Sezession
5. März 2014

Politische Gewalt und geistige Brandstifter

Gastbeitrag / 15 Kommentare

kennt_ihr_den_anatois_verlagBeim Begriff der politischen Gewalt haben wir, gerade nach den letzten Wochen, die Bilder des Maidan-Platzes in Kiew, Putschversuche in Bananenrepubliken oder vielleicht noch – aber mit Abstrichen, weil nicht wirklich politisch – die alljährliche Gewalt am 1. Mai im Kopf. Jedenfalls scheint das für Nicht-Krawalltouristen weit weg. Manchmal genügt aber eine Fahrt nach Frankfurt am Main.

Eine Fahrt zu einem Vortrag von Manfred Kleine-Hartlage etwa. MKH ist als Sezession- und Buchautor für scharfe und treffende Analysen wie Formulierungen bekannt. Addiert man seine Möglichkeiten, Innenansichten linken Denkens beizusteuern, hinzu, macht es ihn augenscheinlich zu einem geeigneten Haßobjekt der Linken. Damit würde man den linken Mob aber deutlich überschätzen, der sich am Abend des 25.2 vor dem Veranstaltungsort zusammenrottete.

Eine sachliche Darstellung der Ereignisse wurde bereits hier veröffentlicht, sodaß ich nun weiterführende Gedanken einspeisen möchte.

Durch die Veranstaltungsgegner wurde ein Flugblatt verteilt, das eine auffällig unauffällige Tonalität hat, ja sogar durchaus richtige, beinahe sachliche Informationen enthält. Dieses steht in denkbar krassem Gegensatz zum Verlauf der „Gegendemonstration“. Rückblickend kann man es mir vermutlich als Mischung aus Größenwahn und Naivität auslegen, dass ich trotz der „medialen Aufmerksamkeit“ des vergangenen Sommers alleine durch die Meute hindurch wollte, denn das Flugblatt kannte ich natürlich nicht. Aber vom rotznäsigen Pennäler zum vermummten und bewaffneten Angreifer ist es dann doch noch ein erheblicher Schritt.

Jedenfalls wurde ich mit Namen „begrüßt“ und was sich dann ereignete, war nichts anderes als orchestrierte Gewalt. Vom koordinierten Anmarsch einer großen Gruppe, über den gestaffelten Angriff – erst unvermummt „light“, dann vermummt, bewaffnet und mit gezielten Schlägen gegen den Kopf – bis hin zur Strategie, die Vermieter von zukünftigen Vermietungen zu „demotivieren“, war das eine in gewisser Hinsicht beeindruckende Demonstration – auch wenn das Ziel der Gegendemonstranten, die Veranstaltung zu verhindern, verfehlt wurde.

Getreu Lenins Diktum „erschieße einen, erziehe hundert“ richtete sich diese Demonstration gegen die Besucher und Vermieter für solche Veranstaltungen. Für beide werden die Hürden zunehmend höher gelegt und irgendwann ist die Schmerzgrenze überschritten, wie zuletzt beim Logenhaus in Berlin zu besichtigen war. Das könnte man elaborieren, lohnt aber nicht.

Lohnender scheint mir eine Analyse der scheinbar widersprüchlichen Symbiose vermeintlich bürgerlicher CDU-Kräfte mit Antifaschisten. Zugegebenermaßen tauge ich wenig als objektiver Analyst der Karbener Verhältnisse, aber die fraktalen, also strukturgleichen Elemente dürften vielfältig übertragbar sein.

Zunächst dürfte es sich um ein Zweckbündnis handeln, bei dem jeder den anderen als nützlichen Idioten für eigene Ziele einzusetzen meint. Der bürgerliche Parteikarrierist, der auf die „progressive Karte“ setzt, kann die Antifanten als Kronzeugen herbeigelogener Diffamierung zitieren und muss nicht fürchten, von den ehemaligen linken Erzfeinden angegriffen zu werden. Gleichzeitig zwingt er den „paläo-bürgerlichen“ oder gar konservativen Fossilien in den eigenen Reihen das gleiche Bekenntnis ab. Ansonsten riskierten sie das gleiche Schicksal wie das Zielobjekt.

Die auch und gerade parteiinterne Wirksamkeit der Political Correctness ist hinlänglich erwiesen und dominiert mittlerweile sogar die Alternative für Deutschland. Man lasse sich daher bloß nicht von Gauweilers Reanimation oder dem Theaterdonner des „wer betrügt, der fliegt“ blenden.

Aus Sicht der Antifanten ist das Ganze noch großartiger. Der ehemalige Erzfeind kommt angeschleimt, bewirft einen mit Staatsknete, verzichtet mühelos aus Koalitionsraison auf die Demokratieerklärung (Extremismusklausel) und verlangt dafür...nichts. Ja, genau: gar nichts.

Die bekloppte Logik des Antifaschismus, die zu Zeiten des Kalten Krieges nur zynisches Gelächter erzeugte, wird sich bei der nächstbesten Gelegenheit natürlich auch wieder gegen die CDU und sonstige (Pseudo-) Bürgerliche richten. Dem aktuellen Profiteur ist das egal, der Parteibasis auch?


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Kommentare (15)

Rumpelstilzchen
5. März 2014 11:07

Die bekloppte Logik des Antifaschismus, die zu Zeiten des kalten Krieges nur zynisches Gelächter erzeugte, wird sich bei der nächstbesten Gelegenheit auch wieder gegen die CDU...richten

Ihr Einsatz für die Sache in allen Ehren, Herr Lichert, aber vielleicht kämpfen Sie an der falschen Front.
Die bekloppte Logik des Antifaschismus hat auch zu Zeiten des Kalten Krieges kein zynisches Gelächter erzeugt. Nein: Antifa und CDU-Bürgerliche passen zusammen wie der Arsch in die Hose. Sie brauchen sich.
Das wurde mir aber auch erst klar, als die Mauer fiel. In der JF Nr. 49/13
schrieb Karl Feldmeyer:

" Wir waren kaum mehr als ein gutes Dutzend, die im politischen Bonn bis zum Fall der Mauer kompromißlos für die Einheit eintraten. Daß die Mauer fiel, bewirkten nicht die Politiker, sondern zu ihrem Entsetzen das deutsche Volk...Als man im Bundeskanzleramt erfuhr, daß die Demonstranten in Leipzig "Wir sind das Volk skandierten" reagierten die bei Kohl Versammelten nach einer Schrecksekunde mit der Frage:"Sind das NPD-Leute von uns?" Das sagt alles über die Geistesverfassung und Begeisterung, die man im Oktober 1989 im Bundeskanzleramt über die Ereignisse in der DDR empfand."

Während hier einige immer noch auf die Bürgerlichen hoffen, marschiert der neue Feind schon durch die Institutionen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/guelen-bewegung-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen-12831578.html

Merke: in Deutschland beginnt alles immer mit einer Bewegung !

E.
5. März 2014 11:17

Ihrer Analyse, Herr Lichert, ist nichts hinzuzufügen. Es wird nicht besser werden. Ich würde Ihnen empfehlen, um sich gegen körperliche Angriffe der aufgehetzten Antifaschisten optimal zu schützen, regelmäßig Kampfsport zu betreiben, hier speziell die Hybriden Verteidigungstechniken (Krav Maga, KFM, Jabman, Kokkar Kempo usw.).

Carsten
5. März 2014 12:01

Junge Männer, die an "Temperaturerhöhung" leiden, suchen sich Kriegsersatz. Die einen gehen zu den Hells Angels, die anderen zu den Ultras oder zu den Salafisten. Die besonders Wohlstandsverwahrlosten gehen zur Antifa, denn die liefert den Zusatznutzen, dass man mit dem Gefühl einer Weltrettungsmission belohnt wird und seine Lust am Herumhoolen mit einer ganz einfach s/w-Ideologie verbrämen kann. Die Antifa bietet einen Ort für die niederträchtigsten Sadisten, denn während der Bandido, der Ultra des gegnerischen Vereins oder der Ungläubige im Mediendiskurs als gleichwertige Menschen angesehen werden, ist der "Nazi" der neue Untermensch. Wie schön, wenn man auch noch selbst bestimmen darf, wer "Nazi" ist.
Dass die Antifa, wie Martin Lichtmesz so treffend schrieb, der "bad cop" des imperialistischen Systems ist, kapieren diese Honks nicht mal. "No Nation, No Border" ist exakt die Leitlinie der Globalisierungs-Konzerne! Diese Hohlbirnen werfen Bankfenster ein - dabei lieben Banken die Antifa!

Theo
5. März 2014 14:41

Kenne Antifas persönlich, die würden gerne töten, "Bullen abschlachten", das ist kein Kokettieren.

> Getreu Lenins Diktum „erschieße einen, erziehe hundert“
Auch wenn ich wieder gelöscht werden sollte, das war Mao, und er wollte (erst mal) "strafen".

Trouver
5. März 2014 15:36

Deutschland erlebt den Hongweibing.

Ausserpolizeiliche staatliche Gewalt gegen Dissidenten, welche Dissidenten nach Ansicht v. Fr. Merkel "nicht hilfreich" sprich überflüssig seien.

Die Hongweibings übernehmen diesen Auftrag, weil sie unbelastet sind und das dürfen, was die Polizei noch nicht so leicht darf - das Gesetz mit Füssen zu treten.

Trouver
5. März 2014 15:43

@Junge Männer, die an „Temperaturerhöhung“ leiden, suchen sich Kriegsersatz. :

Lieber Carsten, die "jüngen Männer" genießen ihr Recht auf Ehrlosigkeit und die von Fr. Merkel garantierte Immunität, weil sie den buntesrepublikanischen Staatsauftrag vollstrecken - sie entdeutschen dieses land.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Garde_(China)

Jan
5. März 2014 18:36

solche infantilen Sätze, wie

Die einzig denkbare, aber gleichsam sehr erstrebenswerte Reaktion kann an der bürgerlichen Basis der CDU/CSU stattfinden.

zwingen gerade zu, diese Netzseite Artikel dieses Autors nie wieder zu lesen.

Waldgänger aus Schwaben
5. März 2014 18:42


»Gehen wir davon aus, dass es um die Weitergabe deutschen Erbgutes nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht mehr gehen kann: Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn die Deutschen aussterben sollten (was ohnedies noch ein paar Jahrhunderte dauern dürfte)? Das Territorium, auf dem sich derzeit [!] Deutschland befindet, könnte der Natur zurückgegeben oder (das ist wahrscheinlicher) von anderen Menschen besiedelt werden.«

Prof. Ute Sacksofsky. (Juristin)
Zur Begründung warum sie Familienpolitik überflüssig findet.

Zitiert nach
Arschtritt aus dem Führerbunker

Die Dame war von der SPD als Justizministerin in Hessen vorgesehen.
Im Zeitalter des Internets bleiben solche Äusserung freilich nicht in den kleinen Zirkeln für die sie bestimmt waren.

Nordlaender
5. März 2014 21:47

@ Waldgänger aus Schwaben

"Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn die Deutschen aussterben sollten (was ohnedies noch ein paar Jahrhunderte dauern dürfte)?"

Meine Güte, bei diesen Sozialdemokraten mahlen die Mühlen aber auch langsam!
Das geht unter der fortschrittlicheren Christlich-Demokratischen Union denn doch ein bißchen flotter. Wir sollten alle sehr nett zu den "Zukunftsdeutschen" sein, sie mit einer "Willkommenskultur" begrüßen, meint der Staatsbürger der VSA, der Deppen Lücken Schreiber und Ausländerbeauftragte der Christlich-Demokratischen Union in Sachsen, der selbsternannte "Martin Gillo":

"Zukunft mitgestalten!
Ab 2035 beginnt ein neues Zeitalter in Deutschland ...

Wir Deutschen sind manchmal zu erfindungsreich, und so haben wir auch schon eine Bezeichnung dafür gefunden: Die Bio-Deutschen und die Pass-Deutschen. Wer das für eine angemessene Beschreibung hält, den möchte ich daran erinnern, dass diese Unterscheidung von den rechten Anti-Demokraten kommt. Bei denen gibt es auch solche, die versucht haben, Passdeutsche durch Terror und Mord aus Deutschland zu vertreiben. Siehe den selbsternannten Nazi Untergrund...

Ab 2035 beginnt ein neues Zeitalter! Es wird ein Zeitalter sein, in dem wir Herkunftsdeutschen in unserem Land die Minderheit darstellen werden. Wie werden wird dann behandelt sein wollen? Freundlich, höflich und dazugehörig zu den Zukunftsdeutschen? Oder werden wir uns damit zufriedengeben, als geschützte Minderheit zumindest geduldet werden? Ist es okay, wenn wir dann so behandelt werden, wie wir die Zukunftsdeutschen heute noch oft behandeln?"

http://www.martin-gillo.de/aktuell.asp?mid=0&uid=0&iid=247null

Dieses Mal haben wir es gewußt. Sich im Weltnetz informieren zu können, ist heuer eine unverzichtbare Kulturtechnik so wie die Beherrschung des Schreibens und des Bürgerlichen Rechnens. Wer heute noch die Christlich-Demokratische Union wählt, macht sich mitschuldig an dem Verbrechen.

Apropos Verfassungsschutz ... äh ... "Braune Armeefraktion" (SPIEGEL, sic), also, ich meine natürlich den "Nationalsozialistischen Untergrund", auf den sich der Amerikaner Gillo bezieht: Wer ganz hart im Nehmen ist und wirklich absolut schwindelfrei, der kann es riskieren, mal dieses Interview mit Wolfgang Eggert durchzulesen:

http://julius-hensel.com/2014/01/nsu-tiefer-staat/#more-28465

alex
6. März 2014 00:23

Ich bin ehrlich langsam nicht mehr in der Lage solche Artikel zu lesen. Nichts fuer ungut aber - bitteschoen - wer ist genau hier davon noch ueberrascht?
Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis wir zum Abschuss freigegeben sind. Das wird auch nicht verlautbart oder offiziell geregelt.
Der Tag wird lediglich kommen, an dem der Inhaber des Gewaltmonopols sich nicht mehr in Bewegung setzen wird, wenn wir kaputt/totgeschlagen werden.
Dann wissen auch die Psychopathen in der Antifa, dass sie jetzt auch mit Mord davonkommen werden.
Weswegen machen die denn Photos von uns, sammeln unsere Namen und unsere Adressen? Um uns Weihnachtskarten zu schicken?
In deren Sicht haben wir nicht nur kein Recht auf Meinungsfreiheit sondern auch kein Recht aufs Leben.

Strogoff
6. März 2014 10:17

@Alex

Sie sollten wirklich mal einen Monat lang von solchen Artikeln fernbleiben oder sich ein Ventil suchen. Haben Sie einen Boxverein in der Nähe?
Da könnten Sie dann zudem noch das fehlende Gewaltmonopol ausgleichen, wenn es denn dann mal nicht mehr greifen sollte.

Andrenio
6. März 2014 12:00

@nordlaender:
Danke für den Link "Hensel". Ausser bei Compact selten so viel Aufschlussreiches zum Thema gelesen!
Eigene Erfahrungen aus der RAF-Zeit zeigen: 1. Der Mob ist feige; Angriff nur bei großer Überzahl oder überraschend aus dem Hinterhalt. 2. Konsequentes Dagegenhalten führt zum sofortigen Zurückweichen. Allerdings müssen Gegendrohungen konsequent engehalten werden, wenn die Linie überschritten ist.
@E:
Ja, Kampftechniken gehören unbedingt dazu, will man nicht gleich auf der Verliererseite stehen.
Hut ab vor jedem, der sich solchen Gefahren aussetzt!

Trouver
6. März 2014 22:52

Werter Strogoff, was wollen Sie damit sagen? Dass er, etwa, im Unrecht ist. Doch, werter Strogoff. Es kommt just so, wie er geschildert hat. Und die Erfahrung ueber aussergesetzliche Hinrichtungen bietet die Linke nach dem zweiten WK ganz grosszuegig: siehe Pol Pot.

Findling
7. März 2014 21:01

In unserer Welt ist der Mensch des Menschen einziger Maßstab.
Darum wird diese Welt uns zur Hölle.

Wenn jetzt ein entscheidender Dominostein fällt, verglüht unsere alte Welt.
Nicht einmal 1939 war sie in ihrer Gesamtheit so labil wie heute.

Niemand kann heute von 2035 reden, da niemand weiß, was nach Ausbruch des Supervulkans sein wird.

Der Artikel bringt vieles auf den Punkt. Heilen kann er allerdings nicht.

Thomas Wawerka
10. März 2014 10:43

Noch ein Gedanke zum Szenario von Martin Gillo: Wo haben die Kultur, das Wissen und die Werte der Antike das Mittelalter überstanden? In den Klöstern. Wie sollten die Kultur, das Wissen und die Werte von Asimovs "galaktischem Imperium" 30 000 Jahre Chaos überstehen? Durch die "Foundation". - Angesichts eines massiven Traditionsabbruchs wäre vielleicht Konzentration statt Kulturkampf angeraten, um das Erbe der Vergangenheit den nächsten Generationen zu bewahren und zur Verfügung zu stellen. - Was sie daraus machen, ist dann ihre Sache.

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