Sezession
13. Mai 2009

Sag mir, wo Du stehst

Martin Lichtmesz / 26 Kommentare

animal_farmMan gestatte mir heute einen schlecht gelaunten Zwischenruf, Abteilung "grüner Eiter".  Daß ich nicht gerade ein Fan der Genossen von "Pro Köln" bin, habe ich ja bereits ausgeführt. Immerhin, die Vorfälle vom letzten September in Köln hatten trotz aller Widerwärtigkeit etwas Dramatisches und Aufwühlendes, und solange es Konflikte gibt, darf man hoffen, daß noch genug Sprengstoff vorhanden ist, um die verknorzten Verhältnisse in Bewegung zu bringen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Umso mehr wundert (und ehrlich: enttäuscht es) mich, wie schnell dem Ganzen nun im zweiten Anlauf  die Luft ausgegangen ist, und zwar auf beiden Seiten.

Not with a bang, but with a whimper: Die Medienhetze gegen PK war deutlich leiser, der Kongreß mußte nicht abgebrochen werden und konnte relativ ungestört stattfinden, die Gegendemonstranten waren überschaubar, ebenso allerdings auch die Besucher. Und nun herrscht auch bei einem der Haupt-Alliierten von PK, bei dem allseits beliebten Portal "Politically Incorrect", Katerstimmung. Schon beginnen sich die heterogenen Elemente auseinanderzudividieren. Da wären etwa auf dem Kongreß "dubiose Gestalten" aufgetaucht, und einige davon hätten sich auch noch "anti-israelisch" geäußert, was für die Pro-Israelis von PI natürlich ein äußerstes Sakrileg ist. Der PI-Kommentator schreibt:

Der Kongress hinterlässt nicht nur Begeisterung, von der hier viel die Rede war, sondern auch tiefe Enttäuschung und Ernüchterung. Und wenn man in Pressevideos sieht, wie der obige Herr (Anm.: oben auf der Seite abgebildet) Gegendemonstranten hinterher kräht: „Geh doch zu Hause, Du alte Scheiße“ auch ein wenig Scham. Wer das noch kennt.

Was ganz was Neues: ausgerechnet "Politically Incorrect" redet von "Scham"!  Wie auch immer: die Programme von PI & PK mit all ihrem Israel-, USA-, Grundgesetz- und Menschenrechte-Gedöns zeigen deutlich, wie wenig die Beteiligten eigentlich wissen, wer sie eigentlich sind, als Deutsche, als Europäer, als Westler, wofür sie eigentlich kämpfen, welche Bestände genau sie eigentlich vor der "Islamisierung" bewahren wollen. Mit all den Symptomen des westlichen und inbesondere des deutschen Identitätsknacks' im Gepäck läßt sich aber kein fester Boden unter den Füßen gewinnen, und mit der Verteidigung des Liberalismus wird die Krankheit als Heilmittel, der Bock zum Gärtner empfohlen. Frei nach Karl Krausens Diktum über die Psychoanalyse: "Der Liberalismus ist jene Krankheit, für deren Heilmittel er sich hält."

Wenn ich zwischen Markus Beisicht und einer wirklich selten ekelhaften Gestalt wie Fritz Schramma (oder zwischen Schramma, Beisicht und Ralph Giordano, wenn wir schon dabei sind) wählen müßte, ginge es mir wie der spanischen Königin in der Ballade von Heinrich Heine von der religösen "Disputation":

Doch es will mich schier bedünken,
Daß der Rabbi und der Mönch,
Daß sie alle beide stinken."

Aber Politik ist nun einmal so, und die Herrschaften von PI und PK scheinen noch die letzten zu sein, die die Energie haben, einen doch recht beachtlichen Widerstand gegen die Islamisierung und die Überfremdung (um letzteres geht es ja eigentlich hauptsächlich, wenn man die Sache zu Ende denkt, auch wenn es die Betreffenden ungern zugeben) zu organisieren, ein Widerstand, der allerdings, wie gesagt, auf den sprichwörtlichen tönernen Füßen steht. Aber gleichzeitig bringen es diese Leute durch ihr eigenes Verhalten fertig, daß das linksliberale Meinungskartell leichtes Spiel hat, sie zu diskreditieren, rechnet man auch ein, daß heute jegliche Form der autochthonen kulturellen Selbsthauptung als "rechtsextremistisch" diffamiert wird. Und die sogenannte "schweigende Mehrheit", teils gelähmt, teils planlos,  teils im euthanasischen Entschlummern versunken, tut, was sie immer tat, nach Joachim Fernau:

Die Hälfte der Nation sitzt beim Schweinebraten und hat die Fensterläden geschlossen, die anderen sind, wie immer, Büttel, der Rest Trappisten.

Und nun? "Sag mir, wo Du stehst, und welchen Weg Du gehst"?  Kann man sich denn immer noch nicht "in Gesellschaft um Deutschland bemühen"? Ist es egal, wo man steht (und geht), hauptsache, man steht und geht,  statt zu sitzen, zu kriechen, zu knien, zu rutschen und zu liegen?

Ich hatte immer schon eine Abneigung gegen den Dávila-Imitator Michael Klonovsky, und gegen dessen bekannten Spruch, den ich in letzter Zeit wieder öfter zustimmend höre: "Jede Seite ist die falsche".  Allmählich denke ich das allerdings auch. Ich formuliere meinen "politischen Existenzialismus" aber lieber mit Léon Bloy. Der wurde gefragt, ob er Pro- oder Anti-Dreyfusard sei. Bloy antwortete: "Weder-noch, ich bin anti-cochon."


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (26)

Timotheus
13. Mai 2009 18:04

Warten wir doch einfach mal ab, ob die Partei es schafft in den anstehenden Kommunalwahlen mit nennenswerter Stärke in den Kölner Stadttag, oder wie immer es dort heißen mag, einzuziehen. Wenn Sie es in Köln schaffen vielleicht zweistellig zu werden: Schön.

Wenn nicht, dann ist der Verlust eines - wie Sie schon anmerkten - ohnehin ziemlich wüsten Haufens, mit einer ziemlich wirren Weltanschauung, sowieso kein großer Verlust.

Was ärgerlich ist, ist dieser Pro NRW Anhang, der ohnehin völlig chancenlos ist und bestenfalls andere rechte Parteien in NRW kannibalisiert. Geradewegs so, als hätten wir nicht schon genügend rechte Parteien, deren Professionalität auf dem Niveau einer Stadtliste gerne mal wäre.

Calito
13. Mai 2009 19:01

Passend hierzu zwei Artikel zu Pro Köln/NRW und dem Modell Rechtspopulismus, die ich für die BN verfasst habe.

Pro Köln zeigt sich bei öffentlichen Kundgebungen demonstrativ mit Israel-Fahnen und hebt jüdische bzw. Mitglieder mit Migrationshintergrund besonders hervor, um weniger häufig mit der Nazi-Keule eins auf den Deckel zu bekommen. Eine Waffe, von der übrigens auch der alternde jüdische Publizist Ralph Giordano im Kampf gegen den „lokalen Ableger des Nationalsozialismus“, der ihn „am liebsten in die Gaskammer stecken würde“, regen Gebrauch machte. Dass nun ausgerechnet dieser kürzlich in der FAZ den Deutschen mangelnden Mut bei der Benennung politisch-inkorrekter Probleme wie eben der Islamisierung vorwirft, mutet geradezu wirr und senil an. Das hindert Pro Köln aber nicht daran, sich erneut mit dem fragwürdigen Mitstreiter Giordano zu solidarisieren.

Das Kalkül ist klar: In populistischer Weise soll für Aufmerksamkeit gesorgt werden. Deshalb suchen Beisicht und Co. gezielt den Schulterschluss mit FPÖ, Vlaams Belang und Co. Besonders deutlich wird dies, da die Pro Köln-Plakate genauso wie die der FPÖ aussehen. Mit dem Kopieren des „Fitna“-Erfolgsmodells regt die Bürgerbewegung nun viele ahnungslose Gemüter an, über das Problem der Islamisierung ernsthaft nachzudenken.

Sollte es Pro Köln gelingen, die Medienblockade tatsächlich zu durchbrechen, dann könnte das „Modell Rechtspopulismus“ auf deutschem Boden Zukunft haben.


Hier
nachzulesen.

Er steht letztlich in der Tradition von rechtspopulistischen Liberalen wie Fortuyn, einem bekennend-provokativen Homosexuellen, der propagierte, er ginge sonntags lieber in den Darkroom als in die Kirche. Weitere Mistreiter wie die „Menschenrechtlerin“ Ayaan Hirsi Ali sind ebenso atheistisch geprägt und befürworten uneingeschränkt Haltlosigkeiten wie Legalisierungen von Abtreibungen oder ähnlichem. Die Furcht der Dekadenz ist hierbei keine Überlegung wert. Bekenntnisse zur kulturellen europäischen Tradition des christlichen Abendlandes – wenn überhaupt – dürften bei diesen Protagonisten nicht mehr als Worthülsen zum populären Wählerfang sein. Weltanschaulich sind somit auch eifrige Nachahmer wie Pro Köln kritisch zu betrachten.

Getrennt marschieren, vereint schlagen!

Dennoch sollten im gemeinsamen Kampf gegen die Islamisierung Europas nicht Unterschiede, sondern gemeinsame Anliegen unterstrichen werden. Ein getrenntes Marschieren, doch gemeinsames Zuschlagen: Es muss schlichtweg anerkannt werden, dass nicht erst seit dem Haider-Mythos das Modell Rechtspopulismus die Massen erreicht und bewegt. Diesen Chancen und den daraus resultierenden Möglichkeiten sollte man deshalb nicht im Wege stehen. Die Zeit der Neuen Rechten wird noch kommen.

Siehe hier.

Selbstverständlich sind PK oder PI geistig relativ schwach. Aber sie mobilisieren relative Massen und durchbrechen Medienblockaden, die ein Nolte z.B. mit seinem neuen Schinken eben nicht erreicht.

pb
13. Mai 2009 19:19

garant für die stabile bedeutungslosigkeit der deutschen rechten ist das unvermögen der akteure, auch in den naturgemäß unterschiedlichen äußerungen (meinungen, weltanschauungen, glaubensbekenntnissen, lebensstilen, ritualen, traditionen, dress-codes u.s.w.) der jeweils anderen sektierer einen im weitesten sinne "rechten" kern als kleinste gemeinsamkeit gelten zu lassen.

jedes (typischerweise in auswegloser verteidigungsstellung gegenüber dem politischen gegner vorgebrachtes) "aber mit SOLCHEN leuten will ICH nicht in einen TOPF geworden werden" verhindert zuverlässig das entstehen einer kulturellen, die bestehenden feinen unterschiede zumindest überbrückende groß-basis, wie sie für den erfolg politischer bewegungen unverzichtbar ist.

und die vielfalt der sekundärmerkmale von leuten, mit denen man selber absolut nichts zu tun haben will, ist unerschöpflich: anzugträger/trachtler, finken/bündler, pietisten/nudisten, wirtschaftsliberale/protektionisten, pazifisten/soldaten, schwule/väter, jäger/tierschützer, konsumisten/asketen ...

ganz zu schweigen von all den politischen fachthemen, bei den man mit nahezu gleichermaßen überzeugender rechts-grundierter argumentation sowohl dafür als auch dagegen sein kann.

diese themen reichen von abgeltungssteuer, abtreibung, autos und atomkraft bis zahlungsmittel (>>EURO), zahnersatz (>>gesundheitssystem) oder zinsen.

die konstruktive lösung kann nur darin bestehen, dass jede(r) sich am riemen reißt und auch mal eine, im nano- oder mikrometermaßstab mit eigenen grundüberzeugungen kollidierende meinung eines anderen rechten, zumindest in gegenwart der öffentlichkeit oder des politischen gegners, "einfach mal so stehen" lässt.

soviel taktische toleranz zu wahren, würde auch der menschlichen kohärenz der rechten untereinander gut bekommen. man muss schließlich nicht die gleichen fehler wiederholen, wie sie andere gruppierungen, so auch die GRÜNEN, während des prozesses ihrer parteiwerdung bis zur erfolgreichen einflussnahme auf die wichtigen politischen weichenstellungen unseres landes schmerzvoll durchlitten haben.

derherold
13. Mai 2009 20:23

Man könnte sich natürlich die Frage stellen, ob dieses "Kannibalisieren" nicht vielleicht gewollt ist. Angesichts einer Schwäche (oder besser: Nichtexistenz) in NRW, wäre mgl.weise eher von perspektivischem "Kanalisieren" zu reden.

Wenn man unterstellt, daß eine (polit.) Aktivität in einer als "rechts" bezeichneten Organisation, noch dazu in einer, die "beobachtet" wird, der Karriere - vorsichtig formuliert - nicht unbedingt zuträglich ist, darf man fragen, warum ein Lokalpolitiker der CDU zu dieser "PK" wechselt. Selbst die Annahme, daß es sich bei diesem um a) einen Idealisten oder b) nicht das hellste Licht am Christbaum handelt, wäre für eine Erklärung nicht ausreichend.

Vielleicht hat die "PK" einen Auftrag und für die Auftraggeber wäre ein kommunalpolit. Erfolg im Gegenteil wenn nicht erwünscht, so doch akzeptabel.

Toni Roidl
13. Mai 2009 20:58

Liebe Leute, Ihr habt vielleicht Sorgen. Dass das Personal von Pro Köln freundlich gesagt "ziemlich strange" ist, ebenso wie die Pamphlete von PI, ist offenkundig. Dass PK nicht willens oder in der Lage ist, sich Nazideppen vom Hals zu halten, ist furchtbar dämlich. Und ob Beisicht wirklich integerer ist, als der Kotzbrocken Schramma, weiß ich auch nicht recht. Aber eines muss man den PK-Leuten doch anrechnen: Sie schaffen es aus Eigeninitiative, Öffentlichkeit für ein Problemthema zu erzeugen, das ansonsten in Deutschland völlig ignoriert bzw. negiert wird. Sie haben nicht zuletzt einen sichtbaren Beweis dafür hinterlassen, dass Gewalt und Totalitarismus links zuhause sind. Diese Bilder haben Leute im ganzen Land erreicht und viele zum Nachdenken gebracht (Wie man aus etlichen Kommentaren in allen Onlinezeitungen ablesen konnte). Das muss man erstmal nachmachen. Da spielt es zumindest im öffentlichen Bild kaum noch eine Rolle, ob sich ein Nazispinner darunter befindet, denn für die Medien sind sie eh allesamt Nazis (Die Hetze im WDR-TV und -Radio war unglaublich!). In der gegenwärtigen Lage finde ich es darum mit Verlaub etwas redundant, darüber zu befinden, ob der eine oder andere Aspekt einer anderen rechten Initiative vielleicht nicht ganz nach Gusto ist.

Martin
13. Mai 2009 21:41

Ich zitiere mich mal selber aus meinem Beitrag zur hiesigen Debatte über den WELT- Artikel über die Sezession:

"Als Abonnent der Sezession seit Ausgabe Nr.1 kommt mir regelmäßig nach der Lektüre der jeweils aktuellen Zeitschrift eine Liedzeile eines alten DDR-Jugendliedes in den Sinn:

„Sag mir wo Du stehst … “ hies es da ….

bei all den intellektuell nett zu lesenden Artikeln, die einen durchaus auch in der persönlichen Weiterbildung weiterbringen können, frägt man sich doch immer wieder:

Wie würden „die“ in der oder der ganz konkreten politischen Situation handeln ? Man mag aufgrund von einzelnen Positionen zwar Mutmaßungen anstellen, aber da man ja „Meta-Politik“ mit der Zeitung betreiben will, bleibt essentielles doch sehr offen … und Politik wird ja erst in der ganz konkreten Handlungssituation greifbar …"

Die jetzt mit diesem Beitrag gestellte Frage kann man also durchaus zurück an die hier publizierenden Autoren geben ....

So klar wird es einem nicht, wofür ganz konkret das hier schreibende "Kollektiv" steht ...

Wie sähe ein Staat aus, wenn es nach den Sezessions- Leuten geht ?

Gibt es Parlamentarismus, Gewaltenteilung, Wahlen, Volksentscheide, Grundrechte, Bundesländer, Kommunen, Rechtstaat, Todesstrafe ja/nein etc., wären doch mal Dinge, die man grundsätzlich, ohne sich ins Detail verlieren zu müssen, einmal beantworten könnte ...

Tiberius
13. Mai 2009 21:53

Seien Sie getröstet: Bloß weil es im Moment keine Partei gibt, die ernsthaft konservative Inhalte vertritt, muss man nicht an der Seite an sich zweifeln.
Es wäre halt leichter, wenn man eine wirkliche Interessenvertretung hätte. So bleibt einem im Moment nur das Festsche "Ich nicht". Das ist doch wenigstens ein ehrbares Motiv.

Thatcher
13. Mai 2009 23:10

Ich habe mich an der erwähnten Auseinanderdivision auf PI beteiligt. Mich wundert die Debatte nicht, nur die Heftigkeit, mit der die Stimmung dort zwischen Verteidigern und unerbittlichen Gegnern von Pro Köln schwankt, die immer schon gewußt haben wollen, daß die Gruppe wegen Rouhs' und Beisichts Vergangenheit nicht wählbar ist. Vielleicht liegt es daran, daß sich PI niemals explizit als konservativ definiert hat. Zwar sind konservative Positionen hierzulande seit Jahr und Tag politisch inkorrekt, aber das gilt nicht im Umkehrschluß. Meine Appelle, sich aufzuraffen und angesichts der tristen Lage wenigstens eine aussichtsreiche Bewegung zu unterstützen, statt in altbekannter Weise in die vom Mainstream aufgestellten Fallen wie Personalfragen, ausländische Verbündete mit Leichen im Keller, unprofessionelles Verhalten etc. zu tappen, fruchteten leider nichts. Die Macher der Seite scheinen zu fürchten, dass mit einem Bekenntnis zum Konservativen Leser und damit Resonanz verlorengehen könnten, und fürchten das als ausgesprochener Massenblog. Man will Masse statt Klasse, man will sich - außer in den Grundsätzen, die schon in der Titelzeile stehen - nirgends festlegen, und den damit verbundenen Niveauverlust nehmen sie gelassen hin; sie sind ja schließlich die Größten. Dass durch eine Profilschärfung auch der Eindruck und die Wirkung gesteigert werden könnten und eventuell sogar neue Leserkreise hinzugewonnen werden könnten, sieht man dort nicht.

Timotheus
13. Mai 2009 23:37

Ich halte die Abwesenheit einer wählbaren Partei übrigens für ein geringes Übel, denn sind es doch die Parteien, die den gesellschaftlichen Bewegungen nachfolgen, und nicht ihnen vorausgehen. Nunja, "unser" Teil der Gesellschaft ist eben ein "exterritorialer Teil" diese Gesellschaft, sprich nicht in der Öffentlichkeit vertreten und kaum organisiert bzw. nur in kleinen Entitäten organisiert, die untereinander sogut wie gar nicht vernetzt sind.

Der alte Bismarck einte die verschiedenen Strömungen mit Blut und Eisen, in deren Abwesenheit uns etwas anderes einfallen sollte, wie wir die zahllose Splittergruppen zusammenführen. Die bloße Ablehnung von Zuständen allein scheint dafür nicht zu genügen. Das bloße Abarbeiten an den Canaillen unserer Zeit ebenso wenig. Ich denke es ist wichtig zu sehen, daß Deutschland an sich nicht mehr ausreicht, um eine solche Brücke über die verschiedenen rechten Lager und in das potentiell rechte Klientel zu spannen.

d.n.
14. Mai 2009 01:12

Die Kritik an Pro Köln – ich meine natürlich die kritischen Anmerkungen aus rechter Sicht, nicht jene Haßtiraden von links – ist berechtigt; die entscheidende Frage sollte jedoch lauten: Welche Konsequenzen ziehe ich, ziehen wir daraus?

Pro Köln bzw. Pro NRW ist zunächst eine politische Partei (auf den selbst erhobenen Duktus der „Bürgerbewegung“ möchte ich jetzt nicht näher eingehen). Das heißt, die Frage der Konsequenz dürfte sich in erster Linie an der Wahlurne (Gemeindewahl in Köln und Umgebung im August 2009, evtl. Landtagswahl in NRW 2010) stellen und für einen Großteil der Deutschen ohnehin irrelevant sein.

Insbesondere sollte man sich aber nicht vorschnell und unnötig irgendwelche Distanzierungsrituale aufdrängen lassen.

Alles, was rechts der CDU ist, ist noch im Entstehen begriffen. Keine Frage: Von „eigentümlich frei“ über das IfS hin zur GfP liegen Welten. Auch zwischen Petra Kelly und Herbert Gruhl lagen und auch zwischen Armin Laschet und Norbert Geis liegen Welten. Das heißt auch für uns: Gemeinsamkeiten müssen betont werden, Differenzen sollen herausgestellt werden, eine Zusammenarbeit darf nicht ausgeschlossen werden. Die politische Rechte in Deutschland – gleich welche – ist heutzutage nun einmal so schwach, daß alles andere als ein gewisser Binnenpluralismus aussichtslos ist.

Um es kurz zu machen: Ich beobachte Pro Köln trotz allem, trotz aller Widersprüche mit Interesse.

Nihil
14. Mai 2009 01:49

1.) PK u. PI - mit den "Menschenrechten" gegen "Überfremdung"? Eine Formel, die die Probe nicht bestehen wird! Kommt auch bei manch anderen rechtspopulistischen Bewegungen vor und zeigt deren theoretische Dummheit. Mich würde es nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit PK/PI und "Antideutsche" (Bahamas et al) das "Gemeinsame vor das Trennende" stellen, das wäre nämlich nur allzulogisch. Bsp: http://www.pi-news.net/2007/11/justus-wertmueller-ueber-die-radikalen-linken/ - Personifizierung: Henryk M. Broder.

2.) Bei aller Feindschaft gegenüber dem Liberalismus, aber

„Der Liberalismus ist jene Krankheit, für deren Heilmittel er sich hält.“

klingt doch schrecklich nach marxistisch-dialektischen Fieberträumen (vgl. Kritische Theorie), nach einer Ausweglosigkeit, die sich noch selbst "reproduziert" :-). Nein, so möchte ich meine Liberalismuskritik nicht haben.

3.) Wo ich steh? Natürlich auf der Seite der Wahrheit, vgl. http://www.youtube.com/watch?v=iJVoQzxDuD8 ... Die Schürzenjäger werden uns vor der Überfremdung retten ...

Friedrich
14. Mai 2009 08:47

In der Bedeutungslosigkeit läßt es sich trefflich voneinander abgrenzen – statt „écrasez l'infâme“ zum Gemeinsamen zu machen.

Hohenstaufer
14. Mai 2009 08:55

Der sogenannten "rechten" Bürgerbewegungen inhärente westliche Liberalismus macht diese a priori zu Organisationen, die lediglich Symptome (Moscheebauten, islamische Gemeindezentren, etc.), aber nicht die Wurzel des Übels bekämpfen.

Gleichwohl existieren in anderen Ländern auch Gegenbeispiele:

http://www.zeit.de/2009/20/Ungarn?page=1

Martin Lichtmesz
14. Mai 2009 14:36

Ich möchte kurz festhalten, daß "écrasez l'infâme" und Bloys "je suis anti-cochon" nicht miteinander zu verwechseln sind.

Corvusacerbus
14. Mai 2009 15:05

Zu Martin "Sag mir, wo Du stehst?". Martin fragt, "Wie sähe ein Staat aus, wenn es nach den Sezessions-Leuten geht?". Da kennt einer das ganze Oktoberklub-Lied, denn auf dessen Titelzeile folgt nicht zufällig "...und welchen Weg Du gehst". Interessanterweise geht mir dieses Lied auch schon seit geraumer Zeit durch den Kopf, wenn ich an "die neue bzw. aktuelle Rechte" denke, ihre Protagonisten lese und versuche, hinter die Texte zu gucken (ein Text ist ein Text ist ein Text hat einen Subtext der einen Subtext hat einen Subtext hat der...). Dieses Oktoberklublied bringt in seiner stärkste Strophe (im Ernst, den einfachen und warmherzigen mitteldeutschen Patriotismus, der den Oktoberklub ausgezeichnet hat, vermisse ich in Westdeutschland mindestens seit der SPD-Kampagne der Willy-Wahl 1972: "Deutsche, Ihr könnte stolz sein auf Euer Land!"), dazu noch mehr Bedenkenswertes: "Wir haben ein Recht darauf, dich zu erkennen, / auch nickende Masken nützen uns nicht. / Ich will beim richtigen Namen dich nennen. / Und darum zeig mir dein wahres Gesicht!"). Das ist ein starkes Stück politische Poesie (von mir aus auch Agitation) und sehr aktuell. Man war nicht immer ein Rechter und ist sich vielleicht immer noch unsicher, ob man seinen Instinkten trauen kann oder ob man am Ende dumm aus der Wäsche guckt, während man sich, in der Zeit "nach der Demokratie", die auch einige Liberalen im Westen (Fareed Zakaria/Newsweek) herbeireden, nostalgisch nach ihr zurücksehnt. Die Sorte akademischer Arschlöcher - halten zu Gnaden - jedenfalls, die, wie zurzeit allerlei Wirtschaftsweise, Banker und Marktwirtschaftler (Hans-Werner Sinn wurde mit Karl Kraus selbst vom Chefredakteur des DLF als "dümmste Fresse in der Presse" bezeichnet und hat damit aber sowas von 100%ig recht!) hinterher über Konsequenzen ihres eigenen Tuns und Unterlassens klagen und so tun, als hätten sie damit nicht ursächlich zu tun, hat man nicht deshalb immer verachtet, um sich bei einem einschlägig selbst mitverursachten Hinterher, das ggf. auch ein Zuspät wäre, selber in nämlicher Weise jammernd einzulassen. Wohin also ginge die Reise, wenn wir könnten, wir wir wollten? Das ist natürlich nur eine metakommunikative Fingerübung, denn viele wirs würden vieles nicht mehr wollen, wenn sie's dürften, während andere tun wollten, was sie vorher noch nicht mal zu denken wagten und wiederum andere nicht mehr würden wissen wollen, was sie mal gedacht und gesagt haben etc. Mit anderen Worten, es kommt dann doch anders, als heute logisch deduziert, aber drüber nachgrübeln, wohin die Reise ginge, sollte man dennoch. Geriete man z.B. eher in einen Antagonismus zur liberalen offenen Gesellschaft oder zum politischen Islam und der Scharia? Oder ist der Islam gerade der willkommene Gast im Kampf gegen liberale Moderne, Aufklärung, Parlamentarismus und Permissivität? Das wäre dann eine Auseinandersetzung des Musters "Westler gegen Konservative/Rechte/Islam" (das ideenstarke und tatkräftige Muster dazu wäre im 19. Jahrhundert in Rußland unter dem Motto "Westler gegen Slawophile" zu finden). Ich sehe mich in dieser Fronstellung nicht, sondern für mich ist die Ideologie Islam und der politische Scharia-Islam vielmehr die Geißel der modernen Menschheit und Feind Nummer 1 des Westens, auch und vor allem wegen der hier implementierten Fünften Kolonne der muselmanischen Zuwanderer, von der nur Sozialpädagogen und andere Idioten und Unpolitische annehmen können, sie wäre ungesteuert, ungeführt und zufällig in ihrer Funktionalität als Werkzeug der Islamisierung. Der verfasste Islam, gerade der in der Türkei, träumt von nichts weniger, wenn er träumt, als einem neuen Kalifat, und Sehnsüchte sind starke Triebkräfte der Geschichte. Das sind im Übrigen rationale Tag- und Wachträume der muselmanischen Eliten, keine Nachtschattenträume irgendwelcher Randständigen. Zurück zur rechten Selbstbefragung: Ist die Parlamentarische Demokratie k-eine Errungenschaft? Ist sie eine Laberveranstaltung, die der AufRechte verachten bzw. noch nicht mal ignorieren muß? Oder ist sie Teil auch der rechten Moderne? Gibt es überhaupt eine rechte Moderne oder nur eine rechte Vergangenheit und die Zukunft hat noch keinen Namen? Das alles, also auch "Wie sähe ein Staat aus, wenn es nach den Sezessions-Leuten geht ?", ist zu fragen und zu debattieren. Wie gesagt, das Oktoberklublied "Sag mir, wo Du stehst" kann, ein wenig paraphrasiert, Anregungen zu weiteren Debatten geben. Und das ginge dann zum Beispiel so: "Ich habe die Pflicht dazu, klar zu erkennen, / nur Ahnen und Meinen nützen mir nicht. / Ich will die Dinge wahrhaftig benennen. / Und darum zeig' ich mein wahres Gesicht". In diesem Sinne, die Zeiten sind katastrophal, aber nicht ernst: lotta continua :-)

Marco
14. Mai 2009 16:32

Der Liberalismus ist das Problem? Welcher Liberalismus? In Deutschland? Ich bin dem Alkohol weiß Gott nicht abgeneigt, aber so besoffen war ich noch nie, die Probleme in Deutschland als Ausfluss von "zu viel Freiheit" erkannt haben zu wollen. Konfiskatorische Besteuerung, also staatliches Sklaventum (70% und mehr des einem durchschnittlichen Arbeitnehmer zustehenden Einkommens werden durch die staatliche Bürokratie in all ihrer Weisheit gestohlen und zum Besten der Menschen umverteilt); ein total(itär)es "Bildungssystem", das nichts Privates mehr an seiner Stelle duldet und mit Polizeigewalt und Haftstrafen auf friedfertige Schulverweigerer aus Gewissensgründen reagiert; die sanfte Tyrannei des allumfassenden, allgegenwärtigen Sozialstaates, der die Menschen zu grunzenden Schweinen abrichtet, die sich hilflos im Mist wälzen uswusf. Ist das Liberalismus? Das ist Sozialismus!

Oswald
14. Mai 2009 23:17

Also der wirtschaftliche Liberalismus ist ja wohl ganz eindeutig nicht gemeint.

Corvusacerbus
15. Mai 2009 10:27

Ach ja, die Verhausschweinung. Und die grünrotrosafarbige Dummheit und graue Untertänigkeit der Massen bzw. das durch konfiskatorische Besteuerung und Schuldsühneideologie herbeigeführte Sklaventum der Verhausschweinten, die Verarmung der freiberuflichen Ärzte und und und. Schlimmschlimmschlimm ist's in deutschen Landen und man versteht so recht, daß die Quotenschinder des Fernsehens täglich Filmchen über Auswanderungswillige und Auswanderer ins Programm schalten. Wobei so ein ausgewanderter deutscher Verhausschweinter bei Eintritt der üblichen Alterszipperlein gerne zurück in die deutsche Sozialdiktatur drängt. Wir sind ja hier unter uns und insofern mal ohne Drumherum: Ich halte die ganze Verhausschweinungsthese, die konfiskatorische Versklavung des deutschen Volkes und auch seine Islamisierung für Politmarketing. Vor der Islamisierung warne ich ja selber, denn Politmarketing ist ja nicht verboten und muß in Zeiten der Massenkommunikation schlagwortartig gestaltet werden. Aber die Islamisierung ist vorerst nur in Ansätzen und nur als gesamtgesellschaftliche Option verwirklicht (UK ist weiter auf dem Weg, aber das führt hier zu weit). Der Islam immunisiert sich durch die Ablehnung texkritischer Analyse des Koran und durch einen höheren Grad der Familien- und Clanvergemeinschaftung der Anpassung an die heutige Zeit und gegen westliche Einflüsse. Das ist eine Stärke nach innen, i.S. einer Wagenburgisierung (in deren Rahmen wiederum migrantische Verhausschweinung stattfindet, daß es eine Art hat), aber es ist auch ein Schwäche hinsichtlich der Ausstrahlung nach außen, denn es bietet nur einsamen europäischen Seelen und manchem Wirrkopf eine Orientierung. Wer einigermaßen bei Sinnen ist, betrachtet den Islam eher mit Mitleid oder auch - so halte ich das - mit Verachtung. Man soll die zum größten Teil intellektuell eher mittelmäßig ausgestatteten Muselmanen, hinter denen dick vermummte dícke Frauen auf krummen Hacken her wackeln, also nicht dämonisieren. Ihr Welt- und Lebensentwurf ist nicht wirklich attaktiv. Welche europäische Frau will schon im Burkini ins Meer. Ich habe in Spanien einige Vermummte damit schwimmen gehen sehen und es war an der verhausschweinten Strandbar ein großer Lacherfolg. Also: Es gibt allerlei zu beklagen in und über Deutschland, aber es lebt sich immer noch ganz gut in unsern Landen und Gauen, ohne mit dieser Aussage die strukturellen und ideologischen Zurüstungen zum Bürgerkrieg zu relativeren. Das Volk ist immer zugleich tümlich, bauernschlau genug, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen und natürlich immer verführbar für Gemütlichkeit und steuerfinanzierte sozialstaatliche Wohltaten. Es gehört andererseits zur Natur der Massendemokratie, daß Politik hinter dem Rücken der Massen eingestielt werden muß und die Beherrschten die realen Motive und Zwecke der Herrscher nicht wirklich durchschauen (ist das nicht das Wesen jeder Politik?). Wenn uns Schriftgelehrte das aufregt, ist das unser Problem, denn Strukturmerkmale sind kein Grund sich aufzuregen, sondern die Schultern zu zucken: S'ist nun mal so Sitte... und erleichtert zu erkennen, daß man sich von der Masse unterscheidet. Die Verhausschweinung, um zum Schluß zu kommen, ist also vielleicht ein massenhaftes Phänomen, aber jeder kann sie durch seine individuelle Willensentscheidung einfach lassen. Inwieweit man wiederum mit der unausweichlichen Korrumpierung in den vorgefundenen Zeiten und Verhältnissen, und lebte man sie auch distinguiert und nicht verhausschweint, zurecht kommt, ist wieder eine andere, und manchen in unseren Gummiwandverhältnissen sicher auch existentiell bedrängende Frage. Aber wir Sezessionsblogger sind doch jedenfalls nicht verhausschweint - oder? Und ist es nicht auch ein Kompliment für die offene Gesellschaft wert, daß man die Verhausschweinung erkennen, öffentlich debattieren und seine Nichtverhausschweinung individuell leben kann? Die permissive, liberale Postmoderne läßt uns doch diese Nischen. Zur Verhausschweinung zwingen nicht das System, sondern sie ist das Ergebnis von Bequemlichkeit, Dummheit und Ignoranz der Massen und der eigennützigen Partizipation der Kaufleute am verhausschweinenden System. Das mag man ärgerlich finden, aber es ist die Kollaterallogik unserer Vergesellschaftung. Wer den Kollateralschaden Verhausschweinung abschaffen will, muß anders vergesellschaften und dann sind wir wieder bei der Frage an die Rechten bzw. der Selbstbefragung der Rechten: Sag mir, wo Du stehst und welchen Weg Du gehst (gehen willst...). Was wollen wir am langen Ende der Entwicklung? Unsere rechts-intellektuelle nichtverhausschweinte Nische verlassen und eine formierte Gesellschaft organisieren? Und geht die zurück hinter die politische Aufklärung in die Zeiten der ständischen Ordnung? Das wäre sowas wie eine ständisch-zünftige deutsche Nische in der globalisierten Wirtschaft. Das geht, man nennt das abstrahiert "Glokalisierung"; ist theoretisch nix Neues, wird nur nicht wirklich systematisch ins Werk gesetzt, in Deutschland schon gar nicht, weil unsere schuldsühnebelasteten Eliten Angst vor deutschen Lösungen haben ... obwohl doch gilt: every business is local, na vielleicht tut sich an dieser Front noch was, denn eigentlich wäre das ein passender Entwurf auch für Rotgrün. Die Sozis waren ja recht eigentlich in ihrem Ursprung immer Nationale und sei es nur aus Angst vor dem Vorwurf, vaterlandslose Gesellen zu sein. Oder haben wir Rechten, die Rechten, die Rechte, ob neu oder alt, keinen großen Entwurf und keinen großen Ratschlag für die Welt? Auch ok, aber dann sparen wir uns bitte die ideologische Jammerei über die Hausschweine und die konfiskatorische Sklaverei und all die metaphorischen Luftblasen und verlangen ganz pragmatisch mit der FDP Steuersenkungen, damit wir in freiberuflicher Struktur freiheitlich leben und unser Ding machen können. Mehr ist dann nicht!

Toni Roidl
15. Mai 2009 11:40

Martin schrieb:
Wie sähe ein Staat aus, wenn es nach den Sezessions- Leuten geht ?
Gibt es Parlamentarismus, Gewaltenteilung, Wahlen, Volksentscheide, Grundrechte, Bundesländer, Kommunen, Rechtstaat, Todesstrafe ja/nein etc., wären doch mal Dinge, die man grundsätzlich, ohne sich ins Detail verlieren zu müssen, einmal beantworten könnte …

Das ist doch mal eine konstruktive Anregung, oder?

Antwort Kubitschek:
Jetzt lassen Sie sich die Frage nochmals auf der Zunge zergehen, gut? Meine Antwort lautet übrigens: Ja, sogar Todesstrafe ja/nein sowie Grundrechte würde es geben.

PPollux
15. Mai 2009 17:06

Als Linker habe ich mich immer gewundert, was Leute an PI interessant finden.

Das was dort berichtet wird, wurde zu 99% vorher bereits in anderen Medien dokumentiert und wird dort nur mit einem ewig gehässigen und tendenziösen Tenor kommentiert.

Uninteressant, spätestens nach dem 4. Artikel. Zudem sind viele Artikel auf PI faktisch falsch oder mit den schlichtesten aller monokausalen Begründungen versehen: Der Musel/Grüne/Linke ist schuld.

Als wenn die Welt so einfach wäre.

Auch die Wiedersprüche sowohl auf PI wie auf Seiten von PK sind, wenn man ein wenig nachdenkt, so ausschließend, dass man derartiges kaum ernst nehmen kann.

Dass denoch soviele Leute PI und PK als relevant wahrnehmen, ist von linker Seite aus faszinierend, bedrohlich sind beide. Beängstigend ist aber keine von beiden Gruppierungen. Das sind nur weitere rechte Spinner und Sektierer - insofern wünsche ich noch viel Spaß beim weiteren Distanzieren und Spalten.

Korowjew
15. Mai 2009 17:50

Man sollte PoliticallyIncorrect nun wirklich nicht vorwerfen, inkonsequent zu sein.

Die Seite verteidigt durchwegs Werte, die vor 20 Jahren in der BRD Common Sense waren.

Diese Werte stehen jedoch ebensolange unter linkem Dauerbeschuss und leiden an demographischer Auszehrung, das ist natürlich nicht die Schuld von PI. PI ist eine sympathische und gut gemeinte Don-Quichotterie ...

Wagen wir einen Ausblick: die gegenwärtige Wirtschaftskrise scheint nun auch noch die letzten Reste der Mittelschicht wegzufegen. Wer jetzt schon von HartzIV lebt oder ein verbeamteter Grünenwähler mit Altbauwohnung in guter Lage ist, der gehört nach wie vor zu den Profiteuren dieses Sozialstaats.
Gibt es eine Systemkrise, wenn die hauptsächlich vom System profitierenden Schichten nicht in der Krise sind?

Corvusacerbus
16. Mai 2009 15:33

Eine praktische Anmerkung zu PI: Ob alles, was man auf PI findet, schon woanders zu lesen war, wie PPollux behauptet, sei dahin gestellt und selbst wenn. Ich kann nur feststellen, daß PI vieles bringt, was man sich woanders zusammensuchen müßte. Ein Beispiel der letzten Tage wäre der Essay von Michael Mannheimer "Islam und Islamismus", den man sicher woanders findet, aber ich bin froh, ihn nicht gesucht haben zu müssen, sondern zuverlässig bei den Anti-Islamisten von PI gefunden zu haben. Das in allen Blogs, die ich kenne, typische Sektierern, Wiederholen, Dummsprechen und Irrelevantisieren, vor allem in den Kommentar-Threads, muß man beim Drüberfliegen oder auch mal generell ignorieren können. Das ist aber doch in allen Blogs so - oder?

derherold
16. Mai 2009 22:33

@korowjew, *PI* mag alles Mögliche (im Auftrag ?) verteidigen aber mit Sicherheit vertritt sie keine Werte, die in der BRD vor 20 Jahren "common sense" gewesen seien:
Nicht nur die Frankfurter, sondern auch die Bielefelder und Bochumer Schule waren längst auf dem Weg der "political correctness" und ihre größere Nonchalance, die einen "Aufstand der Anständigen" verhinderte, kann darauf zurückgeführt werden, daß die Mauer noch stand und man sich seiner viel sicherer war... wenn wir einmal von den Vernichtungs-Phantasien absehen, die im Zusammenhang mit dem "Historikerstreit" auftauchten. ;-)

Die BRD war eher israel-kritisch (überzeugte Pali-Tuchträger behaupten, 2001/02 sei in ihrer Szene der große Umschwung gekommen). Gegenüber "möglichen negativen Auswirkungen" von (islamischer) Einwanderung hatte der Feminismus bereits damals zu kuschen: *40 qm Deutschland* hatte überhaupt keine "kritischen" Auswirkungen, sonst müßten wir uns heute nicht mehr über Zwangsheirat oder notwendige Sprachkurse unterhalten.

*PI* ist in guten Momenten so etwas wie "Gegen-Öffentlichkeit" - politisch aber mE völlig bedeutungslos.

P.S. Ich bin davon überzeugt, daß man *PI* jederzeit "abschalten" kann, wenn "man" das will.

Korowjew
17. Mai 2009 18:19

@derherold: dass die linken Think-Tanks aus Frankfurt und Bielefeld schon seit Jahrzehnten das politische Klima vergiften stimmt allerdings. Zustimmung.

Ich meinte auch eher den Gemeinsinn der normalen autochthonen Bevölkerung, der in den letzten 20 Jahren immer mehr in Deckung gegangen ist.

Trotzdem, PI mag etwas naiv sein, aber ich denke schon, es ist ehrlich gemeint.

Harry
17. Mai 2009 19:18

ML hat mit "grüner Eiter" seinen Text sicher treffend beschrieben. Viele der Kommentare und die dort geäußerten Vorbehalte (geistig relativ schwach, Liberalismusvorwurf, PK und PI packen Probleme nicht an der Wurzel und - das fand ich besonders witzig - stehen in der Tradition von homosexuellen Populisten und haben Kontakt zu atheistischen Menschenrechtlerinnen; schlimmer geht es wohl nimmer hahaha) bedürfen keiner Erwiderung. Und das nicht nur deshalb, weil es an Begründungen mangelt. Es gibt eben rechtsliberale und rechtskonservative Rechte und Kritik könnte ja auch konstruktiv sein. Und wenn nicht, werden wenigstens die Linken unterhalten.

Eine interessante Anmerkung von pb ist mir allerdings aufgefallen, nämlich die Unfähigkeit der Rechten, rechte Gemeinsamkeiten zu erkennen.

Erkennt man die Verbundenheit der Rechten tatsächlich daran, wer welche Schlagworte (z.B. Grundgesetz, Menschenrechte, Israel, USA, Gott, Jesus, Deutschland, Ausländer, Heimat) verwendet? Wenn man sich nur etwa den linken Antisemitismus, -zionismus und -amerikanismus ansieht: definitiv nicht. Das haben die auch, und nicht zu knapp.

Und ich finde es amüsant, wenn Rechte die Linken mit ihren eigenen Waffen schlagen: wie ernst kann die Worte der Linken (herrschaftsfreier Diskurs, Menschenrechte, Demokratie, Anti-Antisemitismus usw.) tatsächlich nehmen? Wir kennen die Antwort...

Aber warum soll man sich die Chance nehmen lassen, ihnen ihre eigenen Forderungen vorzuhalten, eine Art "zweite Aufklärung" (wie sie rechte Konservative bereits Anfang der 70er forderten) voranzutreiben?

Es gibt auch einen linken Binnenpluralismus. Dort fällt er nur nicht auf, weil die Linke organisiert ist und Wahlerfolge (und "Führer") vorweisen kann. Das hat die Rechte nicht.

Rechte Wahlerfolge (ohne DVU/NPD) seit 2004: BIW und Pro Köln. Rechtsliberale, was sicher einen gewissen Neid durch Rechtskonservative erklärt...

Wie dem auch sei, hier meine Thesen für einen rechten Kern:

Negativ - gegen die Linken und gegen die Gesellschaftsliberalen

Positiv - für klare Regeln, für starke Führung, für die Lösung der Probleme. Dazu Ehre, Anstand und die Liebe zur Heimat

Nicht eine Israelfahne trennt m.E. Rechte, sondern die "linke" Denke, an einer Ideologie zu kleben und die Realität aus den Augen zu verlieren.

Mein Motto: Support our troops :D

w. wolfo
21. Mai 2009 11:55

Die Orientierungslosigkeit ist das Problem der Materialisten. Je nach individueller Perspektive sind USrael einmal mehr oder weniger nützlich. Sobald von dort nichts mehr zu erwarten ist, wird einem anderen Herrn angedient (der evt. genau das Gegenteil vertritt). Wichtig ist nur, dass es war bringt. Wenn jeder so denkt, herrscht Chaos auf der Welt (siehe dort) oder - bei weiterer Partikularisierung - Anarchie. Ein Hund wäre zu Recht beleidigt, wenn man ihm und seinesgleichen eine solche Mentalität nachsagen würde. Die einen nennen sich links, die andern rechts. Andere setzen die Bauklötze jetzt einfach willkürlich aufeinander.

Dies ist intellektuell reizvoll...aber nachdem das einmal nachvollzogen wurde, einfach nur ermüdend. Es führt nicht zum Ziel, trägt nicht dauerhaft und geht an der Wirklichkeit vorbei. Das ganze Geplapper an den Rändern ist auch vergebens. Deshalb wird diese Stellungnahme eine Ausnahme bleiben.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.