Sezession
19. April 2014

Charles Péguy: Alle unsere Häuser sind Festungen im Meer

Martin Lichtmesz

PeguyCharles Péguy (1873-1914) war Sozialist, "Dreyfusard", Humanist, Publizist, Polemiker, Dichter, Patriot, Katholik. Er fiel als Freiwilliger am 5. September 1914, zu Beginn des 1. Weltkrieges, am Vorabend der Marne-Schlacht.  Sein Werk hat heute in Frankreich den Status eines "kleineren", inzwischen etwas verblassten Klassikers.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

In Deutschland ist Péguy so gut wie völlig vergessen (allenfalls Robert Spaemann erinnert gelegentlich an ihn), zumal sein Prosawerk im Gegensatz zu seinen recht voluminösen Versdichtungen nur bruchstückhaft übersetzt wurde. Das hat verschiedene Gründe.

Hans Urs von Balthasar schrieb, das "ungeheure" Prosawerk Péguys sei "selbst für Franzosen ein Urwald": "Vieles daraus, und einiges vom Schönsten, wird immer unübersetzbar bleiben. Manches ist Gestrüpp und würde eine Übertragung nicht rechtfertigen. Sehr vieles ist leidenschaftliche, zeitgebundene politische Diskussion und Polemik und setzt, um verstanden zu werden, bereits ein historisches Studium voraus." Hinzu kommt noch der eigentümliche, in endlose Arabesken und "Litaneien" ausufernde Stil des Autors, der dem Leser oft viel abverlangt. Wenn sie aber ihre Wirkung entfaltet, hat Péguys Prosa eine bewegende suggestive Kraft.

Balthasar gab 1953 eine von ihm selbst übersetzte Auswahl unter dem Titel "Wir stehen alle an der Front" heraus. Um über all dem tagespolitischen Theater die übergeordnete Perspektive nicht zu vergessen, möchte ich als Ostergabe ein herrliches Stück aus Péguys Schrift " Un nouveau théologien", aus dem Jahr 1911  bringen. Auch unsere un- und nichtchristlichen Leser werden es ohne Zweifel mit Gewinn lesen, sofern ihr Herz in einem ähnlichen Rhythmus schlägt.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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