Das war’s. Diesmal mit: Sex-Tabu, Gaskammern und Geheimfreunden

17.2. 2014

Unter den zahlreichen Botschaften, die einem tagein, tagaus mit dem Hinweis „kraß!“ gemailt werden, fand ich diesen hier doch in besonderer Weise verstörend. 12jährige Schüler einer Sekundarschulklasse schreiben hier über einen Sexualkundeunterricht, der sie beschämt hatte.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Erst muss­ten wir «Sex-Tabu» spie­len, wel­ches wie ein her­kömm­li­ches im Han­del erhält­li­ches «Tabu» funk­tio­niert, aber nun nur mit Sex­be­grif­fen wie Oral­ver­kehr, Schwan­ger­schaft, Qui­ckie, Anal­ver­kehr und so wei­ter. Man­che von uns hat­ten Pro­ble­me mit eini­gen Begrif­fen oder woll­ten sie aus Scham nicht erklä­ren. Sie muss­ten es dann aber trotz­dem tun.

Als unse­re ältes­te Toch­ter vor vie­len Jah­ren Auf­klä­rungs­stun­den hat­te, hat­ten wir vor­ab das Gespräch mit der Leh­re­rin gesucht und uns Punkt für Punkt sagen las­sen, was im Unter­richt the­ma­ti­siert wer­den soll. „Kei­ne Sor­ge, es wird nichts Unge­wöhn­li­ches hin­ein­ge­tra­gen“, sag­te die Leh­re­rin damals, ich erin­ne­re mich noch gut an den Aus­druck des „Hin­ein­tra­gens“.

In der Tat war mei­ne Sor­ge unbe­grün­det. Es kamen bis­lang bei kei­nem Kind die berüch­tig­ten Sex­köf­fer­chen zum Ein­satz, es muß­ten auch kei­ne Bana­nen mit­ge­bracht wer­den, wie man es andern­orts hört. Behan­delt wur­den puber­tä­re Ver­än­de­run­gen und Schwan­ger­schaft, und wer unmä­ßig kicher­te oder unflä­tig wur­de, wur­de als unreif geschol­ten und muß­te das Klas­sen­zim­mer ver­las­sen. Gera­de ist das The­ma bei unse­rem Sohn dran. Dies­mal hieß es sogar, sowohl Kin­der als auch Eltern kön­nen über eine Teil­nah­me an jenen Unter­richts­stun­den ent­schei­den. Vor­bild­lich! Die­ser in der Bas­ler Zei­tung online publi­zier­te Bericht wirkt, das muß man sagen, nicht voll­ends wie von Kin­der­hand ver­faßt. Sei´s drum, inhalt­lich wird er stimmen.

Sexu­al­kun­des­kep­ti­sche Eltern sagen ja, Auf­klä­rung sei Fami­li­en­sa­che. Man stel­le sich vor, ein Papa wür­de sei­ne Kin­der exakt so auf­klä­ren, wie es die Auf­klä­rungs­be­auf­trag­te an die­ser Klas­se unter­nom­men hat – ihm wür­de die Höl­le heiß gemacht.

18.2. 2014

Über dem Feu­er­lö­scher im War­te­raum der Musik­schu­le hängt etwas Grü­nes. Es mag sein Jah­ren dort hän­gen, ich habe es nie beach­tet. Es scheint ein klei­ner Ver­bands­kas­ten zu sein, dar­auf steht: Holt­haus Medi­cal. Zwei Musik­schü­ler, bei­de viel­leicht elf, zwölf Jah­re alt, sit­zen mit mir her­um. Er: „Boah, total ver­rückt. Echt ver­rückt!“ Sie: „Was denn?“ „Er: „Die­ses Ding an der Wand da. Ich hab grad irgend­wie gele­sen: Holo­caust medi­cal.“ Sie: „Da steht aber Holt­haus.“ Er: „Ja, seh ich ja auch jetzt. Ich hab halt Holo­caust gele­sen.“ Sie: „Jetzt halt dei­nen Mund, du bist ja völ­lig pervers.“

19.2. 2014

Holt­haus ist über­all, irgend­wie. Kommt der Neun­jäh­ri­ge aus der Schu­le. „In Musik haben wir jetzt Mozart.“ -„Schön.“- „War der eigent­lich Jude?“ – „Mozart? Wie­so denn das jetzt?“ – „Weiß auch nicht. Die Frau B. hat gesagt, sie spielt uns was von Mozart vor. Hat sie getan. Und dann hat der J. [der Klas­sen­proll, E.K.] gesagt: Ja, kennt er. Der ist in der Gas­kam­mer ver­reckt, hat er geru­fen.“ – „Und die Frau B.?“ – „Die hat gesagt, die Bemer­kung sei daneben.“

J. ist dane­ben, so viel steht fest. „Der hat´s immer so mit Hit­ler“, sagt der Sohn. Woher aber die­se Asso­zia­ti­on? Aus einer Ahnung her­aus, daß das Gehör­te schön war, irgend­wie erha­ben? Und daß das Schö­ne doch sämt­lich in den Gas­kam­mern ende­te? Woher hat er das?

20.1. 2014

Naja, Maxim Bil­ler. Ich hal­te sei­ne Schrei­be in Kolum­nen und Roma­nen („Der gebrauch­te Jude“) für unaus­ge­go­ren und uner­sprieß­lich, er hat halt sein The­ma gefun­den, Ver­la­ge und Leit­me­di­en ver­öf­fent­li­chen ihn gern. Viel­leicht wird er weni­ger gern gele­sen, ich weiß es nicht. Sein jüngs­tes Buch steht bei ama­zon auf Platz 15.000. In der aktu­el­len ZEIT star­tet Bil­ler eine Sua­da gegen die „unglaub­lich lang­wei­li­ge“ deut­sche Gegenwartsliteratur.

Seit der Ver­trei­bung der Juden aus der deut­schen Lite­ra­tur durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten waren die deut­schen Schrift­stel­ler, Kri­ti­ker und Ver­le­ger jahr­zehn­te­lang fast nur noch unter sich,

schimpft Bil­ler. Gera­de die Abwe­sen­heit „jüdi­scher Ruhe­stö­rer“ tue „unse­rer Lite­ra­tur nicht gut“, sie sei dadurch immer “kraft­lo­ser und pro­vin­zi­el­ler“ gewor­den. Auch die Migran­ten hät­ten sich in ihrer Bel­le­tris­tik dem im „post­na­zis­ti­schen Deutsch­land“ angepaßt, es gäbe kei­ne wah­re Immi­gran­ten­li­te­ra­tur. Die paar Dut­zend erfolg­rei­che Autoren mit fer­nen Wur­zeln (Mar­ja­na Gapo­nen­ko, Zsu­za Bánk, Sasa Sta­ni­sic, Fer­i­dun Zai­mo­g­lu, Melin­da Nadj Abon­ji, Selim Özdo­gan und ein paar Hand­voll wei­te­re) läßt Bil­ler nicht gel­ten, denn die nutz­ten ja nicht ihre „Mul­ti­lin­gua­li­tät und Fremd­per­spek­ti­ve“. Er klagt:

Kri­ti­ker, aber auch Ver­le­ger, Lek­to­ren und Buch­händ­ler sind zu 90 Pro­zent Deut­sche. Sie, als ech­te oder habi­tu­el­le Chris­ten, als Kin­der der Suhr­kamp-Kul­tur und Enkel von halb­wegs umer­zo­ge­nen Nazi­sol­da­ten, bestim­men, was gedruckt wird und wie, sie sagen, was bei Hugen­du­bel, Tha­lia und Duss­mann auf die alles ent­schei­den­den Ver­kaufs­ti­sche kommt, sie zah­len die Vor­schüs­se, sie ver­lei­hen die Prei­se, sie laden als Ver­le­ger zum Abend­essen ein.

Soll man die­se Sicht als Par­al­lel­welt kenn­zeich­nen oder benö­tigt man Ter­mi­ni aus der Psychiatrie?

21.1. 2014

Die zweit­jüngs­te Toch­ter (7) sagt, die S. (eine Klas­sen­ka­me­ra­din) sei jetzt ihre Geheim­freun­din. „Also, wir sind nur im Gehei­men befreun­det. S. sagt, wenn die L. erfährt, daß S. mit mir befreun­det ist, dann ist die L. nicht mehr die Freun­din von S.” Der Vater sagt: „Dann laß die­se Freund­schaft. Hast du nicht nötig.“ Ich hin­ge­gen rate zu. Ist nicht schön, aber so sind die Men­schen. Als Ver­le­ger ken­nen wir das doch gut.

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (14)

Trouver

22. Februar 2014 23:46

@Enkel von halbwegs umerzogenen Nazisoldaten:

das geht immer und wird immer gehen, bis jene Enkel endlich anfangen darüber zu LACHEN.

Ein Fremder aus Elea

23. Februar 2014 08:12

"[...] die Bemerkung sei daneben."

An jenem letzten Wort liegt's: Keine leichten Bemerkungen über das Leid anderer.

Die Lehrerin hätte "Unsinn!" sagen müssen, um auf die sachliche Inkorrektheit hinzuweisen, "daneben" ist - normalerweise - nicht sachlich falsch, sondern situativ.

Kositza: Na, das ist doch Rabulistik. Mag sein, daß die Leherin auch Quatsch, Unsinn oder Halt deinen Mund gesagt hat. Ich war nicht dabei.

Gustav Grambauer

23. Februar 2014 08:53

Es geht noch weiter:

Im Speigel darf heute ein Strolch vom Psycho-Industriellen Komplex kinderschänderische Abgründe offiziell in eine Reihe mit "sexuellen Präferenzen" stellen.

Dies Leute ahnen noch gar nicht, was da für eine Honigfalle aufgestellt wurde.

Der Wind wird sich drehen, und das Internet vergißt nichts.

Mao: "Laßt tausend Blüten blühen." - "Und dann schlagen wir sie alle ab".

- G. G.

Th.R.

23. Februar 2014 09:47

Über Biller ist im Netz zu lesen:

"Maxim Biller wurde als Kind russisch- jüdischer Eltern 1960 in Prag geboren."

Zur Erhellung der Billerschen Motivlage wichtig zu wissen. Dieser Umstand erklärt einiges.

Im Übrigen wollte ich Sie schon immer mal auf ein monatlich stattfindendes Ereignis in ihrer näheren Umgebung hinweisen, das ganz nach dem Geschmacke Ihrer Familie sein dürfte:

Der Antik - und Trödelmarkt auf dem Agragelände in Markkleeberg im Süden Leipzigs. Sehr gut über die A38 zu erreichen. Er findet jeweils zweitägig den letzten Samstag und Sonntag im Monat statt.

Dieser Markt ist keineswegs so ne kleine Klitsche mit ner Hand voll Anbietern, sondern wohl mittlerweile der größte in Deutschland mit mehreren hundert Händlern und mehreren tausenden Besuchern monatlich.

https://www.leipzig-leben.de/antik-und-troedelmarkt-agra-leipzig/
https://www.agra-veranstaltungsgelaende-leipzig.de/texts/agra-troedelmarkt.html

Heute ist noch. Nächster Termin wäre der 29. und 30.03.2014.

Kositza: Danke, guter Tip!

Rumpelstilzchen

23. Februar 2014 12:06

@ Maxim Biller

Gegen die Zwangsmigration der in Leitkultur-Kitas aufgewachsenen Migrantenkinder hilft nur eines. Ein guter Deutschunterricht für Türken.
Guckst Du:
https://m.youtube.com/watch?v=mPH7ZIGZ4BE

Ansonsten unterscheide ich nur zwischen guter und schlechter Literatur.
Gute Bücher von habituellen Muslimen würden mich allerdings interessieren.
Gibt es da Empfehlungen ? Und ich meine nicht Akif Pirrinchi.
Der redet wie ein Enkel von halbwegs umerzogenen Nazisoldaten.
Und zwar habituell.

Urwinkel

23. Februar 2014 12:20

Sehen Sie Th.R, die Leute wissen nicht mehr wohin mit ihrem Nachlasskrempel. Diese Trödelmärkte sind landesweit bestens organisiert. Man wird dort für seine Sammellust entweder verhönt oder gelobt, aber niemals geehrt. Sonst könnte man ja selbst Trödler werden. Aber es stimmt, Trödelmarkt am Wochende ist (mir) ein gutbekanntes Ritual. Durch das staubige "heute billig, morgen teuer"-Geschrei durch, sind immer wieder Schätze zu bergen. Das wirklich beste sind die abschließenden Sonntags-Abendessen unter Trödelnerds: Schaut mal was ich heute geschossen habe. Wie bei Jägern und Trophähensammlern. Irgendwann ist die Bude voll aber jeder will ewig leben, und das braucht Raum. Das beißt sich, und trödeln ist oft heimliche Folklore ohne zeitliche, räumliche und inhaltliche Ordnung; der reinste Zirkus mit Fressbuden und manchmal auch Eintrittsgeld (die einzige Ordung). Wer die Zeit dazu hat, bitte. Ich bin zu alt dazu. Das Wochenende gehört dem Garten.

Urwinkel

23. Februar 2014 13:14

Und eins vergaß ich zu sagen: Frauen unterscheiden sich in ihren Interessen auf so einer Schnäppchentour von ihren Männern. Für Leute, die das immer noch nicht wahrhaben möchten, sei ein partnerschaftlicher Ausflug hin zum nächsten Trödelmarkt ratsam. Kaum zu toppen als Feldstudie.

Revolte

23. Februar 2014 16:16

Diesen Biller musste ich erst mal bei Gugel suchen.
"Enkel von halbwegs umerzogenen Nazisoldaten", die mit geradezu mafiösen Strukturen die Buchhandlungen judenfrei halten. Das klingt ja wie eine Verschwörung des Weltdeutschentums. Naja, wenn man sonst keine Wehwehchen hat, als sich "jüdische Ruhestörer" (zählt Broder nicht?) und Migrantenliteratur mit Fremdperspektive zu wünschen...

Richtig abstoßend finde ich diese Meldung:

Antifa e.V. fordert Zwangsvergewaltigungen von “volksdeutschen” Frauen

https://www.pi-news.net/2014/02/antifa-e-v-fordert-zwangsvergewaltigungen-von-volksdeutschen-frauen/

Man packt sich nur noch an den Kopf in dieser Republik.

Gutmensch

23. Februar 2014 16:21

Unter den zahlreichen Botschaften, die einem tagein, tagaus mit dem Hinweis „kraß!“ gemailt werden, fand ich diesen hier doch in besonderer Weise verstörend.

Hm, ja ... "kraß" finde ich vor allem, dass sich Eltern mit solchen Sorgen an die Zeitung wenden. Denn, wie Sie schon ganz richtig sagen, Frau K.: Man stelle sich vor, ein Papa würde seine Kinder exakt so aufklären, wie es die Aufklärungsbeauftragte an dieser Klasse unternommen hat – ihm würde die Hölle heiß gemacht.

Nun habe ich den verlinkten Artikel zwar bloß überflogen - aber es kann gut sein, dass sie damit richtig liegen. Doch wenn´s so ist, will sich mir nicht recht erschließen, weshalb die Leute nun irgendwelchen "Tanten", die ihre Kinder heimsuchen, einen Rabatt gewähren, der ihnen selber garantiert nicht gewährt werden würde und anschließend zielsicher dort petzen gehen (Zeitung), wo es erprobter Maßen nichts nützen wird. Aber sie gehen ja auch demonstrieren, die besorgten Eltern, und lassen sich und ihre Kinder dabei nochmal verhauen - muss man wohl nicht alles verstehen.

Gruß,

G.
Kositza: Ich stelle mir vor, daß die Eltern ihr Unbehagen zunächst schulintern vorgetragen haben. Und weil es nichts genützt hat - es war ja bereits der zweite Besuch der "Sextante" - haben sie eben die Öffentlichkeit gesucht. Das ist doch gar nicht so schwer nachzuvollziehen?

RL

23. Februar 2014 17:33

Wenn dem Herrn Biller zuviele Deutsche im deutschen Literaturbetrieb sind, kann er doch woanders hingehen. Es zwingt ihn doch niemand so etwas schlimmes weiter zu ertragen.

Kositza: Wobei das ein dünnes Argument ist. Oder man müßte erweitern: Alle, die irgendwelche Zustände hierzulande kritisieren, könnten doch bitte schön woanders hingehen.

Ein Fremder aus Elea

23. Februar 2014 20:27

RL,

doch gerade nicht, er ist ja nicht so, er ist die Abhilfe.

Im Deutschen heißt's: "Eigenlob stinkt!" und im Estnischen: "Wer soll des Hundes Schwanz heben, wenn nicht er selbst?"

Ich häng da ja nicht so drin, aber es würde mich schon überraschen, wenn der deutsche Literaturbetrieb sonderlich interessant wäre.

Nun ja, interessant für wen? Ist natürlich sehr subjektiv - lachhaft subjektiv.

Juden als Provokateure? Darauf läuft's ja quasi hinaus, was Biller sagt. Mag was dran sein, so grundsätzlich, aber heute im Nachkriegsdeutschland wahrscheinlich auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, da fehlt die Lockerheit.

Mag ja genug lockere Juden geben, aber die kriegten bald was zu hören, von allen möglichen Seiten.

Letztlich hat jede Gesellschaft das Geistesleben, welches sie verdient. Der einzige Trost aus deutscher Sicht läge in einer quasi platonischen Perspektive: "Die Dichter! Pah! Die sollte man sowieso verbieten und stattdessen über ernste Dinge sinnen! Eine Gefahr für die Jugend, verderben nur ihre Vorstellung von den Göttern!"

Ja, 's ist schon seltsam, wer sich den Schuh alles anziehen kann!

Und wenn's anders wär'? Wenn sich Deutschland lauter hippe Weltenbummler leistete, welche mit ihren Kollegen im Rest der Welt in warmer Fühlung stünden?

Uuaahh! Aber das wär's wahrscheinlich, da gäb's sozusagen einen Markt für.

Den repräsentativen Amerikaner in Berlin, welcher sich mit Deutschland aus seiner Sicht beschäftigt, kann's doch schon deshalb nicht geben, weil er genauso Produkt der medialen Formung ist wie der repräsentative Deutsche und ein Bedarf an der Abgleichung unterschiedlicher Paßformen gerade nicht besteht, um nicht deren Widersprüche offenzulegen.

Aber ich tue Biller Unrecht. Gerade Richtung Osten gäbe es durchaus Kommunikationsbedarf. Aber auch das ist nicht gewollt.

Trouver

23. Februar 2014 20:37

Lieber Revolte, dort steht u.a. "Deutsche sind keine Menschen". Aber fuer was halten sich die Urheber dieses Spruchs? Und den Engels? Und den Liebknecht? Fuer entdeutscht? Die Entdeutschten, die skurillerweise nur in Deutschland einzutreffen sind und die verhasste deutsche Sprache unbedacht benutzen (ich sage - missbrauchen) um ihre Botschaften zu verteilen.

Stil-Blüte

24. Februar 2014 01:19

@ RL
Das haben Herrn Biller schon viele geraten, aber diese Freude möchte er uns Deutschen nicht machen. Kennen Sie Maxim Billers Erstlingswerk 'Wenn ich einmal reich und tot bin' (Kiepenheuer & Witsch, 1990)? Durchaus erheiternd, boshaft, tabubrechend über das Binnenleben der Frankfurter Juden heutzutage. Da kann ich nur sagen: Der traut/e sich was!

eulenfurz

25. Februar 2014 20:42

Biller? Wer ist Biller? Wahrscheinlich der kleine Bruder von Billig.

An schöner und guter und wahrhafter Literatur gibt es nun wahrlich genug, zwar nicht in diesem Deutschland, aber in vielen anderen. Auf einen BiBaBiller könnte ein Volk der Dichter und Denker sicherlich verzichten, aber wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.

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