Antaios-Kladden

Und wieder ist aus einer alten Idee endlich etwas geworden: Während draußen schon der leichteste Wind die wurmstichigen...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Äpfel vom Baum wirft (man sieht das lächelnd und schnei­det hier und da noch ein gutes Stück­chen her­aus), lie­gen auf dem Schreib­tisch die ers­ten Antai­os-Klad­den für Nota­te bereit – für Lese­früch­te, Ein­drü­cke, Gedan­ken­blit­ze. Wer soll der­lei in Zukunft auf­be­wah­ren? Vier Gesich­ter samt Mot­to ste­hen zur Wahl:

Ernst Jün­ger scheint – das zei­gen mir ers­te Ver­kaufs­zah­len – der­je­ni­ge zu sein, mit des­sen käfer­um­rahm­tem Pour-le-Meri­te-Bild man sich am liebs­ten zeigt. Auch ist das Mot­to inter­es­sant, aber nicht so über­spannt wie das, was mir vor­schweb­te (das unver­meid­li­che Lei­den an Tem­pe­ra­tur­er­hö­hun­gen). Kositza setz­te sich durch: “Es gibt Lek­tü­ren, die Imp­fun­gen glei­chen”. Jedes die­ser Notiz­bü­cher ist 11cm breit und 17cm hoch, hat 96 linier­te Innen­sei­ten, ist mit fes­tem Umschlag gebun­den und kos­tet 5.50 €.

Dann: Gott­fried Benn. Sein “Habe Man­gel an Ver­söh­nung!” stand kon­kur­renz­los fest, wie bei jedem der vier Notiz­bü­cher hat Kositza auf der Rück­sei­te die Her­kunft des Ziza­tes beschrie­ben und in einen kur­zen bio­gra­phi­schen Abriß ein­ge­bet­tet. Ein Hin und Her gabs mit dem Bild: Ich woll­te die Ziga­ret­te unbe­dingt mit drauf haben, die mitt­ler­wei­le panisch ein­ge­for­der­te Luft­hy­gie­ne nicht nur in geschlos­se­nen, son­dern in gera­de­zu böi­gen Berei­chen (jüngst auf einem Schiffs­deck!) ist atemberaubend.

Mit Feu­er­wehr­mann Mon­tag hat gerech­net, wer von der Idee der Notiz­bü­cher wuß­te: Er ist im Wort­sinn einer jener Wald­gän­ger, die wir für eine Zukunfts- und Aus­weg­s­fi­gur hal­ten. “Ein Buch im Haus neben­an ist wie ein scharf­ge­la­de­nes Gewehr” stand auf den Post­kar­ten, die wir vor Jah­ren dru­cken lie­ßen. Für das gra­phi­sche Kon­zept der Klad­den war das zu unhand­lich. “Wir haben nie rich­tig gebrannt” paßt indes min­des­tens eben­so gut: Die­ser kur­ze Satz mar­kiert die end­gül­ti­ge Los­lö­sung Mon­tags aus der Welt derer, die glück­lich, nor­miert, ent­mün­digt und analpha­be­ti­siert vor sich hin leben… Hier also ist Mon­tags Kladde.

Zuletzt Sophie Scholl: Über­rascht über die­se Wahl kann nur sein, wer uns nicht kennt. Das Mot­to ist viel­leicht das schöns­te unter den vie­ren, es ist ein Vers aus dem wun­der­vol­len bün­di­schen Lied “Schließ Aug und Ohr”. Der Text stammt von dem Ger­ma­nis­ten und Geor­ge-Schü­ler Fried­rich Gun­dolf, die Geschwis­ter Scholl zähl­ten es zu ihren liebs­ten Lie­dern. “Kei­ne Kom­pro­mis­se” schreibt Kositza auf der Rück­sei­te über Sophie Scholl.

Wer alle vier Bänd­chen besit­zen (oder ver­schen­ken) möch­te, kann das ermä­ßig­te Paket erwer­ben. Ich selbst füh­re seit ges­tern “Benn” (für Fund­stü­cke zum Unter­gang des Abend­lan­des) und Mon­tag (für Lese- und Gesprächs­früch­te) in der Tasche, Kositza die “Scholl”, Leh­nert erhält sei­ne Lie­fe­rung morgen.

 

 

 

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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