Sezession
31. Juli 2014

70. Todestag Antoine de Saint-Exupéry

Gastbeitrag

Staatspolitische Handbuch 3 - Vordenker(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

von Alain de Benoist

Antoine de Saint-Exupérys weltweiter Ruhm verdankt sich seinem Buch Der kleine Prinz (Le petit prince). Es wurde 1943 in New York geschrieben, vom Autor selbst mit Aquarellen illustriert und erschien anschließend in den Vereinigten Staaten, noch vor der französischen Ausgabe (1945).

Diese poetische und philosophische Geschichte, die von der Begegnung eines in der Sahara abgestürzten Piloten mit einem »kleinen Prinzen« erzählt, der die Absurdität der Welt der Erwachsenen in Frage stellt, wurde zu einem außergewöhnlichen Welterfolg (mehr als 134 Millionen Exemplare wurden verkauft) und hat seinem Autor allerlei postume Ehrungen eingebracht. Dieser Erfolg sollte nicht die anderen Aspekte des Werkes von »Saint-Ex’«, wie er in Frankreich liebevoll genannt wird, in den Schatten stellen.

Geboren als Sproß einer französischen Adelsfamilie, wandte sich Saint-Exupéry zunächst den schönen Künsten und der Architektur zu, nachdem er 1919 die Aufnahmeprüfung für die Französische Marineschule nicht bestanden hatte. Von Kindesbeinen an fasziniert von der Welt der Luftfahrt, wurde er 1921 während seines Militärdienstes zum Piloten ausgebildet. Fünf Jahre später arbeitete er für die Luftfrachtgesellschaft Latécoère (die spätere Aéropostale) als Kurier zwischen Toulouse und Senegal. 1929 folgte er seinen Freunden Jean Mermoz (einem Mitglied der Feuerkreuzler des Oberst La Rocque) und dem Flugpionier Henri Guillaumet nach Südamerika, wo er am Ausbau von Flugpostlinien mitarbeitete. Seine Erlebnisse als Pilot inspirierten ihn zu seinen ersten Romanen Südkurier (Courrier Sud, 1929) und vor allem Nachtflug (Vol de nuit, 1931), der großen Erfolg hatte und zu dem André Gide ein Vorwort beisteuerte.

In den dreißiger Jahren widmete er sich der großen Reportage und bereiste u. a. Vietnam (1934), Moskau (1935) und Spanien (1939). Diese Erfahrungen verarbeitete er 1939 in dem Buch Wind, Sand und Sterne (Terre des hommes). In diesem findet sich auch der berühmte Satz, den Guillaumet nach seiner Notlandung in den Anden sprach: »Was ich getan habe, hätte kein Tier der Welt vollbringen können.«

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Saint-Exupéry zur Luftwaffe eingezogen. Nach Unterzeichnung des Waffenstillstands verließ er Frankreich und ging nach New York, um die Amerikaner zum Kriegseintritt zu bewegen. Er machte sich zum Sprachrohr der Résistance, hatte aber Schwierigkeiten, Gehör zu finden, denn er wurde von manchen verdächtigt, mehr Sympathien für Pétain als für de Gaulle zu haben. Im Juni 1944 trat er auf Sardinien einer Aufklärungseinheit bei. Er verschwand am 31. Juli 1944 während einer seiner Missionen, als er sich mit seinem Flugzeug über dem Mittelmeer befand. Die Überreste seiner Maschine wurden erst im Jahr 2000 gefunden, ein paar Meilen vor der Küste der Provence. Die Umstände seines Todes wurden nie ganz geklärt. Wurde sein Flugzeug von einer Focke-Wulf oder einer Messerschmitt abgeschossen, wie einige Zeugenaussagen seiner ehemaligen Gegner nahelegen? Andere Hypothesen vermuten eine technische Panne, eine Erkrankung des Piloten oder sogar einen Selbstmordversuch. Kurz vor seinem Tod hatte »Saint-Ex’« an seinen Freund Pierre Dalloz geschrieben: »Sollte ich abstürzen, habe ich absolut nichts zu bedauern. Die kommende Welt der Termiten stößt mich ab. Ich hasse ihre Robotertugenden. Ich bin geboren, um Gärtner zu sein.«

Sein theoretisches Hauptwerk, Die Stadt in der Wüste (Citadelle), wurde bereits 1936 begonnen, blieb jedoch unvollendet und erschien erst 1948. In Form von Aphorismen, Maximen, fragmentarischen Texten entwickelt Saint-Exupéry hier die großen Leitlinien seiner Weltanschauung. Aristokratischer Natur, steht sie den bürgerlichen und kaufmännischen Werten feindlich gegenüber, vergleichbar Bernanos und de Montherlant. Er wirft einen illusionslosen Blick auf die moderne Welt, die er zunehmend dem Diktat wechselnder Moden und den ständigen Anforderungen einer »entmenschlichenden« Technologie unterworfen sieht. Sein wichtigster Gedanke in einem Satz: »Nur durch die Überwindung seines Selbst wird man zum Menschen.«

Schriften: Südkurier (Courrier Sud, 1929, dt.: 1949), Nachtflug (Vol de nuit, 1931, dt.: 1932), Wind, Sand und Sterne (Terre des hommes, 1939), Flug nach Arras (Pilote de guerre, 1942, dt.: 1949), Brief an einen Ausgelieferten (Lettre à un otage, 1944, dt.: 1948), Die Stadt in der Wüste (Citadelle, 1948, dt.: 1951), Carnets (1953, dt.: 1958), Briefe an seine Mutter (Lettres à sa mère, 1955, dt.: 1956), Ecrits de guerre. 1939–1944, 1982.

Literatur: Nathalie des Ballières: Saint-Exupéry, l’archange et l’écrivain, Paris 1998; Karlheinrich Biermann: Antoine des Saint-Exupéry, Reinbek bei Hamburg 2012; Alain Cadix: Saint-Exupéry. Le sens d’une vie, Paris 2002.


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