Die 40 Prozent – Eine Frage der Haltung

Erste Veranstaltungswoche eines neuen Semesters, gegen Ende einer einführenden Seminarsitzung.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Nach kur­zer all­ge­mei­ner Selbst­vor­stel­lung des Dozen­ten und der ver­sam­mel­ten Stu­den­ten ver­schie­de­ner Stu­di­en­gän­ge und ‑rich­tun­gen sowie der Aus­hän­di­gung des Semes­ter­plans die Fra­ge, was es noch zu klä­ren gäbe. Eine Kom­mi­li­to­nin mit eini­gem Metall im Gesicht äußert zurück­ge­lehnt, ohne Auf­zei­gen: „Ihnen dürf­te ja wohl hof­fent­lich klar sein, daß es für uns kei­ne Anwe­sen­heits­pflicht mehr gibt.“

Die­se und ver­gleich­ba­re Sze­nen habe ich eini­ge Male mit­er­lebt. Auf die für eini­ge Stu­den­ten offen­bar lebens­wich­ti­ge Klar­stel­lung der belie­bi­gen Teil­nah­me reagier­ten die Dozen­ten zumeist mit der lapi­da­ren Ant­wort, daß nichts­des­to­we­ni­ger eine Lis­te geführt wer­de und man sich, wenn das Gesamt­kon­zept der jewei­li­gen Ver­an­stal­tung nicht genug Anreiz für eine regel­mä­ßi­ge Anwe­sen­heit bie­te, noch ander­wei­tig ein­tra­gen kön­ne. Gewiß, ein höf­li­cher und unver­bind­li­cher Hin­weis – das wirk­li­che und sich im Ver­lauf des Semes­ters stets Bahn bre­chen­de Pro­blem der grund­le­gen­den Gering­schät­zung für das Stu­di­um und die damit ver­bun­de­ne Arbeit aber ver­mag der­lei Rat­schlag nicht zu berühren.

Nun hat zum Wochen­be­ginn das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt in bemer­kens­wer­ter Offen­heit Zah­len ver­öf­fent­licht, die Bän­de über die Men­ta­li­tä­ten an deut­schen Hoch­schu­len spre­chen. Dem­nach lag der Anteil der Absol­ven­ten, die 2012 ihren jewei­li­gen Stu­di­en­gang im Rah­men der Regel­stu­di­en­zeit abschlos­sen, bei knapp unter 40 Pro­zent. Das legt einer­seits die (seit lan­gem bekann­ten) Apo­rien im Zuge der über­eil­ten Bolo­gna-Reform offen – ande­rer­seits beleuch­tet es auch die Ver­wer­fun­gen in Zei­ten eines „menschenfeindliche[n] Massenstudium[s]“, wie es aus­ge­rech­net der Uni­SPIE­GEL unbe­dacht beschrie­ben hat.

Da ist vor allem der schö­ne Schein der „gold’nen Aca­de­mia“, obwohl die­se For­mu­lie­rung aus den Glanz­zei­ten des Bil­dungs­bür­ger- und Kor­po­ra­ti­ons­stu­den­ten­tums selbst­ver­ständ­lich nicht mehr ver­wen­det wird. Das betrei­ben heu­te alle gro­ßen bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Pres­se­häu­ser mit ihren jeweils eige­nen Stu­den­ten­for­ma­ten, sei es Uni­SPIE­GEL oder ZEIT Cam­pus. Hier wer­den zwi­schen den übli­chen Ver­satz­stü­cken heu­ti­ger Zeit­schrif­ten für Her­an­wach­sen­de (Sex, Par­ties, Sex auf Par­ties, Dro­gen auf Par­ties, Sex auf Dro­gen…) Maß­stä­be gesetzt, denn natür­lich hät­te manch ein Stu­dent nach dem Abschluß – wann er auch kom­men mag; das hat hier meist etwas schick­sal­haf­tes und wenig mit eige­ner Anstren­gung zu tun – gern einen Job, was ihm bös­wil­li­ge Per­so­nal­chefs schwer­ma­chen. Tipps zur Bewer­bung sind also gefragt, Tipps zu absei­ti­gen und daher offe­nen Berufs­fel­dern, zu Prak­ti­ka, Aus­lands­se­mes­tern und so fort. Ande­rer­seits ste­hen auch immer Foren für die Benach­tei­lig­ten die­ser Bil­dungs­welt offen, wie unlängst wie­der ein­mal die ZEIT mit ihrer Samm­lung skur­ri­ler Prü­fungs­si­tua­tio­nen vor­ex­er­ziert hat. Wie immer bei Online-Zei­tungs­sei­ten jed­we­der Cou­leur, so sind auch hier wie­der die Kom­men­ta­re wah­re Lecker­bis­sen (bit­te beden­ken, daß das wohl vor “#Auf­schrei” war…):

Tes­tat am Ende des Ana­to­mie­kur­ses. Wir Stu­den­ten ver­sam­meln uns um die von uns prä­pa­rier­te Lei­che. Der Pro­fes­sor fragt eine sehr hüb­sche Studentin:
“Na, Frau Dok­tor, sagen Sie mal: Sind die Scham­lip­pen sen­si­bel oder moto­risch innerviert?”
Die Stu­den­tin läuft puter­rot an, fängt an zu stot­tern und sagt schließ­lich: motorisch!
Dar­auf­hin der Pro­fes­sor: “Na, dann klat­schen Sie mal damit.”

Das unan­ge­foch­te­ne Flagg­schiff der „Jung, schön und hoffnungslos“-Nische ist aber die unsäg­li­che NEON, Tin­ten­schaum­ge­bo­re­ne aus der stern-Retor­te. In die­ser Zeit­schrift sind alle, aber auch wirk­lich alle Men­schen unsag­bar hip, ver­sprit­zen jugend­li­che Fri­sche aus allen Poren und las­sen in ihrer von Her­zen kom­men­den Alter­na­ti­vi­tät bis­wei­len Zwei­fel dar­an auf­kom­men, ob über­haupt irgend­je­mand aus der Alters­ko­hor­te 20–35 der­zeit einer gere­gel­ten Arbeit nach­geht. Auf ihren inves­ti­ga­ti­ven Streif­zü­gen durch die Bil­dungs­re­pu­blik gabeln die eif­ri­gen Schrei­ber­lein in jeder Aus­ga­be die Crè­me der Wen­de­ge­bo­re­nen auf, und ja, Stu­die­ren gehört meis­tens irgend­wie ein­fach dazu. Jeder kann, jeder soll dür­fen – und dann, nach­dem man auf dem Cam­pus ein paar neue Bekannt­schaf­ten gemacht hat, folgt das oben skiz­zier­te „gute Leben“. Auch, wenn man berech­tig­te Zwei­fel dar­an haben kann, wie sehr sich Leser von sol­chen Über­zeich­nun­gen beein­flus­sen las­sen: Die NEON fin­det sich land­auf, land­ab in Stu­den­ten­hän­den, selbst wenn die ZEIT Cam­pus in der Men­sa für nur einen Euro über die The­ke geht und es noch einen knusp­ri­gen Nea­po­li­ta­ner gra­tis dazugibt.

In mei­ner bis­he­ri­gen Stu­di­en­zeit habe ich Kom­mi­li­to­nen erlebt, die leb­haft und lei­den­schaft­lich dafür ein­stan­den, daß der SPIEGEL und wiki­pe­dia wis­sen­schaft­lich abso­lut repu­ta­ble Quel­len sei­en. Eine jun­ge Dame erklär­te mir, ein Refe­rat fron­tal im Ste­hen zu hal­ten und sich dabei gele­gent­lich mit den Hän­den auf das Pult zu stüt­zen, zeu­ge von einem auto­ri­tä­ren Cha­rak­ter und sage alles über mich als Men­schen aus. Ein immer sehr stil­ler und nicht son­der­lich inter­es­siert wir­ken­der Typ kam in sei­nem Refe­rat über die Auf­rüs­tung der Wehr­macht in der ers­ten Hälf­te der 1930er nicht umhin, wo immer mög­lich die For­mu­lie­rung „deut­sche Täter“ ein­zu­streu­en – inklu­si­ve Selbst­kor­rek­tu­ren mit­ten im Satz, wenn er ein­mal nicht recht auf sei­ne hei­li­ge Mis­si­on acht­ge­ge­ben hat­te. Nun ist das eine Halb­bil­dung, für die ver­mut­lich selt­sa­me Maß­stä­be im Schul­un­ter­richt ver­ant­wort­lich sind, und das ande­re spät­pu­ber­tä­res Sen­dungs­be­wußt­sein, indem man durch mög­lichst lau­tes Kla­gen in klei­nem Krei­se sein Scherf­lein zur Welt­ver­bes­se­rung leis­ten möch­te. Nicht schön, aber mit einem Ach­sel­zu­cken quit­tier­bar. Viel schlim­mer ist die real exis­tie­ren­de Nai­vi­tät, mit der so vie­le ins Stu­di­um gehen, um mit Pau­ken und Trom­pe­ten unterzugehen.

Nun ist gera­de „Geschich­te“ lei­der ein Stu­di­en­gang, der gera­de jene magisch anzieht, die nach dem Abitur (das abzu­le­gen mitt­ler­wei­le wahr­lich kei­ne Kunst mehr ist) nicht so recht wis­sen, was sie mit sich anfan­gen sol­len. Die Bun­des­wehr ist ja mitt­ler­wei­le kein The­ma mehr, purer Zivil­dienst muß auch nicht unbe­dingt sein; dann lie­ber ein „Frei­wil­li­ges sozia­les Jahr“, ger­ne im Aus­land, oder gleich erst­mal für län­ge­re Zeit auf Rei­sen gehen, um sich von der Schul­zeit zu erho­len. Schließ­lich aber wird man doch von der Fra­ge ein­ge­holt, was nun kom­men soll – und im Zwei­fels­fall wird’s dann eben die Uni, denn das machen ja irgend­wie alle und in der Zeit­schrift steht, daß das voll geil spa­ßig wird. Schnell noch ein­mal in die Zeug­nis­se geschaut: „Och ja, in Geschich­te [wahl­wei­se auch Deutsch oder Poli­tik; N.W.] war ich münd­lich immer ganz gut, stu­dier’ ich das jetzt mal.“ Ent­spre­chend die Bewer­bun­gen geschrie­ben, und irgend­wo wird man dann schon genom­men wer­den – auch das hat mitt­ler­wei­le ja nichts mehr mit Glück oder her­aus­ra­gen­den Leis­tun­gen zu tun. Was das wie­der­um für Aus­wir­kun­gen auf die Nach­wuchs­si­tua­ti­on der Wirt­schaft hat, davon mag der Prä­si­dent der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer berichten.

Geschich­te“ also, oder „Deutsch“, oder „Poli­tik“. Das aller­dings gibt meist schon in den Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tun­gen ein böses Erwa­chen, wenn die tat­säch­li­chen Geis­tes­wis­sen­schaf­ten ihre metho­do­lo­gi­schen Flü­gel sprei­zen und die illu­so­ri­schen Vor­stel­lun­gen von ver­län­ger­ten Schul­fä­chern zer­fet­zen – wenn der so schön erträum­te aka­de­mi­sche Weg nicht bereits an den unver­meid­li­chen Regu­la­ri­en endet. Zwar wur­den Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen und ande­re Hür­den ener­gisch aus dem Weg geräumt, doch wur­de das büro­kra­ti­sche Dickicht um die Uni­ver­si­tä­ten dadurch eher noch dich­ter. Dar­auf muß man vor­be­rei­tet sein; ansons­ten blei­ben nur Mühe oder Resignation.

Eine schö­ne Sze­ne gab es in der aller­ers­ten Vor­le­sung mei­nes geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­ums, nach­dem ich nach dem drit­ten Semes­ter Human­me­di­zin her­über­ge­wech­selt war. Ein mit grund­le­gen­den Erklä­run­gen betrau­ter Dozent (der Dekan? ein Jahr­gangs­lei­ter?) wies die gro­ße Run­de von um die 300 Stu­di­en­an­fän­gern gegen Ende sei­ner Aus­füh­run­gen in einem Neben­satz dar­auf hin, daß an die­ser Uni­ver­si­tät jeder Haupt­fach-Stu­dent der Geschichts­wis­sen­schaft bis zur „Halb­zeit“ – also inner­halb von drei Semes­tern – ein Lati­num vor­le­gen müs­se, „wie ja allen bekannt sein dürf­te“. Offen­bar ein Trug­schluß: Man konn­te bei­na­he hören, wie rings­um die Kinn­la­den her­un­ter­fie­len. Die Stu­di­en­ord­nung hat­te natür­lich kaum jemand gele­sen, nicht ein­mal nach Erhalt des Zulas­sungs­be­scheids. Das uni­ver­si­tä­re Ange­bot, die latei­ni­sche Schrift­spra­che inner­halb jener ein­ein­halb Jah­re in Expreß­kur­sen zu erler­nen, schien für man­chen wenig ver­lo­ckend; ob es, wie mir kol­por­tiert wur­de, tat­säch­lich knapp 50 Kom­mi­li­to­nen waren, die inner­halb der fol­gen­den Wochen ihr Haupt­fach wech­sel­ten, ver­mag ich nicht zu sagen.

Nun sind die bestür­zen­den Zah­len der Uni-Absol­ven­ten und ihrer jewei­li­gen Zei­ten weiß­gott nicht nur auf Träu­me­rei­en und Idea­lis­mus auf Sei­ten des aka­de­mi­schen Nach­wuch­ses zurück­zu­füh­ren, auch wenn die berich­ten­den Medi­en ihren Teil dazu bei­tra­gen, es dahin­ge­hend umzu­bie­gen und als Aus­fluß von Indi­vi­dua­lis­mus dar­zu­stel­len – man muß sich bei SpOn nur ein­mal die Selbst­be­schrei­bung der Autorin oder die seit­lich vor­ge­schla­ge­nen Arti­kel anse­hen, um die Wind­rich­tung zu erspü­ren. Daß es noch Alter­na­ti­ven zum Stu­di­um gibt, ja etwa das Hand­werk doch ein ehr­ba­rer Berufs­stand ist, kommt dort tat­säch­lich vor – wohl­ge­merkt für Stu­di­en­ab­bre­cher (offen­bar ziel­grup­pen­ori­en­tiert, oder ist jeman­dem ein SPIEGEL-lesen­der Schrei­ner bekannt?). Aller­spä­tes­tens seit der Bolo­gna-Reform ist das gesam­te Sys­tem von Grund auf ver­dreht und falsch; die ursprüng­li­chen, von fach­fer­nen Bil­dungs­funk­tio­nä­ren erson­ne­nen Bestim­mun­gen erwie­sen sich schnell als der­art bar jeder Mach­bar­keit, daß sich in man­chen Fach­be­rei­chen noch immer mehr­mals pro Jahr die Prü­fungs­ord­nun­gen ändern, um der Rea­li­tät irgend­wie Herr zu werden.

Im Rah­men des gro­ßen Bil­dungs­streiks 2009, in des­sen Ver­lauf auch an mei­ner Uni­ver­si­tät der Lehr­be­trieb für eini­ge Tage still­stand, war eine Demo in Frank­furt ange­setzt. Die dem Auf­ruf gefolg­ten Kom­mi­li­to­nen, die an jenem Tag eigent­lich gemein­sam mit mir (und viel­leicht noch drei­ßig wei­te­ren „Ver­wei­ge­rern“) in einer Ger­ma­nis­tik-Vor­le­sung hät­ten sit­zen sol­len, wur­den ex post noch von der Teil­nah­me frei­ge­stellt – und der Dozent setz­te sich in die vor­ders­te Rei­he des Hör­saals, um uns sei­ne Sicht der Din­ge dar­zu­le­gen. Ein durch­aus fei­ner Zug, durch den auch mei­ne Mei­nung zur Situa­ti­on (nach dem anfäng­li­chen „Oh bit­te, muß das jetzt sein?“ der Uni-Beset­zung, zu der die „enga­gier­ten“ und „kri­ti­schen“ Stu­den­ten angeb­lich auch irgend­wel­che Bahn­hofs­pen­ner her­an­ge­karrt hat­ten, um ihre dürf­ti­ge Mann­stär­ke auf­zu­sto­cken) ein gutes Stück hin­ter­grün­di­ger wur­de und letzt­lich auch von den Ruh­mes­be­rich­ten der heim­ge­kehr­ten Demons­tran­ten („Also ich fin­de, da wur­den nicht genug Stei­ne geschmis­sen!“) nicht mehr zu trü­ben war. Letzt­lich hör­ten wir in jener eher unge­wöhn­li­chen Vor­le­sung nur noch­mals in geraff­ter Form, was man sich in Sta­tis­ti­ken und Haus­halts­bi­lan­zen ohne wei­te­res auch anle­sen kann.

Einer­seits wer­den Bil­dungs­etats zurecht­ge­stutzt, wo es nur geht, sodaß vie­le Mate­ri­al­kos­ten nur noch durch Abstri­che anders­wo zu deckeln sind – die fast über­all voll­zo­ge­ne Abschaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren, so ange­nehm sie für uns Stu­den­ten auch gewe­sen sein mag, war und ist also nur durch Ein­bu­ßen bei der Leh­re zu erkau­fen. Ande­rer­seits ist die von Herrn Schweit­zer auf­ge­wor­fe­ne „Aka­de­mi­sie­rung“ eben nicht von der Hand zu wei­sen, was die meist anläß­lich des Stu­den­ten­booms in den 70er Jah­ren zuletzt räum­lich erwei­ter­ten Hoch­schu­len heil­los über­for­dert. In einem Semi­nar mit 39 ande­ren Stu­den­ten zu sit­zen, macht sowohl Lern­er­trag als auch indi­vi­du­ell gewich­te­te Prü­fungs­leis­tun­gen (von Klau­su­ren ein­mal abge­se­hen, die aber jen­seits von Anfangs­se­mes­tern nur noch gerin­gen Stel­len­wert haben) schlicht unmög­lich. Auch in einem win­zi­gen Hör­saal zu sit­zen, wäh­rend das glei­che Gebäu­de am ande­ren Ende zuguns­ten eines grö­ße­ren Neu­baus abge­ris­sen wird, unun­ter­bro­chen Preß­luft­häm­mer lär­men und alle naselang der Strom aus­fällt (mir so ergan­gen im Kurs „Medi­zi­ni­sche Ter­mi­no­lo­gie“), ist weder son­der­lich moti­vie­rend noch didak­tisch wertvoll.

Den­noch: Sei­en es nun die ver­korks­te Stu­di­en­rea­li­tät, uni-büro­kra­ti­sche Malai­se oder die je nach Fach mäßi­gen Berufs­aus­sich­ten (vom tat­säch­li­chen Wert eines „Bät­schelers“ auf dem Arbeits­markt will ich hier nicht anfan­gen) – irgend­wie kommt man durch. Es ist durch­aus mög­lich, in Regel­stu­di­en­zeit fer­tig­zu­wer­den sowie je nach per­sön­li­chen Vor­lie­ben und (finan­zi­el­len) Bedürf­nis­sen dane­ben noch zu arbei­ten, aktiv zu sein und ein Sozi­al­le­ben zu haben. Dabei hilft ein gerüt­telt Maß an Kalt­blü­tig­keit, Orga­ni­sa­ti­ons­ver­mö­gen und vor allem die Kunst, sich nicht aus der Ruhe brin­gen zu lassen. 

Das ande­re Extrem neben den lais­sez-fai­re-Hob­by­stu­den­ten, näm­lich jene, die für eine spä­te­re Kar­rie­re schuf­ten wie die Acker­gäu­le, führt bis­wei­len gar unter die Erde. Auch unter mei­nen Kom­mi­li­to­nen habe ich sol­che erlebt, die mit 22 Jah­ren völ­lig aus­ge­brannt waren und ihren All­tag nur noch mit Unmen­gen an Red Bull und Zynis­mus durch­hiel­ten. Jen­seits aller Gesin­nungs­schnüf­fe­lei, Denun­zia­ti­on und sons­ti­ger Schi­ka­nen ist ein Stu­di­um auch „ein­fach so“ kein Spa­zier­gang, und die oben genann­ten Mei­nungs­bild­ner täten gut dar­an, ihre Jün­ger dar­über auf­zu­klä­ren. So ist denn auch die Über­schrift die­ser Gedan­ken­skiz­ze seman­tisch bewußt zwei­deu­tig: Es geht durch­aus nicht nur um die Hal­tung jener 40 Pro­zent „ordent­li­cher“ Stu­den­ten, son­dern auch um die Hal­tung zu eben diesen.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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