Sezession
2. Mai 2014

edition nordost – Werkstattbericht (1)

Götz Kubitschek / 1 Kommentar

nordost

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Es ist ein gutes halbes Jahr her, daß die ersten beiden Bände der innerhalb von Antaios angesiedelten edition nordost erschienen sind. Beide Titel sind fast vergriffen, die gute Aufnahme der "Schönen Literatur" durch unsere Leser hat uns überrascht. Es wird also 2. Auflagen von Jean Raspails Sieben Reiter und Joachim Fernaus Hauptmann Pax geben, sie gehen Ende nächster Woche in den Druck - gemeinsam mit den beiden nächsten Bänden dieser zunächst auf vier Titel angelegten Reihe:

Band 3: Fix und fertig übersetzt und an die Endkorrektur übergeben ist der CasaPound-Roman Wer gegen uns, den der italienische Rechtsanwalt Domenico di Tulio verfaßt und in Italien rund 25000 Mal an den Mann gebracht hat. Eine französische Übersetzung liegt bereits vor, nun erscheint also die deutsche Fassung.Es geht in diesem 250 Seiten starken Roman natürlich um die Szene, die das mittlerweile wohl europaweit bekannteste, faschistische und soziale Hausbesetzer-Projekt trägt.

CasaPound Italia hat eine Geschichte, eine Experimentierphase, eine nicht unblutige Kampfzeit hinter sich, und diese Geschichte wird in Rückblenden und am Beispiel der Rekrutierung eines Schülers in den Kreis der sogenannten Militanten erzählt. Die Atmosphäre der Mischung aus Musikszene, politischem Engagement, aktivistischer Disziplin und Fan-Kultur rund um AS Rom wird plastisch, das alles ist unkompliziert und mit einem gewissen wütenden Überschuß geschildert.

Band vier: So recht einer jener Texte, deren Abdruckrechte wir uns vor Jahren schon sicherten und die initial für die nun endlich entstandene Buchreihe waren: Die Kriegserzählung Die Leuchtkugeln gehört zum Besten, was wir an literarischen Darstellung aus dem II. Weltkrieg kennen. Der Schriftsteller Horst Lange verdichtet die Unüberschaubarkeit des gigantischen Feldzugs gegen die Sowjetunion in einem winzigen Ausschnitt: Eine Pioniereinheit hat sich im Zuge des letztlich gescheiterten Marsches auf Moskau weit hinter der Front in Bewegung zu setzen, gerät in die Bekämpfung versprengter Feindkräfte und entgeht um ein Haar einem der Rädchen jener großen Knochenmühle, die ihre Arbeit jäh und gründlich verichtete.

Der erste Satz bereits ist genial:

Wir waren eben dabei, in dem Fluß, dessen Namen wir nicht kannten, mit Handgranaten zu fischen, als er zu uns stieß.

Eine an sich friedliche und behutsame Beschäftigung wird unmäßig grob an unbekanntem Ort verrichtet: Dieses gewalttätige, jähzornige Um-sich-Schlagen prägt die ganze Erzählung: zu groß sind Land und Auftrag, die seelische Substanz wird aufgezehrt, es setzt eine Verrohung ein, die es den Feinsinnigen schwer macht, so etwas wie einen unversehrten Kern zu bewahren.

Beigefügt ist den Leuchtkugeln eine zweite, kürzere Erzählung: Auf den Hügeln vor Moskau ist eigentlich nur eine Prosa-Skizze, die wiederum am Beispiel einer kleinen Pionier-Einheit exakt jenen Moment einfängt, als die Wehrmacht den Vorstoß auf die Hauptstadt aufgeben mußte, in einen dramatischen Winter-Rückzug geriet und verbrannte Erde hinterließ.

Es empfiehlt sich noch immer, die ersten vier Bände der edition nordost im Paket zu kaufen und damit gegenüber den Einzelbänden einiges Geld zu sparen. Daß diese Garantie-Abnahme für unseren Verlag zugleich das Kalkulieren einfacher macht, versteht sich von selbst.

 


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (1)

Andrenio
2. Mai 2014 16:42

Die "Leuchtkugel" hatte ich nach der Bergelkorrespondenz antiquarisch besorgt. Ich war aufrichtig begeistert!
"Sieben Reiter" und "Hauptmann Pax" sind schon verschlungen.
Es darf ruhig so weitergehen.

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