Sezession
3. März 2014

Demokratie-Akademie 2014

Nils Wegner

„We are lost / Born into slavery“ heißt es in Slavery Called Democracy von „A Challenge Of Honour“. Die Wurzel derartiger Gefühle zu ergründen und zu einer Auseinandersetzung mit „den Vor- und Nachteilen dieser Form der politischen Willensbildung“ hatte Erik Lehnert geladen, und die über vierzig Teilnehmer der vergangenen 14. IfS-Winterakademie aus BRD, Österreich und gar Schweden zeugten am vergangenen Wochenende vom Interesse an diesem Grundthema heutigen politischen Denkens.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Vom 28. Februar bis 2. März war man auf dem Rittergut Schnellroda zusammengekommen, um die wissenschaftliche Erkenntnis über Demokratie „an sich“ zu vermehren, und die facettenreiche Zusammensetzung des Auditoriums – von reinen Zynikern über identitäre Aktivisten bis hin zu ambitionierten AfD-Aufsteigern – stellte kontroverse Diskussionen sicher. Alle Teilnehmer einte jedoch die Erheiterung über die Dr. Karlheinz Weißmanns historische Einführung abschließenden Zitate, vor allem Jean Baudrillards zugespitztes Diktum: „Demokratie ist die große Menopause der Geschichte“ – also eine vorübergehende Phase der Unfruchtbarkeit.

Weißmann führte die Genese von Gedanken um die Installierung einer Eunomie, „guter“ Ordnung, im antiken Athen auf die Erfahrung einer Wandelbarkeit des bis dato gottgegebenen nomos zurück. Demgegenüber habe es auch von Anfang an kritische Stimmen gegeben, die er in „klassische“ sowie kulturphilosophisch „skeptische“ und „optimistische“ Demokratiekritik einteilte. Dennoch sei seinerzeit eine spezifisch indogermanische Herrschaftstradition manifestiert worden, wonach regierenden Einzelpersonen oder Gruppen stets ein Senat bzw. eine „Versammlung der Bewaffneten“ als flankierendes Entscheidungsgremium beigeordnet gewesen sei – eine Tradition, mit der die „postliberalen Massendemokratien“ (Panajotis Kondylis) unserer Zeit nichts mehr gemein hätten.

Jene antiken Wurzeln moderner Herrschaft sind und waren ein stetiger Bezugspunkt des französischen GRECE, weshalb sich eine Erläuterung Benedikt Kaisers über den Wandel im Demokratieverständnis der Nouvelle Droite anschloß. Während Alain de Benoist und seine Gefährten ob ihrer Wurzeln in der „altrechten“ Europe Action der frühen 60er Jahre anfangs einen hochelitären Standpunkt vertraten, so habe sich dieser über die Jahrzehnte in die Propagierung einer „Aristo-Demokratie“ in „indoeuropäischer Adelstradition“ und schließlich, in heutiger Zeit, einer dezentralisierten Basisdemokratie auf volkssouveränem Fundament gewandelt – möglicherweise notwendige Anpassungen zur Wahrung der Ziele einer vehementen Bekämpfung des Globalkapitalismus, wie auch der Zurückdrängung zentralstaatlich-bürokratischen Rigorismus'.

Demgegenüber widmete sich Dr. Stefan Scheil der verzerrten bundesdeutschen Perspektive auf den Begriff „Demokratie“, indem sein Referat über „Demokratie durch reeducation“ die von den Siegermächten in der BRD installierte „Politikwissenschaft als Demokratiewissenschaft“ und das eilfertige Katzbuckeln deutscher Stellen davor ins Visier nahm. Während eine Erinnerung an die spätestens seit 1848 sehr wohl vorhandene Tradition deutscher Demokratie ausgelöscht wurde, sei eine Sinndeutung der Demokratie als gnädiger Import aus den USA oktroyiert worden, die unter konsequenter Ausblendung spezifisch deutscher Fragestellungen bis heute universitäre Forschung und Lehre halbblind an die Arbeit gehen lasse. Allerdings hafte der implantierten Ideologie und ihren Ausdrucksformen, etwa im Akt der Massenwahl, im Gegensatz zum Nachklapp des Ersten Weltkriegs aufgrund feinerer Mittel der Manipulation nicht mehr der Ruch einer „Kolonialveranstaltung“ an.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

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