Neues aus dem Uwe Berg Verlag: Rote und Blaue Reihe erweitert

Die „Quellentexte der Konservativen Revolution“ sind eine bewährte Institution des Uwe Berg Verlages.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Sie umfaß­te bis­her 13 Bän­de der „Roten Rei­he“ (Natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re), vier der „Schwar­zen Rei­he“ (Jung­kon­ser­va­ti­ve), sie­ben der „Blau­en Rei­he“ (Völ­ki­sche) sowie einen Band der „Grü­nen Rei­he“ (Land­volk). Für die fünf­te KR-Grup­pe nach der Ein­tei­lung Armin Moh­lers, die Bün­di­schen, gibt es man­gels theo­re­ti­scher Grund­la­gen­wer­ke der­zeit kei­ne Rei­he. Nun wur­den die rote und die blaue Staf­fel um je ein wei­te­res Werk erweitert.

Bei den Natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren lie­gen als 14. Band die Erin­ne­run­gen der Sturm­kom­pa­gnie vor. Man­fred von Kil­lin­ger, der als Mari­ne-Offi­zier nach dem Ers­ten Welt­krieg zur „Bri­ga­de Erhardt“ fand und her­nach bei der klan­des­ti­nen „Orga­ni­sa­ti­on Con­sul“ wirk­te, wid­me­te die­se Schrift in den 1920er Jah­ren dem Kor­vet­ten-Kapi­tän Her­mann Ehr­hardt. Die gefürch­te­te Sturm­kom­pa­gnie war so etwas wie der har­te Kern der Bri­ga­de, die bei den Kämp­fen in Ober­schle­si­en eben­so wirk­te wie als Ord­nungs­macht in Berlin.

Im Mai 1920 auf­ge­löst, gin­gen die Kämp­fer Ehr­hardts unter­schied­lichs­te Wege; die meis­ten von ihnen betei­lig­ten sich an den poli­ti­schen Kämp­fen der Wei­ma­rer Repu­blik. Spä­ter wur­de Kil­lin­ger bei­spiels­wei­se Diplo­mat im „Drit­ten Reich“, wäh­rend sich sein Ehr­hardt-Weg­ge­fähr­te  Hart­mut Plaas dem Wider­stand gegen Hit­ler anschloß und in einem KZ erschos­sen wur­de. In den Erin­ne­run­gen der Sturm­kom­pa­gnie fin­det sich nun nicht nur ein kurz­wei­li­ges Vor­wort von Kil­lin­gers, son­dern auch die voll­stän­di­ge Lis­te der Kämp­fer der Sturm­kom­pa­gnie. Auch hier wird deut­lich, wes­halb Karl­heinz Weiß­mann die Quellen­t­ext­rei­he als „unver­zicht­ba­res Hilfs­mit­tel zum Stu­di­um der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on” bezeich­ne­te. Eini­gen der auf­ge­führ­ten Namen wird man zudem an ande­rer Stel­le deut­scher Geschich­te wie­der begegnen.

Die „Blaue Rei­he“ bekommt der­weil Zuwachs durch ein Werk (Jakob) Wil­helm Hau­ers. Hau­er, der in den frü­hen 20er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts die Anthro­po­so­phie und damit die Grund­la­gen der heu­ti­gen Wal­dorf­päd­ago­gik einer schar­fen Kri­tik unter­zog, ver­such­te in der 1934 erschie­ne­nen Abhand­lung Deut­sche Gott­schau. Grund­zü­ge eines Deut­schen Glau­bens einen genu­in „deut­schen“ Reli­gi­ons­zu­gang für sei­ne „Deut­sche Glau­bens­be­we­gung“ zu finden.

Das phi­lo­so­phi­sche Buch zeigt einen von zahl­rei­chen (der mit­un­ter ent­ge­gen­ge­setz­ten) geschei­ter­ten Ver­su­chen der NS-Zeit, ein „art­ei­ge­nes“ Reli­gi­ons­kon­strukt gegen das gewach­se­ne Chris­ten­tum im All­ge­mei­nen und gegen den römi­schen Katho­li­zis­mus im Beson­de­ren in Stel­lung zu brin­gen. Auf­grund der Gelehrt­heit des Tübin­ger Ordi­na­ri­us für Reli­gi­ons­wis­sen­schaf­ten und Indo­lo­gie ist die Deut­sche Gott­schau zumin­dest wohl der inter­es­san­tes­te Ansatz des hete­ro­ge­nen Milieus der völ­ki­schen „Deutsch­gläu­bi­gen“ gewe­sen und steht den Lesern nach 80 Jah­ren erst­mals wie­der zur Verfügung.

  • Man­fred von Kil­lin­ger (Vor­wort): Erin­ne­run­gen der Sturm­kom­pa­gnie, Top­pen­s­tedt: Uwe Berg 2014. 196 S., Foto­ta­feln, durch­ge­hend illus­triert, 20 €
  • Wil­helm Hau­er: Deut­sche Gott­schau. Grund­zü­ge eines Deut­schen Glau­bens, Top­pen­s­tedt: Uwe Berg 2014. 288 S., 18 €
Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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