Das war´s. Diesmal mit: SS-Moves, embryonalen Zellhaufen und Wolfskindern

23. 8. 2014 - Ich informiere mich ganz gern durch die Deutschlandradio-Rubrik Lesart über neue Literatur. Zwischen den gesprochenen Sequenzen pflegen sie „Musik“ zu spielen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Es ist durch­weg eine eigen­ar­ti­ge Musik­aus­wahl. Nie Klas­sik, meist anglo­ame­ri­ka­ni­sche Stück­chen mit banals­ten Tex­ten. Die Radio­ma­cher – ver­mu­te ich jeden­falls – wür­den sol­che Lie­der kaum brin­gen, wenn sol­che Tex­te auf deutsch zu hören wären.

Ein selt­sa­mer, mir blöd­sin­nig erschei­nen­der Kon­trast ent­steht, wenn etwa gera­de mit einem melan­cho­li­schen Roman­au­tor über Ver­lus­ter­fah­run­gen und Lie­bes­not gespro­chen wur­de und dann ein Stück ein­ge­spielt wird, des­sen Text sich auf „shake your legs“ oder „do it soft­ly, yeah“ beschränkt. Ich hab wäh­rend der Les­art oft in der Küche zu tun und ver­su­che mei­ne Arbeit so zu glie­dern, daß ich wäh­rend der gespro­che­nen Tei­le am Herd wer­kel und bei den „Songs“ dann rasch im Kel­ler Kar­tof­feln hole oder die lär­men­de Zen­tri­fu­ge anstelle.

Heu­te inter­view­te die Mode­ra­to­rin einen aner­kann­ten His­to­ri­ker, der gera­de ein Buch über die SS her­aus­ge­ge­ben hat. Sie fragt ihn, wie er zu dem The­ma gekom­men sei. Er ant­wor­tet, es habe ihn schon immer inter­es­siert. Irgend­wann habe er mit pol­ni­schen Stu­den­ten Ausch­witz besucht. Das habe ihn total fas­zi­niert. Der Autor stockt kurz. Der Aus­druck will ihm nicht recht gefal­len. Es klingt viel­leicht zu sen­sa­tio­nell. Er berich­tigt sich: Es habe ihn sehr bewegt. Die Mode­ra­to­rin ist zufrie­den, dankt und spielt ein Musik­stück ein. Wie­der eins, das mir nicht gefällt. Hier erschüt­tert mich gera­de­zu der „beweg­te“ Bezug:

You move me, babe / You move me/ Ahhh/ You move me / You got me doing things/ I don’t ever do / Move me/ Oh, yes, usw., usf.

 

26.8. 2014

Seit etwa zwan­zig Jah­ren lese ich die Emma, jede Aus­ga­be.  Es ist für mich die infor­ma­tivs­te Frau­en­zeit­schrift, ande­re les ich nur beim Zahn­arzt. Die Fron­ten sind natür­lich klar. Ich ken­ne die Punk­te, wo sich die Geis­ter schei­den, drum rege ich mich nicht wei­ter auf bei jenen The­men. Manch­mal doch.

Unter emma.de hat Ali­ce Schwar­zer seit nicht all­zu lan­ger Zeit eine Rubrik im alten Stil der Brief­kas­ten­t­an­ten. Da fra­gen Frau­en (viel­leicht rea­le, viel­leicht fik­ti­ve) sol­che Sachen: Wie sie mit ihrem Gelieb­ten umge­hen sol­len, den sie mit Por­nos ertappt haben, war­um män­ner­feind­li­che Les­ben sich oft wie Män­ner beneh­men etc. Heu­te hat sich „Ire­ne 22“ an die „lie­be Ali­ce“ gewandt. Ire­ne hat gera­de abgetrieben.

“Und obwohl ich immer fest davon über­zeugt war, dass Frau­en ein Recht haben, dies zu tun, füh­le ich mich wegen mei­ner Ent­schei­dung trotz­dem schul­dig und habe das Gefühl, nie­man­dem davon erzäh­len zu kön­nen. Nun weiß ich nicht, wie ich mit die­sen Schuld­ge­füh­len, der Scham und dem Druck umge­hen soll.”

Frau Schwar­zers Ant­wort war abseh­bar, es geht immer­hin um eine Essenz ihres Wir­kens.  Sie fin­det Ire­nes Brief „bedrü­ckend aber tröst­lich zugleich“. Tröst­lich, weil die Ire­ne „im Jahr 2014 in Deutsch­land legal und nach moderns­ten medi­zi­ni­schen Metho­den abtrei­ben“ konn­te. Schwar­zer betont (aber­mals), daß sie selbst „seit 44 Jah­ren für das Recht auf Abtrei­bung kämp­fe“. Ire­nes Skru­pel kann sie natur­ge­mäß mit leich­ter Hand beheben:

„Dein schlech­tes Gewis­sen hat natür­lich mit dem aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Kli­ma zu tun. Und das ist lei­der rück­läu­fig. Selbst so man­che Frau­en­be­weg­ten bzw. Lin­ken reden inzwi­schen wie die Tief­schwar­zen oder die “Lebens­recht­ler”. (…) Ich mei­ne also, du soll­test kein schlech­tes Gewis­sen haben, son­dern dich freu­en, dass du gesund bist und viel­leicht irgend­wann, wenn du willst und es in dein Leben passt, ein Kind zur Welt brin­gen kannst. Du soll­test dich freu­en, dass du in einem Land lebst, in dem Abtrei­bung nicht töd­lich ist: Welt­weit ster­ben jähr­lich 50.000 Frau­en an ille­ga­len Abtrei­bun­gen! Du soll­test dich also freu­en, dass du ein weit­ge­hend selbst­be­stimm­tes Leben füh­ren kannst(…)Du musst dich nicht schä­men. Die Men­schen, die unge­wollt Schwan­ge­ren die­se Scham sug­ge­rie­ren, soll­ten sich schämen!“

Moment: 50.000 Frau­en ster­ben pro Jahr welt­weit an ille­ga­len Abtrei­bun­gen? Das wäre sehr viel, eine trau­ri­ge Zahl. Man weiß nicht ganz genau, wer dar­über Buch führt. Tan­te Ali­ce weiß es viel­leicht? Wie­vie­le unge­bo­re­ne Kin­der (Schwar­zer: „Zell­hau­fen“) ster­ben dar­an? Für Deutsch­land allein sind es rund 110.000, jeden­falls nach Maß­ga­be der amt­lich mit Brief & Sie­gel bestä­tig­ten „Fäl­le“.

Ist schon klar, nach Emma’ scher Dik­ti­on ist „Fötus“ ein latei­ni­scher Begriff und kein Leben. So inter­es­sant wie bedrü­ckend fand ich, daß die Emma- Dis­kurs­ge­sell­schaft (kein Brief­kas­ten ohne Mit­le­ser!) nahe­zu ein­hel­li­ger Mei­nung war:

„Bam­bi“ (mit “teils isla­mi­schem Hin­ter­grund“) fand:

 „Solang der Fötus im Kör­per der Frau ist, kann und wird ein­zig sie allei­ne bestim­men, was damit pas­siert und da kann es kei­ne abwei­chen­de Dis­kus­si­on geben. (…) Solang die­ser Fötus im Kör­per der Frau ist, ist er unge­fähr so wert­voll wie ein Para­sit, der sich vom Wirt ernährt, an dem er dranhängt.“

„Sascha“ meint:

„ Ein bio­lo­gi­scher Zell­hau­fen hat noch nichts mit Leben zu tun. Ansons­ten müss­te jede Petri­scha­le mit mensch­li­chen Zel­len beer­digt wer­den. Es ist in Deutsch­land nie­mals erlaubt, Leben abzu­trei­ben. Aber die­ser Zell­hau­fen, aus dem spä­ter dann Leben wird, ist noch kein Leben. (…)Und auch Jesus oder Moham­med haben nichts gegen­tei­li­ges dazu gesagt.“

“LinE­ma” (ein Mann) sekundiert:

„Ich sehe kein Leben (im Sin­ne von mensch­li­chen Leben), was hier abge­trie­ben wur­de. Des­we­gen sehe ich auch abso­lut kei­nen Grund, war­um sie ein Pro­blem damit haben soll­te. Als ich die Bak­te­ri­en-Beu­le mir habe raus­schnei­den las­sen, habe ich mir doch auch nicht über­legt, dass doch die­se Zel­len aus mei­nem eige­nen Kör­per stam­men und ger­ne wei­ter­le­ben wollen.“

Und „Eval“ argu­men­tiert strikt vege­ta­risch: die Gleich­set­zung Embryo = Mensch sei

“abso­lut unglaub­wür­dig, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass die Per­so­nen die die­ses her­vor­brin­gen den Wert des gebo­re­nen und zu Bur­gern oder Schnit­zel ver­ar­bei­te­ten Lebens wahr­schein­lich nicht genug schät­zen, um vor Schlacht­hö­fen zu demons­trie­ren, so wie sie es-zumin­dest in den USA – vor Abtrei­bungs­kli­ni­ken tun.“

Hips­ter-Gespräch der nahen Zukunft: „Ah, du hast wie­der abtrei­ben müs­sen. Okay, dein Bier, shit hap­pens. Aber hey, Moment mal, das ist doch wohl kein Fleisch auf dei­nem Teller!?“

 

30.8. 2014

Die aktu­el­le Jun­ge Frei­heit hat­te ganz groß auf­ge­macht mit dem frisch ange­lau­fe­nen Kino­film Wolfs­kin­der von Rick Oster­mann. Das Schick­sal der Wolfs­kin­der ist in der Tat eines der am wenigs­tens beleuch­te­ten Kapi­tel der Nach­kriegs­ge­schich­te. Wer Inge­borg Jacobs Wolfs­kind. Die unglaub­li­che Geschich­te des ost­preu­ßi­schen Mäd­chens Lies­a­beth Otto noch nicht gele­sen oder Sie nann­ten sie Wolfs­kin­der von Lin­de von Key­ser­lingk noch nicht vor­ge­le­sen hat, soll­te es nachholen!

Indes war ich auf­grund der JF-Arti­kel (und dem arg ver­drucks­ten Inter­view mit dem Regis­seur, der für die­ses Werk sowohl den Frie­dens­preis des Deut­schen Films als auch den Franz-Wer­fel-Preis für Men­schen­rech­te erhal­ten hat) hin- und her­ge­ris­sen, ob der Kino­film eine län­ge­re Fahrt (Wolfs­kin­der läuft der­zeit nur in aus­ge­such­ten Kinos in gro­ßen Städ­ten) loh­nen würde.

Den Aus­schlag gab a) der Trai­ler und b) die böse Kri­tik in der taz:

(…) und weil die Land­schaf­ten im Memel­ge­biet so schön sind, kommt am Ende ein emp­find­sa­mer Heim­weh­tou­ris­mus­ka­ta­log für Freun­de des Fetischs „Land­lust Extrem“ raus: Him­mel, Wäl­der, Licht, aber Pferd und Geflü­gel wer­den roh ver­speist. (…) Die­ses deut­sche Kino ist schon weird. Offen revi­sio­nis­tisch und kom­plett ein­falls­los, geför­dert wird es trotzdem.

Die taz-Kri­tik war der­ma­ßen prä­po­tent-bös­ar­tig: Eine wah­re Ein­la­dung zum Sehen! Wir haben Wolfs­kin­der mit den älte­ren Kin­dern (FSK-Emp­feh­lung: ab 12) ange­schaut  und kön­nen ihn empfehlen.

Irgend­wo in Ost­preu­ßen, 1946: Hans und Fritz haben den erobern­den Rus­sen ein Pferd ent­führt und es erschos­sen, um der Mut­ter Stär­kung zu brin­gen. Die Mut­ter mag nicht mehr essen. Sie stirbt. Sie hat den Söh­nen auf­ge­tra­gen, einen bestimm­ten Hof in Litau­en auf­zu­su­chen. Und immer bei­sam­men zu blei­ben! Die Wege der Brü­der tren­nen sich aber rasch. Als sie schwim­mend die Memel über­que­ren, schie­ßen Rot­ar­mis­ten auf die Kin­der. Ob Fritz es ans ret­ten­de Ufer schafft, ist unge­wiß, wir ver­fol­gen Hans’ Weg.

Wir wis­sen nach 94 Minu­ten nicht, ob er den mut­maß­lich ret­ten­den Hof erreicht, aber wir erhal­ten einen Ein­blick in das Leben des eltern­lo­sen Kin­der­ban­den, die vie­le Jah­re nach dem Krieg die Wäl­der die­ses Grenz­lan­des durch­streif­ten, ver­folgt von den Rus­sen, gedul­det von litaui­schen Par­ti­sa­nen, unter Angst vetrie­ben oder spär­lich ver­sorgt von der ansäs­si­gen Bevöl­ke­rung. Ja, es ist ein guter, bei­na­he sehr guter Film, span­nend (schnö­des Wort ange­sichts des Erzähl­ten) und ele­gisch zugleich, vor allem Haupt­dar­stel­ler Levin Liam (Hans) mit dem recht­ecki­gen Abdruck eines Buches unter dem Pul­lun­der macht sei­ne Sache hervorragend.

Das rest­li­che Cas­ting & Kos­tüm­werk erscheint nicht immer voll­endet glück­lich. Wir unter­hal­ten uns län­ger drü­ber: Was macht ein „altes Gesicht“ zu einem alten Gesicht, alt im Sin­ne von nicht-modern? War­um gibt es Gesich­ter, die trotz Schmutz- und Wun­den-Schmin­ke immer noch „von heu­te“ aus­se­hen? Nach Dop­pel­haus­hälf­te im sat­ten Vor­ort, nach Spiel­kon­so­le und Bar­bie­pup­pe? Ist es das Leben, sind es die Gene?

 

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (25)

Trouver

2. September 2014 19:28

Irgendwie logisch kommt die Erwaehnung von Begriffen "parasit" und "taz" in femselben Texte vor.

Taz kann ja nur wie parasit so lange leben, wie lange ihr deutscher Wirt lebt.

Revolte

2. September 2014 19:31

Ich habe seinerzeit immer "Deutschlandradio Kultur" gehört. Konnte mich nie über das Programm beschweren: viele Hörspiele, Vorlesungen und abends klassische Musik. Zwischendrin immer wieder Hörempfehlungen zu aufstrebenden, jungen Bands. So wurde ich etwa auf die kanadische Electro Punk-Band Crystal Castles (ja ja, "Electro", ich weiß, ich schäm' mich ja schon) oder die deutsche Gruppe Lali Puna aufmerksam. War auf jeden Fall immer interessant.

Weltversteher

2. September 2014 19:57

Wir unterhalten uns länger drüber: Was macht ein „altes Gesicht“ zu einem alten Gesicht

Das ist ein Thema, dem nachzugehen viel Erkenntnis für unser Dasein und seine Aussichten bringen dürfte. Ein Thema für die Sezession.
Vielleicht können Sie aus der längeren Unterhaltung noch Gedanken beisteuern? Herr Lichtmesz dürfte wohl damit auch schon beschäftigt gewesen sein.

RL

2. September 2014 19:57

Als ich diese Meinungen der "Emma"-Diskursgesellschaft gelesen habe, ist mir fast das Abendessen hochgekommen. Schockierend!

Ein Fremder aus Elea

2. September 2014 22:23

Was die Gesichter angeht: Das des Jungens geht, und das Mädchen da hätte einfach mehr gepudert werden müssen, die Haut glänzt zu sehr.

EK: Hm, das sind Äußerlichkeiten... die meine ich nicht!

Schlimmer ist die Sprache. So hat niemand in Ostpreußen gesprochen, weder diesen Dialekt, noch in diesem Duktus.

Das ist mir sozusagen heilig. Ich habe Erich Kählers Frau in Person erlebt, anläßlich Emil Artins 100. Geburtstag. In der Hinsicht ist der Film leider revisionistisch.

Günter Grass lebt doch noch, der hätte...

Gott, jetzt wird mir doch anders, wenn ich den so zu seinem 85. Geburtstag sehe, ein kleiner Hindenburg.

Hier Dönhoff, schon deutlich hanseatisiert: https://www.youtube.com/watch?v=z3Qf1zGNpCU

Naja, davon wird nichts übrig bleiben. Der einzige Genozid auf dem europäischen Kontinent, jetzt mal von den Awaren abgesehen.

Christian Bode

2. September 2014 23:24

M.E., sind Sie zum Anschauen des Films nach Dresden gefahren? Ich wohne in einer Stadt mit über 500.000 Einwohnern und in keinem Kino läuft der Film an. Da frage ich mich, wozu ich erst vor kurzem in die Großstadt gezogen bin, wo doch der einzige wirkliche Grund das kulturelle Angebot war. Danke für die Empfehlung, werde wohl auf die DVD warten müssen.

Bzgl. der Physiognomie von 'alten' Gesichtern sehe ich auch Potential für einen Sezessionsbeitrag in einem offenen Heft. In diesem Fall ist es wohl einmal schade, dass die Geschichte der Fotografie erst im 19. Jahrhundert begann und fotorealistische Abbildungen von Gesichtern zur Zeit der Renaissance oder der Gotik nicht vorliegen. Ein interessanter Punkt übrigens für nachkommende Generationen, welche - wenn die fiktiv viel thematisierte Dystopie fiktiv bleibt - eine Einsicht von mehreren Zettabyte großen Archiven bis in die intimsten und allzumenschlichsten Zonen aktueller Zeitgenossen erhalten werden. Die reale Distanz der vergangenen Zeit wird von der Virtualität aufgehoben und doch glaube ich, dass sich die empfundene Distanz des Individuums zum Vorhergegangenen weiter weiten wird. - - - Zurück zum Film: Was jahrelanges Leid (oder aber auch ein unerschütterlicher Glaube an etwas, ja selbst eine Einfaltigkeit, einer noch nicht von der Virtualität zerrütteten Wirklichkeit) mit der Beschaffenheit des Gesichts und vor allem den Augen anstellt, das kann cineastisch kaum wiedergegeben werden. Der genetische Fingerabdruck hat sich sicherlich auch verändert, wenn man z.B. die prozentual hohe Todesrate von SS-Soldaten betrachtet, die zumindest in der Anfangszeit einer starken Auslese unterzogen wurden und folglich wegfielen. Das Leben selbst ist aber wie immer der stärkere Prägestempel. Das nervöse Auge, welches täglich gebannt oder gelangweilt auf den strahlenden Bildschirm blickt, ist kein Jägerauge mehr, hat zu viel gesehen, wird bestrahlt, aber strahlt nicht mehr selbst. Bei der ersten Kinovorführung wurde angeblich ein Bahnhof mit einfahrendem Zug gezeigt, wo die Menschen schreiend aufsprangen, da sie Angst hatten, der Zug würde durch die Leinwand hervorbrechen. Heute gucken Jugendliche minutenlange, hochrealistische Folterszenen an, um überhaupt noch schockiert zu sein, Ekel zu empfinden. (Dabei würde eine Lektüre in der Emma schon zur Emesis reichen.) Die Belastbarkeit und Härte im echten Leben müsste bei diesem Vergleich jedoch diametral zur visuellen Abgespanntheit liegen. Das steht den Leuten im Gesicht geschrieben und das kriegt man auch nicht aus der Visage eines Schauspielers.

der demograph

3. September 2014 00:40

das ist eine sehr interessante Frage mit den Gesichtern, das habe ich mich auch schon oft gefragt. Gerade jetzt, im Fernsehen kommen viele Fokus über 33-45 mit Originalaufnahmen. Die Unterschiede sind frappierend.

Stein

3. September 2014 01:20

Wenn man sich Schwartzers Ergüsse zur Abtreibung und die Kommentare dazu zu Gemüte führt, kommt man fast zwangsläufig zu der Erkenntnis, daß jeder eintägige Fötus mher Mensch ist, als diese Kreaturen.

Carsten

3. September 2014 07:57

Wie halten Sie das bloß aus, immer noch Anti-Deutschland-Radio zu hören? Ich kriege dabei regelmäßig Zustände und schalte gleich wieder ab!

Die Abtreiberinnen können so eine dicke Fresse haben, wie sie wollen, sie leiden später doch alle daran, in Form von Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen, Beziehungskonflikten, etc.

Monika

3. September 2014 09:17

Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen uns sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und betrübte sich selbst.

Joh 11, 33 Auferweckung des Lazarus

Irene hätte sich besser an Jesus gewandt denn an die "liebe Alice" .
Alice ist empathielos. Dies kennzeichnet Ideologen und Moralisten. Von gleichem Kaliber ist Richard Dawkins, der zur Abtreibung bei Downsyndrom rät.
O-Ton: "Abort it and try again" ..." It would be immoral to bring it into the world if you have the choice."
Dies ist die Moral der Seelen-/Gottosen, der Moralisten bzw. Immoralisten.
Jesus war kein Moralist. Er zeigt Gefühl.
Im Geist ergrimmen , das meint, im Innersten erschüttert zu sein.
To pneumati - der Geist Gottes, als die treibende Kraft, welche die zornige Aufwallung seines Gemütes bewirkt und seinen Willen in eine entsprechende Bewegung versetzt, heißt es im Sprachlichen Schlüssel zum Neuen Testament ( Rienecker)
Jesus hätte mit Irene geweint und ihr dann vergeben.

ene

3. September 2014 09:43

Eindrucksvolle Gesichter, in denen das Leben sich spiegelt: Ich erinnere mich noch sehr gut an den Abend (es war wohl die deutsche Uraufführung), als ich Stalker von Tarkowski zu ersten Male sah; es hat mich "umgehauen": solche Schauspieler - solche Menschen - solche Gesichter - im Kino -!

Meine Beobachtung im Alltag: es gibt gar nicht so viele Zeitgenossen, die die Fähigkeit und das Vermögen haben wirklich "hinzusehen". Beurteilungen des sog. "Aussehens" erfolgen meist sehr schnell; man ist viel zu schnell fertig mit dem oberflächlichen Urteil.

Überhaupt hat die Fähigkeit, anderen Menschen wirklich ins Gesicht zu sehen und dort auch etwas zu erkennen mit Selbstreflektion zu tun. Wer allzu sehr in die eigenen Probleme verstrickt ist (vielleicht noch zu jung ist--), wer sich also nicht einlassen kann, der sieht naturgemäß die Außenwelt unschärfer.

Darf ich Ihnen einen Film empfehlen, der genau zu diesem Thema paßt? Und der Ihnen wahrscheinlich gefallen wird?
Finding Vivian Maier.
(Um solche Filme zu sehen , ist man auf kleine Kinos mit ambitionierter Programmgestaltung angewiesen. In Berlin hat man da noch Glück.)

Kositza: Witzig, Finding Vivian Maier hat mir bereits die "Emma" empfohlen! Las sich für mich auch interessant. Ich hab ihn mir (bislang) deshalb nicht angeschaut, weil alle Emma-Filmtipps, denn ich nachging, für mich ein Desaster waren: Bei "Bonjour Sagan" und "Mahler auf der Couch" bin ich jeweils nach 20 min. rausgegangen, weil´s bodenlos schlechte Filme waren....

Hühnerbaron

3. September 2014 09:48

Genetisch hat im Vergleich von "alten" zu "neuen" Gesichtern keine wesentliche Veränderung stattfinden können. Das sind evolutionär Millisekunden. Einzig eine Mischung durch verstärkte Mobilität (gerade auch Vertriebene) wird zur Abnahme krasser Archetypen geführt haben - Man dürfte aber noch für einen Film genügend zusammenbekommen. Denke aber es liegt eher am Wandel auch des jugendlichen Schönheitsideals. Vielleicht sollen sich so auch Kinder von heute mit den Darstellern besser identifizieren können.

Ein gebürtiger Hesse

3. September 2014 10:55

Etwas über Gesichter, wie sie sich auf alten Fotos (etwa von August Sander) unterschieden haben und, je näher sie unserer Gegenwart kommen, es immer weniger tun, in dem herrlichen Kaplaken-Band "Die große Gleichschaltung" von Norbert Borrmann, S. 65 ff. Unbedingt nachlesen.

Und ja, ein solcher Themenschwerpunkt "Gesicher", wie er in diesem Beitrag - danke, Frau Kositza! - und den Kommentaren umrissen wird, könnte für ein zukünftiges Heft der "Sezession" sehr reich und ergiebig sein. Ich würde es sehr begrüßen, wenn man ihn auf den Weg brächte.

Urwinkel

3. September 2014 12:04

"Die Radiomacher – vermute ich jedenfalls – würden solche Lieder kaum bringen, wenn solche Texte auf deutsch zu hören wären."

Dann kennen Sie die die "Neuen Deutschpoeten" nicht. Gefühlsdusslige Texte. Die RBB-Jugendradiowelle FRITZ veranstaltet jährlich das gleichnamige Musikfest in Berlin. Das ist hoch frequentiert und ausverkauft. Dem mediokren bis jugendveralbernden Tagesprogramm laufen die Hörer in Scharen in die Arena nach. Wer bezahlt das? Wer sackt ein? In Berlin gibt es einen FRITZ-Club. Dort feiern sie sich selbst. Amirap und Deppentechno neben Clueso, Bosse, Sido, Marteria, Phillip Poisel (von Herbert Grönemeyer gefördert und angeblich entdeckt).

DradioKultur brachten mir die Schweden FIRST AID KIT bei:

Wolf:

https://www.youtube.com/watch?v=Czj7SyPNRto

Girl Pop!

Langer

3. September 2014 13:09

Die Abtreiberinnen können so eine dicke Fresse haben, wie sie wollen, sie leiden später doch alle daran, in Form von Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen, Beziehungskonflikten, etc.

Richtig, unbewusst wird diese Zerstoerung von Leben und im Kern ja sogar die Nichterfuellung des Lebenssinnes auf schwerste Weise nachwirken. Obwohl es wohl auch hier Menschen geben wird, die dafuer zu stumpf sind.

Was die Gesichter angeht, hat das nach meiner Ansicht zuerst mit der Ernaehrung und danach mit der medizinischen Versorgung zu tun. Selbst die Nachkriegsgeneration hatte noch keine ausreichende Versorgung mit Naehrstoffen und was etwa Vitaminmangel alleine mit Zaehnen und Kiefer macht, ist beachtlich. Zwischendurch gab es eine Generation, die hatte dahingehend eine Rundumversorgung und heute haben wir eher das Problem der voelligen Ueberernaehrung, welche schon wieder andere Gesichter hervorbringt.

Kositza: Gesichter: Ja, schon. Im Schnitt ist der nicht überernäherte mittelalte Mensch heute (nach klassischen Kriterien der Ästhetik)schöner anzusehen als der vor sechzig oder sechshundert Jahren. Aber ich meine die gesunden Kindergesichter. Sie sehen heut anders aus, ohne daß ich genau auf den Punkt komme, woran es liegt. Ich schau mir gern alte Klassenphotos an, Elterngeneration. Ich stelle mir die Kinder mit modernen Klamotten vor, ohne Zöpfe & Seitenscheitel. In den wenigsten Fällen (diese fallen mir dann immer auf) würde das passen.

Monika

3. September 2014 14:42

Nach langer Zeit mal wieder ein Thema in den MSM.
Und bewegender als in der Emma:

https://www.welt.de/vermischtes/article131863730/Das-Kind-ist-weg-die-Gedanken-bleiben-Verdammt.html

Joseph von Sternberg

3. September 2014 15:54

Hmm... Parasiten ... diese Parasiten aus der Emma-Kommentar-Petrischale ... sind doch Menschen, die wenn sie irgendwo eine Politdebatte hören, in der das Wort Parasit fällt sofort "Puls" kriegen, weil sie glauben, irgendeine Minderheit würde damit gekennzeichnet - so wie die Parasiten von Rotherham halt...

Das die das selbst auch jenseits biologischer Bezüge benutzen - ist schon erstaunlich.

Urwinkel

3. September 2014 20:39

´"Heute gucken Jugendliche minutenlange, hochrealistische Folterszenen an, um überhaupt noch schockiert zu sein, Ekel zu empfinden."

Erst heute? Nein. Spätestens seit den Krachmusikern Throbbing Gristle und Whitehouse (beide aus England um 1980) existiert eine sehr öffentliche Fetischkultur um das Absurde, Perverse. Schmunzeln muß ich über den relativ neuen Begriff "Angst-Pop". Die Protagonisten quälen ihre Synths, setzen sich SM-Masken auf und texten lautstark, wenn auch verzerrt, über die neue Weltordnung. Schenkt euren Kindern eine CD von Genocide Organ, damit sie wieder klar werden nach ihrer Jugendradiogegammelei (ja, die hören heimlich unter der Schulbank per Iphone). Dazu taugt der sogenannte Angstpop.

Stil-Blüte

3. September 2014 22:29

Gesicht, Angesicht; Gesichte: Wie oft ist mir dies auch schon durch den Kopf gegangen: Der Verlust des Antlitzes.

Einen Grund hierfür sehe ich in der Entwurzelung. Die Verwurzelung schickt alle ihre Kräfte in die Krone, das menschliche Haupt. Der Fehler der Moderne, daß sie glaubt, die Bedeutung des menschlichen Daseins gehe vom eigenen Kopf aus? Nein, sie geht von der Erde aus, womit die Natur, das NATÜRLICHE, das Göttliche gemeint ist, das nun einmal auf der Erde, dem Irdischen, fußgefaßt hat. Ist denn nicht erst dann ein Gesicht richtig schön, wenn es natürlich ist? Im Kind ist es noch bewahrt.

Sehen wir uns die schönsten Bilder des Abendlandes, Raffaels Sixtinische Madonna, Leonardo da Vincis Mona Lisa, die vielen stillen Frauenbildnissen der Holländer an, sehen wir da eine einzige geschminkte Frau? (Nofrotete als morgenländische Schönheit bestätigt die Ausnahme?)

Alte Fotos sind, wohl nicht nur für mich, deshalb so faszinierend, weil die Menschen sich nicht vorstellen, nicht verstellen, nur innehalten. Am meisten beeindrucken mich Fotos, auf denen ein Lehrer und bis zu 40 ernsthafte Kinder zu sehen sind. Alle sind auf magische Weise gebannt. Heute ist die Grimasse, vor allem das immer wieder und wieder abverlangte Lachen, das zum Grinsen wird, als Fissage angesagt. Nicht die Wachsfiguren der Madame T... sind den lebenden Idolen ähnlich, sondern umgekehrt.

Danke Ellen Kositza, für die Empfehlung zum Kinobesuch. Ohnehin ohne Fernseher, bin ich auch bei Kinobesuchen sehr wählerisch.

Gustav Grambauer

4. September 2014 08:37

Dieser Film mit bereits einer Viertelmillion Zuschauern allein auf Youtube war für uns an inhärenter, unfreiwilliger Obszönität keine einzige Minute auszuhalten; unsere kleine Tochter, die von vor allem alten (!) Märchenfilmen sonst nicht loskommt, hat beim Anblick der postmodernen Visagen mit ihrem yankeeisierten Herumgefuchtele, Herumgeüpfe und Herumngefreue immer nur ausgerufen "grüesig, grüesig", "Gespenst, Gespenst" - hier das Wachsfigurenkabinett im Hühnerstall-Modus:

https://www.youtube.com/watch?v=64e98SgEREw

Und hier sehen wir, wie sich ein Didi Hallervorden in seiner kunterbunten Kabarettistenfantasie das Gepräge eines König vorstellt und sich dabei mit seinem affektierten, bedeutungserschwerten "Minenspiel" auch noch wie einst ein Ifflandring-Träger am Burgtheater vorkommt (ab 3:15), Guckstuhieralder:

https://www.youtube.com/watch?v=3C-XvJEzk1g

Bewahre dein Antlitz.

- G. G.

ene

4. September 2014 12:58

Ich bin erstaunt, wie sehr man hier beim Thema "Gesicht" im Materiellen verhaftet bleibt. (Obwohl, Langer, Sie gewiß recht haben, was die Zähne der Nachkriegsgeneration betrifft. Das fällt auf.)
Dabei gibt es doch aber die alte Metapher vom Gesicht als "Spiegel der Seele".
Heutzutage verlieren viele Menschen ihre Eltern, wenn sie selbst sich dem Rentenalter nähern - wann gab es das im 19. Jahrhundert, daß 65jährige sich um ihre Eltern kümmerten? Ich will damit sagen: die sehr prägende Erfahrung des Todes naher Angehöriger kommt in der mittleren Phase des Lebens vieler Erwachsener gar nicht mehr vor. Noch vor wenigen Generationen erlebten nicht wenige Kinder das Sterben eines Elternteils (oft der Mutter), den Verlust eines Geschwisters durch frühen Tod, plötzliche Krankheit oder Unfall. Dann die Notwendigkeit, sich in jungen Jahren mit der legendären "bösen Stiefmutter" zu arrangieren. Dann die frühe Selbständigkeit: ein 18jähriger, der für sich allein einzustehen hatte, war häufiger als heute.
Und dann die Bildungsgänge: Dorfschulen, Internate, vornehme Pensionen für junge Damen, autodidaktisches Lernen, Hauslehrer, Pfarrer und Theologen in dieser Position, Internate (oft, weil der Schulweg zu weit war): das alles ergibt eine wirkliche Vielfalt von Prägungen, auch von Widerständen, auch von Darüberhinauswachsenmüssen. - Wie sollten allein diese Lebensumstände die Gesichter und Charaktere nicht geprägt haben?

Liebe Frau Kostiza,
ich gerate schon seit Jahren nicht mehr in den "falschen Film"!
Erstens lese ich so gut wie gar keine Empfehlungen in den Medien - allerdings wird meine Aufmerksamkeit geweckt, wenn ich höre, etwas soll "langweilig" sein - zweitens meide ich: verfilmte Lebensgeschichten, Literaturverfilmungen (zu 95%), amerikanische Historienschinken, Komödien und Krimis.
Was den verbleibenden Rest beitrifft, vertraue ich auf die Intuition: so war es das Kinoplakat für Finding Vivian Maier, das den Ausschlag dafür gab, den Film zu sehen. Bei Die Höhle der vergessenen Träume wars Werner Herzog und die Höhle und der schöne Titel, bei Albert Nobbs die Schauspielerin Glenn Close usw. usw.

Langer

4. September 2014 20:48

Kositza: Gesichter: Ja, schon. Im Schnitt ist der nicht überernäherte mittelalte Mensch heute (nach klassischen Kriterien der Ästhetik)schöner anzusehen als der vor sechzig oder sechshundert Jahren. Aber ich meine die gesunden Kindergesichter. Sie sehen heut anders aus, ohne daß ich genau auf den Punkt komme, woran es liegt. Ich schau mir gern alte Klassenphotos an, Elterngeneration. Ich stelle mir die Kinder mit modernen Klamotten vor, ohne Zöpfe & Seitenscheitel. In den wenigsten Fällen (diese fallen mir dann immer auf) würde das passen.

Vielleicht liegt es an den anderen Lebensumstaenden. Damals kannten Kinder vermutlich noch ein ganz anderes Niveau von Leid und Lebenshaerte. Da war man vielleicht noch oefter mit dem Tod konfrontiert und dass es jeden Tag zu essen gibt, war auch nicht so sicher. Daneben hat man wohl schon deswegen die Kinder mit einem anderen Mass an Ernsthaftigkeit behandelt und entsprechendes kommt in ihren Gesichtern zum Ausdruck. Die kleinen Erwachsenen. Fallen Ihnen heutzutage Kinder aus aermeren Gebieten aehnlich auf?

Man vergleiche das mit dem Wohlstand heute, wo die dringlichste Frage lautet, welche Sorte Joghurt es zum Mittag gibt und ob man schon die neueste App auf dem Handy hat. Ich schaetze, die meisten Kinder heute sind sehr verzogen, was Haerten und Lebenswirklichkeiten angeht.
Und wenn das Gesicht, die Mimik eben nie eine Haltung wirklicher Besorgnis und Trauer und der ganzen Palette von rohesten Gefuehlen zum Ausdruck bringen muss (und den verstaerkten Kontrasten daraus), dann hat man vielleicht einen Grund fuer diese Unterschiede.

Gold Eagle

5. September 2014 09:27

"Seit etwa zwanzig Jahren lese ich die Emma, jede Ausgabe. Es ist für mich die informativste Frauenzeitschrift."

Also ich lese manchmal die Online-Ausgabe und kann das nur weiter empfehlen. Das ist 10mal lustiger als der Postillon. Wenn ein Macho eine Satireseite ins Internet stellen würde, um sich über die Logikferne, Männerfeindlichkeit und Verschrobenheit der Feministinnen lustig zu machen, da würde die genau so aussehen.

Die neueste Diskussion. Woran erkennt man, dass Frauen disktiminiert werden? An dem Umstand, dass Männer mit nacktem Oberkörper arbeiten können, ohne dass sich jemand daran stört, wohingegen Frauen in diesem Fall von bösen, notgeilen Männern angestarrt werden. Und das ist nicht einmal als Witz gemeint, sondern wird mit einer Ernsthaftigkeit diskutiert, als ginge es um den Weltfrieden.

Kreuzweis

5. September 2014 12:45

Danke, zwischendurch mal, für Ihre stets lesenswerte Rubrik "Das war's".

Zu Alice Schwarzer fällt mir immer nur der eine Spruch ein, den ein Bekannter mal prägte:
"Hätte ihre Mutter Alice abgetrieben, was wäre Deutschland doch erspart geblieben!"

Frankstein

25. September 2014 11:07

Das Phänomen der jugendlichen Mimen ist nicht ganz neu. Man vergleiche einen Vladimir Klitschko mit Max Schmeling oder einen Manual Neuer mit Fritz Walter. Ernährung, Umwelt, Abwesenheit von schweren Schicksalschlägen erlauben dem Organismus weitgehend die Erneuerung ungeschädigter Zellen. Der Körper wirkt länger jung und lebt länger, weil sich die Zellteilungsrate erhöht. Die Phase der Jugendlichkeit, oft in der Geschichte auf 14-18 Jahre begrenzt, reicht heute bis in die Mitte der 30-Jahre. Vielfach auch die Phase der Neuronalbildung, nach dem Alter längst erwachsen, im Wesen kindlich. Man beobachte nur die vielen revolutionären und zugleich ideologischen Aufbrüche. Wozu Umwelt-, Klima- und Menschenrechtsbewegungen gehören. In der Geschichte hat es solche Phasen schon immer gegeben. Der sterbende Galater im Pergamon-Museum könnte heute in jeder deutschen Stadt leben, ohne aufzufallen. Der David des Michelangelo am Nebentisch im Cafe würde niemanden auffallen. Selbst Nofretete ist mir schon in Gestalt zweier junger Berberinnen in den Innenstadt aufgefallen. Was nicht heißt, dass es zu allen Zeiten überall so war. Allerdings wären die 300 Spartaner im Kino nicht so schön anzuschauen, wenn man wirklich 300 spartanische Krieger gefunden hätte. Ein Beispiel, was Ernährung und Umwelt dem Menschen antun, ist der Bericht des Adalbert von Bremen der im 11. Jahrhundert die Gräber von Wikingern auf Grönland öffnen ließ. Die gefundenen 1,60m-Mumien hatten mit den ehemals 1,90 großen Normannen des 9. Jahrhunderts keine Ähnlichkeit. Und in die Rüstungen der französischen Ritter des 14.Jahrhunderts hätten die Frankenkrieger des Karl Martell nicht einmal als Kinder gepasst. Im Übrigen nehmen wir nur wahr, was unserem Empfinden entgegenkommt. Auch heute gibt es viele Jugendliche mit alten Gesichtern, noch mehr mit altem Verhalten.

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