Nachtrag zum Berliner Kolleg

Nachdem unser 17. Berliner Kolleg am vergangenen Sonnabend wie geplant stattfinden konnte, ist es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Begin­nen will ich aber mit einem Wort des Dan­kes an die­je­ni­gen, ohne die das Kol­leg nicht hät­te statt­fin­den kön­nen. Das betrifft die zahl­rei­chen Hel­fer, die an allen Stel­len unter­stützt, Hin­wei­se gege­ben und mit­an­ge­packt haben, die­je­ni­gen, die unbü­ro­kra­tisch unse­re Kriegs­kas­se auf­füll­ten sowie unse­re Refe­ren­ten, die sich von die­sem Hin und Her nicht abschre­cken ließen.

Vor dem Hin­ter­grund der nähe­ren Umstän­de der Raum­kün­di­gun­gen wird deut­lich, wie wich­tig und wenig selbst­ver­ständ­lich solch eine Unter­stüt­zung ist. Ich will auf die­sen Din­gen gar nicht lan­ge her­um­rei­ten. Nur soviel: Sobald der Tagungs­raum bekannt war, setz­te sich ein bekann­ter, selbst­ge­fäl­li­ger Mecha­nis­mus in gang. Es wird beim Ver­mie­ter ange­ru­fen und gedroht: Das IfS sind ganz böse Nazis, eine Ruf­schä­di­gung für den Ver­mie­ter ist nicht aus­zu­schlie­ßen und es wer­den ver­mut­lich (lei­der) mas­si­ve Pro­tes­te von ernst­haft besorg­ten (und aus der erns­ten Sor­ge her­aus) gewal­tä­ti­gen Zeit­ge­nos­sen stattfinden.

Daß die­se Masche erfolg­reich ist, liegt in der Natur des Men­schen. Was beschämt, ist die Tat­sa­che, daß gar kei­ne Pro­tes­te mehr statt­fin­den müs­sen (und sie fin­den auch nie statt). Unse­re Deut­schen sind so gut kon­di­tio­niert, daß es nur der Dro­hung bedarf. Die mora­li­sche Selbst­ge­fäl­lig­keit, in der Anru­fer und Ange­ru­fe­ne zusam­men­fin­den, hat etwas zutiefst beun­ru­hi­gen­des. Erschwe­rend kommt noch hin­zu, daß alle wis­sen, daß sie sich mit ihrer Zivil­cou­ra­ge in die Tasche lügen. Im Spie­gel der letz­ten Woche fand sich ein Aus­zug aus dem Buch “Unter Lin­ken” von Jan Fleischhauer:

Wer links ist, lebt in dem schö­nen Bewußt­sein, im Recht zu sein, ja, ein­fach immer recht zu haben. […] Nie­mand in Deutsch­land, der noch bei Trost ist, bezeich­net sich selbst als rechts. Bür­ger­lich viel­leicht, oder kon­ser­va­tiv, aber selbst das nur mit ange­hal­te­nem Atem. Rechts ist nicht die ande­re Sei­te des Mei­nungs­spek­trums, es ist ein Verdammungsurteil.

Und wenn das nicht reicht, wird eben die Naz­i­keu­le aus­ge­packt. Weil jedem Zeit­ge­nos­sen klar ist, daß Rech­te immer getarn­te Nazis sind, braucht man die Instru­men­te nur zu zei­gen. In Fall des ver­gan­ge­nen Wochen­en­des hat das dazu geführt, daß wir in einer char­man­ten, alten Fabrik­eta­ge gelan­det sind und unse­re Ver­an­stal­tung unge­stört durch­füh­ren konn­ten. Die Nach­richt vom neu­en Ort erreich­te fast alle Teil­neh­mer. Inso­fern kön­nen wir uns auf die Schul­tern klopfen.

Unter dem Strich blei­ben aber zwei Schluß­fol­ge­run­gen. 1. Die ver­deck­te Vor­ge­hens­wei­se des Geg­ners soll uns beschäf­ti­gen und von ernst­haf­ter, kon­struk­ti­ver Arbeit abhal­ten. Das müs­sen wir ernst­neh­men und beden­ken, um die Wirk­sam­keit unse­rer Arbeit zu erhö­hen. 2. Vor dem Hin­ter­grund der gut­mensch­li­chen Selbst­ge­fäl­lig­keit heben sich jene Men­schen umso hel­ler ab, die nicht mora­lisch ver­sackt sind und um die Lage in unse­rem Land wissen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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