Sezession
2. Oktober 2014

denken, drücken, sprechen – (nur für den Dienstgebrauch)

Gastbeitrag

War zu Besuch bei W. F. in D., den ich aus früheren Gängen kenne. Ich fand ihn schwer verändert vor und suchte zu ergründen, warum er sich ständig weiter neigte. Auch faßte er, während wir dem Biere zusprachen, den Henkel auf jene sanfte Weise an, die den Liberalen verrät.

Unser Gespräch stockte in einem fort, weil F. es nicht unterlassen konnte, nebenbei in einem "Fratzenbuch" zu blättern, auf dessen Fortsetzung er täglich wartete. Ab und an brachte er eigene Notizen an und legte danach das Buch offen und für alle Gäste sichtbar an den Tresen. Gleich darauf schien ihm jedoch das Geschriebene wieder überholt zu sein, und er hastete zu seinem Buche, um jede Spur zu tilgen.

Vertieft in diese Arbeit bemerkte er nicht, daß einer der Gäste auf Abstand hielt und doch jede Seite mit einem speziellen Okkular ablichtete. Ich deutete dies für eine besonders ausgetüftelte Form der Ausspähung. Zugleich dachte ich nicht ohne Schwermut an jenes Prinzip, das uns in den Kreidegräben an der Hörmuschel zur Selbstverständlichkeit geworden war: denken, drücken, sprechen.


 Gastbeitrag

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