Sezession
24. Mai 2014

Das war’s. Diesmal mit Wahl-o-mat, gymnasialem Literaturunterricht, dem Holocaust-Mahnmal und Kannibalen

Ellen Kositza / 22 Kommentare

20. 5. 2014 - Neuigkeiten aus Klasse acht:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

1. Zur Wahl stehen als Literatur (!) für den Deutsch(!)unterricht der Gymnasial(!)klasse diese beiden Bücher: Coming 2 get you von Simon Packham und Chatroom-Falle von Helen Vreeswijk. Es gewinnt Coming…, es hat rund hundert Seiten weniger. Sie nennen es Demokratie. 2. Der nächste Klassenausflug – im Juli – geht in einen Indoor-Kletterpark. Man spricht von einem „Event“. Nach dem Geklettere, vulgo Rumgehänge, geht es zum Shoppen in den sogenannten Saaleparkcenter. Sie nennen es Wandertag.

21.5. 2014

Abendbrotgespräch unter drei Kindern, die allesamt deutlich von der Volljährigkeit entfernt sind. Das fleißige Kind : „Ich hab grad Wahlomat gemacht. Demnach soll ich die Bayernpartei wählen, im Ernst.“

Das ehrgeizig-jähzornige Kind: „Wahlomat? Gibt’s wieder? Gut, will ich auch machen! Darf ich mal ins Internet?“

Das überlegene Kind: „Och, du Kleinkind! Es langt, wenn du dich da in ungefähr hundert Jahren drum kümmerst. Was weißt du eigentlich wirklich von Politik?“

Das ehrgeizig-jähzornige Kind (sehr laut, rotes Gesicht): „Vielleicht mehr als du!! Und hundertprozentig mehr als…. als die Frau X, die Frau Y und… und der Herr Z! (Namen aus der wohnörtlichen Umgebung fallen.) Aber logisch: Am liebsten wärst du die Königin von Deutschland! SCHON KLAR!“

Die Überlegene: „ Naja. Lassen wir das. Bei mir war´s übrigens wie immer. Witzig. Hab von denen ansonsten noch nie was gehört. Hängen die eigentlich mit denen in USA zusammen? “

Also gut, mach ich eben auch den Wahlomat. Ebenfalls wie immer, allerdings ein anderes Ergebnis als bei den Kindern. (Wundere mich, woher meine Kinder Kenntnisse über Agrarsubventionen und das Freihandelsabkommen haben. )  Mein Ergebnis ist irrelevant. Wird nicht beherzigt. Witzig ist, daß die niedrigste Zustimmungsquote sich bei uns drei Familienmitgliedern deckt. Es ist die SPD.  Selbst KPD und MLPD schneiden besser ab.

22. 5. 2014

In eigenartiger Weise betroffen macht Thorsten Schmitz` Artikel „Kaputt“ in der Süddeutschen Zeitung. Ein Meisterstück. Daß das großdimensionierte Berliner Holocaustmahnmal Risse bekommen hat, war schon länger bekannt. Auch, daß zwischen den Stelen immer wieder zahlreiche Kondome entsorgt werden müssen. Aber das eine der 2711 Stelen (die 4000 von Architekt Eisenmann geplanten seien Helmut Kohl „zuviel“ gewesen) am späten Abend des 23.12. 2010 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (als irreparabel) entfernt worden ist? Als man Lea Rosh nun

von der fehlenden Stele erzählt, ist sie fassungslos: „Was?“, sagt sie „davon weiß ich ja gar nichts.“

Versprochen war bauleiterseits, daß die Betonstelen, die das Leid der im Dritten Reich verfolgten Juden versinnbildlichen sollten,

„1000 Jahre halten“.  Nun ist das so eine Sache, wenn in Berlin mit tausendjähriger Haltbarkeit geworben wird.

Das 27,4 Millionen Euro teure Mal bröckelt. Inzwischen wurden fast 50 Stelen stählern gegürtet. Lea Rosh findet die Stahlgürtel auch nicht toll, mildert aber ab:

„Die Manschetten finde ich gar nicht so schlimm, die sind ja Ton in Ton“.

Die verantwortliche Stiftung hingegen entwirft ein Horrorszenario:

„Ein junger Besucher hüpft von Stele zu Stele, eine bricht, der Jugendliche stürzt, schlägt mit dem Kopf auf die scharfen Kanten.“

Nicht auszudenken! Man stelle sich die Schlagzeile vor! Die bedenklichen Risse im Holocaustgedenkstelenbeton rühren vermutlich aus ihrer Hohlheit, heißt es. „Man hat eben versucht, Geld einzusparen.“ Dabei sei

"der Beton an sich erstklassig, der verdichtet sich selbst wie Honig.“


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (22)

Marcus Junge
25. Mai 2014 08:47

"Heute hingegen in der Jungen Freiheit ein Interview mit einem AfD-Frontmann namens Henkel gelesen."

Haha, ich les die AfD-Propaganda der JF schon lange nicht mehr wirklich, die ist so unterirdisch, wie in den Jahren davor die Hoffnungsträger aus CSU/CDU/FDP, die bei der JF stand (die Miesere, Karl Theodor zu Schmalz-Haargel, Gau-ckler, Gauweiler, ...), weil ich seit Gründung der AfD immer geschrieben hab, das die unwählbar sind, was auch jeder wissen konnte, der auch nur beim Gründungsparteitag aufpaßte.

Sie wolle "eine Alt-CDU sein, so wie einst in den 80'ern bei Birne" (weil man sich ja unmöglich erinnern kann, welche Verbrechen Birne da getätigt hat, die bis (oder erst) heute ihre Wirkung zeigen), sie verehren die großen Deutschen, also die Vaterlandsverrätertypen der BRD, angefangen bei "Adenauer, zu Schmidt! und Kohl", keine Abkehr vom Euro, nur einige Doktörchenspiele bitte, EU ist eigentlich Supi, später dann der Eiertanz um jene, die gegen die Islamisierung sind, die Aufnahmeverbote für alle, die vorher in falschen Parteien waren (also nationale oder gegen die Umvolkung stehende), bis hin zu den Distanzierungen vom "rechten" Block im großen Sowjet zu Brüssel.

Wer da ernsthaft immer noch von "Alternative" fabuliert, der schläft wieder tief und fest und ist eine erstklassige Systemstütze, so wie die AfD halt.

Schnarchnasen, euer (unser) Geld ist so oder so weg, das Kind ist 2010 final im Brunnen ersoffen. Die AfD kann es nicht retten. Außerdem ist der Euro ein Symptom, nicht die Krankheit. Heilung werden die "Wunder"tinktürchen der AfD ganz sicher nicht bringen, nur sedieren, wie bisher Mutti oder Sigi oder Empörungskröte. Aber das wollt ihr ja nicht hören oder glauben.

Steffen
25. Mai 2014 10:46

Ja Frau K., es sind schon geradezu peinliche Lektüreerfahrungen, denen man sich auch am Gymnasium stellen muss. Bei uns waren es in der achten oder neunten Klasse bspw. "Speed" von Maureen Stewart oder "Die Einbahnstraße" von Klaus Kordon. Beide in primitivster Sprache mit ebenso primitiven Inhalt - aber!: in eben jenem neunten Schuljahr hielt ich auch einen Vortrag über Conrads "Herz der Finsternis" - mit einer kleinen Rezension, Inhaltsübersicht, Personenkonstellation und auch einer umfangreichen Interpretation und Vorlesepassage. Insgesamt summierte sich der Vortrag auf die vollen fünfundvierzig Minuten einer Unterrichtsstunde. Mir wurde dieser Umstand auch erst wieder in Erinnerung gerufen, als ich an einem der verregneten Tage der letzten Woche alte Schulunterlagen aussortierte. Als ich mir meine Aufzeichnungen zum Buch und zum Vortrag ansah und die Interpretation las, fühlte ich selbst eine gewisse Peinlichkeit, die wohl die Lehrerin damals beschlichen haben muss, als sie den Vortrag hörte. Ist es also gut, sich mit eben solchem Stoff zu beschäftigen, selbst wenn man ihn fehlinterpretiert? Eine Interpretation unterliegt ja ohnehin dem aktuellen Geisteszustand und Erfahrungsschatz. Oder ist es überhaupt der eigentliche Sinn? Sich letztlich mit einem Buch auseinander zu setzen und in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu diesem Buch zurück zu finden, um es neu zu entdecken, neu zu interpretieren und was als feste Größe oder unumstößliche Weisheit gesetzt wurde, völlig zu revidieren?

Carsten
25. Mai 2014 10:58

"Öch vörspröche Ihnen, Frau Rosch, der Betonk hält tausönd Jahre!!"

Hahaha, eine großartige Realsatire!! Zum Brüllen lustig!

Der Wahl-o-mat ist ein unterhaltsames Gesellschaftsspiel für Freunde und Familie. Ich spiele das immer wieder gerne. Bei mir kommt jedesmal REP raus, aber gewählt hab' ich die noch nie.

Marcus Junge
25. Mai 2014 13:30

Carsten

Und warum? Weil das System Ihnen eingeredet hat, das wären Nazis? Weil der VS da in den 90'ern seine Leute wirken ließ oder die Medien so objektiv und fair berichteten? Bitte nicht, "weil das Personal zu unterirdisch war / ist", verglichen mit den Politclowns des Systems, sind es Lichtgestalten, selbst wenn nur ein Kerzlein brennt.

Carsten
25. Mai 2014 19:00

Marcus Junge,

ach Quatsch "Nazis" und "System". Wenn man eine Partei wählt, erwartet man doch eine gewisse Erfolgschance. Und vor allem eine gewisse Relevanz der Wahl an sich. Da bleibe ich lieber im Bett.

Ist Raskolnikow eigentlich im Urlaub? Doch hoffentlich nicht krank!

C.Céline
25. Mai 2014 19:57

trifft sicherlich nicht bei Ihnen zu... aber...Ich als Kletterer "rumhänger" kann nur sagen: den fetten Stadtkindern tut es mal gut in acht metern Höhe zu schwitzen...

Kositza: Die Frage ist: Gibt es ein wahres Klettern im falschen? Im Juli in eine vorgefertigte (nebenbei hochpreisige) Eventhalle zu fahren, naja...Ich hätte sie mit dem Fahrrad um den Geiseltalsee gescheucht, oder mit Rollschuhen, oder wie man das heute nennt. Mit den "fetten Stadtkindern" ist es eh komisch. Ich halte das für ein Gerücht. Ich seh hin und wieder ein Pummelchen, es überwiegen aber Normalen und die Dünnen. (Ist bei zugewanderten Kindern anders, die gibts hier aber nicht.)

Nordlaender
25. Mai 2014 21:34

@ Carsten

"Wenn man eine Partei wählt, erwartet man doch eine gewisse Erfolgschance."

Gegen Rechts, gegen den "populus" (Volk), für "Zuwanderung", für EUropa, für den EUro, für "Integration" stimmen und damit für Henkel (Af"D"), dessen Sohn übrigens mal vor einer Stuttgarter Diskothek bereichert worden ist, das kann ein Reaktionär eben einfach nicht. Leib, Seele, Herz und Gemüt, alles sträubt sich da.
Die Morgenröte der Scham verglühte das ganze Antlitz, wenn man so einen unappetitlichen Verrat beginge.

Unke
25. Mai 2014 23:04

Carsten,
dito.
Die Fragen sind zwar vom kommunistischen bpp und entsprechend ausgewählt + suggestiv formuliert, aber die Leute können ja lesen (naja, ob sie es denn auch tun, bzw., wie Lichtmesz sagen würde, sinnentnehmend lesen ist wieder was anderes).
Mit der AfD (dessen Chef Lucke sich das durch die Teilbeurlaubung entgangene Professorengehalt von der Partei zahlen lässt) habe ich meinen Frieden gemacht: bei gerade mal 7% ist sie eine quantité négligable, da wäre es zuviel der Liebesmüh sich an ihr abzuarbeiten. Ob da so ein Strebertyp wie Henkel (hat ebenso wie Lucke in seinem Leben nie nennenswerte ökonomische bzw. persönliche Risiken eingegangen, war immer braver Hierarch) mit seiner arroganten Art Binsenweisheiten zum Besten gibt - geschenkt. Was soll man von Figuren halten die sogar zu feige sind offen mit der UKIP (von der BNP redet ja gar keiner) zu sympathisieren?
Die FAZ schaltet nach Monaten der Hetze heute auf Verständigung. Union und FDP müssten auf die AfD zugehen. Nicht wirklich überraschend. Gleichzeitig wird man seitens des Establishments sich als Reserve gerne die Antifa in der Hinterhand halten - man braucht sie vielleicht noch.
Also alles sehr vorhersehbar.
Es ist schon deprimierend zu sehen, dass in Deutschland die Leute mit Abstand am wenigsten den Hintern hochbekommen. In Italien gibt mindestens eine breite Protestbewegung, in Frankreich, in UK sowieso, in Belgien, sogar in Holland... nur die Dummdeutschen schaffen es nicht einmal das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen.

Nordlaender
26. Mai 2014 00:05

@ Kositza

"Gibt es ein wahres Klettern im falschen"

Der Sache mal auf den Wiesengrund gegangen: Es bringt rein gar nichts, wenn wir die Hans-Güntherchens "Justin" taufen und die Inges "Chantal". Eine gar zu schlichte Tarnung, die die Wahrheit nicht verscheuchen kann. Uns stehen sehr harte Zeiten bevor.

Thomas Wawerka
26. Mai 2014 09:26

Hauptsache, die Gesinnung stimmt, was? Wie bei den Linken ... ts! Seriöse politische Arbeit verlangt Kompromisse. Lucke macht das richtig.

Kositza:Wichtig:Der hat angefangen mit der "Gesinnung"! Aber ok, ich hab gestern auf einigen der fünf Wahlzettel auch AfD angekreuzt. Typisch frau halt: hab geguckt, wer hat hier den sympathischsten Beruf. Die Gesichter warn ja nicht abgebildet.

Nordlaender
26. Mai 2014 10:19

@ Thomas Wawerka

"Hauptsache, die Gesinnung stimmt, was?"

Pfui, wer hat denn aber auch so etwas? Wäre ja fast schon ein Ideologie, ein solcher welcher.

KW
26. Mai 2014 13:24

Ich habe bei dem Interview mit Henkel immeran Satire gedacht. Er will sich für den chinesischen Bürgerrechtler Ai Weiwei einsetzen. Dazu kommt das hier, die Mittelscicht zu fördern, ist löblich, aber sperrangelweit offene Grenzen, nee, nicht mit mir! Die AfD ist für mich eine Abteilung der Merkel CDU. Bißchen Kosmetik ja, aber keine Wurzelbehandlung. Ohne die sitzen immer wieder dieselben Gestalten im Hintergrund.

https://ef-magazin.de/2014/05/23/5368-interview-spannungsfeld-zwischen-grosskapital-und-politik

Revolte
26. Mai 2014 16:32

Was soll uns dieses "populistisch" vor dem "rechts-" eigentlich signalisieren?
Sind das Parteien, die dem Wahlvieh nach dem Maul reden und dann einen diametralen Kurs einschlagen? In dem Falle wären alle Altparteien "populistisch".
Oder sind es aber Parteien, die mit den allerorten gefürchteten "einfachen Lösungen" aufwarten? Was ist denn an einfachen Lösungen so falsch, dass der Hühnerstall darüber ein ums andre Mal so in Aufruhr gerät? Und ist "die Tore auf für die ganze Welt" etwa keine einfache Lösung? Die eigene Ethnie ans Messer zu liefern für die heilige Trinität Humanismus, Toleranz und Weltfrieden? Oder "Banken verstaatlichen" und "Reiche enteignen" und schon geht's allen gut? Sieht so komplexe Ökonomie aus?

Aber davon abgesehen war die gestrige Wahl eine schallende Ohrfeige für das versammelte, korrumpierte EU-Pack. Allerdings sitzen in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Holland, Dänemark und GB schon seit Jahren "Rechtspopulisten" in den Parlamenten - hat sich dadurch irgendetwas merklich verändert?

Langer
26. Mai 2014 18:03

Frau Kositza: Die Kommentare hier sind ja zensiert, das heisst, dass sie erst freigeschaltet werden muessen. Nun gehe ich davon aus, dass immer wieder Leute mit anderen politischen Ansichten zur Seite finden, sich provoziert fuehlen und entsprechendes schreiben - vielleicht waere die Art der Antwort, dieser Versuch des Konterns und sein Niveau den Versuch einer Analyse und einen Artikel wert? :)

Kositza: Nö, da irren Sie sich weitgehend. Hier schaltet zwar jeder Autor meist jene Kommentare frei, die seine eigenen Artikel betreffen, ich selbst aber hätte direkt ein schlechtes Gewissen, wenn ich "Konter" unterdrücken würde. Was ich (meist) "zensiere": Kommentare, die eine "jüdische Weltverschwörung" o.ä. in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen, grob Unanständiges (unter der sog. Gürtellinie; ist selten) und gelegentlich auch (für mein Empfinden) allzu groß angelegtes Lob, manchmal auch Sachen, die mir unsinnig vorkommen und wo mir der Bezug fehlt.

Nordlaender
26. Mai 2014 18:33

@ Revolte

"Was ist denn an einfachen Lösungen so falsch"

Das ist doch aber genauso bekannt wie die Tatsache, daß die Sowieso keine homogene Gruppe sind.
Ganz einfach: Wo etwas komplex ist, da muß differenziert werden. Die Menschen sollten dort abgeholt werden, wo sie sich gerade befinden, aber doch bitte nicht die Stammtische.

"schon seit Jahren „Rechtspopulisten“ in den Parlamenten – hat sich dadurch irgendetwas merklich verändert?"

Na, einen tranquilierenden Effekt hat es doch allemal. Uljanow wies darauf hin mal, daß eine Bewegung allein eh nichts bringe, wenn man nicht auch die Gegenbewegung mit seinen Leuten besetzt hat. Wer weiß, vielleicht sind es alles ja nicht die rechten Rechten?

Thomas Wawerka
26. Mai 2014 20:10

@ Nordländer:
Ich habe doch selbst hier irgendwo mal geschrieben, dass ich Ideologie für nichts per se Verdächtiges halte ... Forrest Gump als der einzige unideologische Mensch, der heilige Narr und so. Ich halte es nur nicht für richtig, im politischen Kampf die Gesinnung zum Lackmustest zu machen. Dann bleibt am Ende nur die Fundamentalopposition à la Grillo, und das ist falsch: Wer Politik macht, soll gestalten. Dazu gehört nun mal die Suche nach Schnittmengen, vulgo: der Kompromiss. Hat Herr Kubitschek aber an anderer Stelle besser ausgeführt als ich ("die Anmaßung" und "das Angemessene").

@ Frau Kositza:
Ich bitte um Verzeihung, falls Sie sich angegangen fühlten. Es war mit einem Augenzwinkern gedacht (ick trau mir bloß nich hier emoticons zu verwenden ...). Übrigens: Ich habe nicht AfD gewählt. Luckes klares Bekenntnis "Ich bin Atlantiker!" habe ich als Bejahung oder doch zumindest Duldung der us-amerikanischen Politik verstanden (NSA, TTIP etc. pp.), und dergleichen möchte ich nicht unterstützen, auch wenn ich die von der AfD beabsichtigte Reform der EU unterstütze. - Und was das "typisch frau" betrifft ... na, da kokettieren Sie aber ... ;-)

Nordlaender
26. Mai 2014 20:42

@ Thomas Wawerka

"Ich habe doch selbst hier irgendwo mal geschrieben, dass ich Ideologie für nichts per se Verdächtiges halte"

Stimmt, ja, jetzt entsinne ich mich. Wenn sich diese Erkenntnis noch weiter verbreitet, dann sind wir zumindest einmal vor politischer Inkontinenz gefeit. Das wäre ein ganz enormer Schritt nach vorne.

"Wer Politik macht, soll gestalten. Dazu gehört nun mal die Suche nach Schnittmengen, vulgo: der Kompromiss."

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Es wird Krieg gegen uns geführt und Strategie ist alles. Ich konzediere gerne, daß ich eine klammheimliche Freude mitempfände, falls Henkel oder Lucke es tatsächlich bewirken sollten, daß sie ein Nachdenken anstoßen, daß dann die Zahl der EUropahasser vergrößert.
Ich glaube nur, daß gerade die Hoffnung die Sklaverei noch befördert. Nehmen Sie mich als Bösmenschen einfach nicht so ernst. Ich kann Ihre Position voll und ganz nachvollziehen. In Sachen Af"D" kann ich mich nun einmal nicht frei entscheiden. Alle Fasern meines Leibes weigern sich halt, solche Globalisten, um mal einen EUphemismus zu gebrauchen, mit meiner Stimme zu unterstützen.

Langer
27. Mai 2014 14:22

Kositza: Nö, da irren Sie sich weitgehend. Hier schaltet zwar jeder Autor meist jene Kommentare frei, die seine eigenen Artikel betreffen, ich selbst aber hätte direkt ein schlechtes Gewissen, wenn ich „Konter“ unterdrücken würde. Was ich (meist) „zensiere“: Kommentare, die eine „jüdische Weltverschwörung“ o.ä. in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen, grob Unanständiges (unter der sog. Gürtellinie; ist selten) und gelegentlich auch (für mein Empfinden) allzu groß angelegtes Lob, manchmal auch Sachen, die mir unsinnig vorkommen und wo mir der Bezug fehlt.

Ich muss gerade ueberlegen, ob ich die Linke nicht noch ein ganzes Stueck mehr ueberschaetze, als ich bisher dachte...

Waldschrat
28. Mai 2014 09:49

Die Ratlosigkeit bzw. Uneinigkeit gegenüber der AfD unter den hiesigen Kommentatoren liegt doch nicht zuletzt daran, daß man sich hier zumeist darin einig ist, was man nicht haben will, aber wenn es darum geht, konkrete Gegenpositionen zu beziehen, herrscht entweder Schweigen im Walde oder, was ich vor allem vermute, enorme "Meinungsvielfalt".

Daran krankt doch alles, was sich als rechts, konservativ, reaktionär oder national in Deutschland bezeichnet, mindestens seit der Weimarer Republik. Das haben uns die Linken voraus: Die unterscheiden sich vielleicht in den favorisierten Mitteln und Wegen, aber das Ziel ist doch klar. Bei uns nicht. Ganz und gar nicht. Manchmal glaube ich, das "rechte Milieu" ist eigentlich nur ein großes Mißverständnis.

Anna
28. Mai 2014 10:00

Ich weiß auch von einem Professor für Bau, der schon zu Beginn des Denkmalbaus nicht freiwillig dort herumlaufend "gedenken" wollte.

... Der Betonqualität wegen.

KW
29. Mai 2014 09:03

AfD? Ganz klar nein, Lucke meint, Atlantiker zu sein, Henkel ist bei Amnesty international und alle wollen Einwanderung und leichte kosmetische OPs beim Geld. Sie setzen den Spaten nicht an der Wurzel an, sondern wollen die Giftpflanze BRD nur ein wenig beschneiden.

Thomas Wawerka
29. Mai 2014 09:19

Lucke führte in "Hart aber fair" aus, dass man in der Politik Institutionen zu kritisieren habe, Zustände, Verhältnisse, Gesetze etc., aber nicht Menschen (sinngemäß). So sieht für mich seriöse und saubere Politik aus. Man muss Politik mit den Leuten machen, nicht gegen sie.
@ Waldschrat: Dass es so viele verschiedene Meinungen gibt ist doch keine Krankheit, sondern nur natürlich. Wir wehren uns doch immer gegen die große Gleichschaltung durch die political correctness. Das ist es doch, was die Linken zusammenhält - und was die anderen den Linken voraushaben, ist Freiheit.

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