250. Geburtstag Friedrich (von) Gentz

Die politische Ordnung Europas, die 1914 nach 100 Jahren zerbrach, gilt meist als Projekt Metternichs.

 Gastbeitrag

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Der uner­müd­lich arbei­ten­de Mann im Hin­ter­grund, der von allen Par­tei­en akzep­tier­te Sekre­tär des Wie­ner Kon­gres­ses, wur­de im Schat­ten des gro­ßen Fürs­ten lan­ge ver­ges­sen: Fried­rich Gentz.

Gentz war einer der bedeu­tends­ten und ein­fluß­reichs­ten Kon­ser­va­ti­ven der letz­ten 300 Jah­re und dürf­te so vie­le Wider­sprü­che in sei­ner Per­son ver­eint haben wie kaum eine ande­re Per­sön­lich­keit sei­ner Zeit. Er, der preu­ßi­sche, nüch­tern den­ken­de Beam­te aus gutem Hau­se, war zeit sei­nes Lebens ein wüs­ter Frau­en­held (sei­ne letz­te Lie­be über 50 Jah­re jün­ger als er) und Ehe­bre­cher. Selbst sei­ne Freun­de beschrie­ben den jun­gen Gentz als eitel, er war eben­so ver­gnü­gungs­süch­tig wie ver­schwen­de­risch, wes­halb er schließ­lich als Bank­rot­teur vor sei­nen Gläu­bi­gern flie­hen muß­te. Aus­ge­rech­net die­ser Mann war aber zugleich einer der Erfin­der eines rea­lis­ti­schen, erfah­rungs­ge­sät­tig­ten und streng unideo­lo­gi­schen Staats­den­kens, ein Prak­ti­ker der Macht, der im Erhalt eines Gleich­ge­wich­tes der Groß­mäch­te die ein­zi­ge Mög­lich­keit sah, dau­er­haft den Frie­den in Euro­pa zu bewah­ren. Vom Anhän­ger der Revo­lu­ti­on wan­del­te er sich zu einem ihrer ein­fluß­reichs­ten Geg­ner; vom kes­sen Libe­ra­len, der Frei­hei­ten im Sin­ne des bür­ger­lich-natio­na­len Auf­bru­ches ein­for­der­te, wur­de er zum berüch­tig­ten und ver­haß­ten Wort­füh­rer der Reak­ti­on. Als Über­set­zer von Bur­kes Reflec­tions on the Revo­lu­ti­on in Fran­ce popu­la­ri­sier­te er des­sen Schrift, ver­schärf­te sie zugleich im Ton und mach­te sie zum restau­ra­ti­ven Grundlagenwerk.

Vor 250 Jah­ren, am 2. Mai 1764, wur­de Fried­rich Gentz gebo­ren. Sei­ne wich­tigs­ten eige­nen Schrif­ten ver­sam­melt seit weni­gen Jah­ren ein von Hans Jörg Hen­ne­cke sorg­fäl­tig edier­ter und mit einem äußerst lesens­wer­ten Nach­wort ver­se­he­ner Band (Revo­lu­ti­on und Gleich­ge­wicht, Waltrop und Leip­zig: Edi­ti­on Son­der­we­ge bei Manu­scrip­tum, 2010).

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