Sezession
22. September 2014

Ökomanifest von rechts

Gastbeitrag / 34 Kommentare

von Philip Stein

Im linksalternativen Berliner Szeneviertel Kreuzberg eröffnete vor wenigen Tagen ein Biosupermarkt, der mit dem avantgardistischen Konzept aufwartet, auf jegliche Art der Verpackungen zu verzichten. Trockenwaren, etwa Erbsen, Nüsse, Nudeln, Tee oder Zucker werden von den Kunden in eigens mitgebrachten oder vor Ort ausleihbaren Behältern verstaut. Milch wird in Kannen oder Flaschen gefüllt, Butter und Käse vom Verkäufer nach Kundenwunsch geschnitten.

Die Betreiber des jungen Unternehmens, das sich vornehmlich gegen die moderne Konsum- und Wegwerfgesellschaft richtet, sind wie selbstverständlich politisch links einzuordnen. Denn von den vielen Deutungsschlachten, die von der deutschen Rechten in den letzten Jahrzehnten verloren wurden, wiegt der vorherrschende Alleinanspruch des linken Milieus auf Themen und Begriffe wie Umwelt, Natur und Ökologie nachträglich wohlmöglich am schwersten, und tritt gleichzeitig so erdrückend zu Tage. Dabei sind jene Themen und Begrifflichkeiten, die von der politischen Linken seit '68 als Vehikel für marxistische Gesellschaftsideen genutzt werden, durch ihre unbedingte und unabdingbare Verbindung mit dem Wert der Heimat, ja auch dem biologisch-völkischen Erbe, ursprünglich und genuin rechts zu verorten.

Über den Verlust jener Deutungshoheit wurde in den letzten Jahren durchaus diskutiert. Viele Rechte haben erkannt, dass die Landnahme, die schleppende und mühselige Wiedergewinnung der Natur- und Umweltthemen, nicht nur eine Option unter vielen darstellt, sondern ihr elementare Wichtigkeit innewohnt. Denn nachdem mit Herbert Gruhl, August Haußleiter und Baldur Springmann in den 1980er-Jahren drei dezidiert Nationale den Machtkampf in der jungen grünen Bewegung, aus der u.a. die heutige Partei Bündnis 90/Die Grünen hervorging, verloren hatten, gingen die Themen für das rechte Milieu endgültig verschütt.

Die grüne Bewegung in Deutschland wird seither von der gleichnamigen Partei sowie zahlreichen Vereinen, Initiativen und NGOs beansprucht und dominiert, die Umwelt und Natur in linkes Hoheitsgebiet verlagert haben. Damit einher geht nicht nur der gesellschaftliche Konsens, dass die Natur immer links stehe, sondern auch die unweigerliche Assoziationskette grün gleich Hippie gleich weltfremd. Betrachtet man jedoch die Thesen Gruhls, Springmanns oder Haußleiters en detail, so ist offenkundig, wie eklatant sich diese von vielen Agitationen der heutigen Umweltbewegung unterscheiden. Gruhl, seine Mitstreiter und auch weitere alternative Köpfe, etwa Henning Eichberg, lieferten mit ihren Schriften ein Fundament, auf das die heutige Rechte zurückgreifen kann. Doch ein stetiger Rückgriff auf das bereits Erschlossene, so wie es mit der Konservativen Revolution viel zu oft geschieht, reicht bei weitem nicht aus. Eine neue rechtsökologische Radikalität ist gefragt.

Mit der Ausgabe 56 unter dem Titel „Heimatboden“ (vergriffen) lieferte die Sezession eine überfällige Grundlagenbetrachtung, die rechtsalternative Strömungen darstellte und ein intellektuelles Fundament für eine Übertragung in die Sphären des Politischen bereitete. Dem rechtsintellektuellen Anspruch der Publikation folgend, wurde hier freilich kein direkter, missionarischer Aufruf zu einer radikalen ökologischen Reform und Landnahme von rechts artikuliert. Doch es sind jene rechtsökologischen Maximalforderungen, die es dieser Tage zu formulieren gilt.

Als die Grünen vergangenes Jahr einen bundesweiten „Veggie Day“ für öffentliche Kantinen forderten, formulierten diese damit eine Vorstoß, der eigentlich von rechts hätte kommen müssen. Stattdessen reagierte sich in den Weiten des Internets ein konservativer „Shitstorm“ ab, der einen Einblick in das Natur- und Umweltverständnis des konservativen Milieus in Deutschland ermöglichte. Denn der Vorstoß der Grünen erzeugte eine Welle der Empörung und Ablehnung, die weitestgehend damit begründet wurde, daß dem Vorschlag ein Ökofaschismus innewohne, der den Bürger entmündige und seiner Freiheit beraube. Die Forderung nach einem starken Staat im Sinne Carl Schmitts, der viele Konservative in anderen Lebensbereichen uneingeschränkt folgen, wurde hier vom eigenen Milieu karikiert.


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Kommentare (34)

Langer
22. September 2014 17:50

Was wuerde denn passieren, naehme man die 100 Joghurtsorten aus dem Supermarktregal? Was wuerde denn passieren, wenn es ploetzlich nicht mehr die endlose materielle Verzweigung (Dekadenz?) als kurz-, mittel- und langfristiges Ziel fuer den Durchschnittsdeuschen gaebe? In welches Loch muesste er fallen?

Ich bejahe die Grundidee. Denn dann stuende ploetzlich (wieder) eine geistige Weiterentwicklung zur Option. Eine soziale, moechte ich sagen, und wir wuerden uns nicht mehr mit dem Firlefanz beschaeftigen, der uns an den Armen klebt, sondern mit dem Arm und dem Rest selber.

Aber: Wer von den Herren Konsumenten ist dazu befaehigt? Man sollte sich darueber im klaren sein, dass diese Lebensweise nicht fuer alle eine Option darstellt. Fuer das einfache Volk stellt der Konsumerismus eine Art Sublimation ihrer niederen Triebbeduerfnisse dar. Das wuerde zu wieder rauheren Zeiten fuehren und die ewige Frage nach dem Umgang mit diesen rauhen Menschen heraufbeschwoeren (Beschaeftigung oder Abschaffung).

Das geile an der Natur ist jedenfalls: Sie ist inhaerent rechts! Insofern sie konsequent, fordernd und absolut ist.

Bert
22. September 2014 17:51

"Eine „Décroissance“, die Rückkehr zum Ursprünglichen, ja eine ökologisch-völkische Renaissance ist es, die wir allzu bürgerlich gewordenen vertreten müssen. Wem der lediglich ein oder zweimalige Verzehr von Fleisch pro Woche schon ein zu großes Opfer ist, der ist ohnehin für eine politische Rechte nutzlos."
Ehrlich? Selten habe ich so etwas albernes gelesen.

brrr
22. September 2014 20:44

Natürlich lassen sich innerhalb der Sichtweise der Gegenaufklärung Positionen beziehen, welche die Ökologie betreffende Schlussfolgerungen zeitigen. Entstehen doch aus der reinen, aufgeklärten Sicht auf die Welt bisweilen Tendenzen, welche sich ebenso zerstörerisch auf die Natur auswirken, wie sich andere, wohlbekannte Tendenzen zerstörerisch auf die Familie oder die klassische Schulbildung auswirken. So kann es nicht im Sinne einer Gesellschaft sein, die Natur durch rücksichtsloses Wirtschaften zu zerstören. Mechanismen müssen her, welche die Tradition des Auskommens mit der Natur in die Moderne überführen können. Grundsätzlich also ist eine Debatte um die Ökologie wichtig.
Aber welche gesellschaftspolitischen Gestaltungsmechanismen würde ein konservativer hier, in rückblickender Kenntnis der Geschichte, einsetzen?
Solche, welche die eigene Position stärken, oder jene, welche wiederholt in der Geschichte bewiesen haben, dass sie dazu führen, die eigenen Position dadurch, dass sie nicht funktionieren, zu schwächen?
Grenzt sich die konservative Revolution nicht gerade durch den Revolutionsbegriff vom reinen, einseitig-rückwärtsgerichteten Widerstand gegen alles, was "Modern" ist, ab? Beispielsweise ist Spenglers "Der Mensch und die Technik" nicht technikfeindlich. Im Gegenteil, er bejaht die Technik als Manifestation der Tiefen der abendländischen Seele, als eine unser vollkommensten und uns selbst am würdigsten Schöpfungen.
Ohne die Technik und ihre Fortentwicklung würde der Mensch scheitern.
Hier jedoch wird nach einer "neuen, rechtsökologischen Radikalität" gerufen. Daraus erwächst dann der Ruf nach Verzicht, welcher nötig wäre, um Forderungen nach einer neuen Gesellschaft durchzusetzen. Wachstum und Konsum werden kritisiert. Verlust technischen Wissens, und damit Verlust der eigenen Identität, wäre die unvermeidbare Folge.
Hier wird auch deutlich, warum die Ökobewegung eben doch, trotz unverkennbar reaktionärer Tendenzen, an die radikale Linke am anschlussfähigsten war. Sie scheitert allerdings gerade am Versagen der Linken, an deren, aus ideologischer Blindheit resultierender, mangelnder Weltwirksamkeit.
Dieselbe Kritik, die bisher in die linke Richtung gerichtet war, bleibt hier gültig: Eine Gesellschaft, welche sich von den Gesetzen des Marktes auf die geforderte Weise lossagt, wird global versagen und schließlich erfolgreicheren Modellen Platz machen. Auch sich selbst wird sie verlieren, weil sie den Herausforderungen des Bestehens in der Natur eben durch Beharren auf Gestern nicht gewachsen sein wird.
Die konservative Revolution muss sich klar von allen sozialistischen Tendenzen lossagen, um die Weltwirksamkeit der Gesellschaft, die sie entwirft, glaubhaft zu machen. Der Staat sollte sich, das lernen wir aus der Geschichte, möglichst aus der Ökonomie heraushalten, sonst kann er, mangels Ressourcen, zumindest nach außen gar kein starker Staat werden.
Mir scheint es so, dass hier ein von den linken enttäuschter Ökoradikaler Anschluss sucht. Dieses "Manifest" kommt nicht von rechts.

Ellen Kositza
22. September 2014 20:48

Lieber Herr Stein,
zwar esse ich persönlich nur selbstaufgezogenes und -geschlachtetes Fleisch (also nur sehr selten), aber angesichts ihres Postulats („Wem der lediglich ein oder zweimalige Verzehr von Fleisch pro Woche schon ein zu großes Opfer ist, der ist ohnehin für eine politische Rechte nutzlos“) tät’ ich mich gern als hungrigster Fleischliebhaber offenbaren! Meinen Sie wirklich, die behördliche Durchsetzung eines Veggiedays wäre das, was Carl Schmitt unter „starkem Staat“ verstand?
Schnell ist die Jugend mit dem Wort! - das meine ich ganz freundlich. Für mich war ihr Artikel deshalb lesenswert, weil er mir auch zeigte, daß es in unserem „Milieu“ große Generationsunterschiede gibt. Etwa haben Sie die Sezessions-Ausgabe „Heimatboden“ begrüßt und nannten es eine „überfällige Grundlagenbetrachtung“ – ich hingegen dachte, als das Heft hier geplant wurde: Hmm, schönes Thema, aber das haben „wir“ (als erweiterte Szene begriffen) doch in den vergangenen Jahrzehnten wirklich schon x-mal durchgekaut!
Mir zeigt das: jede Generation beginnt lektüremäßig (und wohl auch im Entwurf des eigenen Lebensplans) auf einer tabula rasa. Das ist interessant. Bei manchen, wenn nicht gar vielen, Beiträgen denke ich mir: Alles schon dagewesen. Alles schon von Alpha bis Omega abgehandelt. Aber das scheint ein sehr subjektiver Standpunkt zu sein. Auch Ihr Vorwurf, daß Sander, Maschke, Benoist wohl vergessen seien: Ich empfinde das völlig anders. Mir kommt es vor, als wären deren Bücher und Schriften beinahe omnipräsent „bei uns“. Ich erspare mir, die letzten Rezensionen/Bewerbungen aufzulisten.

Martin
22. September 2014 20:52

Denn der Vorstoß der Grünen erzeugte eine Welle der Empörung und Ablehnung, die weitestgehend damit begründet wurde, daß dem Vorschlag ein totalitärer Ökofaschismus innewohne, der den Bürger entmündige und seiner Freiheit beraube. Die Forderung nach einem starken Staat im Sinne Carl Schmitts, der viele Konservative in anderen Lebensbereichen uneingeschränkt folgen, wurde hier vom eigenen Milieu deutlich karikiert.

Irgendwie habe ich wohl die ganzen Jahre einen anderen Carl Schmitt gelesen, zumindest hat der, den ich gelesen habe, nichts gegen eine freie Wahl beim Essen und auch im Übrigen erscheint er mir, was die private Lebensführung des Einzelnen angeht, eher liberal. Allenfalls taugt er, um die Einführung von Lebensmittelkarten und Bezugsschein im "Ausnahmezustand", also eben gerade nicht im Normalzustand, zu begründen, aber das wurde ja bereits zu einem Zeitpunkt "erfunden", deutlich bevor er eine breitere Rezeption erfuhr.

Rainer
22. September 2014 21:15

Der Vorschlag der Grünen, einen Veggie-Day einzuführen, hat nicht wohl deshalb einen "Shitstorm" im Internet verursacht, weil er prinzipiell schlecht wäre oder weil er schlecht begründet wurde, sondern weil er von den Grünen kam. Diese haben heute inzwischen nicht nur in konservativen, sondern auch schon in manchen bürgerlichen Kreisen einen schlechten Ruf, weil ihre linke, antideutsche Agenda immer offener zutage tritt.

Es ist in Zukunft damit zu rechnen, daß sinnvolle ökologische Forderungen, ein sparsamer, bewußter Lebensstil sowie Natur- und Umweltschutz obsolet werden, gerade weil sie durch diese Partei (früher) vertreten worden sind und weil sie diese Themen in unzulässiger Weise mit einer dogmatischen Haltung in Einwanderungsfragen, "Antirassismus", Islamisierung sowie Feminismus und Genderpolitik verknüpft hat.

Ich glaube, vielen Anhängern der Grünen, Wählern und Sympathisanten wird diese Entwicklung selbst langsam unheimlich. Glaubwürdige Vertreter und Personen der konservativen und rechten Spektrums könnten diese Menschen vielleicht dorthin zurückholen, wo sie eigentlich hingehören, nämlich in die Sphäre des erhaltenden, bewahrenden und konstruktiven Lebens und sie aus der Sphäre des auflösenden, zersetzenden und degenerativen Daseins herausholen, in dem sie durch die grüne, kulturmarxistische Propaganda gefangen sind.

Konservativer
22. September 2014 22:50

Ein interessantes Thema.
Ich persönlich sehe den Beitrag als einen Diskussionsansatz hinsichtlich der Ergründung von Wegen, die uns zumindest halbwegs unfallfrei von der "Nadelspitze" herunterführen können (siehe dazu den Beitrag von Thomas Hoof https://www.sezession.de/37860/der-tanz-auf-der-nadelspitze.html ).
Wer hingegen meint, die Thesen von Thomas Hoof seien Unsinn, der wird auch mit dem Beitrag von Philip Stein wenig bis nichts anfangen können.

In einem anderen Aufsatz ( https://www.sezession.de/1420/letzte-ausfahrt-weiter-hinten-der-deutsche-sonderweg.html ) schreibt Thomas Hoof folgendes:

"...
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts begegnet das deutsche Denken der englischen Nationalökonomie mit großer Neugier, aber steigender Skepsis und wachsender Sorge, hält sie für „ordinär“, geistvergessen (Adam Müller) und für eine banale „Naturlehre der menschlichen Selbstsucht“ (Bruno Hildebrandt, 1848).
...
Der Grundtenor der deutschen Opposition war also immer, daß es um die „produktiven Kräfte“ gehe, die in erster Linie von Menschen betätigt werden. Nicht die Befriedigung der Bedürfnisse, sei das erste Ziel, sondern die Erhaltung und die Kräftigung der fortdauernden Möglichkeiten dazu.
Das ist das preußische Prinzip: Alle zu heben, und niemanden sacken zu lassen, eine „Ertüchtigung“ aller Stände, Schichten und Menschen, Wirtschaft als ein Ineinander von materieller und ideeller Allokation, eine Gleichzeitigkeit von wirtschaftlichem und kulturellem Wachstum, und eben immer wieder Hegels Hebung des „allgemeinen Vermögens“, die Birger P. Priddat als eine „sublunare Theoriefigur in der deutsche Ökonomie“ bezeichnet.
...
Das Absinken ganzer Schichten, denen jede ökonomische Reserve und schließlich auch die Fähigkeit zur „Selbstanspannung“ abhanden kommt, die „Proletarisierung“ also, die mögliche Ansteckung mit dem „hochgradig pathologischen Charakter der englischen Gesellschaftsstruktur“ (Röpke), war ein Schreckensbild, das die deutsche Ökonomie seit dem späten 19. Jahrhundert stets begleitete und sie bis in die 60er Jahre nicht mehr verließ.
...
Deutschland hat sich tatsächlich „den Kopf zerbrochen“ für die Welt – und zwar auf der Suche nach Wegen, auf denen sich vorbeikommen ließe an genau der zivilisatorischen Sackgasse, an deren Ende die Welt jetzt in völliger Rat- und Orientierungslosigkeit herumrennt."

Nachfolgend ein Originalbeitrag von Herbert Gruhl, in dem er Fragen zu seinem Buch "Ein Planet wird geplündert" beantwortet:

https://www.youtube.com/watch?v=EkCufZ-9WWM

Arkanthus
22. September 2014 23:11

Muß das wirklich sein, auf so einen Zug aufzusteigen, die neurotisch-borniert-verbissene Ökoschiene mitfahren ? Nein, nein, bitte nicht !

1. haben wir wirklich drängendere Probleme. Eines davon, wenn auch vergleichweise sehr geringes, ist u.a. die Verhunzung deutscher Kulturlandschaften durch eben diesen Ökowahn.

2. was ist der Nutzen dieses profanierten Puritanismusses ? Richtig, das eigene Seelenheil, irgendwie. Wir kennen alle diese linken Ökos, muß man nicht näher kommentieren. Glaubt jemand, das würde Deutschland retten, wenn es jetzt auch eine rechte Ökobewegung gibt ? Warum ?

Gustav Grambauer
23. September 2014 00:03

Junger Mann, machen Sie ein kleines Experiment: gehen Sie in Word auf "Ersetzen" und tauschen Sie die Begriffe "rechts", "konservativ" usw. gegen "links" aus, und umgekehrt. Setzen Sie bei den Namen jeweils die Pendants der anderen politischen Seite ein und redigieren noch ein paar Unschliffigkeiten.

Und dann schicken Sie den Text als Gastbeitrag an ein beliebiges linkes Portal: Sie werden sehen, er wird gebracht und mit heiligem Ernst diskutiert.

Die Ökologie als pädagogisches Vehikel, um irgendjemand "aus seiner Lethargie zu erwecken", ist gescheitert. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie konservativ, also werden Sie es nicht wollen: aber damit wäre eigentlich der Weg frei für eine "Ökologie als die Schäferspielfassung des strengen reaktionären Textes" (- Dávila).

Ich möchte Sie nicht entmutigen, aber denken Sie bitte noch einmal in Ruhe über Alarmismus / Dramatismus, Endzeit-Prophezeihungen, Aktionismus und über imperatorische Sätze, die mit "Wir müssen ..." eingeleitet werden, nach.

Ich muß gar nichts. (übrigens ein trefflich-ökologischer Gedanke ...)

Denken Sie auch über die Stufen der Degradierung und Mißachtung der Kunden durch den Handel nach: von der "Selbstbedienung" in den "Aktiv-Märkten" der 60er Jahre über allerhand schikanöse Leitsysteme und die Anrede mit "du" bis hin zur Nötigung des "Viehs", sich die Verpackung gefälligst selbst mitzubringen oder bei unvorhergesehenen Einkäufen unwürdig vorher noch irgendwo anders zu beschaffen. Falls Sie eine Antenne für Paradoxa haben: ich würde in dem Geschäft nicht einkaufen, denn ich gehöre EBEN NICHT zur Massengesellschaft.

All das sage ich als Vegetarier (seit zwanzig Jahren), der, soweit nichts aus dem eigenen Garten verfügbar ist, fast ausschließlich bei den Bauern in der Nachbarschaft oder im kleinen Naturkostgeschäft einkauft, dabei mit besonderer Vorliebe Demeter-Erzeugnisse - und der auch sonst möglichst nicht am Wirtschaftskreislauf der Massengesellschaft teilnimmt und schon gar keinen Moden hinterherläuft.

Warum?! Nicht vordergründig aus sozialökologischen Überlegungen heraus, sondern nicht mehr und nicht weniger für mich eine Sache des Stils, und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

Und mit genau demselben Stil kann man auch untergehen.

- G. G.

Gold Eagle
23. September 2014 00:28

Wir wollen zurück zu den Ursprüngen? Zu welchen Ursprüngen? Zur Zeit der alten Germanen war Deutschland so ziemlich vollständig mit Wald bedeckt, doch schon im hohen Mittelalter wurde ein Großteil des Waldes gerodet, weil man Ackerboden brauchte, um die zusätzlichen Menschen zu ernähren. Das waren damals wohl so etwa acht Millionen. Heute leben in Deutschland mehr Menschen als im späten Mittelalter in ganz Westeuropa. Soviele Menschen lassen sich mit der ursprünglichen Landwirtschaft gar nicht ernähren. Wenn wir also wirklich zu den Ursprüngen und Zur Einheit mit der Natur zurück wollen, dann müssen wir wohl etwa 90 Prozent der Bevölkerung liquidieren oder wir müssen die Geburtenraten noch weiter senken, um uns "gesund" zu schrumpfen. Da liegt der Hase im Pfeffer bei der Grünen Wachstumskritik und Klimapolitik. Würde man deren Ideen wirklich umsetzen, müsste man die Welt radikal entvölkern. Die Weltbevölkerung des 21. Jahrhunderts ist mit der Landwirtschaft des 12. des 16. oder auch nur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einfach nicht zu ernähren. Darum war der Gedanke eines Vordenkers des Club of Rome nur konsequent. Er schrieb, er wünschte sich im nächsten Leben als Virus wieder geboren zu werden, um ein Großteil der Weltbevölkerung auszurotten.

Thomas Wawerka
23. September 2014 03:01

Also. Die "grüne Bewusstseinsbildung" hat bei mir immerhin soviel bewegt, dass ich beispielsweise beim Sommerfest eines Gartenvereins, wenn ich zufällig darüberstolpere, kein billiges, trockenes, lederdürres Schweinegrillsteak für eineurofuffzich mehr kaufe. Das ist in meinen Augen wirklich kein angemessener Umgang mit der Ware "Fleisch" - ich liebe Fleisch! Und ich kann es selbst besser zubereiten. Sollte es jedoch jemals einen "Veggie-day" geben, meinetwegen auch einen "Eintopfsonntag", werde ich schon aus reinem Protestgefühl an diesem Tag nur billige, trockene, lederdürre Schweinegrillsteaks essen.
Man kann "liberal" sein oder "freiheitlich" ... Wort, Riggs!

Meier Pirmin
23. September 2014 08:38

Der Hinweis auf Carl Schmitt, einen Ausnahmezustand nicht künstlich erzeugen zu wollen, scheint mir klug; es ist ohnehin möglich, Carl Schmitt "liberal" zu interpretieren, wie es zum Teil schon Prof. Hermann Lübbe gemacht hat. Die Rückkehr zu "einer völkisch ökologischen Renaissance", wie ich oben gelesen habe, lässt einen tatsächlich zunächst mal leer schlucken, wiewohl da vielleicht mehr Rousseau drin ist als das, was einem bei der Vokabel "völkisch" vordergründig in den Sinn kommt. Es wäre nicht schlecht, wenn es auch in Deutschland eine vernünftige, nicht fanatische Rechte gäbe. Es gab und gibt sogar unter den Linken und Grünen ein paar Vernünftige, so weit sie sich nicht durch reine Feindbildoptik verblenden lassen. Einzelne kluge Leute von der AfD lasssen hoffen. Rechtsliberal, Herr Kubitschek, muss nicht notwendig "scheissliberal" heissen, siehe beispielsweise Wilhelm Röpke.

Hartwig
23. September 2014 08:58

Wäre es den Grünen mit dem Veggie-Day ernst gewesen im Sinne eines Beginns der Rückführung von Massentierzucht, so hätten sie sich einen starken Verbündeten suchen können. Anstatt "Donnerstags" hätten sie "Freitags" sagen sollen und die christlichen Kirchen, voran die Katholiken mit ins Boot holen können im Sinne der Tradition eines Fastentages.
Stattdessen aber sollte der Veggie-Day mal wieder eine von vielen gutmenschlichen Korrektheiten werden ala Antirassist, Antisexist, Genderist etc., so also auch der korrekte Vegetarier, der sich von der kirchlichen Motivation abhebt. Der neue Mensch.

Verzicht üben fällt leicht, wenn der Verzicht auf den Verzicht jederzeit möglich ist. Ich glaube daher nicht an eine tatsächlich verbreitete Verzichtsbereitschaft die hier oder da behauptet wird.

Grundsätzlich halte ich den Grundtenor des obigen Beitrages zwar für richtig. In der Praxis wird es aber nur um parzellenartige Projekte gehen können. Es gibt ja die völkisch motivierten Ökobauern, die, wie man liest, im Nordosten Deutschlands ihren Schwerpunkt haben. Heimatboden, deutscher Boden, unser Land - die Grundgedanken, die dabei mitschwingen. Und letztendlich immer wieder der entscheidende Punkt: gegen das Fremde, gegen die Einwanderung - die unüberwindliche Trennstelle zur ökologischen Linken.

Raskolnikow
23. September 2014 09:25

"Im Keller",

der SiN-Seite, also unterhalb der Autorenbeiträge, befinden sich die Kommentare! Und meist sind alle Typen aus Lichtmesz´dreiminütigem Gruselfilmchen anwesend, die Spießer, die Masochisten, Sadisten, Potenzprotze ... How bizarre!

Lieber Meister Stein!

Zuerst kann ich einem administrativen Verbieten oder Gebieten nicht fürschreiben, wenn es sich um die Speisegewohnheiten der Leute handelt. Das ist ein zu drastischer Eingriff in die häusliche Selbstbestimmung. Und ebendiese ist ein essentieller Punkt jener Rückbesinnung, die fürderhin wahrscheinlich auch Ihnen vorschwebt.

Das Haus und der Hof, selbst die kleine Wohnung einer Familie muss frei von directem obrigkeitlichem Zugriff sein.

Aber wenn dann vorgeblich schlaue Intellektuelle von ihrer "Freiheit" und "Ich muß gar nichts!" schreiben, kommt mir glatt die Tafel "Alpengold-Marzipan" wieder hoch. Der vor zehn Secunden geborene Säugling ist nicht "frei" und "muß" schon alles Mögliche ...

Wenn es darum geht, die kleinen beschissenen Freunde zu beeindrucken, liest der Spießer Thomas Mann und Carl Schmitt, obwohl er lieber Pornos anschauen würde; kauft sich Zigarren, die ihm nicht schmecken; zieht sich teure Kleidung über den Wanst, die ihn zwickt und ernährt sich demetrisch, um stilvoll geheißen zu werden. Aber die "Freiheit" Bratwurst zu essen, will er sich nicht nehmen lassen, da wird er zum Kämpfer ... Man sollte eine "Apologetik der Leibeigenschaft" verfassen!

Plumpe Verbote, werter Herr Stein, sind mir zu unfein. Allerdings kann man ordnungspolitisch für sinnvollen, gesunden Mangel sorgen. Zoll, Grenzen, regionale Währungen, regionale Maße und so weiter ... Aber auch die Kleingartenanlagen in den großen Städten sind eine Chance, die es zu akzellerieren gilt. Enteignung fremder bodenbesitzender Kapitalgesellschaften, genossenschaftliche Börsen für Agrarerzeugnisse und so weiter ...

Und wenn die Vertreter des kapitalistisch-demokratischen Blocks itzo über solche Ideen lachen, sie albern finden, vor "globalem Versagen" warnen und ähnlichem ridikülen Schwachsinn, dann sollte man sie nur bilanzieren lassen ... Wenn sie noch einen Rest Anstand im Wohlstandsleibe haben, setzen sie sich in die Ecke und fressen ganz still ihre Mars-Riegel und BiFi-Würstchen.

Wir haben uns von englischen Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts einreden lassen, die Schlauheit sei ein Wert. Der Kluge wurde zum Helden des Kapitalismus. Daß solch eine Ansicht das Individuum zentriert und folglich den obszönsten Egoismus verursacht, ist (für uns Heutige) klar. Diesen Irrtum muss man abräumen. Nur wie?

Vielleicht kommt dem Rausch eine Bedeutung zu. Als Gegensatz zu Vorsicht und Vorsorge. Die Theorie, wenn sie denn wirkliche Theorie ist und nicht Schlauheit, könnte vielleicht eine Antwort geben. Theorie als leidenschaftliche Kontemplation im antiken Sinne ... Vielleicht ein Kult? Aber ist der Kult Ursache oder Ergebnis einer Lebensweise? Ich weiß rein gar nichts davon ...

Zu bedenken ist jedenfalls, daß unsere Ablehnung der modernen Gesellschaft nicht ganz aufrichtig ist. Seien wir in diesem Puncte unbedingt ehrlich! In jedem von uns giebt es diese Sau, die auf "westliche Werte" steht und immer in der Rausche ist. Täuschen wir uns darüber nicht ...

Mir war Ihr Artikel sehr sympathisch, besonders nach Lichtmesz´ moribundem Sujet, und ich glaube, wie Frau K., die möglichen Lösungen sind ausreichend durchdacht. Hinwiederum gilt es nun Erfahrungen auszutauschen und einen fröhlichen Kult der Askese zu gebären ...

Mit cordialen Grüßen,

R.

Nordlaender
23. September 2014 09:28

@ Rainer

"Der Vorschlag der Grünen, einen Veggie-Day einzuführen, hat nicht wohl deshalb einen „Shitstorm“ im Internet verursacht, weil er prinzipiell schlecht wäre oder weil er schlecht begründet wurde, sondern weil er von den Grünen kam."

Einer zwölfjährigen Göre, die unter schlechtesten Verhältnissen Tag für Tag kaugummikauend damit verbringt, amerikanischen Vorabendserien zu folgen, sei dieser globalesische Mundauswurf ("V.-D.") gerne verziehen.

Ansonsten: unerträglich

Unke
23. September 2014 10:27

Gruhl [...] lieferte[n] mit ihren Schriften ein Fundament, auf das die heutige Rechte zurückgreifen kann.

.
Das ist falsch. "Ein Planet wird geplündert" war nichts anderes schlechte, alte malthusianische Angstmache. Der Autor kann diesen Bestseller unmöglich gelesen haben, sonst wüßte er, welche der Prognosen Gruhls denn tatsächlich auch eingetreten sind --
Richtig: Keine. Keine!
.
Kupfer (für Elektrokabel unentbehrlich), z.B., wäre nach Gruhl heute längst ausgegangen.
Nun?
.
Es gäbe noch einiges zu sagen, ist die Analyse in der Richtung zwar nicht wirklich falsch, aber insgesamt eben nur fragmentarisch. So ist beispielsweise Umweltpolitik eine kulturmarxistische Zersetzungsstrategie, die erstmals ein Innenminister Genscher (ein transatlantischer Agent reinsten Wassers) fest in den Regierungsapparat installierte.
Petra Kelly hatte ihr politisches Handwerk in den USA gelernt, und der (mediale und politische) Aufstieg der Grünen zeitigte Muster, die einem in der Rückschau fatal vertraut vorkommen (man denke nur an das Wirken von Soros' OSF); das kommt alles aus der gleichen Ecke (Rockefeller-Foundation als Förderer des Feminismus, z.B.) und hätte noch einbezogen und in Relation gesetzt werden müssen.

Karl Eduard
23. September 2014 11:50

Diese Volkserziehung, ob von Rechts oder Links, nur wegen der Moral, geht mir gründlich auf den Keks. Ebenso diese Verknappungsideologen.

Wer braucht schon 30 Jogurtsorten? Aber, wer trifft die Entscheidung, wie viele es sein dürfen? Die Ethikkommission?

Und was das Beispiel mit dem Laden betrifft. Verpackungen wurden auch wegen der Hygiene eingeführt. Dass Milch mit der Milchkanne geholt wurde, daran erinnere ich mich noch. Die Milch wurde aus großem Bottich eingekellt und in dem Laden roch es nach Käse. Daß dabei die Milch den Verschmutzungen der Verkaufsstelle ausgesetzt war und den Bazillen der Kunden, war auch keine Frage. Und das, Genossen, ist heute der Fortschritt?

Das sieht eher nach der Dekadenz der Wohlstandskinder aus, die sich ein wenig wie in Afrika fühlen möchten. Aber nur ein wenig.

bazille
23. September 2014 11:50

Leider scheint es bei den Rechten momentan en Vogue zu sein linke Ansätze zu übernehmen. Wobei, und hier geht der Artikel ja sogar näher darauf ein, diese Ökologie Marotte so neu ja nicht ist. Das ändert aber nichts daran das der Ansatz falsch ist und bleibt. Wobei ich den naiven Wunsch, zurück zur Natur sogar verstehe, wenn ich Ihn aber auch vehement ablehne. Die Missverständnisse sind hier so zahlreich das es definitiv den Rahmen sprengt. Europa wurde in den letzten 10 000 Jahren de facto mehrmals umgegraben. Nichts vom Nordkap bis Malta ist natürlich , in dem Sinne, als es vom Menschen unberührt ist. Die viel gepriesene Natur ist eine Bestie mit blutigen Klauen. Der Mensch schafft sich seine Umwelt selber , seine technischen Hilfsmittel sind ihm Werkzeug dazu. Interessanter weise wird dem Menschen das heute zum Vorwurf gemacht. Die Frage ob er das im Einklang mit der Natur macht oder nicht stellt sich aber nicht , da der Mensch selber Natur ist (auch seine Werkzeuge). Der Selbstreflektion zu der der Mensch im beschränkten Maße fähig ist reicht nun mal nicht viel über eine Generationsspanne hinaus. Dies ist ein Problem , ficht aber den Menschen nicht an. Die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten, seine Umwelt zu gestallten und seiner gerade hier fehlenden Weitsicht, stellt sich erst seit grob 10000 Jahren . Selbst in der Biologie ein Wimpernschlag. Wir haben keinen Überblick über lange Zeiträume, kein Verständnis für komplexe Vorgänge. Der Wunsch zurück zur Natur ist eine Chimäre, wie bereits auch Mitschreiber bereits angemerkt haben. Dies komme einen Massenmord gleich. Nicht umsonst schreibt Spengler vom faustischen in der westlichen Kultur. Dieser Aspekt ist aber nichts was uns Westler /Europäer alleine eigen ist. Wir schaffen im Guten wie im Schlechten, wir sichern unser Überleben. Darin liegt nichts moralisches, den diese ist anpassbar. Die Gefahr des Scheiterns ist da natürlich gegeben, wird aber nicht abgewandt indem ich Vegetarier werde und mir mein Joghurt in mitgebrachte Gläser einfüllen lasse. Es gibt für den Menschen nur eine Richtung – vorwärts . Die Risiken müssen uns bewusst sein .
Und nur um Missverständnisse vorzubeugen, ich bin Biologe

720720720!
23. September 2014 12:50

Na, da hat wohl jemand einen Nerv getroffen... Schon ulkig, wie die "moderne Welt" hier so vehement verteidigt wird.

Rainer Gebhardt
23. September 2014 13:58

Schon verstanden, trotzdem mal was Grundsätzliches.

Das Ursprüngliche – ein ziemlich naives, verführerisches Surrogat. Tatsächlich handelt es sich um die Rückprojektion eigener Wünsche/Hoffnungen in eine Vergangenheit, die so nie existiert hat; quasi ein Zukunftsentwurf, der wahlweise in Sackleinen, Biogemüse oder mit den Fiktionen der guten alten Zeit daherkommt. Der Begriff ist immer positiv aufgeladen, als bezeichne er etwas, von dem wir uns tragischer- oder dummerweise entfernt haben. Wobei überhaupt keine Referenz auszumachen ist, wie und wo es denn nun existiert hat. Das ganze New-Age-Gedöns bezieht aus dieser Unschärfe seine Attraktivität.

Es geht immer um eine angeblich verloren gegangene Einheit, wobei man sich die Einheit nicht anders denken kann als 'arkadischen Traum von der Harmonie', als wiederzufindendes Paradies; ich sage „angeblich“, weil diese Einheit nie existiert hat.
(Das heiter idyllische Arkadien der Bukolik und das wirkliche, harte, entbehrungsreiche Arkadien können gegensätzlicher nicht sein.) Jedes Urpsprungsdenken verheddert sich hier in den eigenen Projektionen und den Absurditäten eines vor der Geschichte liegenden Ersten. Und genau darin, in der ahistorischen und reduktionistischen Auffassung der Wirklichkeit ist die Idee der Ursprünglichkeit eine verführerische Form von Gehirnwäsche.

Als ob man nur die Fehler korrigieren, das „Böse“ bannen, die dunklen Flecken der Wirklichkeit wegwischen müßte – und alles wäre gut. Irgendwie infantil, regressiv. Es gibt kein Zurück, bestenfalls ein Verlassen der ausgetretenen Pfade, ein Abzweigen in eine andere Entwicklung.

Seit 10.000 Jahren gibt es neben der Natur so etwas wie Kultur; eine strapaziöse Form der Existenz, anstrengend, und, wenn es darum geht, den Zwängen und der Not zu entkommen, geradezu naturverneinend. Kultur ist selbst dort, wo sie glaubt, an Ursprünge anzuknüpfen, ein Wegdriften von dem was gewesen ist.

Der Ursprung ist eine fixe Idee des – sagen wir es mal ganz Adornitisch – „entfremdeten Menschen“. Nur eben, daß Entfremdung ein anthropol. Dauerzustand ist und nichts, was sich durch Rückkehr in ursprüngliche oder einem Sprung in zukünftige Verhältnisse aufheben läßt. Weshalb ich den Empfehlungen zu einer Rückkehr zum Ursprung die mittelalterliche Einsicht in den tragikomischen Dauerzustand des Menschen vorziehe:

Ich komme, ich weiß nicht, woher.
Ich bin, ich weiß nicht, wer.
Ich sterb`, ich weiß nicht, wann.
Ich geh`, ich weiß nicht, wohin.
Mich wundert`s, dass ich so fröhlich bin.

Knut
23. September 2014 15:48

Und was das Beispiel mit dem Laden betrifft. Verpackungen wurden auch wegen der Hygiene eingeführt. Dass Milch mit der Milchkanne geholt wurde, daran erinnere ich mich noch. Die Milch wurde aus großem Bottich eingekellt und in dem Laden roch es nach Käse. Daß dabei die Milch den Verschmutzungen der Verkaufsstelle ausgesetzt war und den Bazillen der Kunden, war auch keine Frage. Und das, Genossen, ist heute der Fortschritt?

Das sieht eher nach der Dekadenz der Wohlstandskinder aus, die sich ein wenig wie in Afrika fühlen möchten. Aber nur ein wenig.

So ein Bockmist. Die Milch wird heute homogenisiert und pasteurisiert. Auf dem Vormarsch ist ja die länger haltbare Frischmilch. Da kann von frischer Milch längst nicht mehr die Rede sein. Ein Glas Rohmilch oder Vorzugsmilch ist ein Genuss und nicht nur geschmacklich. Diese Milch hat noch was zu geben.

Gold Eagle
23. September 2014 16:17

„Allerdings kann man ordnungspolitisch für sinnvollen, gesunden Mangel sorgen. Zoll, Grenzen, regionale Währungen, regionale Maße und so weiter … Aber auch die Kleingartenanlagen in den großen Städten sind eine Chance, die es zu akzellerieren gilt.“

Den Ansatz finde ich gut. Sollte man aber weiter ausbauen. Zum Beispiel könnte man auch Autos durch Droschkenkutschen und Flugzeuge durch Zeppeline ersetzen. Oder noch besser: Die Leute bleiben einfach zu Hause. Die Unkultur im Urlaub in irgendwelche fremden Länder zu fahren sollte ohnehin einmal kritisch überdacht werden.

Ich finde großes Verzichtpotential gibt es aber da eindeutig beim schönen Geschlecht. Wer braucht schon mehr als zwei Paar Schuhe, und Schränke voller Klamotten und Handtaschen voller überflüssiger Kosmetik und Schönheitsprodukte. Ein Stück Kernseife tut s doch nun wirklich auch.

Besondere Teufelszeug sind diese Südfrüchte, mit denen der Kapitalismus die glücklichen DDR-Bürger verführt hat. Außerdem essen die Leute viel zu viel Zucker und der Handel mit Gewürzen hat ja überhaupt erst zum Beginn der Globalisierung geführt. Darum sollte jeder anständige Mensch auf das Würzen von Speisen verzichten und Schokolade, Tee und Kaffee gibt es nur noch an Festtagen. In der Woche hingegen gibt es Eintopf, Wasser und Graubrot.

Bei Alkohol und Nikotin sollte man ernsthaft über ein Verbot nachdenken. Statt zu heizen kann man sich auch einen Pullover anziehen. Duschen kann man auch kalt, aber wegen des hohen Wasserverbrauchs nur einmal die Woche. Man muss auch einfach nur einmal daran denken, wie viel Wasser bei einer Spülung im Wasserklosett verbraucht wird. Da könnte man vielleicht gleich die Kleingärten als mögliche Alternative mit einbeziehen.

Durch diese gesunde Lebensweise werden Medikamente damit auch eigentlich überflüssig. Das heißt wir können uns gleich die ganze Pharmaindustrie und damit viele böser kapitalistische Großkonzerne sparen. Dass die Leute für alles und jedes ein Schmerzmittel oder eine Narkose bekommen, das ist auch ziemlicher Unsinn. Das führt nur zur Verweichlichung. Wer den Schmerz nicht kennt, der kennt auch die Freude nicht. Für einen Regionalgroschen gibt einem der Medicus einen ordentlichen Schluck Schnaps - ausnahmsweise mal - und dann wird der Zahn gezogen.

Das wären jetzt meine Einfälle zum Thema Verzicht, aber vielleicht gibt es ja noch andere gute Vorschläge, wo überall auf überflüssige moderne Produkte und westliche Zivilisation verzichtet werden kann.

Weltversteher
23. September 2014 16:33

Lieber Herr Stein, vielen Dank für den wunderbaren Beitrag, der dieses Thema nicht nur in lästiger Art "wieder hervorholt", sondern mit Herzblut verteidigt!

Man könnte im Anfang den Rat lesen, die Rechten müßten dieses Thema besetzen, so wie man der NPD zum Beispiel vorwirft, sie benützten dieses (und andere lebensnahe Themen) nur, um im Volke Anklang (für ihren braunen Terror) zu finden.

Wenn nun von rechts so wenig zu hören und zu sehen (!) ist, so könnte es daran liegen, daß viele sog. Konservative eben mit dem Wirtschaftswunder, mit dem Selbstläufer der industriellen Produktion, mit den Atomkraftwerken zufrieden sind, daß diese einen Teil ihres Weltbildes ausmachen.
Dort haben sich Menschen gesammelt und ausgesiebt, denen der Einklang mit der gesamten Schöpfung, mit unserer Heimaterde, nicht zwingendes, unmittelbares Bedürfnis ist. Und die die linke Deutung des Umweltschutzes (meist nicht Naturschutz genannt) vernehmen und übernehmen, der jedoch eine diktatorische Absicht innewohnt (Klimawahn, Veggie-Wahn).

Beide letztgenannten Dauerbrenner werden ja nicht aus Gründen des Lebensschutzes so gefördert, sondern als Ressourcen-Management für die angestrebte Überbevölkerung. Der Massenmensch der Zukunft braucht noch mehr Energie (nie soll gespart werden) und soll Algen fressen.

Auch ohne "Links-Grün" zu sein, kann man feststellen, daß der starke Schwung der Achtziger mit Müllvermeidung, Waldschutz, Naturschutz (Artenvielfalt, Giftvermeidung), Wasserschutz, irgendwann in den 90ern sang- und klanglos versickert ist. Das waren noch Motive aus der Zeit Gruhls u.a.

Ich wünsche mir tatsächlich eine grüne (d.h. schöpfungsbewahrende) Haltung im rechten Lager; nicht als Feigenblatt, oder um den "Standort D" zu pflegen, sondern aus einer Einsicht in die ungezählten, unerforschten Wechselwirkungen und Verstrickungen, die uns Menschen mit der übrigen Schöpfung verbinden. Liebe zur Natur.

Nordlaender
23. September 2014 16:52

@ Gold Eagle

"Die Leute bleiben einfach zu Hause. Die Unkultur im Urlaub in irgendwelche fremden Länder zu fahren sollte ohnehin einmal kritisch überdacht werden."

Pars pro toto sei obiges zitiert, viele Ihrer Vorschläge finde ich konstruktiv und erwägenswert. Ein Hinterfragen dieser Ausländerei, dem Entfliehen an ferne Gestade, finde ich sinnvoll. Dahinter steckt die weitverbreitete Neusucht, ein quälendes Leiden, das schwerlich geheilt werden kann, weil dieses Neue eigentlich gar nicht das Ziel ist, sondern lediglich als Therapeutikum gegen die Oikophobie instrumentasiert werden soll.

Alkoholverbot sollte grundsätzlich bejaht werden. Als Romantiker sollte man jeden Genuß konsequent vermeiden, der staatlich geduldet, wenn nicht sogar gefördert wird.

Hermann Karst
23. September 2014 18:14

Ich habe mich heute nachmittag nach vollbrachter Mahd mit meinem Klapprechner unter unseren Wildapfelbaum gesetzt, den letzten Sommersonnenschein genießend, und habe die Kommentare zu Steins Artikel studiert. An einigen – trotz vorgeblichen Ernstes – sichtlich satirisch gemeinten Beiträgen hatte ich so richtig meine Freude.

@ bazille:

Sie haben ja so recht: sub specie aeternitatis sind vielerlei Bemühungen des Menschengeschlechts völlig sinnlos. Darf ich Sie ergänzen? Zu den anfechtbaren Bemühungen gehört sicherlich auch die Pflege von Orthographie und Zeichensetzung. Manchem ist Rechtschreibung Wurscht, manchem ist sie ein Ärgernis, für manchen aber auch eine blutige Bestie. Auf jeden Fall, bei genauer Betrachtung: überflüssig wie ein Kropf. Schließlich ist sie ja doch – wie vieles andere auch – in den letzten 10.000 Jahren zigmal umgegraben worden, von Hammerfest bis Malta ungefähr, mithin unter höheren Gesichtspunkten doch ziemlich belanglos. Deshalb: weg damit und den Blick stählern geradeaus, denn für uns Fauste und Fäustlinge gibt es nur eine Richtung, wie Sie ganz richtig schreiben: Vorwärts!

Luise Werner
23. September 2014 18:15

Der Held Michel, aus Michel Houellebecqs "Ausweitung der Kampfzone" steht nächtens am Meer. Er ist in der Provinz auf Dienstreise. Er raucht eine. Und sinniert über das Leben der Fischer vor 100 oder 200 Jahren. Stellt sich das kleine Fischerdorf vor und das entbehrungsreiche und eintönige Leben. Das Eingebundensein in die Familien- und Dorfgemeinschaft mit all den Zwängen und Pflichten. Ein hartes und bemitleidenswertes Leben, findet Michel. Michel, der sich hier ganz bewusst selbst belügt, denn er lebt vollkommen bindungslos in irgendeiner Pariser Ecke und hat außer ein paar Kollegen, die er nach Möglichkeit meidet, keinerlei soziale Kontakte. Er würde nicht tauschen wollen mit so einem Fischer vergangener Zeit, und doch weiss er, dass er der wesentlich ärmere und erbärmlichere Wicht ist.

In der Verfilmung ist die Szene etwas deutlicher als im Buch, wenn ich mich recht erinnere. Aber wie auch immer das sei, so verdeutlicht sich die ganze ambivalente Sehnsucht des auf gänzlich anderer Art unterernährten Europäers der heutigen Epoche.

Konservativer
23. September 2014 18:31

Zum erweiterten Nachdenken regen die folgenden Dokumentationen an (in der zweiten Doku wird auf die abiotische Erdölgenese eingegangen):

https://www.youtube.com/watch?v=zdD2pi27dds

https://www.youtube.com/watch?v=GEF9JwH5NtY

Explizit zum Thema "abiotisches Erdöl":

https://www.youtube.com/watch?v=CK3kqM8szLw

https://www.youtube.com/watch?v=Cge_3mdSvjM

ene
23. September 2014 19:41

Wer meint, es ginge um ein utopisches Arkadien, um Bukolik etc. - der möge einmal in Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" (erschienen in den frühen 20er Jahren des 20. Jhr.) im ersten Band die ausführliche Beschreibung der Tätigkeit der Köchin lesen: wie und was sie täglich einkaufte, wie sie etwas zubereitete usw. Wohlgemerkt: hier an dieser Stelle werden keine Festessen, sondern normale Familienmahlzeiten beschrieben.

Nach der Lektüre wird einem klar, worum es geht, wenn die Mikrowelle Einzug in den Haushalt hält: um einen Verlust an Lebensqualität.
Lebensqualität - damit meine ich nicht "Luxus", sodern die einfachen Dinge in besserem Zustand.

Das qualitativ Schlechtere auch noch für einen Fortschritt zu halten - das ist "Moderne"!

Christian Bode
23. September 2014 20:40

Was ich zu sehen meine:

Bei dieser Diskussion trennt sich vieles an altem und neuem Rechten; die Lage ist ungewöhnlich erhitzt, wie es bei SiN selten ist - untereinander meine ich. Das ist gut, an und für sich. Binnenpluralismus nannte man das schon einmal hier, da war KHW noch da, nun ist er es nicht mehr. Dieser Pluralismus zeugt von Lebendigkeit, aber Lebendigkeit kann auch Dinge zersetzen, sich selbst im Weg stehen, ist also nicht per se förderlich.

Die Grundeinstellungen sind: Viel Staat - wenig Staat, staatliche Ökonomiemacht - Nachhaltigkeit einer gebremsten Ökonomie, staatlicher Zwang - anarchische Selbstbestimmung. Hier ist die Rechte je nach Auffassung auch in sich widersprüchlich.

Es gefällt mir, der ich auch zu den jungen Lesern gehöre, über Konkretes zu sprechen, obwohl ich definitiv auch einen Hang zur Meta- oder Metametaebene habe. Aber letztlich gibt es in erster Linie den Alltag, darauf baut alles auf, und der ist konkret und braucht konkrete Ideen. Hierbei fühle ich mich um ehrlich zu sein am einsamsten. Es mag an Überbleibsel oder Restbestände der Jugend liegen, aber der Wunsch nach einer Gemeinschaft, die sich in der Lebenshaltung bindet, ist nach wie vor stark und wird nur enttäuscht. Hier heraus könnte dann auch mit den Jahren eine eigene Ausdrucksstärke und ein kultureller Stil entstehen. (Kommen Sie, werte Herren und Damen, bitte nicht mit dem Tipp, es gäbe doch Burschenschaften oder die Identitären. Bier trinken klappt auch mit meinen nicht-rechten Freunden sehr gut und in Sachsen zu fünft mit einer schwarz-gelben Fahne zu wedeln würde ich ja sogar noch machen, aber anscheinend ist ihre Truppe - seit Tullio sind ja auch schon Zwei ein Trupp - groß genug und sie melden sich nicht auf meine Anfragen. Sei es also drum.)

Stattdessen trifft man nur auf bornierte Selbstverliebtheit oder intellektuelle Egozentrik. Am liebsten hört sich jeder beim Reden wohl selbst. Es scheint so, als sei Jüngers Ausspruch alleine die Bresche zu schlagen, seinen ganzen Jüngern zum Dogma geworden und so hackt jeder still vor sich hin, melancholisch oder gewollt heroisch, auf jeden Fall allein und stolz und selbstsüchtig und hält viel zu viel von sich.

Ja, Frau K., das Lernen beginnt immer wieder bei tabula rasa, deswegen geht auch so viel verloren, deswegen muss auch immer wieder über das Gleiche gestritten werden. Das ist das Leben. Aber das wissen sie wohl noch besser als ich.

Mit bestem Gruß,
#c

P.S.: Danke, Raskolnikow, für ihre Kommentare, da wird mir warm ums Herz und das ist im Herbst nicht unwichtig.

Pit
23. September 2014 21:22

Bei grobem Überfliegen der Kommentare...: nur Zustimmung der Kommentatoren zum Artikel.
Will deshalb nur mit der äußersten mir möglichen Zurückhaltung sagen: ich stimme nicht zu.
Und die Zustimmung der Kommentatoren erscheint mir... ja, ganz ähnlich verheuchelt wie die Heuchelei der Gutmenschen: der pathische Altruismus (und: Miläufertum).
Nur ein Stichwort von mir: libertär.

Stil-Blüte
24. September 2014 01:01

Hier ein Wochen-Speise-Plan, regional, (jahres-)zeitlich variabel, im Prinzip in früheren Zeiten aber gang & gäbe:

Montag: Reste-Essen
Dienstag Gerichte mit Eiern, Nudeln, Reis: heute: Spaghetti...
Mittwoch:; was Süßes (Milchreis, Kartoffellpuffer, Hefeklöße, Eierkuchen, Quarkkeulchen); heute: Pizza
Donnerstag: Eintopf
Freitag: Fisch
Samstag: Was Schnelles, Vorbereitetes: (Kartoffel-)Salate mit Würstchen, heute: Grillen
Sonntag: Endlich! Sonntagsbraten!

Die einzige Sitte, die sich bis heute bis in die Kantinen erhalten hat: Fisch am Freitag

Die Grünen: Erst bekämpfen sie die Tradition ihrer Vorfahren, um dann mit neuen Vokabeln als ihre Erfinder aufzutrumpfen. Nur vergeßlich oder gräßlich?

Distelherz
24. September 2014 08:04

Vorgeblich konservative Zeitgenossen beantworten also den Wunsch nach Bewahrung der heimischen Kulturlandschaft, des ökologischen Gleichgewichts oder ganz allgemein der Schöpfung mit Totschlagvokabeln, von denen ich folgend einige nochmals auflisten werde:

"Marotte"
"albern"
"dekadent" (selten so gelacht!)
"links" (ach ja, wenn uns sonst nichts mehr einfällt...!)
"neurotisch-borniert-verbissen"
"kulturmarxistische Zersetzungsstrategie"
"verknappungsideolog(-isch)"

Ganz ehrlich, ich kann da nur noch kotzen. Leser "720720720!" hat es in seinem Kommentar eigentlich in einem Satz passend zusammgenfaßt.

Wieder einmal erscheint ein Großteil der "rechtskonservativen" Netzgemeinschaft mit wenigen rühmlichen Ausnahmen als ein lächerliches Konglomerat aus wohlstandssatten, konsumorientierten, besitzstandswahrenden, fortschrittsbesoffenen Materialisten angelsächsischer Prägung, deren Konservatismus nicht über Oberflächlichkeiten ("Stilfragen") und Plätitüden hinaus geht.

Man möge mir verzeihen (oder auch nicht, da pfeif ich drauf), wenn ich hier unsubtil formuliere, aber ich kann es wirklich nicht mehr ertragen. Man muß nun wirklich nicht jeder These oder Forderung Steins zustimmen, aber die Reaktionen (Reflexe?) der Leser sprechen Bände.

Euch würde ich die Zukunft meiner Kinder jedenfalls keine Sekunde lang anvertrauen. Aus welcher Ecke soll denn überhaupt noch Rettendes kommen? Die Linken sind zu doof und die Rechten zu blind, verdammt noch mal. Wie kommt man da noch anders durch den Tag als durch Misanthropie und Martinis?

Götz Kubitschek
24. September 2014 08:25

so, feierabend.
gruß! kubitschek

Heiner
29. September 2014 00:30

Die Verrenkungen sind erstaunlich, mit denen sich Rechte hier von der Ökologie lossagen oder diese verächtlich machen wollen. Das erkennen leider nur wenige Kommentatoren. Aber im Endeffekt war es schon zu Gruhls Zeiten nicht anders - sonst wäre er nicht auf "Wanderschaft" außerhalb der CDU gezwungen worden.

Die Geschichte der Ökologie legt jedenfalls ein anderes Zeugnis darüber ab, wohin sie gehört und das sind nicht die Gender-Multikulti-Grünen. Dafür muss man keine linken Themen "abgucken", um "salonfähig" zu werden. Was soll die Übernahme der Unterstellungen von Antifa-Autoren durch Rechte?

Schade, dass auch Sezession in diesem lobenswerten Beitrag ohne einen Hinweis auf das einzige und sehr seriöse rechte Ökomagazin "Umwelt & Aktiv" auskommt. Laut linker Autoren immerhin das Schlüsselorgan "völkischer" Ökologie.

Schade auch, dass der Vorstoss von Sezession und Blaue Narzisse in diesem Bereich wohl das erfolgloseste Unterfangen dieser Netzseiten ist. In dieser Hinsicht ist die Rechte wahrlich progressiv - durch Verrat an den eigenen Wurzeln zugunsten einer "Moderne".

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