Sezession
9. Februar 2014

Das war’s. Diesmal mit italienischer Gastfreundlichkeit, deutschen Arcobaleno-Uniformen und heißen Tips von Casa Pound-Leuten

Ellen Kositza / 37 Kommentare

3.2. 2014

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wir benötigen etwa eine halbe Stunde pro Kilometer, um im abendlichen Berufsverkehr Rom zu durchqueren. Den Kindern auf den hinteren Bänken wird es langweilig. Sie lesen laut die Aufschriften der innerstädtischen Boutiquen-Schaufenster ab: „Saldi. Saldi. Saldi. Saldi. Saldi. - Samma, kann der Italiener denn gar kein Englisch?“  Dann, eine halbe  Stunde später, ein vielstimmiger Schrei: „SALE! Das steht Sale! In Weltsprache!“ Die vorne sitzenden Eltern hören Abklatschgeräusche  von hinten. Der „Sale“ plakatierende Laden heißt „Doppelganger“, ein Wort, das es, zwei Pünktchen hinzugedacht, nur auf deutsch gibt.

4.2. 2014

Kubitschek vertritt den Standpunkt, daß man Bettlern gegenüber gütig, heißt freigiebig, sein müsse. Eine Einstellung, die innerfamiliär oft umstritten war. Ab der fünften Person, die klagend anfragt, hält Kubitschek seine Geldbörse verschlossen. Dabei ist der Tag noch jung. Nein, wir brauchen auch keine Schirme und keine Laserpointer, nein, wir haben schon gegessen, nein, die Ehefrau ist bereits auf Rosen gebettet.

Schlimmer als die Bettelei stößt die Schlitzohrigkeit des Italieners auf: Bitte Diesel tanken, voll! Natürlich wird vom subalternen Betanker fraglos Diesel excellium getankt, nur zehn Cent teurer pro Liter, also 1,80 Cent, also 16 Euro mehr insgesamt. Oder: bitte sehr, Antipasti, eine Üblichkeit des Hauses! Vorab Bruschetta, wir erlauben uns, auch ohne Bestellung zu servieren! All diese Gastfreundlichkeiten auf der Quittung mal neun: ein hübsches Sümmchen.

5.2. 2014

Abendliches Beieinandersitzen mit polyglotten Casa-Pound-Leuten. Wir haben eine gigantische Pressemappe durchgeblättert und wundern uns über den zwar kritischen, doch neugierigen und offenen Ton der Berichterstattung über das von „rechts“ besetzte Haus. Renommierte, große Zeitungen und Magazine nehmen diese subversiven Rechten hier als politisch ernstzunehmende Kraft wahr. Die Casa-Pound-Leute sagen: Ja, sie wüßten um die schwierige Situation in Deutschland. Es gäbe aber einen Trick: Man müsse sich nur offen als „faschistisch“ bekennen und dies als einen „Lebensstil“ unter vielen anderen proklamieren. Dann sei man gewappnet gegen Anwürfe jeder Art. Ein wahnsinnig guter Tip!

6.2. 2014

Vielleicht verrückte, sicher aber familienfremde Leute aus dem Kultusministerium muten sachsen-anhaltischen Eltern zwölf Tage „Winterferien“ zu. Nur Eltern wissen, wie toll Ferien in einer Zeit sind, in der draußen matschiges Braun vorherrscht. Die Osterferien haben sie uns dafür fast ganz gestrichen. Die Hoffnung, daß hier in Italien Kinderferienwetter herrsche, hatte den Anstoß zur Reise gegeben.

In der Tat: blauer Himmel, siebzehn Grad. Sonnencreme für die blaßdeutschen Gesichter führt der Italiener nicht am Laden an der Ecke, nein, man muß in der Apotheke eine Tube zu 28 Euro erwerben. Dafür darf in der Adria gebadet werden. Darf? Muß! Jenes eine Kind, das vornehm beschlossen hat, nur bis zu den Knien im Meer zu planschen, wird hinterrücks überfallen: Badeurlaub, das ist ein Befehl! Die notorischen Beschwimmer der winterlichen Unstrut sagen: Auch das Wasser in Italien ist viel wärmer. Und das Kind mit den nassen Kleidern findet letztlich, daß die Bergwanderung gestern weitaus strapaziöser war als das erfrischende Bad.

7.2. 2014

Das Verkehrsaufkommen in Rom bringt mich an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Dabei bin ich nur Mitfahrerin! Merke: Zebrastreifen sind strikt zu ignorieren, Vorfahrtsregeln werden vom Italiener in Form einer situativen Anarchie geregelt: Dem, der mutig vorprescht, gehört die Straße, und der italienische Geradeauspfeil meint nach unserem Empfinden rechts. Es gibt natürlich keinen Parkplatz. Kubitschek heißt den Rest der Familie aussteigen, er wird allein einen abgelegenen Parkplatz für unsere angemietete Riesenkarosse finden. Das dauert eine Viertelstunde. Wir unternehmen unterdessen eine spontane Verkehrsteilnehmerzählung an unterschiedlichen Ecken. Sieben von hundert Fahrern sind weiblichen Geschlechts, zähle ich, neun von Hundert zählt eine Tochter, elf von hundert eine andere. Woran liegt´s? Ist der Italiener nur spärlich emanzipiert? Verbietet er der Italienerin das Lenken? Oder haben jene Hirnforscher recht, die behaupten, Orientierung sei durch die unterschiedliche Verdrahtung männlicher und weiblicher Hirnhälften Männersache? Zu Fuß hingegen scheinen die Geschlechter etwa gleich repräsentiert. Komisch. Am Abend lernen wir in einer Kneipe zwei Deutsche kennen: „Was, ihr seid hier mit dem Auto unterwegs? Das wagen in Rom nur Verrückte!“

8.2. 2014

Der Gang der Dinge auf der Welt kam die vergangenen fünf Tage ohne uns aus. Die W-Lan-Codes der Hotels erfragten wir nicht, die Fernseher blieben aus, wir kauften auch keine Zeitungen, und elektronische Kleingeräte pflegen wir nicht bei uns zu tragen. Gaffend stehen wir aber frühmorgens vor dem breiten Flachbildschirm in einem Cafe. Während Kubitschek Espresso, heiße Schokolade und Linzer Torte ordert, werden Bilder einer Überwachungskamera gezeigt: Ein zweirädrig motorisiertes Schlitzohr raubt einer älteren Dame die Handtasche und fährt sie dabei nieder. Darunter läuft ein Schriftzug mit den drei hot news. Eine lautet: Deutsche Mannschaft begeht Olympia-Eröffnung in Pro-Gay-Uniform. Die deutschen Café-Besucher - also wir - lachen, die Service-Kräfte schauen hoch und lachen mit. Etwas später werden die deutschen Sportler in ihren Regenbogen-Uniformen eingeblendet. Kubitschek ist weiterhin mit dem Bestellvorgang beschäftigt und hochkonzentriert. Erneut taucht die Schrift mit den hot news von den Pro-Gay-Deutschen auf. Ein Kellner stößt Kubitschek an und weist mit dem Kinn auf die vielköpfige Frauenmannschaft hinter ihm: „Seems, you are the only one to be not-gay in your country, eh?“ Kubitschek, zerstreut: „Si, si, grazie!“

 


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (37)

Karolus
9. Februar 2014 23:39

Ja, das waren noch Zeiten, als man als Berliner Lehrer vor 1989 keine Winterferien, dafür aber drei Wochen lang Osterferien hatte. Die Winterferien verdanken wir der DDR seligen Angedenkens, denn zwei Wochen lang die unzählingen Schulhäuser nicht beheizen zu müssen, stellte für die energiearme DDR seligen Angedenkens eine enorme Einsparung dar.
Kositza: Ja, hierzulande sprechen sie immer noch von "Kohleferien", und die Legende besagt, daß zu diesen Zeiten eifrige Kinderhände halfen, die angelieferten Kohlen in die Keller zu schaffen... hehe, wer heute richtig Kohle hat, fliegt in den Kohleferien auf die Südhalbkugel...

Revolte
10. Februar 2014 00:09

Ob Frau Kositza ihren Liebsten immer mit "Kubitschek" anspricht?

Und: Ja, die olympische Regenbogenparade hat allenthalben Erheiterung ausgelöst. Wird Zeit für eine bunte Fahne. Wir könnten auch einfach die Pace-Fahnen übernehmen - bunt und pazifistisch.
Der Designer will seinen Entwurf aber keineswegs politisch gedeutet wissen:

https://www.welt.de/sport/olympia/article124665418/Wir-haben-uns-gegen-die-anderen-durchgesetzt.html

Martin
10. Februar 2014 07:51

Der Designer der Olympia-Klamotten, Herr Bogner, dementiert via Bild, dass es sich um Regenbogenfarben handelt.

https://www.bild.de/sport/olympia/olympia-2014/bogner-ueber-die-bunten-outfits-34603330.bild.html

Frau Kositza,

Ihre Reisenotizen lesen sich ja fast so, als ob Sie noch nie in Bella Italia waren?

Kann man ja kaum glauben ... gehörte doch früher zum absoluten West-Standard, mindestens einmal Italien-Urlaub gemacht zu haben.

Kositza: Ja, klingt das so? Sie sehen, ich habe das Staunen nicht verlernt. War bislang fünfmal in Italien (Südtirolurlaube freilich nicht mitgerechnet), darunter einmal in Rom, war damals (Vatikan) ein Muß für Schülerinnen eines katholischen Gymnasiums.

Johannes Schüller
10. Februar 2014 08:57

Was den Verkehr betrifft, ist Rom noch vergleichsweise harmlos. In Neapel fließt das allen einen ganzen Zahn schärfer - während Palermo dazu wieder fast kleinstädtisch ist.

Was mir bei den Italiener immer positiv aufgefallen ist, ist deren ausgesprochen familiärer Geist. Will heißen: Das Geld bleibt in den eigenen vier Wänden. Auch bei CasaPound ist das nicht anders und vielleicht das wichtigste was man von ihnen lernen kann, ungeachtet des anderen, drolligen Tipps: Wird aber auch nur ermöglicht durch eigene Buchläden, Cafés, Restaurant, Modeläden usw. Ich hoffe, ihr wart mit Sebastién auch im Angelino - das Essen ist dort wirklich großartig:

https://www.osteriadaangelino.it/

Thomas Bargatzky
10. Februar 2014 10:35

Früher, als wir noch in München wohnten, fuhr der Nachtzug nach Italien um 23.20 Uhr von Gleis 11 - Verona, Florenz, Rom - mit Anschluß nach Neapel. Herrliche Zeiten, immer wieder. Das Auto ließen wir daheim, aber damals hatten wir ja noch keine Kinder. Fußgänger in Rom: Einfach über die Straße gehen, sonst wartet man vergeblich, auch am Zebrastreifen. Man musste sich erst daran gewöhnen, zugegeben, aber es ist nie etwas passiert.

Viva l'Italia!

peter789
10. Februar 2014 11:17

Nette Geschichten. Man bekommt Lust auf Familie.
Danke Fr. Kostiza

Kositza: Wer so freundlich schreibt, dem verzeihe ich sehr gern meine Namensverstümmelung. Ist ein schwieriger, polnischer Name. Heißt Bergziege.

Rainer Gebhardt
10. Februar 2014 12:29

Et in Arcadia ego

Weiß gar nicht, wie oft ich schon da unten war; immer kreuz und quer, bis runter nach Sizilien. Und immer auf der Suche nach dem Land, wo die Zitronen blühen (oder wie der Taugenichts sagte: wo die Pomeranzen wachsen). Dieses Sehnsuchts-/Bildungs-/Kunstland, nun ja, das gibt es gar nicht, es ist eine Fiktion. Irgendwann dann eine Erleuchtung mit depressiven Einschlüssen: Italien ist ein wunderschöner Abfallhaufen.
„Italien werde ich nicht mehr finden, aber ich kann im Unsichtbaren reisen, dort werde ich es wiederfinden." Diesen Seufzer hat Guido Ceronetti ausgestoßen: „Albergo Italia. Meine italienische Reise.“ Beide Texte sind 1993 in einem Buch bei Hanser erschienen. Absolut lesenswert, wenn auch vollkommen desillusionierend. Da entschleiert sich der Blick. Wie ein böser Vergil führt Ceronetti den Leser durch ein Land, das in seinen Augen nur noch wenig mehr ist als „eine kriminelle Anhäufung von Zement".

Inmitten des europäischen Karnevals nimmt sich Ceronetti aus wie ein Savonarola, der seinen Landsleuten die Leviten liest: „Was früher ein Volk von Verlierern war, von würdevoll Gebeugten, besteht heute aus hoffnungslosen Idioten." Ständig streut er Salz in die Wunden, und es gibt deren viele. Es sei vor allem der Fortschritt, der das Land zu Boden geworfen habe, meint Ceronetti, allem voran die Italsider (der „eisenindustrielle Lumpenimperialismus“). Und der Renaissancemensch? Wenn er nicht eine Fiktion war, so ist er verschwunden! Die „herrschende Klasse“ ist faul, gelähmt vom mediterranen Hauch der Degeneration, ergeben der „aktiven Faulheit des Orients“, die ständig „Überbauten“ hochstapelt und sich dem Abstieg mit immer neuen Heeren von Beamten entgegenstellt...

An den Touristen (und zu denen gehören wir ja auch) läßt Ceronetti kein gutes Haar. Sie sind ihm der Beweis für die „völlständige Abwesenheit moralischen Zweifels.“ Nach Venedig? Unbedingt! Denn seine Schönheit ist wie die Roms längst die Schönheit des Verfalls. Aber man sollte dorthin reisen, wenn es sich von den Ausscheidungen der Gaffer und „Allesfresser“ reinigt, im Januar also, wenn es schläft oder zu schlafen versucht, bevor im Februar wieder das Herdenvieh einströmt und die Stadt in einen Catwalk verwandelt, auf dem der Massenmensch seine Hirn- und Schamlosigkeit spreizt. Dann sieht man zwar wenig von Venedig, kann dafür aber die „verschiedenen Stufen des einfältigen Gesichtsausdrucks“ studieren: „Den Rekord halten die japanischen Touristen. Sie zu sehen bestürzt mich, macht mir Lust, Selbstmord zu begehen...als nächstes kommen die Holländer, groß, sehr groß, lichtundurchlässig wie ihre Käselaibe, bis zur Verrohung wohlgenährt...“ Aber sie alle, ob Schurken, Einfältige, Unwürdige – sie alle werden in Venedig (und in Italien, sage ich) „für einen Augenblick lang erlöst“ vom „engelsgleichen Zauber, der von einer angefressenen, mit Kot beschmutzten, zutiefst verfallenen Schönheit ausgeht.“ Nun ja, das ist eben Ceronetti, ein Mann, von dem die offizielle Kritik nicht weiß, ob er ein Chauvinist, ein Antikommunist oder ein Reaktionär ist oder womöglich alles zusammen.

Wie gesagt, die Lektüre lohnt sich. Allein schon wegen des „stereoskopischen Blicks“ von Ceronetti, der das Gesehene immer mit dem Traumbild/der Schönheit/der Geschichte überblendet. Was mitunter zu fanatischen Schmähungen gegen die Moderne führt. Sei es drum. Das Buch gibt es leider nur noch im Antiquariat, genau wie seine „Teegedanken“ (Suhrkamp) und „Das Schweigen des Körpers“ (Suhrkamp).

Sascha
10. Februar 2014 13:00

"Sieben von hundert Fahrern sind männlichen Geschlechts"

Schreibfehler oder weibliche Übermacht?

Carsten
10. Februar 2014 14:18

Der ultimative "Kick" für Extremsportler ist Fahrradfahren in Rom! Ich weiß auch, warum die Italiener so handyverrückt sind: Weil früher an JEDEM öffentlichen Fernsprecher das Schild "Non funzione" hing!

"Man müsse sich nur offen als „faschistisch“ bekennen und dies als einen „Lebensstil“ unter vielen anderen proklamieren"
Hahaha! Wer probiert das aus?

Andrenio
10. Februar 2014 14:30

So schlimm ist es mit der Kohle nicht im warmen Thailand. Doppelzimmer mit Beistellbett für € 34 incl. Frühstücksbüffet. Die Abrechnung im Restaurant gerade eben: Umgerechnet unter € 10 für zwei, incl. riesige Mangoshakes. Bei Emirates gibt es für Sie vielleicht Gruppentarif?
Apropos Rom: Wir waren sehr positiv überrascht über das gut funktionierende öffentliche Verkehrswesen. Es gibt Schnellspuren für bestimmte Buslinien und man ist viel schneller als der restliche Verkehr. Unser Hotel lag am Rand des Zentrums und wir waren damit in 20 Minuten im Zentrum. Selbst die Preise haben uns überrascht: nur wenige Seitenstraßen von den üblichen Touristenabzockstellen fanden wir leckeres Essen deutlich günstiger als bei uns.
Schon die Anreise wert: Die Skulpturen- und Gemäldeausstellung über christliche Motive im Vatikanmuseum.
Flugkosten: Ryanair pro Person €84 hin- und zurück, da am Sonntag Rückflug, sonst die Hälfte.
Freue mich Neues über Casa Pound zu höre. Ezra war ja schon frühen Criticonlesern ein Begriff.

ene
10. Februar 2014 14:33

Parken in Italien.
Ort: Orvieto. Keine Parkplätze für Pks, jedoch ein riesiger Parkplatz für Busse. Mit Verbotsschild für PKWs. Ich frage einen Angestellten der Bus-Gesellschaft in einem kleinen Häuschen, was wir denn bloß machen sollen-?
Er steht auf, tritt vor die Tür , blickt über den beinahe leeren Parkplatz und spricht mit einladender Geste nur dieses eine Wort: Dappertutto! (überall)

Das ist Italien!

Darf23
10. Februar 2014 17:01

Ich sollte mehr Fernsehen schauen! Auf den Regenbogen-Dreh bin ich gar nicht gekommen, ich dachte, die Kleidung sei ein Fingerzeig auf die anstehende Karnevals-Saison mit ihren klassischen Clowns-Kostümen.

bernardo
10. Februar 2014 19:17

Auch als Italien-Routinier mit sicher fast zwei Dutzend mehrwöchiger Aufenthalte kann ich den starken (und veränderten) Eindruck bestätigen, den Rom derzeit macht.

Tolldreiste Abzocke (auf die Vorspeisennummer sind wir auch reingefallen), an die man sich nur noch aus den 70ern erinnert und die eigentlich schon überwunden war, dazu penetranter Verkaufsdruck, Menschen- und Blechlawinen.

Noch schlimmer: Venedig. Die Stadt ist inzwischen eine Müllhalde aus Touristenabfall, solchem, für den schon bezahlt wurde, und solchem, der noch zum Verkauf steht.

Mein Eindruck: Es ist vorbei; solche Orte "die die ganze Welt kennt", lassen sich nicht mehr betreten, ohne einen Brechreiz zu riskieren.

@ene Parken Sie unten. In Orvieto gibt es eine Bergbahn. ;)

Mauretanier
10. Februar 2014 20:05

Den CASA POUND Tipp habe ich hier ja bereits vor Jahren vorexerziert.

Kositza: Achso, wo? Und? War´s hilfreich?

Raskolnikow
10. Februar 2014 20:23

So abwegig,

ist diese faschistische Strategie gar nicht. Meine Gesprächseröffnung gegenüber Zeitgenossen die mich in Politisches verwickeln wollen, fängt sofort mit Hitler an. Man muss ihnen den Trumpf sofort abnehmen ... Dann bleibt es entweder bei einem Gesprächsversuch oder aber das jeweilige Gegenüber stürzt sich in den Disput wie das Schwein in den Schlamm. Ob der "heiße Tip" allerdings als Marketingstrategie für die "Sezession" taugt ...

Abschließend möchte ich alle die glauben, der italienische Strassenverkehr sei ein "Kick", einladen mit mir und ein paar Flaschen "Wässerchen" die Fernverkehrsstrasse M4 von Rostow nach Moskau zu fahren! Ihr werdet Euch nach den Italienern und ihrer Harmlosigkeit sehnen!

Dobrij wetschr!

R.

Kositza: Gegenüber irgendwelchen Gesprächspartnern muß sich unsereins gar nicht irgendwie etikettieren. Wer google hat zu sehen, der sehe! Nur hat uns bereits das Bekenntnis rechts zu sein, nur wenige Türen der Neugier bei den Groß- und Leitmedien geöffnet. Fraglich, ob es mit der Fascho-Nummer besser funktionierte...

Waldgänger aus Schwaben
10. Februar 2014 21:22

Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

(aus der Schweizer Nationalhymne)

Pah, Italien!
Mein nächster Urlaub führt mich in die Schweiz -Insel und Leuchtturm der Freiheit in der EUdSSR.

Ein Fremder aus Elea
10. Februar 2014 21:30

Raskolnikow,

das ist gänzlich unfair. Wann gibt es schon mal "schwarzes Eis" in Rom?

Hier ist es gerade auch kriminell. +1 nach wochenlang -18. Selbst mit Nägeln in den Reifen nicht gerade ein Vergnügen... nun ja, außer für jene, welche jetzt mit ihren Autos auf die Seen fahren, die brauchen da aber auch keine Gräben zu fürchten.

Mauretanier
10. Februar 2014 21:36

Na, wissen Sie denn nicht mehr, in jungen Jahren bin ich hier unter Faschist aufgetreten, bis mir ihr geschätzter Kollege Lichtmesz eine Namensänderung angetragen hat ...

Insofern war es nur bedingt hilfreich.

Erwalf
10. Februar 2014 22:11

Danke für den heutigen anregend-wehmütigen aktuellen Blick auf Rom! Über die Autos hat sich schon Ernst Jünger aufgeregt. Ich hingegen war begeistert, das gesamte Zentrum zu Fuß erobern zu können und den Rest mit der Metro. Frühere Erfahrungen mit Speisenangebote vom Patrone ließen mich letztens in Rom nur selten ins Lokal gehen, sondern ich besorgte mir italienische Spezialitäten aus kleinen Läden und speiste an den schönsten Orten etwas abseitig im Freien unterwegs. Vom Hinterhof meines Hotels sah ich die Schildkröten-Flagge wehen. - Ab und an habe ich eine andere Gesprächsstrategie erprobt: Ich beschimpfte den linksextremen Gegenüber als Faschisten und wies ihm seine rechtsradikale Gesinnung nach. Danach konnte man manchmal vernünftig über einiges reden, wenn der andere aus einer Defensivposision heraus sich vom Vorwurf des Rechtsseins reinwaschen wollte. Man einigt sich schließlich auf einige Gemeinsamkeiten: Über Banken, Globalisierung, Palästinenser, in bestimmter Weise auch Islam usw. können Linke und Rechte dann doch immer wieder in eine Gemeinsame Kerbe hauen, wenn man bereit ist, die grundlegenden Unterschiede beiseite zu lassen. Aber eine solche Möglichkeit ist situationsabhängig und schwer planbar, und man darf natürlich nicht bekannt sein. Zudem muß es einem wirklich wurscht sein, ob jemand links oder rechts ist. Wichtig ist nur, ob jemand etwas vernünftiges, lebensbejahendes und gemeinschaftsbewahrendes sagt und tut oder etwas kulturlos todbringendes.

Franzl
10. Februar 2014 23:01

An R. Gebhardt- das Buch "meine italienische Reise" gibt es imVerlag 2001 für 5 Euro zu kaufen! Habe es zufällig vor zwei Wochen erworben. lohnt sich...

Urwinkel
10. Februar 2014 23:37

Geben Sie, Frau Kositza, den Kindern Malzeug mit auf die Rücksitzbank. "Elektronische Kleingeräte" sind bei Ihnen also tabu. Deshalb keine Schnappschüsse vor der Casa. Eine Bebilderung ist es aber, was einen Reisebericht ausmacht. Es müssen ja nicht gleich Veduten sein.

Unsere langweiligen Balaton-Fahrten haben wir Kinder damit passabel überstanden.

Kositza: Ich habe meinen vorlaut (saldi-saldi-saldi) brabbelnden Töchtern auf der Rückbank bereits elektronische Kleingeräte als potentielle Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke angeboten: wollten sie nicht. Die sind da extrem verbohrt. (Mag sein, daß sie das von uns haben.) Und Malzeug: mh, damit beschäftigen die sich nicht mehr. Die beiden saldi-Gören sind 15 und 17. Und, Ihre Anfrage nach Illustration betreffend: Nee, wir, die Eltern, knipsen nie und nichts. Wär im Nachhinein sicher manchmal schön, aber wir leben (visuell) sehr aus dem Augenblick.

Gustav Grambauer
11. Februar 2014 00:02

Waldgänger aus Schwaben. Kann`s mit am heutigen Tag auch nicht verkneifen.

Anfrage an den Sender Jerewan: "Wie verhält sich die EU-Kommission in einer völlig hoffnungslosen Situation?"
Antwort: "Wir geben keine Auskünfte über Beziehungen der Europäischen Union zur Schweiz."

Anfrage an den Sender Jerewan: "Ist es wahr, daß die Schweiz den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Hinblick auf ihr politisches System unterlegen ist?"
Antwort: "Im Prinzip ja, aber es ist schwer, ihnen dies zu vermitteln."

Anfrage an den Sender Jerewan: "Soll ich als Bürger der Europäischen Union zu einem Kongreß nach Genf fahren, obwohl ich die Kosten dafür selbst tragen muß?“
Antwort: "Im Prinzip ja, Ihre Kosten reduzieren sich dadurch, daß Sie keine Rückfahrkarte kaufen."

Anfrage an den Sender Jerewan: "Ist die segensreiche Politik der Europäischen Union auch in der Schweiz bekannt?"
Antwort: "Im Prinzip ja, andererseits ergeben sich aus der Bekanntheit gewisse Schwierigkeiten."

Anfrage an den Sender Jerewan: "Trifft es zu, daß Adam und Eva perspektivisch gesehen die ersten 'Europäer' waren?"
Antwort: "Im Prinzip ja, sie hatten keine Rechte, kein Hab und Gut, nicht einmal etwas anzuziehen, und glaubten dennoch, im Paradies zu sein."

Anfrage an den Sender Jerewan: "Wäre es prinzipiell möglich, die Demokratie nach dem Vorbild der Europäischen Union auch in der Schweiz einzuführen?"
Antwort: "Im Prinzip ja, aber es wäre schade um das schöne Land."
(Nun gut, der ist so alt wie der neuliche Hetero-Witz ...)

Anfrage an den Sender Jerewan: "Worin liegt der Kern der Vorwürfe gegen das Steuerverständnis der Schweiz?"
Antwort: "Das Schweizer Steuerverständnis basiert auf dem länderübergreifenden Betrug von Einzelpersonen am Gemeinwesen."
Anfrage an den Sender Jerewan: "Wie steht es diesbezüglich in der Europäischen Union?"
Antwort: "Selbstverständlich ist dort das Gegenteil der Fall!!!"

Anfrage an den Sender Jerewan: "Ist die politische Situation der Europäischen Union trotz Blocher, Farage und Orban immer noch gut?"
Antwort: "Im Prinzip ja, sie ist sogar grandios jeweils verglichen mit der Lage der kommenden Woche."

Proscht Nägeli!

- G. G.

antihunkebunk
11. Februar 2014 00:47

Nochmal zum Verstehen: 7 von hundert? oder 7 von zehn?

Kositza:Ah, jetzt verstehe ich! Kann´s sein, daß ich einen Schusselfehler eingebaut habe, den aber mittlerweile ein Mitblogger aufgehoben hat (danke)? Sieben Frauen unter 100 Leuten. 93 Männer, 7 Frauen.

F451
11. Februar 2014 02:05

Wie heißt es doch so schön: der Deutsche liebt den Italiener, aber er achtet ihn nicht und der Italiener achtet den Deutschen, aber er liebt ihn nicht.

Faschist gilt hierzulande ja auch unter Rechten als Beleidigung und würde lediglich endlose, langweilige, ideologische Diskurse nach sich ziehen. Ganz abgesehen von der PI und WfD Fraktion die sich selbst, durch Begriffe wie linke Faschisten und rote SA, in ein gutes Licht rücken will. Der Wunsch auch einmal auf der richtigen Seite zu stehen, scheint da übermächtig zu sein? Bolschewist und Rotfrontkämpferbund RFB wären deutlicher präziser, aber offenbar nicht so hip? Für mich selbst kann ich nur sagen, bei mir würde diese Selbstbezeichnung nichts ändern, ich gelte in meinem Umfeld ohnehin als Faschist.
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Frau Kositza gerade hatte ich gelesen, das Sie einen kleinen Teil ihrer Jugend ebenfalls auf dem Frankfurt Airport Terminal 1 Area C Level 0 und dem Parkhausclub in der Junghofstraße 14 verbracht haben, wie ich selbst auch. Da soll mal einer sagen, es würde keine Überraschungen geben, das hatte ich hier jetzt nicht erwartet. Ein Gruß von der alten Heimat in die Neue.

Rainer Gebhardt
11. Februar 2014 08:33

@ Waldgänger aus Schwaben

"Mein nächster Urlaub führt mich in die Schweiz…"

Bitte viele Fränkli mitbringen! Andernfalls zeigt Ihnen "Insel und Leuchtturm der Freiheit" die kalte Schulter. Das kann frustrierend sein.

Nordlaender
11. Februar 2014 09:53

@ F451

"Ganz abgesehen von der PI und WfD Fraktion die sich selbst, durch Begriffe wie linke Faschisten und rote SA, in ein gutes Licht rücken will."

Dem Hirnschmerz, wenn einer mit Begrifflichkeiten wie "links-grün-alternativ-islamofaschistisch" operiert, setze ich mich aus einer gewissen Eigenliebe heraus schon seit längerer Zeit nicht mehr aus.

Wäre ja auch schade, klärte man vor dem Diskurs, was denn den "Faschismus" nun ausmache. So manches absurde Theater müßte dann gleich schließen mangels geeignetem tragi-komischem Spielmaterials.

Rumpelstilzchen
11. Februar 2014 10:33

Ja, auch so eine harmlose Familienreise nach Rom, vorbei an einem Pfundshaus, zeigt, daß man lechts und rinks verwechsern kann.
Ne'Destra ne'Sinistra AVANTI
Und Sebastien soll gläubiger Katholik sein.
Wie passt das alles zusammen ?
Auch Romano Guardini ( gläubiger Katholik) beschrieb dieses Sehnsuchtsland Italien:

" Kaum hatte ich italienisches Land betreten, da fühlte ich viel Bedeutungsvolles mich ansprechen; darunter aber etwas, das sehr traurig machte. Was Europa ist, trat mir entgegen; was Zugehörigkeit zu einem Volk, die des Blutes, aber auch die der Treue und des Geistes....
Das alles war groß und stark. Es war nicht jenes Traurige. Dies war: Ich fühlte, wie um mich her ein großes Sterben begonnen hatte...
Sieh, was droben im Norden schon fast vollendet ist, sah ich hier anheben. Ich sah die Maschine in ein Land einbrechen, das bisher Kultur gehabt."

Auf Guardinis Klage antwortet ein Einheimischer:

"Es ist nun mal so. Unser Land soll arm bleiben, und unser Volk soll auswandern müssen, damit ihr eure romantischen Bedürfnisse hier befriedigen könnt !"

aus: Guardini, Briefe vom Comer See, 1926

Wo werden in einer globalen Wirtschaft romantische Bedürfnisse befriedigt ?
Oder: Lustig war das Zigeunerleben.

Rainer Gebhardt
11. Februar 2014 11:18

Faschistische Strategie? Mumpitz.
Der Begriff löst in Italien andere Assoziationen aus als hier. Schon rein ideengeschichtlich ist der ital. Faschismus schwer oder gar nicht auf den „deutschen Begriff“ zu bringen. Der ital. Faschismus ist, viel mehr als das in Deutschland der Fall war, immer auch ein ästhetisches Phänomen gewesen. Da mischt sich Fien-de-Siecle-Decadence (d’Annunzio) mit Futurismus (Marinetti) und Neoklassizismus – ohne daß die eine oder andere Stilrichtung offizielle Staatsdoktrin wurden. “Entartete Kunst“ – das gab es Italien nicht, genauso wenig wie Rassebestimmungen der Kunst. Trotz „römischer Mythologie“ (viel Zement und viel falscher Duce-Zauber) blieb der Futurismus eine Stilrichtung im fasch. Staat. Und von hier aus führten immer Seitenausgänge zur künstlerischen Avantgarde; Leute wie Marinetti ließen sich nicht vorschreiben, was Kunst ist oder zu sein habe; Dichter wie Pound blieben selbst dann anschlußfähig, als sie im Käfig saßen. Hemingway an Allen Tate: "Sie dürfen den Kerl (Pound) weder hängen noch sonst irgendwie zum Märtyrer machen. Er gehört in die Klapsmühle, darauf hat er Anspruch. Wir wissen auch, was für ein großer, tiefer und guter Dichter er ist und was für ein großzügiger, wirklich nobler Mensch er war."
Wer Hemingway gelesen hat oder, (das ungerechte Diktum Gehlens ignorierend) heute noch liest, erfährt, wie die ästhetischen Kampfbegriffe Krieg/Männlichkeit/Schmerz/Tod die Avantgarde faszinierte. Hemingway sah in Pound immer den Dichter, dem er mehr als allen anderen zu verdanken hatte. 1954 schreibt er an Pound, der immer noch im Knast sitzt: "Nimm, wenn Du kannst, die Medaille (den Nobelpreis) und diesen Scheck (1.000 Dollar) an."

Faschistische Strategie? In Deutschland? Das ist Idiotie . Kositza hat recht: Wir sind längst ausgegoogelt, und das Etikett „Fascho“ haben uns andere schon aufgeklebt. Es reicht, sich rechts anzusiedeln – dann fliegen schon genug Steine. Für die JF geschrieben? Und tschüß! Bei Sezession gebloggt? Daumen runter!

Dort ist der Wald, da wollen wir hingehen...Robert Frost:

„The woods are lovely, dark, and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.“

Martin Lichtmesz
11. Februar 2014 13:41

@ Mauretanier

Na, wissen Sie denn nicht mehr, in jungen Jahren bin ich hier unter Faschist aufgetreten, bis mir ihr geschätzter Kollege Lichtmesz eine Namensänderung angetragen hat …

Insofern war es nur bedingt hilfreich.

Sie haben halt vergessen, Ihren vollen Namen dazuzuschreiben, damit das Bekenntnis zu ihrem Lifestyle auch richtig schön Wirkung zeigt. Wobei ich Zweifel habe, ob das außerhalb von römischen Subkulturen den gewünschten Effekt bringt. "Hilfreich" sind Kommentatorennamen dieser Art für unsere Seite auch nicht gerade. Toleriert habe ich es leider lange genug.

benitomussorgsky
11. Februar 2014 14:00

als ich mit einem casapoundisten vor drei jahren zum letzten mal bei einem mokka mich unterhielt war es mir nicht klar, wie es funktioniert. aber gerade in deutschland klappt es besonders gut, vorausgesetzt natürlich, intelligenz und weltläufigkeit...und schon haben wir wieder das alte problem mit den lieben volksgenossen. denn bei diesem grunddefizit hilft gar nichts: weder distanzieren noch bekennen. tut mir wirklich leid für euch (die es im einzelnen betrifft).

Kositza:Non capisco, Entschuldigung? Liegt mein Nichtverstehen Ihres Einwands etwa auch an meiner mangelnden Weltläufigkeit? Was, bitte, klappt bei Ihnen in Deutschland besonders gut?

Peter Niemann
11. Februar 2014 16:43

Berichte dieses Familienglueckes und -erlebnissen klingen vor dem Hintergrund der Regenbogenolympiamannschaft, der Homosexualitaetsaffinitaeten unserer Gesellschaften, der Wirtschaftsdurchdringung uns aller, der Gedankenmaulkoerbe etc.so realitaetsnah wie wenn Alice Schwarzer guetig waere oder Klaus Wowereit seine Inkompetenz zugaebe. Aber es gibt diese wenigen Sphaeren der Ruhe und privaten Normalitaet noch! Daher Danke fuers Teilhabenduerfen dieses Glueckes und seiner Eindruecke.

Waldgänger aus Schwaben
11. Februar 2014 18:17


Ziehst im Nebelflor daher,
Such’ ich dich im Wolkenmeer,
Dich, du Unergründlicher, Ewiger!
Aus dem grauen Luftgebilde
Tritt die Sonne klar und milde,

(aus der Schweizer Nationalhymne, dem Schweizerpsalm)

@Rainer Gebhardt

Bitte viele Fränkli mitbringen! Andernfalls zeigt Ihnen „Insel und Leuchtturm der Freiheit“ die kalte Schulter. Das kann frustrierend sein.

Ein Gespenst geht um in Europa , das Gespenst des "Nationalismus". Der FN in Frankreich liegt bei 24%. Allerdings noch immer weit weg von einer Mehrheit, mit der etwas bewegt werden könnte.
Dagegen hat das Schweizervolk etwas bewegt. Es hat entschieden. Gegen die unbegrenzte Zuwanderung, die Motor ist der Teile-Und-Herrsche-Strategie der EU-Nomenklatura.

Das Bild von hässlichen, hinterwälderischen, dummen, geldgierigen, amoralischen Schweizer werden uns deshalb die mainstream-Medien in den kommenden Monaten schon noch ad-nauseam vorhalten. Homophobie als große Bedrohung ist jetzt wohl durch. Wir brauchen dieses Bild des Schweizers nicht jetzt schon in vorauseilendem Gehorsam internalisieren.

PS:
Übrigens "Fränkli" sagen nur Deutsche, vorwiegend aus dem Norden, das Schweizer Dialektwort ist "Stutz".

PPS:
Die AfD hat das Ergebnis des Schweizer Referendums uneingeschränkt begrüßt, ebenso wie sie sich hinter die online-Petition gegen das "Bildungs"plan 2015 gestellt hat. Der (national)-konservative Flügel in der AfD hat an Stärke gewonnen (gegen den wirtschaftstliberalen). Ein Umstand, die SiN schon auch mal würdigen könnte.

Nordlaender
11. Februar 2014 21:48

@ Waldgänger aus Schwaben

"Das Bild von hässlichen, hinterwälderischen, dummen, geldgierigen, amoralischen Schweizer werden uns deshalb die mainstream-Medien in den kommenden Monaten schon noch ad-nauseam vorhalten.

Ha! Wohne - je nach Perspektive - zwar nicht in der Schweiz, jedoch unmittelbar vor bzw. hinter einem riesengroßen Wald.
Zum Hinterwäldlertum kann ich nur anraten hier.
Gibt es denn noch etwas Schöneres? Drei Male die Woche eine sehr lange Laufrunde, ehe ich mich dem allzu billigen, allzu gewöhnlichen Ritual der Ewigheutigen anschließe, mich vom täglich angepriesenen Wohlfühlerlebnis des "Schoppings" bespaßen zu lassen, dann vielleicht doch noch lieber dieser oder jener gemütlichere Gang durch die Einsamkeit zusätzlich.

Gegen Moral habe ich allerdings nicht das Geringste, wenn es denn auch die meinige ist und nicht gerade die des Feindes.

Rumpelstilzchen
12. Februar 2014 07:16

Welt online berichtet heute vom Schweizer Protest gegen den globalen Kapitalismus:(Alain Posener)

Diese Tendenz, so Barber, bringe zwangsläufig eine Gegenbewegung hervor, die er mit dem Kürzel "Dschihad" versah: eben nicht nur den unheiligen Krieg der Islamisten, sondern eine Fülle separatistischer, nativistischer und kulturkonservativer Bewegungen, die auf die Welt als Marktplatz – besser: als Shoppingmall – mit dem Wunsch nach dem Tante-Emma-Laden, nach dem Eigenen, nach Gemeinschaft des Glaubens, der Kultur oder des Bluts reagieren. Das neueste Beispiel dieser Gegenbewegung ist die Volksabstimmung in der Schweiz gegen die Zuwanderung aus der EU.

Na, der Freunde werden es doch mehr.

benitomussorgsky
12. Februar 2014 09:36

Liebe Frau Kositza,

es hat, mit Verlaub, eher etwas mit der anderen (Heraus)Forderung zu tun, was allerdings nur eine Vermutung von mir ist. Wir entwickeln uns ja alle.
Ich kenne auch andere Personen, die zur Unzeit Bekenntnisse lieferten, für die es in ihnen (noch) keine Wirklichkeit gab. So etwas büsst man, unter Umständen, sein Leben lang. Aber es hat so gut wie nichts mit einer bestimmten ideologischen Konstellation, in der man agieren muss, zu tun.

Das führt zu Erfahrungen zurück, die sich nur unter vier bis sechs Augen, respektive Ohren, mitteilen lassen. Aber wirklich wertvoll für den Einzelnen sind eben nur diese nicht-kommunizierbaren Erfahrungen.

Hochachtungsvoll

Stil-Blüte
12. Februar 2014 16:03

Beim Bereisen und Betrachten des Sehnsuchtslandes Italien, resp. Rom, Xenophilie-/phobie und andere Phänomene der Schweiz einzubeziehen, ist nicht abwegig, machten doch die Reiselustigen, Sehnsüchtigen, Flüchtigen und Flüchtlinge ausgiebigen Gebrauch von der Schweiz, bevor sie in Italien landeten/strandeten. Nicht wenige blieben der Schweiz für immer verbunden. Wer einmal Zürich wie Rom durchstöbert hat, wird überproportional zu der Anzahl der Einheimisichen eine unglaubliche Anzahl von Berühmtheiten (die teilweise auch berüchtigt waren/sind) aus der Fremde finden, die sich dort tummelten und immer noch tummeln.

Auch wenn sie heute nicht mehr Einstein, Rosa Luxemburg, Thomas Mann, Richard Wagner, Brecht, Richard Strauß, Semper, sondern Udo Jürgens, Tina Turner oder einfach 'Schweizer Konto' heißen, die Schweiz erträgt sie alle, die Kommunisten, Anarchisten, Hungerleider, Steuerbetrüger, Dadaisten (vorbei! Café Voltaire - schrecklich!), und sehr, sehr viele kapriziöse, aparthe Persönlichkeiten jüdischer Herkunft.

Und weiter? Meine Vermutung: Die Dominanz deutscher Strebsamkeit an dem Ort reformatorischer Strebsamkeit kommt wsich in die Quere. Für uns sollte die Frage warum diese Deutschen in die Schweiz auswandern sein, sondern warum sie ihre deutsche Heimat verlassen.

Die Schweiz als Ferienland ist teuer? Ja, und wie. Es gibt nichts, was in unserem Sinne preiswert ist. Aber: Die Reisekosten sind gering. Zürich hat z. B. exzellente Freizeitvergnügen (Frau Kositza aufgepaßt, keine Langeweile auf den Hintersitzen des Autos, denn der öffentliche Nahverkehr, sogar auf dem Züri-See, segensreich). Badevergnügen im Züri- See, auch mitten in der Stadt die kostenlosen Natur-Wasser-Rutschbahnen auf dem Limmat, Ausflüge in die Natur und Kulturlandschaft rund um den Züri-See noch und nöcher, geeignet für alle Altersklassen. Und - wenn noch jemand mit dem altmodischen Wort 'zuvorkommend' was anzufangen weiß, garantiert, dort findet man diese Eigenschaft.

Aber bei allem Verständnis für das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung - die Einwanderer aus jenen Ländern Europas, die sich heute EU-Länder nennen - und um die geht es bei der Volksabstimmung - haben Helvitien seit Generationen geistig und materiell in jeder Hinsicht bereichert. Die Schweizer haben diese Affinität zur Schweiz nicht nur toleriert - was allein schon eine großartige Leistung eines kleinen Bergvolkes wäre -, sie haben das Kalkül des protestantisch (Uhren, Textil) und jüdisch geprägten Erwerbssinnes (Banken, Theater, Kunst, Architektur) immer geschätzt und gefördert. Und jetzt - Stop? Pusten. Denn es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wurde.

So viele Berge schützend um die Schweiz auch stehen mögen: Die Schweiz ist fragiler als die 'Bergwacht' verheißt. Flachbauten/-köpfe für die EU, Plattmachen/Asphaltierung anderer Meinungen, Betonklötze/-köpfe, Abriß der Tradition: Die (Post-)Moderne macht nirgendwo Halt. Die Großzügigkeit der Schweiz gegenüber Anderen fällt auf sie selbst zurück.

Helga Müller
15. Februar 2014 08:52

Ich war noch nie in Italien. Hier habe ich mich gefühlt, als wäre ich gerade dort gewesen. Danke für den Reisebereicht einschließlich der Leserbeiträge.

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