Deutschland von Sinnen: Das Bellen der getroffenen Hunde

Wenn die Rezensionsschlacht um Deutschland von Sinnen so weitergeht, wird Akif Pirinçcis Gegnern bald kein Pulver mehr übrigbleiben. Den unvermeidlichen Godwin-Joker konnten wir dank Ijoma Mangold schon letzte Woche abhaken. Gegen die geifertriefende tour de force, die nun der Tagesspiegel abgeliefert hat, wirkt Mangolds Offensive allerdings geradezu nüchtern-sachlich. Immerhin werden darin mit enzyklopädischer Vollständigkeit alle Knöpfchen durchdekliniert, die bisher noch gefehlt haben.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Am Ende der Bespre­chung von Chris­ti­an Schrö­der und Caro­li­ne Fet­scher wird ein eben erschie­ne­ner Schmö­ker mit dem Titel “Spra­che – Macht – Ras­sis­mus” emp­foh­len, der zur Beru­hi­gung aller Ver­un­si­cher­ten “eine aus­führ­li­che Ana­ly­se des Sprach­ge­brauchs von Akif Pirincci” ent­hal­ten soll.

Wie in sei­nem aktu­el­len Buch berief sich der Autor dar­auf, dass “die Wahr­heit” über die­se auf­zie­hen­de Gefahr von den Medi­en absicht­lich ver­schwie­gen wer­de. Die sprach­li­che Ana­ly­se führt den mani­pu­la­ti­ven und ideo­lo­gi­schen Duk­tus von Pirincci klar vor Augen.

Die Autoren wer­den schon wis­sen, war­um sie “Wahr­heit” in Anfüh­rungs­stri­che set­zen. Zum einen scheint sie letz­te­re ja nicht beson­ders zu inter­es­sie­ren; wer glaubt, auf der rich­tigs­ten aller Sei­ten zu ste­hen, muß kei­ne Argu­men­te brin­gen. Wie in Man­golds Rezen­si­on fin­det sich an kei­nem ein­zi­gen Punkt auch nur der Ansatz eines Ver­su­ches, Pirin­çci sach­lich zu widerlegen.

Zum ande­ren gehö­ren sie augen­schein­lich zu dem unter Lin­ken weit­ver­brei­te­ten Typus, der die Rede des Geg­ners schon dann für inhalt­lich erle­digt hält, wenn er sie rein “sprach­lich” dekon­stru­iert, was sich meis­tens dar­in erschöpft, alle For­mu­lie­run­gen und Gedan­ken, die einem nicht pas­sen, in Anfüh­rungs­stri­che zu set­zen oder sug­ges­tiv zu glos­sie­ren. Man spielt also “Ich sehe etwas, was du nicht siehst”, wobei die Lin­ke heu­te in der Regel die Rol­le der drei Tem­pel­af­fen einnimmt.

Frei­lich, alles hängt davon ab, was man sehen kann und will und was nicht. Machen wir die Stich­pro­be. Der Tages­spie­gel zitiert:

„Künst­ler, Den­ker, Visio­nä­re“ ver­misst Akif Pirin­çci. Statt ihrer muss der 54-jäh­ri­ge Deutsch­tür­ke eine Repu­blik des „Raub­tier­so­zia­lis­mus“ ertra­gen, in der er sei­ne Steu­ern zahlt, um eine „ver­schwul­te“ Poli­zei zu unter­hal­ten, in der es von lotter­haf­ten „Patch­work­fa­mi­li­en und Sin­gle­bör­sen“ wim­melt, wo sich alle Welt „mit dem Absei­ti­gen des Sexus“ beschäf­tigt, des­sen „viel­fäl­ti­ge Defor­ma­tio­nen“ preist. Der­art häu­fen sich die Zumu­tun­gen, dass der „Adop­tiv­sohn“ sei­ner „liebs­ten Mut­ter, Deutsch­land“ zür­nend und kra­kee­lend in deren düs­te­re Zukunft blickt.

Und hier noch ein paar Split­ter von ande­ren Autoren des Manu­skrip­tum-Ver­la­ges:

“Der Wohl­fahrts­staat hat uns in die Zan­ge genom­men.“ „Femi­nis­mus ist eine trop­fen­de Hass­re­li­gi­on, ein tota­li­tä­rer Umbau der Nor­ma­li­tät.“ Die „aus­zeh­ren­de Mono­to­nie des west­li­chen Dis­kur­ses“ führt zu einem „Dasein ohne Her­kunft, Hei­mat, Nach­kom­men­schaft und Transzendenz“.

Alles abso­lut rich­tig, daher: Zustim­mung. Ich kann ehr­lich gesagt, kei­nen Men­schen mehr ernst­neh­men, der das nicht so sieht.

Wei­ter:

Die Kern­the­se des Tex­tes (…) lau­tet: In Deutsch­land domi­nie­ren suspek­te Adep­ten der poli­ti­cal cor­rect­ness die Medi­en und das „kul­tu­rel­le Leben“.

Auch das ist so offen­sicht­lich rich­tig, daß, wer hier nicht zustimmt, ent­we­der völ­lig naiv oder eben ein För­de­rer und Nutz­nie­ßer besag­ter Zustän­de sein muß. Da hilft nur noch mani­sches Abwehr- und Ver­leug­nungs­ge­bell, und die Autoren bel­len in der Tat, bis sie hei­ser sind.

Füh­ren wir uns durch eine “sprach­li­che Ana­ly­se” ihren “mani­pu­la­ti­ven und ideo­lo­gi­schen Duk­tus klar vor Augen”. Es ist jedes­mal das­sel­be Gemisch, das hier Anwen­dung findet.

Punkt 1: man begin­ne mit einer faust­dick dem­ago­gi­schen Verzerrung:

Akif Pirin­çci wütet in sei­nem Buch „Deutsch­land von Sin­nen“ gegen Frau­en, Schwu­le und Zuwanderer.

Wer das Buch (oder auch nur sei­nen Titel) kennt, weiß, daß Pirin­çci viel­mehr gegen den Kult um “Frau­en, Schwu­le und Zuwan­de­rer” vom Leder zieht, also gegen eine spe­zi­fi­sche poli­ti­sche Agen­da, deren Betrei­ber sich hin­ter der Lüge ver­ste­cken: “Wir sind die Frau­en, die Schwu­len, die Zuwan­de­rer!” Und die­se wer­den dann, auf Schlag­wor­te redu­ziert, auf die Schil­de gehef­tet, um sich einer­seits unan­greif­bar zu machen, und um ande­rer­seits zur mora­li­schen Erpres­sung über­zu­ge­hen: “Wer gegen uns und unse­re Poli­tik und unse­re Lügen ist, ist gegen die Frau­en, die Schwu­len, die Zuwan­de­rer!” Da nützt es auch nichts, wenn ihre Kri­ti­ker mit­un­ter selbst Frau­en, Schwu­le oder Zuwan­de­rer sind.

Punkt 2: ein Muß sind mög­lichst dif­fu­se und vage Anspie­lun­gen über angeb­li­che “Demo­kra­tie­feind­lich­keit” der inkri­mi­nier­ten Autoren oder Tex­te, völ­lig egal, ob die­se Behaup­tung beleg­bar ist, oder nicht. Dahin­ter steckt eine wei­te­re Lüge: “Wir sind die Demo­kra­ten, wir haben die Demo­kra­tie gepach­tet, wer gegen uns ist, ist ein Demo­kra­tie­feind!” In die­sem spe­zi­el­len Fall müs­sen sich die Tages­spie­gel-Schrei­ber­lin­ge um zwei bis drei Ecken her­um­win­den, um auch das noch rau­nend unterzubringen:

Erschie­nen ist das Pam­phlet in einem Ver­lag, der Demo­kra­tie­geg­ner und Sozi­al­staats­has­ser ver­eint. Der Über­gang vom Kul­tur­pes­si­mis­mus, dem vie­le Autoren der Manu­scrip­tum-Ver­lags­grup­pe anhän­gen, zur schnei­di­gen Demo­kra­tie­ver­ach­tung der Neu­en Rech­ten ist fließend.

Punkt 3: der Kri­ti­ker der “poli­ti­cal cor­rect­ness” hat nie­mals gute und objek­ti­ve Grün­de, war­um er die Din­ge sieht, wie er sie sieht, son­dern immer nur nie­de­re Beweg­grün­de, die sich allein sub­jek­ti­ven Ursa­chen wie sei­ner psy­chi­schen Ver­fas­sung und sei­nem mie­sen Cha­rak­ter ver­dan­ken. Zum Bei­spiel ist alles, was er schreibt, von schreck­lich häß­li­chem Haß moti­viert, und sei­ne Kri­tik darf man auch nie “Kri­tik” nen­nen, son­dern nur als Haß bezeichnen:

Akif Pirin­çcis Hass-Buch “Deutsch­land von Sin­nen”… Ver­lag, der Sozi­al­staats­has­ser vereint. …

“Haß” ist der Welt der Lin­ken bekannt­lich gänz­lich fremd, weil dort eine haß­freie Zone herrscht, alle nur die bes­ten und humans­ten Absich­ten haben und sich stän­dig an den Hän­den hal­ten und ganz fest an “Lie­be und Soli­da­ri­tät” und der­glei­chen glau­ben. Wenn ein Lin­ker in Rage gerät, ist er alle­mal ein biß­chen zor­nig, und dann immer nur des­we­gen, weil er sich über eine Unge­rech­tig­keit oder Lieb­lo­sig­keit oder Dis­kri­mi­nie­rung aufregt.

Punkt 4: “Haß” allein genügt aber nicht, son­dern der kri­ti­sier­te Text muß auch lächer­lich, läp­pisch, unfrei­wil­lig komisch sein:

Die Kern­the­se des Tex­tes, der sich stre­cken­wei­se wie eine „Titanic“-Satire auf neo­kon­ser­va­ti­ve Posi­tio­nen liest, lautet…

Punkt 5: Und dabei voll­kom­men wirr und kreischüberkandidelt:

Pirin­çci schil­dert die­se Cli­que in einem schil­lern­den Cock­tail aus schril­len Ressentiments,

Punkt 6: Trotz­dem wohl­kal­ku­liert dem bil­ligst­mög­li­chen, popu­lis­ti­schen Gus­to angepaßt:

…er mixt ein Gebräu, das Aber­tau­sen­de ger­ne zu sich nehmen…

Denn war auf die Sar­ra­zi­na­den noch der Puder­zu­cker bür­ger­li­cher Kon­ven­ti­on gestreut, bie­tet Pirin­çci rohes Fast­food für die Massen…

Punkt 7: man darf die Wirr­nis des Pirin­çci jedoch nicht all­zu sehr ver­harm­lo­sen, denn es han­delt sich hier außer­dem um einen hoch­ge­fähr­li­chen, kli­nisch Geis­tes­kran­ken, “bru­tal” und “sen­ti­men­tal” zugleich, der sich von “Fein­den” umzin­gelt fühlt, ganz so, wie wir gelernt haben, uns das Kli­schee­bild vom Nazi-Ver­bre­cher vorzustellen:

Im bru­ta­li­sier­ten Furor gegen Deutsch­lands inne­ren Fein­de wie in der sen­ti­men­ta­len Idea­li­sie­rung von Deutsch­land als guter Mut­ter offen­bart sich ein Sys­tem psy­chi­scher Abspal­tun­gen. Dar­in glei­chen Pirin­çcis ima­gi­nä­re Geg­ner eher Kari­ka­tu­ren, Comic-Cha­rak­te­ren, als leben­di­gen Men­schen, von denen er kaum einen Begriff zu haben scheint.

Daß sie letz­te­re Manier sel­ber ganz vor­treff­lich beherr­schen, stel­len die Autoren nur ein paar Zei­len wei­ter unter Beweis:  sie behaup­ten etwa pau­schal, daß es sich bei den Pirin­çci-Lesern “offen­bar” um einen Hau­fen unter­kom­ple­xer, emo­tio­nal ver­krüp­pel­ter, patho­lo­gi­scher, res­sen­ti­ment­ge­tränk­ter Moder­ni­täts­ver­lie­rer han­deln müs­se, um über­for­der­te Schwäch­lin­ge, die nur auf ein Stich­wort lau­ern, um end­lich die blut­gei­le, mör­de­ri­sche Urmen­schen­sau vom Zaum zu lassen:

Offen­bar sind tat­säch­lich beacht­li­che Antei­le der Bevöl­ke­rung Deutsch­lands von Sin­nen, die­je­ni­gen, die emo­tio­nal mit dem patho­lo­gi­schen Wirr­warr die­ser Publi­ka­ti­on kor­re­spon­die­ren. Ob sie es aus Über­for­de­rung tun, um der Reiz­dich­te und Kom­ple­xi­tät der moder­nen, media­len Gesell­schaft zu ent­kom­men – als Sym­ptom­trä­ger geben die Rezi­pi­en­ten Auf­schluss über die epi­de­mi­sche Ver­brei­tung von Res­sen­ti­ments sowie das offen­bar nur mit Mühen gebän­dig­te Bedürf­nis, ihnen ent­hemmt frei­en Lauf zu lassen.

Das ist klas­si­sche lin­ke Bigot­te­rie: die stu­pen­de Fähig­keit, in ein- und dem­sel­ben Absatz genau das zu leis­ten, was man dem Geg­ner eben noch vor­ge­wor­fen hat, und dabei so selbst­ge­recht ver­bohrt zu sein, es nicht ein­mal zu mer­ken. Inwie­fern das mit einem “Sys­tem psy­chi­scher Abspal­tun­gen” zu tun hat, die dann die Basis für Fremd­pro­jek­tio­nen die­ser Art bil­det, oder ob es sich hier bloß um Knarz­dumm­heit oder unge­hemm­te Dem­ago­gie han­delt, sei dahingestellt.

Was die Nei­gung zu letz­te­rer betrifft, so geben sich die Autoren nicht ein­mal ansatz­wei­se Mühe, sie zu bän­di­gen, son­dern las­sen mit Voll­gas alle Zügel schie­ßen. Da erscheint Pirin­çci als der unmensch­lichs­te, gewis­sen­lo­ses­te Unmensch über­haupt, mit einem ulti­ma­ti­ven ethi­schen Defekt, also böse:

Daher fehlt hier dann auch der poli­ti­sche Begriff von einer Gesell­schaft, die ethi­sche Vor­stel­lung von Mensch­lich­keit überhaupt.

Und dar­aus kann nur was fol­gen? Punkt 8: Weil Hit­ler und “Mein Kampf” per Man­gold schon ver­schos­sen sind, wird das nächst­schwers­te Geschütz aus­ge­packt, die Dicke Breivik-Berta:

Gemein­sa­mer Nen­ner der an Anders Brei­viks „Mani­fest“ zum Mas­sa­ker erin­nern­den Tira­de ist „schluss­end­lich ein vor allem von den Grü­nen im Lau­fe von drei­ßig Jah­ren instal­lier­tes Gut­men­schen­tum, des­sen Fun­da­ment aus nichts als Lügen besteht.“-… Anders als Brei­vik, der das Aus­agie­ren von Res­sen­ti­ment, Hass und Para­noia mör­de­risch zele­brier­te, belässt es die­ser Toben­de offen­bar beim Wort; man muss hof­fen, dass auch sei­ne Rezi­pi­en­ten so viel Zurück­hal­tung aufbringen.

“Offen­bar”, nur ver­mut­lich also, ist Pirin­çci gera­de eben noch kein Mas­sen­mör­der; und  man “muß” (!) hof­fen, daß sei­ne Leser eben­falls kei­ne wer­den, und wenn, dann wäre er schuld. (Geht es, neben­bei gesagt, eigent­lich noch nie­der­träch­ti­ger und hinterhältiger?)

Punkt 9: weil “Frau­en” im Sche­ma des Kul­tes die “Guten” sind, müs­sen die Autoren natür­lich auf fol­gen­den Umstand hinweisen:

Die zwei Dut­zend Autoren der zum Manu­scrip­tum-Ver­lag gehö­ren­den Edi­ti­on sind aus­schließ­lich Männer –

Aus­schließ­lich Män­ner! Und kei­ne per Quo­te gestreu­ten “guten”, also weib­li­chen Men­schen unter ihnen, nein, Män­ner unter sich! Was da wie­der aus­ge­brü­tet wird! Dar­aus kann ja nur Übles erwachsen!

Um dar­aus aber einen rich­ti­gen Sei­ten­hieb zu machen, muß eine wei­te­re bewähr­te Plat­te auf­ge­legt wer­den. Um die besag­ten Ker­le so rich­tig an den Eiern ihrer Man­nes­eh­re zu erwi­schen, wer­den sie als

älte­re, ver­bit­tert bis wei­ner­lich wir­ken­de Männer,

bezeich­net. Das hat nun aber geses­sen! Shame & Bla­me vom feins­ten! Wir wis­sen doch alle, na klar: die­je­ni­gen, die mit den Fol­gen gewis­ser lin­ker Poli­tik nicht ein­ver­stan­den sind, und es wagen, das Maul dage­gen auf­zu­ma­chen, sind alle­samt Jam­mer­lap­pen, Schwäch­lin­ge, Gries­grä­me, Loser, uncool, unmänn­lich und pen­si­ons­reif. Hört end­lich auf zu heu­len, ihr Mäd­chen! India­ner ken­nen Schmerz! Seid star­ke, rich­ti­ge Män­ner und bekennt euch zur welt­erlö­sen­den Mis­si­on des Femi­nis­mus! Und jetzt alle die Zäh­ne zusam­men­bei­ßen und “schwul ist cool“skandieren!

deren Wut sich gegen die immer­glei­chen Geg­ner wen­det: die Eman­zi­pa­ti­on der Frau­en, die Moder­ne, den Westen.

Ob der Hin­weis auf die “immer­glei­chen” Geg­ner kri­tisch-abwer­tend gemeint ist? Das ist natür­lich aus lin­kem Mun­de eine äußerst erhei­tern­de Aus­sa­ge. Begin­nen wir gar nicht erst davon zu spre­chen, war­um “die” Eman­zi­pa­ti­on “der” Frau­en, war­um “die” Moder­ne und “der” Wes­ten ein ein­heit­li­cher, makel­lo­ser, jeder Kri­tik ent­ho­be­ner Block des Immer-Guten, Immer-Gerecht­fer­tig­ten sein sol­len, und ihre “Geg­ner” immer schlecht und wider­legt und unethisch. Das alles müs­sen wir doch Men­schen, die mit der “Kom­ple­xi­tät der moder­nen, media­len Gesell­schaft” so glän­zend fer­tig­wer­den, daß sie es bei jeder Gele­gen­heit beto­nen müs­sen, nicht erzäh­len, oder?

Set­zen wir hier einen Schluß­punkt. Unter all dem Gedöns haben die Autoren kein ein­zi­ges inhalt­li­ches Argu­ment gegen Pirin­çci (oder irgend­ei­nen Autoren sei­ner Stoß­rich­tung) auf­zu­wei­sen. Die gute Sache allein ent­schei­det. Auf der einen Sei­te ste­hen gemäß ihrem Schlacht­ge­mäl­de die poten­zi­el­len Ver­bre­cher, die fins­te­ren Ideo­lo­gen, die Unter­kom­ple­xen, die Über­for­der­ten, die Bösen, die Unmensch­li­chen, die Uncoo­len, die Altern­den, die Schwäch­lin­ge, die alten Her­ren, die Frau­en­un­ter­drü­cker, die Jam­mer­sä­cke, die Unge­bil­de­ten, die “Has­ser”, die müh­sam gebän­dig­ten Pogrom­gei­len und Mas­sen­mör­der so weiter.

Und auf der ande­ren, auf ihrer Sei­te, steht selbst­herr­lich leuch­tend das genaue Gegen­teil: die Guten, die “Kom­ple­xen”, die “Dif­fe­ren­zier­ten”, die Reflek­tier­ten, die Coo­len, die Mensch­li­chen, die Auf­ge­klär­ten, die Angst- und Haß­be­frei­ten, die Sou­ve­rä­nen, die Lie­ben­den, die Soli­da­ri­schen, die Moder­nen, die Rächer der Ent­erb­ten und so wei­ter, sich selbst schmei­cheln­de Selbst­bil­der, die schon längst zu Dau­er­mas­ken erstarrt sind, aber durch kei­ne inhalt­li­che Sub­stanz mehr gedeckt werden.

Es ist nun genau die­se über­heb­li­che, zuneh­mend von der Wirk­lich­keit abge­kop­pel­te Pose, die sol­chen Zorn und Haß bei all jenen erregt, die ihre Lügen und Anma­ßun­gen nicht mehr hören kön­nen, und die unter den Fol­gen der von ihnen getra­ge­nen und mit­ver­ur­sach­ten Poli­tik zu lei­den haben.

Die Fol­gen ihrer Poli­tik und Mei­nungs­ma­che (zu denen inzwi­schen immer­hin eine wach­sen­de Zahl von Todes­op­fern gehört) win­ken sie, sofern sie sie über­haupt zur Kennt­nis neh­men, arro­gant als Kol­la­te­ral­schä­den ab, und unter­stel­len den­je­ni­gen, die sie zur Spra­che brin­gen, nied­rigs­te Absich­ten, beschimp­fen sie, ver­let­zen sie in ihrer Ehre, spre­chen ihnen die Mensch­lich­keit und damit das Mensch­sein ab, erklä­ren sie zu Fein­den, nen­nen sie min­der­wer­tig und ver­höh­nen sie, schlech­te Ver­lie­rer des gro­ßen Spiels zu sein, als des­sen strah­len­de, selbst­zu­frie­de­ne, schlaue, dau­er­ge­recht­fer­tig­te, prah­len­de Sie­ger sie sich inszenieren.

“Sowas kommt von sowas”, lau­tet ein alter lin­ker Slo­gan, und das Pirin­çci-Buch ist nicht von heu­te auf mor­gen vom Him­mel gefal­len, son­dern auch eine Frucht ihres eige­nen Ver­hal­tens. Da ste­hen sie nun und blin­zeln wie blöd in die Son­ne, und fra­gen sich, wie­so gera­de sie, die gro­ßen ewi­gen Unschulds­läm­mer und mensch­li­chen Men­schen plötz­lich, aus hei­te­rem Him­mel, so wüst von die­sem Tür­ken beschimpft wer­den, der doch eigent­lich auf ihrer Sei­te ste­hen müßte.

Nun fah­ren sie also reflex­ar­tig ihre übli­chen Abwehr­ka­no­nen aus der rhe­to­ri­schen Ram­sch­kis­te auf, und pro­bie­ren eine Pis­to­le nach der ande­ren aus (Text­ge­ne­ra­tor gefäl­lig?), inklu­si­ve Erpres­sun­gen, Ver­leum­dun­gen, Unter­stel­lun­gen, Anschwärzun­gen. Er sagt, wir sei­en geis­tes­krank? Das muß sel­ber ein Geis­tes­kran­ker sein! Er sagt, wir sei­en ver­ant­wort­lich für schlech­te, böse Din­ge und Fehl­ent­wick­lun­gen? Das muß ein böser Mensch sein! Ein Psy­cho­path! Ein Hit­ler! Ein sexu­ell Frus­trier­ter! Ein Geschäf­te­ma­cher! Ein Pro­vo­ka­teur! Ein Fall für den Sozio­lo­gen! Ein Fall für den Psychiater!

Über­all suchen sie nach Erklä­run­gen und Ursa­chen, nur nicht in der Wirk­lich­keit, nur nicht in sich selbst, nie­mals in sich selbst. Schon allein des­we­gen haben sie einen, zwei, drei, tau­send Pirin­çcis ver­dient, und kein Ton­fall ist inzwi­schen zu scharf für sie.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (30)

Albert

14. April 2014 10:37

Es ist angenehm, Lichtmesz die Argumente der Gegner ziselieren zu sehen.

Ich werde langsam zu müde, mir das Gefasel der Linken anzutun. Es verklebt einem nur die Hirnwindungen und verursacht Waschzwang...

M.L.:Ja, ab und zu habe ich das Gefühl, daß es mal wieder nötig ist...

Martin

14. April 2014 11:00

die Dicke Breivik-Berta

Der war gut! :)
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man mittlerweile fast davon ausgehen, dass Hitler und/oder zumindest Breivik false flag Aktionen waren, denn vermutlich keiner versucht davon mehr zu profitieren, als diejenigen, die immer die gleichen Schlüsse ziehen und diese Herren vor ihren Karren zu spannen pflegen ... (und damit verhöhnen sie letztlich die Opfer der genannten Verbrechner und treiben Schindluder mit deren Opfer).

Fuck You ist ja mittlerweile eine harmloser Allerweltsspruch geworden, der selbst von Diplomaten und anderen Führungskräften gerne gebraucht wird, von daher: Fuck You oder besser Fuck Off, liebe linksversiffte Presse, der Kaiser ist nackt, eure Verhüllungsversuche greifen leider nicht mehr.

Nordlaender

14. April 2014 11:05

"Ob sie es aus Überforderung tun, um der Reizdichte und Komplexität der modernen, medialen Gesellschaft zu entkommen ..."

Ja. Nee. Is' klar! Denn wo etwas komplex ist, da muß freilich mehr differenziert werden. Zumal es sich bei den X (beliebige, von guten Menschen hofierte Randgruppe) um keine homogene Gruppe handelt.
Mich deucht, daß jemand hier sehr gründlich reflektiert hat. Reflexion: Wenn Kinder einen bunten Ball gegen eine Wand spielen, dann wird dieser von der Wand - in seiner Substanz unverändert - wieder zurückgeben. Ähnlich werden gewisse Meme, jede Menge dümmliches Zeuchs, das halt in der öffentlichen Medienwelt herumfliegt, jahrzehntelang weitergereicht.
"Äpfel und Birnen darf man nicht vergleichen". Nun mag der einzelne unverbesserliche Ketzer zwar anmerken, daß dieser Apfel weniger Vitamine enthalte als jene Birne, dieses Angebot beim Obsthändler wesentlich frischer aussehe als jenes u.ä., aber kann es denn sein, daß Millionen entschiedene Nichtvergleicher von Äpfel und Birnen sich irren können?

Revolte

14. April 2014 11:06

"Demokratiegegner"..."Sozialstaathasser"

Jawohl! Und zwar ein radikal-superrechtsextrem-faschistoid-national-neurecht-konservativer Ultranationalist-NPD-Schweinenazi mit NaziDrittReichHJ-Fantasien. Hitler, Hitlerer, am Hitlersten.

1933...äh...1945...ach, Quatsch, "Die Fahne hoch...", nein, Moment, das war's auch nicht.
Rotfront, Genossen, wollt' ich sagen.
Habt alle einen recht schönen Montag! :-)

Suum quique

14. April 2014 11:10

Schon allein deswegen haben sie einen, zwei, drei, tausend Pirinçcis verdient, und kein Tonfall ist inzwischen zu scharf für sie.

Genau SO ist es!

Dinkie

14. April 2014 11:18

Meine Fresse Herr Lichtmesz, dass Sie sich noch die Mühe machen können und die Geduld aufbringen, dieses linke Geseihere klinisch zu sezieren, alle Achtung.

Ich hab' das Gefühl, ein "Breivik" ist für die Schreiberlinge sogar noch ein etwas stärkeres Kaliber als ein "Hitler". Kann es sein, dass der Hitler wegen exzessiver Benutzung schon etwas verschlissen und ausgeleiert ist, während der Breivik noch so schön knackig wirkt?

Einen Klassiker habe ich aber bisher leider vermisst: Die "kruden Thesen", meine Lieblingsphrase.

M.L.: Stimmt, haha!

Wie singen die Oppas von Die Ächzte: "Lasse reden!" Genau.

quer

14. April 2014 12:05

Eine sehr schöne Lektüre zum ersten Kaffee des Tages. Es kommt das auf, was Linke gerne als "klammheimliche Freude" empfinden.

ingres

14. April 2014 14:38

Zur Argumentation gegen die Nicht-Argumentation der linksgrünen Gutmenschen muß man nichts hinzufügen. Aber vielleicht etwas zum Psychogramm dieser merkwürdigen Spezies: Ich glaube eigentlich nicht, dass sie sich von Pirincci getroffen fühlen. Diese Spezies (die Vorläufer habe ich vor 40 Jahren leibhaftig an der Uni kennengelernt) ist so primitiv, dass sie lediglich im instinktiven Mustervergleich erkennen, dass etwas nicht so ist wie sie das sehen. Nachdenken findet vermutlich nicht statt, es läuft nur der Pawlowsche Speichel.
Interessant sind freilich die geifernden Muster mit denen der Andersdenkende bedacht wird. Die sind ja psychologisch (noch) massenwirksam, insofern zumindest formal mit Intelligenz verbunden und daher ist es interessant, dass sie benutzt werden. Irgendwie muß ja auch die reine Diffamierung erfunden werden. Da bin ich mir doch nicht sicher, ob sie nur der "Pawlowschen Hirnverdrahtung" entspringen können oder ob nicht doch ein gezielter Denkprozeß dazwischen liegt.
Andererseits ist das Ergebnis dieser Reflexion ja derart niederträchtig, dass ich nicht glaube, dass der linksgrüne Gutmensch in der Mehrzahl seine eigene Niedertracht ertragen könnte, wenn sie ihm bewußt wäre, er also als (echt, bewußt) Getroffener geifern würde.

Nordlaender

14. April 2014 15:10

Apropos dicke Breivik-Berta, da wurde ich erst kürzlich fündig, als ich bei Bolschewikipedia mal nachschlagen wollte unter "Kulturmarxismus".
Daß sei eine Kampfvokabel der neuen extremen Rechten, so teilt es ein Wissenschaftler der Politik mit. Wohin solche Zuordnungen führen, gerade wenn sich dann noch Islamophobie dazugesellt ... richtig, das hat der schreckliche Anschlag in Norwegen dann gezeigt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_Marxism_(Schlagwort)

M.L.: Ich finde den Begriff ganz "griffig".

Nordlaender

14. April 2014 15:15

@ dinkie

"Wie singen die Oppas von Die Ächzte: „Lasse reden!“ Genau."

Oder man konterte dem Dschurnalisten ganz einfach mit einem Heino-Titel:
"Junge, warum hast Du nichts gelernt?"
https://www.youtube.com/watch?v=PN2EoAZH1qQ

Stil-Blüte

14. April 2014 15:48

Nach der Wende habe ich mich bei einem netten Caféplausch mit meinem Verhörer über unsere gegenseitigen Strategien ausgetauscht, getreu dem Motto ' Es ist, Gott sei Dank, vorbei!- Der gute Mann plauderte aus dem Nähkästchen: 'Neben der 'Zersetzung' (Fachjargon), Streuen von Rufschädigung ('der ist bei der Stasi') gehörte es zu unseren Aufgaben, die Gegner auf u n s e r e Ebene als Gegner zu bekommen. Dort konnten wir sie kriegen. Ein Felix Krull, ein Schwejk, ein Karl Valentin, da waren auch wir machtlos.'

Hartwig

14. April 2014 15:51

Ursache solcher Exzesse ist die blanke Feigheit und die Furcht vor der eigenen feigen Fratze im Spiegel.
Was soll man denn auch machen bei dieser Übermacht? - bei diesen Globalisierungsmächtigen mit ihrem Geld und ihren Flugzeugträgern? - mit ihren provozierten und inszenierten Wanderarbeiterströmen? - mit ihren Durchmischungsideologien und Einheitsphantasien? Gegen solch einen Gegner kämpfen geht ja nicht, aussichtslos. Und kampflos gegen ihn schmollen verdirbt das ganze Leben. Kampflos geschlagen sein ist das Schlimmste. Also gibts eigentlich nur eines: Überlaufen und blos nicht mehr nachdenken! Das hat schon alles Hand und Fuss, das stimmt schon alles. Wir sind viele und werden immer mehr. So macht das Leben wieder Sinn, und auch Spass. Ganz innen und kaum merklich gibt es noch einen Rest Unwohlsein. Kaum zu spüren. Alles, was jetzt noch passieren kann, ist das da einer dran rührt und irgendwelche Zweifel sät. Blos nicht daran denken. Das Schlimme ist, das ein einziger genügt! Ein Einziger reicht schon. Nur nicht zweifeln. Und alle anderen dürfen auch nicht zweifeln. Sie müssen geschützt werden vor diesem Unrat, vor diesem .... Nazi. Ich stehe auf der richtigen Seite. Eigentlich dürfte es sowieso nur noch eine Seite geben.

Stein

14. April 2014 17:02

Wenn die ganzen Schmierfinken es wenigstens aufrecht meinten, könnte ich damit leben, ja ich hätte sogar ein klein wenig Respekt dafür, daß sie ihr geschätztes Weltbild mit Klauen und Zähnen (und auch auf unfaire Weise) verteidigen. Ich bin mir allerdings sicher, daß bei sich drehenden Verhältnissen plötzlich von überall aus dem Hauptstromwald Forderungen nach einem Bundesverdienstkreuz für Pirincci ertönen würden.

Revolte

14. April 2014 17:03

Siehe da.
Wie sich der Duktus doch ähnelt:

Deutschland

O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie sitzest du besudelt
Unter den Völkern.
Unter den Befleckten
Fällst du auf.

Von deinen Söhnen der ärmste
Liegt erschlagen.
Als sein Hunger groß war
Haben deine anderen Söhne
Die Hand gegen ihn erhoben.
Das ist ruchbar geworden.

Mit ihren so erhobenen Händen
Erhoben gegen ihren Bruder
Gehen sie jetzt frech vor dir herum
Und lachen in dein Gesicht.
Das weiß man.

In deinem Hause
Wird laut gebrüllt, was Lüge ist
Aber die Wahrheit
Muß schweigen.
Ist es so?

Warum preisen dich ringsum die Unterdrücker, aber
Die Unterdrückten beschuldigen dich?
Die Ausgebeuteten
Zeigen mit Fingern auf dich, aber
Die Ausbeuter loben das System
Das in deinem Hause ersonnen wurde!

Und dabei sehen dich alle
Den Zipfel deines Rockes verbergen, der blutig ist.
Vom Blut deines
Besten Sohnes.

Hörend die Reden, die aus deinem Hause dringen, lacht man.
Aber wer dich sieht, der greift nach dem Messer
Wie beim Anblick einer Räuberin.

O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie haben deine Söhne dich zugerichtet
Daß du unter den Völkern sitzest
Ein Gespött oder eine Furcht!

(Bertolt Brecht)

Zam

14. April 2014 17:06

You, sir, are on fire lately!

Die Reaktion der Zeit zeigt, dass es durchaus Sinn ergibt. Bei dem Artikel frage ich mich auch, ob er in seiner vollständigen Abgehobenheit es nicht etwas zu sehr an direkter Polemik und Angriffen fehlen lässt, Sätze wie

"Schon das 1981 veröffentlichte Heidelberger Manifest von (alt-)rechten Professoren und Intellektuellen konnte mit seiner dramatischen Warnung vor der "Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug von vielen Millionen von Ausländern und ihren Familien" letztlich den demografischen Wandel nicht aufhalten. Die Rechte ist gegenwärtig nicht die Avantgarde, sondern die Nachhut. "

M.L.: Wo steht dieser Satz?

könnten auch den Durchschnittsleser der Zeit nachdenklich stimmen. Es wird auch zugegeben, dass der Einfluss der rechten Intelligenz auf die Entscheidungselite gleich Null ist, was dann Pirinçci und Sarrazin ebenfalls recht gibt.

Carsten

14. April 2014 17:10

Ich habe eine Hoffnung: Nach dem unausweichlichen "großen Kladderadatsch" werden sich die Menschen schütteln wie nasse Hunde und die ganzen Scheißhausparolen von "Buntheit und Vielfalt" und Genderbla vergessen haben. Die Natur lässt sich nicht unterdrücken, auch nicht die des Menschen.

GFC

14. April 2014 17:43

Beim Lesen der tagesspiegel-Rezension Pirinccis Buch kann man schon Schwefel riechen. Menschen, die so innerlich zerrissen und in ständigem Widerspruch mit sich selbst greaten sind, haben ein Hauch des Dämonischen an sich. Überhaupt wirken diese irren Denunziationen wie das Gejohle und Geheule des infernalischen Chors.

Die Linken haben Kommunikation mit sich unmöglich gemacht, Sinn und Sprache zermürbt und erschöpft. Aber wie alle Gewohnheitslügner, am Ende werden sie in den Wahn getrieben (viele sind bereits dort angekommen), denn keiner kann schadlos mit Lügen umgehen. Wer standing lügt, verliert den Verstand und kann nicht mehr die Realität wahrnehmen. Wie ein lebenslanger Raucher die Lungen kaputt macht, zerstört der Gewohnheitslügner sein Wahrheitsorgan. Wer nicht mehr die Realität wahrnehmen kann ist gleich am Ende. Noch ein Paar starke Böen und das morsche, faule Haus stürzt ein.

Trouver

14. April 2014 17:55

der „Adoptivsohn“

Nicht eine Sekunde lang zögert die Linke die xenophobe Karte zu zücken, wenn sie diese braucht.

Waldgänger

14. April 2014 18:05

Ihr Zerpflücken der Pirincci-Gegner, Herr Lichtmesz, ist gut gelungen und bei aller Mühe natürlich nützlich.

Die schon ins Hysterische und Groteske verfallende Kritik - z.B. von Fleischhauer im SPIEGEL oder Fetscher/Schröder im Berliner TAGESSPIEGEL - ist im Grunde ein Zeichen von Verunsicherung und Sorge.

Gerade WEIL Pirincci ganz nüchtern-derb und unakademisch schreibt, gerade weil er so redet wie die ganz normalen Leute - eben deshalb wird sein Buch als so gefährlich gesehen.
Jeder kann das Buch verstehen.
Und wer ihm nicht oft zustimmt, der muss vernagelt sein.

Noch mehr als das sehr gelehrte und schwer lesbare Sarrazin-Buch ("Deutschland ...") ist Pirinccis Buch geeignet , auch in eher unpolitischen und nichtakademischen Kreisen Verbreitung zu finden.
Und das dürfte wohl auch klappen.

Nun glauben unsere Funktionseliten zwar, dass sie mittels medialer Dauerpropaganda in diesen (nichtakademischen) Kreisen ihre Weltsicht ausreichend verankert haben, aber so ganz sicher sind sie sich natürlich doch nicht.

Deshalb die Brachial-Reaktion.

Wobei diese Reaktion auch wieder sinnlos ist, weil die (nichtakademische) Zielgruppe sie nicht liest oder hört.

Martin

14. April 2014 18:11

Dieses ewige Nazi-tra-trulla-la selbst bei einem "angeschwollenen" (nicht anschwellenden) Bocksgesang eines ehem. Migranten, hat doch nur zur Folge, dass keiner mehr so richtig wahrnimmt, was die historischen Nazis für Verbrecher waren. Und damit einem überhaupt klar bleibt, was das für Verbrecher waren, muss man vor allem einmal damit anfangen, sich zu erinnern, welche Verbrechen diese Bande am eigenen Volk begangen hat, insbesondere, als sie merkten, dass ihnen die Felle davon schwammen.

In diesem Zusammenhang fand ich das in dieser Woche online veröffentliche Intro eines Spiegel Journalisten zu einem Artikel "Mein Vater, ein Werwolf", der genau so ein Verbrecher-Schwein, wie oben gemeint, als Vater hatte, interessant und der in diesem Intro folgendes, bemerkenswertes feststellt:

Nachdem ich mich endlich geistig von meinem Vater getrennt hatte, war ich nicht wirklich frei, vieles, was ich dachte und tat, ergab sich bloß durch eine simple Wendung um 180 Grad, aber - aus heutiger Sicht - bin ich mehr dankbar als verbittert über diesen Zwang zur Neugier. So versuche ich, mir mein Leben schön zu biegen. In dunklen Momenten verfluche ich die Macht, mit der meine Eltern in den letzten Monaten wieder nach mir greifen. Sie zwingen mich, mein Leben neu zu betrachten; was mutig, logisch und nobel schien, steht nun unter Verdacht. Meine Radikalisierung in den sechziger Jahren, der Aufstand gegen Autoritäten, die sozialistischen Visionen - in vielem bin ich ihnen näher, als ich bisher dachte.

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/a-964149.html

Ich habe mir die Print-Ausgabe des Spiegels natürlich nicht gekauft. Aber da das nicht der erste Artikel dieser Art ist (vor kurzem kam etwas über "Hitler´s Kindersoldaten" - sehr bewegend), scheint wohl auch beim "Sturmgeschütz" der Demokratie mittlerweile klar zu werden, dass die ewige "Die Deutschen waren die Verbrecher in Europa"-Leier nicht mehr verfängt und das man das Augenmerk auf die Verbrechen der Nazis am eigenen Volk richten muss, um überhaupt noch Wirkung zu zeigen.

PS: Das war ein bisschen "Off-Topic" - ich bitte um Entschuldigung.

Frau Mahlzahn

14. April 2014 20:21

Einfach wunderbar, Ihr Artikel!

Der von Zam zitierte Artikel in der Zeit krönt das Ganze auf das Vortrefflichste. Dort wird jetzt ein Politologe aufgeboten, der es allen Rechtsintellektuellen so richtig gibt.

Waldgänger aus Schwaben

14. April 2014 22:19

Zur Debatte gestellt

Die Pirincci-"Debatte" erscheint mir hier langsam etwas inzestiös. Will mal neues Blut rein bringen.
In einem Punkt hat der Tagesspiegel recht:

Die Kernthese des Textes, der sich streckenweise wie eine „Titanic“-Satire auf neokonservative Positionen liest,

Genau das war mein Eindruck nach "Das Schlachten hat begonnen."

Hat es zwar. Aber es schlachten deutsche Frauen ihre ungeborenen Kinder, oder verhüten sie.

Also, Leute, was wäre, wenn der Pirincci morgen erklärte:

Das Ganze war nur ein Gag vom Titanic-Sonnenberg (oder wie der Kerl heisst). Der war mein Ghost-Writer. Ist doch alles ok in Deutschland.
Danke, liebe Rechte, für die Million verkaufte Bücher.

Dann stände die Rechte mit heruntergelassenen Hosen da.

M.L.: Unwahrscheinlich, aber das wäre nun aa schon wuascht, oder? "Titanic" war gestern, es ist inzwischen in Deutschland so gut wie unmöglich, eine Satire zu schreiben, die nicht am nächsten Tag von der Wirklichkeit überholt wirkt.

Nicht dass ich dem Orientalen übermässig misstraue. Aber der Sarazzin könnte so was nicht bringen, weil er faktenbasiert argumentiert. Wären die Fakten falsch, wäre er schon lange widerlegt.

Fakten sind zwar langweiliger, aber irgendwie sicherer.

Nichtdestotrotz finde ich Reaktionen wie in der "Zeit" oder dem "Tagesspiegel" interessant. Bei allen Brevik oder Hitler-Vergleichen is der Wunsch nach dem Verbit des Buches nicht zu überhören. Nur verbieten, das können sie leider nicht.

Monalisa

14. April 2014 22:23

Akif wirkt, die "Zeit" verlinkt zur Sezession!

https://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-04/debatte-intellektuelle-rechte-in-deutschland/seite-2

Revolte

14. April 2014 22:24

Folgender Artikel in der Zeit dürfte von Interesse sein.

In der Debatte um Akif Pirinçcis Schmähschrift wird ein intellektuelles Milieu sichtbar: bürgerlich, stramm elitär und ressentimentgeladen.

Hier geht's weiter: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-04/debatte-intellektuelle-rechte-in-deutschland

ene

14. April 2014 23:33

Es wird bei dem ganzen Gehechele vor allem eines sichtbar: die Unfähigkeit der Rezensenten zur intellektuellen Auseinandersetzung.

Keine Argumente, keine Differenzierungen, keine Lust am Streit, kein Witz, keine Ironie... das alles wäre ja möglich, aber keiner ist offensichtlich dazu noch in der Lage.

karlmartell

14. April 2014 23:58

Die Tür zur deutschen Elite steht diesem politischen Lager nur einen Spalt offen. "
https://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-04/debatte-intellektuelle-rechte-in-deutschland

Aha! Und wer soll das jetzt sein, "deutsche Elite" ? Doch nicht etwa diese gewerbsmässigen Manipulierer, die „Konsens“ erfinden, wenn die breite Masse von irgendetwas überzeugt werden muss, das sie kritik- und vor allen Dingen widerspruchslos als ewige Wahrheit zu akzeptieren hat?
Kritik am Konsens, speziell dem politischen Konsens, hat fatale Folgen. Opposition zum „Konsens“ darf es nicht, auch medial nicht geben.

Wenn nämlich bekannt würde, das Uneinigkeit mit dem „Konsens“ besteht oder sogar verbreitet würde, gäbe es den "Konsens der Ideologen" nicht mehr.
Jeder muss deshalb an den „Konsens“ glauben, obwohl viele den politischen Trick dabei durchschauen. Ideologischer „Konsens“ ist wie das religiöse Dogma nicht diskutierbar und entzieht sich der Beweisführung.

Der Türspalt zu dieser "deutschen Elite" muss hermetisch abgeschlossen werden, aber erst, wenn die gesamte "Elite" im Raum versammelt ist.

Magnus Göller

15. April 2014 00:17

In der Tat muss auch ich dem Autoren Lichtmesz meine Anerkennung für seine Ausdauer zollen. Mancher bemitleidet ihn ja fast schon dafür, dass er sich so beharrlich durch all dieses hysterische, in sich mehrfach widersprüchliche, schwachmatische Dreckgeschmeiße wühlt.
Sinnvoll ist diese harte Arbeit aber wohl schon: So mancher fanatische Totaltoleranzler wird hier lesen, um den Feind besser zu verstehen. Vielleicht wird dem einen oder anderen von denen dabei doch irgendwann schwindlig. Steter Tropfen höhlt den Stein.

F451

15. April 2014 15:17

Mitleid will Hr. Lichtmesz sicher nicht, doch ich könnte mir das alles gar nicht mehr antun. Der gesunde Menschenverstand rebelliert ja schon auf die paar Expertisen, die man hier präsentiert bekommt. Wohlwissend das dies immer nur die Spitze des Eisberges ist. Mir ist klar, daß ich niemals auch nur annähernd den Grad an Fanatismus erreichen werde, den die Antideutschen spielend halten. Es ist klar, die hoffen (zurecht) darauf das wir "Stinos" uns nicht mehr wehren werden, und das sie mit denen die sie sich jetzt heranziehen die neue Welt bauen. Wer selbst oder in seinem Umfeld Kinder hat, der weiß was für eine massive Umerziehung in allen Bereichen da läuft und auch wenn es viele Rechte nicht gerne hören, sie ist sehr erfolgreich.

eulenfurz

16. April 2014 23:33

...ältere, verbittert bis weinerlich wirkende Männer...

Fehlen da gemäß E.v.S. in der Beschreibung des Erzfeindes durch die Presstituierten nicht noch die fliehende Stirn und die engstehenden Augen?

Frankstein

14. Mai 2014 09:08

"Fakten sind zwar langweiliger, aber irgendwie sicherer." ( Waldgänger aus Schwaben
Montag, 14. April 2014, 22:19)
Er geht im Wald und sieht die Bäume nicht. Pirincci kann schreiben was er will, seine Kritiker müssen ihn widerlegen. Das ist Grundlage jeder Debatte.
Sarazzin verkürzt die Debatte, indem er die Fakten gleich mitliefert. Hier ist eine Debatte nur noch im Rahmen der Deutung möglich. Überhaupt ist es Usus in einschlägigen Blogs gleich hieb- und stichfeste Beweise zu präsentieren, was eigentlich Debatten unmöglich macht. Wie beim Frontalunterricht in der Grundausbildung.
Im Grunde heißt es = schlägst Du meinen Philosophen, schlag ich Deinen Philosophen. Alles eine Frage der Wahrnehmung, aber nicht der eigenen. Unbestritten hat das Schlachten begonnen, in Zeiten des Web 2.0 erpare ich mir Verweise. Und nicht die die deutschen Frauen schlachten, das ist eine unzulässige Verkürzung. Tatsächlich ist die Zahl der Verhütungen und Abtreibungen ( zu) hoch, muss aber im historischen Kontext gesehen werden. Kinderreichtum war in der Oberschicht und der Unterschicht vergangener Zeiten die Regel. Die einen konnten sich ihn leisten, die anderen brauchten helfende Hände. Die Mittelschicht, nach dem Mittelalter, hatte selten mehr als 2 Kinder. Gründe sind ausreichend erforscht, Platz- und Wohnraummangel, Haushalten mit Ressourcen, Bewahrung des Erreichten.
Heute sind alle Mittelschicht. Heute werden auch fast alle älter, müssen also mit dem kleiner werdenden Kuchen länger haushalten. Für ( viele) Kinder ist da nur Raum, wenn die Gemeinschaft sich an den Kosten beteiligt. Das ist nicht gut, aber die Realität. Für das Überleben eines Volkes ist das sekundär. Auf der gleichen Grundfläche, wie heute, lebten zur Zeitenwende in Deutschland etwa 8 Millionen Menschen, nach dem Dreißigjährigen Krieg ebenso. Daraus wurden 60 Millionen, vermutlich heute noch. Trotz des Schlachtens im 1. und 2. WK. Das waren aber teilweise selbstverschuldete Leiden. Die Leiden der Neuzeit werden aber von außen erzeugt, über die Motive muss nicht gerätselt werden. Nicht das Schlachten folgt einem strengen Plan, aber die Vorraussetzungen sind geplant. Unter anderem von den Damen und Herren, die Sie und andere vermutlich demnächst wieder wählen werden. Pirinicci ermuntert uns, einen Blick in die Planungsstube zu werfen, bevor wir im Schlachthaus landen.

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