70. Todestag Antoine de Saint-Exupéry

(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Alain de Benoist

Antoine de Saint-Exupérys weltweiter Ruhm verdankt sich seinem Buch Der kleine Prinz (Le petit prince).

 Gastbeitrag

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Es wur­de 1943 in New York geschrie­ben, vom Autor selbst mit Aqua­rel­len illus­triert und erschien anschlie­ßend in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, noch vor der fran­zö­si­schen Aus­ga­be (1945).

Die­se poe­ti­sche und phi­lo­so­phi­sche Geschich­te, die von der Begeg­nung eines in der Saha­ra abge­stürz­ten Pilo­ten mit einem »klei­nen Prin­zen« erzählt, der die Absur­di­tät der Welt der Erwach­se­nen in Fra­ge stellt, wur­de zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Welt­erfolg (mehr als 134 Mil­lio­nen Exem­pla­re wur­den ver­kauft) und hat sei­nem Autor aller­lei pos­tu­me Ehrun­gen ein­ge­bracht. Die­ser Erfolg soll­te nicht die ande­ren Aspek­te des Wer­kes von »Saint-Ex’«, wie er in Frank­reich lie­be­voll genannt wird, in den Schat­ten stellen.

Gebo­ren als Sproß einer fran­zö­si­schen Adels­fa­mi­lie, wand­te sich Saint-Exu­pé­ry zunächst den schö­nen Küns­ten und der Archi­tek­tur zu, nach­dem er 1919 die Auf­nah­me­prü­fung für die Fran­zö­si­sche Mari­ne­schu­le nicht bestan­den hat­te. Von Kin­des­bei­nen an fas­zi­niert von der Welt der Luft­fahrt, wur­de er 1921 wäh­rend sei­nes Mili­tär­diens­tes zum Pilo­ten aus­ge­bil­det. Fünf Jah­re spä­ter arbei­te­te er für die Luft­fracht­ge­sell­schaft Laté­coè­re (die spä­te­re Aéro­posta­le) als Kurier zwi­schen Tou­lou­se und Sene­gal. 1929 folg­te er sei­nen Freun­den Jean Mer­moz (einem Mit­glied der Feu­er­kreuz­ler des Oberst La Roc­que) und dem Flug­pio­nier Hen­ri Guil­laumet nach Süd­ame­ri­ka, wo er am Aus­bau von Flug­post­li­ni­en mit­ar­bei­te­te. Sei­ne Erleb­nis­se als Pilot inspi­rier­ten ihn zu sei­nen ers­ten Roma­nen Süd­ku­rier (Cour­ri­er Sud, 1929) und vor allem Nacht­flug (Vol de nuit, 1931), der gro­ßen Erfolg hat­te und zu dem André Gide ein Vor­wort beisteuerte.

In den drei­ßi­ger Jah­ren wid­me­te er sich der gro­ßen Repor­ta­ge und bereis­te u. a. Viet­nam (1934), Mos­kau (1935) und Spa­ni­en (1939). Die­se Erfah­run­gen ver­ar­bei­te­te er 1939 in dem Buch Wind, Sand und Ster­ne (Terre des hom­mes). In die­sem fin­det sich auch der berühm­te Satz, den Guil­laumet nach sei­ner Not­lan­dung in den Anden sprach: »Was ich getan habe, hät­te kein Tier der Welt voll­brin­gen können.«

Zu Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs wur­de Saint-Exu­pé­ry zur Luft­waf­fe ein­ge­zo­gen. Nach Unter­zeich­nung des Waf­fen­still­stands ver­ließ er Frank­reich und ging nach New York, um die Ame­ri­ka­ner zum Kriegs­ein­tritt zu bewe­gen. Er mach­te sich zum Sprach­rohr der Résis­tance, hat­te aber Schwie­rig­kei­ten, Gehör zu fin­den, denn er wur­de von man­chen ver­däch­tigt, mehr Sym­pa­thien für Pétain als für de Gaul­le zu haben. Im Juni 1944 trat er auf Sar­di­ni­en einer Auf­klä­rungs­ein­heit bei. Er ver­schwand am 31. Juli 1944 wäh­rend einer sei­ner Mis­sio­nen, als er sich mit sei­nem Flug­zeug über dem Mit­tel­meer befand. Die Über­res­te sei­ner Maschi­ne wur­den erst im Jahr 2000 gefun­den, ein paar Mei­len vor der Küs­te der Pro­vence. Die Umstän­de sei­nes Todes wur­den nie ganz geklärt. Wur­de sein Flug­zeug von einer Focke-Wulf oder einer Mes­ser­schmitt abge­schos­sen, wie eini­ge Zeu­gen­aus­sa­gen sei­ner ehe­ma­li­gen Geg­ner nahe­le­gen? Ande­re Hypo­the­sen ver­mu­ten eine tech­ni­sche Pan­ne, eine Erkran­kung des Pilo­ten oder sogar einen Selbst­mord­ver­such. Kurz vor sei­nem Tod hat­te »Saint-Ex’« an sei­nen Freund Pierre Dal­loz geschrie­ben: »Soll­te ich abstür­zen, habe ich abso­lut nichts zu bedau­ern. Die kom­men­de Welt der Ter­mi­ten stößt mich ab. Ich has­se ihre Robo­ter­tu­gen­den. Ich bin gebo­ren, um Gärt­ner zu sein.«

Sein theo­re­ti­sches Haupt­werk, Die Stadt in der Wüs­te (Cita­del­le), wur­de bereits 1936 begon­nen, blieb jedoch unvoll­endet und erschien erst 1948. In Form von Apho­ris­men, Maxi­men, frag­men­ta­ri­schen Tex­ten ent­wi­ckelt Saint-Exu­pé­ry hier die gro­ßen Leit­li­ni­en sei­ner Welt­an­schau­ung. Aris­to­kra­ti­scher Natur, steht sie den bür­ger­li­chen und kauf­män­ni­schen Wer­ten feind­lich gegen­über, ver­gleich­bar Bernanos und de Mon­ther­lant. Er wirft einen illu­si­ons­lo­sen Blick auf die moder­ne Welt, die er zuneh­mend dem Dik­tat wech­seln­der Moden und den stän­di­gen Anfor­de­run­gen einer »ent­mensch­li­chen­den« Tech­no­lo­gie unter­wor­fen sieht. Sein wich­tigs­ter Gedan­ke in einem Satz: »Nur durch die Über­win­dung sei­nes Selbst wird man zum Menschen.«

Schrif­ten: Süd­ku­rier (Cour­ri­er Sud, 1929, dt.: 1949), Nacht­flug (Vol de nuit, 1931, dt.: 1932), Wind, Sand und Ster­ne (Terre des hom­mes, 1939), Flug nach Arras (Pilo­te de guer­re, 1942, dt.: 1949), Brief an einen Aus­ge­lie­fer­ten (Lett­re à un ota­ge, 1944, dt.: 1948), Die Stadt in der Wüs­te (Cita­del­le, 1948, dt.: 1951), Car­nets (1953, dt.: 1958), Brie­fe an sei­ne Mut­ter (Let­tres à sa mère, 1955, dt.: 1956), Ecrits de guer­re. 1939–1944, 1982.

Lite­ra­tur: Natha­lie des Bal­liè­res: Saint-Exu­pé­ry, l’archange et l’écrivain, Paris 1998; Karl­hein­rich Bier­mann: Antoi­ne des Saint-Exu­pé­ry, Rein­bek bei Ham­burg 2012; Alain Cadix: Saint-Exu­pé­ry. Le sens d’une vie, Paris 2002.

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