Notizen über die genderfeministische Psychopathologie (Vol. 1)

Zur Verteidigung von Akif Pirinçcis deftigem Sprachgebrauch habe ich neulich bemerkt, daß es gewisse Grade von Irrsinn...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

oder auch nur blo­ßem Schwach­sinn gibt, die man kaum mehr sach­lich und ratio­nal beant­wor­ten kann.  Man soll sich hier nicht in müßi­ge Debat­ten ver­stri­cken las­sen; man soll im Gegen­teil Zumu­tun­gen die­ser Art ent­schie­den von sich weisen.

Muß man wirk­lich auch noch erklä­ren, wie kreisch­dumm bei­spiels­wei­se die “gegen­der­ten” Wie­ner U‑Bahn-Pik­to­gram­me sind? Ich habe den­noch ver­sucht, den “tie­fe­ren” Sinn die­ser Num­mer auf­zu­drö­seln, aber eigent­lich bin ich der Mei­nung, daß man jedem, der nicht auf Anhieb die Absur­di­tät die­ser Art von Sym­bol­po­li­tik erkennt, min­des­tens Füh­rer­schein und Wahl­recht ent­zie­hen sollte.

Wie immer steckt hin­ter dem unfrei­wil­li­gen Kaba­rett eine sys­te­ma­ti­sche ideo­lo­gi­sche Ver­zer­rung und Absicht; man darf nie ver­ges­sen, daß “poli­ti­cal cor­rect­ness” eine Art “Clown mit einem Mes­ser” ist. Der Punkt an dem besag­ten gegen­der­ten Pik­to­gramm ist ganz ein­deu­tig, das Bild der Mut­ter aus dem öffent­li­chen Raum zu til­gen und abzu­wer­ten. Hier­bei han­delt es sich um ein “Rol­len­bild”, dem die Femi­nis­tin­nen und Gen­der-Ideo­lo­gen einen beson­ders herz­haf­ten Haß ent­ge­gen­brin­gen. Nicht zufäl­lig sind die­sel­ben Leu­te zugleich glü­hen­de Abtreibungsbefürworter.

Ich sage “Haß” ohne pole­mi­sche Über­trei­bung. Es ist wich­tig zu begrei­fen, wie­viel neu­ro­ti­sches Res­sen­ti­ment in Wirk­lich­keit hin­ter Kam­pa­gnen wie die­sen steckt. Sym­bol­po­li­ti­sche Signa­le die­ser Art wer­den heu­te gleich Viren in den öffent­lich-sozia­len Kör­per gelei­tet, der sei­ne Kor­rum­pie­rung hyp­no­ti­siert-pas­siv hin­nimmt, als wäre er von einer men­ta­len Immun­schwä­che befallen.

Die Fra­ge nach den psy­cho­lo­gi­schen Grün­den die­ser Wider­stands­lo­sig­keit wür­den einen eige­nen Auf­satz fül­len. Zwei­fel­los spie­len auch gewis­se Macht­ver­hält­nis­se und eine erpres­se­ri­sche Atmo­sphä­re eine erheb­li­che Rol­le. Wer sich heu­te der “Gay Mafia” und den mit ihr ver­ban­del­ten Gangs wider­setzt, muß mit erheb­li­chem sozia­lem Druck, Ver­leum­dungs­kam­pa­gnen und erns­ten Kon­se­quen­zen für sein Berufs­le­ben rech­nen. Ein aktu­el­ler Fall ist der Geschäfts­füh­rer von Mozil­la und Java­Script-Erfin­der Bren­dan Eich, der von sei­nem Pos­ten zurück­tre­ten muß­te, weil er die schwe­re “Sün­de” began­gen hat, vor sechs Jah­ren einen klei­ne­ren Bei­trag für eine katho­li­sche Inti­tia­ti­ve gespen­det zu haben, die sich gegen die Ein­füh­rung der “Schwu­len­ehe” in Kali­for­ni­en aussprach.

Es gibt aller­dings noch ande­re Ängs­te, die zum Motor unüber­leg­ter Agi­ta­tio­nen, Ent­schei­dun­gen und Par­tei­nah­men wer­den kön­nen: der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Charles Péguy schrieb bereits vor rund hun­dert Jah­ren, daß die größ­ten Feig­hei­ten der moder­nen Welt der Angst ent­sprin­gen, nicht fort­schritt­lich genug zu erscheinen.

Ande­re Mani­pu­la­tio­nen mit glei­cher Stoß­rich­tung wie die U‑Bahn-Pik­to­gram­me haben sich heu­te flä­chen­de­ckend durch­ge­setzt. Die berüch­tig­ten Bin­nen-Is und ver­wand­te, ver­meint­lich “geschlech­ter­ge­rech­te” Schreib­wei­sen sind inzwi­schen all­ge­gen­wär­tig und in jedem Pro­vinz­mit­tei­lungs­blatt auf­zu­fin­den. Nicht nur auf Face­book kann man nur mehr “Freun­dIn­nen hin­zu­fü­gen”, auch die Spra­che der staat­li­chen Ämter hat sich die­sem Sprach­ge­brauch angepaßt, der ursprüng­lich aus der Theo­rie­kü­che der äußers­ten radi­ka­len Lin­ken stammt. Die häß­li­chen Bin­nen-Is brei­ten sich heu­te aus wie die Nas­hör­ner des Iones­co: in letz­ter Zeit sehe ich sie auch ver­mehrt in pri­va­ten Emails auftauchen.

Die Schrift­stel­le­rin Sibyl­le Lewit­schar­off sprach es in ihrer Dank­re­de zur Ver­lei­hung des Büch­ner-Prei­ses aus:

Die Frau­en­be­we­gung in Deutsch­land und in den USA ist ein Tram­po­lin für aus­ge­schnitz­te Ver­rückt­hei­ten. Eine grau­en­haf­te Gram­ma­tik­schän­dung hat hier­zu­lan­de längst die gesam­te Büro­kra­tie unter­wan­dert und die Uni­ver­si­tä­ten voll im Griff.

Auch die­ses Phä­no­men ver­dient einen eige­nen Arti­kel, dar­um sei nur auf das Offen­sicht­li­che hin­ge­wie­sen. Zunächst liegt hier eine bur­les­ke Ver­wechs­lung des bio­lo­gi­schen sexus mit dem gram­ma­ti­schen genus vor. Des öfte­ren liest man die Behaup­tung, daß die Bin­nen-I- oder Unter­strich-Form “geschlech­ter­in­k­lu­siv” und damit “gerecht” sei. In Wahr­heit ist es genau umge­kehrt: es sind es die bis­lang übli­chen (also ganz ein­fach: gram­ma­tisch rich­ti­gen) For­men, die “inklu­siv” sind und selbst­ver­ständ­lich auch immer so ver­stan­den wor­den sind.

Die­se Tat­sa­che wei­sen die radi­ka­len Femi­nis­tin­nen als Aus­druck eines “patri­ar­cha­li­schen Herr­schafts­ver­hält­nis­ses” zurück, das unbe­wußt und impli­zit wir­ke, indem die mas­ku­li­ne Form als die “inklu­si­ve” vor­aus­ge­setzt wer­de. Die­ser “unbe­wuß­ten” Poli­ti­sie­rung stel­len sie eine “bewuß­te” Poli­ti­sie­rung ent­ge­gen, indem sie gleich­sam die Spra­che auf­kna­cken, um ihren “patri­ar­cha­li­schen” Kern bloß­zu­le­gen und zu erset­zen. Man kann leicht erken­nen, daß es sich bei die­ser Denk­wei­se um ein mar­xis­ti­sches Deri­vat han­delt. Es geht dar­um, ein ver­meint­lich “fal­sches Bewußt­sein” auf­zu­lö­sen und durch ein neu­es, revo­lu­tio­nä­res zu ersetzen.

Die gegen­der­ten For­men haben kei­nes­wegs eine “geschlech­ter­neu­tra­le” Wir­kung: im Gegen­teil “femi­ni­sie­ren” sie die Spra­che radi­kal. Ihre Ver­fech­ter mögen das als eine Art “dia­lek­ti­schen” Zwi­schen­schritt ver­tei­di­gen. Wör­ter wie “Rad­fah­re­rIn­nen”, “Schü­le­rIn­nen”, “Leh­re­rIn­nen” bezeich­nen gemäß unse­rer Lese­ge­wohn­hei­ten aus­schließ­lich weib­li­che Per­so­nen­grup­pen, anders als etwa die inklu­si­ven For­men “Rad­fah­rer”, “Schü­ler”, “Leh­rer”. Das Binnen‑I muß in einem Akt der Abs­trak­ti­on mit­ge­dacht und gleich­sam dem Lese­fluß ent­ho­ben “über­setzt” wer­den. Inzwi­schen wird die gegen­der­te Form absur­der­wei­se sogar im Radio “gespro­chen” oder taucht auf Text­ta­feln auf, die aus­schließ­lich Groß­buch­sta­ben benut­zen. Dadurch tritt ihr femi­ni­sie­ren­der (und eben nicht: neu­tra­li­sie­ren­der) Cha­rak­ter deut­lich hervor.

Durch das Auf-und Aus­ein­an­der­bre­chen der Wör­ter und Sät­ze durch Bin­nen-Is, Unter­strich-Tren­nun­gen und neu­er­dings auch Aste­ris­ken ent­steht ein äußerst häß­li­ches und dis­har­mo­ni­sches Schrift­bild, aber auch eine Spra­che, die merk­wür­dig arti­fi­zi­ell wirkt, und deren Aus­drucks­mög­lich­kei­ten über eine gewis­se Art von Ten­denz­pro­sa nicht hin­aus­rei­chen. Das sind kei­ne Lap­pa­li­en: die Spra­che ist Spie­gel­bild und Kompaß des Geis­tes – was die Pro­pa­gan­dis­ten der poli­ti­schen Kor­rekt­heit wis­sen müs­sen, andern­falls sie kaum auf die ver­meint­lich wirk­lich­keits­ver­wan­deln­de “Magie” des “Gleichstellungs”-Vokabulars ver­trau­en könnten.

Die Ver­stüm­me­lung der Wör­ter, der Gram­ma­tik, der Spra­che über­haupt kor­re­spon­diert mit der Ver­stüm­me­lung der Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten, und in der äußers­ten Kon­se­quenz mit der buch­stäb­li­chen Ver­stüm­me­lung der Kör­per, wie sie von Trans­se­xu­el­len vor­ge­nom­men wird, die sich mas­si­ven bio­che­mi­schen und chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen unter­zie­hen. Den links­ex­tre­mis­ti­schen Begriffs­kon­struk­ten, die in den orga­ni­schen Bau der Spra­che trans­plan­tiert wer­den, ent­spre­chen auf kör­per­li­cher Ebe­ne die Gum­mi­vagi­na- und Sili­kon­brust-Implan­ta­te der Transsexuellen.

Die soge­nann­te “Gleich­stel­lung” von Mann und Frau, die in Wirk­lich­keit auf eine fort­schrei­ten­de Anglei­chung und Nivel­lie­rung hin­aus­läuft, ist an der “Gen­der Mainstreaming”-Front bereits Schnee von Ges­tern. Nun ist die nächs­te Etap­pe der Offen­si­ve ange­sagt, die bereits erheb­li­che Sie­ge ver­zeich­nen kann: so kann man etwa seit neu­es­tem auf der eng­lisch­spra­chi­gen Ver­si­on von Face­book sage und schrei­be  50 (!) “Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten” ein­stel­len. Davon sind die meis­ten die­ser “fif­ty shades of fag­go­try” nichts ande­res als spitz­fin­di­ge und phan­ta­sie­vol­le Nuan­cen ein- und der­sel­ben Ver­fas­sung, deren Schar man belie­big ad infi­ni­tum und ad nau­seam erwei­tern könnte.

Das sind die aktu­ell ange­bo­te­nen Eis­sor­ten – wohl bekomm’s:

Agen­der, Andro­gy­ne, Andro­gy­n­ous, Bigen­der, Cis, Cis Fema­le, Cis Male, Cis Man, Cis Woman, Cis­gen­der, Cis­gen­der Fema­le, Cis­gen­der Male, Cis­gen­der Man, Cis­gen­der Woman, Fema­le to Male, FTM, Gen­der Flu­id, Gen­der Non­con­forming, Gen­der Ques­tio­ning, Gen­der Vari­ant, Gen­der­queer, Inter­sex, Male to Fema­le, MTF, Neit­her, Neu­trois, Non-bina­ry, Other, Pan­gen­der, Trans, Trans Fema­le, Trans Male, Trans Man, Trans Per­son, Trans Woman, Trans*, Trans*Female, Trans*Male, Trans*Man, Trans*Person, Trans*Woman, Tran­se­xu­al, Tran­se­xu­al Fema­le, Tran­se­xu­al Male, Tran­se­xu­al Man, Tran­se­xu­al Per­son, Tran­se­xu­al Woman, Trans­gen­der Fema­le, Trans­gen­der Male, Trans­gen­der Man, Trans­gen­der Per­son, Trans­gen­der Woman, Transmasculine,
Two-spirit

(Falls sich jemand in die­ser Lis­te nicht wie­der­fin­det und grob dis­kri­mi­niert und aus­ge­grenzt fühlt, kann er ja Beschwer­de­brie­fe an Mark Zucker­berg schreiben.)

Auch hier hat eine extre­me und sel­te­ne Abwei­chung ihren Weg in die bewußt­s­eins­bil­den­den Kanä­le des Main­streams gefun­den. Denn was könn­te mehr “Main­stream” sein, als das Aller­welt­s­por­tal Face­book, in dem inzwi­schen jeder­mensch und sei­ne Groß­mutte­rIn ein Pro­fil hat? Wer sich fragt, was denn “cis” bedeu­tet: Die­ser der­nier cri des Kul­tur­kamp­fes bezeich­net das Gegen­teil von “trans” und bedeu­tet “dies­seits” (wie in Trans- und Cis­leit­ha­ni­en, falls sich noch irgend­je­mand erin­nert, was das war), daher “cis-sexu­ell” = “Men­schen, deren Geschlechts­iden­ti­tät mit ihrem kör­per­li­chen Geschlecht über­ein­stimmt”, mit ande­ren Wor­ten: so gut wie alle.

Und die­se sind letzt­lich die eigent­li­che Ziel­schei­be die­ses gan­zen Unter­fan­gens, nicht anders als in der iko­no­klas­ti­schen Agen­da der “Schwu­len­ehe”, die letzt­lich weder mit “Ehe” noch mit Schwu­len all­zu­viel zu tun hat, son­dern sowohl eine Insti­tu­ti­on als auch ein bestimm­tes Geschlech­ter­ver­hält­nis “dekon­stru­ie­ren” soll. “Schwu­len­ehe” bedeu­tet vor allem Sym­bol­po­li­tik und ange­wand­te kul­turm­ar­xis­ti­sche Kri­tik, die zur all­ge­mei­nen Akzep­tanz gelan­gen soll. Die deut­sche Aus­ga­be der Huf­fing­ton Post zitiert “Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten wie WeA­reS­trai­ght­Al­lies”, die “die­sen Vor­stoß als gro­ßen Fort­schritt in der Dekon­struk­ti­on des binä­ren Geschlech­ter­sys­tems” begrüßen:

We applaud this pro­gres­si­ve effort to chal­len­ge and deco­n­struct the gen­der bina­ry system.

Offe­ner kann man die Ziel­set­zung nicht aus­spre­chen. Die aus den lackier­ten Fin­ger­nä­geln geso­ge­nen Wort­schöp­fun­gen sind wie der Dämon im Mar­kus-Evan­ge­li­um “Legi­on” und mul­ti­pli­zie­ren sich qua­si per Zell­tei­lung am lau­fen­den Band; ihr per­ma­nen­tes Wuchern soll die Illu­si­on vor­gau­keln, es gäbe eine unend­li­che Band­brei­te an “Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten”, die selbst­ver­ständ­lich als völ­lig gleich­wer­tig aner­kannt wer­den müs­sen. Die Bestim­mun­gen “männ­lich” und “weib­lich” sol­len in die­ser Flut von “Iden­ti­tä­ten” ersau­fen und damit stark in ihrer Bedeu­tung rela­ti­viert, ihres soge­nann­ten “Pri­vi­legs” beraubt werden.

Das ist jedoch nicht ein­zi­ge Grund, war­um sich Selbst­zu­schrei­bun­gen die­ser Art explo­si­ons­haft ver­meh­ren. Man kann sie auch als men­ta­le Meta­sta­sen sehen, die in der Patho­lo­gie der “Gen­der-Dys­pho­rie” selbst begrün­det lie­gen, die die eigent­li­che Basis des ein­schlä­gi­gen Akti­vis­mus bil­det, und ihm sei­ne unwi­der­steh­li­che Anzie­hungs­kraft auf gewis­se Gemü­ter sichert. Wer hat, dem wird noch gege­ben wer­den: wo eine schwe­re psy­chi­sche Iden­ti­täts- und Per­sön­lich­keits­stö­rung vor­liegt, besteht immer die Gefahr fort­ge­setz­ter und fort­schrei­ten­der Spaltungen.

Vor mir liegt ein auf­schluß­rei­ches, um nicht zu sagen: ent­lar­ven­des Büch­lein, an dem man die­se grund­le­gen­de Psy­cho­pa­tho­lo­gie gut stu­die­ren kann. “Frauen*forscherin Som­mer­se­mes­ter 2014” ist ein “kom­men­tier­tes Vor­le­sungs­ver­zeich­nis zu Femi­nis­ti­schen Theo­rien, Queer- und Gen­der­stu­dies”, her­aus­ge­ge­ben vom “Kol­lek­tiv Frauen*referat” der “Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­le­rIn­nen­schaft”. Die Mit­glied­schaft bei letz­te­rer ist für jeden Stu­den­ten in Öster­reich obli­gat; sie ist in fes­ter Hand von Links­ex­tre­mis­ten der gröbs­ten und ver­bohr­tes­ten Sor­te, die aus ihrer selbst­auf­er­leg­ten Mis­si­on als Bür­ger­kriegs­par­tei kei­nen Hehl machen.

Die­ses “Vor­le­sungs­ver­zeich­nis” ist nach allem nüch­ter­nen Ermes­sen durch die Bank ein Fall für den Psych­ia­ter. Finan­zi­ell geför­dert wird es nichts­des­to­trotz unter ande­rem von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, der Uni­ver­si­tät für Musik und dar­stel­len­de Kunst und der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur Wien, die inzwi­schen alle­samt ihre zustän­di­gen Stel­len und Arbeits­krei­se für “Gleich­be­hand­lung”, “Gen­der Stu­dies” und ähn­li­ches besitzen.

Am saf­tigs­ten ist der mit Pro­sa und Lyrik ange­rei­cher­te Text­teil. Der wäre aller­dings auch für einen Kaba­rett­abend gut geeig­net. Da gibt es etwa ein Requi­em auf eine wegen ihrer unüb­li­chen Län­ge teil-ampu­tier­te “Super­k­lit”, deren “inter­se­xu­el­le” Besit­ze­rIn nun reu­mü­tig über ihre Fehl­ent­schei­dung meditiert:

o du mein genital/du klei­ner schwanz/du gro­ße klit/du schwell­kör­per mei­ner lenden/du lust­spen­der in mei­ner mit­te… opfer wur­dest du/geopfert/der hei­li­gen norm/der gro­ßen binarität/dem fragwürdigen/ideal

Oder eine Ode auf die “Tabu“themen ““Yoni und Mens­trua­ti­on” (Feh­ler auch im Text):

Ich bin, ja ich bin.

Ich bin voll­kom­men. Ich brauch nicht anders zu sein, als so wie ich bin.

Heu­te bin ich sehr voll und ich bin die Öff­nung, die Öff­nung für… für alles was her­aus­kom­men will. Ohne mich gibt es kein Aus­kom­men. (…) Wenn ich heu­te voll bin, ist dass, mich die Freun­de aus der Gebär­mut­ter besu­chen. Sie müs­sen an mir vor­bei. Sie haben kei­ne ande­re Wahl. Hät­ten sie eine, dann wür­den sie mich trotz­dem wäh­len. Die Freun­de, die sind alle so rot, so ein wun­der­schö­nes rot. (…) Sie erfül­len mich mit Far­be, Wär­me, Zunei­gung und Liebe.

Auch “Suri” hat Span­nen­des über ihre Monats­blu­tun­gen mit­zu­tei­len – es han­delt sich dabei wohl­ge­merkt um eine etwa drei­ßig­jäh­ri­ge Frau, auch wenn sie so klingt, als wäre sie ein Fall für das Dr. Som­mer-Team der Bra­vo.

Ich men­stru­ie­re jetzt seit fast neun­zehn Jah­ren und vor drei Jah­ren habe ich erfah­ren, dass es Alter­na­ti­ven zu Bin­den & Tam­pons gibt. Jetzt benut­ze ich einen Mens­trua­ti­ons­schwamm und fin­de das toll! Es trock­net mei­ne Muschi nicht so aus und ich mag das war­me Blut an mei­nen Hän­den, wenn ich den Schwamm aus­wa­sche. Und wie men­stru­ierst du eigentlich?

Epo­chal ist auch die­ses meis­ter­haf­te “Vagi­na­ge­dicht”:

Scham/Schamlippen/Schamhaare/Schamgefühl/Mich schämen/Schäumen/Überschäumen/vor Wut/dass ich mich schäme/Mich schä­men muss/weil sie/weil sie/weil sie/so anders ist/als all die andern/in den zeitschriften/ich bin nicht richtig/ und des­halb schä­me ich mich/für sie/scheidenscham/schamscheide…

The­ma­tisch anschlie­ßend ist ein Auf­satz “Über Grot­ten und Lust­gär­ten, Fot­zen und Muschis, Dosen und Schmuck­käst­chen”, ver­faßt von einer “evan­ge­li­schen Theo­lo­gin und Päd­ago­gin” mit Magis­tra-Titel, die “neben­be­ruf­lich seit fast zehn Jah­ren sexu­al­päd­ago­gi­sche Work­shops für Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne” lei­tet. Ihre tief­sin­ni­ge Medi­ta­ti­on über “Vulvas_Muschis_Mösen” mün­det in der Conclusio:

Übri­gens ist das Wort “Schei­de” total out (wel­che Über­ra­schung!), “Muschi” und “Mumu” meis­tens noch am ehes­ten von allen inner­halb einer Grup­pe akzep­tiert, “Vagi­na” fast immer total okay, “Land des senk­rech­ten Lächelns” wohl die außer­ge­wöhn­lichs­te Bezeich­nung, die ich je gehört habe, “Piss­schlitz” unfaß­bar dumm und “Lie­bes­quell” fürch­ter­lich roman­ti­sie­rend. Aber: Alle­mal ist (fast) alles bes­ser als “da unten”. Und mein Favo­rit unter den Begrif­fen? Let’s talk about…

Nicht “immer total okay” sind inzwi­schen ande­re Dinge:

In der sexu­al­päd­ago­gi­schen Arbeit wer­den oft noch immer die Jugend­li­chen in Mäd­chen*- und Jungs*gruppen geteilt. Da dies auch über­wie­gend mei­nen Arbeits­er­fah­run­gen ent­spricht, fin­det sich in mei­nem Arti­kel auch die Ein­tei­lung in Mäd­chen*- und Jungen*gruppen. Dies ist nicht unpro­ble­ma­tisch, u.a. da Jugend­li­che, die nicht in das dicho­to­me Mann-Frau-Sche­ma pas­sen (wol­len), zwangs­läu­fig zuge­ord­net werden.

Das Stern­chen soll signa­li­sie­ren, daß die AutorIn die geschlech­ter­bi­nä­ren Begrif­fe nur unter dem Vor­be­halt benutzt, daß es sich hier­bei um vor­läu­fi­ge “Kon­struk­te” handelt.

All dies wird allen Erns­tes in einem sich als aka­de­misch, “poli­tisch” und “femi­nis­tisch” ver­ste­hen­den Rah­men publi­ziert. Was haben ver­zu­cker­te Selbst­be­spie­ge­lun­gen und The­ra­peu­ten­schleim die­ser Art aber noch mit “Poli­tik” oder gar Geis­tes­wis­sen­schaf­ten zu tun? Es ist ein regres­siv-infan­ti­les Plant­schen in der Ursup­pe des Unter­leibs, der den wacke­ren AutorIn­nen offen­bar doch mehr Pein­lich­kei­ten berei­tet, als sie es zuge­ben wol­len. Wer wirk­lich mit sei­nem Kör­per und des­sen Funk­tio­nen im Rei­nen ist, wird es kaum nötig haben, sei­ten­lan­ge Elo­gen dar­über zu ver­fas­sen. Wer etwas stän­dig betont, tut es nicht, weil er es hat, son­dern weil er es nötig hat. Nar­ziß­mus und Selbst­haß tre­ten immer als Zwil­lings­paar auf.

Ohne Zwei­fel haben die­se Selbst­um­krei­sun­gen auch mit dem unein­ge­stan­de­nen, weil “femi­nis­tisch” gese­hen eher uncoo­len Wunsch zu tun, begeh­rens­wert, lie­bens­wert und attrak­tiv zu sein – und das eben vor allem für Män­ner. Die­se Attrak­ti­vi­tät ist für Frau­en frei­lich auch eine Fra­ge der Macht über das ande­re Geschlecht. Da ver­wun­dert es nicht, daß Frau­en, denen die­se Attrak­ti­vi­tät fehlt, zu ande­ren Mit­teln der Macht­aus­übung grei­fen müssen.

 

Ver­blüf­fend ist auch, wie die Behaup­tung des Geschlecht­li­chen als “Kon­strukt” und die radi­ka­le Ver­nei­nung sei­ner bio­lo­gi­schen Basis ein­her­geht mit einer kras­sen Fixie­rung auf ele­men­tar bio­lo­gi­sche Gege­ben­hei­ten. Plötz­lich wer­den Monats­blu­tun­gen, Scham­lip­pen­for­men und Kli­to­ris­län­gen zum Gegen­stand uner­gründ­li­cher Mys­te­ri­en und Welt­rät­sel und end­lo­ser Medi­ta­tio­nen. Wer weiß, ob sich hier, bei aller Lächer­lich­keit in der Form, nicht auch eine ver­irr­te und vage Sehn­sucht nach einer ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen “Mys­tik” des Weib­li­chen, gar nach einer “Meta­phy­sik des Sexus” aus­drückt, die der eige­nen Geschlechts­iden­ti­tät einen über­ge­ord­ne­ten Sinn und Wert gibt?

Vor allem aber kom­men hier mas­si­ve Iden­ti­täts- und Selbst­wert­pro­ble­me zum Aus­druck, die wohl auch Fol­ge einer tief­ge­hen­den Ent­wur­ze­lung sind: wenn alle Geschlech­ter­rol­len als “kon­stru­iert” und glei­cher­ma­ßen belang­los ent­larvt sind, wor­an will man dann noch sei­ne weib­li­che Iden­ti­tät fest­ma­chen? Alles, was die­sen jun­gen Frau­en geblie­ben ist, sind kras­se Reduk­tio­nen, die Feti­schi­sie­rung ihrer Kör­per­tei­le und bis ins Erwach­se­nen­al­ter prak­ti­zier­te ona­nis­ti­sche Dok­tor­spie­le. Wobei bezeich­nen­der­wei­se kei­ne die­ser “Femi­nis­tin­nen” auf die Idee kommt, auch über die “Mys­tik” der Mut­ter­schaft, der archai­schen Ur-Erfah­rung des Frauseins schlecht­hin, nach­zu­den­ken. Auch das unter­streicht den infan­ti­len Cha­rak­ter ihrer kleb­ri­gen Erkun­dun­gen. Wenn sie wirk­lich nach einem “Tabu” suchen, vor allem im gen­der­fe­mi­nis­ti­schen Milieu – hier könn­ten sie kräf­tig zulangen!

(Man stel­le sich ein männ­li­ches Äqui­va­lent vor: Selbst­hil­fe­grup­pen von Män­nern, die stun­den­lang nichts ande­res tun, als über die Beschaf­fen­heit ihrer Vor­haut, Eichel und Samen­er­güs­se zu rhap­so­die­ren, wäh­rend die eher sub­op­ti­mal aus­ge­stat­te­ten unter ihnen end­lo­se Jam­mer­tex­te wider “die Gesell­schaft” ver­fas­sen, die sie mit ihren uner­reich­ba­ren Idea­len und Nor­men tyran­ni­siert. Auf die­se Wei­se wer­den sie jeden­falls kei­nen Respekt von den Frau­en bekom­men, noch sie ins Bett krie­gen. Aber das ist eine ande­re Geschichte.)

“Femi­nis­mus” ist für vie­le jun­ge Frau­en heu­te vor allem eine vage Chif­fre, eine Art Zau­ber­wort, mit dem sie ihre Selbst­wert­pro­ble­me zu kurie­ren suchen. Der Trend geht dabei in Rich­tung einer Art von Rous­se­auis­mus, der die Sexua­li­tät von Scham, Schuld und Angst befrei­en will und die Part­ner­wahl und den sexu­el­len Erfolg vom Druck des Wett­be­werbs – Din­ge, die alle­samt “der Gesell­schaft” in die Schu­he gescho­ben wer­den. Aber das wird nie­mals gelin­gen kön­nen. Unser per­mis­si­ves Zeit­al­ter hat im Rausch über die gelun­ge­ne Ent­kop­pe­lung der Sexua­li­tät von der Fort­pflan­zung ver­ges­sen, daß der Sex allen bekann­ten Kul­tu­ren der Geschich­te als eine hoch­pro­ble­ma­ti­sche, ja gefähr­li­che Sache galt.

Die Sexua­li­tät ist zugleich der vita­le Lebens­saft der Gesell­schaft, wie auch das kor­ro­si­ve Was­ser, das sie stän­dig zu unter­höh­len und über­schwem­men droht. Sie ist befruch­tend und zer­stö­rend zugleich; ja, sie wird umso zer­stö­re­ri­scher, je mehr sie von der Befruch­tung abge­trennt wird. (Sieg­fried Ger­lich weist in der aktu­el­len Sezes­si­on dar­auf hin, daß letz­te­res ein zen­tra­les Motiv im Werk des Mar­quis de Sade ist.) Dar­um ist ein fal­sches Bild von der Natur der Sexua­li­tät gefähr­lich. Die “Femi­nis­tin­nen” und Gen­der-Ideo­lo­gen han­tie­ren mit Dyna­mit, und ein gro­ßer Teil ihrer aktu­el­len Theo­rie besteht in einem gewal­ti­gen Abwehr- und Leug­nungs­ma­nö­ver. Je wei­ter sie sich von der Rea­li­tät ent­fer­nen, umso bös­ar­ti­ger, dog­ma­ti­scher, unduld­sa­mer und ten­den­zi­ell tota­li­tä­rer wird ihr poli­ti­scher Ausdruck.

Die Mise­re beginnt schon damit, daß die Pola­ri­tät der Geschlech­ter als Bina­ri­tät der Geschlech­ter ange­spro­chen wird. Alle Wirr­nis im Bereich der Geschlech­ter­theo­rie ent­springt die­sem fun­da­men­ta­len, fata­len Denkfehler.

Fort­set­zung folgt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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