Sezession
19. Mai 2014

Sunic, Siegen, Selbstzensur

Nils Wegner / 21 Kommentare

Einigermaßen verblüfft war ich am Mittwochabend dann doch, als ich auf dem Heimweg von der Uni beim Occidental Observer las, daß Tomislav Sunic zu einem akademischen Vortrag in Siegen geladen war. Daß dieser Vortrag nun doch nicht stattfindet, war weniger verblüffend.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Da Sunic sich zu seiner Wahrnehmung genau dieser Erwartbarkeit geäußert hat, halte ich es für angemessen, seinen Artikel hier bekanntzumachen. Er beleuchtet von außen den Eiertanz, der sich an deutschen Universitäten eingeschliffen hat und dessen reale Ausmaße wohl nicht einmal für uns Studenten zu überblicken sind, sondern mit ganzer Wucht jene treffen, die selbst Räder im Getriebe des akademischen Apparats sind.

Von Sunic in seinen Text eingefügte Verweise wurden (mit Ausnahme derjenigen zu den englischsprachigen Wikipediaartikeln über die NPD und den VS) originalgetreu übernommen. Für die Übersetzung gilt dasselbe wie schon im Fall von Kurtagics Liberalismuskritik – inhaltlich fanden keine Veränderungen statt, bei erkennbaren Pointen wurde jedoch die bestmögliche sinngemäße Annährung an die Textbotschaft gewählt. Auf die feine Abstufung zwischen „racism“ und „racialism“ sei erneut verwiesen; da sie mit deutschen Worten schwer zu fassen ist, habe ich im letzten Absatz als Notbehelf für „racialists“ „Völkische“ gesetzt. Wer sich mit derlei anrüchigem Vokabular schwertut, der möge Einblick in das Original nehmen und im Anschluß über die begriffliche Trennschärfe recherchieren. Daß man in hiesigen Schreibstuben weder willens, noch in der Lage ist, beim Schockbegriff „Rasse“ amerikanischen von deutschem Sprachgebrauch zu trennen, beweist der zugrundeliegende WAZ-Artikel mehr als hinlänglich. Zu danken ist Professor Sunic für seine erfreute Einwilligung, die Übersetzung vornehmen und hier veröffentlichen zu lassen.

 ...

Akademische Zensur und Selbstzensur in Deutschland

„Es handelt sich hierbei um ein für Akademiker schwer zu behandelndes Thema. Tatsächlich denke ich, daß Akademiker einen großen Bogen darum machen. Als ich über das menschliche Genom schrieb, stellte ich fest, daß jedes Rühren an Themen wie beispielsweise „Rasse“ die Wissenschaftler, mit denen ich sprach, schier versteinerte. Ich hielt es für sehr traurig, daß es in diesem Land Einschüchterung geben sollte. Daher dachte ich, es sei eine Möglichkeit, vielleicht gar eine Pflicht, dieses Buch zu schreiben, das Eis zu brechen und zu versuchen, über einige dieser Dinge zu reden.“ (Nicholas Wade in einer Diskussion über sein Buch »A Troublesome Inheritance« auf die Frage von Jason Richwine: „Wie zuversichtlich waren Sie, daß das Schreiben dieses Buches sie nicht um ihren Lebensunterhalt bringen würde?“)

Manchmal können schlechte Nachrichten von Seiten des Systems gleichzeitig gute Nachrichten für die Verfechter der freien Meinungsäußerung sein. Insbesondere dann, wenn das System stillschweigend zugibt, daß es seine eigenen, selbsterklärten Grundsätze der Meinungsfreiheit abbremsen, seine eigene, vielgepriesene freie akademische Forschung zurückweisen und stattdessen zu Zensur und Knebelungen greifen muß. Dieser Fall trat jüngst ein, als ich an die deutsche Universität Siegen eingeladen wurde, um eine Vorlesung über das Thema »Der Untergang des Abendlandes« zu halten.

Wie zu erwarten war, wurde die Einladung von der Hochschulleitung umgehend zurückgenommen. Am 13. Mai 2014 berichtete die einflußreiche deutsche Tageszeitung Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über die Absage der Veranstaltung. Professor Jürgen Bellers, der mich eingeladen hatte, ist ein alter Kollege – ein ehemaliger Gastprofessor am Juniata College in Pennsylvania, wo ich in den frühen Neunzigern als ordentlicher Professor für Politikwissenschaften lehrte.

(Sunic fügt an dieser Stelle folgenden Auszug des WAZ-Artikels, den ich aus dem Original übernommen habe, in englischer Übersetzung ein:)

Der Siegener Universitätsprofessor Jürgen Bellers wollte einen Rassentheoretiker an seiner Fakultät reden lassen. Nach scharfer Intervention der Hochschulleitung sagt er die Veranstaltung ab. Der rechtsnationale Professor Tomislav Sunic sollte ursprünglich am 27. Juni zum Thema »Untergang des Abendlandes« referieren.

Sunic, US-Staatsbürger und gebürtig aus Zagreb, sprach unter anderem 2012 bei der »Sommeruniversität der NPD Saar«. ...

In einer Rede zum Thema »Rasse und Gestalt« für die Zeitschrift »Volk in Bewegung« gibt Sunic einen Einblick in sein, laut Bellers, rein kulturell geprägtes Weltbild. »Es gibt Orte in Berlin – ganz zu schweigen in LA, oder unten in der Unterwelt der Pariser U-Bahn, – wo ein weißer Passagier spät in der Nacht froh ist, wenn er eine Person seiner Rassenart erkennt, egal ob er Pole, Kroate, Linker oder Rechtsradikaler ist. Der flüchtige Augenkontakt zwischen beiden spricht Bände in Bezug auf ihre plötzlich abgerufene gemeinsame weiße Rassenidentität“, heißt es dort. Die »Auswirkungen der nicht-europäischen Zuwanderung und die Gefahr einer rassischen Mischlingsgesellschaft in Europa« sei kritisch zu erörtern, schreibt Sunic: »Ein solches Mischlingseuropa ist eine echte Gefahr für alle weißen Europäer, auch für die ehemaligen Feinde.«

 

Mein Kommentar zur akademischen Selbstzensur: German „Berührungsängste“

Überraschenderweise hat die WAZ obiges Zitat von mir eingefügt, was bedeutet, daß – wie in der ehemaligen Sowjetunion, der ehemaligen DDR oder im früheren Jugoslawien – eine aufgeschlossene Person erst lernen muß, die Botschaft und den Überbringer derselben zwischen den Zeilen zu entziffern. Die Deutschen haben ein markantes Kompositum für „politisch korrektes, selbstzensiertes, paranoid erwartetes Mitgegangen-Mitgefangen-Mitgehangen-Fühlen“, ein heutzutage überhandnehmendes Phänomen unter deutschen Intellektuellen und Journalisten. Im deutschen Akademikermilieu kennt man es unter dem Namen „Berührungsängste“.

Unnötig zu erwähnen, daß der Artikel auch berichtet, Deutschlands berühmter Verfassungsschutz (ein vom Staat betriebenes, internes Netzwerk juristischer Hilfskräfte, angeschlossen an das deutsche Innenministerium, zuständig für die Ausspähung »radikaler Elemente«) scheine über meine Vortragsaktivitäten wohlinformiert. Derselbe WAZ-Artikel meldet auch, daß eine ähnliche Staatsbehörde (die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)) mit der Aufgabe, die Stufen des demokratischen Fortgangs in Deutschland einzuschätzen, kommentiert habe, es gäbe „den Verdacht einer stramm rechtsgerichteten Gesinnung.“

The Occidental Observer-Beiträger haben ausführlich über die Ursprünge der stetig anwachsenden Überwachung von Akademikern und Unterdrückung von Intellektuellen durch den sogenannten freien und demokratischen Westen geschrieben, über die Verzerrung der englischen und deutschen Sprachen, die Benutzung unverständlicher Amtssprache durch das System, die semantischen Verschiebungen von Worten in verschiedenen strafrechtlichen Zusammenhängen, und über die daraus folgende intellektuelle Unterdrückung nonkonformer Intellektueller nicht nur in der EU, sondern überall in der westlichen Welt.

Ich möchte allerdings, anders als einige unserer Mitarbeiter, noch hinzufügen, daß die Repression durch das System niemals nur ein von oben nach unten gerichtetes Phänomen ist. Sie ist niemals ein einseitiger Oktroi von oben. Der Angriff des Systems auf die freie Meinungsäußerung ist ebenso die logische Folgeerscheinung der intellektuellen Faulheit, Selbstzensur, Eifersucht und der mangelnden Solidarität zwischen und unter weißen Bürgern, ob sie nun Konservative, Liberale, Nationalisten oder Völkische seien. Vor allem ist er die Konsequenz aus einem Mangel an staatsbürgerlicher Courage seitens der ganz überwiegenden Mehrheit der Professoren, Politiker, Journalisten, Autoren und Künstler.

Nun, mir fiele auf die Schnelle nichts ein, was dem entgegenzuhalten wäre. Daß bundesrepublikanische Lehrstuhlinhaber nicht immer die ideologische „sichere Bank“ sind, für die sie nach den Umbrüchen der Studentenbewegung vielfach gehalten worden waren, dürfte spätestens mit dem Heidelberger Manifest (das in diversen politologischen und/oder journalistischen Ergüssen über die Neue Rechte eben als Ausdruck eines „völkischen Nationalismus“ (Kellershohn) bezeichnet wird) in die öffentliche Wahrnehmung geraten sein. Die dem Wissenschaftsbetrieb immanenten Selbstreinigungsprozesse hängen an wenigen großen Namen, vor allem Konrad Löw und Ernst Nolte – man vergesse nicht, daß die Habermas-Kontroverse ihren Anfang nahm mit dem FAZ-Abdruck des Vortrags „Vergangenheit, die nicht vergehen will“, den man bei den Römerberggesprächen dann lieber doch nicht hatte hören wollen.

Und was nun die WAZ nicht alles auffährt: neben dem reinen Bericht noch vorab etwas, das wohl sowas wie eine Meldung sein soll (aber nach allem, was ich in universitären Seminaren und der Pressearbeit gelernt habe, definitiv nicht ist), sowie einen – zum Gutteil gewohnt gruseligen – Kommentarspiegel. Mächtig viel Aufwand, mag man zuerst denken, doch scheint es hierbei in erster Linie um ein Nachtreten gegen den Initiator Jürgen Bellers zu gehen. Der hat sich nämlich schon vor exakt zwei Jahren eines Verstoßes gegen das „Vielfalt und Toleranz“-Dogma schuldiggemacht, und in den aktuellen, wurstigen Zeiten gibt es da vielleicht noch eine Rechnung zu begleichen. Daß er, wie die Zeitung aus der Einladung zur Veranstaltung wissen will (und der ihr also vorzuliegen scheint), aus Vorsicht nur akademische Kollegen über die Veranstaltung in Kenntnis gesetzt hat und sich dies nun derart rächt, bestätigt jedenfalls Sunic in seinen obigen Ausführungen vollumfänglich – hier werden Hinterhältigkeit und Denunziation salonfähig gemacht. Dazu gehört im übrigen auch die völlig irre Anrufung der bpb als moralischer Beglaubigungsinstanz, zu der dieser nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Glaubwürdigkeit fehlt. Anstelle des abgesagten Sunic-Vortrags will Bellers nun jedenfalls selbst sprechen, interessanterweise zu „Zensur in den Wissenschaften?“, auch und gerade hinsichtlich der Neuen Rechten. Vielleicht stößt das Thema ja beim einen oder anderen hiesigen Leser auf Aufmerksamkeit?

Auch in den anglophonen Ländern reagiert man mehr als hysterisch auf alles, was der kunterbunten Wattewelt der schönen Träume gefährlich werden könnte. Dennoch scheint es bisweilen, als ob zumindest der akademische Betrieb dort noch einzelne Freiräume offeriere. Immerhin lehrt etwa ein Tabubrecher wie der Psychologe – und, nebenbei bemerkt, Herausgeber des Occidental Observers – Kevin MacDonald, das „Monster von Long Beach“ (siehe etwa Sezession Nr. 55), nach wie vor an der California State University, anstatt daß man ihn geteert, gefedert und zur Abschreckung in einem Käfig ausgestellt hätte. Und hier? Hier geraten spätestens seit den achtziger Jahren die Argumente ins Hintertreffen, und ausgefochten werden nur noch Schattenkämpfe (denn dem intellektuellen agon stellt man sich ja eben gerade nicht, sondern spricht dem Renegaten rundheraus die moralische Satisfaktionsfähigkeit ab) um Deutungshoheiten. Dabei täte es sicher ganz gut, hin und wieder die eigene Position erproben zu müssen. Ich zumindest erinnere mich noch gut an die Vorlesung „Einführung in die Politikwissenschaft“, in der der Dozent bekümmert feststellte, Carl Schmitt habe ja bekanntlich den rechtsverbindlichen Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen verfaßt...


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (21)

Christoph Nahr
19. Mai 2014 09:01

Solche Episoden aus der deutschen Hochschullandschaft zeigen vor allem, daß Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an staatlichen Instituten grundsätzlich nichts verloren haben. Abgesehen vom häufig zweifelhaften Anspruch der Wissenschaftlichkeit ist die Versuchung viel zu groß, sie zu Kaderschmieden im Sinne der herrschenden Staatsmacht umzufunktionieren.

Sowohl der linke Studentenmob als auch die Karriereakademiker haben keine besseren Lebensaussichten, sind also sehr bequem verlock- und erpreßbar. Sobald ein quasitotalitärer Staat erstmal auf diesen Trichter gekommen ist, bleiben vernünftige Leute dort unvermeidlich in der Minderheit. Wandel muß von außen kommen, durch Absägen der einschlägigen Studiengänge (oder Umlenkung des gesamten Staates).

Davon abgesehen: danke für den Hinweis auf Occidental Observer. Der neueste Artikel ist eine sehr lesenswerte Analyse von Alexander Dugins Theorien, die den allgemeinen Jubel stark relativiert.

bazille
19. Mai 2014 10:58

Ich möchte mich bedanken für den interessanten Artikel. Als Biologe bin ich gerade an den Schnittstellen Kultur und Biologie interessiert.
Interessanterweise war der von Herrn Nahr erwähnte Artikel über Alexander Dugin auch für mich ausnehmend spannend. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit die " Die Vierte Politische Theorie" zu lesen.

Marcus Junge
19. Mai 2014 13:03

Christoph Nahr

Im Falle der BRD, ist es jedoch nicht so gewesen. Da hat der Staat diese Esoterikstudiengänge nicht als Kaderschmieden benutzt, die APO und die Professoren haben es getan, sich dann Medien, Parteien und Staat geholt und dann wurden es "offizielle" Kaderschmieden. Der Staat hat diese Entwicklung jedoch zugelassen, ohne jede Gegenwehr, siehe z.B. die berühmte "Konservative Wende" von Birne (obwohl es da schon zu spät war für erfolgreiche Abwehr).

Dr. T. Sunic
19. Mai 2014 15:05

In der Bewertung der akademischen Gesinnungspolizei soll man semantische Verschiebungen beachten . „Rasse“, „Rassenkunde“, „Rassenseele“ „Volk“ „Volkstum „ usw., waren deutlich frueher als die NS Zeiten neutrale Worte, bzw. Begriffe die man auch anderswo in Europa und den USA benutzte. Heute stehen diese Worte fuer das Studium der Daemonologie. Dasselbe gilt auch fuer den lexikalischen Unsinn, bzw. das zusammengesetzte Wort „Volksverhetzung“ , das nicht in andere Sprachen uebersetzt sein kann. Hetze gegen welches Volk in der BRD? Obgleich die deutsche Sprache die reichste Sprache Europas ist, die Grammatiker, und nicht die Juristen in der BRD sollen sich zu erst das StGB anschauen. Mfg. T. Sunic, Zagreb. (www.tomsunic.com)

Nordlaender
19. Mai 2014 17:22

"Auf die feine Abstufung zwischen „racism“ und „racialism“ sei erneut verwiesen; da sie mit deutschen Worten schwer zu fassen ist, habe ich im letzten Absatz als Notbehelf für „racialists“ „Völkische“ gesetzt."

Außerdem gibt es in den VSA ja noch den Begriff "race realism", wie z.B. von Jared Diamond vertreten. Die Vereinten Nationen haben in den 1950ern (oder 1960er?) Jahren die bloße Einteilung in Rassen als Rassismus gegeißelt, dessen einziger Zweck in der Vorbereitung eines Völkermordes liegen könnte.
Im Umkehrschluß bedeutete: Jedes Volk auf dieser Welt, das anstrebt, (weitgehend) mit biologisch Verwandten weiterhin auf seinem Staatsterrain leben will, macht sich eines sehr schweren Verstoßes gegen die Menschenrechte schuldig.

Wobei die Rassenleugnung, die Verneinung der Unterschiede zwischen den Völkern aufgrund von erbbiologischen Vorgaben wissenschaftlich nicht haltbar ist.

M.E. ist innerhalb der Matrix, wo mit Voodoofetischen wie z.B. "discrimination" oder "racism" gedroht wird, kein strukturiertes Denken möglich. Wer brav über das Stöckchen "racism" springt, gesellt sich dem allgemeinen Eiertanz zu. Nützen tut es ihm nichts, den natürlich werden alle NWO-Beförderer dem "racialist" oder "race realist" genauso "Rassist!" entgegenbölken wie dem "Bewahrer unserer Kultur".

Irrlicht
19. Mai 2014 18:10

Die Beschwerde über die stark ideologisierten Sozialwissenschaften einschließlich der Politologie in der Bundesrepublik aus dem Munde eines Amerikaners wirkt einigermaßen merkwürdig, schließlich sind sie Produkt der US-Besatzungspolitik, Teil des massiven Eingriffs selbiger Macht in alle gesellschaftlichen Bereiche, oder wie es Stefan Scheil in "Transatlantische Wechselwirkungen" ausdrückt, Legitimationswissenschaft der Besatzungsherrschaft.

Abseits der (erwartungsgemäßen) Ausladung von Sunic sind seine verlinkten Artikel interessant, insbesondere, weil ich die dort vertretene These einer primär biologisch definierten "weißen Identität" (im Gegensatz zur ethnischen, die auch wesentlich kulturelle Aspekte beinhaltet) für eine Fiktion halte, für eine kulturelle Besonderheit der USA, mit dem Motiv, einen Ankerpunkt für die eigene Identität in dem ethnisch auseinanderbrechenden Land zu finden. Des Mangels einer an rein genetischen (oder phänotypischen) Merkmalen orientierten Gruppenidentität ist sich Sunic selbst durchaus bewußt, wenn er vom Desiderat eines gemeinsamen Kulturbewußtseins, eines "Rassengeistes" spricht. Die Frage ist nur, welchen Inhalt dieser haben soll. Seine Ausführungen über die "politische Theologie des Amerikanismus" halte ich dagegen für zutreffend, einschließlich seiner Einschätzung des Antiislamismus als negative Ersatzidentität.

Peter
19. Mai 2014 20:19

Dugin ist letztlich für EIN Imperium verschiedener Rassen, Religionen und Völker als Gegengewicht zu den USA.

Auch Pankraz hat in der aktuellen JF Dugin analysiert und konsequenterweise schwer kritisiert.

Seine 4. Politische Theorie erscheint wenig schlüssig und wenig überzeugend. Sie ist eine Ansammlung von Halbwahrheiten.

Ernst Wald
19. Mai 2014 21:45

Ad Nils Wegner

Die Forderung, politische Akteure sollten "agonistisch" ihre Meinungsverschiedenheiten ausfechten, ist nicht weniger blumig und utopisch als Habermas´ Diskursethik (Theorie des kommunikativen Handelns). Dass mag auch ein Grund dafür sein, weshalb sich Carl Schmitt, der sich nie sonderlich für Hellas interessierte, gegen die Verwendung der griechischen Vokabel „Agon“ zur Beschreibung des Politischen verwehrte. Zumindest geriet er in einen Wutausbruch, als sein Schüler Armin Mohler lässig das Wort „agonal“ gebrauchte (vgl.: Mohler, Armin: Gegen die Liberalen, Schnellroda, 2010 / S.42 ff.).

Letztlich muß man akzeptieren, dass ein politisches System sich durch ein Feindbild konstatiert. Oder anders ausgedrückt: Wir leben in einer Kontinuität von „Faschismus“ und „Antifaschismus“. Denn ist es immer wieder der kleine Blockwart, der im Deutschen zum Vorschein kommt.

Einlassung Wegner:
Sie lesen nicht richtig und wirbeln überdies "agonal" und "agonistisch", was zwei verschiedene Sachen sind, durcheinander.
Im übrigen bringe ich wirklich nicht den Eifer auf, irgendetwas zu "fordern"; die Feststellung, daß, solange man sich "demokratisch" und "pluralistisch" schimpft – vorbeugend: ich weiß, daß Carl Schmitt auch das nicht so toll fand –, ein freier Widerstreit der Meinungen (so oder so ähnlich las sich das im SRP-Urteil, glaube ich) möglich sein sollte, reicht vollkommen aus, um die Heuchelei aufzuzeigen.

Dinkie
19. Mai 2014 22:13

Das lustige ist, dass die weißen "Antirassisten" in einem (gewiss!) kommenden ethnischen Bürgerkrieg als Folge des sozialistischen Menschheitsexperimentes namens "Multikulti" ebenso als Feinde identifiziert werden, wie böse weiße Rechte.

Nordlaender
19. Mai 2014 22:46

@ Irrlicht

"Des Mangels einer an rein genetischen (oder phänotypischen) Merkmalen orientierten Gruppenidentität ist sich Sunic selbst durchaus bewußt, wenn er vom Desiderat eines gemeinsamen Kulturbewußtseins, eines „Rassengeistes“ spricht."

"Rassengeist" ist doch ganz einfach erklärt: Das für uns hier Feierabend ist, wenn unser Erbgut nicht mehr vorhanden ist, wenn der Standort "Deutschland" z.B. von bienenfleißigen Koreanern, Japanern und Chinesen aufrechterhalten wird, die artig unsere Sprache erlernt haben, unsere Klassiker gelesen haben, unsere Gesetze besser einhalten als
wir selber.
"Rassengeist" ist das Aufwachen aus einem Trauma der Schuldonanie ("white guilt"), wie alle nichtweißen Völker den Willen zu haben, den eigenen Lebensraum (weitgehend) mit biologisch Verwandten zu teilen.
"Ethnie" enthält zwar theoretisch das biologische Fundament, wird aber in der Praxis dafür eingesetzt, die Rassenleugnung zu stabilisieren und mit Kultur und Kulturen und nochmal Kultur eine Nebelkerze zu werfen.

ene
19. Mai 2014 23:29

Marcus Junge

Zustimmung. Auch an einer bekannt linken Universität, wo durchaus die Fetzen flogen, gab es selbst in "linken" Fachbereichen doch im Lehrkörper genügend Querköpfe, die sich überhaupt nicht einschüchtern ließen, sie zogen ihre Seminare eben durch. Das gehörte zu ihrem Selbstverständnis als Professor: geistige Unabhängigkeit.
Auch hielten "linke" und "nicht-linke" Professoren zusammen im Falle von Außendruck auf die Universität.
(Im übrigen konnte man Veranstaltungen auch mal "verlegen" - in einen anderen Raum, wo man ungestört war....)

eulenfurz
20. Mai 2014 09:19

Im deutschen Akademikermilieu kennt man es unter dem Namen „Berührungsängste“.

Im Denunziationsmilieu wird das eher mit "Kontaktverdacht" umschrieben: Die Diskreditierung auch desjenigen ist moralisch legitim, der mit einer stigmatisierten Person Kontakt hat, egal, ob er dessen Ansichten teilt.

Langer
20. Mai 2014 17:07

@Nordlaender

„Rassengeist“ ist doch ganz einfach erklärt: Das für uns hier Feierabend ist, wenn unser Erbgut nicht mehr vorhanden ist, wenn der Standort „Deutschland“ z.B. von bienenfleißigen Koreanern, Japanern und Chinesen aufrechterhalten wird, die artig unsere Sprache erlernt haben, unsere Klassiker gelesen haben, unsere Gesetze besser einhalten als
wir selber.

Und diese Asiaten werden um den Untergang des Ariers trauern! Weil sie ihn begreifen!
Weil sie die Tragik seines Vergehens begreifen! Und sie werden die Flammen hoch halten!
Und vielleicht muss der Deutsche erkennen: Dass es seine Bestimmung war, dieser Mythos zu sein!

Irrlicht
20. Mai 2014 18:48

@Nordlaender
Der Forderung nach einem "gemeinsamen Kulturbewußtsein" liegt die Erkenntnis zugrunde, dass ein gemeinsames Erbgut nicht das Bewußtsein einer gemeinsamen Identität impliziert, z.B. die Bereitschaft, "den eigenen Lebensraum (weitgehend) mit biologisch Verwandten zu teilen." Gegenbeispiele führt Sunic selbst an. Der Zerfall von Jugoslawien geschah trotz der biologischen Verwandtschaft der Balkanvölker, aus kulturellen/religiösen Gründen, in Belgien gibt es eine starke separatistische Bewegung auf seiten der Flamen, ein Teil der Schotten möchte dem Vereinigten Königreich Lebewohl sagen, die größten militärischen Konfrontationen der Geschichte waren Kriege zwischen "weißen" Mächten, etc.

Um auf das Beispiel zu antworten: Eine Zivilisation aus künstlichen Wesen, die perfekt den Biedermeier imitiert, könnte nicht als deutsches Volk bezeichnet werden. Umgekehrt wäre das gleichförmige, seiner Geschichte und allen kollektiven Identitäten enthobene Individuum, der brave Konsument in der globalisierten Welt, kein Deutscher mehr, selbst wenn er Arminius in seiner Ahnenreihe hätte.

Ernst Wald
20. Mai 2014 19:15

Herr Wegner, vielen Dank für Ihre Einlassung!

Dass es einen Unterschied zwischen „agonistisch“ und „agonal“ gibt, ist mir neu. Vielleicht können Sie mir diesen bei Gelegenheit erklären. Aber wie dem auch sei.

Ich denke wir sind uns darin einig, dass die politisch-mediale Klasse über ein klares Feindbild verfügt: den Rechten. Daraus macht sie auch keinen Hehl, sondern spricht offiziell vom „Kampf gegen rechts“. Gerade deshalb kann man aber nicht behaupten, dass die politisch-mediale Klasse „heuchle“. Denn auch wenn sie sich als „demokratisch“ und „pluralistisch“ stilisiert, spricht sie ihrem Feind diese Eigenschaften ab, weshalb er aus ihrer Sicht als Teilnehmer am politischen Diskurs ausscheidet. Und warum sollten sich die Machthaber von einer moralischen Kategorie wie „Heuchelei“ beeindrucken lassen, wenn sie doch ihren Feind als die Ausgeburt des Bösen betrachten?

Nordlaender
20. Mai 2014 19:59

@ Irrlicht

Richtig, Sunic hat ja nun zurecht und ausgiebig gerade den Bruderzwist zwischen den Serben und Kroaten bedauert.
Ich besitze eine hochgradige Überempfindlichkeit gegenüber Joghurt, deshalb stehe ich unter dem Zwang, jedesmal, wenn von "Kultur(en)" die Rede ist, die Informationen über die Grundlagen von Kultur nachzureichen, und da spielt die Biologie eben doch eine sehr gewichtige Rolle.

Sagen wir es einmal so: Biologische Nähe begünstigt den Zusammenhalt, biologische Entfernung begünstigt das Auftreten von Tribalisierungen auf gleichem Terrain, Ressentiments bis hin zum Bürgerkrieg.
Erst haut man sich mit dem eigenen Bruder, steht aber der Feind vor der Tür, kann man sich wieder gegen diesen verbünden.
Neben der bewußten Entscheidung, zu wem man sich am liebsten gesellt, sollten die körperlich festgelegten Automatismen nicht vergessen werden, das Hormonsystem entscheidet sich eher für das Verwandte als für das Fremde.

Eine notwendige Bedingung für Verbundenheit innerhalb einer Gemeinschaft ist freilich noch keine hinreichende. Doch, doch, auch wenn die NWO gewinnt ist der reine, von allen Bedingungen befreite sogenannte "Mensch" immer noch ein Deutscher, Europider. Wenn alle Kultur verloren geht, läßt sich eventuell etwas Neues aufbauen. Wenn aber der Fundus des biologischen Erbgutes nicht mehr da ist, dann ist Asche, Feierabend.

Trouver
21. Mai 2014 16:38

Die Deutschen haben ein markantes Kompositum für „politisch korrektes, selbstzensiertes, paranoid erwartetes Mitgegangen-Mitgefangen-Mitgehangen-Fühlen“, ein heutzutage überhandnehmendes Phänomen unter deutschen Intellektuellen und Journalisten.

Wieso SELBSTzensiertes??

Tausende von Menschen wurden in dieser so genannten "Republik" nicht von selbst, sondern von der Polizei verhaftet und von den sogenannten "Richtern" nach bekanntem Dissidentenparagraph 130 verurteilt.

In Amerika, Z.b., sind weder dieser Paragraph denkbar, noch die Rechtslage, welche ihn einbetten konnte.

Sascha
23. Mai 2014 10:47

Herr Wald, nicht mal der Rechte ist ein klares Feindbild. Die Ukraine-Krise demonstriert ja auf hervorragende Art und Weise, dass der "Antifaschismus" sich in nichts auflöst, wenn völlig offener Faschismus von der USA unterstützt wird.

Stepan Bandera war ja nun wirklich bekennender Faschist, wollte eine rein nationale Ukraine, war zu deren Schaffung bereit, Polen, Juden und Russen zu vertreiben und zu ermorden, und seine OUN hat, genau wie die heute in der Ukraine hoch verehrte Waffen-SS-Division Galizien, das auch nach Kräften getan. Faschistischer geht es nun wirklich nicht mehr.

Und, wo bleibt der antifaschistische Konsens? Er hat sich in Nichts aufgelöst. Ein kleines bisschen gibt es noch bei der Linken, oder noch weiter links, das wars aber auch schon. Dass es bei SPD und Grünen irgendwelche Antifaschisten gegeben haben soll, ist wohl nur ein Gerücht gewesen.

Trouver
23. Mai 2014 16:14

wenn völlig offener Faschismus von der USA unterstützt wird...genau wie die heute in der Ukraine hoch verehrte Waffen-SS-Division Galizien, das auch nach Kräften getan. Faschistischer geht es nun wirklich nicht mehr

Das ist eine Unterstellung.

Sie scheinen ganz genau Nazikeule erfunden zu haben, wie das Antifa seit Jahren getan hat.

Pol Pot war Antifaschist, sowie Stalin. Zwar Massenmörder, stört aber keinen von Euch.

Genau das ist am widerlichsten.

Sascha
24. Mai 2014 11:15

Trouver, Sie haben mich da in die falsche Schublade gesteckt. Auch für mich ist Pol Pot einer der schlimmsten Verbrecher überhaupt, und Stalin eher schlimmer als Hitler weil er gefährlicher war.

Was ich hier kritisiert habe, ist ja nur die Verlogenheit der Nazikeule. Hier in D wird sie unterschiedslos auf alles Rechte angewendet, selbst solche, die die Nazis schon deshalb ablehnen weil die schon vom Programm her eine linke Bewegung sind. Aber in der Ukraine verbrüdert man sich mit Leuten, die sich offen zur ukrainischen Variante des Faschismus bekennen.

Wenn ein ukrainischer Bandera-Anhänger alle möglichen positiven Aspekte von Banderas Bewegung anführt, seinen Kampf gegen Stalin rechtfertigt, ist das eine Sache. Wenn die Schreiberlinge der deutschen Presse, die sonst bei jedem Rechten Nazi schreien, dasselbe tun, ist das zumindest für mich ganz was anderes.

bellers, jürgen
10. Juni 2014 14:46

was ich nicht verstehe, dass die neue rechte den rassebegriff im deutschen verwendet, obwohl die äußerst dummen nazis den auf das biologische begrenzt haben. und das behaupten ja auch sunic, de benoist nicht. in der Tradition von evola verwenden sie den begriff der rasse metaphysich, kulturell. sunic bezeichnet sich sogar als metaphysischen deutschen. aber im deutschen heißt das nicht rasse, sondern Kultur.
wenn das so ist, dann stellt sich die frage der Integration von Ausländern ganz anders: es gibt auch schwarze deutsche und türkische deutsche im kulturellen Sinne, was immer das heißen mag. 97% der türkischstämmigen in Deutschland sind gut integriert. der 3 % "Rest" (milli Görres) ist um so gefährlicher. ich will die Gefahr des internationalen Islamismus nicht klein reden. hier sind die deutschen naiv. scholl-latour hat hier die notwendigen vorschläge einer moralischen und militärischen Aufrüstung Europas gemacht.

für mich gilt das alte ignorabimus des alten raymond-dubois: wir werden nie wissen können, wie geist und gene zusammenhängen. und da das prinzipiell so ist, ist der mensch frei, sich zu der oder der kultur bekennen zu können, wenn er will. bitte kein Determinismus.
das heißt aber auch, dass es international offensichtlich und glücklicherweise eine Vielfalt von Kulturen gibt. deshalb werde ich ja von den dummen linken als "kulturrassist" diffamiert, was immer das sein mag - ein widerspruch in sich selbst.
was mir an der neuen rechten gefällt, ist der gedanke des reiches und der dezentralisierung des nationalstaates, damit Vielfalt möglich wird. mir war der deutsche Staat (insbesondere der heutige linke) immer unheimlich in seinem egalisierungsstreben, und daher sollte man ihn reduzieren auf kleine, selbst verwaltete Körperschaften, in der sich die zusammentun, die zusammensein wollen - wie im alten kuk unter franz Joseph und sissi. den regeln die unternehmer von selbst.
das wäre auch ein Modell für Europa. nur so kann mord und totschlag wie gegenwärtig in Afrika verhindert werden.
ernst jünger sei uns im übrigen vorbild in seinem Ästhetizismus: gelassen in einer doch grundsätzlich göttlich guten welt erhaben in den alltag stoisch hineinleben - fern von allem gerassel der Demagogen, den hungernden und vereinsamten helfend, so weit überhaupt notwendig, ansonsten sich der Schönheit der Natur erfreuend. Herr, der tag ist groß! lasst uns freudig sein. der Katholizismus mit seinen vielen heidnischen heiligen sei uns dabei weltweites heim.
Jürgen bellers

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