, die sich zwar selbst als Eliten bezeichnen, aber nichts weniger sind als das, wie ihr Verhalten tagtäglich beweist.

Stil-Blüte
5. Februar 2014 14:02

@Heino Bosselmann

'Ich hatte als Abiturient mit der Jungen Gemeinde zu tun und von daher Einblick, freilich ohne religiöses Bekenntnis'

Eben diese zweischneidige - oder besser einseitige - sekulare Inanspruchnahme des Protest-antismus zum Protest, zum oppositionellen Hort hat den Niedergang der Frömmigkeit, des Glaubens, der evangelischen Religion beschleunigt. Wer sich, abgesehen von den Stasi-Leuten, nicht alles in der Jungen und Studentengemeinde tummelte! Weil es einen Freiraum gab, der linke westliche Autoren und Meinungen, auf die man natürlich neugierig war, gestattete, von Satre über die Exitential-/Feminismustheologie und -philosophie bis zur Frankfurter Schule, von der man nun heute explizid weiß, daß sie von den Siegermächten zur i>'reeducation' der Deutschen installiert wurde. Hat ja, auch in der DDR, bestens funktioniert!

Die jahrhundertelange Abnutzungserscheinung, vor allem der protestantischen Kirche, ist in der DDR historisch weiter fortgeschritten. Auch deshalb, weil für oppositionelle bzw. bürgerliche Atheisten das einzige zugängliche Studienfach (sogar ohne Abitur!) die Theologie war.

Folgerichtig ließen die 'Hirten' massenweise ihre Schäfchen n a c h der Wende im Stich, um wieder als Atheisten im politischen Getümmel mitzumischen. Kein Wort mehr von der 'frohen Botschaft'. Jetzt galt für sie plötzlich wieder: Politik getrenntvon Religion. Hmm. Ich werde nicht vergessen, wie sich ehemalige Pfarrer bei öffentlichen Feiern in Kirchen nicht mehr getrauten, die Hände zu falten.

Gauck selbst hat gesagt, daß er Theologie nicht aus Berufung studiert hat, sondern... s. o. Sein Vater? Hat ihn verprügelt. Gaucks Schicksal ist ein Schicksal von Millionen (Nach-)Kriegskindern. Jedes Schicksal bedarf der Rücksicht. Gaucks Schicksal der besonderen?

Frage: Wie wird ein ungläubiger Pfarrer ein glaubwürdiger Staatsmann? Nicht umsonst hat der Volksmund schnell den Begriff der 'Gauckelei' gefunden.

Bitte, Herr Bosselmann, vergessen Sie auch nicht, daß die Pfarrhäuser enorme Privilegien besaßen dadurch, daß sie von den westdeutschen Synoden finanziell unterstützt wurden. Und das nicht wenig.

Nicht nebenbei: Der Protestantismus von Luther ('hier steh ich und kann nicht anders') über das Stift in Heilbronn, Nietzsche allemal, Kaiserin Auguste Victoria, die in Berlin unzählige protestantische Kirchen bauen ließ, die zum Versammlungssort für politische Oppositionelle in der DDR wurden, nach der Wende die Flucht vieler Pfarrer aus der Gemeinde in die Politik bis zur Umwidmung von Kirchen zu Moscheen, Museen, Kulturtempeln, Sozialstationen eine kontinuierliche Auflösung des Sakralen im Sekularen.

Revolte
5. Februar 2014 14:31

@Stevanovic
Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen. Mission civilisatrice. Gerne! Und jetzt? Was passiert jetzt, was nicht ohnehin passiert? Was lassen wir, was wir ohnehin nicht tun?

Genau das ist es. Der Bundesgrüßaugust steht symptomatisch für die deutsche Volksmasse. Ein Demagoge der Mittelmäßigkeit, der die saftlosesten, perfidesten Elaborate runterleiern muss, die die Republik je gesehen hat.
Als Hofnarr und Hampelmann von Kaisers Gnaden registriert er noch mal den Status quo und tut so, als sei das der Aufbruch in ein neues Zeitalter. Nein, es ist derselbe alte Käse, business as usual. Und der Bundeskasper weiß es. Wie schafft man es, ein ums andere Mal diese müden, dämlichen Floskelansammlungen abzuschießen, ohne das einem der Staub aus dem Munde qualmt?

Und dann die Erika mit ihren "Menschen im Mittelpunkt". Ja, Herrschaftszeiten, hat es bei uns denn jemals mehr gemenschelt als im 21. Jhd.? Muss man das ständig wiederholen? Menschen hie, Menschen da. Aber wir alle wissen ja, was Carl Schmitt über die allzu häufig bemühte Vokabel "Menschheit" sagte...

karlmartell
5. Februar 2014 14:59

Sehr interessant in Sachen Gauck:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=IYV4UVPJnlI

Nordlaender
5. Februar 2014 17:17

@ Revolte

"Menschen hie, Menschen da. Aber wir alle wissen ja, was Carl Schmitt über die allzu häufig bemühte Vokabel „Menschheit“ sagte…"

Kürzlich vernahm ich staunend von Richard David Precht die Aussage, daß wir uns niemals als Menschen begegneten, sondern absolut immer in Rollenzusammenhängen: Von Arbeitskollege zu Arbeitskollege, Ehefrau zu Ehemann, Mieter zum bestellten Heizungsmonteur usw.

Schopi
5. Februar 2014 19:23

Wenn Söhne/Töchter die Leidenswege ihrer Väter/Mütter erben, so wäre dann indirekt die DDR schuld, daß gerade aus der Zone stammende Politiker zu den 200%igen zählen - jene also, die den globalistisch geprägten Zeitgeist unkritisch und ergeben voran peitschen.

Heino Bosselmann
6. Februar 2014 10:25

Vielen Dank! Wir sind durch. Auf bald!

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