03. Juni 2014

Der Jargon der Demokratie. Ein Gespräch mit Frank Böckelmann

von sezession / 13 Kommentare

  • boeckelmannDie Bestenliste der deutschen Buchhandelsvereinigung führt Frank Böckelmanns Buch Jargon der Weltoffenheit derzeit auf Platz 4 (hier bestellen). Böckelmann, Herausgeber der Zeitschrift Tumult, warnt darin vor der auszehrenden Monotonie des westlichen Diskurses. Das nachfolgende Gespräch, das Ellen Kositza und Götz Kubitschek mit Böckelmann führten, ist in der soeben erschienenen, 60. Ausgabe der Sezession in gekürzter Fassung abgedruckt – hier zur PDF.

    SEZESSION: Herr Böckelmann, hat die Demokratie als Regierungsform eine eigene Sprache ausgebildet?

    BÖCKELMANN: Die repräsentative Demokratie hat sich ihre eigene selektive Sprachregelung zugelegt. Bestimmte Formeln sind willkommen, vor allem jene, die großzügig klingen, bestimmte Ausdrücke sind verpönt, vor allem solche, die Festlegung vermuten lassen. Das ist eine eigene Sprachregelung im wörtlichen Sinn: Die Demokratie will immerzu von sich selbst sprechen. Sie beschwört sich selbst. Nicht nur Politiker, Lehrer und Journalisten, alle Bürger werden dazu angehalten, ja zur Demokratie zu sagen (obwohl doch niemand nein sagt), und dabei sofort das stärkste Geschütz aufzufahren, den Vergleich mit der Diktatur. Dieses ständige Mobilisieren und Vergleichen gehört zum Wesen der Demokratie. Sie präsentiert sich nämlich als Daueraufgabe, einerseits als Errungenschaft, die gefährdet ist und verteidigt werden muß, andererseits als Fernziel, dem wir uns in Sisyphusarbeit zu nähern haben. Gut demokratisch ist nur die unaufhörliche Demokratisierung. Als die besten Demokraten gelten diejenigen, die Legitimationsdefizite geißeln, die Korruptheit des Führungspersonals entlarven und Verstöße gegen Bürgerrechte aufdecken.

    Es ist also durchaus korrekt, abfällig von „unserer sogenannten Demokratie“ zu sprechen oder in Berlin und Brüssel gar eine „Postdemokratie“ zu erkennen. Letzte Warnung, gelbe Karte. Doch nicht der Schatten eines Zweifels darf die Gewißheit trüben, daß die Kombination von nomineller Volkssouveränität, Mehrheitsprinzip, geregeltem Regierungswechsel und bemühter Rechtsstaatlichkeit eine historisch unüberbietbare Daseinsordnung darstellt. Auch wenn klar ist, daß die „Herrschaft des Volkes“ eine Utopie bleiben wird.

    Das Demokratie-Projekt gesteht bereitwillig Mängel und Verfehlungen ein. Auf diese Weise geraten seine Geburtsfehler und seine bleibenden Übel aus dem Blickfeld.

    SEZESSION: Über diese Geburtsfehler und bleibenden Übel der Demokratie würden wir gerne ein bißchen mehr erfahren ...

    BÖCKELMANN:  Vor gut einhundertachtzig Jahren hat der französische Staatsdiener Alexis de Tocqueville die Vereinigten Staaten bereist. Er wollte die segensreichen Folgen des „Verlangens nach Gleichheit“ kennenlernen und mit ihnen seine reaktionären Landsleute bekehren. Es war eine Reise in die Ernüchterung. Sein zweibändiges Werk De la démocratie en Amérique (1835 und 1840) verblüfft den heutigen Leser aufs höchste: Das sollen Beobachtungen vor hundertachtzig Jahren gewesen sein? Sie erscheinen wie neueste Befunde, manche wie Wahrnehmungen eines kalten postmodernen Blicks. De Tocqueville erlebt ein „Schauspiel universeller Einförmigkeit“ und ahnt, daß „die Art der Unterdrückung, die den demokratischen Völkern droht, mit nichts, was ihr in der Welt vorausging, zu vergleichen sein“ wird.

    De Tocquevilles Fazit: In Amerika fehle das „gemeinsame Interesse“. An dessen Stelle trete die Gleichförmigkeit als Gebot der öffentlichen Meinung. Je weiter sie fortschreite, desto anstößiger erschienen „die kleinste Verschiedenheit“ und „die geringsten Vorrechte“. Die „öffentliche Gunst“ werde dann „ebenso nötig wie die Luft, die man atmet“. Schlimmer noch, alle Parteiungen verwandelten ihre Gesinnung in Taktik und passten sie laufend dem Lockruf der Mehrheitsfähigkeit an. Auf diese Weise falle auch und insbesondere die Mehrheitsmeinung der „Tyrannei der Mehrheit über das Denken“ zum Opfer. Der Konformismus nähre sich am Freiheitsgefühl. Eine unpersönliche „Vormundschaftsgewalt“ bedecke „die Oberfläche der Gesellschaft mit einem Netz kleiner, verwickelter, enger und einheitlicher Regeln“ – fast glauben wir, Michel Foucault zu lesen.

    SEZESSION: Wir müssen hier wohl zwei Ebenen auseinanderhalten. Der Niveauverlust durch die Tyrannei der Mehrheit ist das eine. Das andere ist das gute Recht jeder Regierungsform, den eigenen Bestand zu sichern und zu verteidigen. Interessant an der Demokratie ist in diesem Zusammenhang doch vor allem, daß sie den Abweichlern sozusagen als „unsichtbarer Gegner“ entgegentritt – oder eben gerade nicht „tritt“, sondern in Form einer permanenten Selbstkontrolle „anwest“.

    BÖCKELMANN: Die stürmische Einforderung des Rechts auf Meinungsfreiheit hat eine Kehrseite.  Gewiß, die Demokratie schüttelt den Absolutismus ab. Kämpfer für Freiheit und Gleichheit bieten Alleinherrschern die Stirn. Aber sobald die Meinungsfreiheit sich verabsolutiert und zur Doktrin wird, dient sie als Alibi für Willkür. Politische und wirtschaftliche Interessengruppen wetteifern darin, der Mehrheit  von heute und der mutmaßlichen Mehrheit von morgen gefällig zu sein – im Namen der Meinungsfreiheit. In allen bürgerlichen Milieus herrscht der „Höflingsgeist der großen Menge“. Die gewählten Machthaber bestimmen, von wem und wovon sie die Demokratie bedroht sehen. Mit Vorliebe entlarven sie ihre Rivalen als Freiheitsfeinde, somit als absolute Feinde. Wer möchte schon in Verdacht geraten, einer dieser Feinde zu sein? Die meisten Abweichler geben klein bei und machen ihre Gedanken verträglich. Sonst würde ihnen als vorgeführten Menschenfeinden ein Leben drohen, das „schlimmer als der Tod“ ist. Auch davon berichtet Alexis de Tocqueville:  „Der Machthaber sagt hier (zum Schriftsteller) nicht mehr: ‚Du denkst wie ich, oder du stirbst‘. Er sagt: ‚Du hast die Freiheit, nicht zu denken wie ich; Leben, Vermögen und alles bleibt dir erhalten; aber von dem Tag an bist du ein Fremder unter uns.“

    SEZESSION: Dies bedeutet mit anderen Worten doch nichts anderes, als dem Abweichler die Zurechnungsfähigkeit abzusprechen, oder besser so etwas wie die guten Umgangsformen, aber eben auf der Ebene des Meinbaren: Wer wirklich ein Demokrat ist, ahnt, wo die Abweichung begänne. Wer es nicht ahnt und sich nicht selbst kontrolliert, muß zurechtgewiesen werden, aber man hat doch mittlerweile den Eindruck, daß es nicht mehr um Erziehung, sondern um Verstoßung gehe.

    BÖCKELMANN: Das ist Verstoßung, öffentlicher Rufmord. Aber nicht mehr aus Gründen tief eingewurzelter Gesinnung – so wie einst der Katholik den Hugenotten totschlug –, sondern im Eifer der Reaktionsbildung. Man wütet gegen die Ahnung, die Orientierung verloren zu haben. Die Selbstgerechten vollziehen ein hypermoralisches Ausschlußritual. Sie bauen einen Popanz auf, der an das Böse von früher erinnert, und dreschen auf ihn ein. Großes Entrüstungstheater ersetzt Gesinnung und Haltung.

    Was de Tocqueville 1830/40 mit angewiderter Faszination betrachtet, ist die Demokratie als Herrschaftsform des kämpfenden Bürgertums. Dieses Bürgertum triumphiert über das Feudalsystem und verteidigt seine Hegemonie gegenüber den Ansprüchen der nachdrängenden unteren Klassen. Es gibt ein Grundmuster demokratischer Rhetorik, Konsenshörigkeit und Vormundschaft, das gleichgeblieben ist bis auf den heutigen Tag. Dennoch – auch ein de Tocqueville konnte nicht ahnen, wohin die Standardisierung der öffentlichen Sprache und Weltanschauung in der spät- und nachbürgerlichen Ära führen würde. Im 19. Jahrhundert konkurrierten noch die Ordnungsideen des Liberalismus, des Konservatismus und des Sozialismus. Noch wurde ein Gemeinwille des Volkes und seiner Repräsentanten beschworen. Heute klingt schon die Übersetzung von demos verdächtig.

    SEZESSION: Ja, das Volk! Teilen Sie die Überzeugung, daß seine schiere Masse und seine mittlerweile mit Händen zu greifende Heterogenität die Meinungsfindung mittels Dialog und Differenzierung verzerrt hat in eine Meinungs-PR mittels Parole und Emotion? Oder war die demokratische Meinungsbildung schon immer eine Sache der Wenigen, also ein sprachliche Elitenangelegenheit?

    BÖCKELMANN: Die öffentliche Meinung war und ist vor allem der Tummelplatz einflußreicher Kräfte, die wortgewandte Sprecher gewähren lassen – heute ist daraus allerdings eine Insider-Farce geworden. Demokratisch waren die Demokratien noch nie. Elitäre Volksvertreter vertraten ihresgleichen. Und nannten es Volk. Aber wenn ich so rede, übe ich eben jene stimulierende Kritik, auf die das Repräsentativsystem aus Gründen der Selbstrechtfertigung so scharf ist. Dürfen heute nicht alle mitmachen? Rührt euch , tretet bei, beteiligt euch, nehmt Einfluß!

    Doch der Wirbel um das Fetischwort „Demokratie“ kaschiert heute einen weit größeren Mangel als den an Legitimation. Wo steckt er denn, der Souverän? Bei Wahlen bewähren sich die „Berechtigten“ wie ein Publikum, das probeweise abstimmt und zeigt, wie man politische Verantwortung trägt. Ebenso bei Umfragen. Eine große Menge von Vereinzelten wird zu einer nachdrücklich empfohlenen Übung einberufen. Konsenswähler oder Protestwähler, man unterzieht sich der Prüfung und genießt den Lernerfolg: die verschiedenen Angebote zugeordnet und eines von ihnen angenommen zu haben. Nach der Befragung läuft das Wahlvolk auseinander. Für andere Bekundungen fehlen ihm die Worte und die Ermächtigung. Die entscheidenden Weichenstellungen – Westbindung, EU, Grenzen der EU, Euro, Finanzmärkte, Zuwanderung – stehen sowieso nicht zur Wahl.

    Doch das beklage ich nicht. Denn die vollendete Demokratie wäre die vollendete Schreckensherrschaft.

    Was eint das Wahlvolk? Ständig wird dem Publikum vor Augen geführt, wie schäbig es sei, sich irgendwie ein- und auszugrenzen, leibhaftig, sprachlich, in kollektiver Erinnerung, territorial, charakterlich. Wie rassistisch es doch sei, noch Volk sein zu wollen. Aber ist denn eine Ansammlung Vereinzelter in der Lage, einen Gemeinwillen auszubilden und Mandatsträgern und Institutionen Aufträge zu erteilen? Und dann auch noch gemeinsam die Konsequenzen zu tragen? Zusammenkommen und abordnen können nur Landsleute, die wissen, daß sie etwas Besonderes, etwas Eigentümliches sind.

    Man kann einwenden, „das Volk“ sei immer nur ein Konstrukt des Wunschs nach Gemeinsamkeit zwischen sehr Verschiedenen gewesen. Aber dann blendet man die Entwicklung von der frühen Demokratie zur Massendemokratie aus. Bis tief ins 20. Jahrhundert hinein wurzelt die Willensbildung nicht im Problemverständnis von Individuen, sondern in der gemeinsamen Erfahrung von Angehörigen. Sie festigt sich unter Verwandten, Nachbarn, Ansässigen, Nachkommen, Schicksalsgenossen, Kollegen, Kameraden, Überlebenden, Gläubigen, Anrainern, Biederen und Abweichlern. Unabhängig davon, ob sie in Parteien und Parlamenten vertreten waren. Zur Herausbildung eines eigenen Willens bedurfte und bedarf es der Anderen. Der politische Wille bahnt sich an im Geflecht von Erinnerungen und Erwartungen in einer gemeinsamen Nahwelt. Momentpersönlichkeiten finden zu keiner gemeinsamen Haltung.

    Da liegt der demokratische Hund begraben. Aus den Nahwelten sind Transiträume geworden. Kleinfamilien und Singles orientieren sich an digitalen Beachtungsbörsen. Zu denen gehört auch das tägliche Politspektakel. Rapide schwindet der Rückhalt für gegenseitige Anerkennung nach regional- und klassenspezifischem Gemeinsinn. An die Stelle der ortsgebundenen Autoritäten und Einrichtungen treten die Experten, Berater, Charismatiker und Gurus der globalen Populärkultur. Die Einzelnen beziehen ihre Urteile nebenbei aus dem hastigen Schlagabtausch von Parolen in geschlossenen Kreisläufen. Das hergebrachte Milieu war der Humus von Willensbildung. Das soziale Netzwerk ist diskursive Endstation, Party, Palaver. In öffentlichen Debatten pflegt man heute den „Jargon der Weltoffenheit“ – ich habe mich ausgiebig mit ihm befaßt.

    SEZESSION: Jene Parolen, die sich beispielsweise in gebräuchlichen Schlagworten wie „Emanzipation”, „Selbstbestimmung”, „Toleranz”, „Vielfalt” manifestieren oder - auf Alltagsniveau abgesenkt – zum „locker bleiben”, „sich ausprobieren” mahnen: Jener Weltoffenheitsjargon ist doch ein genuin linker Diskursstil. Oder doch nicht? Täuscht der Eindruck, und all jene Universalmaximen sind (durch die Stimme derer, die sie im Munde führen) in Wahrheit von jeder politischen Richtungszuweisung befreit?

    BÖCKELMANN:  Ich ersticke jede Gegenrede, wenn ich „Selbstbestimmung“ fordere, oder „Chancengleichheit“ oder „Toleranz“ oder „Vielfalt“ oder „Weltoffenheit“, oder mein Verhalten mit ihnen rechtfertige. Ich werde unangreifbar. Die Berufung auf „Demokratie“ ist ebenfalls unangreifbar, aber sie hat etwas Offiziöses und paßt am besten in Leitartikel und Parlamentsreden. Die Begriffe „Selbstbestimmung“, „Toleranz“ usw. hingegen werden inflationär gebraucht, ohne daß dies ihre Geltung und ihre Wirkung beeinträchtigt.

    Was sind das für Postulate? Im Anschluß an Panajotis Kondylis und Peter Furth nenne ich sie die Imperative der Massendemokratie. „Selbstverwirklichung“, „Authentizität“, „Chancengleichheit“, „Pluralismus“ und „Hedonismus“ (= Entgrenzung)  sind die Leitmotive der gleichschaltenden Individualisierung auf den Massenmärkten des 20. Jahrhunderts. Sie verheißen Befreiung und Fortschritt für alle, die ihre traditionellen Bindungen verlieren und die Appartements bevölkern. In den Vereinigten Staaten gaben sie schon in der Zwischenkriegszeit den Ton an, in Westeuropa seit den fünfziger Jahren. Sie klingen irgendwie links und irgendwie marktliberal und irgendwie universell. Vor allem klingen sie selbstverständlich, wie Anforderungen, die völlig außer Streit stehen.

    Eben darin besteht ihre Funktion, und diese Funktion können sie nur erfüllen, weil sie jede Bedeutung verloren haben außer der einen: keine Haltung auszuschließen, die nicht ihrerseits andere ausschließt. Sie sind völlig sinnleer, suggerieren aber einen Gehalt. Jeder, der die Leitmotive im Mund führt, gewinnt einen großen strategischen Vorteil: Er präsentiert die Beliebigkeit als entschiedene Position. Das ist geradezu eine Definition des Westens.

    Wer will, kann den Jargon von „Selbstbestimmung“, „Vielfalt“, „Weltoffenheit“ usw. auch als linke Sprechweise bezeichnen. Ich halte eine solche Etikettierung für unsinnig und mißverständlich. Besser wäre es, den Jargon als eine Art von Begriffskapital zu verstehen, gegen alles konvertierbar.  

    SEZESSION: Sie schreiben, das Logo „links” mit seinen assoziierten Attributen „gleich”, „frei”, „offen” werde heute als Gütesiegel verramscht. Die aktuelle Gefälligkeit dieser Etiketten besiegle den Untergang der Linken. Wer heute dezidiert gegen den Weltoffenheitsjargon, also gegen die Postulate der Gleichheit, der Pädagogisierbarkeit und der Entgrenzung argumentiert, wird als „rechts” gebrandmarkt, falls er sich selbst nicht als Eigenbezeichnung rechts verortet. Sie bezeichnen solchen gegenläufigen, also rechten Aktivismus als „fatalen Irrtum”.  Warum? Etwa aus marketingtechnischen Erwägungen?

    BÖCKELMANN: Argumentation ist noch kein Aktivismus. Unter diesem verstehe ich Aktionen um der Aktion willen, „um überhaupt etwas zu tun“, verzweifelte Umsturzversuche unter Mißachtung des Grundsatzes „Erkenne die Lage!“ Niemand kann sich dem „Jargon der Weltoffenheit“ völlig entziehen. Er speichert eine mindestens hundert Jahre lang erbrachte Kompensationsleistung (Selbstverfügbarkeit gegen Tradition). Er gehört zu unserem epochalen Geschick. Auf die eine oder andere Weise spricht ihn jeder von uns. Wer nur auf die Kraft individueller Entscheidung setzt, beansprucht eben „jene Wahlfreiheit, für welche die Demokratie der Chancenträger Reklame macht“ (Jargon der Weltoffenheit, S. 72). Statt dessen müssen wir auf Ereignisse lauern, die uns zeigen, wie sich unser epochales Geschick bereits ändert – siehe das letzte Kapitel meines Buches. Das ist Erkundungsarbeit, die nur der neugierige Einzelne verrichten kann. Nur ein Abenteurer, der imstande ist, sich überraschen zu lassen. Wir können von solchen Erschütterungen und Brüchen berichten – und sie tätig vertiefen.

    Ich warne davor, das Gespenst der Linken zu bekämpfen und dieses Gespenst noch aufzublasen, indem man der Linken „die bessergestellten bürgerlichen Schichten“ einschließlich der Superreichen zurechnet (weil sie sich „kulturmarxistisch“ gebärden), sowie alle Großunternehmen, die den Kulturmarxismus und die Political Correctness fördern, und schließlich auch noch die Triebkräfte der kapitalistischen Modernisierung – wie es jüngst Martin Lichtmesz getan hat (Sezession vom April 2014), den ich ansonsten außerordentlich schätze. Dann wäre die Regierung der Vereinigten Staaten links, stünden Microsoft, Google und Amazon links, wären Daimler Benz, Nestlé und Bertelsmann linke Agenturen. Von einer „Linken“ läßt sich sinnvollerweise nur im Hinblick auf sozialrevolutionäre Ziele sprechen, im Hinblick auf die Umwälzung der Produktionsverhältnisse. Das ist ein ganz anderes Thema. Die Nenn-Linken von heute tun sich demonstrativ hervor durch die Besetzung von Häusern, die Verteidigung von Kulturzentren und den Kampf gegen Gentrifizierung und „rassistische“ Polizeikontrollen sowie für das Bleiberecht von Flüchtlingen aus Lampedusa. Aber das ist nichts Besonderes.

    SEZESSION: Dies alles zusammengenommen legt welchen Schluß nahe? Die Lage zu akzeptieren und gegen den betonierten Jargon nicht anzurennen, wäre also keine Mimikry, sondern ein vernünftiges sich Dreinschicken in die Machtverhältnisse?

    BÖCKELMANN: Darüber entscheidet eben nicht der Einzelne. Wir müssen beides sehen, den im Brustton der Selbstverständlichkeit hergebeteten Schwulst und die Risse im Sprachbeton. Wir hören nicht enden wollende Appelle, uns zu öffnen und dabei ganz wir selbst zu sein. Dieser Jargon bleibt vorerst unanfechtbar, aber die Welterfahrung – wie soll ich sagen? – verdünnt sich. Im Verständigungsbetrieb verblassen die Dinge. Das Einzigartige wird lästig. Zu viel. Wir versuchen, es abzuspeichern und aufzuschieben. Die Ereignisse sortieren wir nach Plus und Minus, Hilfreich und Hinderlich, je nachdem, ob sie unsere Selbstverfügbarkeit steigern. An die Stelle der Außenwelt tritt eine Wahrnehmungs-Buchhaltung. Die hat System, sogar ein ganz spezielles. Der genetische Code des Internets wurde in den Vereinigten Staaten entwickelt – wie schon die Massendemokratie zuvor. Unsere Globalität steht unter der strengen und zugleich anarchischen Aufsicht des Netzwerkimperiums USA.

    Und trotzdem ist das, was Sie „Machtverhältnisse“ nennen, die reinste Utopie. Banale Angelegenheiten bereden wir nach Maßgabe utopischer Forderungen. Aber nichts, was geschieht, läßt sich mittels der Hypermoral von „Selbstbestimmung“, „Gleichstellung“, „Toleranz“, „Vielfalt“ und „Weltoffenheit“ erfassen. Ins Programm gepreßt, verschwinden die Gegenstände und die Mitmenschen wie hinter einer Mattscheibe. Die Frage ist, wie das Leiden am Weltverlust Sprache und politische Schlagkraft gewinnt.

    SEZESSION: Was ist denn Ihre eigene Antwort? Welchen Sitz im Leben der Bundesdeutschen Demokratie hat eigentlich die von Ihnen verantwortete Zeitschrift Tumult? Sie agiert ja sprachlich auf hohem, teils kryptischem Niveau. Gibt es einen Subtext?

    BÖCKELMANN: Der Subtext ist die Suche nach Erkenntnis ohne das Richtmaß utopischer Leerformeln. Ein hartnäckiges intellektuelles Strampeln – die Spontanität spricht nämlich Jargon. Kryptisch? Da müssen Sie langsamer lesen. Tumult hat sich einer nüchternen Welterfahrung verschrieben. Das Organ hat übrigens einen Untertitel: Vierteljahresschrift für Konsensstörung. Bei der Auswahl von Autoren und Beiträgen unterscheiden wir – Horst Ebner in Wien und ich in Dresden – nicht unerbittlich zwischen Passend und Unpassend, denn wir haben die Wahrheit nicht gepachtet. Wir akzeptieren verschiedene Vorgehensweisen, wenn sie versprechen, hypermoralisch angeleitete Erkenntnis aufzubrechen. Und wenn mal wieder ein Professor am Ende seines Artikels der Demokratie Reverenz erweist – sei’s drum.

    Utopiefreie Sicht auf Ereignisse macht staunen. Man reibt sich die Augen. Überraschung: Entgegen der Einheitsmeinung in den tonangebenden Medien expandiert die Sympathie mit der russischen Sicht auf die Vorgänge in der Ukraine, das heißt, mit der Alternative eines eurasischen Nichtwestens. Wir wollen nicht in Rußland leben, aber auch nicht mehr in der Pax americana, und zerren am Wattepanzer von Disneyland. Überraschung: Die Entwicklung vielerorts (Indien, Japan, Afghanistan, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Nigeria, Syrien, Maghreb) läuft aus dem westlichen Ruder. Überraschung: Im Zeichen von Sauberkeit, Natürlichkeit und Sicherheit durch sanfte erneuerbare Energien verwandeln wir die Landschaft in einen Industriepark, das Gegenteil des Erstrebten. Überraschung: Die Spiele auf den Finanzmärkten finden ohne Subjekte, ohne Drahtzieher und ohne letzte Profiteure statt. Diagnose: letztlich unregulierbar. Überraschung: Künstlich erzeugte und Patchwork-Kinder graben nach ihrer biologischen Herkunft. Überraschung: Die Regulierung der Geschlechtlichkeit nach Gleichheitsmaßen macht der Leidenschaft den Garaus. Überraschung: Der Hunger nach Anwesenheit und Zugehörigkeit schwillt an.

    Alles in allem bedeutet dies: Jargon und Jargonwelt beginnen zu erodieren. Diese Erosion zu unterstützen, vielleicht gar, sie zu beschleunigen, ist alles andere als aktionistisch. Es setzt auf Übermächtiges und Unabsehbares. Darauf setzten Revolutionäre, Gläubige und Liebende seit jeher. Kühnheit in Demut.

    Böckelmanns Jargon der Weltoffenheit hier bestellen.
  • Kommentare (13)

    Ernst Wald
    03. Juni 2014 19:35
    Sicherlich beeindrucken Frank Böckelmanns Eloquenz und Sprachstil. Aber bei genauerer Betrachtung seiner Ausführungen wird deutlich, dass er nicht wirklich mit neuen Analysen und Überlegungen aufwarten kann. Denn die von Böckelmann verwendete Bezeichnung „Jargon der Weltoffenheit“, die wohl auch eine Reminiszenz an Adornos „Jargon der Eigentlichkeit“ darstellt, ist quasi nur eine andere Ausdrucksweise für „Political Correctness“, „Tugendterror“ oder neues „Jakobinertum“.

    Und zu diesen Phänomenen haben andere Autoren nicht nur ähnliche, sondern teilweise sogar kühnere und analytisch schärfere Aussagen getroffen. Norbert Bolz etwa oder Manfred Kleine-Hartlage. Aber auch Thilo Sarrazin und Peter Furth. Vor allem Furth – auf den sich Böckelmann selbst bezieht – zeigt eindringlich, wie stark die Rede von Vielfalt, Entgrenzung und Weltoffenheit mit dem Holocaust-Gedenken verbunden ist, das in Deutschland die Form einer Zivilreligion angenommen hat. Bei Böckelmann hingegen findet dieser Aspekt fast keine Beachtung.
    Irrlicht
    03. Juni 2014 22:49
    @Ernst Wald
    Böckelmann ist mit seiner Kritik radikaler und in der Analyse präziser als die genannten Autoren, auch im Vergleich mit den Sezessionisten im Gespräch. Während er mehrfach zu Fundamentalkritik am System der Demokratie abhebt - damit näher an Carl Schmitt als seine selbsternannten geistigen Erben ist -, und unter Rekurs auf Tocqueville den gesellschaftlichen Zustand, die überall durchscheinende Hypermoral, als Folge eines amerikanisch geprägten Verständnisses der Massendemokratie darstellt, ist der Jargon, die Political Correctness samt Folgen, für Kubitschek/Kozitza - ganz in der Tradition alt-bundesrepublikanischer Konservativer - nur eine Entartungsform einer "wirklichen" Demokratie . Dabei stehen nicht nur Massendemokratie und Globalität "unter der strengen und zugleich anarchischen Aufsicht des Netzwerkimperiums USA", sondern auch die angesprochene kultische Überhöhung des Holocaust. Selbst der Begriff stammt aus den USA.
    Rumpelstilzchen
    04. Juni 2014 08:58
    Alles in allem bedeutet dies: Jargon und Jargonwelt beginnen zu erodieren. Diese Erosion zu unterstützen, vielleicht gar, sie zu beschleunigen, ist alles andere als aktionistisch. Es setzt auf Übermächtiges und Unabsehbares. Darauf setzten Revolutionäre, Gläubige und Liebende seit jeher. Kühnheit in Demut.

    F. Böckelmann

    Ein großes Schlusswort eines tollen Gesprächs.

    "Es gibt keinen Grund zu glauben, daß die technisch-wissenschaftliche und auf wirtschaftlichen Reichtum ausgerichtete Zivilisation ein Endzweck der Geschichte ist und daß sie nicht wieder durch eine Kultur abgelöst werden wird, in der das Heilige der Religion oder Ehre oder irgendein anderes Ideal dem des Reichtums übergeordnet ist."

    nach Alfred North Whitehead

    Die erste größere gesellschaftliche Gruppe, die als Atheisten ( a-theoi) angefeindet wurden, waren die Christen im römischen Reich vor Konstantin.
    Sie lehnten die Verehrung der röm.-griech. Gottheiten vehement ab und ebenso die Kulthandlungen des röm. Gottkaisertums.

    In diesem Sinne können moderne a-theoi den Ersatzgöttern abschwören:
    zivilen Ersatzreligionen, der Toleranzreligion, Wellness-und Wohlfühlreligionen, Religionen, die auf das Streben nach politischer Macht angelegt sind, dem Kult der Selbstoptimierung und des Sich-Neuerfindens, dem Genderkult.
    Sie können sich einer "marktkonformen Demokratie" ( Angela Merkel ) verweigern....usw. usw.

    Sezession + Erosion = ???

    Nach der Erosion des Jargons gilt:

    Johannesprolog

    Im Anfang war das Wort ( logos),
    und das Wort war bei Gott,
    und das Wort war Gott.
    Im Anfang war es bei Gott.
    Alles ist durch das Wort geworden,
    und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
    In ihm war das Leben ( zoe),
    Und das Leben war das Licht der Menschen.
    Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
    Und die Finsternis hat es nicht erfaßt.


    Die chinesischen Wirtschafts- Funktionäre mögen sich am heutigen Tag ihrer zerstörten Kultur erinnern und sich auf Laotse be-sinnen.
    TAO TE KING , Das Buch vom Sinn ( Logos) und Leben ( zoe).
    Ein Fremder aus Elea
    04. Juni 2014 09:30
    Das soziale Netzwerk ist diskursive Endstation, Party, Palaver. In öffentlichen Debatten pflegt man heute den „Jargon der Weltoffenheit“ – ich habe mich ausgiebig mit ihm befaßt.

    Ich auch.

    Geht es Ihnen gut? Danke.
    Sind Sie gesund? Es könnte besser sein.
    Was macht das Geschäft? Tadellos.


    Die Frage ist, wie das Leiden am Weltverlust Sprache und politische Schlagkraft gewinnt.

    Hmm... hmm... Tommi Ohrner und Horst Frank zukucken zählt nicht, schätze ich?

    Aber ich glaube, Nigel Farage und Beppo Grillo gelingt genau das.

    Überraschung: Die Spiele auf den Finanzmärkten finden ohne Subjekte, ohne Drahtzieher und ohne letzte Profiteure statt. Diagnose: letztlich unregulierbar.

    Baron LeFuet sähe das anders.

    Zum ernsteren Teil.

    Der politische Wille bahnt sich an im Geflecht von Erinnerungen und Erwartungen in einer gemeinsamen Nahwelt. Momentpersönlichkeiten finden zu keiner gemeinsamen Haltung.

    Die "Momentpersönlichkeiten" sind im Falle Amerikas aus trivialen Gründen Menschen, welche glauben, nicht durch die Verhältnisse bestimmt zu sein, sondern diese selber zu bestimmen, und sei es durch Ortswechsel. Entsprechend gibt es kein "gemeinsames Geschick".

    Dergleichen gibt es selbst heute nicht in gleichwertiger Form in Europa.

    Die angelsächsische Nüchternheit ist selbst eine Form der Demut, davon ausgehend, daß das Leben reich genug ist, jede Form von Nüchternheit in ihre Schranken zu weisen, siehe meine Ausführungen zu "Utilitaria", der Göttin der Engländer, im folgenden Beitrag:

    http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2014/06/zur-entschrankung-der.html

    Es ist dies eine Frage des Gleichgewichts, also die Folge davon, daß der Mensch anfangen muß, seine eigenen Worte und Taten zu fressen - hier in Europa. Weil wir tatsächlich erreichen, worauf wir zustreben, kommt uns das Leben abhanden, verlieren wir eine persönlich bedeutsame Umwelt und damit unsere Gefühle.

    Die titanischen Kräfte obsiegen. Und wer kann schon etwas gegen die technologisch bedingten Machtverhältnisse tun?

    Elon Musk vielleicht. Er will auf andere Planeten. Abgesehen davon, daß damit höchstens 100 Jahre gewonnen wären, und daß es aus Ingenieurssicht vernünftiger scheint, Bakterien auf anderen Planeten auszusetzen als Menschen, also die Bausteine des Lebens, und nicht seine komplexesten Produkte, sitzen wir heute bereits in der Patsche und noch lange nicht auf anderen Planeten.

    Wenn man so will, kann man auch schlicht sagen, daß der Mensch nicht geboren wurde, um Gott zu sein: Erfüllte sich jeder unserer Gedanken dadurch, daß wir ihn nur dächten, verlören wir alsbald alle Lust an unserem Leben.
    Nils Wegner
    04. Juni 2014 10:12
    Das ist auch insofern kein Wunder, als daß im Hinblick auf den Terminus "Demokratie" selbst eine umfassende Begriffsverzerrung vorliegt, mithin also die deviante Form der "Demokratie in Amerika" (um bei Tocqueville zu bleiben) in der Lage war, die leere Hülle des Oberbegriffs auszufüllen.

    In dieser Hinsicht war die letzte IfS-Akademie sehr instruktiv, was sich auch in der aktuellen Sezession niedergeschlagen hat.
    bernardo
    04. Juni 2014 11:01
    "De Tocquevilles Fazit: In Amerika fehle das „gemeinsame Interesse“. An dessen Stelle trete die Gleichförmigkeit als Gebot der öffentlichen Meinung."

    Unter dem Druck der staatlich geförderten political correctness (die eben keine Entwicklung aus der Gesellschaft heraus ist, sondern ein Herrschaftsinstrument von Lobbygruppen) mag das derzeit so scheinen, aber auch heute noch sind die USA in Wahrheit ein Land, in dem die extrem unterschiedlichsten Lebensweisen, Meinungen und Glaubensrichtungen völlig unverbunden nebeneinanderstehen. Es gibt dort keine einheitliche öffentliche Meinung und das in einem Ausmaß, das inzwischen die politische Handlungsfähigkeit gefährdet.

    Tocqueville hat nur die Gefahren der WASP-Gesellschaft gesehen. Das war treffend, taugt aber nicht zur Beschreibung der Wirklichkeit demokratischer Strukturen insgesamt. Zur seiner "prophetischen" Überhöhung, wie das bei Böckelmann im Ansatz geschieht, besteht kein Anlaß.
    Nordlaender
    04. Juni 2014 18:30
    Die sogenannte "Politische Korrektheit" ist eben gerade nicht korrekt (=richtig), weil sie dazu führt, daß für die Diskussion der Angelegenheiten der Gemeinschaft (polis) das angemessene Vokabular, z.B. "Deutscher", z.B. "Ausländer", z.B. "Illegaler", nicht mehr verwendet werden darf.

    Politisch (in)korrekt ist es z.B., von der "Gesellschaft" zu reden. Dabei lassen sich Autoren mit Namen und Zitat belegen. Siehe z.B. unter "Frankfurter Schule" und dort unter Erich Fromm:

    “Mental health is characterized by the ability to love and create, by the emergence from incestuous ties to clan and soil, by a sense of identity based on one’s experience of self as the subject and agent of one’s powers, by the grasp of reality inside and outside of ourselves, that is, by the development of objectivity and reason.”
    ("The Sane Society", 1956)
    Gustav Grambauer
    05. Juni 2014 08:53
    Verehrter Herr Böckelmann,

    Ihr Buch gerade mit unbändiger Freude lesend bin ich bei der Suche nach einer griffigen, umfassenden Formel über "Links" und "Rechts", über Hypermoral und Moral, über die Tavistock`sche "Totalitarismusdoktrin", über die Frage ob Bill Gates "links" ist usw. hinweg auf die folgende gekommen:

    "Der Kampf jedweder zentrifugaler
    gegen jedwede zzentripetale Kräfte".

    Es ist ein Naturgesetz, daß sie den verlieren werden, und davon bekommen die westlichen Träumer jetzt mit der (in jeder Hinsicht untermauerten) analytischen Kraft der russischen Strategen ein erstes Vorgefühl.

    Mußte beider Lektüre auch durchgängig an das Eichelburg-Pendel denken:

    http://www.hartgeld.com/media/pdf/2011/Art_2011-190_PolitschesPendel.pdf

    Besonders der Ausklang Ihrer Gedankenführung hier im obigen Gespräch, da schließe ich mich "Rumpelstilzchen" an: superb!!!

    Ob die "Postdemokratie" nur eine Entartung der "BRiD"-"Demokratie" sei?!

    Ein Dresdner wird dies vielleicht etwas anders sehen. Das Erleiden des (lediglich) "Bürgerlichen Todes" ist nicht konsequent finalistisch gedacht, auch müßte man hierbei zusätzlich den Orwellismus "Freunde" einmal dekonstruieren, denn ansonsten gilt:

    http://www.google.de/search?q=when+you+don%60t+come+to+democracy+democracy+will+come+to+you&source=lnms&sa=X&ei=Sw6QU5O3JYbB0QW6kYDwDA&ved=0CAUQ_AUoAA&biw=1571&bih=796&dpr=1

    - G. G.
    Konservativer
    05. Juni 2014 13:12
    Ein Hilfe bei der inhaltlichen Klärung, was die Begriffe links und die Linken anbelangt, bietet Paul Gottfried in folgendem Interview:

    http://www.counter-currents.com/2013/08/robert-stark-interviews-paul-gottfried-on-the-frankfurt-school/
    Konservativer
    05. Juni 2014 14:12
    Ich habe zu einer Zeit bei sowohl orthodox-marxistischen, als auch kulturmarxistischen Professoren studiert, als es das Sowjetimperium noch gab.
    Wenn sich seinerzeit auch die orthodoxen Marxisten, im Gegensatz zu den Kulturmarxisten, eher selten (als Ausnahme) mit dem Thema "soziale Bewegungen" befassten, wurde in meinem Studiengang jede der gegenwärtig sichtbaren und vorherrschenden Ideologien (und natürlich deren Träger) wie beispielsweise Feminismus, Gender (die Anfänge), gewisse Sprachregelungen (ebenfalls die Anfänge), "Multi-Kulti" im Zusammenhang mit Einwanderung gefördert; der Studiengang fungierte in diesem Zusammenhang als ein Transmissionsriemen, Katalysator oder so etwas. Zentral war auch der "Kampf gegen Rechts" in vielfältiger Weise, man konnte sich spezialisieren und einen entsprechenden Abschluss (Diplom) machen, um damit einen Job in diesem (expandierenden) Berufsfeld zu ergattern (Beispiel: http://www.sezession.de/21504/karriere-chancen-mit-einem-master-in-holocaust-communication-and-tolerance.html ).
    Nordlaender
    05. Juni 2014 21:59
    @ Konservativer

    Der Relativist Paul Gottfried ist ein entschiedener Kämpfer gegen den Biologismus:

    "... although friend-enemy distinctions are evident here, it is doubtful that these dividing lines operate strictly according to biological conditioning.”

    Ohne eine "nation" aber (lat. natio = Gemeinschaft der aus dem gleichen Geschlechte Geborenen), ist die "border" freilich überflüssig.
    Konservativer
    07. Juni 2014 11:46
    Sehr geehrter Nordlaender
    Am Beispiel Preußens läßt sich nachweisen, daß es durchaus möglich ist, eine gewisse Anzahl Slawen, Welscher etc. so zu assimilieren, daß auch eine Transformation in einen Nationalstaat (mit Grenzen) gelingt.
    Was Freund/Feind Bestimmungen anbelangt möchte ich in Erinnerung rufen, daß Segestes ebenso ein Cherusker war wie Arminius.
    Worauf ich hinaus will ist folgendes: genau hinsehen, analysieren und in diesem Zusammenhang zumindest versuchen, Gedankentunnel (Tunnelblick), Gedankenkäfige oder so etwas zu vermeiden.
    Nordlaender
    07. Juni 2014 15:19
    @ Konservativer

    Zwischen uns und den Slawen besteht eine biologische Nähe.

    Ein Nationalstaat ist ein Staat, in dem das Staatsvolk aus biologisch Verwandten besteht.
    Im Gegensatz zum Vielvölkerstaat, siehe Libanon, siehe ehemaliges Jugoslawien, siehe die VSA, die sehr systematisch immer weiter verBUNTet werden, nur, daß dort nicht die Moslems, sondern vor allem die Latinos zur Entmachtung der Weißen instrumentalisiert werden.

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